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herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 91.

Donnerstag, den 5. August

1909*

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 30. Juli 1909.

Die Vorschriften in § 20 der Bundesrats-Jnstruktion vom 30. Mai 27. Juni 1895 über die räumliche Ausdehnung der Hundesperre haben sich zur wirksamen Bekämpfung der Tollwut in solchen Gegenden, in denen die Seuche in größerem Umfange auftritt, nicht als ausreichend erwiesen.

Der Herr Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat deshalb auf Grund der ihm in § 1 der Bundes- rats-Jnstruktion erteilten Befugnis angeordnet, daß, wenn die Tollwut eine größere Verbreitung gesunden hat, Ortschaften und Gemarkungen auch in weiterer Entfernung von den Seuchenorten als im § 20 Abs. 3 der BundeSratS-Jnstruktion vorgeschrieben ist, alS gefährdet angesehen und demgemäß den Schutzmaßnahmen deS § 38 des Reichsviehseuchen-Gesetzes vom 23. Juni 1880 1. Mai 1894 unterworfen werden können.

Die Anordnung wird in einer der nächsten Nr. des Amts­blatts zum Abdruck kommen.

Den Ortkpolizeibehörden des Kreises teile ich Vorstehendes zur Kenntnisnahme mit.

I. I. 8144. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 30. Juli 1909.

In der Metzlerschen Buchhandlung in Stuttgart, Calver- Straße 18 I, ist das HandbuchKennzeichen der Kraftfahr­zeuge" von Regierungsrat Karl Lautenschlager in verbesserter Auflage erschienen.

Es enthält eine vollständige Uebersicht über die Verteilung der Kennzeichen und ErkennungS-Nummern für das gesamte Reichsgebiet und in einem Anhänge die neuesten nach der Zahlenfolge geordneten Nummern für ausländische Kraftfahr­zeuge.

Der Preis beträgt für 1 Stück 2,60 Mk., bei Abnahme von mindestens 25 Stück = 2,30 Mk., (ohne Anhang 2,40 Mk.), und in Partien 2,10 Mk.

Das Buch leistet namentlich den Polizeibehörden bei Er­mittelung straffälliger Krastwagenführer wertvolle Dienste und trägt zur Vermeidung unnötiger Schreibereien bei.

Ich empfehle den Ort-polizeibehörden die Anschaffung des Buches.

I. I. 8189. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

HerSfeld, den 2. August 1909.

Am Elektrotechnischen Institut in Frankfurt a/M. findet auch in diesem Jahr, und zwar in der Zeit vom 30. August bis 4. September täglich von 10 bis 12 und von 3 bis 5 Uhr ein Kursus über Anlage und Prüfung von Blitzableitern statt.

Der Pflicht getreu.

Von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

Rascher pochte Leutnant Eduards Herz, wenn er Ursulas schlanke Gestalt auch nur von ferne gewahrte, und immer klarer wurde eS ihm, daß er dieses Mädchen liebte, das so ganz anders geartet war, als die junge Damenwelt, mit der er bis­her in Berührung gekommen, und von denen keine einzige im- stände gewesen wäre, eine wärmere Regung in ihm zu er­wecken.

Diese still verschwiegene Liebe, die durch daS tägliche Zu­sammensein aus dem engbegrenzten Raume immer neue Nah­rung empfing, wuchs immer mächtiger empor in dem Herzen des Offizier-, aber er sagte sich, daß jetzt nicht die Zeit fei, solchen Träumen nachzuhängen. Ursula erschien ihm durch ihre Trauer gleichsam gefeit. Wie hätte er ihr jetzt von Liebe reden können! Ihm selbst konnten jetzt keine 9Jlt)tten blühen, was ihn in Afrika erwartete, waren Kampfesspenden, Lorbeer oder Grabzypressen.

ES war einer der letzten Abende der Reise. In den nächsten Tagen mußte Ewakopmund erreicht sein.

Die Geschwister saßen zusammen auf Deck, etwas abge­sondert von den anderen. Eine wehmütige Abschiedsstimmung schlich sich bei ihnen ein. Leise, wie verträumt, rauschten die Wellen und plätscherten am Bug des Schiffes. Stern- durchfunkelt war da« Himmelszelt, und der eigenartige Zauber dieser milden Tropennacht spann seine Fäden um sie her.

Störe ich nicht, wenn ich mich etwas zu Ihnen setze?" fragte Leutnant Eduard und trat an die Geschwister heran.

