Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. verSezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ra

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein. gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.ns^nsn»

Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 97

Donnerstag, den 19. August

1909.

Amtlicher teil

Hersfeld, den 16. August 1909.

Der Bürgermeister Faulhaber in Gershausen ist am 13. d. Mts. für einen am 17. d. Mts. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum als solcher wiedergewählt worden. Ich habe diese Wiederwahl bestätigt.

A. 5364. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Sie Reform der Kronkeiionfichemg.

Durch die politische Entwicklung der letzten Zeit ist das Interesse an der Durchsicht unserer sozialen Gesetzgebung, deren Vorbereitung eine der letzten und mühevollsten Arbeiten des gegenwärtigen Reichskanzlers in seiner Eigenschaft als Staats­sekretär des Innern gewesen ist, etwas in den Hintergrund getreten. Durch die Schließung des Reichstages sind außerdem diese Vorarbeiten inzwischen insofern gegenstandslos geworden, als die Vorlage von neuem wieder eingebracht werden muß.

Die wichtigste und einschneidendste Neuerung bringt die Vorlage aus dem Gebiete der Krankenversicherung, wo infolge der geschichtlichen Entwicklung sich eine Vielheit von Verfahren H^rausgebildet hat, die im Interesse der sozialen Gerechtigkeit, um nach Möglichkeit die Leistungen der Versicherten und die Gegenleistungen der Krankenkassen in Einklang zu bringen, beseitigt werden muß. In erster Linie ist dabei angestrebt worden, den Kreis der Versicherten zu erweitern und nach Möglichkeit alle die, die der Jnvaliditätsversicherung unterstehen, auch der Wohltaten der Krankenversicherung teilhaftig werden zu lassen. Auch viele Angehörige des Mittelstandes, die bisher in Krankheitsfällen selbst für sich zu sorgen hatten, werden in Zukunft der Versicherung unterworfen werden, so besonders auch Lehrer und Erzieher sowie Bühnen- und Orchestermit­glieder ohne Rücksicht auf den Kunstwert ihrer Leistungen, sofern nur ihr Jahresverdienst weniger als 2000 M. beträgt.

Eine der wichtigsten in Aussicht genommenen Neuerungen besteht darin, daß die Gemeindckrankenkassen in Zukunft weg- fallen und durch die an ihre Stelle tretende Landeskrankenkasse ersetzt werden. Ortskrankenkassen werden fortan nur für ört­liche Bezirke als allgemeine Ortskrankenkasse errichtet werden. Die bestehenden Ortskrankenkassen können weiter zugelassen werden, wenn sie wenigstens 500 Mitglieder haben, die all­gemeinen Ortskrankenkassen oder die Landeskrankenkasse nicht beeinträchtigen und gleichwertige oder höhere Leistungen, wie die allgemeine Ortskrankenkasse, gewähren. Dadurch wird einer Benachteiligung der Versicherten durch Schwindelunternehmungen oder finanziell nicht genügend gestützte Unternehmungen wirksam vorgebeugt. Betriebskrankenkassen, die infolge von besonderen

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von L eo Turnau.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Rasch erfüllte der Protokollführer diese gesetzlich vorge­schriebenen Formalitäten und der Staatsanwalt frug dann sehr ernst und zur Wahrheit ermahnend:

Fräulein Louet, haben Sie irgend etwas Verdächtiges in letzter Nacht in der Villa Jndiana bemerkt? Ihre beklagens­werte Herrin Frau Thompson, sowie auch der Hausmeister und die Hausmeisterin sind ermordet und die Geld- und Wertsachen sind aus der Villa geraubt worden!"

Ich weiß nicht das Geringste von diesem schrecklichen Ver­brechen", sagte die Gesellschafterin Fräulein Louet mit Tränen >n den Augen,und ich habe auch garnichtS Verdächtiges be­merkt."

«Es hat doch gestern abend und wahrscheinlich bis tief in die Nacht hinein ein Fest in der Villa stattgefunden. ^Jen Sie unter den vielen Gästen nicht irgend eine verdächtige Person bemerkt?" sorschte der Staatsanwalt weiter.

