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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Slnschlutz Nr. 8

Nr. 93.Dienstag, den 10. August 1909.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 4. August 1909.

Meine Verfügung vom 10. Juli d. JS., I. Nr. 7452, betreffend das Weißen und Reinigen der Schulräume bringe ich hierdurch in Erinnerung und sehe der nunmehrigen Vor­lage des geforderten Berichts seitens der Säumigen binnen bestimmt 5 Tagen entgegen.

1. 7452. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Kreta.

Die kretische Frage ist an einem gesährlichen Punkte an- gelangt. Am Freitag hat der türkische Gesandte in Athen eine Note übergeben, deren Forderungen die griechische Regie- rung ohne schwere Demütigung nicht wird akzeptieren können. Die Türken verlangen nämlich eine schriftliche Erklärung/ in welcher die griechische Regierung die Agitation der christlichen Kreter für den Anschluß der Insel an Griechenland mißbilligen und hinzufügen soll, daß sie selber keine AnnexionSabsichten hat. Die Türkei verlangt baldige Antwort auf ihre Note und droht andernfalls, ihren Gesandten in Urlaub gehen zu lassen. Die griechische Regierung will heute, Sonnabend, ant- worten und hat sich eiligst an die Mächte gewandt, um ihre Intervention zur Vermeidung eines endgültigen Bruchs zu erbitten.

Dies ist im Augenblick die Lage. Wie hat sie sich ent­wickelt ? Bald nach der Annexion Bosniens und der Herzego­wina und der bulgarischen Unabhängigkeitserklärung glaubten auch die Kreter den Augenblick gekommen, ihren Anschluß an Griechenland zu vollziehen. Die Griechen griffen aber damals nicht zu, hauptsächlich aus Abraten der vier Kretaschutzmächte England, Frankreich, Rußland, Italien, die weitere Komplikationen im Orient befürchteten, aber auch in der Er­kenntnis, daß der günstige Moment bereits verpaßt war und die Annexion den Krieg mit der Türkei bedeutet hätte. Seitdem hat sich in der Türkei der nationale Stolz noch weiter ent­wickelt, und kein türkisches Kabinett darf es jetzt wagen, Kreta an die Griechen herauszugeben. Der Rest von Hoheit-rechten, den die Türkei auf Kreta bewahrt hat, bildet für sie eine hin­reichend feste RechtSbasiS. Das Heer und dir Jungtürken scheinen gleich fest entschlossen, es aus einen Krieg ankommen zu lassen. Der militärischen Ueberlegenheit sind sie sicher, und einen kriegerischen Erfolg können namentlich die Jungtürken zur Befestigung deS neuen Regimes und ihrer Stellung darin nur zu gut gebrauchen.

Die Griechen hatten aus ein selbständiges Vorgehen ver­zichtet, weil sie glauben konnten, die Insel würde ihnen im

ver Pflicht getreu.

Von A. v. Lilien eron.

(Schluß.)

Ursula hatte Wolf Mariens mit keiner Silbe unterbrochen. Jetzt reichte sie ihm ihre beiden Hände, heiße Glut stieg in ihre Wangen und schüchtern sagte sie:Hasso ist heute noch nicht imstande, für sich zu sprechen, da muß ich'- an seiner Statt tun.

Sie atmete schneller, die Farben vertieften sich, und sie senkte den Blick.

Wir zwei haben unS lieb, von ganzer Seele lieb, und wollen einander angchören für alle Zeit. Will mich Hassos Vater aufnehmen als fein Kind? Ich will ihm eine treue Tochter fein."

Völlig überwältigt starrte Wolf sie sprachlos an.Kind - Kind", murmelte er,das wäre deS Glücks zu viel. Aber dein Vater...»

Ursula lächelte ihn an.Er gibt mir die Ausgabe, die Schuld der Dankbarkeit im Namen meiner Mutter abzu- zahlen!"

Verhaltener Jubel klang auS ihrer Stimme, als sie schmeichelnd fragte:Vater, willst du mich als Tochter haben?"

Da breitete er die Arme auS und zog sie an fein Herz. I Mein Kind jetzt! GotteS Segen über dich."

