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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 101.

Sonnabend, den 28. August

1909.

9

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 23. August 1909.

In weiteren Kreisen scheint die nicht zutreffende Ansicht zu herrschen, daß die zu gewerblichen oder zu öffentlichen Ver- waltungszwccken beschafften Vorräte an BeleuchtungSmitteln von der Nachsteuer befreit seien.

Im Interesse einer ordnungsmäßigen Durchführung deS Leuchtmittelsteuer-Gesetzes mache ich die Kreiseingesessenen daraus aufmerksam, daß die Vorschrift deS § 39 Abs. 2 deS Gesetzes dahin auszulegen ist, daß nur die privaten Haushaltungs­zwecken dienenden Beleuchtungsmittel von der Nachsteuer be­freit bleiben.

Gleichzeitig verfehle ich nicht auch darauf aufmerksam zu machen, daß nach dem Stempelsteuergesetze vom 26. Juni d. J. eine erhöhte Abgabe bei Lustbarkeiten eingetreten ist.

Nach Tarifstelle 39 ist zu der Genehmigung der Tanz­belustigung ein Stempelbogen von fünf Mark und nach Tarisstelle 51 zu der Genehmigung der Verlängerung der Polizeistunde ein solcher von 1,50 Mk. zu verwenden.

I. 8847. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 24. August 1909.

Der Fleischbeschauer Johannes Steinhauer in Motzseld ist verstorben.

Ich habe bis aus Weiteres mit der Versehung der Geschäfte eines Fleischbeschauers in Motzseld den Fleischbeschauer Deiseroth. in Hilmes beauftragt.

I. 9022. Der Königliche Landrat

UM» Grunelius.

Hersseld, den 24. August 1909.

Die Herren Minister für Handel und Gewerbe sowie des Innern haben derCaskoper Sicherheitssprengstoff-Aktien- Gesellschaft Dortmund" in Dortmund genehmigt, daß sie die Angabe der Jahreszahl und Nummer auf den Behältern und Patronen, welche im § 24 der Polizei-Verordnung vom 14. September 1908 (Amtsblatt S. 224) betreffend den Ver­kehr mit Sprengstoffen, vorgeschrieben ist, auch in chiffrierter Form anbringen darf.

Im Bedarfsfälle wird die genehmigte Chiffcrform mit Er­läuterung von der genannten Aktien-Gesellschaft durch meine Vermittelung angefordert werden.

I. 8842. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher Lei!.

Politischer Wochenbericht.

In der inneren Politik Deutschlands herrscht zur Zeit Ferienstille, und das ist ja auch nach der an

Manovorroson.

Von Käte Lubowski.

Der Oberleutnant Gerd Hillmann hatte im verflossenen Manöver die schmerzlichste Niederlage seines bisherigen Lebens zu verzeichnen gehabt. List und Klugheit waren dagegen umsonst aufgewandt. Er war so gründlich besiegt, daß er jetzt wo der Krieg im Frieden wiederum bevorstand die verlorenen Streitkräfte längst noch nicht zurückgewonnen hatte.

Der Amtsrat Riedener aus Schlobach hatte ihm nämlich die Hand seiner Tochter versagt, trotzdem diese von Herzen gernwollte".

Die eigentliche Schuld trug eine Urgroßtante des Riedeners, von der in der Familienchronik zu lesen stand,daß der Leut­nant GenentiuS ihr unschuldig Hertz berücket und nachmalen nicht heiligen Ernst walten ließ, worob sie unter kläglichen Qualen zum frühen Grabe gesiechet sei".

Die frische SiegeSgewißheit deS Werbenden, die eine Ab- iehnung gar nicht in Betracht zog, mißfiel dem Amtsrat auch "och gründlich.

Gerd Hillmann konnte so schlecht heucheln. Er hatte doch von dem Tage deS Kennenlernens an gewußt, daß ihre Herzen einander in ehrlichem Gefühl zustrebtrn.

Die unvorhergesehene Entscheidung traf ihn daher wie ein Schlag. Er hatte sich mit aller Krast aufrecht erhalten müssen.

