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bei uns aus, so ist auch das warme Wetter lange noch nicht aus. St. MichaeliSwein (29.) Herrenwein; St. Gallus- wein (16. Okt.) Bauernwein. Wenn Matthäus (21.) weint statt lacht, er statt Wein dann Essig macht. Mariä Geburt ziehn die Schwalben furt Zu Michaelis Nord und Ost bedeuten starken Wintersrost. Soviel Reis und Schnee vor Michaelis, soviel auch nach Walpurgis. Wie der März war, wird der September, und wie der Juni der Dezember.

* Aus dem Berichte des Deutschen Landwirtschastsrats über Saaten st and und Ernteschätzung vom 1. September 1909 ist solgendes hervorzuheben: Wenn die im Vormonat gehegten Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern, wie die vorliegenden Schätzungen erkennen lassen, sogar noch übertroffen worden sind, so dürste hierbei wohl die günstige Gestaltung der Witterung während des Berichtsmonats von wesentlichem Einfluß gewesen sein. Bei dem warmen und trockenen Wetter, das sämtliche Feldfrüchte fast gleichzeitig zum Reisen brächte, konnte die erst Ende Juli in Angriff genommene Roggenernte rasch sortschrciten und bis auf Kleinigkeiten zu Ende geführt werden. Nur wo der Roggen zu früh geschnitten oder nicht völlig trocken eingeheimst wurde, sind den Landwirten Enttäuschungen nicht erspart geblieben. Von diesen nicht allzu häufigen Fällen abgesehen, entspricht sein Ertrag nach Menge wie nach Beschaffenheit einer vollen Mittelernte. Während der ziffermäßigen Beurteilung der Roggenernte bereits zahlreiche Erdruschresultate zu Grunde gelegt werden konnten, mußten sich die Berichterstatter bei Winterweizen meist noch aus Schätzungen nach dem Stande beschränken. Wie beim Roggen scheint auch hier reicher Aehrenansatz und volles Korn den vielfach dünnen Stand einigermaßen auszugleichen. Beschädigungen durch Rost, worüber aus mehreren Gebieten berichtet wird, scheinen demgegenüber weniger ins Gewicht zu fallen. Die verhältnis­mäßig günstige Beurteilung der Weizenernte setzt allerdings voraus, daß die zurzeit noch ungeborgenen, nicht unbeträcht­lichen Mengen dieser Frucht trocken eingebracht werden. Von den Sommerhalmsrüchten liefert die Gerste im allgemeinen befriedigende Erträge, wenn auch die Farbe des meist vollen und gut ausgebildeten Korns häufig zu wünschen übrig läßt. Allgemein gelobt wird das quantitative und qualitative Er­gebnis der diesjährigen Haserernte, von der allerdings noch ein nicht unbeträchtlicher Teil bei Abgabe der Berichte der Einheimfung harrte. Die Hacksrüchte haben sich im allgemeinen gut weiter entwickelt und namentlich die Kartoffeln lassen nach wie vor günstige Erträge erhoffen. Erkrankungen, die stellen­weise erwähnt werden, haben einen besorgniserregenden Umsang bisher nicht angenommen; dagegen wird mehrfach über ein allzufrühes Absterben des Kartoffelkrauts geklagt Bei den Rüben steht die üppige Blattentwicklung nicht immer im richtigen Verhältnis zu der Größe der Wurzeln, die übrigens bei den Zuckerrüben recht gute Zuckerprozente aufzu- weifen haben. Für die Entwicklung der Futterpflanzen war die Witterung des Berichtsmonats nicht überall gleich günstig. So hat in manchen Gegenden Mangel an Feuchtigkeit den Nachwuchs des Klees beinträchtigt, aber im allgemeinen ist die Hoffnung aus einen besseren zweiten Schnitt meist doch erfüllt worden.

* Ernannt: Gerichtsassessor Dr. Schreiber zum Amtsrichter beim Königl, Amtsgericht zu .Friedewald (Kr. Hersseld.)

