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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va

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Herssel-er Ureirblatl

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 108.

Dienstag, den 14. September

1909.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 7. September 1909.

Nach den Bestimmungen im § 6 der für den Kreis Hersfeld gültigen Baupolizeiordnungen II. und III. vom 1/3. November 1902» ist für die Einhaltung eines eingereichten und genehmigten Bauplanes sowohl der Bauherr als auch der verantwortliche Unternehmer, welcher als solcher den Bau- antrag und die Zeichnungen unterschrieben hat, verantwortlich. Diese Verantwortung behält so lange Gültigkeit, bis die nach § 8 der vorbezeichneten Baupolizeiordnungen vorgeschriebene Anzeige von einem Wechsel in der Bauleitung erstattet worden ist.

Für die Beteiligten sind schon wiederholt dadurch er>- hebliche Unannehmlichkeiten entstanden, daß der ursprüngliche Unternehmer von Bauausführungen die Bauleitung aus. gegeben hat, ohne daß die vorgeschriebene Anzeige von dem eingetretenen Wechsel in der Bauleitung erstattet worden war. Der erstere Unternehmer behielt deshalb die volle Verant- wortung, und mußte auch für bei der Bauausführung vorgc- kommenen Verfehlungen, welche er überhaupt nicht begangen hatte und auch nicht verhindern konnte, verantwortlich gemacht werden.

Zur Vermeidung derartiger Vorkommnisse mache ich, ins- besondere die Unternehmer, aus die vorbezeichneten Bestimmungen erneut aufmerksam.

Die Ortspolizeibehörden weise ich gleichzeitig an, alsbald, wenn es ihnen bekannt wird, daß bei einem Bau ein Wechsel in der Bauleitung eintritt, stets zu veranlassen, daß dieser Wechsel ihnen angezeigt wird.

I. B. 4761. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 7. September 1909.

Um das Interesse und Verständnis der beteiligten Kreise für die Ausgaben und den Wert des ländlichen Fortbildungs- fchulwesens anzuregen und zu sördern, wird vom kommenden Monat ab im Verlage der Deutschen Landbuchhandlung, G. m. b. H., in Berlin S. W. 11 eineZeitschrift für das ländliche Fortbildungsschulwesen in Preußen" bis auf weiteres monatlich in Stärke von mindestens 3 Bogen erscheinen.

Der Bezugspreis beträgt 6 Mark für das Jahr (für die Gemeindebehörden und andere amtliche Stellen bei Sammel- bezug nur 4,50 Mark) ausschließlich des Portos oder Post- bestell- und Zustellungsgeldes.

Aus das Erscheinen dieser neuen Zeitschrift mache ich besonders aufmerksam.

I. I. 9425. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersseld, den 10. September 1909. Die unter dem Schweinebestand der Witwe der Kauf-

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von L e o Turn au.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der räuberische Ueberfall hat jedenfalls der Villa Jndiana bei Nizza gegolten, Ift deren Nähe ich zufälliger Weise bei Sonnenaufgang weilte", entgegnete der junge Mann.Ich sah auch die beiden Menschen, die mich übelfielen, aus dem Parktore der Villa heraustreten. eS war eine Dame in rosa­farbenem Kleide und ein Herr im grauen Anzüge, beide trugen Reisetaschen, und ich ahnte nichts Schlimmes, denn es konnten ja Herrschaften sein, die kurz vor ihrer Abreise in der Villa als Gäste übernachtet hatten, und mir schien eS sogar, als wenn der Hausmeister der Villa daS Parktor aus- und zugc- jchlossen hätte, als das Paar die Villa verließ, denn die große Villa kenne ich ganz gut und war erst den Abend vorher dort zu Gaste in einer großen Gesellschaft. Harmlos trat ich an den Herrn und die Dame, welche die Villa verlassen hatten, heran, aber da erhielt ich von dem Herren auch schon einen furchtbaren Boxerstoß vor den Leib, daß ich niederstürzte, gleich drückte mir auch die Dame in rosa ein großes weißes Taschentuch auf das Gesicht und weg war es mit meiner Be­sinnung. DaS übrige wissen Sie! Und ich habe nur die große Bitte an Sie, mich sobald als möglich nach Nizza zurück- zubringen, denn ich habe eine große Angst und Sorge um meine Braut Mary Gardener, aber eine noch größere Sorge habe ich um die edele Frau Thompson, aus deren Villa die beiden Verbrecher gerade kamen, als sie von mir gesehen wurden."

