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Herzfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 150.

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Herzfelüer Kreisblatt.

DasHersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über

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Die Gepedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher teil.

Cassel, den 12. Dezember 1909.

Wie in den Vorjahren wird auch im Jahre 1910 ein KursuS zur Unterweisung von VolkSschullehrern im Obstbau in der Obstbauanstalt in Oberzwehren und in Gelnhausen ab» gehalten werden.

Wir ersuchen, unS bis spätestens zum 10. Januar k. Js. diejenigen. an den öffentlichen Volksschulen deS KreiseS angestellten Lehrer zu bezeichnen, die zur Teilnahme an einem der Kurse geeignet und bereit sind, auch eventuell anzugeben, an welchen von beiden Kursen sie teilzunehmen wünschen. Bei Auswahl der Lehrer ist zu berücksichtigen, daß sie nicht allein Neigung und Verständnis für den Obstbau zeigen, sondern auch Gelegenheit haben, das Erlernte praktisch zu verwerten. Ferner ist es erwünscht, daß die Gemeinden ihr Interesse an der Ausbildung deS Lehrers dadurch bekunden, daß sie sich von vornherein zu einem demnächst an unsere Hauptkasse zu zahlenden Kostenbeitrage, dessen Höhe zu be­richten ist, verpflichten.

Einstweilig angcstellte Lehrer werden zu den Kursen nicht zugelassen werden.

Die in Vorschlag kommenden Lehrer sind daraus ausmerk- sam zu machen, daß sie sich im Falle ihrer Einberusung mit einem Arbcitsanzuge zu versehen haben.

Auch aus jüdische Lehrer ist bei den Vorschlägen Rücksicht zu nehmen. (B. I. 6808.)

Königliche Regierung, Abteilung sür Kirchen- und Schulwesen. Unterschrift.

An die Herrn Landräte deS BezirkS.

*

HerSfeld, den 17. Dezember 1909.

Die Schulvorstände deS Kreises wollen mir alsbald und spätestens bis zum 2. k. Mts. die Lehrer namhaft machen, die geeignet und bereit sind, an einem der beiden Kurse teilzunehmen.

I. 13058. Der Königliche Landrat.

I. B.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSseld, den 14. Dezember 1909.

Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher, welche meine Versügung vom 30. November d. Js. I. Nr. 12378, be­treffend Einsendung der Listen über die Beiträge zur Land-

Dienftag, den 21. Dezember

wirtschastSkammer noch nicht erledigt haben, werden hiermit mit Frist von 8 Tagen erinnert.

I. 12378 a. Der Königliche Landrat.

I. B>:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 13. Dezember 1909.

Den Henen Ort«. bezw. Gut-vorständen deS Kreise» werden in den nächsten Tagen die sestgestellten Spezial-Ber« zeichnisse über die Viehseuchen-Abgabe zugehen.

ES hat nunmehr die Ablieferung der Beträge an die LandeSrenterei hier zu erfolgen.

I. 12876. Der Königliche Landrat.

V.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher Ceil.

Zum Tode König Leopolds.

