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herrfel-er Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Kernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 103.

Donnerstag, den 2. September

1909.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 30. August 1909.

Das Proviant-Amt Fulda hat den Ankauf von Hafer aus der neuen Ernte ausgenommen. Der Hafer muß gut gereinigt, trocken, nicht mit Geruch behaftet und frei von ausgewachsenen Körnern sein.

Auf Wunsch werden den Produzenten gegen Tragung der Besörderungskosten Säcke zum Transport leihweise zur'Ver- sügung gestellt.

Die Vermittelung der Absuhr der Naturalien vom Bahn­hose bis zum Magazin und die einstweilige Verauslagung der Eisenbahnsracht- und Absuhrkosten bewirkt das Proviant-Amt ebenfalls.

Vor Anlieserung empfiehlt es sich, beim Proviant-Amt unter Vorlage einer Probe von mindestens Vt Liter anzusragcn. I. I. 9259. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Der Saatenstand Mitte August 1909. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I d 3646 M. d. J.)

Fruch t art e n usw.

Durü noten

Staat

hschnitts- für den

Reg.-Bez.

Cassel

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

01

20

C

1O

4

10

Winterweizen . Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen . Sommergerste . Hafer .

Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein) .

Luzerne

Wiesen mit künstlicher Be-(Ent-)wässerung

Andere Wiesen .

2,8

2,5

2,2

2,6

2,9

2,5

2,4

2,5

2,7

2,5

2,3

2,4

2,6

3,1

2,9

2,8

3,1

3,0 2^5

2,3 2,6 2,2 2,3

2,2 3,2 2,4

2,1

2,3

2,4 2,9

2,8

2,6 3,0

1

1

2

2

2

2

1

3

2

1

1 2

1 1

1

1

1 1

2

2 3

2 1

2

1

2

3 1

1

1

1

1

1

2

1

2

2

1

3

1

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.

Hersfeld, den 30. August 1909.

Unter dem Schweinebestand des Bürgermeisters Hahn in Hillartshausen ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

J. I. 9220. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von L e 0 Turn au.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der Kriminalkommissär war dadurch imstande, sich nicht nur die neuen Ausdeckungsmittel gut zu merken, sondern auch schon über deren möglichst praktische Anwendung in der Villa Jndiana und deren Umgebung nachzudenken. Dabei mußte er allerdings die Entdeckung machen, daß diese neuen Mittel aus der kriminalistischen Werkstatt der Großstädte mit der An­weisung allein nicht sofort angewendet werden konnten, sondern daß dazu auch noch die nötigen physikalischen Einrichtungen und chemischen Präparate gehörten, und vor allen Dingen auch die geschickte Hand eines erfahrenen ExperimenteurS noch dazu nötig war. In diesen wichtigen Punkten konnte hoffent- lich der Detektiv Monsieur Forbert die wünschenswerten Dienste leisten oder doch Rat schaffen, denn sonst mußte man «st noch einen der Anwendung dieser Mittel kun­digen Kriminalisten oder Gerichtstechniker aus Paris kommen lassen.

Noch mit diesen Erwägungen beschäftigt, wurde der Kriminalkommissär jetzt von einem Diener zu dem Staats- auwolt gerufen, dem er daS Ergebnis seiner Beratung mit dem Detektiv und die von diesem erhaltene Anweisung über die Anwendung ganz neuer Mittel zur Ausdeckung von Ver­brechen mitteilte.

Um die großen berühmten und auch berüchtigten Spiel­banken in Monaco war eines Nachmittags ein starkes Ge­dränge eines internationalen SpielerpublikumS und neugieriger Reisenden, die sich die Spielhölle einmal in der Nähe ansehcn wollten. Franzosen, Engländer, Russen, Deutsche, Amerikaner, Polen und Orientalen beiderlei Geschlechts drängten sich vor den Spielbanken und in den prächtigen Sälen. Viele der Damen waren in großer Toilette mit reichem Diamanten- und

In Rotensee, Kr. Hersseld, ist eine Telegraphenanstalt mit Unsallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Cassel, den 27. August 1909.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.: B u ch h o l z.

nichtamtlicher teil.

