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Herrscher Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 142.

Donnerstag, den 2. Dezember

1909,

Amtlicher teil.

Hersseld, den 26. November 1909.

Unter Bezugnahme aus mein Ausschreiben vom 23. Januar 1907 J. I. Nr. 715 (KreiSblatt Nr. 13) teile ich den Herren OrtSvorständen des Kreises mit, daß StaatSbei- hilscn zur Ausführung von Obstbaum-Anpflanzungen fortab nur dann noch gewährt werden, wenn die Anpflanzungen nach Art, Umfang und Bedeutung vorbildlich zu wirken ver­sprechen.

A. 7986. Der Königliche Landrat

von ÄruneIiuS.

Der Saatenftand Mitte November 1909. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 ^ sehr gering

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. ß. I b 3646 M. d. J.)

Frucht arte n usw.

Durchschnitts­noten für den

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

Staat

Reg.-Bez. Cassel

so

CQ so

co

TU

co

Th

ist

1

ist

Kartoffeln . Zuckerrüben Winterweizen Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Winterraps u. -Rübsen Klee ....

2,5

2,1

2,4

2,3

2,5

2,4

2,2

2,5

2,4

1

1

1

1 1

3

2

2

2

1

1

1

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.

nichtamtlicher teil.

Ist Kriissmz des Reichsiages.

Der Reichstag ist am Dienstag, dem 30. November, vor­mittags 12 Uhr, von dem Kaiser mit einer Thronrede eröffnet worden. Wie erwartet werden durste, bringt die diesmalige Thronrede keinerlei Ueberraschungen durch Ankündigung weit- reichender neuer GesetzeSvorlagen. Vielmehr handelt es sich im wesentlichen um den Etat und die Wiedereinbringung der in der vorigen Session unerledigt gebliebenen Entwürfe.

Die Thronrede nimmt ihren AuSgang von der Finanz- resorm.Nachdem die in Ihrer letzten Tagung vereinbarte Steuergesetzgebung dem Reiche neue Einnahmequellen erschlossen hat, muß beharrlich dahin gestrebt werden, die finanzielle Stel­lung des Reichs mit den so gewonnenen Mitteln zu befestigen. Der Ihnen zugehende Etat-entwurf für 1910 entspricht dieser Ausgabe." ES wird alsdann die Einbringung der Reichs-

Der Sonntagsjäger.

Roman von Fritz Skowronnek.

(Fortsetzung.)

Ich habe auch nicht» andere» erwartet."

Woran liegt e» denn?"

An allem und jedem. Bei Ihnen auf dem Amte muß ein UmstandSkommissariuS sitzen. ES ist so viel eingegangen, und eS wird nur tropfenweise verteilt. Nachher, wenn die Männer wieder zur Arbeit gehen, brauchen sie keine Unter­stützung. Im Gegenteil I Dann wäre eS falsch, sie zu füttern. Jetzt, wo sie bauen und nichts verdienen, müssen sie ihre Kinder betteln schicken, um ein Stück Brot im Hause zu haben."

Da» ist ja unerhört!"

Ja, eS ist wirklich unerhört, Herr Assessor."

Leiser fügte sie hinzu, während sie die Dorsstraße entlang schritten:Ich möchte manchmal ringreisen, wo ei not tut, aber ..."

Sie sah ihren Begleiter prüfend von der Seite an.

Na, Ihnen kann ich e» ja offen sagen: Bei unS ist el nicht so dick. Der Vater hat nicht gerade Sorgen, aber er muß sich doch sehr «inrichten und oft sogar einschränken, um nicht Schulden zu machen. Ich habe ihm ja trotzdem einige Blaue abgezwackt, doch nun bin ich am Ende und ei ist so schrecklich, mit leeren Händen zu kommen. Da ist eine Fa­milie. Der Mann hat die Arbeit am Hause aufgeben müssen, und geht in den Wald Holz schlagen, um wenigsten» ein paar Pfennige für den notwendigsten Unterhalt zu verdienen. Die Kinder liegen in einer Holzbude an den Masern krank, und die Mutter hält sich nur mühsam auf den Füßen.

weiß nicht, ob Sie mich verstehen; ei ist auch nicht nötig.*

Wollen Sie mich nach der Familie hinführen, gnädige» Fräulein?"

