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herchlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 112
Donnerstag, den 23. September
1909.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 18. September 1909.
Die Herren Orts- bezw. Gutsvorstände des Kreises ersuche ich, mir bis zum 1. Oktober d. Js. anzuzeigen, wieviel:
1. Quittungskarten von Formular A (gelb),
2. Quittungskarten von Formular B (grau),
3. Quittungssormulare für Invaliden- und Unsallrenten- Empfänger, für das Jahr 1910 voraussichtlich erforderlich sein werden.
Ich mache noch besonders darauf aufmerksam, daß die Quittungskarte B nur für solche freiwillige Versicherte auszustellen ist, für welche früher noch niemals auf Grund versicherungspflichtiger Tätigkeit Beitragsmarken verwendet worden sind, und daß diejenigen Personen, welche einmal dem Versicherungszwange unterlegen haben, Quittung-karten nach Formular A weiter gebrauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich freiwillig weiter versichern wollen.
I. I. 9782. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher teil
zu Heu Saifcrmanöbtrn.
—.....aisermanöver in Süddeutschland und in Sachsen sind nunmehr glücklich beendigt worden, aber sie spielen nicht nur im militärischen, sondern auch im nationalen Leben deS deutschen Volkes eine solche hervorragende Rolle, daß es sich lohnt, eine Anzahl Momente aus diesen großen militärischen Schauspielen und Uebungen sestzuhalten. Her- vorzuheben verdient zunächst, daß in diesem Jahre die Kaiser- manöver eine besonders große Entfaltung gezeigt haben, mehr als vier Armeekorps waren in Süddeutschland zu den Kaisermanövern aufgeboten, und in Sachsen manöverierten die beiden sächsischen Armeekorps vor dem Kaiser. Das Zu- sammenziehen und der Ausmarsch der zahlreichen Truppen vollzog sich ebenso exakt wie deren Heimkehr vom Manöver- felde/ Da es sich zumal bei den Kaisermanövern in Süd- deutschland um den Anmarsch und Abtransport von weit mehr als 100 000 Mann mit etwa 10 000 Pferden und 500 Fahrzeugen handelte, und auch in Sachsen die Truppen zweier Armeekorps manöverierten, so kann man ruhig behaupten, daß der Generalstab und die Etappenkommandos eine vorzügliche Leistung während der Kaisermanöver vollbracht haben. Es sei auch hier gleich erwähnt, daß die großen Manöver dazu dienen, um den Generälen Gelegenheit zu geben, ihre Tüchtigkeit zu zeigen, und daß natürlicherweise auch der Generalstab und der Generalquartiermeister während dieser großen Truppenübungen Beweise ihrer Tüchtigkeit zu geben haben. Keine Verwirrung, keine Verzögerung darf in
Die Dame in rosa.
Original-Kriminal-Roman von L e o Turn au.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„In wenigen Minuten", fuhr Mister Vanlo fort, „waren unsere Zelte abgebrochen, und die Kameele, Maulesel und Pferde gesattelt, nur Sir Finter blieb ruhig vor feiner Leinwand sitzen und malte an der Pyramide weiter. Da trat ich an ihn heran und sagte höflich: Lieber Sir Finter, wenn Sie die Pyramide mit den englischen Damen und Herren heute und morgen für sich malen wollen, so ist es mir recht, ich komme dann übermorgen wieder und bann malen Sie die Pyramide für mich. Darauf kamen die englischen Damen und Herren von der Pyramide herunter, baten um Entschuldigung und sagten mir, daß sie uns hier nicht hätten stören wollen, sie würden bald weiterziehen und die übrigen Pyramiden besuchen. Damit wäre ja die Affäre erledigt gewesen, und Sir Finter konnte weiter an der Pyramide malen. Wer beschreibt aber meinen Schreck, als ich aus einmal sehe, daß die hübscheste und jüngste von den englischen Damen oben auf der Pyramide hinter einem Felsblock stehen geblieben war und jetzt sich auf einmal zeigte und den Maler Sir Finter mit den süßesten