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herssel-er Mirblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. SS.Dienstag, den 24. August 1SVS.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 18. August 1909.

Es erscheint dringend erwünscht, die Schafbesitzer in ge­eigneter Weise auf die Notwendigkeit der Anzeige schon beim V e r d a ch t e der Schaf-Räude und aus die unliebsamen Folgen beim Unterlassen der Anzeige eindringlichst aufmerksam zu machen.

Der Verdacht der Räude besteht immer, wenn die Schafe auffallendes Juckgesühl haben und sich oft scheuern und kratzen und zwar an Stellen, an denen die Haut schorfig verändert und die Wolle von der Haut mehr oder weniger abgehoben ist. Gelegentlich vorhandene Hautschmarotzer oder gar ein schmutziges und verfilztes Wollflies vermögen derartige Ver- schorsungen der Haut und das für Räude charakteristische Juckgefühl beim Berühren der krankhaft erscheinenden Haut- stellen nicht hervorzurufen, wie vielfach in Interessentenkreisen zu behaupten versucht wird.

Die alsbaldige gänzliche Ausrottung der Räude gelingt nur dann, wenn sich die Schasbesitzer dazu entschließen, den Bedarf an Ersatzschafen durch eigene Aufzucht zu decken und den Schäfern jeglichen eigenmächtigen Handel mit Schafen zu verbieten.

Den Wanderherden, die vielfach die Räude verschleppen, wird stets eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden sein.

In der Bekämpfung der Schafräude wird durch daS dem­nächst in Kraft tretende Viehseuchen-Gesetz eine Aenderung nicht eintreten.

Die Annahme, daß das neue Gesetz mildere Maßnahmen zulasse oder daß die veterinärpolizeiliche Bekämpsung der Seuche ganz in Fortfall komme, ist nicht zutreffend.

Die Herren Bürgermeister des Kreises, in denen sich Schafherden befinden, ersuche ich, die Schasbesitzer entsprechend zu belehren und mir über daS Geschehene binnen 3 Wochen zu berichten.

I. 8685. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

HerSfeld, den 14. August 1909.

Um die Unterlagen für die Kirchensteuer-Veranlagung zu gewinnen, hat der Kirchenvorstand der hiesigen katholischen Gemeinde ersucht, die Ortsvorstände zu veranlassen, ihm folgendes mitzuteilen:

1) Die Namen sämtlicher innerhalb der einzelnen Ort­schaften des Kreises zur Staatseinkommensteuer veranlagten Katholiken, und der auf sie veranlagten Staatseinkommensteuer- Sätze.

2) Die Namen des katholischen Teiles gemischter Ehen, soweit von den Ehemännern Einkommensteuer gezahlt wird, und der von den evangelischen Männern katholischer Frauen gezahlten Kirchensteuern.

Ich weise die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von L e o T u r n a u.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ich halte daS Suchen in dieser Richtung für verfehlt", murmelte der Kriminalkommissär seuszend,meine Meinung ist vielmehr die, daß eine raffinierte Gaunerbande den Raubmord nach kühler, raffinierter Vorbereitung in der frechsten Weise auSgeführt hat, und meine Hoffnung bezüglich der Entdeckung der Verbrecher stütze ich daraus, daß jedenfalls auch wertvolle Familiendiamanten oder Perlen gestohlen worden sind, die irgendwo verkauft werden, und über die fehlenden Familien- diamanten und deren Beschreibung werden unS wohl die Töchter und Schwiegersöhne der Frau Thompson nähere An­gaben machen können. In dieser Richtung müssen wir mit grober Gründlichkeit und Umsicht unsere Nachforschungen an- ftellen. Das erscheint mir wichtiger als das sehr zweifelhafte Suchen nach der rätselhaften Dame in rosa. Dies werde ich ovch morgen dem Herrn Staatsanwalt unterbreiten."

