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verM-er Kreisblatt
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Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 106. Donnerstag, den 9. September 1909.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 7. September 1909.
Die mit der Berichterstattung auf meine Rundversügung vom 30. Juli d. JS., I. 8221, noch rückständigen Herren Vorsitzenden der Schulvorstände bezw. Herren SchulverbandS» Vorsteher des Kreises werden an die a l s b a l d i g e Anzeige bezw. Fehlanzeige, ob Lehrkräfte bei der alten Besoldungsordnung verbleiben wollen, hiermit erinnert.
I. I. 9486. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
HerSfeld, den 4. September 1909.
Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises ersuche ich um Einreichung der Zu- und Abgangslisten sür daS erste Halbjahr des Steuerjahres 1909 bis spätestens zum 13. d. Mts.
Die Listen sind genaustens nach den Kontrollauszügen aufzustellen.
Der Termin ist inne zu halten.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-
_ Veranlagungs-Kommission:
Nr. 2179. von Grunelius.
Hersseld, den 3. September 1909.
Bei dem Bezirkskommando zu Offenburg (Baden) ist zum 1. Oktober d. Js. eine Freiwilligen-(Schrcibcr-)Stelle zu besetzen.
Den Meldegesuchen, welche beim Kommando direkt einzu- reichen sind, ist ein Lebenslauf, etwaige Zeugnisse bezw. Abichristen und Meldeschein beizufügen.
I. I. 9372. Der Königliche Landrat
I. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
Hersseld, den 4. September 1909.
Die unter dem Schweinebcstande des Bürgermeisters Lotz in Lengers ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. I. 9413. Der Königliche Landrat
I. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
Sie idili ti Kaisemmöder von 1909.
Wiederum ist die Zeit der allherbstlichen großen Uebungen herangekommen, in denen die deutschen Truppen unter den Augen ihres obersten Kriegsherrn ihre Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit sür den Ernstfall dartun sollen. Am 13. September beginnen die aus fünf Tage berechneten deutschen
Die Dame in rosa.
Original-Kriminal-Roman von L e o T u r n a u.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„DaS ist so rasch nicht möglich", erklärte Lady Lilian, „denn nach der Beerdigung der Mutter muß deren Nachlaß geordnet und das Testament des Vaters auSgesührt werden und daS kann nur in Nizza geschehen."
„Ja, ja, richtig, deshalb werden wir wohl noch hier bleiben müssen", erwiderte Sir Fox. Dann sagte er nach einer längeren Pause: „Liebe Lilian, für uns wird daS Testament nicht viel Erfreuliches mehr bringen. Wie Du weißt, hat mich Deine gute Mutter in meinen großen Unternehmungen in Kon- stantinopel und in Teheran wiederholt mit bedeutenden Summen unterstützt, die natürlich nun von Deinem Erbteil abgerechnet werden müssen."
»Aber ich denke doch, daß auf unseren Teil dann immer Mimen" ^ kommt, daß wir standesgemäß davon leben
»Wer weiß cS!" seufzte Sir Fox.
„Aber Edward, Du bereitest mir Sorge!" flüsterte Lady Lilian gedämpft, als dursten die Wände nicht mehr hören, was letzt zwischen den Ehegatten gesprochen wurde.
_ e , Erreichung und Erhaltung meiner einflußreichen «tellung in Konstantinopel und Teheran hat sehr, sehr viel
gekostet", erwiderte Sir Fox ebenfalls leise, „und meine gefchaftlichen Unternehmungen dort sind nicht immer erfolgreich gewesen. Außerdem hatte ich öfter Unglück mit meinen Wetten und im Spiel."
»Und die letzten hundcrtundsünszigtauscnd Francs, welche L)ir meine Mutter vor zehn Wochen gab, haben die nicht zur besorgt Deiner Verhältnisse geführt?" frug Lady Lilian . "$$ hatte neunzigtausend Franc Schulden zu decken und ocn Jte|t von sechstausend Franc steckte ich in Unternehmungen, die nicht glücklich endigten."
