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Herchlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernfprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 113.
Sonnabend, den 25. September
1909.
Amtlicher teil.
Herrfeld, den 21. September 1909.
Diejenigen Herrn Bürgermeister der Kreise«, welche meine Verfügung vom 28. Februar 1880, Nr. 2182 — KreiSblatt Nr. 18 — betreffend Einzahlung deS LoosholzgeldeS an die betreffenden Forstkasien noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert. Ich sehe der Einreichung deS geforderten Berichts nunmehr bestimmt binnen 5 Tagen entgegen.
I. A. 6111. Der Königliche Landrat
von Gruneliu«.
HerSfeld, den 22. September 1909.
Bei der Nachprüfung der statistischen Nachweisungen über die Ergebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau hat sich er- geben, daß in einzelnen Beschaubezirken bei den wegen Rotlaufs als bedingt tauglich beanstandeten Schweinen in vielen Fällen die Lungen wegen Hämmorrhagien und die Lebern wegen parenchymatöser Degeneration als untauglich beanstandet worden sind. Da in den Tabellen 3 des Formulars A und B (Beanstandungen veränderter Teile) die Spalten III und IV unter lfd. Nr. 4 bezw. 3 (Rotlauf der Schweine) gesperrt sind, haben die Beschauer die beanstandeten Lungen und Lebern unter Nr. IV (sonstige einzelne Organe) einge- tragen.
Dieses Verfahren kann nicht gebilligt werden. In den Fällen, in denen Tierkörper wegen Schweinerotlauss nach § 37 n. Nr. 2 der Ausführung-bestimmungen a. zum Fleisch, beschaugesetz alS bedingt tauglich anzusehen sind, ist weder die Lunge noch die Leber der beanstandeten Tiere derart verändert, daß die unschädliche Beseitigung solcher Organe vom gesundheitlichen Standpunkte aus geboten ist. Die etwa unter dem Lungenselle vorhandenen Blutpünktchen (Hämmorr- hagien) und die infolge einer fettigen Entartung oder trüben Schwellung (parenchymatöser Degeneration) entstandenen Veränderungen des Lebergewebes können wegen ihrer Geringfügigkeit als Veränderungen im Sinne der Vorschrift in Nr.
11 des § 35 der vorgenannten AuSführungSbestimmungen nicht gelten. Es ist daher nicht erforderlich, Lungen und Lebern von Schweinen, die wegen Rotlaufs als bedingt tauglich erklärt worden sind, aus Anlaß deS Rotlaufs noch be- sonders als untauglich zu beanstanden. Die Organe sind vielmehr, soweit nicht Merkmale anderer Krankheiten vorliegen, die eine andere Beurteilung erfordern, ebenfalls als bedingt tauglich anzusehen.
Die Herren Bürgermeister deS Kreises wollen diese KreiS- blatt-Nr. den Fleischbeschauern zur künftigen Beachtung meines AuSschreibenS vorlegen.
I. 9932. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W r f f e l, KreiSfekretär.
HerSfeld, den 22. September 1909.
Die unter der Schafherde deS Schäfers Blumenauer zu RiebelSdorf, Kreis Ziegenhain, auSgebrochene Räude ist erloschen.
I. I. 10011. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Wessel, KreiSfekretär.
HerSfeld, den 22. September 1909.
Die unter dem Echwrinebestande deS Bürgermeister- Hahn zu HillartShausen auSgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 10016. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Wessel, KreiSsekretär.
Bekanntmachung.
Nach Mitteilung der Inspektion der Jnfanterie-Schulen in Berlin herrscht bei den Unteroffizierschulen für die diesjährige Herbsteinstellung noch ein großer Mangel an Freiwilligen.
Junge Leute, welche Lust haben in eine Unteroffizierschule einzutreten, wollen sich baldmöglichst hier melden.
Die Bedingungen jut Ausnahme werden auf Ersuchen von hier übersandt.
HerSfeld, den 17. September 1909.
Königliches BezirkSkommando. ♦ • HerSfeld,* den 20. September 1909.