Schluß.

Die Kämpfe am Waterberg hatten sich abgespielt. Die braven deutschen Reiter rückten, mit den schwersten Entbeh- rungen kämpsend, den flüchtenden Hererobanden nach in daS Sandfeld hinein.

, . In Karibib auf der felsigen Höhe hinter dem Lazarett saßen Ursula und Hasso. Die Schwesternhaube verdeckte jetzt nicht mehr das blonde Lockengekrause der jungen Frau MartenS. ^or drci Tagen hatte der Missionar, der das Lazarett von Kanbib besuchte, daS Paar getraut.

Lause der Dinge ganz von selber zusallen. Aus eine all­mähliche Vorbereitung dieses Ereignisses war auch die Politik der Schutzmächte eingerichtet. Sie hatten dabei nicht in Rech­nung gestellt, daß die Türken, anstatt sich mit einer schmerz- losen Abtrennung dieses schon verloren geglaubten Gliedes zufrieden zu geben, die Neubefestigung ihrer Herrschaft über Kreta zu einer nationalen Ehrensache machen würden. Die Kretenser selbst haben ihnen durch Ucbereilung und Uebermut in die Hände gearbeitet. Anstatt ruhig abzuwarten, haben sie den Abzug der fremden Besatzung aus Kreta, der den Griechen für Juli versprochen war und unter Hinterlassung von StationSschiffen auch ausgeführt wurde, zu einer Kundgebung benutzt, die nun jetzt verhängnisvoll zu werden droht. Sie haben nämlich unter Mißachtung der türkischen Hohcitsrechte auf öffentlichem Platze die griechische Flagge gehißt und auch durch andere Akte bekundet, daß sie sich von jetzt an als Griechenland zugehörig betrachten. Die türkische Aufforderung an die griechische Regierung, diese ganze Bewegung zu des­avouieren, ist nun die Folge gewesen.

Die Griechen haben sich bisher in allen Kreta betreffenden Fragen hinter die Schutzmächte zurückgezogen. Die Türkei scheint aber jetzt entschlossen, geradeaus zu gehen und die Sache mit Griechenland direkt zu erledigen. Wie die Schutzmächte sich nunmehr stellen wollen, ist noch nicht zu erkennen. Sie haben eine schwere Ausgabe, weil sie Verpflichtungen nach beiden Seiten übernommen haben. Die nicht beteiligten Mächte, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, sind bisher aus ihrer streng beobachteten Reserve nicht herausgetreten. Hoffentlich gelingt es den Schutzmächten, noch einen Weg zur Erhaltung des Friedens zu finden.

Alts Jn- und Ausland.

Berlin, den 8. August 1909.

Aus Rendsburg, 7. August, wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser traf an Bord des Elcipner um 5V2 Uhr nachmittags im Audorfer See ein, um hier die Ankunft der von BrunSbüttel kommenden russischen Kaiserjacht Standart zu erwarten. Um 6 Uhr kam der Standart, dem die Jacht Polarstern und zwei russische TorpedobootSzerstörer folgten, im See an. Der Deutsche Kaiser, der die russische Generalsunisorm trug, begab sich sogleich, nachdem die Jacht gestoppt hatte, an Bord derselben und wurde vom russischen Kaiser und seiner Familie herzlich begrüßt, während die Mannschaften ein dreifaches Hurra auSbrachten und die Musik die deutsche Nationalhymne spielte. Am Großtop wurden gleichzeitig die russische und die deutsche Kaiserstandarte neben­einander gehißt. Die Schiffe gingen dann nach Kiel weiter. Die russische Kaiserjacht Standart ist mit den Begleitschiffen um 9 Uhr abends in die Holtenauer Schleuse eingelaufen. Die russischen Schiffe werden die Nacht im Kieler Hafen bleiben. Seine Majestät der Kaiser begleitete den Kaiser

Unsere Liebe ist im Kamps erwachsen, darum ist sie auch sturmscst", hatte Ursula gesagt.Mitten in den KriegSwirren wird unser Bund geschlossen, und die Pflicht reißt dich von mir, aber mitten in Sorgen und Trennungsschmerz möchte ich aufjubeln, denn nun gehören wir uns mit den heiligsten Banden an, innig eins für alle Zeit."