Schmeichelworten bat, daß er sie mit aus sein Bild, also auf die Pyramide malen solle. Da packte mich der Zorn über solche Frechheit und Eitelkeit, und ich schrie laut dem Sir Finter zu: Die Dame wird nicht mitgemalt. Da warf der Maler Pinsel und Palette weg, sprang von seiner Lein- wand auf und brüllte mir wütend zu: Das geht zuweit, Mister Vaulo! Sie rauben mir ja jede künstlerische Freiheit. Ich will die Dame mitmale», dadurch wird daS Bild von der Pyramide erst interessant und vielleicht sogar berühmt. Daraus entgegnete ich ebenso- wütend: Ich will für mein Geld keine Pyramiden mit einer Engländerin gemalt haben. Sie stehen in meinen Diensten, Sir Finter, und wenn Sie mir die Pyramide nicht so malen wollen, wie ich eS wünsche, dann malen Sie doch die Pyramide für sich oder für die Herr
dem Anmärsche der Truppen und deren weiteren Bewegungen und Transporten eintreten, und jeder höhere Führer muß seine Ausgabe fehlerlos unter den Augen strenger Richter vollziehen, sonst winkt ihm der Abschied. Diese Strenge muß im militärischen Dienste gehandhabt werden, damit die Leistungen der Führer und Truppen so sind, daß sie als eine wertvolle Vorbereitung für den wirklichen Krieg angesehen werden können. Im Manöverfelde hat sich in den letzten Jahren übrigens so viel geändert, daß die Manöver der Neuzeit mit denen der früheren Jahre kaum noch verglichen werden können. Heutzutage suchen sich die Truppen während des Gefechtes möglichst zu verbergen und aus der Deckung zu schießen. Und der eigentliche Angriff wird nahezu geräuschlos vorbereitet. Trommelwirbel, Trompetenfan- faren und Hurrageschrei hört man fast gar nicht mehr. Desto mehr arbeiten die Offiziere mit den Ferngläsern, den Feldtelegraphen, den Radfahrern und den Automobilwagen. Für die kommandierenden Generale und zumal für den Oberseld- Herrn ist das Kriegsautomobil nahezu unentbehrlich geworden, da es allein dieses Fahrzeug ermöglicht» die ungeheuer langen Fronten der fechtenden Truppen in verhältnismäßig kurzer Zeit zu übersehen. Leider ist das Automobil im Kriegsfalle jetzt noch verhältnismäßig sehr leicht von feindlichen Geschossen zu erreichen, man wird daher wohl in den nächsten Jahren ge- palMMLutomobile in den Heeren einführen oder ihren Ge- brauch Whxrückwärts vornehmen, damit sie nicht so leicht von den seinWch-ü.Granaten und Schrapnells erreicht werden können. Die schmetternde Trompete hört man jetzt auf dem Manöverfelde fast nur tw$ bei großen Reiterangriffen, sonst wird die Trompete meistens durch die schrille Armeepseise ersetzt. Die Haltung der Truppen während der deutschen Kaisermanöver war auch in diesem J»hre ganz vorzüglich, und find sogar Musterleistungen insofern vollbracht worden, daß oft ganze Regimenter nach langen Märschen noch große Angriffe mit Erfolg unternommen haben. Die fremdländischen Offiziere, die wie immer auf Einladungen deS Kaisers oder infolge der Gesuche der fremden Regierungen an den deutschen Manövern teilnehmen, werden wohl auch in diesem Jahre den Eindruck gewonnen haben, daß eS eine sehr bedenkliche Sache sein würde, wenn eine fremde Macht sich mit Deutschland in einen Krieg einlasfen würde, denn das deutsche Heer steht auf der Höhe seiner Aufgabe, und so groß auch die diesjährigen Kaisermanöver waren, so repräsentierten dieselben an ihrer Truppen- anzahl doch nur etwa den zwanzigsten Teil des deutschen Heeres, wobei die Landwehr zweiten Aufgebots und der Landsturm noch gar nicht mitgerechnet ist. Erwähnt sei auch noch, daß in einem wirklichen Kriege die deutschen Truppen nicht in ihrer jetzigen Uniform, sondern in der neuen graugrünen Feld- uniform erscheinen werden, auch ist es möglich, daß in den nächsten Jahren einmal große Manöver in diesen neuen Feld- uniformen abgehalten werden.