3m Erinnerung an üit Schicht W Sehnn.

Wie ein furchtbarer Donnerschlag machte Anfang September 1870 ein nur wenige Zeilen enthaltendes Telegramm des Königs vom Kriegsschauplatze, aufgegeben am 2. September V22 Uhr nachmittags vor Sedan, die Welt erzittern:Die Kapitulation, wodurch die ganze Armee in Sedan kriegs- gefangen, ist soeben mit dem General Wimpffen geschlossen, der an Stelle des verwundeten Marschall Mac Mahon das Kommando führte. Der Kaiser (Napoleon) hat nur sich selbst mir ergeben, da er das Kommando nicht führt und alles der Regentschaft in Paris überläßt. Welch eine Wendung durch Gottes Führung". Ein erschütterndes Stück Weltgeschichte, schwerwiegender als die Bedeutung eines jahrhundertelangen Ganges ruhiger Entwicklung, ist in diesen wenigen, nicht von tönenden Worten und Ueberhebung des Siegers erfüllten, sondern des Allmächtigen gütige Hand schlicht anerkennenden Sätzen enthalten. Die stolze, sieggewohnte französische Armee unter dem berühmtesten ihrer Generale geschlagen und kriegs- gefangen und der Kaiser Napoleon sich dem erlauchten Sohne der edlen Königin Luise, die sein Vorfahr im Jahre 1807 bei Tilsit tödlich beleidigt hatte, mu im Jahre 1870 auf Gnade und Ungnade ergebend! das war etwas so Ungeheures, daß man es in der ganzen Welt im ersten Augenblick nicht recht zu fassen vermochte. So war denn auch in allen deutschen Gauen und überall, soweit die deutsche Zunge klingt, der erste Eindruck dieser Nachricht ein starres, wortloses Staunen, das dann in unermeßlichen Jubel überging.

Mit einigen Worten sei in ihren Hauptumrissen der Er­eignisse gedacht, welche dem Ruhmestage von Sedan voran- gingen. Nach den großen Schlachten bei Metz war die fran­zösische Armee des Marschalls Bazaine in dieser Festung durch Die vom Prinzen Friedrich Karl befehligte Heeresabteilung eingeschlossen, während Malschall Mac Mahon nach der Nieder­lage von Wörth aus Chalons zurückeilte. Hier erwartete man eine weitere Entscheidung, doch die Geschicke gestalteten sich anders. Man fand das Lager dort leer und niedergebrannt. Mac Mahon war am 22. August von dort abmarschiert; wohin er sich gewendet hatte, ob nach Paris zum unmittel­baren Schutze der Hauptstadt oder nach einer andern Richtung, blieb zunächst ungewiß. Durch die vorauseilende Kavallerie wurde aber der Schleier bald gelüftet. Sie stellte fest, daß er in nordöstlicher Richtung abgerückt war, offenbar um von Norden her nahe der belgischen Grenze auf Metz vorzustoßen

Perlenschmuck erschienen, und manche von ihnen trugen aus Angst vor den gerade in Monaco sehr gesürchteten Taschen­dieben ihre gefüllten Geldbörsen in der Hand. Mit unheim­licher Schnelligkeit wurde von den Spielern die Einsätze den Bankhaltern und ihren Helfern zugeschoben und mit ebensolcher Schnelligkeit wurden die Gewinne ausgcteilt. Viele Spieler sahen ihre Einsätze in Goldmünzen und Banknoten aber auch aus Nimmerwiedersehen verschwinden und liefen schließlich an ihrem Glücke verzweifelnd mit leeren Taschen davon. Man erzählte sich vor den Spielbanken aber auch säst jeden Tag erstaunliche Dinge von großen wachsenden Gewinnen. Sollte dort der kleine dicke Amerikaner vorige Woche sein ganzes Ver­mögen verloren, dann von einem mitleidigen Russen eine Hundertfrancs-Note erhalten und sofort mit dieser von neuem sein Glück in der Spielbank versucht haben, und nun war ihm seit fünf Tagen daS Glück hold geblieben. Würde er sich nun mit dem gewonnenen Geld zurückziehen, oder würde er weiter der teuflischen Leidenschaft stöhnen, die so große Geldopscr in oft wenigen Minuten ersordert, daß ein Dutzend armer Fami­lien damit den Grundstein zu ihrem Wohlstände legen könnten? Das Ende der waghalsigen Spieler ist nie ab- zusehen I