* (D as W c t t e r i m S e p tem b e r.) Nach der Rudols Falbschen Theorie dürften die ersten Septembertage uns unfreundliches regnerisches Wetter bescheren, während vom 5. bis 13. aus schöne und sonnige Witterung zu rechnen ist. Dann aber soll es trübe und windig, stellenweise auch regnerisch werden, worauf sich vom 18. an wieder heiteres Wetter ein­stellen, das bis etwa zum 25. anhält. Gegen Ende des Monats dürste dann eine bis zum Schluß andauernde un- verhältnismäßige Wärme eintreten. Der 29. September ist ein kritischer Tag erster Ordnung und zwar der stärkste des ganzen Halbjahrs, der möglicherweise Grubenkatastrophen, Erd­beben oder ähnliche Elementar-Ereignisse im Gefolge hat.

* Der Sparkasfen-Verband für die Provinz Hessen-Nassau und das Fürstentum Waldeck hält am 23., 24. und 25. September 1909 in Weilburg o. Lahn seine 14. Hauptversammlung ab. Aus der umfangreichen Tagesordnung verdienen folgende Fragen aus dem praktischen Sparkassen- verkchr Erwähnung: Welches Verfahren ist bei Einlagen, die durch Stichworte gesperrt werden sollen, als praktisch zu empfehlen? Genügt die Eintragung des abgegebenen Stich­wortes auf dem Zettelkonto, oder ist es, zur Vermeidung von Mißbräuchen, vorzuziehen. dasselbe mit einem StempelStich­wort" zu bedrucken, das abgegebene Wort selbst aber in einer von den Beamten geführten und verschlossen gehaltenen Noch- weisung einzutragen und alsdann das Einlagebuch mit einer Kennzeichnung der Stichwortsperrung zu versehen? Ist bei Rückzahlung von Pfanddarlchen der Rückzahlungstag als Zinstag noch mitzurechnen? Ist es angebracht, Geldsen­dungen mit der Post (außer dem Postschein) noch durch be­sondere Empsangs-Quittungen zu belegen und eventl. von welchem Betrage ob? Inwieweit sind die Sparkassen den öffentlichen Dienststellen gegenüber verpflichtet, in Sparkassen- Angelegenheiten Auskunst zu erteilen ? Ferner soll über Schul- sparkassen. über Quittungsleistung für Rückzahlungen aus Spar­kassenbücher und über die Stempelpflicht der Schecks gesprochen werden.

) :( Hersfeld, 6. September. Heule morgen gegen 1/29 Uhr passierte der Kaiserliche Sonderzug mit Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin die hiesige Station.

§ Hersfeld, 3. September. Nach Artikel II a des Gesetzes vom 15. Juli d. Js. wegen Aenderung des Tabak- steuergcsetzes erhalten die mehr als ein Jahr im Tabak- g e w e r b e beschäftigt gewesenen Hausgewerbetreibenden und Arbeiter, welche nachgewiesenermaßen infolge dieses GesetzeS innerhalb des ersten Jahres nach dessen Inkrafttreten ent« weder vorübergehend oder für längere Zeit arbeitslos werden, vyne anderweit entsprechende Beschäftigung zu finden, oder uotwendig gewordenen Berufswechsels oder wegen Emschränkung des BetriebeS geschädigt werden, Unterstützungen vis zu einem Zeiträume von' zwei Jahren. Der Herr Finanz- minister bat im Einvernehmen mit dem Herrn Minister für ganoel und Gewerbe angeordnet, daß die Gesuche geschädigter Tabakarbeiter um Unterstützung in den Etadtgemeinden all­gemein bei den Gemeindebehörden, im übrigen bei den Tandräten anzubringen sind. Die Gesuche haben zu cut- hatten: a) Vor- und Zuname, Alter, Familienverhültnisse (ob '» öd« verheiratet, Zahl der unversorgten Kinder) und Wohnsitz des Gesuchstellcrs, b) Art der Beschäftigung in den i g en 14 Monaten sowie Name und Wohnort deS letzten Gesamtbetrag des im Vorjahr (1. Juli 1908 m 1909) verdienten Lohnes, d) bei Arbeitslosig- r ^s Grundes der Entlassung auS dem letzten \ 'Verhältnisse, bei Verdienstschädigung deren Anlaß, Art o umfang, e) Angabe, was als Nachweis dafür vorge­