Sie werden sich besinnen, Herr Amtsrat, eS ist wohl nur ein Scherz oder eine Prüfung, ob die schnellgewachsene Liebe auch nicht welk wird."

Und der AmtSrat dagegen:Jawohl, ich werde mich be­sinnen, Herr Oberleutnant Hillmann, aber erst, wenn meine UnglückSrosen Sie haben wohl gehört, daß sie trotz vier- lähriger unermüdlicher Pflege nicht gedeihen wollen die ersten Blüten tragen. Mein Wort darauf. Bis dahin haben wir wohl einander nichts mehr zu sagen."

W$, diese Rosen I Ein in der Gegend herumreisender hatte sie seinerzeit dem alten Riedener für teureS Geld ausgeredet. Seither war reichlich Chili und Kalk, Mutterboden und Ruß für sie ausgewendet. Ihre Kronen

Arbeiten und Kämpfen reichen parlamentarischen Kampagne, die hinter unS liegt, durchaus verständlich. Sowohl in Regierungskreisen wie aus Seiten der Volksvertretung bedarf man gegenwärtig der Ausspannung und Erholung. Je weniger aktuellen Stoff aber die Gegenwart darbietet, desto mehr richten sich unsere Blicke in die Zukunft, und desto stärker regen sich Wünsche und Hoffnungen mancherlei Art in unS. Besonders ersehnen zweifellos alle wahrhaft patriotisch gesinnten Kreise von Herzen die Beilegung des gegenwärtig im bürgerlichen Lager herrschenden Zwistes, der am letzten Ende nur neues Wasser aus die Mühlen der Sozialdemokratie leitet und die Früchte des bürgerlichen Wahlsieger von 1907 gründlich in Frage stellt. Es wäre wirklich an der Zeit, die unfruchtbaren gegenseitigen Beschuldigungen über daS Ver­gangene fallen zu lassen und sich wieder die Hände zu ge­meinsamem Wirken im Dienste des Vaterlandes zu reichen. Unnützes Erinnern zu lebendiger Zeit" hat noch immer Schaden gebracht. Groß sind die Ausgaben, die unser auch in der Zukunft harren, und sie können nur gelöst werden durch die gesammelte Kraft des deutschen Bürgertums.

Welche große, den Bestand der gesamten Kultur und des menschlichen Gemeinschastslebens bedrohende Gefahr die So­zialdemokratie darstellt, hat sich soeben wieder an dem General st reik in Schweden gezeigt. Der Streik, der in den letzten Zügen liegt und schon heute als völlig verloren für die Arbeiterschaft betrachtet werden muß, war in seiner Entstehung und feinem Verlause ein ausgesprochenes Produkt sozialdemokratischer Hetzarbeit. Die Zahl der verlorenen GeneralauSstände ist durch ihn um einen weiteren Fall ver­mehrt worden, und der gesamten europäischen Arbeiterschaft, soweit sie im Banne der Re^lutionspartei liegt, ward eine neue empfindliche Lehre zuteil. Außerordentlich groß ist daS Elend, daS durch den schwedischen Generalstreik herauf, beschworen ist, und unabmeßbar geradezu sind die Werte, die durch ihn srivolcrwcise vernichtet wurden. Schuld und Ver­antwortung hierfür aber fallen aus das Haupt der revolutio­nären Hetzer, in deren Chorus naturgemäß auch die deutsche sozialdemokratische Presse und allen voran daS Zentralorgan der Genossenpartei, derVorwärts", nicht fehlen durfte. Noch augenblicklich, wo doch der Mißerfolg deS Streiks fchon klar vor jedermanns Augen liegt, wird in den Spalten dieses Blattes gehetzt und geputscht. Hoffentlich lernen die verführten und betörten Massen endlich doch noch einmal den sittlichen Unwert und die Arbeiterseindlichkeit eines derartigen Treibens durchschauen.