Kaisermanöver, deren Schauplatz diesmal in Süddcutschland liegt und zwar in dem Gelände, das sich zwischen Schwarzwald und Odenwald und zwischen dem Main und dem Tauberflusse ausbreitet. Die Zahl der an den Kaisermanövern von 1909 teilnehmenden Truppen ist besonders groß, denn es sind hierzu beordert das 13. (Württembergische) und das 14. (badische) Armeekorps, das 1. und das 3. bayerische Korps, die 4. Division des 2. bayerischen Korps und drei Kavallerie-Divisionen, alles in allem etwa 100 000 Mann. Schon diese im Vergleiche zu den bisherigen Kaisermanövern ganz ungewöhnliche massenhafte Entfaltung von Streitkräften zeigt, daß die großen deutschen Herbstmanöver in diesem Jahre noch mehr wie sonst, möglichst aus den Kriegsfall zugeschnitten sind, und diesem Prinzip suchen auch die sonstigen Manöverdispositionen gerecht zu werden. Die beiden „feindlichen" Parteien, in welche sich das Manöverheer scheidet, treten als durchaus selbstständige Armeen aus, die ohne Anlehnung an irgendwelche andere Operationen aus eigene Faust gegeneinander zu manövrieren haben, womit sür die Leitung und Führung die Möglichkeiten wertvoller kriegsgemäßer Uebung in der Verwendung und Unterbringung großer Truppenmassen gegeben sind. Von großem Interesse werden auch die Verpflegung der 100 000 Mann Manövertruppen und die mit deren Ausbre'lung verbundene Erweiterung der technischen Kriegsmittcl sein. Feldtelephons und Feldtele- graphen gelangen bei den diesjährigen Kaisermanövern in wesentlich vergrößertem Maße zur Anwendung, natürlich wird serner auch daS Automobil als Hilfsmittel herangezogen werden, und schließlich nimmt an den Manövern zum ersten Male auch ein lenkbares Luftschiff, der Militärballon „Groß II", teil, dessen Manöverleistungen man in militärischen Kreisen mit Spannung entgegensieht.
Von den beiden sich gegenüber stehenden Armeen setzt sich die eine aus dem 3. bayerischen Korps, dem 14. (badischen) Korps und einem Kavalleriekorps zusammen, ihr Oberbefehlshaber ist der preußische Generaloberst von Bock und Polach, der früher das Gardekorps und dann das 14. Korps befehligte. Die andere Armee ist gebildet aus dem 1. bayerischen Armeekorps, der 4. Division des 2. bayerischen Korps dem 13. (württembergischen) Armeekorps und ebenfalls einem Kavalleriekorps. Außerdem wird ihr der Lustkreuzer „Groß H" zur Verfügung stehen. Das Kommando über diese letztere Armee führt Generaloberst Prinz Leopold von Bayern, Generalinspekteur der vierten deutschen Armee-Inspektion. Das 1. bayerische Armeekorps steht unter seinem Kommandeur, dem Prinzen Rupprecht, ebenso führt auch der Befehlshaber der württembergischen Truppen, Herzog Albrecht von Württemberg sein heimatliches Armeekorps bei den Kaisermanövern. Während derselben nimmt Kaiser Wilhelm sein Manöver- quartier in dem freundlichen württembergischen Badeorte Mergentheim an der Tauber; ebenso seine Manövergäste, zu. denen u. a. der österreichische Thronsolger Erzherzog Franz Ferdinand und der türkische Generalissimus Mahmud Schesket
„Da warst Du wohl deshalb nach Monaco gefahren, um an der Spielbank Dein Glück zu versuchen?" frug Lady Lilian erregt weiter.