bracht werden kann, daß die Arbeitslosigkeit oder die Ver- dienftschädigung infolge des Gesetzes wegen Aenderung des Tabaksteuergesetzes vom 15. Juli 1909 eingetreten ist, f) welche Schritte zur Wiedererlangung eines Arbeitsverdienstes oder zur Erhöhung des geschmälerten Arbeitsverdienstes unternommen worden sind.

):( Hersfeld, 6. September. Gestern früh wurde in der Gemarkung Kalkobes ein fremder Mann an einem Baume hängend t o t ausgesunden. Der Selbstmörder ist ca. 65 Jahre alt und gut gekleidet. Er hatte keinerlei Papiere bei sich, so daß es nicht möglich ist, seinen Namen und Wohnort sestzustellen. Die Leiche wurde in die hiesige Leichenhalle gebracht. Vor der Beerdigung wurde erst eine photographische Ausnahme des Mannes gemacht.

Heringen, 1. September. Vor einigen Tagen kratzte sich die hiesige 50jährige Witwe Gerlach einen Insektenstich im Gesicht aus. Dieses schwoll bald daraus stark an, und die Frau wurde nach Hersseld ins Krankenhaus gebracht. Dort stellte man fest, daß die Kranke mit Milzbrandbazillen infiziert war. Trotz mehrmaliger Operation wird an dem Auskommen der Frau gezweifelt. Die nötigen Vorsichtsmaß­regeln sind getroffen.

Cassel, 4. September. Der Regierungsbaumeister und Vizefeldwebel d. L. des 11. Fußartillerie-Regts. Otto Pf. aus Gießen hat heute morgen in einem hiesigen Hotel wahr­scheinlich in einem Anfälle von Geistesstörung feinem Leben durch Erschießen ein Ende bereitet. P. hatte feit einiger Zeit in einer Nervenheilanstalt Thüringens geweilt und war gestern abend hier abgestiegen, um heute morgen in seine Heimat zu reisen. Gegen Vs? Uhr hörte das Hotelpersonal Schüsse. Man eilte dem Schalle nach und entdeckte den Pf. blutüber- strömt noch lebend auf seinem Bette liegen. Er hatte sich zwei Schüsse in die Schläfe beigebracht. Nachdem ein herbeige- rufener Arzt ihm die erste Hilfe geleistet hatte, wurde er durch die Sanitätskolonne nach dem Landkrankenhause überführt. Ob es gelingen wird, ihn am Leben zu erholten, ist zweifelhaft.

Bon der Schwalmpforte, 1. September. Eine Gardinenpredigt eigener Art und verwunderlicher Kürze hatte jüngst die bibelfeste Gattin eines Bewohners deS SchwalmtaleS ihrem spät abends heimkehrenden Eheherrn zugedacht. Als er um Mitternacht aus fröhlichem Freundeskreise heimkehrte, suchte er vergebens seine Frau, die sich versteckt hatte, um den Ein­druck der für sich selbst wirkenden Gardinenpredigt abzuwarten. Aus einem Teller auf dem Tische aber lagen zwei aus einem Abreißkalender geschnittene Papierstreiscn. Auf einem Zettel stand zu lesen: Jesai 5, 11:Wehe denen, die des morgens frühe aus sind, bei Saufens sich zu befleißigen, und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzt!" Der zweite Zettel zeigte folgende Wehklage: Psalm 39, 3 :Ich bin verstummet und still und schweige der Freuden, und muß mein Leid in mich fresfen I" Diese in ihrer Kürze wohl vorbildliche Gardinen­predigt soll denn auch ihre Wirkung nicht verfehlt haben.