In Belgien ist nun doch noch durch daS erfolgte Hin- scheiden König Leopold- II. kurz vor dem JahreSauSgange ein Thronwechsel bewirkt worden. König Albert, der Neffe deS verewigten Herrschers, den bekanntlich nur drei Töchter überleben, hat den erledigten belgischen Thron bestiegen. Der neue belgische Monarch ist am 8. April 1875 geboren, steht also zur Zeit im 35. Leben-jahre. Seit Oktober 1900 ist er mit der Herzogin Elisabeth in Bayern, Tochter deS jüngst ver­storbenen HerzogS Karl Theodor. deS berühmten Augenärzte-, vermählt. Der Ehe find drn Linder entsprossen, der nun­mehrige Kronprinz Leopold Philipp, Prinz Karl Theodor und Prinzessin Marie Josea. König Albert hat sich bereit- all Prinz durch seine persönliche Liebenswürdigkeit, durch die Schlichtheit seines Auftreten- und seine hiermit verbundene Abneigung gegen äußern Prunk sehr populär bei dem belgi­schen Volke gemacht. Politisch trat er noch nicht sonderlich hervor, ungeachtet seiner bisherigen Stellung nächst dem Throne, dagegen hat er sür eine Reihe von Fragen de« praktischen Leben- schon immer lebhafte- Interesse bekundet. Im vergan­genen Frühjahr führte er eine Studienreise nach dem Kongo­staate aus. Zum Tode König Leopolds wird au» Brüssel gemeldet, daß der Eintritt der Katastrophe unmittelbar durch Bluterguß in daS Gehirn erfolgte; sofort nach derKonstatier- ung deS TodeS deS KönigS wurde feine Leiche gesalbt. Bald daraus erschien König Albert am Totenbette seine- Oheim», dann Prinzessin Clementine, die jüngste Tochter deS Verewig, ten. Freitag morgen fand sich auch Prinzessin Stefanie am Totenlager ihres königlichen VaterS ein. Ueber die Beisetzung König Leopolds war bis Sonnabend früh nichts bekannt; erst daS Testament deS KönigS dürfte hierüber wie auch über feine sonstigen letztwilligen Verfügungen, Aufschluß erteilen. Die beiden Häuser de» belgischen Parlamentes traten am Frei- tag nachmittag zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in welcher der Ministerpräsident die offizielle Mitteilung vom Hin­scheiden König Leopolds machte. Da« Parlament vertagte sich bis Donner-tag, an welchem Tage König Albert im Par­lament den Eid auf die Verfassung leistet. Die großen Brüsseler Blätter feiern in ihren Leopold II. gewidmeten Ne­krologen den Verewigten mit Recht als einen hochbegabten Herrscher und heben seine bleibenden Verdienste um Belgien, vor allem die Ueberlassung deS KongostaateS als Kronkolonie an Belgien, hervor; da» vielfach so bedenkliche Seiten aus- weisende Privatleben de- KönigS wird nur vorsichtig gestreift. Aber freilich, in der öffentlichen Meinung Belgien» und de« AuSlandeS bleibt e« unvergessen, wie sich fo mancherlei Skan­dale an den Namen König Leopolds II., namentlich mit seiner Familie, knüpsen, daß er in Unsrieden mit seinen Töchtern starb, daß er sich seine Gemahlin, die im Jahre 1902 ver­storbene edle Königin Marie Henricttr, längst entfremdet hatte. Auch die vor einigen Jahren abgeschlossene morganatische Ehe deS KönigS mit der jetzigen Baronin Vaughan ist vielfach sehr absällig kritisiert worden. UebrigenS ist die Baronin Vaughan noch am Freitag von Brüssel nach PariS abgereist, womit vorläufig sonst drohende weitere Skandale vermieden worden sind. Ob König Leopold seiner von ihm noch zu Lebzeiten schon reichbedachten morganatischen Gemahlin wirklich auch noch den größten Teil seiner hinterlassenen riesigen Privatvcr- mögen» vermacht hat, wie e« heißt, die» wird ja sein Testa­ment zeigen. Sollte dem so sein, so sind allerdings neue Skandale wohl mit Sicherheit zu erwarten, da die Töchter Leopolds II. aus dessen Millionen rechnen.

Brüssel, 18. Dezember. Da» Testament der KönigS wird heute im vollen Wortlaut veröffentlicht. E» besagt, daß die beiden Brüder Barone Goffinet zu Testamentsvollstreckern ernannt werden. Da der König zahlreiche Korrespondenzen auch in seinem Privatlogi» aufbewahrt hat, so hat Baron Goffinet dr-wegen durch den Minister de» AuSwärtigen ein Teleg amm an die belgische Gesandtschaft in PariS gesandt, um auch diese Papiere in Sicherheit zu bringen. Da» Ver­mögen de» KönigS, da» von mancher Seite aus über hundert Millionen geschätzt wird, ist nach zuverlässigen Mitteilungen

1909.

weit geringer. Man zieht nicht in Rechnung, daß der König, der allerdings aus seinen industriellen Unternehmungen in Japan und China, an denen er beteiligt war, au« der Do- mäne de« KongostaateS und Terraingeschästen in Frankreich zwar sehr große Gewinne gezogen, aber seit vielen Jahren eine große Bautätigkeit in Belgien entfaltet hat, die ungezählte Millionen verschlang E» dürfte somit ein sehr erhebliche» Barvermögen kaum vorhanden sein. Die im Grundbesitz in Frankreich und Belgien steckenden Werte werden jetzt durch die Aktien der für die Uebernahme dieser VermögenSstücke gebil- beten Gesellschaft repräsentiert und man weiß noch nicht, an wen diese ^Aktien fallen werden, offenbar nicht an die drei Töchter de» KönigS, die mit den 15 Millionen abgefunden sein dürsten. UebrigenS erhalten diese später noch die Hälfte bei auf etwa 50 Millionen zu schätzenden Vermögen« der Ex- königin Charlotte von Mexiko, bet Schwester deS^König«.'

Brüssel, 18. Dezember. Heute abend wurde die Leiche König Leopold« vom Palmenpavillon de» Schlosse« Laeken nach dem Stadtschloß in Brüssel übergeführt. Fackeltragende Soldaten geleiteten den achtspännigen Leichenwagen, dem Prinz Albert und die hohen Staat«würdenträger folgten. Ein« große Menschenmenge bildete entblößten Haupte» Spalier. Unter dem Donner der Kanonen erreichte der Zug um 9Va Uhr da» Schloß. Unteroffiziere trugen den Sarg in einen schwarz au«geschlagenen Saal im ersten Stock, wo die sterb­liche Hülle de« König»^bi»"zur^Beisetzung verbleibt.

