Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ^

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespaltenen Zeile lOpfg.,im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^^»««

Herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 100.

Donnerstag, den 26. August

1909.

Amtlicher Ceil.

HerSfeld, den 20. August 1909.

Die auf Donnerstag, den 2. und 23. September d. I. in der Stadt Fulda angesetzten Viehmärkte werden unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 2 der Polizeiordnung vom 23. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks Handelns innerhalb des Stadtbezirks vor und während der Dauer deS Marktes verboten.

I. 8898. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Polizeiverordnung.

Aus Grund des § 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neu er­worbenen Landesteilen und deS § 143 deS Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung der Gemeindevertretung für den Gemeindebezirk SchenklengSseld folgende Polizeiverordnung erlassen.

§ 1.

Das Hemmen ohne Hemmschraube an Fuhrwerken ist an sämtlichen Fahrwegen einschließlich der Wende-Wege in hiesiger Gemarkung verboten.

§ 2.

Das Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschasten ist verboten.

§ 3.

Das Verunreinigen der Gräben, sowie das Befahren der­selben an den Wegen außerhalb der vorgesehenen Ueberfahrten ist verboten.

Die Herstellung von Ueberfahrten über die Wegegräben, auch wenn sie nur vorübergehend angelegt werden sollen, ist ohne ausdrückliche Genehmigung der Wegepolizeibehörde ver­boten.

§ 4.

DaS Befahren der Wirtfchaftswege der hiesigen Gemarkung mit Lastfuhrwerken, sowie zum Zwecke der Bewirtschaftung von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für alle die­jenigen, welche nicht Grundbesitzer der hiesigen Gemarkung sind, verboten.

§ 5.

Es ist verboten, Steine und anderen Unrat aus die Wege einschließlich Wendewege und in die Gräben zu werfen.

Die Steine und Unrat sind vielmehr in Hausen an der Seite der Wege auszusetzen. Der Unrat ist vom Eigentümer abzufahren.

§ 6.

Das Weiden mit Vieh in den Gräben der Wege und der Verkoppelungswege ist verboten.

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von L e o T u r n a u.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Nun über Duellabsichten sprechen die Beteiligten gewöhn­lich keine Silbe", meinte der Kommissar.Aber lassen wir jetzt alle Vermutungen beiseite, die nach Ihrer Meinung als Ursachen für das Verschwinden des Herrn Lionel Forester nicht in Frage kommen können, sondern suchen wir nach dem jungen Mann wie nach einem urplötzlich aus rätselhafte Weise verschwundenen Menschen. Dazu brauche ich aber eine Beschreibung deS jungen Mannes. Wie alt ist er? begann d« Kommissar die Feststellung des Signalements und legte sich einen Fragebogen zur Ausfüllung zurecht.

Er ist siebenundzwanzig Jahre alt", rief jetzt Fräulein Gardener.

Also gut I Ein junger Maler, NamenS Lionel Forester, siebenundzwanzig Jahre alt", sagte jetzt der Kom- missar und schrieb eS zugleich in den Fragebogen.Wie ist nun seine Figur, feine Größe, sein Aussehen? Wie war er gekleidet?"

Er ist von seiner, schlanker Gestalt, etwas größer als ich, hat blaue Augen, leicht gebogene Nase, schöne gesunde Zähne, einen hübschen Mund, dunkelbraune Haare und trägt keinen Bart", berichtete Fräulein Gardener weiter,und am Tage feine« Verschwindens trug er einen hell-grauen Anzug, gelbe Schuhe, und einen schwarzen, weichen, breitkrämpigen Hut."

Ich danke Ihnen, Fräulein", entgegnete der Kommissar, während er alles in den Fragebogen schrieb.Wir können nun unsere Nachforschungen nach Ihrem verschwundenen Bräutigam mit einer entsprechenden Unterlage beginnen. Hoffentlich wird sich der Vermißte bald finden und sich sein zeitweiliges Verschwinden aus eine erfreuliche Art ausklären. Irgend welche Nachrichten, die Ihnen über den Aufenthalt oder die Rückkehr deS Vermißten zugehen sollten, bitte ich aber nur schleunigst zu melden."

§ 7.

Das Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.

§ 8.

Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizeiverordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, wird mit einer Geldstrafe von 1 bis 9 Mark oder entsprechender Haft bestraft.

Schenklengsseld, den 19. August 1909.

Die Ortspolizeibehörde. Rüger.

nichtamtlicher teil.

M schlimme Laie der Spanier in Marikks.

