Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich
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verrfel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 115.
Donnerstag, den 30. September
1009.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 23. September 1909.
An die sämtlichen Ortspolizeibthörden deS Kreises.
Im Interesse eines schnelleren Geschäftsganges und zur Verminderung des Schreibwerkes habe ich ein Formular zu Bau-Erlaubnis-Anträgen entworfen, welches vom 1. Oktober d. Js. ab in allen Fällen zu benutzen ist, in denen es meiner Bau-ErlaubniS nach dem § 2 der Bau- Polizei-Ordnung II bczw. III vom 1./3. November 1902 bedarf.
Dieses Formular ist von den Ortspolizeibehörden deS Kreises vorrätig zu halten und kann von der Druckerei L. Funk hier (Verlag deS amtlichen Kreisblattes) bezogen werden.
Von den OrtSpolizeibehörden erwarte ich eine überlegte, sorgfältige und genaue Ausfüllung jener Formulars.
Alle nicht unter Benutzung deS Formulars ausgenommenen und bei mir eingehenden Bau-Erlaubnis-Anträge werden künftig zurückgesandt werden.
B. 5016. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Jagdverordnung.
Für 1900 und die folgenden Jahre wird bis aus Weiteres die Schonzeit sür Rehkälber im Regierungsbezirk Cassel mit Ausnahme des Bezirks der im Kreise Grasschast Schaumburg bclegcnen Obersörsterci Haste aus das ganze Jahr ausgedehnt. Hinsichtlich der genannten Obersörsterei bleibt es bei der gesetzlichen Bestimmung im § 39 Nr. 6 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907, wonach Rehkälber nur in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Oktober mit der Jagd zu versehen sind.
Cassel, den 9. September 1909. (Siegel.)
Der Bezirks-Ausschuß zu Cassel.
* *
HerSfeld, den 24. September 1909. Wird veröffentlicht.
1. 10064. Der Königliche Landrat von GruneliuS.
Hersseld, den 24. September 1909.
Unter dem Schweinebcstande des Karl Bolkmar, hier, Blink Nr. 114, ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. I. 10079. Der Königliche Landrat. I. P:
Wessel, Kreissekretär.
Hersseld, den 23. September 1909.
Die unter dem Schwcinebestande deS Jakob Beil in Harn- rode auSgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 9437. Der Königliche Landrat.
J. B.:
W e s s e l, KreiS sekretär.
Die Dame in rosa.
Original-Kriminal-Roman von Leo Turn au.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Topp, eS gilt, Sir Fox, wir verstehen unS", entgegnete der gedungene Meuchelmörder listig. „Aber kann man denn in aller Welt von niemanden erfahren, wer eigentlich der Detektiv ist, der Sie bewacht und entlarven soll?"
„ES ist Monsieur Forbert aus PariS", bemerkte Sir Fox hastig, „mein eigener Schwager hat ihn mitgebracht, um die Ermordung der Schwiegermutter auszudecken."
„Monsieur Fordert!" stieß Mister Hunter hervor. „Ist es wirklich Monsieur Fordert? Das ist ja der von allen Spitzbuben und Mördern gefürchtete Detektiv! Der Mensch arbeitet mit mathematischer Gründlichkeit gegen die Hallunken, iind er hat gewöhnlich auch zwei sehr tüchtige Gehilfen bei sich. Wissen Sie, lieber Sir Fox, mir kommt jetzt ein ge- scheidter Gedanke: Wir wollen beide noch heute Nacht fliehen, wir haben ja noch viel Geld, wir fliehen zu Schiff auf eine türkische Insel, wo man unS nicht gleich erwischt und wo man alle Polizisten bequem bestechen kann. Monsieur Forbert und seine Gehilfen sind mir zu gesährliche Diebessänger. Die haben schon die größten Gauner entlarvt und festgemacht, und ich habe mir von Kollegen sagen lassen, daß For- bert mit zwei unheimlich schnellen Boxerstößen jede verdächtige Person wirklich in einen hilflosen Zustand versetzt. Ich gebe Jgneq wirklich den besten Rat, Sir Fox, wenn ich sage, wir schon"zu"spät "'^ P*,b<n' denn morgen ist eS vielleicht
„."Ab« sind Sie eine Memme", entgegnete Sir Fox scharf, ^ .J Y1 oen w'r uns denn jetzt von einem Detektiv und sei- nen zwei Leuten so ohne weitere- in die Flucht schlagen lassen!