Die dunklen Wolken am politischen Horizont, die durch die kretische Frage hervorgerufen waren, haben sich gegen- wärtig wieder verzogen. Ohne bemerkenswerte Zwischenfälle ist die griechische Flagge von den Schutzmächten niedergeholt worden, und Griechenland hat der Pforte eine Erklärung zu- gehen lassen, mit der diese sich zufrieden gibt, wenngleich der Inhalt der Note nicht ganz den türkischen Wünschen entspricht. Die kretische Frage liegt somit wieder in den Händen der

standen dunkelgrün und dicht, ober an das Blühen dachten sie nicht. Rose Riedinger abonnierte auf vier Gartenzeitungen. Gerd Hillmann hatte ein Stückchen Garten unterhalb der Kaserne gepachtet und mit Rosen bepflanzt. Er wollte ihre Behandlung praktisch erlernen. Als sie zum erstenmal in Dust und Glanz standen, erhielt er einen Bries von seiner Rose aus dem Helle Verzweiflung glühte.

Ach, Du, wie ist doch das Leben furchtbar schwer. Vater geht eS schlecht. Der Schimmel hat ihn abgeworfen. Eine böse Sehnenzerrung sesielt ihn für Wochen an daS Bett. Ach, Liebster, und die dummen Rosen wollen nicht blühen. Ich habe so viel mit ihnen ausgestellt, daß nun auch die Kronen langsam aber sicher kapnt gehen. Wenn Du wieder in unsre Gegend kommst, ist wohl auch Deine Rose elend vertrocknet."

Gerd Hillmann meldete sich für 24 Stundenkrank". Er war auch wirklich elend. Nebenbei hielt er mit dem Zeigefinger die Augen, mit dem Daumen die Ohren zu, wie er es schon als Schüler bei besonders schwierigen Aufgaben getan hatte. Er dachte nämlich nach, nahm keinen Bissen zu sich, sondern seufzte nur manchmal:Ich finde wahrhaftig nichts." Gegen Mitternacht endlich gab er seinen Händen eine andere Arbeit. Er schrieb an die Geliebte:

Ich wollte einen Staatsstreich herauSklügeln, und ich kann nicht!"

Verschlossen wurde dieser Bries indessen noch nicht. Ein Rot stieg langsam in daS junge, tiesgebräunte Gesicht. Pfui, Teusel, was stand da?Ich kann nicht!" Aaach, Seiner Majestät treuer Offizier, der vor Jahren in Südwest den ver. schlagenen Breitnasen gezeigt, wie gerecht, aber auch wie sicher ein deutscher Arm zuschlägt, der kann plötzlich nicht! Großpapa Hillmann, der du Sedan mitretten halfst, hast du es gehört, waS dein Enkel für ein Mißwuchs ist?

Gerd Hillmann sprang empor, zerriß daS Schreiben in kleine Fetzen, starrte inS Morgenrot und jauchzte auf.

Ein neuer Brief entstand.

Mut, meine geliebte Rose, es wird alleS gut werden.

In einer Woche haben wir unS wieder."

*

Schutzmächte, die sich ausdrücklich verpflichtet haben, die türkischen Souveränitätsrechte über Kreta vor fernerer Ver­letzung zu schützen. Nicht so klar und befriedigend erscheint die Lage in Mazedonien. Hier haben die Mächte selber ihrem Mitregiment durch Abberufung der fremden Offiziere und Zivilagenten ein Ende gemacht und damit die Herrschaft der Pforte wieder in vollem Umfange anerkannt. Es dürste daher auch nur logisch und gerecht sein, wenn die euro­päischen Mächte der ottomanischcn Regierung bei Beseitigung deS griechischen Bandenunwesens völlig freie Hand lassen und diese Frage, die nachgerade zu einer Lebensfrage für die Türkei geworden ist, nicht vor ihr Forum ziehen wollten. Nur so bleibt die Angelegenheit lokalisiert, und eS wird vermieden, daß sich daraus Zündstoff für einen europäischen Konflikt entwickelt.

