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Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 111. Dienstag, den 21 September 1909.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 16. September 1909.

Die unter den Schafherden der Schäfer Breul, Schmer­mund und Heinrich Schmidt zu Oberjossa (Kreis Ziegenhain) ausgebrochene Schasräude ist erloschen.

I. I. 9785. Der Königliche Landrat.

J. V.:

W c s s e l, Kreissekretär.

HerSfeld, den 17. September 1909.

Die unter dem Schweinebestande des Landwirts und Bergarbeiters Peter Georg Axt in Heringen ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

I. 9787. Der Königliche Landrat.

J. V.:

W e s s c l, Kreissekretär.

Die Maurerlehrlinge des Kreises Hersseld, welche ihre Gesellenprüfung machen müssen, werden ausgesordert, sich bis zum 1. Oktober 1909 bei dem Unterzeichneten zu melden und nachstehende Schriftstücke einzusenden:

1) Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung,

2) einen eigenhändig geschriebenen Lebenslaus,

3) ein Zeugnis des Lehrmeisters,

4) ein Zeugnis der Volksschule,

5) ein Zeugnis der Fortbildungsschule, wenn dieselben eine solche Schule besucht haben,

6) den Lehrvertrag.

Der Prüsungstermin wird den Betreffenden schriftlich mit­geteilt werden.

Hersfeld, den 15. September 1909.

Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses: H. Schulz, Maurermeister.

Hersfeld, den 16. September 1909. Wird veröffentlicht.

I. 9758. Der Königliche Landrat

J. V.:

W e s s e l, Kreissekretär.

nichtamtlicher Ceil.

Sie Wung öt« Tierhalters.

Ueber die jetzige Fassung und Anwendung desTier- halterparagraphen" (§ 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches), der den Tierhalter für jeden durch sein Tier verursachten Schaden haftbar macht, ist schon viel geklagt worden. Hierbei hat bisher der folgende, vom Reichsgericht entschiedene Fall, der

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von Leo Turnau.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Richard, Du sprichst mir aus der Seele und Du kommst mir wie gerufen", entgegnete Lilian und sank weinend dem Schwager in die Arme.Ein neues Unheil hat sich mir offenbart, ich habe alles und jedes Vertrauen zu Edward Fox verloren. Du weißt ja, warum ich es verlor, er bat mich und die gute Mutter hintergangen, die enormen Summen durste er sich nicht von der vertrauensseligen Mutter für seine angeblich so großen Unternehmungen geben lassen, ohne auch mich und Dich in die Höhe der Summen einzuweihen! Und dann hat er mir heute eine schändliche Seite seines Charakters gezeigt, als ich ihn wegen des Verbrauches des größten Teiles meiner Erbschaft Vorwürfe machte. Er erklärte kalt lächelnd, daß er mich und meine Mutter für reicher gehalten habe, als wir in Wirklichkeit waren I Ist daS nicht eine große Gemein­heit von Edward Fox, nachdem er Millionen von uns er­halten hat!"

Lilian starrte mit von Tränen erfüllten Augen den Schwager an, als wolle sie eine Antwort von ihm hören.

Ja, das ist eine Gemeinheit von Edward", bestätigte Kingstone,denn zu einem solchen Vorwurse ist ein Ehrenmann seiner Frau gegenüber und nach solchen großen ihm übergebenen Summen unter keinen Umständen be­rechtigt."

Ich kann Edward Fox nicht mehr sehen, ich verabscheue ihn, er ist ein Teusel", jammerte Lilian dann noch,und ich bitte Dich, Richard, hilf mir dazu, daß ich sobald wie möglich von Edward Fox geschieden werde, er ist ein Verschwender, ein toller Spieler, ein Hochstabler. Das Gesetz wird mir gegen einen solchen Menschen doch wohl noch Hilfe gewähren. Ich traue Edward Fox überhaupt nur noch Schlechtigkeiten gegen mich zu, denn er will auch den Rest meines Vermögens in Verwaltung haben, eine neue Frechheit von ihm, wo er

