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herchl-er Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 138.

Dienstag, den 23. November

1909.

nichtamtlicher teil.

Wen im Jreibmit

Der glückliche Verlauf bei Besucher deS Zaren beim König von Italien in Racconigi hat die Phantasie vieler italienischen Zeitung-politiker zu Bettachtungen über die Stellung bei Königreich- im Dreibünde, namentlich über die Frage angeregt, ob nicht Italien für sein Verbleiben im Bunde neue Vergün­stigungen beanspruchen müsse. Den meisten Artikeln dieser Art liegt eine Uebertreibung de-sWerteS der russischen Freund­schaft und eine Unterschätzung bei Ansehens und der Sicher­heit zu Grunde, die daS junge Königreich gerade infolge seiner Mitgliedschaft im Dreibünde genießt.

Ein Einfluß dieser namentlich für Oesterreich-Ungarn un­freundlichen Strömung auf die italienische Regierung ist biS- her nicht zu erkennen gewesen. Die Behauptung, daß in Racconigi ein schriftliches Abkommen getroffen worden sei, wurde prompt dementiert, und ein General, der in einer Rede zur Eroberung von Trient, Trieft und Dalmatien aufgefordert hatte, wurde sofort abgesetzt. Solange daS offizielle Italien bei seiner loyalen Haltung verbleibt, haben wir auch keinen Anlaß, den bestehenden Vertrag auszulösm, wie dies von ein­zelnen deutschen Publizisten empsohlcn worden ist. Das Wort des verstorbenen Grasen Nigra, der italienischer Botschafter in Wien war, daß Italien mit Oesterreich-Ungarn nur verbündet oder verfeindet sein könne, bleibt immer noch wahr und wird es auch noch sein, wenn der Zeitpunkt zur Entscheidung der Frage, ob Italien im Dreibund verbleiben will oder nicht, nahe gerückt sein wird. Bis dahin werden noch Jahre ver­gehen, und die öffentliche Meinung in Italien hat daher noch Zeit genug, zu einer richtigeren Beurteilung des Verhältnisses von Leistung und Gegenleistung in der Dreibundgemeinschaft zu gelangen und sorgfältiger zu überlegen, ob die italienischen Interessen an der Adria besser alS in freundschaftlichen Aus­einandersetzungen mit Oesterreich-Ungarn durch einen Anschluß an die russische Welt zu wahren wären.

Wir können es geduldig abwarten und brauchen dem italienischen Volke keine Lehren darüber zu erteilen, wie es sein lebhaftes Temperament und seine alte Abneigung gegen den österreichischen Tedesco in Einklang bringen will, mit seinen wirklichen und sriedlichen Interessen. Der Wert des italienischen Bundesgenossen war für unS von jeher vorwiegend negativer Art, wir wünschten nicht, ihn im Lager unserer Gegner zu sehen. Daß wir aber einen besonderen Preis für sein Ver­bleiben im Bunde, gar einen solchen zum Nachteile unseres älteren und stärkeren Bundesgenossen, zahlen würden, darf er nicht erwarten.

Lage lt§ KMn Mitsmrltes.

Die ArbeitSmarkt-Korrespondenz schreibt: Zum ersten Mal

Der Sonntagsjäger.

Roman von Fritz Skowronnek.

(Fortsetzung.)

Burmrister brächte fein Gewehr an die Backe, um auf jeden Fall schußbereit zu sein. ^E- flatterte wie ein Lämmer­schwanz. Mit Aufbietung aller seiner Geiste-kraft straffte er seine Muskeln, den Blick fest aus da» Dickicht gerichtet, in dem da- Prasseln immer stärker wurde. Im nächsten Augen­blicke fuhr ein dunkler gewaltiger Körper au» dem Bruch auf die lichte Fläche heraus. Er hatte noch nie ein solche- Tier in der Freiheit gesehen; aber er wußte sofort, daß e- ein mächtiger Keiler war.

Jetzt hatte die Jagdpassion wirklich von ihm Besitz ge- nommen. Trotzdem gelang e- ihm mit Aufbietung aller Energie, für einen Augenblick seiner Erregung Herr zu werden. Da- Wild mochte höchsten- zwanzig Schritte von ihm entfernt sein. Er kam gut auf daS Blatt ab und machte mit dem rechten Rohre Damps.

