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herrfelder Kreisblatt
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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 1181
Bestellungen
auf das Bersfelder Kreisblatt
werden für das
4. Quartal 1909 von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 4. Oktober 1909.
Der Beginn der Personenstands Aufnahme für die bevorstehende Steuerveranlagung für 1910 ist
auf den 18. Oktober d. 3s. festgesetzt
worden.
Hierbei sind — in den ländlichen Ortschasten des Kreise? zum ersten Mal — HauSlisten zu benutzen, die den einzelnen Ortsvorständen (mit Ausnahme der Stadt HerSfeld) in den nächsten Tagen zugehen werden.
Die HauSlisten find sogleich nach Empfang auf der ersten Seite von den Herren OrtSvorstehern mit Datum und Unterschrist zu versehen und an die Hausbesitzer zu verteilen. — Für jedes H auS ein Exemplar! —
Die Listen sind so einfach eingerichtet, daß deren Ausfüllung keine Schwierigkeiten bieten kann. WaS die Hausbesitzer mit diesen Listen zu machen haben, ergibt sich auS dem Aufdruck und den Muster-Eintragungen.
Am 19. Oktober d. Js. früh sind die HauS» listen wieder einzusammeln.
Dann sind sie zu prüfen, ihre Anstände zu beseitigen, zu bescheinigen, nach den Hausnummern zu legen und zu numme- rieren.
Daraus sind sofort die Ersuchen an die Arbeitgeber und Behörden um Mitteilung der Lohn- und GehaltSbezüge der sämtl. im Ort wohnenden Arbeiter und Beamten usw. abzusenden. Aus die auswärts (in Westfalen und sonst wo) Beschäftigten, die ihren steuerlichen Wohnsitz im Orte hatten, erstreckt sich dieS natürlich ebenfalls.
Ich weif« auf die Verfügung vom 23. 9. 08., Nr. 2265, — KreiSblatt Nr. 114/08 — hin.
Bis zum 20. Oktober d. Js. müssen diese Anfragen obgesandt sein. Sodann ist sogleich mit der Aufstel- lung der Personen-Verzeichnisse zu beginnen, woran sich die Aufstellung der StaatSsteuerliste, der StaatS st euer-Rolle und der unten zu 6 und 7 bezeichneten Verzeichnisse zu schließen Hat.
Die Dame in rosa.
Original-Kriminal-Roman von Leo Turn au.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Der StaatSanwalt in Nizza war über den Erfolg der Nachforschungen nach dem in der Villa Jndiana vor mehreren Wochen begangenen Raubmorde sehr unzufrieden. Nichts, rein gar nichts war bisher entdeckt worden, um irgend einen positiven Anhalt für die Entdeckung der Verbrecher zu geben, und mit dem Detektiv Forbert öfter in der Raubmordsache zu verhandeln, daS widerstrebte dem StandeSgefühle des StaatS- anwaltS, der auf dem Standpunkte stand, daß seine Steck- briefe und die amtlichen Polizeiorgane allein die berufenen Rächer des GesetzeS und Ergreiser der Uebeltäter seien. Und der Polizeikommissar hatte natürlich fast dieselbe Meinung wie der StaatSanwalt, wenn er auch in der Anwendung der Mittel, Hallunken zu entlarven und einzufangen, nicht so engherzig wie der StaatSanwalt war. So kam eS, daß der StaatSanwalt schon daran zweifelte, ob jemals die in der Villa Jndiana begangene Mordtat ausgedeckt werden würde, und er dachte schon daran, die weiteren Recherchen ein- zustellen, wenn nicht besondere Umstände diese wieder notwendig erscheinen ließen. Da ließ sich eines Nachmittage- der Polizeikommissar bei dem Staatsanwalte melden und brächte ihm eine seltsame Bestätigung in der Thompson'schen Mordsache.
„Herr StaatSanwalt", erklärte der Kommissar, „ich muß Ihnen berichten, daß von zwei Seiten Anzeigen bei der Polizei eingegangen sind, daß tatsächlich eine Dame in rosa bei dem Raubmorde in der Villa Jndiana mitbeteiligt gewesen ist, hier lesen Sie diese beiden Briese!"
^ Hastig griff der StaatSanwalt nach den beiden Schrift- zucken. DaS eine war ein Schreiben des amerikanischen Kon- sulS m Alexandrien, daS eine protokollarische Abschrift der Ausjage enthielt, die der srüher in Nizza lebende Maler Lionel Forester über den Uebersall gemacht hatte, der ihm in der
Donnerstag, den 7. Oktober
Bis spätestens zum 10. November d. Js. sind mir die fertigen Listen nebst den sämtlichen Unterlagen ein« zureichen.
Ich mache den Herren Ortsvorstehern eine ganz besonders gute und gründliche Bearbeitung zur Pflicht.