Der Arbeitsmarkt im Jahre 1909.

Wa» in der ersten Jahreshälfte erst Hoffnung war, da» haben die letzten Monate jL. Gewißheit gemacht: da» Jahr 1909 hat die Depression, die seit Mitte 1907 auf dem deut­schen Wirtschaftsleben lastete, definitiv verabschiedet und den Beginn einer neuen Ausschwung«periode vorbereitet. Bi» Mitte de» JahreS war da» Gepräge de» Arbeit-markte» noch merklich ungünstiger al« 1908. In den Sommermonaten näherte sich der Andrang schnell dem deS Vorjahres, und die Herbstmonate brachten dann schon eine deutliche Besserung. Vergleichen wir den Andrang am ArbeiSmarkt mit dem in früheren Perioden, so kommen wir zu dem überraschenden, aber um so erfreu- lieferen Ergebnis, daß die gewerbliche Krise diesmal viel elasti­scher überwunden wurde alS beim letztenmal und auch nicht derartig intensiv war wie in ben Jahren 1901/02. Beide Male dauerte die Periode des Niedergangs fast gleich lang. Damals setzte der Niedergang aus dem ArbeitSmarkt im Mai 1900 ein und dauerte bi» September 1902, also volle 28 Monate, diese» Mal setzte er im Mai 1907 ein und war gleichfalls nach 28 Monaten, nämlich im September 1909 zu Ende. Um den Verlauf der beiden Srifenperioben zu zeigen, geben wir nachstehend den Andrang am Arbeitsmarkt in den letzten Jahren verglichen mit 1900 bis 1902. Für 1900 bi» 1902 im Durchschnitt de» ganzen Jahre», für 1907 bi» 1909 im Durchschnitt der ersten elf Monate, gestaltete sich der Andrang Arbeitsuchender aus je 100 offene Stellen bei den an den Arbeitsmarkt berichtenden Arbeitsnachweisen,fwie folgt: 122,6 im Jahre 1900, 164.3 im Jahre 1901, 177,3 im Jahre 1902; 113,9 im Jahre 1907, 154,3 im Jahre 1908, 158,7 im Jahre 1909. Einmal hat sich also der An­drang 1900 bi» 1902 im ersten Krisenjahre um 41,7, im zweiten um 13,0 verschärft, während er von 1907 aus 1908 nur um 40,4, von 1908 auf 1909 aber gar nur um 4,4 zugenommen hat. Sodann hat aber auch an und für sich der Andrang in der letztvergangenen Krise längst nicht ein so hohe» Niveau erreicht wie 1900 bi» 1902. Die relativ viel günstigere Entwicklung in der letzten Niedergangsperiode hat zweisello» da» Jahr 1909 gebracht, da anzunehmen ist, daß der Dezember de» Jahre» 1909 sogar einen geringeren oder mindesten« doch keinen höheren Andrang al» Dezember 1908 aufweisen dürste. Besonders kräftig setzte sich die Erleichterung im Berichtsjahre am Arbeitrmarkt sür Männliche durch; der Monat November brächte nur einen Andrang von 198,1 gegen 268,6 im Vorjahre, also eine Erleichterung um 70,5. Am Arbeitsmarkt für Weibliche fand ebenfalls eine Wendung zum Besseren statt, doch war sie längst nicht so kräftig wie beiden Männlichen. Den hervorragendsten Anteil an der so schnellen und durchgreifenden Ueberwindung der Krise hatte zweisello« in erster Linie die Gestaltung der diesjährigen Baukonjunktur. War es im Frühjahr noch ungewiß, ob die Bautätigkeit sich nach dem beispiellos schlechten Winter schon wieder beleben würde, so zeigte da» Vorrücken der wärmeren Jahre-zeit immer deutlicher, daß die Stagnation überwunden war, und nicht allein aus dem platten Lande, wo die Bautätigkeit ja über­haupt nicht so gestockt hatte wie in den Städten, sondern auch in diesen sich wieder eine Erholung anbahnte. Bon großer Antrieb-kraft für die Bautätigkeit war die Billigkeit des Gelde», die allerdings im Herbst kurze Zeit verschwand. Da aber im Herbst die Witterung fast besser war al» in bem reg­nerischen Sommer, so erhielt sich die Baulust auch ttotz bei Anziehen» der Geldsätze bi» tief in den Oktober hinein. Die rege Bautätigkeit, die ben Andrang der Bauarbeiter schnell sinken ließ, wirkt« befruchtend auch aus Holz-, Zement-, Ziegel- und andere vom Baugewerbe abhängige Industrien; besonder«