schaften, die eben gekommen sind. Hieraus entgegnete Sir Finter kalt lächelnd: Das werde ich auch tun, Mister Vanlo, denn Sie verstehen ja garnichts von der Kunst, Sie haben nur Grillen und Launen, und ich habe es satt, Ihren angeblichen Kunstliebhabereien zu dienen. Daraus tief ich nochmals meinen Diener Bob und in wenigen Sekunden später marschierte meine Karawane ab, und wir haben den ehrgeizigen Maler und die eitele englische Gesellschaft ihrem Schicksal überlassen, denn ich will für mein vieles Geld nicht der Narr anderer Leute sein. Da kennen Sie nun mein Erlebnis mit dem Maler Finter, und ich muß mir nun einen neuen Künstler suchen, der meinen Plan ausführt."
„Ich will mich an meinen Kollegen, den italienischen Konsul wenden, vielleicht ist ein Landschaftsmaler aus Italien in Alexandrien angekommen", sagte jetzt der Konsul tröstend, „es wird sich gegen hohes Honorar doch wahrhaftig noch für Sie, Mister Vanlo, ein tüchtiger Landschaftsmaler in Egypten austreiben lassen. Wir sehen uns doch heute abend im amerikanischen Klub, und da kann ich Ihnen Bescheid sagen."
„Sehr gütig von Ihnen, Herr Konsul", rief Mister Vanlo befriedigt über diese Antwort, „ich will aber jetzt Ihre kostbare Zeit nicht weiter in Anspruch nehmen, denn ich glaube, daß noch einige Personen im Wartezimmer sind und den Herrn Konsul auch sprechen wollen."
Mit einigen herzlichen Abschiedsworten verschwand «der seltsame Mister Vanlo auS dem Amtszimmer des amerikanischen Konsuls und bald daraus traten in dasselbe ein junger Mann, der wie ein Künstler auSsah, ein und mit ihm ein älterer Herr, der unverkennbar ein Seemann war.
„Mit was kann ich den Herren dienen?" fragte der Konsul.
„Mein Name ist Lionel Forester", erwiderte der junge Mann, „ich bin amerikanischer Staatsbürger und Maler von Beruf, lebte bis vor einigen Wochen in Nizza, bin dort in der Nähe des Meerufers von Räubern überfallen und offenbar von ihnen ins Meer geworfen und dann von den Matrosen dieses Seemanns gerettet und nach Alexandrien gebracht worden."
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 21. September 1909.
Nachdem Ihre Majestäten derKaiser und der Königvon Sachsen den ganzen Tag im Manövergelände der beiden sächsischen Armeekorps zugebracht hatten, trafen gegen 7 Uhr zuerst der König mit den Prinzen-Söhnen in seinem Sonderzug und gleich daraus der Kaiser in dem feinigen in Meißen ein. Die so malerisch an der Elbe und an der gewaltigen Albrechtsburg aufgebaute schöne Stadt ist reich mit Fahnen und Grün geschmückt. DaS Wetter ist schön. Viele Tausende, die auch aus der Umgegend herbeigeeilt sind, füllten schon seit Nachmittag Kopf an Kopf die Straßen und Plätze und lagerten auf den Bergabhängen, da man die Ankunft der Majestäten früher erwartet hatte. Der König empfing den Kaiser, welcher die königlichen Prinzen besonders herzlich begrüßte. Auf dem Bahnsteige waren die Spitzen der kaiserlichen und königlichen Behörden, die Minister und Hofchargen verfammelt. Bürgermeister Dr. Ay begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache, in der er MeißenS deutsche Vergangenheit hervorhob und den Kaiser als Mehrer der Segnungen der Friedens pries. Der Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, in daS die tausendköpfige Menge jubelnd ein- stimmte. Der Kaiser antwortete mit freundlichen Worten deS Dankes, schritt daraus mit dem König die Fronten der auf dem Vorplatz in offenem Viereck aufgestellten Militärvereine ab und begrüßte die alten