Wenn Sie die Wahrheit geredet haben, Signor Forester, dann sind Sie ja sehr zu bedauern, aber die Aufgabe, Sie so rasch als möglich nach Nizza zu schaffen, kann ich unter keinen Umständen übernehmen, denn ich befinde mich mit meinem Schiffe auf dem Wege »ach Alexandrien und ich würbe zwei bis drei Tage an meiner Reisezeit verlieren, wenn ich jetzt um» kehren wollte. DaS tut überhaupt kein Schiff, daß es

manns Degenhardt hier auSgebrochene Rotlaufseuche ist er­loschen.

I. I. 9598. Der Königliche Landrat.

I. V.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Hersseld, den 9. September 1909.

Unter dem Schwcinebestande des Stellmachers Koch in Heringen ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. I. 9522. Der Königliche Landrat

I. V.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Hersfeld, den 8. September 1909.

Unter der Schasherde des Schäsers Götting zu Salzberg, Kreis Homberg, ist die Räude ausgebrochen. I. 9501. Der Königliche Landrat

I. V.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Hersseld, den 8. September 1909.

In der Zeit vom 4. Oktober bis 6. November d. Js. findet am hiesigen Schlachthofe unter Leitung des Tierarztes Friedrich hier ein Kursus in der Fleisch- und Trichinen­schau statt.

Anmeldungen zu dem Kursus nimmt Herr Tierarzt Friedrich bis zum 25. d. Mts entgegen. .

I. 9482. Der Königliche Landrat

I. V.:

W e s s e l, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Dir Fahrt desI. 3" nach Frankfurt.

DaS LuftschiffZ. 3" ist am Sonnabend früh um 4 Uhr 40 Min. in FriedrichShasen aufgestiegen und nach einigen Manövern über dem See um 4 Uhr 50 Minuten in der Richtung nach Konstanz abgefahren.

In einer Sitzung der Ingenieure war am Freitag abend beschlossen worden, bei der Sonnabend Fahrt desZ. 3" nach Franksurt a. M. möglichst den Westwind zu benutzen, und die Fahrt also das Rheintal entlang gehen zu lassen. Nach Mitternacht wurde es in der schwimmenden Reichs-Ballonhalle lebendig, und bald trafen auch die Teilnehmer der Fahrt in der Halle ein. Alles war zur Abfahrt des Luftschiffes bereit. Kurz nach 4 Uhr begab sich die Besatzung in die Gondeln. Sie besteht aus Oberingenieur Dürr als Führer, Graf Zeppelin jun., Ingenieur Locsch, den Luftschiffkapitänen Hacker und Lau, den Monteuren Kast, Laburda, Groctzinger und Hohenstein. Als Gast nimmt Dr. Eckener an der Fahrt teil. Gras Zeppelin

wegen eines aus dem Meere erretteten Menschen feinen vor­her bestimmten Kurs ändert, außerdem der neue Herr Reisende bezahlt die Rückfahrt mit schwerem Gelde. Wollen Sie mir tausend Francs bezahlen, so fahren wir nach Nizza zurück."

Ich täte es gern, wenn ich tausend Francs hätte", er­widerte Lioncl Forester,aber jedensalls würden Sie in Nizza von der reichen Frau Thompson oder vom amerikanischen Kon­sulat oder auch von der Polizei in Nizza für die Rückfahrt reichlich entschädigt werden."