Ziemlich erschöpft von den außergewöhnlichen Aufregungen und langen Untersuchungen, die der heutige Tag dem Krimi- unlkommissar gebracht hatte, ließ er sich jetzt aus ein kleines mit Leder bezogenes Sofa in seiner Amtsstube nieder und zündete sich eine Zigarre an. Er mußte heute bis nachts zehn Uhr im Dienste bleiben, um etwaige Meldungen der Kriminal- beamten und Gendarmen in der Thompsonschen Raubmord­fache noch entgegenzunehmen und entsprechende weitere DiS- pofrtlonrn, falls solche nötig sein sollten, zu treffen. Langsam

^"uchwolken der Zigarre in die Lust blasend, überdachte ver Kriminalkommissär nochmals den ebenso schweren als eigen-

' $toubmorbanfan in der Villa Jndiana, er konnte aber PWmet Kriminalbcamter sich nicht dazu entschließen, ngenv welche geheimnisvolle Romantik mit dem Verbrechen in Beziehung zu bringen, sondern sein kühler Verstand sagte ihm daß es eben nur ein frecher mit ganz raffinierten Mitteln durchgeführter Raubmord war, und

Kreises (mit Ausnahme der Stadt HerSfeld), soweit in den Ortschaften Katholiken wohnen, an, solche Nachweisungen aus- zustellen und binnen 8 Tagen an Herrn Curatus Goldbach hier einzusenden.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Deranlagungs-Kommission:

I. Nr. 2007. von Grunelius.

HerSfeld, den 19. August 1909.

Die zweite fünfjährige Wahlperiode der Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten bei den unteren Verwaltungs­behörden geht mit Ablauf dieses Jahres zu Ende. Nach § 5 der Wahlordnung vom 21. September 1899 (Amtsblatt S. 289) sind die Neuwahlen in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 15. November d. JS. vorzunehmen.

Gemäß § 6 der Wahlordnung haben die Herren Orts- bezw. Gutsvorstände zu vermitteln und mir spätestens bis zum 20. September d. Js. anzuzeigen, wieviel Personen in den Gemeinden vorhanden sind, welche Jnvalidenkarten besitzen und keiner Orts- oder Fabrikkrankenkasse angehören.

I. 8708. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 21. August 1909.

Der Bürgermeister Wilhelm Branden st ein in Heimbolds­hausen ist am 19. d. MtS. für einen weiteren achtjährigen Zeitraum als solcher wiedergewählt worden.

Ich habe diese Wiederwahl bestätigt.

A. 5513. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

Hersseld, den 20. August 1909.

Die unter dem Schweinebestand des Wollspinner- Kühn an der Obergeis hier auSgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 8827. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

3m MrhMertfckr des Tiroler Freiheiiskom-fts.

In Tirol haben die mancherlei Festlichkeiten begonnen, durch welche man dort die hundertjährige Wiederkehr der Tage der heldenmütigen Erhebung des wackeren Tiroler Volkes gegen drückende Fremdherrschaft feiert, welche Jubel­feier mit der bevorstehenden Anwesenheit des greifen Kaisers Franz Joses in Innsbruck und Bregenz ihren Glanz- und Höhepunkt erhalten wird. Mit vollem Recht dürfen die Tiroler ihr hundertjähriges Freiheitsjubiläum begehen, denn

daß man dieser surchtbaren Tat entsprechend auch handeln müsse.

In diesen Gedanken wurde der Kommissar jetzt plötzlich durch daS Eintreten deS wachthabenden Beamten unterbrochen, der zwei Damen meldete, die in der Thompsonschen Mordsache noch eine wichtige Anzeige machen wollten.

Wenige Augenblicke später standen eine ältere und eine junge, sehr hübsche Dame, letztere heftig weinend, vor dem Kriminalkommissär.

Nun, meine Damen, Sie wollen eine wichtige Anzeige inbezug auf den an Frau Thompson letzte Nacht begangenen Raubmord machen", frug der Kommissar gespannt.Wollen Sie mir erst Ihre Namen sagen!"