ich kann nicht zurückweichen, denn für mich handelt es sich um den Anteil einer Millionenerbschaft. Nehmen etc sich nur ordentlich Zeit, die Ausgabe einmal ordent-
Der Saatenstand Mitte September 1909. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersseld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
. — I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. I. -)
Fruchtarten usw.
Durchschnitts-
Anzahl der von den Verttauensmännern abgegebenen Noten
noten
für den
meg.-roez.
CQ rf ict
Cassel
(N | CQ | ^ 1 ist (N CQ ^
Kartoffeln .
2,5
2,3
1 2 11
Zuckerrüben
2,8
2,5
1
Klee ....
3,0
2,7
1 2 11
Luzerne
2,9
2,9
2
Wiesen mit künstlicher
Be-(Ent-)wässerung
2,7
2,6
1 4
Andere Wiesen .
3,0
2,9
1 1 1 2
Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.
nichtamtlicher teil.
Las wahre Problem bei her Lnftsijissahrt.
Während ganz Frankreich noch unter dem Eindrücke des Unterganges des französischen Militärluftschiffes „La Repu- blique" trauert und die ganze Kulturwelt an dieser Trauer tcilnimmt, denn diese Katastrophe hat nicht nur edle Menschenleben vernichtet, sondern sie hat auch die ganze Unvoll- kommenheit der Luftschiffahrt in einem düsteren Lichte gezeigt, muß der Erfindergeist der Menschen doch rastlos an der Luftschiffahrt weiter arbeiten und untersuchen, in welchem Punkte hauptsächlich das Problem der Luftschiffahrt noch besser zu lösen ist. Die Erfolge der Luftschiffe und der Flugmaschinen in der letzten Zeit hatten eigentlich die Luftschiffer und Luftsegler und damit die Menschheit schon etwas in Bezug aus die neue Erfindung verwöhnt. Man hat wohl dabei vergessen, daß daS Problem des Fahrens und FliegenS in der Luft immer an die Ueberwindung der Schwerkraft unmittelbar gebunden ist. Ein Luftballon, ein leichtes Luftschiff oder eine Flugmaschine längere Zeit in der Lust fliegen zu lassen, ist an sich schon lange keine große Kunst mehr, aber das Problem stellt sich sofort in feiner ganzen Größe wieder ein, wenn an das Luftfahrzeug die Ausgaben gestellt werden, erstens Zentnerlasten mit sich zu tragen und zweitens sich in bestimmter Richtung und in erwünschten Höhen möglichst schnell zu bewegen, und da wird man sosort erkennen, daß die Luftschiffahrt in ihrem Hauptprobleme dieselbe Ausgabe hat, wie die Seeschiffahrt, das heißt, mit einem Seeschiffe mag passieren, was da will, es kann die Maschine, die Masten und Segel und den größten Teil der Mannschaft
lich zu überlegen, dann wird es schon gehen, ein Fuchs kann immer noch den anderen überlisten."
„Wenn Sie es durchaus wünschen, Sir Fox", entgegnete Mister Hunter düster und mit lauernden Blicken, „so wird der Gang aus Leben und Tod mit dem Detektiv unternommen. Mein Handwerk besteht ja schon lange aus Wagnissen gefährlichster Art, bei denen man schon öfter Kopf und Kra- gen verlieren konnte, und spielen wir dieses Mal va banque, Sir Fox. Wir gewinnen entweder das gefährliche Spiel oder verlieren alles. Es ist jede Rettung für uns ausgeschlossen, wenn uns der Detektiv erst erwischt, denn unsere Entlarvung folgt dann aus dem Fuße nach. ES ist überhaupt schon sehr bedenklich, daß Sie sich von dem Detektiv beobachtet fühlen, Sir Fox, er muß da doch einen ganz bestimmten Verdacht gegen Sie haben."