-Aber nennen Sie mich bloß nicht immergnädige«

versicherungsordnung, deren AuSarbeitung im Bundesrate bei­nahe vollendet sei, angekündigt und zugleich eine kurze Charak­terisierung ihres Inhaltes gegeben. Dos Gesetz wird, neben einer Vereinheitlichung deS geltenden Rechts und Aenderungen in der Organisation, die Krankenversicherung auf weitere Kreise ausdehnen und der Fürsorge sür die arbeitenden Klassen die Hinterbliebenenversicherung hinzusügen.

Gleichfalls dem Gebiete der Sozialpolitik gehört sodann ein neuer Gesetzentwurf an, der diejenigen Vorschriften der in der vorigen Session nicht vollständig verabschiedeten Gewerbe- ordnungs-Novelle zusammensassen soll, über welche zwischen den verbündeten Regierungen und dem Reichstage Einver­ständnis herrschte. Außerdem werden dem wiederzusammenge- tretenen Reichstage die Entwürfe eines Gesetzes über Hausar­beit und eines Stellenvermittler- Gesetzes unterbreitet werden. Auch erfahren die in der letzten Session gleichfalls nicht erle­digten Vorlagen einer Strafprozeßordnung und einer Novelle über die Organisation der Strafgerichte erneute Einbringung.

Mit großer Befriedigung wird in allen patriotischen Kreisen zweifelsohne der auf unsere Kolonien bezügliche Passus der Thronrede ausgenommen werden. Wir erfahren aus demselben die hocherfreuliche Tatsache, daß unsere überseeischen Besitzungen in Afrika und in der Südsee in gedeihlicher Entwickelung be­griffen sind, und daß das Anwachsen der eigenen Einnahmen der Kolonien daS Reich bereits in erheblichem Maße von Aus­gaben für koloniale Zwecke entlastet. Mindesten? ebenso erfreu­lich aber ist auch der in der Thronrede zum Ausdruck kom­mende Wille der ReichSregierung, die Aufwärtsentwickelung unserer Kolonien nach Kräften zu fördern. Kein wirksameres und besseres Mittel aber kann es für diesen Zweck geben, als im weiteren Ausbau unseres kolonialen BahnnetzeS. In rich- tiger Erkenntnis schlagen denn die verbündeten Regierungen auch vor, die Usambarabahn bis zum Kilimandscharo auSzu- bauen und daS südwestafrikanische Bahnnetz dichtmaschiger zu gestalten. Ferner werden an kolonialpolitischen Gesetzesvor- lagen eine Reform des kolonialen Gerichtswesens und ein Kolonialbcamtengesetz angekündigt. Auch sollen, nachdem die BesoldungSreform im Reiche zum Abschluß gebracht worden ist, die Bezüge der Kolonialbeamten neu geregelt werden.

Neben der Sozialpolitik und Kolonialpolitik ist weiterhin auch unserer HandelS- und Wirtschaftspolitik ein eigener Ab­schnitt in der Thronrede gewidmet. ES heißt in dieser Hin­sicht :DaS Gesetz vom 16. Dezember 1907, betreffend die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche, tritt mit dem 31. Dezember d. I. außer Kraft. Es wird Ihnen ein Gesetzcnt- Wurf zugehen, durch den der BundeSrat ermächtigt werden soll, den bestehenden Zustand um weitere zwei Jahre zu ver- längern. Auch ein Handelsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Portugal wird Ihnen unterbreitet werden."

Der letzte Teil der Thronrede endlich beschäftigt sich mit den auswärtigen Beziehungen Deutschlands. Mit Freuden vernehmen wir, daß dieselben zu allen anderen Mächten fort­dauernd freundliche und friedliche sind. An speziellen Gegen-

Fräulein"! Sagen Sie Fräulein Dora, oder wie Sie wollen."

