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haben sich England und Rußland im Orient und in Asien als unerbittliche Nebenbuhler und Gegner gegenübergestanden, überall, wo der ländergicrige Engländer im Orient oder in Asien seine Macht auszubreiten suchte oder Einfluß zur Geltung zu bringen unternahm, stieß er auf den ebenso eroberungS- lustigen Russen, und man glaubte in der politischen Welt lange Zeit, daß eS wegen dieses gewaltigen Gegensatzes einmal zu einem furchtbaren Kriege zwischen England und Rußland kommen müsse. Die freundschaftliche Annäherung zwischen England und Rußland hat der alten Spannung nunmehr wohl ein Ende bereitet, - aber wenn man daraus nun folgern wollte, daß die Gegnerschaft zwischen England und Rußland im Orient und in Asien beseitigt sei, so irrt man sich gewaltig, denn in Bezug auf den russischen Licblingswunsch, die Durch- sohrt durch die Dardanellenstraße für Kriegsschiffe endlich frei zu bekommen, hat Rußland von der englischen Regierung eine schaffe Absage bekommen. Die übrigen Großmächte und zumal Frankreich wären ja gar nicht so abgeneigt, für eine Auf- Hebung deS Vertrages, der den Kriegsschiffen die Durchfahrt durch die Dardanellenstraße verbietet, zu stimmen und der Türkei andere Zusicherungen zu geben. Der russische Minister des Auswärtigen, Herr JSwolski, hatte auch offenbar daran geglaubt, daß England seine Zustimmung zur Aushebung deS DardanellenvertrageS geben möge, und man hat sogar an­genommen, daß der Besuch des Zaren in England die be­treffende Vereinbarung zum raschen Abschluß bringen werde. Diese ganze Annahme enthält aber einen gewaltigen Irrtum, denn wie man jetzt erfährt, hat sich die englische Regierung im Verkehre mit dem russischen Minister Jswolski auf gar keine Verhandlungen im Bezug aus die Dardanellenstage ein­gelassen. Rußlands Lieblingswunsch, die Meerfahrt durch die Dardanellenstraße für feine Kriegsschiffe frei zu bekommen, ist also an Englands zielbewußter Orientpolitik gescheitert. Und England erblickt nach wie vor in Rußland seinen größten Gegner in der Beherrschung deS Orients und der Machtstellung am Goldenen Horn. Für Rußland ist diese Sache natürlich kränkend und ärgerlich, denn Rußland hat durch daS Fest­halten Englands an dem Dardanellenvertrage nach wie vor keine Bewegungsfreiheit für seine Kriegsschiffe auf dem Schwarzen Meere. Indirekt wird durch diese Haltung Eng­lands aber auch zu verstehen gegeben, daß England nach wie vor mit dem Argwohne rechnet, daß Rußland einen Hand­streich gegen Konstantinopel unternehmen könne, wenn die Durchfahrt für Kriegsschiffe durch die Dardanellenstraße frei gegeben würde. Mit dieser Möglichkeit muß man allerdings rechnen, denn ein Gutachten der englischen Admiralität hat bereits vor langen Jahren sestgestellt, daß eine feindliche Kriegs­flotte, die nur aus etwa acht großen Kriegsschiffen und einer Anzahl Torpedoboote und Brander zu bestehen braucht, Kon­stantinopel erobern kann. Die Dardanellenstraße und das angrenzende Marmarameer umschließen die türkische Hauptstadt Konstanttnopel eben in einer Weise, daß von diesen MeereS- straßen aus Konstanttnopel mit Leichtigkeit in Grund und Boden geschossen werden kann, zumal die türkischen Festungen aus beiden Seiten der Dardanellenstraße schon lange keinen genügenden Schutz gegen seindliche Schiffe mehr bieten, was auch durch die englische Admiralität schon längst festgestellt worden ist. Diese ganze Sachlage im Bezug auf eine Er- oberung Konstanttnopels durch eine feindliche Flotte hat schon im Jahre 1841 zu einem Vertrage der Großmächte geführt, daß Kriegsschiffe die Dardanellenstraße nicht passieren dürsen, und dieser Vertrag ist im wesentlichen durch den Pattser Ver­trag von 1856 auch bestätigt worden. Rußlands Hoffnung, daß sein neuer politischer Freund England in die Aufhebung dieses Vertrages willigen werde, hat sich inzwischen aber auch nicht bestätigt, und man sieht daraus, daß die Bäume der englisch-russischen Freundschaft so leicht nicht in den Himmel wachsen werden, und daß die Gegensätze, dir nun einmal zwischen England und Rußland im Orient und in Asien be­stehen, sich auch künsttg fühlbar machen werden.