Mit den Spielern und harmlosen Reisenden, die nur die Neugier einmal nach Monaco treibt, vermischt sich aber auch und meistens ganz unbemerkt ein internationales Gaunervolk und Hochstablertum. Leute, die äußerlich mit größtem Prunk und Pomp in Monaco auftreten, sind oft Vertreter der raffi­niertesten Verbrecherbanden und haben vielleicht erst vor wenigen Wochen daS Gefängnis verlassen.

Die französische Polizei hält daher auch stets in Monaco neben den fürstlichen Polizisten von Monaco einige Geheim- Polizisten, die wie seine Herren scheinbar ganz harmlos unter den Spielern verkehren, aber dabei doch immer die Augen offen haben, ob sie nicht einen großen Gauner oder eine rasti- nierte Gaunerin in Monaco ersassen können.

Heute handelte eS sich für die zwei französischen Geheim­polizisten, die ständig in Monaco stationiert waren, um eine bestimmte Ausgabe, sie sollten, wie ihnen auS Nizza der Aus- trag erteilt worden war, aus einen jungen blonden Mann, der

und den Entsatz der dort umklammerten Bazainischen Armee zu bewirken.

General von Molcke entwarf hieraus den vom Könige ge­nehmigten Plan, sofort mit der in. Armee, die unter dem Befehl des Preußischen Kronprinzen stand, rechts, das heißt nach Norden, abzumarschieren und die unter Führung deS Kronprinzen von Sachsen neugebildete Maasarmee ebensalls in dieser Richtung anzusetzen. Es galt nach den großzügigen Absichten unseres berühmten Heerführers, nicht nur den Mar­schall Mac Mahon von Metz abzuwehren, sondern ihn von Paris endgültig abzuschneiden und ihn gegen die belgische Grenze zu drängen, wo dann ein Entscheidungskamps auf Tod und Leben bevorstand. Verlies er für die französischen Waffen unglücklich, dann war des Marschalls Schicksal besiegelt: ent­weder mußte sein Heer auf das neutrale belgische Gebiet über­treten, oder es mußte sich ergeben, in beiden Fällen war es für Frankreich verloren. Feldmarschall Moltke sagt in seiner Geschichte des Krieges von 1870/71, man habe im Felde vielfach nur mit Wahrscheinlichkeiten zu rechnen, und das Wahrscheinliche sei meist, daß der Gegner die richtigste, das heißt für ihn günstigste Maßregel ergreift. Als eine solche fei es aber nicht anzusehen gewesen, wenn das sranzösische Heer PariS entblößte; der Zug nach Norden erschien bcsremd» lich, selbst etwas abenteuerlich. Und tatsächlich hat er sich als ein Abenteuer von den für den Kaiser Napoleon und seine Herrschaft verderblichsten Folgen erwiesen.