Der Keiler ruckte stark zusammen, stand einen Moment still. Dann wandt« er sich und nahm den Schützen an. Mit Blitzesschnelle fuhren dem Assessor die Gedanken durch den Kopf. Der erste war: hinter dem Baum« Deckung suchen. Doch gleich bäumte sich in ihm der Widerstand gegen einen solchen feigen Rückzug aus. Er brächte daS Gewehr schnell wieder an die Backe, hielt dem heranstürmenden Keiler ganz vorn aus daS Gebrech und machte zum zweiten Male den Finger krumm.

Der Schuß saß, und aus die kurze Entfernung tat auch daS etwa- zu seine Schrot seine Wirkung. Der starke Basse brach vorn zusammen, richtete sich mit gewal­tig« Kraftanstrengung noch einmal aus und warf sich dann um.

Schnell klappte Burmeister da- Gewehr aus und schob zwei neue Schrotpatronen ein. Die Vorsicht war überflüssig. Der zweite Schuß hatte seine Wirkung getan. Atemlo» kam der Förster, der da- Prasseln ebenfalls vernommen

seit langer Zeit tauchten im Oktober wieder Klagen über Ar­beitermangel aus, und zwar war eS nicht etwa der stereotype Land- arbeiter- und Dienstbotenmangel, von dem man hörte, sondern in einem der wichtigsten Gewerbezweige, im Baugewerbe, wurde stellenweise ein zu schwacher Angebot von Arbeitskräften ge­meldet. Die Bautätigkeit ist eS auch, die der Gesamtlage bei deutschen ArbeitSmarkteS im Oktober ein lebhafteres Aussehen verlieh. Eine kräftige Erleichterung, wie sie im laufenden Jahre bisher noch nicht verzeichnet wurde, fetzte sich im Okto- ber durch: der Andrang Arbeitsuchender auf je 100 offene Stellen betrug bei den an denArbeitSmarkt" berichtenden öffentlichen Arbeitsnachweisen im Oktober b. I. 142,9 gegen 165,8 im Oktober 1908. Der Andrang war demnach um

22,9 geringer als im vergangenen Jahre. Im September hatte die Erleichterung gegen 1908 12,5, im August erst 6,2 betragen. Daß die Besserung am gewerblichen ArbeitSmarkt« tatsächlich durch eine beträchtliche Zunahme der Arbeitsgelegen­heit veranlaßt ist und nicht etwa durch einen Abstrom deS Angebot-, das geht auS der starken Zunahme hervor, die die offenen Stellen gegenüber dem Vorjahre ausweisen. ES wurden nämlich an den öffentlichen Arbeitsnachweisen rund 22 Proz. mehr offene Stellen als 1908 auSgeboten. Die Zahl der Arbeitsuchenden nahm dagegen um knapp 5 Proz. zu. Der Umstand, daß die Herbstbelebung im Baugewerbe am durchgreifendsten war, bewirkte, daß besonders die Nach­frage nach männlichen Arbeitskräften stieg; am ArbeitSmarkt für Männliche war der Andrang um 35,7 niedriger als 1908, während er bei den weiblichen Arbeitskräften nur um 4,3 hin­ter dem vorjährigen zurückblieb. Die Herbstsaison im Bauge­werbe war fast auSnahmhloS befriedigend. In den Berichten zahlreicher Plätze wird hervorgehoben, daß die Bautätigkeit sehr lebhaft fei; sie gestaltete sich besonders in Städten wie Hamburg, Kiel, Hannover, Hagen, Barmen, Duisburg, Pforz­heim, Augsburg und RegenSbura recht rege und ließ nur in ganz wenigen Städten, wie z. B. in Ulm, zu wünschen übrig. Auf dem Lande wie in den Städten machte sich die gleiche Lebhaftigkeit bemerkbar. Bon der Belebung der Bautätigkeit günstig beeinflußt, hielt sich auch die Arbeitsgelegenheit im Holzgewerbe auf befriedigender Höhe. Trotz des ArbeitSkam- pfe- im süddeutschen Holzgewerbe war auch dort der Beschäf­tigungsgrad zufriedenstellend, wie z. B. auS Mainz berichtet wird. Eine bemerkenswerte Besserung wies nach langer, lan­ger Zeit der Stagnation endlich wieder der ArbeitSmarkt in der Eisen- und Metallindustrie auf. Wenn auch vereinzelt schon hier und da sich Anzeichen einer Erholung gezeigt hatten, so war doch im Oktober die Besserung zum ersten Male wieder durchgreifend. Die Orte ohne Anzeichen ber Erholung sind verhältnismäßig nur noch selten. Dagegen gibt eS schon eine Anzahl von Plätzen, auS denen über eine zunehmende Arbeit», gelegenheit in der Eisen- und Metallindustrie berichtet wird. Es sind die- vornehmlich Kiel, Berlin, Quedlinburg, LudwigS- Hafen, Bruchsal, Pforzheim, Freiburg, Konstanz und Augs­burg. In Pforzheim ist es vor allem die Gold- und Gilber-

hatte, angelaufen. Salutierend legte er die Hand an die Mütze.