Str Generalstreik in Schvestei.

Gestern war der zehnte Tag deS schwedischen Massenstreiks, und noch ist nicht abzusehen, wann dieser soziale Kamps be- endet sein wird, da Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer in ihrer unnachgiebigen Haltung verharren und an Unterhandlungen nicht denken. Von feiten der Arbeitgeber wird erklärt, daß die Arbeiter von dem AuSstand den meisten Schaden haben.

Stockholm, 14. August. Die Streikleitung hat bei der hiesigen Polizeibehörde um die Erlaubnis nachgesucht, am Sonntag einen DemonstrationSumzug durch die Stadt nach dem Exerzierplatz LadugardSjardet zu veranstatten. Das Er­suchen der Streikenden wurde an den Chef deS vierten Armee­

Staatsanwalt,diese Nachricht genügt mir, und ist sehr wichtig, ich werde sofort nach dem Krankenhause fahren."

Und ich begebe mich auf das Polizeiamt", bemerkte der Kommissar,kontrolliere dort die bereits eingeleiteten Nach­forschungen über daS Verbrechen und depeschiere an die Töchter und Schwiegersöhne der Frau Thompson. Nachmittags zwischen drei und vier Uhr werde ich zur Berichterstattung in Ihrem Bureau erscheinen, Herr StaatSanwalt. Sollten es die Um- stände erheischen, werde ich mir erlauben, Sie noch eher auf- zusuchen."

»Ganz recht, ganz recht, Herr Kommissar", sagte noch der Staatsanwatt, und beide Herren verließen mit ihren Begleitern in zwei Wagen die Villa Jndiana.

* *

Die heiße Sonne NizzaS brannte bereits wie eine Feuer- glut auf den Dächern und in den Straßen der Stadt, als der Wagen des Staatsanwatt- in den Hos der Krankenhause- einsuhr.

Bitte, geben Sie mir ein GlaS Wasser", sagte der StaatSanwatt, der keuchend und schwitzend die Treppen deS Krankenhauses erstiegen hatte, zu dem ihn begleitenden Diener,und melden Sie mich dann bei dem Herrn Doktor Muret."

_Jawohl, Herr Staatsanwatt", antwortete der Diener, sich tief verbeugend, holte ein Glas frisches Wasser aus der nahen Leitung und meldete dann den Staatsanwatt bei dem Doktor Muret an.

Verzeihen Sie, Herr Dottor", sagte der Staat-anwalt bei bem Eintreten in das Zimmer des ArzteS,daß ich Ihre kost- bare Zfft einige Minuten in Anspruch nehme. Ich muß in ^aqen be» grauenhaften Verbrechen-, das letzte Nacht in der Villa Jnbiana verübt worden ist und von dem Sie wohl Ichon gehört haben, die Gesellschafterin Louet und daS Kammnmädchm Gramond und möglichst auch die Köchin Loret, die heute morgen alle drei krank au- der Villa Jndiana hier bei Ihnen eingeliefert wurden, vernehmen."