Wie Sie wünschen, mein verehrte» Fräulein Dora."

Sehen Sie, daS klingt schon ganz ander». Und nun kommen Sie."

Nach einigen Schritten blieb sie stehen.Nicht wahr, Sie sind mit nicht böse, daß ich Ihre Kasse in Anspruch nehme? Ich wußte tatsächlich nicht mehr wohin. Dem Onkel Braun habe ich auch schon die Daumschrauben angcsetzt. Na, viel war ei nicht."

Herr von Braun wird Ihnen doch sicherlich gern geholfen haben."

Dora nickte einigemal belustigtKennen Sie die schöne Phrase, die in jedem Kochbuch alle Rezepte rinleitet?Man nehme, wenn man hat!"

Sie wollen doch damit nicht andeuten . . ."

Ich brauche nicht? anzudeuten, ich kann zu Ihnen doch offen sprechen und wundere mich eigentlich, daß Sie es noch nicht wissen: Der Onkel Braun hat fast noch mehr zu kratzen als wir. Er ist in seiner Jugend etwas sehr Lebemann ge- Wesen, und da er jung in den Besitz bei Gutes kam, ließ er getrost ein Hypothekchen nach dem andern eintragen, bis es nicht mehr ging, und er die schöne Uniform auSziehen mußte, um auf der väterlichen Scholle ein weniger amüsantes als arbeitsreiches Leben anzusangen. Er hat es noch mal ge­schafft, aber glänzend steht er nicht. Die Remontezucht hält ihn in der Hauptsache."

Dann wird Erich womöglich nicht daS Gut über­nehmen ?"

Er scheint nicht viel Lust dazu zu haben, aber der Bien muß! DaS wäre ja noch schöner, solch einen alten Familien- sitz in fremde Hände übergehen zu lassen! UebrigenS, was macht der Schlingel? Er hat sich schon eine Ewigkeit nicht sehen lassen."

Er ist munter wie immer und arbeitet fleißig."

DaS ist seine beste Eigenschaft, der eiserne Fleiß."

Ich glaube, er hat noch eine ganze Reihe ebenso guter Eigenschaften, die sich in dem Au-druckr zusammensassen lassen: ein guter, liebenswerter Mensch."

stäuben geschieht der Marokkofrage und des Dreibundes Er wähnung. Zur Marokkosrage bemerkt die Thronrede:Mit Befriedigung sehe ich, daß daS mit der französischen Regierung getroffene Abkommen über Marokko in einem Geiste ausgeführt wird, der den Zwecken, die beiderseitigen Interessen auszugleichen, durchaus entspricht." Hinsichtlich deS Dreibundes aber wird dankbar der Zeit gedacht, als vor einem Menschenalter die später durch den Beitritt Italiens zum Dreibund erweiterte Allianz zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn inS Leben trat, und gleichzeitig dem Vertrauen Ausdruck gegeben,daß daS Zusammenhalten der drei verbündeten Reiche auch ferner- hin seine Kraft für die Wohlfahrt ihrer Völker und die Er­haltung des FriedenS bewähren wird."

Zum Schlüsse wünscht die Thronrede den Arbeiten deS Reichstages gedeihlichen Erfolg zum Heile des Reiches. Alle vaterländisch gesinnten Kreise unserer Nation stimmen diesem Wunsche sicherlich von Herzen bei. Nur dann aber vermag derselbe in Erfüllung zu gehen, wenn der unglückliche Bruderzwist, der nunmehr bereits seit Monaten zum Gaudium und zum Vorteil der Revolutionspartci zwischen den bürgerlichen Par- teico tobt, den Hallen des ReichSparlamentS fernbleibt.

Reichstag.