Aus diese Hoffnung gebe ich nichts", erklärte der Kapitän, denn sie könnte sehr trügerisch sein. Nehmen Sie mir auch meine Bemerkung nicht übel, Signor Forester, Sie können ja ein Abenteurer, ein Nachtschwärmer, ein Gauner, ein Tauge­nichts sein, und wenn ich Sie nach Nizza gebracht hätte, würde ich nur auSgelacht und bekäme keinen Francs für meine Mühe und Kosten, und könnte mich für Ihren Streich nur mit meinem Dolche rächen. Sie werden daher einsehen, daß es nicht angeht, daß ich Sie zurück bringe. Seien Sie sroh, daß wir Sie überhaupt gerettet haben, denn sonst wären Sie wahrscheinlich den Haifischen zum Opfer ge- fallen."

Ja, ja, es ist schon ein Glück, daß ich gerettet worden bin", sagte Lionel Forester mit halblauter Stimme und faltete die Hände über der Brust.So muß ich mich denn in mein hartes Schicksal fügen und mit nach Alexandrien fahren."

Ist nicht so schlimm", bemerkte der Kapitän,bei dem herrlichen Wetter ist die Fahrt sehr schön, und ich bean­spruche nur, daß Sie mir das Kostgeld für die Dauer der Fahrt nach Alexandrien bezahlen, täglich zwei Francs und erwarte auch, daß der dortige amerikanische Konsul meinen Leuten ein gutes Trinkgeld für Ihre Errettung be- zahlt."

Das wird sich schon machen", meinte der junge Maler und versuchte es, sich von seinem Lager zu erheben und aus dem Verdecke der SchiffeS aus» und abzugehen. Dieser erste Gehversuch gelang ganz leidlich und Lionel Forester nahm dann ein einfaches Essen mit dem Kapitän ein.

selbst kann die Fahrt nicht mitmachen, da er auf eine Ein­ladung des Prinzen Heinrich von Preußen nach Kiel abgereift ist. Dorthin hat sich auch Geheimrat Hergesell begeben. Auf dem Gute Hemmelmark sollen Besprechungen in Sachen der Lustschiff-Polarexpedition mit dem Prinzen Heinrich von Preußen stattfinden, der den Vorsitz des Arbeitsausschusses übernommen hat. Um Va5 Uhr gab Oberingenieur Dürr das Kommando:Luftschiff voraus!" Bald daraus stieg der Z. 3" majestätisch über dem Seespiegel in den Aether empor und nahm in einer eleganten Schwenkung den KurS gegen Konstanz. Ueber Straßburg, Baden-Baden, KarlSruhe, Mann­heim geht die Route. Der heftige Sturm, der gestern abend plötzlich einsetzte und die ganze Fahrt in Frage zu stellen schien, hat über Nacht glücklicherweise nachgelassen. Es weht am Bodensee ein leichter Nordwestwind bei prächtigem Wetter.

Karlsruhe, 11. September. Kurz nach 2Va Uhr wurdeZeppelin 3" in der Richtung von Baden-Baden kommend über Karlsruhe gesichtet. Vom Balkon des Schlosses folgten der Kaiser und die höchsten Herrschaften dem Fluge des SchiffeS, das bei herrlichem Wetter Frankfurt zu- steuerte.

Hockenheim, 11. September. AuS dem Luftschiff wurde folgende Nachricht an dieJla" ausgeworfen:Nach­dem erst kurz hinter Karlsruhe der vordere Zylinder deS Hinteren Motors einen Riß bekommen hatte, ist nunmehr an demselben ein Lager ausgelaufen. Wir fahren mit dem vorderen Motor, da aber der Wind nördlich ist, geht die Fahrt äußerst langsam. Die Ankunft in Frankfurt ist kaum heute möglich, falls der Wind nicht plötzlich umspringt."