„Leider, leider", stöhnte Sir Fox, „ich komme mir wie ein Fuchs vor, der von einem geschickten Jäger und dessen schlauen Gehilfen und bissigen Hunden eingekreist worden ist, aber es gibt noch eine Rettung, das ist der plötzliche Tod deS Jägers. Wie wäre eS, wenn wir ihn möglichst bald aus Nizza hinaus an daS Meeresgestade lockten und zwar zu einer Zeit, wo das Sonnenlicht und der gelbrötlichc Meeresstrand die Augen blenden und die Versolgung fliehender Personen erschweren. Einer von uns kann ja auch den anderen unterstützen."
„JedensallS müssen wir von jetzt ab nur noch in Verkleidungen arbeiten", erwiderte Mister Hunter, „denn sonst haben wir gar keine Möglichkeit, dem Detektiv und seinen Epürhun- den zu entgehen. DaS Kostüm von der Dame in rosa haben Sie jedenfalls noch zur Hand und ich werde als harmloser alter Fischer mit weißem Barte und Haaren auftreten, wenn eS gilt, in meiner jetzigen Gestalt zu verschwinden."
Sir Fox blickte den Spießgesellen wie verzweifelt an und stöhnte schwer, ohne ein Wort zu sagen:
„Nun, mein Vorschlag scheint Ihnen nicht zu gefallen, Sir Fox", meinte Mister Hunter. „Dann muß ich mir eben einen anderen Plan ausdenken. Ich kann ja auch als Frau gehen, zum Beispiel als Bäuerin aus der Provinz, und Sie können sich Ihre Verkleidung wählen wie Sie »vollen, Sie
verlieren, so muß man von der Bauart des Seeschiffes doch immer verlangen, daß es seetüchtig bleibt, das heißt, daß eS auch ohne Maschine, Masten und Segel noch aus dem Wasser schwimmen und sich retten kann. Dasselbe muß nun auch offenbar vom Lustschiff verlangt werden, es kann seine Propeller verlieren, es kann seine Maschine schadhaft werden, und es kann auch an seiner Gondel Schaden nehmen, so muß man doch immer von dem Luftschiffe verlangen, daß eS sich in der Lust in der betreffenden Höhe halten und mit der Windrichtung jähren und durch Auswerfen deS Ballastes oder Oeffnen der Ventile an einem sicheren Orte landen kann. Glücklicherweise hat der geniale Gras Zeppelin mit der Erfindung seines starren Luftschiffes dieses Problem annähernd gelöst, denn er stützt die Tragkraft seines Luftschiffes nicht auf einen großen Ballon, sondern eine ganze Anzahl kleiner sehr tragsähiger Ballons ist in der großen Alluminiumhülle des Luftschiffes untergebracht, und die Tragfähigkeit und Lust- tüchtigkeit des Zeppelinschen Luftschiffes bleibt also bestehen, wenn das Luftschiff an den Maschinen und Propellern Schaden nimmt. Als Ursache des Unterganges deS sran- zösischen Luftschiffes nimmt man nun an, daß ein Stück deS zersprungenen Propellers durch die Wände des Ballons hindurch geflogen sei, und dadurch der sehr stark angespannte Ballon zum plötzlichen Zerreißen gebracht worden wäre. Ob diese Annahme mit der Wirklichkeit übereinstimmt, kann niemand sagen. Es wäre auch möglich, daß der Unterschied in den Spannungsverhältnissen der Lust bei feuchtem und trockenem Wetter sehr ungünstig aus die Haltbarkeit der Ballonhülle insofern einwirken könnte, daß der Lustdruck, der den Ballon umgibt, sich unter Umständen stark abschwächt und dadurch der Gasdruck im Ballon so wächst, daß er die Ballonhülle zersprengt. Die größte Aufgabe für die Luftschiffer und LuftschiffahrtStechniker besteht also nach wie vor darin, das Luftschiff lusttüchtig unter allen Umständen zu erhalten, weil nur dadurch die Gefahr der schlimmsten Katastrophen von dem Luftschiffe ferngehalten werden kann. Sehr scharf wird von nüchternen Kritikem auch noch die Unsicherheit ir.it dem Fahren der Luftschiffe und die sich daraus ergebende Langsamkeit im Luftschiffahrtsverkehr getadelt. Auch das Zeppclinsche Luftschiff weist in dieser Hinsicht noch sehr schwere Mängel auf, denn fast bei jeder Fahrt der Zeppelinschen Luftschiffe haben sich Propellerbrüche und Maschincndesckte gezeigt und kann auch das Zeppelinsche Luftschiff noch nicht als ein sicheres Verkehrsmittel im Lustteiche betrachtet werden.