Wird veröffentlicht.
J. m 2296 Der Königliche Landrat
I. V.:
Wessel, KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Während der BerichtSwoche hat in L e i p z i g der alljähr- lichr sozialdemokratische Parteitag stattgefunden.
Mit geringer Mehrheit ist in Leipzig eine ursprünglich vom Parteitage beschlossene Resolution, die sich in scharfen Ausdrücken gegen den Liberalismus wendet und jedes Paktieren mit demselben verwirft, nachträglich wieder umgestoßen worden. Darüber herrscht nun im Lager derjenigen, die nicht müde werden, an daS Märchen von der Mauserung der Sozialdemo- kratie zu glauben, Heller Jubel. Man zieht daraus zum soundsovielten Male von neuem die Schlußfolgerung, daß die revisionistische Richtung unter den „Genossen" in siegreichem Vormärsche begriffen sei, und daß die Umwandlung der Sozial- demokratie aus einer radikalen Revolutionspartei in eine soziale Reformpartei nahe bevorstehe. Wir halten diesen Glauben für ebenso töricht wie verderblich. Ganz abgesehen davon, daß auch in Leipzig am letzten Verhandlungstage noch die Dresdner Resolution, die das revolutionäre Endziel der Sozialdemokratie mit Schärfe betont, und jedes Entgegenkommen gegenüber der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung entschieden ab- lehnt von Revisionisten und Radikalen wieder einstimmig bestätigt worden ist, sind die Unterschiede zwischen den beiden Richtungen innerhalb der Sozialdemokratie überhaupt nicht grundsätzlicher, sondern ausWicßlich taktischer Art. Alle Mauserung-Hoffnungen und Mauserungsillusionen sind daher nur geeignet, die Wachsamkeit des Bürgertums einzuschläsern und seine Widerstandsfähigkeit zu schwächen. Anstatt sich unfruchtbarem Nachdenken über die Zukunftsentwicklung der Sozialdemokratie hinzugeben, täte das Bürgertum weit besser daran, den Zwist im eigenen Lager zu bannen und seine Reihen wieder fest zu schließen.
Der erste Besuch unseres neuen Reichskanzlers im Auslande hat unserm hohen V^bü.ideten in Oesterreich- Ungarn gegolten, dem unser Kaiser ja auch persönlich in inniger Liebe und Verehrung nahesteht. An den Empfang bei Kaiser Franz Joses aber schloß sich eine längere Unterredung unseres Reichskanzlers mit dem Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreich-Ungarns, Freiherrn von Achren- thal, die zu einer erfreulichen Feststellung der Uebereinstimmung über die schwebenden Fragen europäischer Politik zwischen den beiden Staatsmännern geführt hat. Der sympatifche Empfang, den die österreichische Presse Herrn v. Bethmann Hollweg bereitet hat, sowie die laute und unverhohlene Befriedigung, die sich in unserm verbündeten Nachbarreiche allenthalben über den stattgehabten Besuch des Leiters der deutschen Politik kundgibt, stellen es außer Zweifel, daß das gute Einvernehmen, daS unter dem Fürsten Bülow zwischen Deutschland und Oesterreich dastand, auch in der Aera deS fünften Kanzlers un- vermindert bewahrt bleiben wird.