im Reichstage lebhaft besprochen wurde, stets eine große Rolle gespielt. Ein nach Hause fahrender Landwirt nahm aus Gefälligkeit einen Wanderer, der ihn darum gebeten hatte, auf seinen Wagen. Während der Fahrt jagte ein betrunkener Kutscher mit seinem Fuhrwerk vorbei. In dem Augenblicke nun, in welchem sich dessen Fuhrwerk in gleicher Höhe mit dem Gefährte des Landwirtes befand, fiel von dem Fuhrwerk ein Koffer herab. Hierdurch wurde das Pferd des Landwirtes scheu, ging durch und schleuderte, nachdem cS eine kurze Zeit lang dahingerast war, daS Gefährt an einen Baum. Die Insassen stürzten heraus, und der Mitgenommene erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er noch am gleichen Tage starb. Die Hinterbliebenen klagten gegen den Landwirt als Tierhalter auf Zahlung einer Rente, die ihnen vom Reichs­gericht in letzter Instanz zugebilligt wurde.

Daß diese Entscheidung der Billigkeit nicht entsprach, wurde wohl allseitig anerkannt. Während man aber auf der einen Seite die Abänderung des § 833 forderte, war man aus der anderen Seite der Ansicht, daß bei einer verständigen Aus­legung eine andere Entscheidung hätte getroffen werden können. Die Rechtsprechung hat der letzteren Ansicht Recht gegeben; denn das Reichsgericht hat neuerdings bei allen ähnlich ge­legenen Fällen die Klage gegen den Tierhalter abgewiesen.

Ueber diese Entscheidung wird berichtet: Jemand hatte gemeinsam mit dem Inhaber einer offenen Handelsgesellschaft ein Handelsgeschäft abzuschließen. Der Inhaber, welcher Wagen und Pferd besaß, bot ihm an, ihn aus den Wagen mitzu- nehmen, und das Anerbieten wurde angenommen. Der Eigen­tümer lenkte das Pferd selbst. Aus der Fahrt ging das Pserd durch, der Mitgenommene wurde aus dem Wagen ge­schleudert und tödlich verletzt. Die Erben klagten aus Schadens­ersatz. Das Landgericht verurteilte den Beklagten, das Kammergericht zu Berlin jedoch wieS die Klage ab und das Reichsgericht verwarf die Revision. Bei diesem Urteil ging es, wie daS Kammergericht, von der Annahme aus, die Parteien wären stillschweigend übereingekommen, daß der aus der Verwirklichung der gemeinsamen Tiergefahr etwa ent- stehende Schaden von jedem allein getragen werden sollte. Allerdings hätten die Vertragsschließenden mit einem normalen Verlause ihrer Fahrt gerechnet und, wie erfahrungsgemäß stets in solchen Fällen, an etwaige Unfälle nicht gedacht. Es sei deshalb den Beteiligten auch der Ausschluß der Haftung des Tierhalters garnicht zum Bewußtsein gekommen. Aber ein solches Bewußtsein wäre auch nicht erforderlich. Die Be­teiligten hätten gewollt, daß ihr Uebereinkommen nach der Billigkeit beurteilt würde, und diese Einigung umsasse alles, was sich durch verständige Schlußfolgerung daraus herleiten lasse.

Ob nun aber durch diese Entscheidung des Reichsgerichts in dem Kampfe um die Aenderung des § 833 eine Wendung zugunsten der Aufrechterhaltung eingetreten ist, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden; wenn jetzt auch die Gegner der Aenderung mit Recht darauf Hinweisen können, daß der höchste

alles Vertrauen verloren hat. Richard, glaube mir, Edward Fox taugt schon lange nichts, er hatte verdächtigen Umgang mit unheimlichen Menschen, wir müssen daS ganze Vorleben des Sir Edward Fox ausdecken, um den Prozeß gegen ihn zu gewinnen. Richard, Du hast einen tüchtigen Detektiv aus Paris zur Aufdeckung deS an unserer Mutter verübten Raubmordes mitgebracht. Dieser Detektiv soll mir auch gegen Sir Edward Fox beistehcn und sein Vorleben er- forschen."