Der Reichstag hielt nach seiner feierlichen Eröffnung im Weißen Saal nachmittags 2 Uhr die erste Sitzung zu seiner neuen Session bei starker Frequenz der Abgeordneten, aber schwachem Tribünenbesuch ab. Gras Stolberg-Wernigerode, der nach der Geschäftsordnung als Präsident der vorigen Session die Geschäfte deS Hauses zu leiten hat, bis ein neuer Präsident gewählt ist, gedachte der seit dem Schluß der vorigen Tagung verstorbenen Mitglieder, zu deren Andenken sich die Abgeordneten in üblicher Weise von ihren Plätzen erhoben. Sodann wurde zum Namensaufruf geschritten, der die An­wesenheit von 337 Abgeordneten ergab. Das HauS ist somit beschlußfähig. Die nächste Sitzung wird aus morgen (Mitt­woch), 1 Uhr anberaumt mit der Tagesordnung: Wahl des Präsidenten, deS Vizepräsidenten und der Schriftführer.

Eine deutsche Lehre.

Seit geraumer Zeit stehen gewisse Kreise in Deutschland in einem förmlichen Wettbewerb um den Preis einer friedlichen Verständigung mit England, in dessen Hitze oft gar nicht zum Bewußtsein kommt, daß da? vorgeschlagene Mittel unsere Sicherheit gefährdet. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Be- mühungen wirklicher Friedensliebe entspringen und sich mit den Versicherungen decken, die von amtlicher Seite in nicht mißzuverstehender Deutlichkeit den Engländern zu den ver­schiedensten Malen abgegeben worden sind. Wir haben nicht nur in jedem Jahre eine oder mehrere VerständigungSfahrten über den Kanal erlebt, sondern in Vereinigungen der ver­schiedensten Art ist das Problem des FriedenS nach allen Richtungen hin erörtert worden.

Zugegeben! Bloß eins vergessen Sie: er ist zu klein."

Die ernsthafte Miene und die wegwerfende Handbewegung, mit der Dora ihre letzten Worte begleitete, reizten den Assessor, daS angeschlagene Thema weiterzuführen.

DaS hat wohl noch niemand gesagt außer Ihnen."

Die anderen Menschen haben ihn auch nur nach dem zu beurteilen, war er leistet. Für mich" Sie wurde rot und brach unvermittelt ab. Nach einer kleinen Weile setzte sie leiser hinzu:ES ist nur mein Privaturteil, da- niemand angeht."

Gemeinsam besuchten sie nun eine Anzahl Bretterbuden. Die Freude, mit der seine Begleiterin überall begrüßt wurde, zeigte dem Assessor, daß diese hier alS hilsSbereiter Engel betrachtet wurde, obwohl sie nicht planlei und ohne Wahl ihre Gaben ausgeteilt hatte. Das sah er an der Art, wie sie hier und dort den Frauen und auch den Männern Ettas- predigten hielt. Sie konnte dabei so ernst auSsehen, daß der schelmische Grundzug ihres Wesens völlig verschwand.

Der Affeffor hatte daraus bestanden, sie nach Hause zu fahren. Als sie auf den Wagen stiegen, nahm Dora ihm die Zügel auS der Hand. Ohne sichtbare Anstrengung hielt sie die Pferde, die ihren Kraftüberschuß auszutobe» juchten, im Zaume.

»Sie verderben die Pferde, Herr Affeffor, wenn Sie sie tagelang im Stalle stehen lassen. Haben Sie denn schon den ganzen Kreis abgeklappert?"

Zum größten Teil, den Rest will ich mir schenken."

Ei, weshalb denn!"

Ich habe die Absicht, mich nicht um das Amt zu be- werben, sondern noch vor der Wahl meine Versetzung zu bcan- tragen."

An einem starken Rucke bei Wagen» merkte er, daß Dora die Pferde mit kräftigem Griffe verhalten hatte.

Haben Sie das im Ernst gesagt, Herr Affeffor, oder soll da» nur ein schlechter Scherz sein?"

ES ist mein fester Vorsatz. Er hängt allerdings noch von einem Umstand ab, über den ich mich nicht zu Ihnen auklassen kann."

Dora nickte.Ich verstehe Sie, lieber Herr Affeffor. Ich