Wifdjt Politik in Marokko.
Die in einer Denkschrift der marokkanischen Regierung an das diplomatische Korps in Tanger ausgesprochene Bitte um Einschreiten der Mächte gegen SpanienS Unternehmungen im Rifgebiet war nach Lage der Dinge nicht erfüllbar. Die Ris° kabylen selbst hatten durch Tötung spanischer Staatsangehöriger den Vergeltungszug heraufbeschworen. Das Recht der
sind ja schließlich noch schlauer und erfinderischer als ich."
„Die Dame in rosa ist leider in der Villa Jndiana doch gesehen worden", berichtete Sir Fox in unheimlicher Verlegenheit, „und ich weiß nicht, ob wir sie hier in der Umgebung von Nizza noch einmal auftreten lassen dürfen."
»Wie soll ich das verstehen? Wer will denn die Dame in rosa in der Villa gesehen haben, nachdem ihr Erscheinen dort alles stumm gemacht hatte?" frug Mister Hunter erregt.
„Es hat eine sehr gründliche Untersuchung der Villa statt- gefunden. Die Hausmeisterin ist vor ihrem endgültigen To- deSschlase noch aus einige Sekunden aus ihrer Ohnmacht er- wacht und hat kurz berichtet, daß die Dame in rosa....."
»Weiter kam Sir Fox mit seinem Berichte nicht, er hielt stockend inne und machte eine seltsame Handbeiv egung.
„DaS kommt eben davon, wenn man nicht gründlich arbeitet und an den Kosten sparen will", sagte Mister Hunter ärgerlich und warf seinem Auftraggeber einen sehr bösen Blick zu und sagte dann, die Hausmeistersleute, die nun einmal etwas gesehen hatten, hätten sofort ganz stumm gemacht wer- den müssen, daS Betäubungsmittel war da nicht mehr am Platze. Auch hätte Jack Ripper ebenfalls engagiert werden müssen, um die Arbeit zu tun, die uns zuviel war. Aber Sie wollten natürlich die Kosten für Jack Ripper sparen, und nun sehen Sie, was dabei herausgekommen ist. Indessen sehe ich trotzdem nicht ein, weshalb die Dame in rosa nicht noch einmal hier auftreten soll. Von allen lebenden Menschen in Nizza und Umgebung hat sie doch noch keiner gesehen, und wenn auch der Detektiv und die Polizisten von ihr gehört haben, so fehlt jedenfalls eine genaue Beschreibung von ihr, und der Herr Detektiv und seine Helfer haben gar keine rich- tige Vorstellung von ihr, und außerdem laufen jeden Tag in Nizza und der Umgebung vielleicht hundert Damen in rosafarbenen Kleidern herum, und die Polizei wird sich hüten, diese Damen in rosa alle wegen deS Raubmordes in der Villa zu verhaften. Das wäre doch zu dumm und würde dazu führen, daß alle Menschen sich gegen die Polizei beschwerten, und die zahlreichen Fremden Nizza verließen. Nein, ich lasse mich von dem Gerede über die Dame in rosa nicht rinschüch- tern, und bleibe dabei, daß das Austreten der Dame in rosa