Richard Kingstone horchte hoch aus, als er diese Herzens­ergüsse seiner tief unglücklichen Schwägerin vernahm.

Eine neue schwere Heimsuchung ist über Dich gekommen, arme Lilian", sagte er dann,versuche, das harte Schicksal mit Ergebung zu tragen, ich werde Dir soviel mir möglich ist bcistehen. Mit Edward Fox mußt Du ins Klare kommen, das sehe ich ein, denn die Verbindung mit ihm ist für Dich sehr verhängnisvoll geworden. Du bist aber jetzt in Bezug aus Edward von einem Extrem in das andere gefallen, erst wurde ihm blind das größte Vertrauen von Dir und der guten Mutter geschenkt, und nun mißtrauest Du ihm vollständig und das ist vielleicht auch nicht recht."

Seitdem Edward mir erklärt hat, daß er mich für reicher gehalten als ich gewesen wäre, seitdem er also meine Millionen vergeudet hat und die Summen noch nicht hoch genug findet, die ihm zur Verfügung gestellt werden konnten, habe ich er- kannt, daß er kein Herz hat, denn sonst hätte er mir nicht kalt lächelnd vorgeworsen, daß ich eigentlich zu arm für ihn, für Sir Edward Fox war. Das ist eine unerhörte Kränkung für mich und meine selige Mutter, die dem Undankbaren das Geld mit vollen Händen und zu Haufen hingegeben hat. Bei Edward ist alles nur Berechnung und Verstellung, ich habe ihn heute, als er mir die häßliche Szene bereitete, erkannt, und meine Liebe und mein Vertrauen zu ihm ist entschwunden. Mein weibliches Gefühl täuscht mich auch nicht, Edward Fox hat kein Herz, er ist ein Ungeheuer in der Heuchelei und alles ist ihm nur Mittel für seine selbstsüchtigen Zwecke."

Was Du da sagst, Lilian, sind leidenschaftliche Worte der Entrüstung über das Benehmen Edwards", entgegnete

Gerichtshof des Deutschen Reiches den größten Stein des Anstoßes aus dem Wege geräumt habe, so ist doch zu be- denken, daß das Reichsgericht, das früher so, und jetzt anders enschieden hat, vielleicht in einem späteren, ähnlich liegenden Falle wieder so wie zuerst entscheiden kann.

Als einziger Ausweg bei solchen Schwierigkeiten bietet sich daher nur die Forderung: Gegen solche Entscheidung müssen die Tierhalter durch das Gesetz gesichert werden; denn außer diesem ungewöhnlichen Falle gibt eS deren noch unendlich viele, in denen der Tierhalter gegen die unbillige und dem gesunden Menschenverstände widersprechende Ausdehnung seiner Haft­pflicht geschützt werden muß.

Aus Jn- und Ausland.

Berlin, den 19. September 1909.