Mir ist unter den Gästen der Frau Thompson keine cmzige Person als verdächtig ausgefallen", erklärte Fräulein tourt,es waren ja nur der Frau Thompson befreundete p>rsvnen da, meistens Damen und Herren aus Amerika, ilc isur Kur in Nizza waren und wohl meistens auch noch sind" d, "w^ ^ nicht etwa heute morgen schon abgereift

"Und Sie haben auch nichts Verdächtiges in der Villa «enterst, Fräulein Lisette?" wandte sich der Staatsanwalt an die Zofe.

Nichts, rein gar nichts, so lange daS Fest dauerte und Dle ba waren", berichtete die Zofe.Nur später, alS

« ,ie ^anette, die mit mir in einer Stube schlies, schon zu Bett lagen und wohl auch schon halb eingeschlasen waren, fchien eS nur einen Augenblick, als wenn etwas Unheimliches

Zuwendungen der Unternehmer sich bisher vielfach gut bewährt haben, sollen auch in Zukunft zugelassen bleiben, sofern die Betriebe, die sie errichteten, wenigstens 500 VersicherungS- pflichtige beschäftigen. Bei den bestehenden Betriebskranken- kasien ist die Zahl auf 250 herabgesetzt; Voraussetzung bleibt jedoch immer, wie bei den Ortskrankenkassen, daß das Fort- bestehen dieser Betriebskrankenkassen die allgemeine Ortskranken­kasse nicht beeinträchtigt, daß ihre Leistungen denen der Orts­krankenkasse gleichwertig sind und ihre dauernde LeistungS- sähigkeit gesichert ist. Weiter wird geplant, daß, insofern nicht für einzelne Berusszweige, wie Dienstboten, landwirtschaftliche Arbeiter usw., Ausnahmen vorgesehen sind, alle Kassen die gleichen Unterstützungen zu gewähren haben.

Eine wichtige Aenderung soll die innere Organisation der Krankenkassen erfahren, insofern an die Stelle der General- Versammlung ein Kassenausschuß tritt, bei dem das Stimm- rccht entsprechend dem Beitragsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Versicherten zu gleichen Teilen geteilt ist. Bei größeren Kassen mit mehr als 10 000 Mitgliedern kann die Anstellung der Kassenbeamten aus Leben-zeit erfolgen, wodurch den Be­amten eine gesicherte Zukunft und eine Unabhängigkeit von der Willkür des KassenvorstandeS gewährleistet werden.

Diese geplante Neuregelung beweist, daß auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung durchaus kein Stillstand eingetreten ist, sondern daß die Fürsorge der Regierung für Arbeiter und Angestellte aller Art weiter andauert und sich aus immer weitere Kreise erstreckt. Gerade der Umstand, daß der bisherige Staatssekretär von Bethmann-Hollweg, auf dessen Anregung die umfangreiche Neuregelung und Erweiterung der bisherigen gesetzlichen Bestimmungen zurückzuführen ist, als Reichskanzler an die Spitze des Deutschen Reiches getreten ist, bietet die sichere Gewähr, daß auch m*Zukuuft der Eifer des StaateS für die soziale Gesetzgebung nicht erlahmen wird.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 17. August 1909.

In Sachen der geplanten Fahrt des Grasen Zeppelin mit demZeppelin 3" nach Berlin sand am Montag daselbst zwischen Vertretern des Generalkommandos, des Ministers des Innern, des Polizeipräsidenten, der Stadl Berlin und der Luftschifferabteilung eine Konferenz statt. Es wurde beschlossen, von der Landung desZeppelin" auf dem Tempelhoferfelve abzusehen. Die Landung soll auf dem Tegler Schießplatz ersolgen. Für die Fahrt ist folgende Strecke vorgesehen: Nach der Ankunft in Stcglitz fährt der Graf direkt zum Tempelhofer Felde. Von dort nach der Straße Unter den Linden, am Schloß und dem Rathaus vor­bei zum Friedrichshain und dann in großer Schleife gen Südostcn zum Brandenburger Tor. Von dort erfolgt die Fahrt nach dem Tegler Schießplatz. Das Generalkommando

in der Villa vorginge. Ich hatte den Eindruck, als ob ein rätselhaftes Wesen in der Villa herumschlich, alle Türen ge­räuschlos öffnete, auch plötzlich in unserer Stube war. Aber als ich um Hilfe rufen wollte, da schwanden mir auch schon die Sinne. Ich weiß jetzt natürlich nicht, ob eS vielleicht nur ein Traum war, oder ob man mich und die Jeanette im halb­wachen Zustande betäubt hat."