In den letzten Tagen des August war die zur Entscheidung ersordcrliche Vereinigung der deutschen Sireitkräfte durchgesührt; ihr folgten eine Reihe der glänzendsten Kämpse mit dem be- kannten Enderfolge von Sedan: am 29. August das Gefecht bei Nouart, am 30. die Schlacht bei Beaumont, die mit einer völligen Urverraschung der mit ihrer Mittag-mahlzeit be­schäftigten Franzosen begann und endlich daS heiße Ringen um Sedan am 1. September. Trotz dichten Nebels begann der Kampf schon am frühen Morgen bei Bazeilles, wo die Bayern ein äußerst heftiges Gefecht zu bestehen hatten und Haus für Haus erobern mußten; auf der ganzen Linie ent­spann sich ein gewaltiges Artillerieseuer, unter dessen Schutz die Infanterie, deren Vorgehen durch Waldstücke und tief ein- geschnittene Schluchten erschwert wurde, allmählich vordrang und den Ring um den Feind von Stunde zu Stunde enger zog, bis dessen Kraft nach heldenmütigem Widerstände erlahmte. In regellosen, von den deutschen Granaten begleiteten Haufen drängten die Franzosen von allen Seiten nach Sedan hin zusammen, bald stiegen Feuersäulen aus der Stadt auf, bis etwa um Va5 Uhr nachmittags weiße Fahnen aus den Türmen sichtbar wurden und der Kampf erlosch.

Der glänzende Sieg hatte den Deutschen 460 Offiziere und 8500 Mann gekostet, der Verlust der Franzosen betrug daS Doppelte, etwa 17 000 Mann. Außerdem fielen schon während des Kampfes 21000 und durch die Kapitulation 83 000 Mann in Gefangenschaft, etwa 3000 Mann waren auf belgischem Gebiet entwaffnet worden. Zwei Armeekorps

angeblich Maler war und in Nizza den Namen Lionel Forester geführt hatte, fahnden, denn dieser junge Mann war nach den Angaben der Nizzacr Polizei der Beteiligung an einem großen Raubmorde verdächtig und konnte sich nach Monaco gewandt haben. Die Geheimpolizisten hatten auch eine genaue Be­schreibung der angeblichen Lionel Forester erhalten und ob­wohl sie sich daraus verstanden, ihre Leute zu erkennen, wenn diese sich den Bart hatten abnehmen oder sich durch Perrücken und falsche Bärte versucht hatten, unkenntlich zu machen, so war eS den Geheimpolizisten doch nicht gelungen, den Ge­suchten in Monaco zu entdecken, obwohl sie nun zwei Tage auf ihn gefahndet hatten.

Er ist überhaupt jetzt kaum ein verdächtiger Jndividium hier", meinte der Geheimpolizist Meunier leise zu seinem Kollegen Rostan.

Nun, wenn nur der dort drüben sitzende, so großspurig halb spleenig, halb verschlagen austrctende Blonde mit den starken goldnen Augengläsern nicht zur Zunst der ganz großen Gauner gehört. Er ist erst gestern angekommen und tut auS, als wolle er schon heute die Bank von Monaco sprengen', flüsterte Rostan.

Wenn Deine Spürnase nicht bald bester wird, so muß ich mir vom Präfekten einen andern Kollegen auSbitten. Na, so ein Verdacht inS Blaue! Der Blonde ist doch der ameri­kanische Konsul auS Konstantinopel oder auS Smmma. Er ist von Geburt Engländer, und daher hat er das Recht, etwas spleenig und seltsam zu sein. Dabei ist er sehr reich, man sagt sogar, er sei unermeßlich reich. Er heißt Sir Edward Fox, und er kam früher schon öfter nach Monte Carlo. Dann hat er eine etwas exzentrische Amerikanerin, die aber auch sehr reich ist, geheiratet und dadurch ist er wahrscheinlich auch amerikanischer Konsul geworden."

Weißt Du daS ganz genau, Meunier?, frug Rostan ganz betroffen,daß dieser Mann amerikanischer Konsul ist?'

Ja, wir wissen daS genau und misten noch mehr", er­klärte Meunier triumphierend,Sir Edward Fox ist vor etwa drei Monaten amerikanischer Vizekonsul geworden, als er in Konstantinopel irgend etwas Wichtiges für Amerika erreicht hatte. Ich habe es in den Zeitungen gelesen und dieses