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herzfelder Kreisblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 145.
Donnerstag, den 9. Dezember
1909.
Amtlicher teil
Bekanntmachung.
Die ZinSscheine Reihe IV Nr. 1 biS 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3Vs vormals 4%igen Staatsanleihe von 1880 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Januar 1910 bis 31. Dezember 1919 nebst den Erneuerung-scheinen für die solgende Reihe werden vom 1. Dezember d. JS. ab auSgereicht, und zwar
durch die Kontrolle der Staat-papiere in Berlin SW. 68, Oranienstraße 92/94,
durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56 Markgrajenstraße 46 a,
durch die Preußische Zentral-GenossenschaftSkasse in Berlin C. 2, am Zeughause 2,
durch sämtliche preußische Regierung-Hauptkassen, KreiS- kassen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwaltete Forstkassen,
durch sämtliche Reichsbankhaupt- und ReichSbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehene Reich-banknebenstellen, sowie
durch diejenigen Ober-Postkassen, an deren Sitz sich keine Reichsbankanstalt befindet.
Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen dir zur Abhebung der neuen ZinSscheinreihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Anweisungen, TalonS) den AuSreichungi- stellen einzuliefern sind, werden von diesen unentgeltlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen ZinSscheine nur dann, wenn die Er- neuerungSscheine abhanden gekommen sind. (I. 3081.)
Berlin, den 22. November 1909.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. v. BischossShausen.
♦ *
Cassel, den 29. November 1909.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die ersorderlichen Formulare von der hiesigen Regierungs-Hauptkasse, den KreiSkassen und hauptamtlich verwalteten Forstkassen deS Bezirks verabreicht werden. (K. 1697.)
Königliche Regierung. Unterschrift.
HerSfeld, den 2. Dezember 1909.
Die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher, deS Kreise- ersuche ich mir bestimmt bi» zum 10. Januar 1910 daS Sollauskommen der der Berechnung der Krei-steuern für das Rechnungsjahr 1910 zu Grunde zu legenden StaatSein- kommenfleuer, Gemeindeeinkommensteuer, Gewerbesteuer und Betriebssteuer nach dem Stande vom 1. Januar 1910 anzu- zeigen.
Der Sonntagsjäger.
Roman von Fritz Skowronnek.
(Forffetzung.)
„Wenn du meinen guten Freund Erich von Braun beleidigst, hast du eS mit mir zu tun."
Erich lächelte trüb.
„Du hast eine viel zu gute Meinung von mir, Paul. Wie anders könnte ich jetzt vor dir stehen, wenn ich damals, vor acht Tagen, den Mut gefunden hätte, dir ehrlich zu sagen, daß ich noch nicht wüßte, ob ich Dora wirklich liebe, daß ich mir über meine Empfindungen für sie noch nicht klar wäre. . ."
„Du gehst sehr schaff mit dir inS Gericht."
„Laß mich, eS tut mir wohl. UcbrigenS bist du auch an der Entwicklung schuld! Anstatt mich zu stellen und mir zu sagen: Ich liebt da- Mädel, gibst du mir selbst den Rat, zu- zugreifen."
„Ich habe euer Verhältnis salsch beurteilt."
Erich hielt in seiner ruhelosen Wanderung inne und reichte dem Freunde die Hand.
„DaS ist mir eine kleine Genugtuung, daß du Kluger dich auch darüber getäuscht hast."
„Lieber Erich, wollen wir da- Gespräch nicht vertagen, bis du etwas ruhiger geworden bist? Du gibst dir vergeb- lich Mühe, mir einzureden, daß deine Bewerbung eine kleine Unüberlegtheit gewesen sei."
„Weshalb sagst du nicht Dummheit. Dora hat mir heute attestiert, daß ich nicht einmal zu einer großen Dummheit fähig wäre; da würde mir daS entgegengesetzte Urteil von dir wohltun."
„Du bist ausgeregt, lieber Effch."
. „Ja, doch du verkennst die Ursache. Ich ärgere mich über wich selbst, weil ich dir bittere Stunden bereitet habe. Jetzt «st kann ich mich in deine Lage versetzen. Al- Entgelt bringe ich dir etwa» mit: die Gewißheit, daß du der Er- wählte bist."
Bon der Staatseinkommensteuer ist nur der Erhebungs- (nicht der Veranlagung»-) Betrag anzugeben, mithin derjenige Betrag auszuschalten, der bei der Veranlagung zu den Gemeindeumlagen sowohl als auch zu den Kreisabgaben nicht herangezogen werden kann, daS sogen. Beamtensoll. Es fallen somit aur die Steuerbeträge der Geistlichen und Lehrer und der übrigen StaatS- und Kommunalbeamten, soweit ihre Steuerbeträge der Kommunalbesteuerung nicht unterliegen. Ich verweise dieserhalb auch aus die Bestimmungen deS Gesetze- vom 16. Juni 1909 (G. S. S. 489) betreffend die Heranziehung der Beamten, Elementarlehrer und unteren Kirchendiener zur Gemeindeeinkommensteuer.
