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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 107.
Sonnabend, den 11. September
1909.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 4. September 1909.
Gemäß Artikel 44 der Ausführungsanweisung vom 25. Juli 1906 zum Einkommensteuergesetz hat im lausenden Jahre die Neuwahl und Neuernennung der Mitglieder und Stellvertreter der Vorein- jchätzungskommissionensürdieStcuerjahre 1910, 1911 und 1912 zu ersolgen.
Die Herren Bürgermeister werden hierdurch veranlaßt, alsbald die Wahl der auf ihre Gemeindebezirke entfallenden Anzahl von Mitgliedern unb Stellvertretern durch die Gemeindeversammlung oder Gemeindevertretung vornehmen zu lassen, und mir das über den Wahlakt ausgenommene Protokoll bis z u m 25. d. M t s. in Abschrift vorzulegen.
Die Herren Gutsvorsteher haben bis zum gleichen Tage je eine Person ihres Gutsbezirkes als Mitglied und Stellvertreter zu bezeichnen.
Wählbar sind Einwohner des Gemeinde- und Gutsbezirks, welche preußische Staatsangehörige sind, daS 25. Lebensjahr vollendet haben und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden.
Von einer bestimmten Höhe des Einkommens, insbesondere von dem Bezüge eines solchen von über 900 Mk., ist die Wählbarkeit nicht abhängig.
Bei der Wahl der Kommissionsmitglieder ist darauf zu sehen, daß die einzelnen Arten des Einkommens (Kapitalvermögen, Grundbesitz, Handel und Gewerbe und gewinnbringende Beschäftigung) unter den gewählten Mitgliedern nach Maßgabe der in jedem Bezirke obwaltenden Einkommensverhältnisse tunlichst vertreten sind.
Wegen der Ablehnungsgründe verweise ich aus Nr. 6 des genannten Artikels.
Die bisherigen Mitglieder und Stellvertreter können wieder gewählt werden, müssen sich aber bereit erklärt haben, das Amt für die nächsten 3 Jahre wieder zu übernehmen.
Die Herren Vorsitzenden der Vorein- schätzungskommissionen haben mir gleichzeitig Vorschläge über die für ihre Voreinschätzungsbezirke von der Königlichen Regierung zu ernennenden Mitglieder und Stellvertreter zu machen.
Ich nehme Bezug auf die Veröffentlichung vom 10. September 1906 und vom 9. November 1906 im Kreisblatt Nr. 107 und 135.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:
I. Nr. 2198, von Grunelius.
Hersseld, den 7. September 1909.
Unter den Pferden des Maurermeisters Schulz ist die Brustseuche ausgebrochen.
I. I. 9436. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 7. September 1909.
Unter dem Schweinebestand der Witwe Johannes Horn in Gittersdors ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I, 9438. Der Königliche Landrat
I. V.:
Wessel, Kreissckretär.
Hersseld, den 7. September 1909.
Unter dem Schweinebestande des Jakob Beil in Harnrodc ist die Rotlausscuche ausgcbrochen.
I. 9437. Der Königliche Landrat
J. V.:
Wessel, Kreissekretär.
Hersseld, den 6. September 1909.
Im Verlage von George Evert, Berlin 1909 bei Mittler u.Sohn ist kürzlich eineSchrist betitelt „SozialerKriegundFriede" erschienen, in der eine kurze und treffende Uebersicht der sozialen Errungenschaften und Kämpfe unserer Zeit geboten wird.
Der Bezugspreis beträgt einzeln 1,25 Mk., von 100 Exem- plaeen an je 1 Mk., von 500 Exemplaren an je 85 Psg.
Ah mache aus diese Schrift, die sich auch zur Anschaffung für Volksbibliotheken eignet, besonders ausmerksam.
J. A. 5826. ‘ Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
Unter den Bedenken, die in nationalen Kreisen vielfach an die neue Parteikonstellation im innerpolitischen Leben unfereS Vaterlandes geknüpft werden, galt bisher einer der yvuptfächlichstm dem künftigen Gange unserer Polenpolitik.