Schwarzenhasel, 3. Sept.' Infolge Blutvergiftung starb die in den 50er Jahren stehende Ehefrau des Landwirts Johann Knierim von hier, die sich vor mehreren Tagen Ver­letzungen an einem Finger wie man annimmt durch den Stich einer Hauhechel 'zugezogen hatte. Der Arzt, der gestern zurate gezogen wurde, vermochte der Unglücklichen nicht mehr zu helfen, und schon heute morgen verschied sie.

Zella (Kr. Ziegenhain), 4. September. Vor einigen Tagen ist ein Soldat des 96. Jns.-Regt., das hier in Quartier liegt, mit der Dienstmagd M. durchgebrannt.

Albertshausen, 3. September. Aus dem Gehöst des PoststelleninhaberS und Landwirts Karl Albus ereignete sich gestern vormittag gegen 7 Uhr ein bedauerlicher Unglücksfall, indem der 68 Jahre alte Invalide Karl MackuS so unglücklich, vermutlich infolge eines Fehltritts vom Wagen stürzte, daß er kurz daraus eine Leiche war.

Gelliehansen, 3. September. Dem von hier gebürtigen 16jährigen Knecht Fritz Fuge, der bei dem Landwirt Hille in Beienrode in Arbeit stand, ist ein äußerst folgenschwerer Unfall zugestoßen, wodurch der junge Mann zeitlebens zum Krüppel geworden ist. Hille wollte am Mittwoch mit vier Pferden die Dampflokomobile forttransportieren, wobei Fuge die Pferde hielt. Als die Tiere plötzlich anzogen, kam Fuge zu Fall und geriet unter die Räder, wobei ihm an einem Beine das Fleisch vollständig von dem Knochen gerissen wurde. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Verunglückte zur Klinik transportiert. Die Aerzte glauben nicht, daß daS Bein erhalten werden kann, sodaß eine Amputation desselben er» forderlich wird.

Frankfurt a. M., 4. September. Wie seinerzeit bc- richtet, hat die Stadt Wiesbaden einen Preis von 3000 Mk. für den ersten Lenkballon ausgesetzt, der in ihrem Weichbilde landen würde. Diese Prämie ist jetzt demParfeval 3" zugesallen, der gestern von derJla" in Frankfurt a. M. auS nach Wiesbaden geflogen ist. Der Ballon kam um 3 Uhr 30 Min. nachmittags mit insgesamt neun Gondelinsaffen von Frankfurt in ruhiger Fahrt in Sicht. Er überflog die Wies­badener Ausstellung, manövrierte dann in geringer Höhe eine halbe Stunde über der Stadt, um schließlich auf dem Exer­zierplatz an der Schiersteiner Straße zu landen. Die Landung erfolgte um 4 Uhr 10 Minuten und ging glatt vonstatten. Stadt- und Militärbehörden waren zum Empfange erschienen. Die Königinwitwe Marguerita von Italien kam im Automobil zur LandungSstelle, empfing den Führer deS Luftschiffes Ober­leutnant von Stelling und unterhielt sich längere Zeit mit ihm. Eine Einladung zur Mitfahrt schlug sie lachend aus. Um 4 Uhr 50 Minuten stieg das Luftschiff wieder auf. Für nächsten Sonntag ist ein Abstecher nach Mainz geplant. Der Rutenberg-Ballon machte gestern von derJla" in Frankfurt a. M. aus seine erste Fahrt. Um 6 Uhr blieb er plötzlich über dem Rebstöckerwalde stehen und fing an, schneller und schneller zu fallen. Er mußte schließlich wegen eines Propellerbruches landen. Der Ruthenbergsche Ballon gehört, wie noch bemerkt sei, zur Klasse der sogenannten Halbstarken Ballons; er ist vierzig Meter lang und hat einen Durchmesser von 6V2 Meter. Bei zwei Personen Besatzung kann er Brennstoff und Ballast für eine sünsstündige Fahrt ausnehmen.

