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herrMer Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 105.

Dienstag, den ? September

1909.

Amtlicher Lei!

Hersfeld, den 1. September 1909.

Bei dem Dampskessel-Ucberwachungs-Verein in Cassel ist eine elektrotechnische Abteilung eingerichtet worden, in der unter der Oberaufsicht des Oberingenieurs des Vereins und neben dessen Ingenieuren ein aus elektrotechnischem Gebiet besonders vorgebildeter Elektroingenieur mit mehrjähriger Praxis als Sachverständiger und als Betriebsingenieur tätig ist.

Der Verein ist nunmehr in der Lage, elektrotechnische Unter­suchungen jeder Art vorzunehmen, Entwürse zu beurteilen, überhaupt in unparteiischer Weise Auskunft und Rat aus dem Gebiete der Elektrotechnik zu erteilen.

Als Gebühren beabsichtigt der Verein, vorbehaltlich eines später noch aufzustellenden besonderen Gebührentariss, zunächst für jede Stunde Bureautätigkeit 2 Mk., für jeden auswärts zugebrachten halben Tag 20 Mk., und für jeden ganzen Tag 40 Mk., abgesehen von den unmittelbaren Fahrkosten, zu be­rechnen.

Indem ich hierauf aufmerksam mache, empfehle ich Privaten und Gemeinden, von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen. I. 9166. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 3. September 1909.

Nachdem die den Schulverbänden nach dem neuen Lehrer­besoldungsgesetz zustehenden Staatsbeiträge für 1908 nachgezahlt und für 1909 angewiesen sind, ersuche ich die Herren Bürgermeister der Schulorte des Kreises bezw. die Herren Verbandsvyrstcher an die Lehrer (Lehrerinnen), die sich nach erfolgter Aufforderung für die neue Besoldungsordnung erklärt haben, die ihnen für das Rechnungsjahr 1908 und das I. Vierteljahr des Rechnungsjahres 1909 zustehenden Nachzahlungen an Grundgehalt, Amtszulage und Micts- entschädigung aus der Gemeinde- bezw. Schulverbands-Kasse, soweit diese, ohne die Verteilung des Ergänzungszuschußsonds abzuwarten, dazu fähig ist, tunlichst bald auSzahlen zu lassen. I. I. 9381. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

Hersseld, den 1. September 1909.

Um zu vermeiden, daß die rechtzeitige Einzahlung des Be­trages für das den Gemeinden im laufenden Jahre staatsseitig überwiefcne Loosholz an die Königliche Kreiskasse unterbleibt, wodurch die betreffende Gemeinde des Rechtes zum Bezüge von Loosholz im nächsten Jahre verlustig gehen würde, will ich nicht unterlassen, die Herren Bürgermeister schon jetzt aus den Inhalt der diesseitigen Versügung vom 28. Februar 1880 Nr. 2182 im Kreisblatt Nr. 18 aufmerksam zu machen. A. 5757. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von L e o T u r n a u.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Dann hatte ich an die Gründung eines amerikanischen Krankenhauses in der persischen Hauptstadt Teheran gedacht", erwiderte Mister Gulden schlagfertig.Dieses Kranken­haus würde ich allerdings nicht allein gründen, ich würde aber die Hauptsumme spenden und noch eine Anzahl amerikanischer Menschenfreunde zu Spenden veranlassen."

Ich muß wirklich sagen, Mister Gulden, daß Ihre Liebe für orientalische Orden und Titel ganz und gar keinen Übeln Beweggrund hat, für die Gründung eines amerikanischen Krankenhauses im Orient hätten Sie in der Tat einen An- spruch auf einen Orden von dem betreffenden Lande. Ich ganz bestimmt, daß sich die Sache machen wird. Mit viel Geld läßt sich in der Welt aber immer viel erreichen, und wenn Sie noch einen guten Freund haben sollten, der auch eine Empfehlung an Sir Edward Fox wünschen sollte, so brauchen Sie mir nur zu sagen, was er für einen Orden anlegen will!" erklärte Mister Shermann mit schlauem Lächeln.

Mein Freund Baker könnte auch einen solchen Wunsch haben , erwiderte Mister Gulden,und ich kann Ihnen viel­leicht darüber heute abend Bescheid sagen."

»Gut, heute abend gegen neun Uhr treffen wir unS im Grand Hotel du Louvre wieder, und ich rede inzwischen mit Sir Edward Fox. Adieu! Aus Wiedersehen, Mister Gulden!"

Der vielgenannte Mister Sherman verschwand mit seinem Freunde in dem Menschengewühl des großen SpielsaaleS und Gulden blickte ihm mit Wohlgesallen nach, denn er sah Nch im Geiste schon im Besitze hoher Titel und Orden, nach denen seine eitele, aber im Grunde genommen harmlose und gutmütige Seele so sehr begehrte. Dann ging auch er, ein lustiges Liebchen vor sich hintrillernd, von bannen.

Hersseld, den 1. September 1909.