Leider entspricht die gegenwärtige innereLageOester- reich-Ungarns nicht den herzlichen Wünschen, die wir in vollster Aufrichrigkeit für das Wohlergehen unserer Verbündeten hegen. In Ungarn ist die Ministerkrisis akut geworden, indem daS Kabinett Wcckcrle seine Demission eingereicht hat. In Oesterreich aber steht der Nationalitätenkampf zwischen Tschechen und Deutschen wieder in vollster Blüte, und cS ist nicht abzusehen, wie diesem entsetzlichen Völkerhader ein Ende zu machen sei. So selbstverständlich es nun auch ist, daß die offizielle Palitik Deutschland- nach wie vor auch Oesterreich gegenüber den Grundsatz der Nichteinmischung in die innerstaatlichen Angelegenheiten fremder Länder mit Strenge befolgt, so wird man es unS als Deutschen doch nicht verargen können, wenn wir unserer Freude Ausdruck geben über die Einmütigkeit und Festigkeit, mit der alle deutschen Parteien den deutschen Charakter Niederösterreichs zu wahren be- schloffen haben. Und ganz besonders erfreulich ist es noch, daß die C h r i st l i ch - S o z i a l e n als die stärkste Partei Niederösterreichs vorbehaltlich die Führung in dieser nationalen Angelegenheit übernommen haben, während sie sich bisher in- folge ihres streng konsessionell-katholischen Charakters einer gewissen Reserve im österreichischen Nationalitätenkampse.befleißigten. Hoffentlich trägt diese Haltung der Deutschen gute Früchte und wirkt auch auf die übrigen Kronländer, inSbe- sondere Böhmen hinüber.
Einigermaßen krisenhaft sieht es zurzeit auch im Inneren England« aus. Hier zeigt das Oberhaus Neigung, dem von dem Hause der Gemeinen beschlossenen Budget, dessen (Bestallung den Wünschen der LordS in mancher Hinsicht nicht entspricht, seine Zustimmung zu versagen. Damit aber würde S sich zu den bisherigen parlamentarischen Ueberlieferungen Englands, wonach die Entscheidung über daS Budget ausschließlich in den Händen deS Unterhauses liegt, in Widerspruch setzen. Während nun die Unionisten in ihrer Mehrheit der Stellungnahme des Oberhauses Beifall zollen, nehmen die Libe- ralen den entgegengesetzten Standpunkt ein, und ihr Führer, der gegenwärtige Premierminister ASquith, hat jüngst in Birmingham eine heftige, mit Drohungen gespickte Kampsrede gegen die LordS gehalten. Er tadelte ihre „Selbstsucht" und meinte, daS „Volk werde die sehnlichst erwartete Gelegenheit zum Umstürze alter Privilegien benutzen". Man sieht, am letzten Ende spitzt sich der Streit auf die Frage über die künftige Stellung deS Oberhauses im Verfassung-leben der britischen Nation zu. Gibt daS Oberhaus in der Budget- angelegenheit nicht nach, so geht England zweifellos schweren inneren Kämpfen entgegen. Auf jeden Fall aber darf man
aus die nächste Entwicklung der innerpolitischen britischen Verhältnisse höchst gespannt sein.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 23. September 1909.
Se. Majestät der Kaiser hat nach den Manöveranstrengungen der letzten Wochen wieder einmal Erholung in der Waldeinsamkeit von Rominten gesucht. Er traf am Mittwoch vormittag aus Sachsen in Rominten ein, begleitet von der Kaiserin und vom Prinzen Oskar, die sich ihm unterwegs angeschloffen hatten. Ueber die Dauer des Aufenthaltes der kaiserlichen Herrschaften in Rominten verlautet noch nichts bestimmtes.
Der Staatssekretär der Reich--Kolonial- a m t s Wirkl. Geheimer Rat Dernburg hat sich in Begleitung des Referenten für Landwirtschaft im Kolonialamt RegicrungSratS Dr. Busse nach Hamburg begeben, um mit dem nach New- Aork abgehenden Dampfer „Clcvcland" eine Dienstreise in die Baumwollgebiete der Vereinigten Staaten anzutreten. Die Reise hängt mit der Absicht des Staatssekretärs zusammen, dem Anbau von Baumwolle in den deutschen Schutzgebieten einen größeren Umfang zu geben und die dahin zielenden Bestrebungen deS Kaiserlichen Gouvernements und deS Kolonial- Wirtschaftlichen Komitees zu fördern und zu stützen.