Die diesjährigen deutschen Kaisermanöver sind programmgemäß am 17. September Va12 Uhr vormittags an der Tauber zum Abschluß gelangt. An diesem letzten Tage desKriegeS im Frieden" fanden nochmals lebhafte Zusammenstöße zwischen der blauen und der roten Armee aus der ganzen Linie statt. Auch das LustschiffZeppelin 3 war unter persönlicher Leitung des Grafen Zeppelin sen. am 17. September früh aus Frankfurt über dem Manövergelände eingetroffen, wo eS zwischen 8 und 8V2 Uhr in der Gegend von Walldürn (nordöstliches Baden), später zwischen HSpfingen und Hardheim gesichtet wurde. Infolge des nebeligen Wetters vermochte sich jedoch der Luftkreuzer nicht genügend zu orientieren und daher auch nicht in die Manöver einzugreisen; V46 Uhr traf er wieder in Frankfurt ein. Da derZ. 3" auf diesem AuSfluge mehrfache Beschädigungen dadurch erlitt, daß er in das Geäst einer Eiche geriet, so wird sein geplanter Besuch im rheinisch-westfälischen Industriegebiet wegen der notwendigen Reparaturen einstweilen nicht stattfindcn. Nach Schluß der Manöver hielt der Kaiser aus einer Höhe bei Kützbrun die übliche Kritik ab und kehrte dann nach Mergent- Heim zurück. Daselbst verabschiedete er sich vom Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, welcher um 3/*5 Uhr nach­mittags die Heimreise antrat. Der Kaiser selbst reiste mit Gefolge abends s/<10 Uhr von Mergentheim nach München ab, wo seine Ankunft am Sonnabend s/*9 Uhr vormittags erfolgte. Der Prinz-Regent und die Fürsten des bayerischen Herrscherhauses empfingen den kaiserlichen Gast am Bahnhose; später wohnte der Kaiser mit den bayrischen Herrschaften der Eröffnung der Schock-Galerie bei. Nachdem er abends an einem Diner beim Prinz-Regenten teilgenommen, reiste er nach Altenburg zu dem angekündigten Besuch am dortigen Hofe ab. Noch vor dem Besuche des Kaisers am Münchener Hofe hatte der Prinz-Regent den Kaiser mittels Handschreibens davon benachrichtigt, daß er die Ausstellung der Marmorbüste des Feldmarschalls Graf Moltke in der Walhalla bei RegenS- burg verfügt habe, und zwar mit der Bestimmung, daß die

Kingstone ruhig,und im Zorne ist man geneigt, mehr zu sagen, als man verantworten kann. So galt Edward Fox auch als ein diplomatisches Talent und als ein Finanzgenie. Solche Männer dürfen nicht mit gewöhnlichem Maße gemessen werden. Ich sage Dir das, Lilian, damit wir nicht gleich alle -Brücken mit Edward abbrechen, während es vielleicht doch noch einen Rettung-weg für Euch gibt."

»Ich glaube daran nicht", erklärte Lilian mit einer Schärfe im Tone, daß Kingstone erstaunt zu ihr ausblickte.Ich habe Dir schon gesagt, Richard", fuhr dann Lilian fort,warum ich alle Liebe und alles Vertrauen zu Edward verloren habe und Du selbst kannst ihm doch nicht mehr vertrauen, denn er streckt ja schon wieder gierig die Hände nach dem Reste meines Vermögens aus, und er hat mir auch schon gestern, ehe Dein Brief, der mir die Augen über Edwards Treiben öffnete, ankam, erklärt, daß er jetzt ganz dringend wieder min­destens drcihunderttausend FrancS für feine'Unternehmungen in Konstantinopel und Teheran brauchte. Hätte ich mein Vermögen noch vollständig, so würde eS mir natürlich keine Beschwerde bereiten, Edward ÄlS meiner Erbschaft die dreihunderttausend Francs zu seinen Unternehmungen zu geben. Da er mich aber schon um den größten Teil meines VermögenS gebracht hat, so erblicke ich in dieser neuen Geldverlegenheit des mir seit heute morgen unheimlich gewordenen Sir Edward Fox nur eine Fortsetzung seiner wagehalsigen Spielwut und Großmanns­sucht, vielleicht auch seiner Schwindeleien."

Sollte denn alles, was er unS von seinen großen Unternehmungen im Orient erzählt hat, aus Größenwahn oder auf Schwindel beruhen?" sagte Kingstone mit einem Seufzer. Vielleicht ist doch noch etwas Gutes an ihm!"

Ich weiß eS nicht", flüsterte Lilian tonlos,ich beurteile Edward nur noch nach meinem Empfinden, und danach hat er mein Vertrauen für immer verloren, er ist kein Ehren­mann, und wenn ein Mensch wie er und in seiner Stellung kein Ehrenmann mehr ist und ein weites Gewissen besitzt, dann wird er bald zum Schurken! Richard, ich be­schwöre Dich, befreie mich von dem Elenden! Mein Innerstes bäumt sich gegen ein ferneres Zusammenleben mit ihm auf."