Nach Mitteilung des Herrn Kreisarztes hier ist noch eine ganze Anzahl der Herren Bürgermeister des Kreises mit der Einsendung des gemäß Verfügung vom 3. Mai 1893 L Nr. 2772 Kreisblatt Nr. 57 vorgeschriebenen Verzeichnisses über die außerhalb der Irrenanstalten lebenden Geisteskranken im Rückstände.

Da der Herr Kreisarzt vom 31. d. Mts. ab beurlaubt ist, ersuche ich, das erwähnte Verzeichnis mir binnen längstens 8 Tagen zu übersenden.

Ich mache die ordnungsmäßige Ausfüllung der Spalten, in dem mir einzureichendcn Verzeichnisse, zur besonderen Pflicht. I. 9210. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 1. September 1909.

Die Echulvorstände weise ich auf den als Beilage zum Regie- rungsamtsbl. Nr. 32 vom 11. Aug. d. I. veröffentlichtenVer­teilungsplan des Bedarfs der Alterszulage­kasse für die Lehrer undLehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen des Regierungs­bezirks Cassel für das Rechnungsjahr 1908" hin, welcher gemäß § 68 des Gesetzes vom 26. Mai 1909 neu aufgestellt worden ist. Alle im Rechnungsjahr 1908 ein­getretenen Veränderungen haben Berücksichtigung gefunden.

I. 9266. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Am 1. Oktober 1909 beginnt an der Husbeschlag-Lehrschmiede in Weißenborn, im hiesigen Kreise, ein neuer Kursus zur Vor- bereitung für Schmiede, die ihre Husbeschlag-Prüsung daselbst ablegen wollen.

Anmeldungen, denen ein Geburtsschein, ein polizeiliches Führungsattest sowie ein Lehrzeugnis beizufügen ist, nimmt entgegen Lehrschmiedemeister Diegel in Weißenborn bei Sontra, der auch jede weitere Auskunft erteilt.

Rotenburg a/F., den 24. August 1909.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: gez. T ü r ck e, Landrat.

* * *

Hersseld, den 3. September 1909.

Wird veröffentlicht.

I. 9374. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 1. September 1909.

Mitte Mai und Oktober findet alljährlich in dem mit dem Hessischen Diakonissenhause verbundenen Seminar zur Aus­bildung von Kleinkinderlehrerinnen (Kindergärtnerinnen) die Aufnahme neuer Zöglinge statt. Der Cursus des Seminars ist einjährig.

Die Pension für den Cursus, Unterricht eingeschlossen, be­trägt 330 Mark.

Das war ja sehr viel, was ich da auf einmal alles von dem interessanten amerikanischen Vizekonsul gehört habe", dachte der noch immer seitwärts in der Ecke stehende Geheimpolizist Rostan.

Und in seinen Gedanken fuhr Rostan fort:

Die Bank will der Herr Vizekonsul sprengen, viel Geld braucht er immer, auch handelt er mit exotischen Orden und Titeln, die ihm eitele Gecken und dumme Gimpel mit schwerem Golde bezahlen. Nun der Herr Vizekonsul wird mir immer interessanter. Aber natürlich nach MeunierS Urteil ist er ein großer Ehrenmann und reich, sehr reich, also kein Hochstabler, und ich darf kein Wörtchen davon jetzt sagen, was ich von ihm und seinem Treiben denke, denn sonst schwärzt mich Meunier noch bei dem Polizeipräsckten an, und ich werde alS ein un­geschickter Beamter in die Provinz versetzt. Na, aber meine Freiheit, den Herrn Vizekonsul etwas näher zu beachten, lasse ich mir doch nicht nehmen, und dann werden wir ja noch sehen, wer Recht hat."

An dem großen Spieltische, wo Sir Edward Fox saß, ent­stand jetzt ein großes Gedränge, sodaß der Geheimpolizist jetzt auch neugierig vorwärts an den Tisch eilte.

Sir Fox ist dabei die Bank zu sprengen", wurde von verschiedenen Stimmen gerufen.

Er hat aber auch vor einer halben Stunde einen großen Verlust erlitten", sagte ein anderer Spieler,und jetzt will er alles doppelt einholen. Wahrhastig, er wagt jetzt einen Riesen- einsatz von zweihunderttausend FrancS!"

Eine unheimliche ateinlose Stille trat jetzt vor der Spiel- baut ein, alle Augen blckten aus den tollkühnen Spieler, der jetzt seinva band" rief. Das Roulette drehte sich in rasender Eile und stand dann unheimlich still. Sir Fox hatte gewonnen.

Der Bankhalter schob ihm das ganze Geld hin, das er hatte, die Summe von mehr als sechsmalhunderttausend Francs, er stellte ferner dem Sir Fox auch »och einen großen Scheck auS, setzte bann seinen Hut auf zum Zeichen, daß für heute die Bank gesprengt war und verließ den Saal.

Sir Fox raffte mit Hilfe eines Begleiters den Riefenge-

Anfragen sind zu richten: An den Vorstand des Diako- nissenhauseS bei Cassel, Poststation Wehlheiden.

I. 9357. Der Königliche Landrat

I V.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Reichstag unb Bundesrat im L 3".