Der Arzt nickte still mit teilnehmender Gebende und er­widerte:

korpS zur Entscheidung übergeben. Dieser wollte den Umzug unter der Bedingung gestatten, daß die Ruhe nicht gestört wurde. Die Polizeibehörde hat jedoch, wie verlautet, das Ersuchen der Streikleitung abgeschlagen. Mehrere Fabrikbe­sitzer nehmen den Generalstreik sehr gleichmütig hin. Denn, so erklären sie, eS sei jetzt für sie eine stille Zeit, in der die meisten Fabriken nur betrieben würden, um die Arbeiter zu beschäftigen. Einen Teil der Kosten sparten sie durch den Streik. Für die Arbeiter dagegen beginne jetzt eine schlimme Zeit, da im September die Steuern und die Mieten gezahlt werden müßten. Wie eS scheint, kommt ein partieller Ernte- streik am nächsten Montag zustande. Nach eingezogenen Er­kundigungen haben jedoch die Landwirte Maßregeln getroffen, um dem Streik zu begegnen. Es sind genügend Freiwillige aller Gesellschaftsklassen bereit, für die streikenden Arbeiter einzuspringen. Morgen beginnt die elektrische Straßenbahn wieder mit ihren Fahrten nach der Ausstellung.

S t o ck h o l m, 14. August. Die organisierten Arbeiter beharren noch immer fest auf ihrem Standpunkte, zeigen aber keinerlei Enthusiasmus, die nicht organisierten sind bereits wankend geworden und haben an mehreren Plätzen die Arbeit wieder ausgenommen. Der Typographenstreik hat seinen Zweck ganz verfehlt; vielfach wird hier nicht gestreikt, vielfach der Bruch deS Vertrages scharf verurteilt und die Wiederaufnahme der Arbeit gewünscht. Die Zeitungen erscheinen täglich und regelmäßig. Die Abstimmung unter den organisierten Eisen­bahnarbeitern dürfte nach den bis jetzt bekannten Ergebnissen gegen den Streik auSfallen. Die staatlichen Werke und In­stitutionen arbeiten ohne jede Betriebsstörung. Die Streik­leitung versucht jetzt die Straßenseger in den Streik hinein- zuziehen, wahrscheinlich aber ohne Erfolg. Sollten die Straßenfeger am Montag nicht zur Arbeit zurückkehren, so ist die Bürgerwehr bereit, auch diesen Dienst auszuüben. Der König und die Regierung stimmen in ihrer Stellung zur Streiksrage vollständig überein. An eine Vermittlung zwischen den Parteien wird wohl nicht gedacht werden, solange keine von beiden hierum bittet.

Dar türkische Ultimatum.

Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Kretakrisis, die man an den zuerst veröffentlichten Wortlaut der türkischen Anwortnote knüpfte, ist jetzt, nach dem Bekanntwerden des Ultimatums, das von Griechenland einen formellen Verzicht auf die Insel sordert, aufs neue erschüttert worden. Die Athener Regierung wird sicherlich in ihrer Entgegnung ver- suchen, nochmals die Schutzmächte vorzuschieben, und dadurch einer Waffenentscheidung auszuweichen. Ob aber dieses Be­mühen von Erfolg gekrönt sein wird, muß wohl vorderhand bezweifelt werden; denn die Türkei drängt eben gerade aus eine unzweideutige Erklärung der griechischen Regierung. Doch darf man immerhin noch hoffen daß es den Schutz möchten in letzter Stunde gelingt, daS Konstantinopeler Kabi­nett von der Bona fides Griechenlands zu überzeugen unter Gewährung gewisser Garantten für die türkische Oberhoheit über Kreta.

Die Antwort auf die zweite türkische Note wird nach vor- hergegangener Verständigung mit den Gesandten in Athen er- folgen. Osfiziclle Kreise halten die Note für schwach, da eine griechische Einmischung in die Verhältnisse KretaS nur mit Zustimmung der Schutzmächte geschehen könne. In diplomatischen Kreisen glaubt man, die zweite Note wäre ohne den Widerstand der Kreter gegen die geforderte Niederholung der Nationalsahne nicht erfolgt. Die öffentliche Meinung da­gegen erblickt in ihr die Folge der unzureichenden Vor­stellungen der Echutzmächte bei der Pforte. Schon bei der Antwort aus die erste Note seien die überhaupt möglichen Zugeständnisse gemacht worden.