Und dann haben Sie weiter nichts Verdächtiges ge­hört oder gesehen, Fräulein?" frug der StaatSanwalt weiter.

Nein, mein Herr", erklärte die Zofe,denn ich habe erst im Krankenhause mein volles Bewußtsein wieder er­langt."

Zu welcher Nachtzeit könnte es denn nach Ihrer Meinung gewesen sein, daß Sie etwas Unheimliches, Rätsel­haftes in der Villa beobachtet zu haben glauben?" fragte der Staatsanwalt dann die Zose noch.

Wir sind gegen ein Uhr nachts zu Bett gegangen", er- widerte diese,und könnte es um halb zwei Uhr oder gegen zwei Uhr gewesen sein, wo ich jene Beobachtungen gemacht zu haben glaube."

Schreiben Sie das alles recht genau auf," sagte jetzt der StaatSanwalt zu seinem Protokollführer und dann sprach er zu den beiden Mädchen:

Sie müssen mir jetzt noch eine Hauptfrage beantworten, meine Damen, über die Sie mir sicher die richtige Antwort geben können. Sie haben doch alle die Damen gesehen, die gestern abend zum Feste in der Villa Jndiana waren und haben sicher auch auf die Kleider der Damen geachtet, denn alle jungen Mädchen interessieren sich für schöne Kleider. Welche von den zum Feste gestern in der Villa Jndiana anwesenden Damen hatte denn ein rosafarbener Kleid an­gelegt ?"

Ein rosafarbenes Kleid?" riefen die beiden Mädchen fast gleichzeitig und mit staunenden Blicken. Dann beteuerten sie beide wiederholt, daß sie am letzten Abende in der Villa Jndiana eine Dame in rosafarbener Robe nicht gesehen hätten.

Solch eine Farbe tragen die Damen jetzt überhaupt

hat für die Ausnahme der Schulkinder die inbctracht kommenden Kasernenhöse zur Verfügung gestellt.

Der Bierkrieg in ganzThüringenist in vollem Gange. Gastwirte und Biertrinker in zahlreichen Städten deS Herzogtums Meiningen beschlossen infolge zu hoher PreiS- aufschläge der Bierbrauereien gemeinsam Den Bierstreik. Boy- kottiert wurden über hundert Brauereien. Ferner nahm in Koburg eine Versammlung von 152 Gastwirten eine Resolution an, in der die Festsetzung des Bierpreises auf 18 Mark pro Hektoliter bedauert und die Verpflichtung der Gastwirte aus­gesprochen wird, solange kein Bier der Ringbrauereien zu ver­kaufen, bis das Hektoliter zu 17 Mk. abgegeben wird. DaS biertrinkende Publikum wird ersucht, solange kein Bier zu trinken.

Aus den Diamantsfinden in Deutsch-Süd- w e st a s r i k a hat der Fiskus an Ausfuhrzöllen, Förderabgabe und Verkauf der vom FiSkuS gewonnenen Diamanten in der Zeit von Mitte März bis Mitte August eine Einnahme von 18 482 250 Mk. erzielt.