Ueber London und Paris sind über die Lage der Spanier in Marokko sehr böse Nachrichten eingelaufen, und wenn nicht alles trügt, so hat Spanien im Bezug auf seine Stellung in Marokko eine sehr schwere Krisis durchzumachen, vielleicht steht die spanische Besatzung in Marokko sogar vor einer Kata­strophe. Bei der anerkannten Tapferkeit der spanischen Soldaten muß man die Ursachen für die kritische Lage der Spanier in Marokko aus Gebieten suchen, die mit der KriegS- sührung nicht unmittelbar zusammcnhängcn, die aber doch stets in einem Kriege sehr viel für den Erfolg oder Mißerfolg beitragen. Die englischen und französischen Quellen wollen jetzt auf einmal wissen, daß für die spanische Besatzung in Melilla und den übrigen von den Spaniern besetzten Städten an der Küste von Marokko die größte Gefahr darin bestehe, daß die Spanier ungenügende LebenSmittel und schlechter Wasser hätten, daß die spanischen Besatzungen jeden Tag erst durch einen neuen Proviantzug die notwendigen LebenSmittel erhalten könnten, und daß die Kabylen jeden Tag ver­zweifelte Angriffe auf die spanischen Proviantzüge machen, um den Spaniern die LebenSmittelzusuhr abzuschneiden. Bedenkt man dabei noch, daß Marokko ein wasserarmes Land ist und die vorhandenen Brunnen in der Umgebung von Melilla ver­pestet fein sollen, so können Durst und Hunger der spanischen Besatzung in Marokko gefährlicher werden als die Angriffe der Kabylen. ES hat daher wenig Zweck, wenn die spanische Regierung in Madrid jeden Tag Berichte veröffentlicht, welche von Siegen der spanischen Truppen über' die Kabylen Meldungen bringen. Diese Siegesberichte bedeuten weiter nichts, als daß es den Spaniern bis jetzt immer gelungen ist, die Angriffe der Kabylen zurückzuschlagen, von einem wirklichen großen Siege der spanischen Truppen über die Kabylen kann gar keine Rede sein, denn die Kabylen sind jetzt sogar bis

Dies sagte der Kommissar noch, während die beiden Damen sein Amtszimmer verließen.

Diese Frau Gardener und Fräulein Tochter mögen sagen, waS sie wollen, der verschwundene Maler bleibt verdächtig", murmelte der Kommissar dann leise vor sich hin, alS er wieder allein war,vielleicht trägt die Meldung von dem Ver­schwinden des Malers in ganz anderer Weise zur Auf­klärung des Verbrechens in der Villa Jndiana bei als sie denken."

Dann klingelte der Kommissar einem Beamten und be­auftragte ihn, sofort nachzusorschen, ob in den Personal­akten des PolizeiamteS etwas über den Maler Lionel Forester stehe, der doch wohl schon einige Zeit in Nizza leben müsse.

Dieser Name steht schon in den Akten", berichtete darauf der Beamte,aber eS ist nichts Gravierendes dabei vermerkt, sondern er ist nur unter den voriges Jahr zugezogenen Fremden, die dauernd in Nizza Wohnung nehmen wollen, aus- geführt."

Diese Auskunft beruhigt mich nicht", erklärte der Kom­missar,rufen Sie mir doch einmal die Kriminalbeamten Terron und Bela herbei."

Bald standen diese beiden alS besonders geriebene Kriminal­beamte bekannten Männer vor ihrem Chef.

Nun, Terron und Bela, Sie haben über den schmäh­lichen Raubmord in der Villa Jndiana auch nichts erkunden können", frug der Kommissar mit verdrießlicher Miene und als er eine verneinende Antwort erhielt, fuhr er fort:

Eine nette Blamage für unS Kriminalbeamte in Nizza! Die ganze Stadt und Umgebung kommen in einen Übeln Ruf, wenn die Mörder nicht entdeckt und bestraft werden. Ein derartiges ruchlose? Verbrechen an einer Dame, und in der eigenen mit mehreren Dienstboten bewohnten Villa be­gangen, ist hier seit langen Jahren nicht vorgekommen. Wir müssen also unsere Anstrengungen verdoppeln, um auf die Spur der Verbrecher zu kommen. Und hier gebe ich Ihnen etwas zur näheren Recherche. Mir ist eben die Mitteilung zugcgangeu, daß ein junger Maler, NamenS Lionel Forester, der gestern abend auch zu dem Feste in der Villa Jndiana