Konstanttnopel, 14. August. Der Minister der Innern Talaat erklärte gegenüber dem Vertreter deS K. K. Telegraphen-Korr.-BureauS, alle Krieg-gerüchte für falsch. Auch die Abberusung deS türkischen Gesandten in Athen im Falle einer nicht befriedigenden Antwort Griechenlands aus die zweite Note der Pforte sei nicht beschlossen worden. Der Minister hoffe, aus eine günstige Antwort Griechenlands. War die Weigerung der Kreter, die griechische Flagge einzu- ziehen, anlange, so sei eS Sache der Schutzmächte diese Frage zu regeln.

Aus In- und Ausland.

Berlin, den 15. August 1909.

Graf Zeppelin scheint durch die an ihm im Kon- stanzer Krankenhause vorgenommene Operation zur Entfernung

Die Köchin liegt immer noch wie betäubt von der starken Narkose und kann noch nicht vernommen werden, Herr Staats- anwalt, aber die Gesellschafterin und die Kammerzofe sind ver- nehmungSsähig und können sofort von Ihnen verhört werden, vorausgesetzt, daß die Vernehmung heute nur wenige Minuten dauert, denn einer größeren geistigen Anstrengung und Ausregung dürsen die beiden Patienten nicht ausgesetzt werden."

Ich werde die Vernehmung heute sehr kurz fassen und auf daS Notwendigste beschränken", erklärte der Staatsanwalt, ich muß aber, bevor ich die beiden Mädchen vernehme, auch einige Fragen an Sie richten, Herr Doktor, denn eS wäre ja nicht ausgeschlossen, daß Personen, die diesen Mädchen nahe stehen, das große Verbrechen verübt haben, und daß diese Mädchen nur deshalb betäubt und geknebelt wurden, um den Verdacht in dieser Hinsicht abzulenken. Bei den Unter­suchungen, die ich in der Villa Jndiana bereits mit dem Kriminalkommissär vornahm, ist unS nämlich daS eine bereits klar geworden, daß der Raubmord nur von Personen auSge- übt worden fein kann, die guten, sogar sehr guten Bescheid in der Villa wußten. ES wäre nun möglich, daß die Ge­sellschafterin oder die Zose in ihrem schlaftrunkenen Zustand und ehe sie von Ihrer ärztlichen Kunst ihr volles Bewußtsein zurückerhielten, sich durch Worte oder AuSrufe über das schreck- liche Verbrechen verdächtig gemacht haben könnten. Haben Sie während der Behandlung der Patientinnen irgend ein ver­dächtige- Wort von ihnen gehört, Herr Doktor?"

Nein, durchaus nicht!" erklärte der Arzt.Ich habe an den beiden Mädchen weiter nichts alt eine schwere, einer Ohn- macht ähnliche Betäubung und dann als erstes Lebenszeichen ein krankhaftes Weinen beobachtet. Einige Zeit daraus wurden sie dann ziemlich ruhig, und ich glaube, daß sie von dem schrecklichen Verbrechen in der Villa Jndiana gar Nicht­wissen, denn keinS ihrer von mir gehörten Worte deuteten daraus hin."