Alaubte befürchten zu müssen, daß die Regierung sich in» soige der positiven Mitarbeit der polnischen ReichStagSfraktion
an dem Zustandekommen der Reichsfinanzreform vielleicht veranlaßt sehen könnte, eine Lockerung ihrer auf den Schutz deS Deutschtums in der Ostmark gerichteten Bestrebungen eintreten zu lassen. Die Befürchtungen sind nunmehr durch den Verlaus der diesjährigen Tagung des d e u t s ch e n O st m a r k e n- vereins in Kattowitz glücklicherweise völlig zerstreut worden. Der neue Reichskanzler sandte an den Ostmarken- verein ein sehr warm gehaltenes Telegramm, in dem er seine Zustimmung zu den nationalen Bestrebungen des Vereins aus- sprach und diesen Bestrebungen seine Förderung verhieß, und auf das Telegramm des Reichskanzlers folgte das des Kaisers, der in „dankbarer Anerkennung" der „bedeutungsvollen Arbeit" des Ostmarkenvereins dieser Arbeit „Gottes Schutz und Segen in reichem Maße" wünschte. Damit ist doch wohl von den allerautoritativsten Stellen aus in deutlicher Weise bekundet worden, daß der Kurs unserer Politik der gleiche wie unter dem Fürsten Bülow bleiben wird, oder mit andern Worten, daß wir uns auch fernerhin einer tatkräftigen Abwehr aller staatsfeindlichen und antideutschen Umtriebe des Polentums versichert halten dürfen.
In diesen Zusammenhang gehört auch die entschiedene Ablehnung, die dem Gesuche des deutschen Katholikentages in Breslau um Zulassung des Gebrauches der polnischen Sprache auf seinen Versammlungen von amtlicher Seite zuteil geworden ist. Es ist ja auch vom nationalen Standpunkte aus völlig unerfindlich, wie deutsche Männer in einer deutschen Stadt solche Forderung überhaupt zu stellen vermögen. Hoffentlich hat sich das Zentrum aus der ihm zuteil gewordenen Abweisung überzeugt, daß es für seine Polenverhätschelung bei unserer Regierung auch fernerhin aus kein Verständnis und Entgegenksr r-n zu rechnen hat. Die Behandlung des Ostmarkenproblems hat sich nach den unverrückbar feststehenden Lebensbedürfnissen der preußischen Monarchie, die zugleich diejenigen Gesamtdeutschlands sind, und nicht nach den wechselnden parteipolitischen Tageskonstellationen zu richten. Das ist die große Wahrheit, die nach mancherlei schlimmen Erfahrungen allmählich wohl zum Erbgute unserer Staatsleitung geworden sein dürfte.
Der Generalstreik in Schwedenhat geendigt, wie wir es an dieser Stelle bereits vor 14 Tagen vorausgesagt haben, nämlich mit der völligen Niederlage der Streikenden. Umsonst ist also Elend und Zerrüttung in zahlreiche Familien hineingetragen, umsonst sind dem Wohlstände Schwedens tiefe Wunden geschlagen worden. Von sachverständiger Seite wird der unmittelbare Schaden, den die schwedische Volkswirtschaft bisher durch den Streik erfahren hat, aus rund 45 Millionen Mark geschätzt, und dazu gesellt sich dann noch eine mittelbare Schädigung von etwa 12—15 Millionen Mark. „Der „Vorwärts", das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, kann natürlich auch jetzt noch nicht von seinem großsprecherischen Hetzhandwerk lassen. Die Niederlage der Streikenden dichtet er flugs in eine „Frontänderung" um. Er meint damit offenbar, daß die schwedische Sozialdemokratie die Absicht habe, sich nunmehr, nachdem ihr allgemeiner Ansturm aufs glänzendste abgeschlagen ist, einzelne Arbeitgeber auss Korn zu nehmen, um diese durch partielle Streiks zum Erliegen zu bringen. Die Solidarität der schwedischen Arbeitgebcrschast und des schwedischen Bürgertums, die sich bisher aufs trefflichste bewährt hat, wird hoffentlich dasür sorgen, daß auch dieser neue Trick der Revolutionspartei jämmerlich zu Schanden werde.