„Allerdings", entgegnete Sir Fox mit einer unheimlichen Ruhe, „ich war in Monaco und spielte waghalsig mit meinem letzten Gelde und mit den von meinem Freunde geliehenen Summen, eS war ein Spiel um das Dasein, ich hatte schon mein Geld und das geborgte fast verloren, da wandte sich das Glück zu meinen Gunsten, ich gewann fast Schlag um Schlag und dann wagte ich alles und sprengte die Bank."
„WaS willst Du nun mehr, Du Glücklicher!" rief Lady Lilian fast laut und fiel dem Gatten um den Hals. „Da hast Du doch jedenfalls den denkbar größten Gewinn gemacht."
„DaS ist allerdings der Fall, aber wenn ich meine Verluste von dem Riesengewinne abziehe und meine noch immer vorhandenen Schulden bezahle, so bleibt sür unS keine große Summe mehr übrig", erklärte Sir Fox verdrießlich.
„Du bist aber doch ein kluger und einflußreicher Mann, Edward, und hast im Spiel und bei den großen Wettrennen auch oft großes Glück gehabt", schmeichelte ihm Lady Lilian, „und deshalb darsst Du nicht verzagen. Freilich den Rest meines Erbteils möchte ich nun für mich behalten, denn Deine Unternehmungen erscheinen mir jetzt doch sehr gefährlich, und ich möchte nicht hören, daß wir eines Tages durch Deine Wogehalsigkeit alles verloren haben."
„Wer viel gewinnen will, muß viel riskieren", entgegnete Sir Fox. „Das Wetten und Wagen ist mein Lebenselement, daS mich und Dich trägt und hebt. Ich will nicht wie ein Wurm am Boden kriechen, wie cö die meisten Menschen tu», ich kann nur so wcitcrlebcn, wie ich es gewohnt bin oder sonst gar nicht."
„Sprich jetzt nicht solche Dinge auS", bat Lady Lilian, „ich kenne Dich ja als meinen tollkühnen und wagelustigen Edward. Diese Wagehalsigkeit ist für unS beide der größte LebenSreiz, so lernten wir unS ja beide einst in Monaco kennen und lieben. Ich blickte damals zu Dir wie zu einem Helden auf, und so soll eS wieder sein, wenn wir hier die schweren und
gehören. Am 7. September nahm der Kaiser die Parade über das 13. (württembergische) Armeekorps bei Stuttgart ab, womit die Kaisermanöver gewissermaßen ihre Einleitung erfahren haben. Jedenfalls darf man diesem „Krieg im Frieden", der nächster Tage in den gesegneten Gauen zwischen Main und Tauber anheben wird, mit Interesse entgegenblicken, dies sowohl in Hinblick aus die gewaltige Zahl der hierbei zu- sammengezogenen Truppen, als auch wegen der mancherlei verbesserten und vervollkommneten Hilssmittel in der modernen Kriegsführung, die hierbei zur Verwendung gelangen werden.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 7. September 1909.