In Marokko haben die S p a n i e r bei Bekämpfung der Kabylen nach wie vor einen schweren Stand, und eS ist noch nicht abzusehen, wie sie sich auS der unbequemen Situ­ation ohne verhängnisvolle Folgen für die innern Zustände ihres Vaterlandes wieder herausziehen werden. DaS marokka­nische Abenteuer droht die mühsam in Ordnung gebrachten Finanzen sowie die Verwaltung und daS Heerwesen SpanienS von neuem zu zerrütten, und der Preis, um den gekämpft wird, erscheint der Opfer nicht wert, die gebracht worden sind und weiter gebracht werden müssen. Im übrigen haben die allgemeinen marrokkanischen Verhältnisse durch die Vernichtung der Macht BuhamaraS und seine Gefangennahme eine merkliche Wendung zugunsten Mulay HafidS genommen. Damit ist der gefährlichste Widersacher deS Sultans beseitigt, und eS steht zu hoffen, daß die inneren Zustände deS scherifischen Reiches»nunmehr allmählich völlig gesunden werden.

Ne Vorgänge in *Mb.

Das Schicksal deS marokkanischen Thronprätendenten Bu Hamara, der von allen feinen Gegnern dem Sultan Mulay Hafid am längsten Widerstand geleistet hat, ist nun endlich entschieden. Aus dem Schutze des geweihten Asyls vertrieben, hat er sich den siegreichen Scherisentruppen ergeben müssen, die ihn sofort unter großer militärischer Bedeckung nach Fez ge­sandt haben.

Die Gefangennahme vollzog sich am Sonntag abend in der Zauya von Mulay Anbanc. Der Pascha von El-Ksar, Buchtaben Bagdadi, der eine Mahalla von 8500 Mann und 2000 Reitern befehligte, zernierte den ganzen Distrikt. Da­raufhin flüchtete der Roghi mit einigen wenigen Anhängern in ein unverletztes Heiligtum. Um ihn zu fangen, was unter diesen Umständen nach den Landessitten nicht leicht war, legte man Feuer an das Heiligtum und räucherte ihn aus. Der Roghi kam zum Vorschein und verteidigte sich, einen Revolver in der Hand, wütend gegen seine Angreifer, mehrere Reiter aus dem Sattel schießend. Endlich wurde er überwältigt, in

AmtSrat Riedener quälte feine Umgebung feit Wochen recht niedlich. Er bildete sich ein, es ginge ohne ihn in der Wirtschaft alles drunter und drüber, ja, er redete bereits ohne Fieber zu haben, von einer zu erstehenden Drehorgel als Alterserwerb.

Rose hörte ruhig zu, nickte nur zuweilen und warf hin: Und ich, Vating, hüte dann irgendwo die Gänse!"

Wenn du keinen soliden Mann finden kannst, ist das für dich daS Beste."

Sie war seit kurzem merkwürdig ruhig.

Ich habe gestern dem Nachbar Hellherrn geschrieben, daß ich seinen ehrenvollen Antrag leider ablehnen muß, weil ich eine Ehe ohne Liebe alS die größteste aller Sünden erachte."

Dem reichen Hellhern, den sonst jede nehmen würde?" Demselben!"

Bist du verrückt, Mädchen?"

Nur treue, Vater. Nichts weiter. Sollte ich von einem Herrn zum andern schwenken. Willst du daS wirklich?"

Der AmtSrat war an sein krankes Bein gekommen und stöhnte laut aus. Ich habe mit meinen Rosen nun mal kein Glück! Gib mir einen SchnapS!"

Du darfst keinen, hat der Doktor gesagt!"

Der Doktor ist ein Affe!"

Sie zuckte ungerührt die Achseln.Ich will dir ein bißchen aus der Zeitung vorlesen, Vater, dann vergißt du die Schmerzen." Und sie laS:Manöverfteuden. _3ung und alt rüstet emsig zum Empfang der liebgewordenen Spätsommer- gäste. Unsere liebe Artillerie ist wieder in Sicht. In vier Tagen rückt sie ein. Wie wir auS zuverlässiger Quelle hören, hat Gut und Dorf Schlobach diesmal den Löwenanteil an der Einquartierung. DaS wird dem letzten Hafer gut zu- statten kommen, denn die Vaterlandsverteidiger lohnen die ihnen entgegengebrachte Liebe durch fröhliches Mithelfen bei der Erntearbeit."

Der AmtSrat stöhnte etwas:Gib mit einen Kognak."

Diesmal tat sie ihm den Willen. Seine momentan ge­sunkene Lebenskraft wurde wieder lebendig, die Stimme all- mählich zum Donnern.