ES war ein kleiner Felsenversteck, in dem sie saßen, niemand konnte sie erspähen, niemand sie belauschen.

Hasso hatte sie an sich gezogen, und ihr Haupt ruhte an seiner treuen Brust. Er war völlig hcrgestcllt und wollte morgen zu seiner Truppe zurück, zur 5. Kompanie 1. Feld- regimentS. Zukunftsgedanken beschäftigten beide, sie sollten über daS Weh der Abschiedsstunde weghelfen.

Ursula wollte in Karibib bleiben unter dem Schutze deS Lazarett-, dem auch weiter ihre Arbeit gewidmet fein sollte. Sobald die Farmen bei Windhuk von den Ansiedlern bezogen werden konnten, gedachte Wolf MartenS sein verlassener Be­sitztum wieder auszusuchen und sich dort wieder festzusetzen. Das sollte dann auch daS Heim der jungen Frau werden, wo sie schalten und walten wollte als Tochter deS Hauses, um aller vorzubereiten für die Heimkehr deS Gatten. Der mußte dann ja auch bald kommen, und mit ihm wollte sie dann hinziehen, wo ihm fein Posten angewiesen wurde, als fein treues Weib, sein guter Kamerad.

So planten die beiden. Sie wußten wohl, daß er Lust- schlösscr waren, aber sie hielten sich daran, daß über der dunklen, ungewissen Zukunft dieselbe treue Gotteshand waltete, die ihnen bis hierher durchgeholfen hatte. Das machte sie getrost.

HassoS Name wurde gerufen. Er erkannte die Stimme des Doktors und verließ fein Felfennest.

Wenige Minuten darauf kam er zurück. Er hatte Feld­post in der Hand.

Ein Brief von Bruno", rief er seiner jungen Frau entgegen.EstorffS Abteilung steht in der Gegend von Erindji Rokatjonguo, und deiner Bruders Brief ist von daher."

Er hatte sich zu Ursula gesetzt, zusammen lasen sie bai Schreiben. Briefpapier schien gemangelt zu haben, eS waren

Nikolaus aus der Jacht Standart bis zur Kieler Bucht. Die Begegnung beider Monarchen trug einen durchaus privaten Charakter. Der Kaiser kehrte nach 10 Uhr abends an Bord der Hohenzollern zurück. Der russische Kaiser und die Kaiserin waren aus der Fahrt durch den Kaiser Wilhelm-Kanal be­gleitet von dem Großherzog und der Großherzogin von Hessen, der Prinzessin Heinrich mit ihren Söhnen und der Prinzessin Luise von Battenberg; bei Holtenau kam auch noch Prinz Heinrich an Bord. Die russische Kaiserjacht wurde aus der ganzen Kanalsahrt von den Einwohnern der anliegenden Ort­schaften mit freundlichen Kundgebungen begrüßt. DaS russische Geschwader hat bei Holtenau geankert.

Der Besuchde -Zeppelin 3" inBerlin findet, entgegen den bisherigen Meldungen, nicht am 26., sondern am Sonnabend dem 28. d. M. statt. Letzteres geschieht, wie die Kölnische Zeitung meldet, auf besonderen Wunsch der Kaiser-, damit die Schuljugend den neuen Lustkreuzer vollzählig be­grüßen könne. Außer dem Deutschen Kaiser will Gras Zeppelin daS Luftschiff auch dem Kaiser von Oesterreich, und zwar aus dem Bodenfee, vorführen, wenn der Monarch von der Einweihung deS AndrcaS-Hoser-DenkmalS in Bregenz zurückkehrt.