Die Ankunft Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin aus dem Hauptbahnhof in Stuttgart erfolgte im Sonderzug gestern nachmittag um 2 Uhr 50 Minuten. Der Kaiser trug die Uniform seines 120. Infanterieregiments. Zum Empfang hatten sich eingefunden der König in der Uniform der Leib-Gardehusaren, die Königin, die Mitglieder des königlichen HauseS und die an« wesenden fremden Fürstlichkeiten. Die Majestäten begrüßten Einander aufS herzlichste. Nach der Vorstellung der Umgebungen und einem Vorbeimarsch der Kompanie erfolgte die Fahrt zum Königlichen Residenzschloß, wo der Kaiser und die Kaiserin Wohnung genommen haben. Heute vormittag fand zwischen Cannstatt und Untertürkheim die Parade über das 13. Armeekorps statt. Das Wetter war gut. Schon feit dem frühesten Morgen strömten viele Tausende dem Paradefclde zu. Vor der großen Tribüne hatten Kriegervereine mit Fahnen Aufstellung genommen. Der Parade wohnten bei der Kaiser und die Kaiserin, der König und die Königin, die Mitglieder des königlichen HauseS, König Friedrich August von Sachsen und die übrigen Fürstlichkeiten. Ferner waren anwesend die Mili- tärbevollmächtigten der BundeSstaaten, die Kriegsminister von Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg. Die Parade wurde kommandiert von dem kommandierenden General Herzog Albrecht von Württemberg. Das Armeekorps hatte in zwei Treffen Aufstellung genommen. Die Kaiserin und Königin erschienen aus dem Paradeselde in vierspännigem Wagen. Nach Abreiten der Fronten erfolgten zwei Vorbeimärsche. Der König von Württemberg führte daS Grenadierregiment 123, der Kaiser das Infanterieregiment 120. Das Dragonerregiment Königin Olga führte ebenfalls der Kaiser. Der König verlieh dem Kaiser dieses Regiment. Der König führte ferner das Dragonerregiment 126, ebenso daS Ulanenregiment 9. Hinter dem König ritt Gras Zeppelin. Die Parade bot bei dem prächtigen Wetter und der malerischen, hügelumkränzten Lage des Paradeplatzes ein schönes Schauspiel. Die Majestäten kehrten kurz vor 1 Uhr mit dem königlichen Hofzug vom Paradcseld zurück und begaben sich zunächst in das Residenzschloß und von dort in das kronprinzliche PalaiS zur Früh- stückstafel.
traurigen Tage überwunden haben. Freilich brauchten mir immer viel Geld, sehr viel Geld, und Du hast mich sehr verwöhnt, Edward."
„Deshalb wirst Du mir auch den Rest Deine- Erbteiles zur Verfügung stellen müssen, wenn wir so wie bisher weiter- leben wollen", erklärte Sir Fox mit unheimlicher Geberde, „ich brauche tatsächlich das Geld nötiger als je."
„O, waS ist denn Dir nur alles Schlimmes passiert, daß Du Geld und immer wieder Geld brauchst?" jammerte Lady Lilian. „Die großen Summen von der Mutter und Deine großen Gewinne, alles das langte nicht, um Deine Finanzen zu verbessern!"
Sir Edward Fox, der tollkühne Spieler und wüste Abenteurer antwortete auf diese Frage nicht, sondern er drückte die Stirn seines heißen Kopses an die kühle Fensterscheibe, vor der er stand, und sein verblendetes Weib, die ebenfalls zu extravaganten Passionen stets aufgelegte Lady Lilian, begriff nicht, daß ihr Mann ein so toller Spieler und auch so großer Sportsmann und Abenteurer war, daß unter seinen Händen jede Summe bald verausgabt werden konnte. Freilich hatte Sir Fox auch oft großes Glück bei seinem Spiel und seinen Wetten, nnb er verstand es auch, seitdem er es gemacht hatte, sich in den Besitz deS Titels und AmteS eines amerikanischen VizekonsulS zu setzen, sehr seltsame Geschäfte in Orden, Titeln und Konzessionen mit reichem Gimpeln zu machen, aber trotz, aller dieser Kniffe und Pfiffen waren schon seit Jahr und Tag seine finanziellen Verhältnisse schlecht, ja verzweifelt, und wenn Sir Edward Fox nicht sehr und häufig von seiner Schivieger- mutter Frau Thompson mit bedeutenden Summen unter stützt worden wäre, so hätte er wahrscheinlich schon längst finanziellen Schiffbruch erlitten. Von den Schwierigkeiten seiner materiellen Lage hatte die Mitwelt aber keine Ahnung, denn seiner Frau und seiner Schwiegermutter gegenüber sprach Fox nur immer von seinen großen Unternehmungen in Konstantinopel und Teheran, von denen er nächstens riesige Summen verdienen werde, und im übrigen hielt ihn die Welt für einen sehr reichen Mann, da er sich in fast allen Haupt- städten und großen Sportplätzen sehen ließ und überall viel Geld auSgab, an großen Wetten teilnahm und dem Glück«.