Ich danke Ihnen für diese Auskunft, sie genügt mir für mein Verhör jetzt vollkommen", entgegnete der Staatsanwalt und er bat nun den Arzt, mit ihm nach dem Krankenzimmer zu gehen, wo sich die beiden Patientinnen besanden.

eines schmerzhaften AbzesseS am Halse doch mehr angegriffen worden zu sein, als bis jetzt angenommen wurde. Denn wenn er auch die Operation verhältnismäßig gut überstanden hat, so konnte er doch das Krankenhaus noch immer nicht ver- lassen, er wird vielmehr, wie neuerdings verlautet, daselbst etwa noch eine Woche verbleiben müssen. Dann gedenkt sich der Gras zur Erholung zunächst nach seinem schweizerischen Gute LierSberg zu begeben. Er plant aber wohl keinen längeren Aufenthalt in Liersberg, denn er hat die Mitglieder deS Bundesrates auf den 3. September zur Besichtigung bei LuftschiffesZeppelin 3" und der Werstanlagen in Manzell nach Friedrichshasen eingeladen. Am 4. September erscheinen dann auch die Reichstagsabgeordneten zu gleichem Zweck in Friedrichshasen.

Der Hauptscsttag der 1900-3ahrscier bet Schlacht i m Teutoburger Walde hatte große Menschenmengen in das freundliche Detmold gelockt. Um llVa Uhr setzte sich bei günstigem Wetter der aus etwa tausend Personen und mehreren hundert Pferden bestehende Germanen-Festzug in Be­wegung. Aus einer Tribüne am Bahnhöfe hatten neben einer Reihe von Ehrengästen der Fürst und die Fürstin zur Lippe mit ihren Angehörigen Platz genommen. Der Festzug stellte den Triumph des Arminius über die Römer dar. Den Mittel­punkt bildeten die Gruppen deS Cheruskersürsten selbst, der mit Streitaxt und Adlerhelm aus einem reichgeschmückten Schimmel inmitten einer Schar germanischer Edler daherritt, und der Thusnelda, die auf einem von sechs Rindern gezogenen Wagen unterm Eichbaum thronte, ferner der Wagen Walhallas und dieMetbrauerei". Der letzte Wagen zeigte den Bildhauer von Bändel, den Schöpfer des HermanndenkmalS, seine Kunst ausübend. Den Schluß bildeten lippische Landleute in den Trachten aller vergangenen Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag. Der Zug, der in schöner Ordnung vorbeizog, zeichnete sich durch treu und einheitlich ausgeführte Kostüme aus und wurde von dem lebhaften Beifall der Zuschauer begleitet.

Zur Landung des Ballons Tschudi, über die der Schlesischen Zeitung ein ausgebauschter Bericht zugegangen war, wird demselben Blatte nunmehr auf Gruud genauer Feststellung folgendes mitgeteilt: Die Herren Dr. Brinkmann und Meßter langten mit dem Ballon Tschudi nach zwölfstün- diger Fahrt am Donnerstag früh 4 Uhr bei der unweit Przelaika gelegenen Rosaliengrube an. Dort stellten sie die Richtung und die Gegend, in der sie sich befanden, fest. Sie hatten die Absicht, nach Oesterreich zu fliegen, wurden aber vom Winde nach der russischen Grenze getrieben und landeten 200 Meter jenseits der Grenze gegenüber Przelaika. Als die russischen Grenzsoldaten des Ballons ansichtig wurden, gaben sie Signalschüsse ab, um die Patrouillen aus den Vorgang aufmerksam zu machen. Es fielen etwa 20 Schuß, ohne daß einer der Schüsse den Ballon getroffen hätte, obwohl er sich kaum 30 Meter über dem Erdboden befand. Nach der Grenz- instruktion geben die Grenzsoldaten während der Nacht die Signalschüsse mit scharfer Munition ab. Der Ballon wurde zur Erde gezogen und verblieb an Ort und Stelle mit den Lustschiffern, bis der Kapitän Petropawlowsk erschien. Dies war gegen 9 Uhr vormittags. Während dieser Zeit legten sich die Lustschiffer auf das Feld, um zu schlafen, woraus der Kesselwärter der Rosaliengrube den Schluß zog, daß die dort liegenden Lustschiffer Leichen seien, und Anzeige erstattete. Als daS Ballonnetz nach der Zollkammer transportiert wurde, muß sich der Kesselwärter in der Annahme befunden haben, es sei ein Schwerverwundeter, der dort transportiert werde. Beide Lustschiffer wurden sowohl von den Soldaten als auch.Mk" dem Kapitän und anderen Offizieren gut behandelt und hatten über nichts zu klagen. Der Paß des Dr. Brinckmann befand sich in Ordnung. Dem Paß des Herrn Meßter fehlte das russische Visum. Beide mußten sich nach Sosnovice begeben, um dort die Entscheidung deS Generalgouverneurs, die tele­graphisch eingeholt wurde, abzuwarten.