In dem Steuersoll derjenigen Gemeinden, in denen sich eine Bahnstation befindet, muß auch derjenige Betrag mitent- halten sein, der nach dem Einkommensteuergesetz vom 24. Juni 1890 von dem Reineinkommen deS Eisen- b a h n f i S k u S aus der Station zu zahlen ist.
Der Vorsitzende des Kreisausschufses:
I. A. 8133. von GrunrliuS.
HerSfeld, den 4. Dezember 1909.
Der Landwirt Nikolaus H e y e r in KalkobeS ist heute von mir als Bürgermeister dieser Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
A. 8228. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Im Reichstage standen am Montag die sowohl von freisinniger als auch von sozialdemokratifcher Seite eingebrachten Interpellationen über die Kieler Werftaffäre auf der Tagesordnung. Nachdem sich der Staatssekretär des ReichsmarineamteS, Admiral von Tirpitz, zur sosortigen Beantwortung der Interpellation bereit erklärt hatte, begründete der freisinnige Abgeordnete Dr. Leonhart die von der freisinnigen Volkspartei ein= gebrachte Interpellation, woraus zur Begründung der sozialdemokratischen Interpellation der Abgeordnete Legten daS Wort nahm. Beide Redner wiesen aus die durch den Riesenprozrß vor dem Kieler Schwurgericht dargelegten Mißstände auf der kaiserlichen Werft in Kiel hin, und griffen das gesamte Ber- waltungSsystem der Werst schaff an, dessen gründliche Aender- rung sordernd. Staatssekretär von Tirpitz belonte in seiner Erwiderung zunächst, daß von Unterschlagungen und Unter« schleisen aus der Kieler Werst in keiner Weise die Rede sein könne, wobei er da- freisprechende Urteil deS Kieler Schwurgerichte- heranzog; mit dieser Beweisaufführung weckte Herr von Tirpitz allerdings große Heiterkeit im Hause. Der Re- gierungSvertreter gab lediglich zu, daß „Unregelmäßigkeiten" vorgekommen seien, aber er erklärte, er habe da mit „eiserner 1
„Erich, jetzt glaube ich wirklich, daß du diese Dinge etwa» leicht beurteilst."
„Nein, nein Paul. Diesmal spreche ich auS Erfahrung. Den Zusammenhang kann ich dir nicht mehr wiedergeben, aber die Wendung habe ich behalten. Ich deutete an, daß ein anderer mir daS Konzept verdorben habe. Da erwiderte Dora, paß genau auf: Wenn du deinen Freund Burmeister meinst, dann hast du recht! Ich glaube sogar den Wortlaut behalten zu haben, denn in demselben Augenblicke fuhr mir der Gedanke durch den Kops: DaS mußt du dir merken, da- mußt du Paul richtig wiedergeben können."
Mit einem tiefen Atemzüge erwiderte der Assessor: „In dieser Fassung würden die Worte der jungen Dame mir für die Gestaltung meiner Zukunft maßgebend sein. Sie können aber auch weit weniger bedeuten."
„Nein, Paul! Da- Schicksal hat gegen mich und für dich entschieden. Du brauchst mich gar nicht zu bemitleide»; im Gegenteil, ich habe dich um Verzeihung zu bitten, daß ich wie ein krasser Fuchs lo-gestürmt bin. Denk bloß, was für Unheil darau- hätte entstehen können, wenn da- Mädel nicht so klug gewesen wäre. . . Bitte, unterbrich mich nicht. Ich muß völlige Klarheit zwischen uns beiden herstellen, damit ich später zu dem Ehepaare Burmeister nicht in eine schiefe Lage komme."
Der Assessor stand auf und zog den Freund in seine Arme.
„Nun ist e- aber genug, lieber Erich! Wenn mir das Glück beschieden sein sollte, da» liebe Mädel heimzuführen, werden wir uns alle drei noch manchmal an diese Episode mit Vergnügen erinnern, wobei du sreilich die Kosten der Heiterkeit tragen wirst."
„Einverstanden! Die Straft ist gelinde genug. Nun noch ein»! Ich babe mich eine» Austrage« zu entledigen. Von Lotte! Wir kamen heute in einen kleinen Wortwechsel, bei dem ich sie über ihr Verhalten gegen dich zur Rede stellte . . .'