Eine inte re fsante sozi alp 0 litischeSt atist ik, die aus Mitteilungen der Vorstände der Versicherungsanstalten und der zugelassenen Kasseneinrichtungen beruht, wird vom ReichSversicherungsamt veröffentlicht. Danach betrug die Zahl der seit dem 1. Januar 1891 bis einschließlich 30. Juni 1909 von den 31 Versicherungsanstalten und den 10 vorhandenen Kasseneinrichtungen bewilligten Invalidenrenten 1688 491. Davon sind infolge TodeS oder Auswanderung bei Berech­tigten, Wiedererlangung der ErwerbSfähigkeit, BezugS von Unfallrenten oder aus u.Tviren Gründen weggefallen 811,222, so daß am 1. Juli 1909 liefen 877269 gegen 871303 am 1. April 1909. Die Zahl der währmd desselben Zeitraums bewilligten Altersrenten betrug 475 950. Davon sind infolge TodeS oder Auswanderung deS Berechtigten oder auS anderen Gründen weggefallen 371010, so daß am 1. Juli 1909 liefen 104 931 gegen 107 064 am 1. April 1909. Invalidenrenten gemäß § 16 deS JnvalidenvcrsicherungSgcjetzeS (Krankenrenten) wurden seit dem 1. Januar 1909 bewilligt 96265. Davon sind infolge Todes, Wiedererlangung der ErwerbSfähigkeit oder auS anderen Gründen weggesallen 77446, so daß am 1. Juli 1909 liefen 18819 gegen 18763 am 1. April 1909.

Die Auszahlung der Gehaltszulagen für Beamte und Unterbeamte der Reich-post, die vom Reichstag bewilligt worden find, erfolgt sicherem Vernehmen nach mit rückwirkender Kraft bis 1. April 1908 in der Zeit vom 16. bis 20. d. M. Auch die Postboten sowie die bei der Post beschäftigten Aushilfsarbeit« usw. erhalten eine Ausbesserung ihrer Tagegelder, und zwar beziehen sie fernerhin für den An­fang 3 Mk. statt bisher 2,70 Mk. täglich.

Aus der EtaatSbahn SwakopmundWind- huk ist eine erfreuliche Verkehrsneuerung eingeführt worden.

nur ein paar lose Blätter, scheinbar auS einem Notizbuch ge­rissen und mit Bleistift daraus geschrieben.

Ein warmer Gruß zum Hochzeitstage war daS erste, dann in wenig Motten ein kurzer Bericht über dir Schwierigkeiten deS Marsche-, und daraus hieß eS:

Wir haben einen herben Verlust zu beklagen, der per­sönlich mir sehr nahe geht. Leutnant Eduard wurde aus einem Patrouillenritt schwer verwundet. Er war noch im« stande, zur Kompanie zurückzukommen, aber er starb, ehe wir ihn inS Lazarett schaffen konnten. Ich war bei ihm in den letzten Augenblicken. Er trug mir noch die- und daS auf für die Kameraden, auch für feinen Burschen. Dann kam ein Gruß für Dich, Ursel, und ein paar leise gemur­melte Worte. Ich glaube, es war der Schluß von dem kleinen Reiterliede, das er Dir am letzten Abend gab:

Werd dich in dem Frieden-hort Wiednschn! Ich warte bort!

Gleich daraus war alles vorbei. Aus seinem Gesichte lag ein Abglanz des ewigen Morgenrots."

Ursula, die den Brief gehalten hatte, ließ ihn in ihren Schoß sinken. Tränen zitterten an ihren Wimpern.

Hasso! Hasso! Es ist doch etwa- Furchtbare- um den Krieg I Die Liebenden reißt er voneinander und junge Helden müssen ihre Treue mit dem Tode bezahlen."

Sanft zog er seine tiefbewegte junge Frau an sich. Getrost! Wir stehen in GotteS Hand! Vorwärts mit ihm der Pflicht getreu!"

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von L e 0 T u r n a u.

(Nachdruck verboten.)

In Purpur funkelnd und wie Gold leuchtend sandte die Lenzsonne ihre ersten Strahlen über die herrliche Landschaft von Nizza, das wie ein Parodie- zwischen den terassenförmig ausgetürmten Bergen der Ausläufer der Seealpen und den blauen Wogen der Meerbusen- von Geiiua lag. In den purpurnen Strahlen der Morgensonne bot diese Stadt mit