Das Fortbildungsschulwesen in Preußen hat in den letzten Jahren einen ständigen Ausbau erfahren. Nach dem Verwaltungsbericht des Königlich Preußischen Landes­gewerbeamts für die gewerblichen Fortbildungsschulen für die männliche Jugend ergibt sich folgendes Bild: 1904 gab es 1290 Schulen mit 202 716 Schülern, 1905 1395 Schulen mit 226 574 Schülern, 1906 1535 Schulen mit 261341 Schülern, 1907 1579 Schulen mit 280 427 Schülern. Auch der Zwang zum Besuch dieser Schulen wird mehr und mehr durchgesührt. Im Jahre 1907 waren es nur noch 74 Schulen, in denen der Besuch nicht obligatorisch war. Die Zahl der Wochenstunden beträgt in den meisten Schulen 4 bis 6, da der Besuch neben der Bcrusstätigkeit erfolgen muß; die Gliederung deS Stoffes erfolgt in den meisten Schulen in drei aussteigendcn Jahresklassen. Die Ausbringung der Mittel

Bald standen der Doktor und der Staatsanwalt, sowie der inzwischen auch eingetroffene Protokollführer des letzteren vor der Gesellschafterin und der Kammerjungser, die in der kleidsamen Lazarettkleidung in ihren Betten lagen nnb bei dem Eintritt der beiden Herren neugierig ausblickten.

Erschrecken Sie nicht, meine Damen", sagte der Arzt sreundlich zu ihnen,es ist in der Villa Jndiania letzte Nacht ein großes Verbrechen verübt worden, wie ich Ihnen vorhin schon andeutete, alS Sie das Bewußtsein wieder erlangt hatten, und Sie hätten auch leicht ein Opfer deS Verbrechens werden können. Sie können aber jetzt als gerettet angesehen werden, und ich halte Sie für fähig, einige Fragen zu beantworten, die jetzt der Herr Staatsanwalt an Sie richten muß, um fein Amt, die Aufdeckung des Verbrechens und die Festnahme des Verbrechers betreffend, erfüllen zu können."

Meine Damen, ich werde Sie nicht lange mit Fragen quälen", begann der Staatsanwalt.Sie haben in Bezug auf das letzte Nacht in der Villa verübte große Verbrechen Ihre gesetzliche Zeugenpflicht zu erfüllen und durch Ihre Be- obachtungen meine Nachforschungen zu unterstützen. Zuvor wird der Protokollführer aber erst Ihren Namen, Stand und Geburtsjahr ausschreiben."

(Fortsetzung folgt.)

(Ermordung eines BreSlauer Schutz- Mannes.) Der Schutzmann Ludwig, der feit vorgestern ver­mißt wurde, ist, wie aus Breslau berichtet wird, gestern nachmittag als Leiche in der Oder gesunden worden. Der Leiche waren die Augen auSgestochen, und der Körper war furchtbar zuge- richtet. Eine gewisse Helene Herrmann erklärte, in der Nacht gesehen zu haben, wie zwei Männer einen Schutzmann aus dem Erdboden würgten. DaS Mädchen erkannte später, als man ihm einige Verhaftete vorführte, den stellungslosen ZgedinSki und den entsprungenen Fürsorgezögling Steiner alS diejenigen, die den Schutzmann gewürgt hatten. Die polizei­lichen Vernehmungen dauerten bis in dir späte Nacht hinein. ZgedinSki und Steiner erklären, die Tat noch gemeinsam mit drei anderen verübt zu haben.