Während der Berichtswoche ist das japanisch-chine- s i s ch e M a n d s ch u rei-A b k o mm e n veröffentlicht worden. Formell bedeutet dieses Abkommen einen Verzicht Japans aus feine Stellung in der Mandschurei, tatsächlich wird aber durch die Zugeständnisse, die Japan hinsichtlich der Bahnsrage von China erlangt hat, seine mandschurische Position noch wesent- lich gekräftigt. Die Befürchtungen, die von der europäischen Presse vielfach an dieses Abkommen geknüpft werden, als enthalte dasselbe eine Spitze gegen die weißen Mächte, dürften kaum gerechtfertigt oder doch wenigstens stark übertrieben sein. Jeden- salls sollte die deutsche Presse es vermeiden, das japanisch- chinesische Abkommen zum Ausgangspunkte für polemische Betrachtungen gegenüber den führenden Völkern der gelben Rasse zu machen. Solche Betrachtungen sind unserm Interesse durchaus abträglich; denn dieses Interesse weist uns auf die Pflege freundlicher Beziehungen zu Japan und China, nicht aber aus die Rolle eines Vorkämpfers Europas gegen diese Staaten hin.
In Griechenland haben es die revoltierenden Offiziere in der Tat fertig gebracht, den Kronprinzen und die übrigen Prinzen aus der Armee zu verdrängen. Daß sie damit sowohl dem Ansehen der Dynastie wie der Wohlfahrt deS Landes einen schweren Schlag versetzt haben, liegt auf der Hand. Wenn König Georg trotzdem auf seinem Posten verharrt, so bringt er damit dem von ihm bisher regierten Volke ein großes Opser. Die griechischen Vorgänge haben wieder klar bewiesen, wohin ein Volk unter der Herrschaft einer politisch unfähigen und moralisch verlotterten Demokratie gerät. Wahrhaftig, die Spuren schrecken!
Aus 3n- und Ausland.
Berlin, den 9. September 1909.
S e. Majestät der Kaiser ist gestern nachmittag 4 Uhr aus dem sestlich geschmückten StaatSbahnhof in Iglau eingetroffen. Aus dem Bahnhof hatten sich zur Begrüßung eingefunden: Erzherzog Franz Ferdinand mit Gefolge. Kaijer W ilhelm in österreichisch-ungarischer Generals- unisorm entstieg dem Salonwagen, trat auf den Erzherzog Franz Ferdinand zu und begrüßte ihn in überaus herzlicher Weise. Nach Meldung des Ehrendienstes, des Statthalters sowie des BezirkShauptmanns trat Bürgermeister Jnderka vor und richtete an den Kaiser eine Ansprache. Der Kaiser reichte dem Bürgermeister die Hand und dankte für den freundlichen WillkommenSgruß. Erzherzog Franz Ferdinand stellte sodann dem Kaiser den Ehrendienst sowie die übrigen erschienenen Persönlichkeiten vor. Kaiser Wilhelm trat sodann im Auto- mobil zur Rechten des Erzherzogs Franz Ferdinand die Fahrt nach Groß-Meseritsch an. Die versammelte Menge brach in laute Hoch- und Heilrufe auS. Der Empfang des Deutschen Kaisers in Groß-Meseritsch gestaltete sich zu einer spontanen herzlichen Begrüßung durch die gewaltige längS der Jglauer Straße angesammelte Menschenmenge. Feuerwehr und Schulkinder, davon viele in ländlicher Tracht, bildeten Spalier. Als das Automobil des Kaisers im Stadtgebiete ankam, erschollen Heil-, Slava- und Hurrarufe, die sich auf dem ganzen Wege fortsetzten. Kaiser und König Franz Josef, der die Uniform des Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiments trug, war in die Mitte des Hofes getreten. Die Majestäten eilten auseinander zu, schüttelten sich die Hände, küßten sich auf beide Wangen und verblieben einige Zeit im Gespräch. £<.- te haben die Hauptkräfte der beiden Manöverparteien ihren Vormarsch angetreten, der nach den Dispositionen zunächst zu einem Zusammenstoß südlich von den an der Straße Groß-Meseritsch— Trebisch gelegenen Orte Budischau sühren müßte. Demgemäß befindet sich die Manöverleitung nordöstlich von Trnawa, wohin sich auch die beiden Majestäten samt ihrem Gefolge um 9 Uhr Vormittags im Automobil begaben. Der Thronfolger hatte sich schon um 6 Uhr mit dem Chef des General- stabes in die Gegend von Groß-Bittesch verfügt, wo große Kavallerickörper zusammentreffen dürften. Auch der Chef deS preußischen Generalstabes befindet sich in Groß-Bittesch. DaS Wetter ist prächtig.