Mit dem 1. Oktober dieses JahreS geht die Verwaltung des ReichsinvalidensondS und des mit diesem ver- bundenen HinterbliebcnenvcrsicherungssondS auf das ReichS- schatzamt über und hört mit dem gleichen Tage die bisher unter dem Namen „Verwaltung des ReichsinvalidensondS" bestehende Behörde aus. Die zur Ueberleitung deS Jnvaliden- sonds in die allgemeine Reichsverwaltung erforderlichen Anordnungen sind bereits getroffen. Die Uebernahme wird im Laufe der nächsten Wochen stattfinden. Die zu übernehmenden Werte sind auch jetzt noch beträchtlich. Der Jnvalidensonds selbst besteht formell noch aus etwa 125 Millionen Mark, von denen allerdings ein erheblicher Teil schon durch Vorschüsse belastet ist. In den Hinterbliebenenversicherungsfonds, welcher nach § 15 des Zolltarifgesetzes zur Anbauung der Witwen- und Waisenveisicherung gegründet wurde, ist bekanntlich nur in einem einzigen Jahre die Summe von etwa 47 Millionen Mk. gelangt. Auch für das laufende Jahr ist es zweifelhaft, ob irgendeine Ueberweisung an ihn erfolgen kann.
Der Reichskanzler v. B ethmann-Hollweg weilt nach Abstattung seiner Antrittsbesuche an den Höfen von München und Wien seit Donnerstag in Schloß Linderhos in Oberbayern als Jagdgast deS Prinz-Regenten Luitpold. Letzterer hatte Herrn v. Bethmann-Hollweg bei feiner Vorstellung in München persönlich zu dem Jagdaufenthalt in Linderhof eingeladen. Betreffs der politischen Ergebnisse deS Besuches des Reichskanzlers in Wien vernimmt man, daß die hierbei stattgefundencn wiederholten Aussprachen zwischen ihm und dem österreichisch-ungarischen Minister deS Aeußeren Frei- Herrn v. Achrcnthal zu einem vollständigen Einverständniffe über die gemeinsamen RichtungSlinien in der auswärtigen Politik Deutschlands und Oesterreich-UngarnS geführt haben und daß somit die unveränderte Fortdauer des innigen gegenseitigen Bündnisverhältniffes der zwei mitteleuropäischen Kaiser- reiche erneut verbürgt ist. Spezielle Abmachungen sind aller- dings bet der Anwesenheit v. Bethmann-HollwegS in Wien nicht getroffen worden, weil einfach kein Anlaß zu solchen vorhanden war.
Die E p a n ie r haben im R i f f kr i r g e die angekündigte Offensive ergriffen und von Melilla aus mit 15 000 Mann einen kräftigen Vorstoß gegen die Beni-Sikar-Kabylen unter- nommen. Es kam hierbei zu heftigen Kämpfen, die damit endeten, daß die Kabylen, nachdem sie schwere Verluste er- litten hatten, sich zurückziehen mußten. Die spanischen Truppen lagern aus den genommenen Stellungen. Einer der Haupt- führer der Kabylen, Mizzian, fiel in die Hände der Spanier. Der Gesamtverlust der Spanier in diesen neuen Kämpfen be- trug laut einer Meldung aus Madrid 19 Tote, darunter drei Offiziere, und 106 Verwundete, darunter 12 Offiziere. Waben Protest des Sultans Mulay Hafid gegen die spanische Expedition am Rsff anbelangt, so ist bis jetzt noch nicht bekannt, welche Stellung die europäischen Mächte gegenüber der Protestnote einnehmen werden. In den Madrider RegierungS- kreisell nimmt man den Protest Mulay HafidS allerdings auf die leichte Achsel, doch können sich an ihn immerhin ernstere Folgen anknüpfen.
Der jugendliche König Manuel von Portugal wird sich nächsteii- nach übereinstimmenden Liffaboner und Madrider Meldungen mit Prinzessin Alexandra von Fife, der ältesten Enkelin König Eduard- VII., verloben. König Manuel wird am 15. November d. J. 20 Jahre alt; er bestieg den portugiesischen Thron im Februar vergangenen Jahres nach dem tragischen Tode seines VaterS und seines Bruders. Die Prinzessin Alexandra ist am 17. Mai 1891 als die ältere der beiden Töchter aus der Ehe deS Herzoge« von Fife mit Prinzessin Luise Dagmar, der ältesten Tochter König Eduards, geboren.