Die Statistik der Ehescheidungen in Preußen ist vom Statistischen Amt veröffentlicht worden. Danach wurden im Jahre 1908 in Preußen 8365 Ehen geschieden gegen 7952 im Jahre 1907 und 6924 im Jahre 1905. Hierzu bemerkt die Konservative Korrespondenz:Diese Zahlen sprechen eine recht beredte Sprache von dem Niedergang der Sitte in unserem Volke. Was soll aber aus einem Volke werden, wo die Familie zerfällt, wo das heiligste Band, das die Herzen verknüpfen soll, srivol zerrissen wird und der Schwur vor dem Altare nicht mehr heilig ist? Mit Recht hat man im deutschen Volke seither die Familie als die festeste Stütze des StaateS betrachtet und mit Stolz auf unser reine-, deutsches Familienglück Angewiesen, daS wie ein Fels in der Brandung der Zeit unerschütterlich seststehe und die Krone trage. Nun bröckelt auch hier Stein um Stein ab. Aber schlimmer noch ist das Sinken des erziehlichen Einflusses der Eltern, daS eine Folge zerstörter Ehen ist. Wer soll in die jugendliche Seele den Glauben an Gott und Vaterland pflanzen, wenn die Mutter fehlt? Was wird aus den Kindern geschiedener Ehen werden, denen die wärmende Sonne der Mutterliebe mangelt? Sie verkümmern, und in ihrem Geiste findet der Haß eine Stätte, der Haß, der uns heutzu­tage bereits in Tausenden von Formen überall entgegentritt."

Der Kretakonflikt zwischen der Türkei und Griechen­land behält unverändert sein ernstes Gesicht bei. Die Pforte besteht daraus, daß die griechische Regierung die in der letzten türkischen Note verlangte Erklärung abgebe, Griechenland hege keinerlei Absichten auf Kreta; sollte die Antwort des Athener Kabinett- ablehnend hierauf aussallen, so ist der sofortige Ein- marsch der türkischen Truppen in Thessalien höchst wahrschein­lich. Anderseits fehlt es allerdings auch nicht an günstiger klingenden Meldungen. Der türkische Minister des Inneren Talaat erklärte die umgehenden Krieg-gerüchte für falsch. Ferner ließ die Pforte den Provinzialbehörden die Aus-

nicht, am allerwenigsten die Amerikanerinnen und Englände­rinnen", fügte die Gesellschafterin noch hinzu,die meisten Damen waren in weißen oder doch in Hellen Kleidern er­schienen und nur einige Damen trugen dunkle Farben, ein rosafarbenes Kleid war sicher nicht dabei."

Nein, nein, eine Dame in rosa war gestern nicht in der Villa Jndiana", erklärte auch nochmals die Zose Lisette Gramond.

Nach einer letzten kurzen Kundgebung der Hausmeisterin Frau Lemang vor ihrem Tode hat aber eine Dame in rosa die Frau Thompson ermordet", sagte jetzt aber der StaatS­anwalt mit erhobener Stimme,und diese Angabe muß für die Untersuchung so lange in Betracht kommen, 'bis wir eine andere Aufklärung des Verbrechens gesunden haben, denn wir haben bis jetzt keinen anderen Anhaltepunkt für unsere Nach­forschungen als die Kundgebung der unglücklichen Frau Lemang. Halten Sie es denn nicht für möglich, daß sich der Verbrecher oder die Verbrecherin in der Verkleidung einer Dame in rosa in die Villa eingeschlichen haben könnte und zwar gerade wegen deS Festes ganz unbemerkt."

In die Villa selbst konnte sich wohl so leicht niemand unbeachtet während deS Festes einschlcichen", meinte die Gesell­schafterin,denn der Hausmeister, die HauSmeisterin und ich waren während deS Empfanges im Vestibül der Villa, und jeder Ankömmling wurde von unS sofort in die Garderobe und dann zu Frau Thompson geleitet. Die große Türe zur Villa war in der Zwischenzeit immer geschlossen, und wurde nur auf daS Glockenzeichen geöffnet. Ich halte deshalb ein Einschleichen der Verbrecher in die Villa während deS Feste- saft für ausgeschlossen, eS sei denn, die Verbrecher hätten ihren Weg während der Nacht durch ein Fenster genommen, aber so leicht ist das auch nicht, denn die Fenster der Villa liegen sehr hoch und sind im unteren Stock stark vergittert.' Frau Thompson hatte überhaupt in der Villa für gute Sicherheit gesorgt und auch den großen Park um die Villa mit einem starken und hohen Eisengitter umgeben lassen, und sie sagte deshalb manchmal scherzhaft:mein HauS ist meine Burgl" Nur einen Fehler hatte sie vielleicht damit gemacht, daß sie die zwei guten treuen Hunde abgeschafft hat. * Aber die Hunde