Weidmann-heil, Herr Assessor! Wiegt mindestens seine drei Zentner. Gratuliere von Serien."

Wie im Traume nahm der Assessor den Glückwunsch und den Bruch in Empfang. Ihm war so märchenhaft glücklich zu Mute, daß er den Glückwunsch vorläufig nur durch einen Händedruck erwidern konnte. Er fühlte, daß etwa- Neue- in sein Leben getreten war: die Jagd­passion.

Die Treiber, von denen die riesige Beute weggeschafft wurde, erhielten ein fürstliche- Geschenk, das zu einer fröhlichen Kneiperei für die ganze Genossenschaft auSreichte. Dann be­stiegen beide wieder den Reitwagen.

Jetzt müssen Sie noch den Rehbock schießen, dann fahren wir mit den zwei Beutestücken zur Oberförsterei, und abend'S gibt'» ein solenner Fest. Da- bitte ich mir all Belohnung au-1"

Kreuz und quer waren sie noch eine Stunde lang durch den Wald gefahren, ohne den starken Bock, den der Förster suchte, zu finden. Endlich verhielt er den Braunen.

Dort drüben am Rande der Wiese steht er. Wenn ich mit dem Kopfe nicke, steigen Sie ab. Streichen Sie an einer Kiefer an, und kommen Sie ruhig ab. Unten Blatt an- fassen!

Wieder die seltsame Erregung, als der Assessor aus daS Zeichen des Graubarte- mit einem Schritte vom Wagen ge. treten war und den Drilling an die Back« brächte. Getteu der Aufforderung, legte er da» Gewehr an den Baum, an dem er stand, und visierte sorgfältig. AlS der Schuß krachte, war ihm da- Wild im Pulverdampse verschwunden. Der Förster kam langsam heran.

Er hat sehr gut gezeichnet. ES scheint Blattschuß zu sein. Vielleicht ein wenig hoch. Zur Vorsicht wollen wir einige Minuten warten."

Er holte seine Pfeif« hervor und setzte sie in Brand. Nach kurzer Suche fanden sie den Bock.

Mit zwei Brüchen am Hute fuhr der Assessor heim. Er

warcnindustrie, in der sich die Nachfrage nach Arbeitskräften sehr gehoben hat. Die Roheisenindustrie wies in fast allen Bezirken befriedigende Arbeitsgelegenheit auf. In der Textil- industriehat sich die Lage wenig verändert; die Regsamkeit, dir der Beschäftigungsgrad schon in den Vormonaten auswies, hat eher noch etwas zugenommen. In allen rheinischen Textil- orten, so in Elberseld, Barmen, Krefeld, Rheydt, und M.-Glad- bach, aber auch in Sachsen wie in Plauen hat der Andrang gegenüber dem Vorjahr merklich abgenommen. An einzelnen Plätzen befriedigte freilich die Nachfrage der Textilindustrie noch lange nicht. Trotz der Belebung am Kohlenmarkte hat sich die Arbeitsgelegenheit im Bergbau noch äußerst wenig be­lebt, eS besteht vielmehr noch immer ein beträchtlicher Ueber- fluß an Arbeitskräften. So erfreulich die Besserung im Okto­ber ist und so sehr sie für die starke Erholung deS wirtschaft­lichen Lebens spricht, so sei doch daraus hingewiesen, daß schon der November wieder den üblichen Rückschlag bringen wird; das Angebot nimmt in diesem Monat stark zu, während die Nachfrage gegen Oktober schon wieder ebbt.

Bus > und Ausland.

Berlin, den 21. November 1909.