Die Bodenseefahrt der Reichstags- und Bundesratsmit­glieder imZeppelin 3" hat bei herrlichem Wetter einen unge­trübten Verlaus genomveen, der allen Teilnehmern unvergeßlich sein wird.

Um 11V« Uhr fuhr daS MotorbootManzell" mit dem Grasen Zeppelin und der ersten Partie der mitfahrenden Ab- geordneten an Bord zur schwimmenden Ballonhalle in Manzell hinaus. Ihm folgten nach einer Viertelstunde die Dampfer Württemberg" undFriedrichshasen", aus denen sich die übrigen Mitglieder des BundeSratS und deS Reichstags be­fanden, und der DampferMeersburg", der für die Vertreter der Presse, die Familie deS Grasen Zeppelin und die ge­ladenen Gäste bestimmt war. Am User von Manzell standen Tausende von Menschen, die den Aufstieg deS Luftschiffes mitansehen wollten. Nach 12 Uhr wurde derZ. 3" unter begeisterten Hurrarufen der Menschenmenge aus der Halle ge­zogen. Unter den Klängen bei LiedesDeutschland, Deutsch­land über alles", das die aus dem DampferMeersburg" befindliche Militärkapelle spielte, stieg das Luftschiff stolz und majestätisch empor., Am Luftschiff waren zwei gleiche Pro­pellerpaare zu bemerken. Außerdem war in den Laufgang eine Art Kabine für die mitfahrenden Abgeordneten ein­gebaut.

Die erste Fahrt, bei der sich in den Gondeln des Luft­schiffes in bunter Reihe die Mitglieder der verschiedensten Fraktionen, wie Bassermann, Eickhoff, Heine, Dr. Weber, Siebetmann von Sonnenberg, Naumann, Dr. Hahn, Scheickhardt, Dr. Görcke, Dr. von Savigny u. a. befanden, bewegte sich in der Richtung aus Lindau. Nach verschiedenen eleganten Manövern landeteZ. 3" um 12 Uhr 51 Minuten bei Langenargen. Hier wurde auf dem See der erste Passagier- wechsel vorgenommen, der nur wenige Minuten in Anspruch nahm.

Die zweite Fahrt, an der u. a. die Herren Kulerski, Preiß, Dr. Böhme, Raab, Lehmann (Wiesbaden), Rören, Ulbrich und Hilpert teilnahmen, ging am schweizerischen Ufer entlang bis Rorschach und dann nach Lindau zurück, wo daS Luft­schiff um 2 Uhr 4 Minuten nachmittags landete. Jetzt ver­ließ Graf Zeppelin den Luftkreuzer und fuhr mit dem Dampfer Württemberg" nach Friedrichshafen zurück. Seinen Platz übernahm Gras Zeppelin junior. Unter den Klängen der Musikkapelle flog derZ. 3" über die Dampserflottille hinweg

winu in Gold und Banknoten zusammen, steckte ihn in ein große lederne Tasche und wollte eben den Saal verlassen, als ein Depeschenbote laut seinen Namen rief und ihm zwei sehr dringliche Depeschen überreichte.

Sir Fox öffnete die Depeschen und erbleichte.

Mitten im Glück trifft mich eine Schreckensbotschaft, meine Schwiegermutter ist ermordet worden", flüsterte er zu seinem Begleiter und verließ dann mit diesem rasch den Spielsaal.

Am dritten Tage nach der Ermordung der Frau Thomp­son war auch deren älteste Tochter Lady Lilian Fox aus Baden-Baden im Trauerhause in Nizza eingetroffen und hatte mit tiefem Schmerze und großer Entrüstung die schrecklichen Berichte über die Einzelheiten deS raffinierten Raubmordes gehört. Lady Lilian Fox war auch von dem StaatSanwalt über mutmaßliche Verdachtmomente bezüglich des Raubmörders vernommen worden, sie konnte aber gegen niemanden einen Verdacht äußern, und ihre Angaben über die ihrer Mutter geraubten Schmuckgegenstände und Geldwerte deckten sich in der Hauptsache mit denjenigen ihrer Schwester, der Frau Kingstone.

Erstaunt und besorgt war Lady Lilian, daß ihr Gatte Sir Edward Fox noch nicht in Nizza eingetroffen war, denn sie hatte schon vorgestern nach den verabredeten Adressen des­selben in der Schweiz depeschiert und auch an dessen vorige Adresse in Oberitalien ein Telegramm gerichtet. Sie war es ja gewohnt, daß ihr Gatte bei seinen leidenschastlichen Sport- unb Wettneigungen ein unstätes Wanderleben führte, und daß er sehr oft plötzlich seine Reiseroute wechselte, zumal er in den letzten Jahren auch noch politische und kommerzielle Missionen übernommen hatte, die ihn sogar wiederholt nach Konstanti- »opel und Teheran geführt hatte, aber daß ihr Gemahl aus ihre wiederholten dringenden Depeschen nicht geantwortet hatte und auch nicht, wie sie nach ihren Depeschen erwartet hatte, inzwischen in Nizza eingetroffen war, daS beunruhigte sie doch sehr stark unb sie geriet allmählich in eine wachsende Auf­regung, so daß ihr Schwager, Herr Kingstone, alles aufbieten