An Formularen kommen zur Verwendung:
1) Hau-lifte,
2) Personen-VerzeichniS in Verbindung mit Gemeindesteuer- Liste,
3) Staatssteuerliste,
4) Staatssteuerrolle,
5) Schuldennachweisung,
6) Verzeichnis der auswärts wohnenden phys. Personen, die in der Gemeinde Grundbesitz haben oder Gewerbe betreiben,
7) Verzeichnis der nichtphysischen Personen,
8) Ersuchen an die Arbeitgeber um Mitteilung von Lohn- bezügen,
9) Ersuchen an auswärtige Ortsbehörden um desgl.,
10) Mitteilungen über Lohnbezüge an auswärtige Gemeinden.
Die Formulare mit Ausnahme der zu 5 bezeichneten gehen den Ortsvorständen rechtzeitig von hier aus zu, ich nehme an, baff von diesen noch genügend Vorrat vorhanden ist.
Wenn der Vorrat nicht ausreicht, ist dies sofort dem Büro der VeranlagungS-Commission mitzuteilen. Diejenigen Herren OrtSvorsteher, die über die Anwendung der neuen gesetzlichen Bestimmungen oder andere steuerlichen Angelegenheiten noch im Zweisel sind, wollen sich die nötigen Aufklärungen hier baldigst holen.
Bei Umzügen von Steuerpflichtigen in der Zeit zwischen der PersonenstandS-Aufnahme und der Voreinschätzung sind die Ueberweisungen und Mitteilungen über die steuerlichen Verhältnisse der Betreffenden mit größter Beschleunigung zu betreiben.
Der Vorsitzende der (Einkommensteuer: Veranlagungs-Kommission:
Nr. 2575. von Grunelius.
Hersseld, den 2. Oktober 1909.
Dir Herren Bürgermeister und GutSvorsteher des hiesigen Kreises ersuche ich um Einreichung der Kreishundesteuer-Z u g a n g s- lifte für die Zeit vom 1. Juli bis einschließlich 30. September d. JS., eventuell aber um Erstattung einer Fehlanzeige, bis zum 10. d. Mts.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 6371. von GruneliuS.
HerSfeld, den 4. Oktober 1909.
Dir unter dem Schweinebestand der Witwe Johannes Horn in GitterSdorf auSgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 1035. Der Königliche Landrat.
J. gz.
Wessel,' Kreissekretär.
Nähe der Villa Jndiana zugestoßen war und bei dem eine Dame in rosa die Hauptrolle gespielt zu haben schien und das andere Schreiben war ein Bries Lionel Forcsters aus Nlexan- dricn an seine Braut Mary Gardener. In diesem Briefe schilderte Lionel Forester haarklein seine ganzen Erlebnisse seit dem unseligen Morgen, wo er allein nach der Villa Jndiana zurückgegangen war, und er erwähnte in dem Brief zweimal, daß an dem an ihm verübten Uebersalle eine Dame in rosa beteiligt gewesen sei, genau in der Weise, wie er eS dem Konsul berichtet hatte.
Der StaatSanwalt blickte verblüfft den Polizeikommissar an und sagte dann betroffen:
„Also hat die arme Frau HauSmeisterin kurz vor ihrem Tode doch eine richtige Aussage gemacht."
„Alle Anzeichen sprechen allerdings dafür, Herr Staats- anwalt, daß die Hausmeisterin richtig gesehen hat, als sie erklärte, daß eine Dame in rosa das Verbrechen in der Villa Jndiana begangen habe", erwiderte der Kriminalkommissär, „und alle unsere Recherchen müssen nun aus die Hauptsragen konzentriert werden, ob eine Dame in rosa überhaupt als Mörderin in Betracht kommen kann oder ob die abgefeimten Verbrecher nicht in MaSke und Verkleidung in der Villa Jndiana operiert haben, um bei dem Verlassen des HauseS und der Verfolgung deS Verbrechens den Verdacht von sich abzulenken und irre zu führen."
„ES wäre für uns von größtem Werte, wenn wir den jungen Maler Lionel Forester, der die Dame in rosa doch wirklich gesehen hat, hier hätten und aus seiner Beschreibung der Umstände und durch unsere Kreuz- und Querfragen etwas GreisbareS über diese ominöse Dame oder den gefährlichen Verbrecher in Damenkleidern fest stellen könnten", meinte der StaatSanwalt. „Die Kosten für eine beschleunigte Rückreise von Alexandrien nach Nizza würden wir dem Maler Lionel Forester schon bewilligen können."
„Ach, die würde schon Herr Kingstone, der reiche Schwiegersohn der Frau Thompson bezahlen", bemerkte der Kriminalkommissär, „aber eS steht ja in dem Briese Lionel Forester ausdrücklich, daß er jetzt nicht sofort nach Nizza zurückreisen kann, weil er von einem reichen Amerikaner als Landschafts
1909.
Hersseld, den 2. Oktober 1909.
Diejenigen Herren Bürgermeister des KreiseS, welche meine Verfügung vom 17. September d. Js., 1. 9782 (KreiSblatt Nr. 112), betreffend den Bedarf von Quittungskarten pp. für das Jahr 1910, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist von 8 Tagen hiermit erinnert.
I. 9782a. Der Königliche Landrat.
I V,:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher Ceil.