Frankfurt a. M., 2. September. Heute früh 7 Uhr stürzte sich der vom Bezirkskommando Mühlhausen i. E. nach hier abtommaubierte Unteroffizier Algis vom 2. Stock des Hauses Taunusstraße 32 und wurde schwer verletzt in das hiesige Garnisonlazarett gebracht. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Heute Nacht erhängte sich in der Kronprinzcn- straße 57 der Einjährige Bernhard vom Pionierbataillon 21 aus Mainz-Kastel. DaS Motiv der Tat ist unbekannt.

Wiesbaden, 1. September. Aus der Rheinstraßen- Promenade erschoß sich ein 72jähriger Schneidermeister aus Remscheid. Er besand sich auf einer Vergnügungsreise und war in die Gesellschaft von Kellnerinnen geraten, die ihn um seine ganze Barschaft im Betrage von 500 M. brachten. Dies nahm er sich so zu Herzen, daß er Hand an sich legte.

Offenbach a. M., 2. September. Im Fieberwahn stürzte sich in verflossener Nacht die 28 Jahre alte Frau des

Steuerbeamten Klein aus dem Fenster ihres im 3. Stockwerk belegenen Schlafzimmers in den Hof, wo sie tot liegen blieb. Die Frau war seit längerer Zeit krank und litt besonder- an Fieberansällen, weshalb ihre Mutter fast stets bei ihr weilte. Auch in der verflossenen Nacht schlief sie bei ihrer Tochter, die sich plötzlich aus dem Bett erhob, nach dem Fenster lies und ehe es die Mutter verhindern konnte, hinaussprang. Der 18jährige Fabrikarbeiter Oskar Fuchs unterhielt mit der 16jährigen Tochter eines Kolporteurs ein Liebesverhältnis, daS von den Eltern nicht geduldet wurde und eingestellt werden sollte. In der verflossenen Nacht begab er sich in die Herrn- straße, stellte sich auf die zum Polizeiamt führende Treppe und erschoß sich.

Schleiz, 2. September. An Blutvergistung gestorben ist im benachbarten Görkwitz der Gutsbesitzer Heinrich Karl Iahn. Der im Alter von 50 Jahren stehende Mann hatte sich durch einen rostigen Nagel eine Handverletzung zugezogen, die allmählich einen solchen schlimmen Verlauf nahm, daß der Tod eintrat.

Lauterbach (Oberhessen), 2. September. In Teilen Oberhessens entluden sich schwere Unwetter mit Hagelschlag, die großen Schaden anrichteten, leider auch ein Menschenleben forderten. Die auf dem Felde arbeitende Ehefrau des Schneider­meisters Gonther aus Zell wurde auf dem Nachhausewege vom Blitz getroffen und sofort getötet. In Reibertenrod schlug der Blitz in die gefüllte Scheune des Altbürgermeisters Dippel und zündete. DaS Feuer griff rasch um sich und äscherte 7 Gebäude ein. Auch vier Stück Rindvieh und 5 Schweine wurden ein Opfer der Flammen.

Uermiscbtet.

Ein unglaublicher Vorgang hat sich vor einigen Tagen in Wolfshagen bei Drengsurt in Ostpreußen zugetragen. Mehrere junge Leute badeten in dem dortigen See. Da sie sich aus dem Grund und Boden des Besitzers Makowka befanden, eilten M. und sein Sohn hinzu, um die Badenden zu vertreiben. Beide führten große Stöcke mit, auch hatte der Sohn des Makowka ein Jagdgewehr bei sich. Während der alte Makowka aus die jungen Leute, die in­zwischen das Wasser verlassen hatten, einschlug, befahl er seinem Sohn, den Fleischergejcllen Broschewski, der besonders seinen Zorn erregt hatte, niederzuschießen. Der junge Makowka gab denn auch tatsächlich einen Schuß aus den Broschewski ab und die ganze Schrotladung drang dem B. in den Leib. B. ist im Krankenhause seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.