AuS Donaueschingen, 21. November, wird gemeldet : Seine Majestät der Kaiser nahm heute vormittag an dem Gottesdienst in der hiesigen evangelischen Kirche teil. Sodann ging er längere Zeit mit dem kaiserlichen Statthalter Grasen von Wedel im fürstlichen Park spazieren. Mittag- traf hier als Gast bei F...s. n zu Fürstenberg Graf Zeppelin ein, ber im fürstlichen Schloß Wohnung nahm.

Der8. A." schreibt: In verschiedenen Blättern war be­hauptet worden, daß der Staatssekretär Kraetke von der Leitung der Post- und Telegraphcnverwaltung zurück- zutrcten gedenke und sein PensionSgesuch bereit» eingereicht habe. Wir sind ermächtigt, mitzuteilen, daß diese Meldungen vollständig auS der Lust gegriffen sind.

Der neue preußische Justizetat wird wohl all einziger Etat Stellenvermehrungen in größerem Umfange auf- weisen. Bedingt werden diese durch die Schaffung neuer Stellen an den Amtsgerichten, waS als notwendige Folge der Novelle zum GerichtSverfassungSgesetz anzusehen ist. Diese sieht eine Kompetenzerhöhung und Vermehrung der Richterstellen überall dort vor, wo eine Ueberlastung der Amtsgerichte eingetreten ist. Da daS Gesetz am 1. April 1910 in Kraft tritt, muß die Besetzung der Stellen bis zu diesem Zeitpunkte erfolgt sein. Im Justizministerium ist man gegenwärtig mit einer Aufstel­lung beschäftigt, wobei alle Provinzen Berücksichtigung finden und der Stellenbedarf sich besonders in den großen Städten, in erster Linie Berlin, geltend macht.

Ein anerkennenswertes Beispiel von nationaler Stand- Hastigkeit geben die Konservativen von Halle a. S. In einer öffentlichen Kundgebung erklären sie, sie würden bei

mußte sich selbst zusammennehmen, um seiner Freude nicht all­zu energischen Ausdruck zu geben.

Eine Stunde später saß eine fröhliche Tafelrunde im großen Gastzimmer von KelterbornS Hotel. Der Förster hatte während der Fahrt zur Oberförsterei, die unmittelbar an der Stadt romantisch aus einer Insel im See liegt, schnell bei einigen Mitgliedern der Jagdschuhvereins vorgesprochen und die Nach­richt von dem seltenen Jagdglück« des Assessors verbreitet. Mehrere Gutsbesitzer, die gerade in der Stadt weilten, und ein paar Offiziere der Garnison hatten sich zufällig eingefunben. Vor dem glücklichen Schützen lagen das starke, reich gepeilte Gehörn des erlegten Rehbock- und die gewaltigen Gewehre deS Keiler-, die der Förster mitgebracht hatte. Der Assessor hatte eine Bowle ansetzen lassen, die der Größe seiner Freude entsprach.

Neben ihm aus dem Sosa saß der alte Adam, der sich in dem Ruhme seines Schützlings sonnte. Er hatte die Ereig­nisse des TageS schon ein dutzendmal erzählen müssen, denn jeder neue Ankömmling wollte sie hören. Bei jeder Wieder­holung hatte er eine neue Nuance gefunden. Ganz fest stand nur die Tatsache, daß der Assessor, kein anderer, den Keiler gestreckt, und daß er sich dabei mit bewundern-würdiger Kalt­blütigkeit benommen hatte.

»Ich habe schon ganz alte Jäger bei einer solchen Gelegen­heit völlig die Besinnung verlieren sehen. Im vorigen Winter bei der Treibjagd, wo ich die Dublette auf Wolf machte, stand einer neben mir, ich will ihn nicht nennen" das war auch überflüssig, denn die Gesellschaft kannte schon bie Geschichte der drückte, all die beiden Wölfe spitz auf ihn zukamen, in seiner Aufregung den ersten Schuß ab, ohne die Flinte zu heben. Beinahe hätte er sich die Spitze der Stiefel abgeschossen. Dann hob er das Gewehr und feuerte den zweiten Schuß in die Lust ab. DaS war mein Glück, denn nun bogen die Wölfe im rechten Winkel ab und kamen mir auf zwanzig Schritt« zu Schuß. Ich wünsche mir oft solchen Nebenmann."

Der Assessor war froh, daß der Förster die allgemein« Aufmerksamkeit von ihm ab auf sich lenkte. Er hatte schon dir Entstehung der Geschichte von dem Raubtiere, daß die Frau in Regeln gefressen hatte, unter stürmischer Heiterkeit zum