Mistreß und Miß Gardener aus Washington, Nord­amerika, ich bin die Witwe des amerikanischen Generals George Gardener, lebe seit sieben Monaten in Nizza und bin durch meinen leider zu früh verstorbenen Mann mit der so schändlich ermordeten Frau Thompson weitläufig ver- wandt."

WaS haben Sie mir nun inbezug aus den Raubmord zu melden, Mistreß Gardener?" frug der Kommissar weiter und fixierte die beiden Damen sehr schaff.Haben Sie irgend welche wichtige Beobachtungen gemacht oder können Sie gegen eine Person einen ganz bestimmten Verdacht aus­sprechen ?"

Das vermögen wir in keiner Weise", erklärte Frau Gardener,aber 'wir möchten eine andere Anzeige machen, die mit dem Verbrechen in irgend einer Verbindung stehen könnte."

Und wie lautet diese Anzeige?" frug der Kommissar sehr interessiert.

Der Bräutigam meiner Tochter, Herr Lionel Forester, ist seit letzter Nacht spurlos verschwunden!" meldete Frau Gardener.

Ja, wie soll ich daS verstehen, liebe Frau", entgegnete der Kriminalkommissär.Sollen wir aus dem Verschwinden des Bräutigams Ihrer Tochter schließen, daß er an dem Verbrechen beteiligt sein könnte?"

O nein, o nein!" riefen die Damen heftig abwehrend,

das, was sie, das schlichte, ganz auf sich selbst angewiesene, ungenügend bewaffnete Bergvölklein vor hundert Jahren im blutigen Kampfe gegen einen übermächtigen Feind geleistet, daS war und bleibt in der Tat bewundernswert, die Tiroler haben damals ihrer Vaterlandsliebe, ihrem Heldenmute, ihrer hingebenden Treue an den Habsburgischen Thron für alle Zeiten ein leuchtende- Denkmal gesetzt. Als Tirol durch die Bestimmungen des Preßburger Friedens vom Jahre 1805 unter bayerische Herrschaft gekommen war, da ertrugen die taifertreuen Tiroler von allem Anfang das fremde Regime, das viele drückende Neuerungen im Lande einführte und im steten Gegensatz zu dem Empfinden und dem ganzen Wesen deS Tiroler Volkes blieb, nur mit Unmut, und es bedurfte lediglich eines äußerlichen Anstoßes, um diesen Unwillen des Volkes zum offenen Ausbruch zu bringen. Dies bewirkte der Abzug der österreichischen Besatzungen aus dem Lande, der im Waffenstillstände von Znaim vom Jahre 1809 festgesetzt worden war. Bereits im April dieses JahreS hatten der Sandwirt" Andreas Hofer, der die Seele des ganzen Auf- standeS wurde, einen Ausruf zum Kampf an seine engeren Landsleute im Passeiertal gerichtet, woraus am 11., 12. und 13. April die siegreichen Gefechte der Tiroler unter Hofer gegen die Bayern bei Eterzing nachfolgten, während zugleich am 13. April die erste Schlacht am Berge Jsel geschlagen wurde, welche die Kapitulation deS bayerisch-sranzösischen KorpS unter Vision nach sich zog. Unmittelbar vorher, am 12. April, hatte die bayerische Besatzung in JnnSbruck kapitu­lieren müssen. Am 25. und 29. Mai fanden neue Gefechte am Berge Jsel zwischen den Tirolern und den bayerischen Truppen statt, die wiederum mit dem Siege der Tiroler endeten. Am 30. Mai zog Andreas Hofer unter dem Jubel der Bevölkerung in JnnSbruck ein, wenige Tage darauf war ganz Tirol von den Feinden gesäubert, lediglich aus der Beste Kusstein hielt sich die ftanzösische Besatzung.