Marokko.
Im Beginne der Aktion der Franzosen bei Casablanca handelte es sich darum, Genugtuung für die Ermordung von Hafenarbeitern zu erlangen. Daraus wurde ein ganzer Feldzug mit der Besetzung des Gebietes der Schauja. Ebenso bildete den Anlaß zu dem spanischen Feldzug an der Nordküste MarokkoS die Ermordung von Minenarbeitern, und jetzt, nachdem ein Heer von 50 000 Mann den Widerstand der Rif- kabylen im Hinterland von Melilla gebrochen hat, kommt die Nachricht von neuen Verstärkungen der spanischen Truppen, die dazu bestimmt sein sollen, Tetuan — ebenso wie Casablanca einer der alten marokkanischen Vertragshäfen — zu besetzen. Damit würde die ganze Nordküste MarokkoS unter spanische Macht kommen.
Die französische Regierung hat daS spanische Vorgehen bisher in keiner Weise gehindert, warnende oder mißgünstige Pariser Preßstimmen wurden bald erstickt. Einmal hätte ja euch ein französischer Einspruch durch daS Vorgehen der Franzosen bei Casablanca toihrlegt werden können; dann aber enthält aller Wahrscheinlichkeit nach der spanisch-französische Marokkovertrag vom Oktober 1904 die Anerkennung der aus alte Rechte und Ansprüche gegründeten Sonderstellung SpanienS im Norden deS scherifischen Reiches. Vielleicht wird Frank- reich sogar aktiv im Einverständnis mit Spanien vorgehen durch Entsendung neuer Truppen an die algerisch-marokkanische Grenze. Man sürchtet offenbar, daß, während bisher nur die Riskabylen an dem Kampfe gegen die Spanier teilnahmen, der Sultan Mulay Hafid nunmehr durch den FanatiSmur seiner Untertanen genötigt werden könnte, sich offen gegen daS spanische Vordringen zur Wehr zu setzen. Ein bei dem diplomatischen Korps in Tanger eingelegter Protest deS Sultans war wirkungslos geblieben.
Es vollzieht sich eine allmähliche Einengung der Herrschaft deS Scherifen "auf das Innere des Landes, und wenn man von allen Rivalitäten der Mächte absieht und nur die Barbarei in Marokko inS Auge saßt, wie sie sich drastisch wieder in den von dem Thronbewerber Bu Hamara und seinen Anhängern verübten Greueltaten zeigten, so wird man auch für jene gewaltsame Einengung eine Entschuldigung finden. Die Rivalität
maler auf einige Monate in Aegypten engagiert worden ist und durch dieses Engagement sein Glück zu machen hofft. Eine solche günstige Gelegenheit darf sich so ein armer Maler auch nicht entgehen lassen, um auf einen grünen Zweig zu kommen, denn gerade der Maler und auch seine Braut sind durch den jähen Tod der Frau Thompson, die den jungen Leuten zu einer Existenz verhelfen wollte, schwer betroffen worden. Der Maler weiß allerdings noch nichts von der Ermordung der Frau Thompson, sondern er fürchtet nur wegen deS an ihm in so früber Morgenstunde in der Nähe der Villa Jndiana begangenen UcbersalleS Schlimmes für die Bewohner der Villa."
»Daß diese Mordsache uns doch immer und immer wieder die größten Schwierigkeiten bereitet", sagte unwillig der StaatS- anwalt. „Es meldet sich auch niemand, um die auf die Ausdeckung deS Verbrechens auSgesetzte Belohnung zu verdie- neu und uns mit irgend welchen wichtigen Angaben zu unterstützen."
„Wenn ich meine Meinung frei aussprechen darf, so ist es vielleicht ein Fehler gewesen, daß wir nicht beständig mit dem von Herrn Kingstone engagierten Detektiv Hand in Hand gearbeitet haben", entgegnete der Kriminalkommissär.
„Ich durfte eine solche Anordnung nicht treffen, Herr Kommissar", erklärte der StaatSanwalt etwas erregt, „denn daS Gesetz und die Verordnungen des Herrn JustizministerS schreiben vor, daß der StaatSanwalt die Verfolgung von Verbrechern nur mit den dazu berufenen Organen vorzunehmen hat und zu diesen Organen gehören die Privatdetektivs nicht, denn zu diesen Leuten gehört doch der Herr Fordert."
„DaS ist schon alles richtig, Herr Stamsanwalt, aber man hat schon lange im Publikum erkannt, daß die Verbrecher vielfach so raffiniert sind und mit solchen schlauen Mitteln arbeiten, daß ihnen der gewöhnliche Kriminalist und Gendarm gar nicht beikommen kann. Dazu kommt für alle Polizeibeamte der Uebelstand hinzu, daß sie sich immer mit einer ganzen Anzahl von Verbrechen zu beschäftigen haben und dem einzelnen Verbrechen nicht die eingehende und andauernde Verfolgung angedeihen lassen können. Hauptverbrechen setzen ja allerdings die Kriminalbcamten einige Wochen in besondere Bewegung,