Krieger. Sodann wurden die Wagen bestiegen und die Fahrt zur Albrechtsburg angetreten. Die Stadt war Abends glänzend und allgemein illuminiert; bis in die Nebengäßchen standen Lichter an den Fenstern. Um 9Va Uhr begaben sich die FürstlichU-ten »ach der Dampfschiffhaltestelle, fuhren mit dem Dampfschiff Kaiser Wilhelm II. stromaufwärts bis zum Schloß Siebeneichen und stromabwärts bis zum Winterhafen und kehrten dann zur Albrechtsburg zurück. Während der Dampferfahrt wurden die an das Elbctal an. grenzenden Höhen rot und grün beleuchtet; den Hauptpunkt bildete die Beleuchtung der Albrechtsburg, wobei die Dom- türme der Maria-Magdalenen-Kapelle von innen beleuchtet waren. Von der Höhe der Burg, den Berg herab, wälzte sich ein breiter feuriger Wasserfall, und daS ganze alte romantische Bauwerk hob sich, geheimnisvoll in allen Farben schimmernd, von dem Nachthimmel ab. Auf dem Elbstrom lagen illuminierte Schiffe und Boote. Der Kaiser und der König von Sachsen übernachteten in ihren Sonderzügen und traten um 3 Uhr 55 Min. Morgens die Fahrt ins Manövergelände an. Nach Schluß der sächsischen Manöver und herzlicher Verabschiedung vom König bcgab sich der Kaiser im Automobil nach Freiberg, von wo er 11 Uhr 30 Min. nach Rominten abreiste. Die Ankunst daselbst ist für morgen früh 8 Uhr vorgesehen. Unterwegs wird der kaiserliche Sonderzug mit dem der Kaiserin zusammentreffen.
Die Audienz d e S deutschen Reichskanzler-
„Das klingt ja wie ein Roman, junger Mann", meinte der Konsul lächelnd, „und da Sie jedenfalls diese Affäre durch die Gerichte in Nizza weiter verfolgt wissen wollen, so müssen wir über die Sache ein Protokoll ausnehmen. Also Ihr Name ist?"
„Lionel Forester. Maler von Beruf, fünfundzwanzig Jahre alt, geboren in Boston, Vereinigte Staaten von Nord- amerika, seit vier Jahren in Europa, das heißt in PariS, München, Rom und Nizza studienhalber mich aushaltend und nun ganz gegen meinen Willen nach Alexandrien in Egypten verschlagen."
Hastig schrieb der Konsul diese Angaben des jungen Mannes in das Protokoll und sich dann an den Seemann wendend sagte er:
»Sie müssen mir nun auch Ihre Personalien, den Namen Ihres Schiffes und die näheren Umstände angeben, Herr Kapitän, unter denen Sie den Herrn Lionel Forester auf dem Meere antrafen und retteten."
„Ich heiße Luigi Prenanto und bin Kapitän und Besitzer des großen Segelschiffes Julia aus Genua, hatte wertvolles Bauholz nach Alexandrien verladen und fuhr am 16. April auf der Höhe des Golfs von Genua, als mir der Sturm einen Teil meiner Ladung ins Meer warf. Glücklicher Weise trieben der Wind die wertvollen Baumstämme nach der Küste zurück und wir fischten sie den Tag und die Nacht durch wieder aus. Da geschah es am folgenden Morgen, also am 17. April, als wir bereits unsere Weiterfahrt wieder angetreten hatten, daß wir noch zwei unserer Baumstämme im Meere schwimmen sahen und auf diesen Baumstämmen hielt sich ein Mensch fest angcklammert, aber sonst regungslos wie tot. Er wurde von meinen Matrosen gerettet und nach und nach von seiner Erschöpfung ins Leben zurückgerufen und fuhr nun mit der Julia mit nach Alexandrien, weil unser Segelschiff mit Rücksicht auf seine schwere Ladung keinen anderen Hasen an» laufen konnte und sich auch fern von den schnellfahrenden Dampfern halten mußte. Der von uns gerettete junge Mann steht hier vor Ihnen, Herr Konsul, und hat auch mir so wie Ihnen seinen Namen und Stand angegeben. Auch haben Sie hier meine Schiffspapiere, Herr Konsul."