Mannheim, 11. September. DerZeppelin 3" warf über unserer Stadt folgende Ballonpost auS:Die Wind­richtung und Stärke ist etwas günstiger, so daß wir mit einem Motor ganz gut avancieren, wir machen etwa 20 bis 25 Kilometer, können somit bei anhaltender Wetterlage in 4 bis 5 Stunden (also gegen 11 Uhr) in Frankfurt sein.

Frankfurt a. M., 11. September. Die Zeppelinbe­geisterung hat heute womöglich noch höhere Wogen geschlagen als das letzte Mal. In der Stadt herrschte von der Mittags­stunde an ein gewaltiger Verkehr. DieJla" füllte sich erst von 2 Uhr nachmittags an, da das Luftschiff erst um 5 Uhr erwartet wurde. Das Interesse wurde vorher, zwischen 3 und 4 Uhr, durch eine Zielfahrt des französischen Aeroklubs in Anspruch genommen, der mit 22 Ballons nach dem Weiler- Hof bei Darmstadt startete. Die Tribünen aus dem Flugselde waren dicht besetzt. Bald aber wurde berichtet, daß Ballon­telegramme ausgeworfen worden waren, die besagten, daß Z. 3" vermutlich gar nicht oder erst spät in Franksurt landen werde. Das Publikum harrte trotzdem zum großen Teil länger auS, und erst dann wurde eS leer, als bekannt wurde, daß das Luftschiff wahrscheinlich erst nach 11 Uhr kommen werde. Inzwischen kamen aber Meldungen, daß sich die Windverhältnisse gebessert hätten, und bald waren wieder

Ich könnte aber doch mit einem Schnelldampfer, der unS vielleicht begegnet, rasch nach Nizza zurückfahren", sagte Lionel Forester zu dem Kapitän.

Das wäre so leicht nicht möglich", erwiderte trocken der erfahrene Seemann,denn eine direkte Dampfcrlinie zwischen Alexandrien und Nizza gibt eS nicht, die Dampfer fahren alle nach Guinea und Marseille, und Sie müßten dann auch noch die Reife nach Nizza machen. Aber das ginge ja auch noch und wäre kürzer als die Reise über Alexandrien. Ich muß Sie aber daraus ausmerksam machen, daß ich mich den Vor­schriften deS Seevcrkchrs entsprechend mit meinem großen schweren Segelschiffe, das Holz geladen hat, immer einige taufend Meter von den schnell fahrenden Dampfern fern halten muß, um die Gefahr eines ZufammenstoßeS zu vermeiden, und deshalb sehen wir die Dampser nur aus großer Entfernung oder gar nicht."

"Ich muß mich also in mein Schicksal fügen und mit Ihnen nach Alexandrien fahren", sagte Lionel Forester und seufzte schwer.

Wird wohl nicht anders gehen", erklärte der Schiffs- kapitän und mit seinen schwarzen Augen seltsam blinzelnd fuhr er fort:Ihre unfreiwillige Reise nach Alexandrien kann ja noch Ihr Glück werden, Signor Forester. Alexandrien ist eine der schönsten und interessantesten Städte der Erde, lauter internationales Publikum treffen Sie dort, Egypter, Araber, Türken, Neger, Judier, Engländer, Franzosen, Italiener, Deutsche und Amerikaner. Alle Nationaltrachten lernen Sie dort auch leicht kennen. Ist das kein Vorteil für einen jungen Maler! Dann haben Sie auch nicht weit nach Kairo, der Hauptstadt AegyptenS und können die berühmten Pyramiden und andere Wunder deS alten PharaonenlandeS schauen. Vielleicht können Sie durch ein von Ihnen dort gemaltes Bild sogar die Gunst deS VizekönigS von Aegypten erlangen und dann ist Ihr Glück gemacht, denn der Vizekönig schüttet aus feine Günstlinge daS Geld mit vollen Händen aus, und er soll die schöne Kunst hoch schätzen."

Ja, ja, Aegypten ist ein interessantes Land und wohl wert, von Malern studiert zu werden, aber man darf nicht unfreiwillig dorthin exportiert werden", entgegnete Forester