Der Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen ist in der Armee zum Generaloberst mit dem Rang eines Generalfeldmarschalls befördert worden.
In Köln fand eine Konferenz überBekämpsung der Arbeitslosigkeit statt, an der eine Anzahl Vertreter der größten rheinischen Städte teilnahmen. Die einzelnm Vertreter erörterten die Erfahrungen, welche sie im letzten Jahre bezüglich der Arbeitslohnfürsorge gesammelt hotten, und als besten Weg zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bezeichnete ein Düsseldorfer Vertreter die Versicherung auf kommunaler Grundlage mit Beitrittszwang unter Hinweis auf die Erfolge der Alters- und Invalidenversicherung auf Grund der Zwangsversicherung. Bestimmte Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Konferenzen sollen alljährlich erneuert werden. Aus der nächsten, in Düsseldorf stattfindenden Konferenz Sofft man, in dieser Frage ein positives Ergebnis zu erzielen.'
In Deutsch-Südwestafrika werden die Neger dank der Bemühungen des Gouverneurs v. Schuckmann in wachsendem Umfange als landwirtschaftliche Arbeiter gewonnen. Die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet darüber: In Deutsch- Südwestafrika hat das Bestreben des Gouvernements, aus den Stämmen des Nordens und des Südens brauchbare Arbeitskräfte für die landwirtschaftliche Entwickelung deS Echutzge- bietes nutzbar zu machen, auch neuerdings wieder recht erfreuliche Resultate erzielt. Im Juni zogen 1096 arbeitsuchende Ovambos nach dem Süden. Zurückgekehrt sind 213. Ueber eine andere Grenzstation gingen zu der gleichen Zeit 556 Ovambos nach dem Süden; hier kehrten 59 zurück. Auch die Heranziehung der Bondelzwarts zu geregelter Arbeit außer- halb ihrer Reservate macht befriedigende Fortschritte. Nach diesen amtlichen Feststellungen ist von einer erneuten Aus- standsgesahr keine Rede. Bequemen sich die Schwarzen einmal zur Arbeit, dann schreit« die Entwickelung der Kolonie auch rüstig vorwärts.
Die Austrittsbewegung aus der Landeskirche bildete auf dem in Wiesbaden abgehaltenen deutschen Pforrcrtage den Gegenstand eingehender Beratungen. ES wurde festgestellt, daß im Jahre 1906 die Zahl der' AuStritte aus der preußischen Landeskirche rund 1600 betrug. Sie wuchs dann allmählich auf 10 000 und betrug 1908 lahezu 14 700, sodaß jetzt aus etwa 1300 Seelen ein Austritt kommt. Berlin bildet den Herd der Bewegung, die bekanntlich um nicht geringen Teile auf die starke Erhöhung der Kirchen- Steuern zurückzuführen ist. Von einer Gefährdung deS Be- Landes der evangelischen Kirche kam jedoch nach Ansicht des Pfarrertages bei dem stetigen Wachstum der Kirche aleichwohl teilte Rede sein.
Die englischen StimmrechtSweiber gebärden ich immer rasender. So wurden dies« Tage der Premier- ninister ASquith und Herbert Gladstone beim Landhaus des