Bald aber drangen neue französische Heerscharen, durch Bayern verstärkt, unter dem Obcrbesehle des Marschalls Lefsbre in Tirol ein, um die einfachen Bauern endlich zu unterjochen. Wieder verblieb in den sich nun erneut ent­wickelnden heißen Kämpfen der Sieg den tapferen Tirolern die unter der Führung von Andreas Hofer, Speckbacher und Haspinger mit größter Hingabe für die Befreiung des vater­ländischen BodenS fochten. Die Entscheidung brächte die dritte Schlacht am Berge Jsel vom 13. August 1809, in welcher in zwölfstündigem blutigen Ringen das Heer LefebreS vollständig zersprengt wurde, so daß sich der stolze Marschall mit den Trümmern seiner geschlagenen Armee zum flucht- artigen Rückzüge genötigt sah. Wiederum war daS Land Tirol frei, und viele Völker Europas jubelten mit den tapferen Tirolern über deren Besreiung. Allerdings sollte wenige Monate daraus das unglückliche, von Oesterreich im Frieden von Wien (14. Oktober 1809) preisgegebene Land nochmals unter das Joch der Fremdherrschaft kommen. Andreas Hoser, der vom Kaiser Napoleon für vogelfrei erklärte,

so ist unsere Anzeige nicht gemeint, Herr Lionel Forester wäre ganz unfähig, eine solche Schandtat zu begehen."

Nun, was soll dann sein Verschwinden mit dem Ver­brechen sonst zu tun haben!" rief der Kommissar kopfschüttelnd. Auf leere Vermutungen oder gewagte Kombinationen kann sich in dieser ernsten Sache die Polizei nicht einlassen. Wer weiß, wo Herr Lionel Forester steckt? Er ist vielleicht ein Nachtschwärmer oder ein heimlicher Hazardspieler und hat letzte Nacht drüben in Monaco sein Geld verspielt, und eS fehlte ihm das Geld zur Rückreise, und da ist er eben einstweilen drüben geblieben. Wenn so ein junger Mann alS verschwunden gemeldet wird, so denkt auch die Polizei nicht gleich an das schlimmste."

Aber bitte, Herr Kommissar, lassen Sie sich nur erzählen' weshalb wir glauben, daß das Verschwinden Lonels mit dem Verbrechen in irgend einem Zusammenhänge stehen konnte. Lassen Sie sich kurz die VerlobungSgeschichte des Herrn Lionel Forester mit meiner Tochter Marry berichten, und Sie werden dann klarer sehen. Ich bin wohl eine Generalswitwe, besitze aber kein Vermögen und lebe mit meiner einzigen Tochter von einer Pension. Da arme Mädchen selten Männer finden, hat sich meine Tochter einen Berus erwählt, sie ist Kunstzeichnerin geworden und während ihrer Ausbildung hat sie Lionel Forester, einen jungen amerikanischen Maler in Italien kennen gelernt und die jungen Leute lieben sich so sehr, daß sie sich heiraten wollten. Ich verweigerte aber meine Zustimmung, da beide arm sind und noch keine rechte Existenz durch ihren Be­ruf haben. Da hat meine Tochter sich in ihrer Herzeusnot der guten Frau Thompson, die eine entfernte Cousine meines verstorbenen Mannes war, anvertraut, und die edele und liebe- volle Frau Thompson hat zu meiner Tochter gesagt: Man», wenn dein Verehrer ein ehrenwerter Mann ist und als Maler wirkliches Talent hat, so werde ich ihn eine Zeitlang unter­stützen, daß er seine Ausbildung vollenden und ein Kunstweck schaffen kann, das ihn berühmt macht, und dann könnt ihr heiraten, und sehe ich, daß er ein ganz braver Mensch ist, so werde ich auch noch ein paar tausend Dollars zur Aussteuer geben. Sie können sich denken, Herr Kommissar, wie solch