Kray, 3. September. Aus dem im Bau befindlichen Schacht Joachim I. der Zeche Königin Elisabeth ist gestern nachmittag im nördlichen Schachtstoß ein Einbruch von Ge­birge erfolgt. Das herabfallende Gestein riß eine Schacht­zimmerung mit sich. Sechs Schachthauer wurden in die Tiefe gerissen und stürzten über 100 Meter tief ab. Es ist sicher, daß sie tot sind. Die Bergungsarbeiten sind gleich nach der Sicherung deS Schachtes begonnen worden.

(Martyrium eines Kinder.) In der Pariser Vorstadt Menilmontant wurde eine Wäscherin namens Martha Hoellicher verhaftet, weil sie ihre siebenjährige Tochter systematisch zu Tode gequält hatte. Sie hatte, nachdem alle anderen ErmordungSversuche gescheitert waren, dem Kinde den Mund mit einem in Ammoniak getauchten Lappen ver­stopft und daS Kind dann zum Fenster hinausgeworfen. Man glaubt, die Mutter sei irrsinnig. Das Kind ist schwer verletzt, doch hofft man, eS am Leben erhalten zu können.

Hamburg, 4. September. Der in der Rönnhaid- straße 51 wohnende Straßenbahnschaffner Engelhardt fand, als er mittags nach Hause kam, feine Frau und seinen Bruder entkleidet mit Schußwunden am Kopfe tot im Bette liegend vor. Die Polizei nimmt an, daß der Bruder seine Schwägerin und sich selbst getötet hat.

Letzte Nachrichten.

Kiel, 5. September. Der Kaiser besichtigte heute nach­mittag den Küstenpanzer Hildcbrand. Abends 7 Uhr fand Paradetafel für die Flotte beim Kaiser in der Marineakademie statt. Im Laufe deS Mahles erhob sich der Kaiser zu einer Rede, die mit einem dreifachen Hurra auf die kaiserliche Marine und vor allem auf die Hochseeflotte schloß. Die Musik spielte den Flottenmarsch. Prinz Heinrich erwiderte mit einem Trink- spruch aus den Kaiser.

Kiel, 5. September. Der Kaiser ist heute abend 10 Uhr 10 Min. nach Stuttgart abgereist.

B r e s l a u, 5. September. Die Errichtung eines Luft- schiffhasens und die Stationierung eines Luftschiffes ist in Breslau geplant. Die Vorarbeiten dafür sind vom schlesischen Verein für Luftschiffahrt bereits seit längerer Zeit in die Wege geleitet. _______________

Berlin, 5. September. Die Brauereiarbeiter Groß- BerlinS beschlossen mit Rücksicht auf die durch die neuen Steuern erhöhten LebenSmittelpreise, ihren am 31. März 1910 ablausenden Taris zu kündigen und beim Abschluß deS neuen Tariss Lohnerhöhung zu fordern.

Augsburg, 5. September. In der Kaserne des 4. Artillerieregiments brach in einem von 18 Betten besetzten Mannschaftszimmer durch die Explosion einer Lampe Feuer aus. Zwei Soldaten, die aus dem zweiten Stock auf die Straße sprangen, wurden lebensgesährlich verletzt.

Wildpark, 5. September. Die Kaiserin ist heute abend 11 Uhr 4 Min. nach Stuttgart zu den Manöverseierlichkeiten abgereist. _______

Helsingör, 5. Sept. Der dänische Dampfer Holland ist aus der Reise von Blyth nach Korsör Mittwoch früh in der Nordsee 60 Meilen von Blyth gesunken. Sechs Mann der Besatzung wurden von einer schwedischen Bark ausgenommen und in Helsingör heute an Land gesetzt. Der Kapitän und die übrigen neun Mann der Besatzung sowie ein Passagier sind wahrscheinlich ertrunken.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (Landwirtschastsschnle).

Wetteraussichten für Dienstag, den 7. Sept.:

Vorwiegend trübe mit Regenfällen, zeitweise winbig, kühl.