Sidi Maussa in der Nähe von Melilla vorgerückt und zeigen nicht die geringste Entmutigung, auch wird aus Tanger ge- meldet, daß die Riffkabylen fortwährend Verstärkungen au? dem Inneren von Marokko erhalten. Wenn dies wahr ist, so muß auch die Haltung des Sultans von Marokko in dem Aufstande der Kabylen gegenüber den Spaniern als sehr zweifelhaft erscheinen, mindestens muß man aber damit rechnen, daß die Autorität des Sultans in Marokko immer noch sehr gering ist, und daß die meisten Völkerstämme in Marokko ihre Unabhängigkeit nach ihrer Weise leidenschaftlich verteidigen und wenig nach dem Sultan fragen. Die spanische Regierung und Militärverwaltung trifft in diesen Kämpfen aber auch der Vorwurf, daß sie ihre festen Plätze in Marokko ungenügend mit Proviant und Wasser versorgt hat, und er überhaupt nicht verstanden hat, den Feldzug gegen die auf­ständischen Kabylen wirtschaftlich und politisch vorzubereiten, denn eS ist eine bekannte Erfahrung, daß hungrige und durstige Soldaten dem Feinde nicht lange Widerstand leisten können. Auch hätte die spanische Regierung die politische Lage in Marokko und gegenüber den unruhigen Riffkabylen schon lange besser erkennen können und durch rechtzeitige Ab­senkung einer Truppenverstärkung die aufständischen Kabylen niederzwingen müssen. Man begreift jetzt auch mehr wie früher, weshalb im spanischen Volke und Heere eine so große Abneigung gegen einen Krieg in Marokko besteht, denn im spanischen Volke und Heere weiß man, daß Hunger und Durst und schwere Krankheiten viel größere Gefahren für die spanischen Soldaten in Marokko sind, als der Kamps vor dem Feinde. Zugleich sind in Spanien auch neue bedenkliche Unruhen ausgesteuert und zwar in der Hauptstadt Madrid selbst, wo verschiedene Versuche von Pöbelbanden unternommen worden sind, um die Klöster Jesus und Maria niederzubrennen und auszuplündern. Die militärische und politische Krisis dauert also in Spanien wegen der Lage der spanischen Truppen in Marokko noch immer fort, und auS der schlimmen Situation kann sich sowohl in Melilla als auch in Spanien selbst eine schwere Katastrophe entwickeln.

WssjMcksiMhe in Senf.

Am Montag nachmittag hat in dem GaSreinigungsgebäude der städtischen KaSfabrik in Gens eine folgenschwere Explosion stattgesunden, der acht Menschenleben zum Opfer gefallen find. Bisher mußten außerdem zwölf Schwerverletzte in das Kanton­spital eingeliefert werden. Die Gesamtzahl der Verwundeten beträgt nach einer Darstellung dreißig, nach einer anderen Version gegen hundert. Die Ausregung in der internationalen Fremdenstadt war ungeheuer, um so mehr, als die Toten und Schwerverwundeten zum Teil durch Brandwunden bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind. Durch die Explosion wurden in weitem Umkreise zahlreiche Häuser in Trümmer gelegt. Dem B. L. A." wird hierzu weiter gemeldet:

Zürich, 23. August. Kurz nach 4 Uhr erfolgte im

gewesen ist, seit heute morgen oder vielmehr seit letzter Nacht spurlos verschwunden sein soll. Dieser Mensch ist dadurch sehr verdächtigt. Er gilt als Verlobter eines Fräulein Gardener, der Tochter der hier lebenden Witwe deS ehemaligen amerika­nischen Generals Gardener. Hier haben Sie ein Signalement des verschwundenen Malers und noch einige Notizen über ihn und die Familie Gardener. Stellen Sie doch sofort Nach­forschungen nach dem Verbleib des Malers an und erkundigen Sie sich auch nach seinen Lebensverhältnissen. Ich wünsche, daß sich noch zwei Beanrte an den Nachforschungen beteiligen, der Fall ist wichtig, und kann zur Entdeckung der Mörder führen. Morgen früh um neun Uhr bitte ich um Bericht- erstattung über den Auftrag. Falls mein Einschreiten eher nötig erscheint, wissen Sie, wo ich auch während der Nacht zu treffen bin. Gehen Sie an Ihre Arbeit. Guten Abend!"

Am anderen Morgen erschien der Kriminalkommissär sehr zeitig in seinem Bureau, denn fast die ganze Nacht hatten seine Gedanken sich mit dem Raubmord in der Villa Jndiana beschäftigt, ohne daß er bezüglich einer möglichen Ausklärung nur eine Spur entdeckt hätte, denn soviel Kombinationen er auch machte und wahrscheinliche Motive in Betracht zog, so mußte er sie bei näherer Prüfung doch wieder alle als weil- loS bezeichnen. Er brannte daher förmlich daraus, von den Kriminalbeamten, die sich während der Nacht mit dem Raub- mord beschäftigt hatten, etwas zu erfahren oder von sonst einer Seite eine wichtige Nachricht in der Sache zu erhalten. War eS doch bei großen Verbrechen schon vorgekommen, daß die Polizei wertvolle Anzeigen von unbekannten Personen durch anonyme Briefe erhalten hatte. Aber unter den eingegangenen Briefen befand sich keine Mitteilung bezüglich der Thompson- schen Raubmordsache, nur auS Baden-Baden war eine De­pesche von Mistreß Lilian Fox, der älteren Tochter Frau ThompsonS, angekommen, in welcher diese mitteilte, daß ihr Mann sich jetzt in Italien auf Reisen befinde, und nicht so­fort nach Nizza fahren könne, daß sie aber selbst schleunigst