„Das war nicht recht von dir, lieber Erich, dazu warst du nicht befugt.*
Faust" zur Verhütung fernerer Vorkommnisse dieser Alt einge« griffen. Im weiteren stellte der Staatssekretär verschiedene Verbesserungen bei der Verwaltung der kaiserlichen Werst in Kiel in AuSsicht, und ging hierbei auf eine Reihe von Einzelheiten, die im Kieler Prozeß eine Rolle spielten, ein. Dann versicherte der Staatssekretär energisch, daß er die kaiserlichen Werstbetriebe von dem ihnen anhaftenden bureaukratischen Zuge freigemacht habe und hob hervor, daß sie in ihren technischen Leistungen von keinem anderen Betriebe der Welt erreicht wür- den. Zum Schluß gab er nochmals zu, daß bei > -^'^a- terialenverwaltung in Kiel Unregelmäßigkeiten fest- seien, betonte jedoch, daß da bereit- grünte getroffen worden feien, und wie- zuletzt du .4 den
Kieler Vorgängen eine Verallgemeinerung de >e in der kaiserlichen Marineverwaltung zu konstruieren, ^ücklich zurück. Es folgte nun eine Besprechung der Interpellationen nach. Die Redner von der Rechten, die Abgeordneten Kreth (konf.) und Freiherr von Gamp (Reichsp.) stellten sich durchaus aus den Standpunkt des Staatssekretäres von Tirpitz und fanden, daß in Kiel gar nichts so sehr ungeheuerliches passiert sei. / Schärfere Kritik an den Kieler Vorkommnissen übte der ZentrumSabgeordnete Erzberger, indessen suchte er die Marine- verwaltung sichtlich zu schonen, gab sein Vertrauen auf die Durchführung der verheißenen Verbesserungen kund und sorderte schließlich größere Sparsamkeit in der gesamten Marineverwal- tung. Der nationalliberale Abgeordnete Semler zog etwas stärkere Saiten gegenüber der Marineverwaltung aus und wies den Marinestaatssekretär aus eine ganze Reihe von geschäftlichen Sünden der Kieler Werstverwaltung hin. Er bemängelte auch die Art und Weise der Führung deS Kieler Prozesses und erklärte geradeheraus, auS diesem Prozeß habe die „Chabruse" erst gelernt, wie man es machen müsse, um nicht erwischt zu werden. Hieraus ließ sich Staatssekretär von Tirpitz nochmals vernehmen, er trat verschiedenen Ausführungen der Abgeordneten Erzberger und Semler entgegen. Zuletzt sprach noch Abg. Dr. Spähn vom Zentrum. Am Dienstag brächte der Reichstag diese Jntcrpellationsdebatte zum Abschlüsse, woraus das Handelsprovisorium mit England und die Vorlage, betr. den Aufschub der Hinterbliebenen-Versicherung, in dritter Lesung erörtert und schließlich angenommen, wurden. Der Beginn der allgemeinen EtatSdebatte im Reichstage, der ursprünglich auf den 7. Dezember festgesetzt war, ist aus Donnerstag, den 9. d. MtS., verschoben worden. — Die Zahl der dem Reichstage bereit- vorliegenden Initiativanträge und Interpellationen schwillt geradezu beängstigend an. Die konservative Fraktion hat elf weitere Initiativanträge eingebracht. Von den elsaß-lothringischen Abgeordneten wurde wiederum der Antrag auf Umwandlung Elsaß-Lothringens in einen selbständigen BundeSstaat eingebracht.
„Entschuldige, Paul, es kam so von ungefähr, daß ich nicht mehr zurück konnte, nachdem das erste Wort gefallen war. Uebrigens, daS Resultat ist erfreulich. Meine Schwester bittet durch mich um Verzeihung wegen ihres schrecklichen Benehmens. Sie hat drei Jahre schwer gelitten, denn sie liebt, was wir alle nicht geahnt haben, Ernst von Riesa mit einer Leidenschaft, die ich ihrer stillen Natur gar nicht zuge- traut habe."
„Woher kennst du denn diesen Namen?"
„Sie hat ihn mir selbst gesagt. Natürlich brennt sie jetzt furchtbar nach näheren Angaben von ihm."
„Bedaure sehr, oder vielmehr du magst selber ent- scheiden, ob eS richtig wäre, wenn ich ihr ohne Wissen der Eltern nähere Nachrichten zukommen ließ. Ich muß es durchaus ablehnen, in dieser Sache den Zwischenträger zu spielen."
„Darin stimme ich mit dir vollkommen überein.*
„WaS du als Bruder tust, geht mich nichts an. DeS- halb kann ich dir sagen, daß ich dem alten Riesa meine Nachrichten über seinen Sohn mitgeteilt habe. Für den nächsten Sonntag hat unser Freund' Adam Einladungen zu einem großen Dachsgraben ergehen lassen, da kannst du Riesa treffen."
„DaS ist ja samos, da kommen wir alle zusammen."
„Ja, du nimmst es mir aber hoffentlich nicht übel, wenn ich dich bitte, recht vorsichtig zu sein. Du darsst nicht vergessen, lieber Erich, daß der junge Riesa vorläufig noch zu den Deklassierten gehört. Er hat seine Karriere ganz aufgeben müssen, weil er nicht imstande war, eine Spielschuld in der üblichen Frist zu begleichen. Ich weiß nicht, wie dein Vater darüber denkt; jedenfalls darf die Sache nicht über» Knie ge- brochcn werden. Die beiden werden noch sowieso eine längere PrüsungSzeit durchmachen müssen."
„AuS deinen Worten schließe ich, daß du dich auf ihre Seite stellst."
„Ja, Erich, mit voller Ueberzeugung. DaS Vergehen des jungen Manne» lag in seiner Schwäche gegenüber dem Jeu. Dafür hat er reichlich gebüßt."