Bruno rückte sofort zur Seite und machte ihm Platz.

»Komnien Sie nur heran, Sie sind der Dritte hier in unserem Bund und erscheinen wie gerufen, denn ich will's nicht leugnen, wir zwei hatten uns etwas festgeredet in Ab- schiedSgedanken, da tut? gut, wenn man wieder von anderen Dingen spricht.«

DaS Honorar für die Teilnahme beträgt 30 Mk. An­meldungen sind an den Vorstand des Instituts zu richten.

I. 8267. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

I. 2" zur Rückkehr nach Frankfurt gezwungen.

Heftige Gewittcrstürme haben eS gestern dem Grafen Zeppelin unmöglich gemacht, mit feinem Z. 2 Köln zu erreichen. Zwischen Oberwinter und RolandSeck wurde das Luftschiff, das seinen Weg dem Rheintale entlang gewählt hatte, wieder zurückgetrieben. Nur 40 Kilometer von seinem Ziele wurde es 6,40 Uhr nachmittags infolge eines MotordesekteS bei heftigem Winde zum Umkchren gezwungen. Der größte Teil der 170 Kilometer in der Luftlinie betragenden Strecke war schon zurückgelegt, von Bonn auS hatte man das Luftschiff bereits gesichtet. Aber der Motordesekt ließ eS geraten er­scheinen, den gastlichen Hasen der Jla wieder auszusuchen, den eS auch in schneller Fahrt über den Taunus um 8,50 Uhr abends erreichte.

Frankfurt a. M., 2. August. Die Rückkehr des Zeppelin 2 nach Frankfurt a. M. bedeutete für die meisten eine gewaltige Ucberraschung. Das Luftschiff erschien in der neunten Abendstunde wieder über dem Ausstellungsplatz und landete um 8 Uhr 52 Min. glatt und ohne jeden Unfall. Besonders wertvolle Hilfe leistete bei der Landung die Musik­kapelle der 81er, die gerade auf derJla" spielte und von Major von Tschudi herangezogen wurde. Auch eine Anzahl Zivilisten beteiligten sich an den Bergungsarbeiten; später langten größere Truppenmengen aus dem Landungsplatz an. Die Rückkehr des Luftschiffes wurde durch den heftigen Sturm­wind veranlaßt, der schließlich eine Stärke von 18 Sekunden- meter erreicht hatte. Unterwegs wurde das Ventil ausgewechselt. Die Fahrt nach Köln wird wahrscheinlich morgen in den frühesten Morgenstunden angetreten werden, nachdem das Luftschiff eine Nachsüllung von Benzin, Wasser und Gas erhalten hat. Gras Zeppelin hat sofort nach seiner Ankunft in Frankfurt ein Telegramm nach Friedrichshasen gerichtet und eins nach Berlin an das Kriegsministerium, dem er meldete, daß er durch den heftigen Sturm genötigt worden sei, nach Franffurt zurückzukehren, und daß fein Schiff gut verankert sei. Während der Landung wurde daS Luftschiff durch Scheinwerfer beleuchtet. Gras Zeppelin sagte nach der Landung zu Geheimrat Gans, dem Präsidenten der Ausstellung: Leider muß ich mich wieder bei Ihnen zurückmelden!" Gras Zeppelin begab sich kurz nachher unter stürmischem Jubel der zahlreichen Menschenmenge vom Landungsplatz im Automobil

Der Offizier hatte Platz genommen, er wandle sich an Ursula.

Ihr Bruder wie ich kommen zur Abteilung Estorff, in dieselbe Kompanie. Seien Sie überzeugt, ich werde als älterer Kamerad und als alter Afrikaner ihm mit Rat und Tat immer zur Seite bleiben. Kameradschaft im höchsten Sinne soll unS verbinden, und sollte ich ihn je mit meinem Leben schützen oder retten können, so sollen Sie wissen, daß ich eS ohne Besinnen tun würde.«

Bruno legte in auswallender Wärme seinen Arm um den Kameraden.

Einer für alle und alle für einen. Wir wissen, waS es heißt treue Kameradschaft.«

Mit feuchtem Blicke sah Ursula auf die beiden. Sie reichte Leutnant Eduard ihre Hand.

Ich danke Ihnen", sagte sie leise,er ist mit viel, daß ich gerade Sie in Brunos Nähe weiß.«

Seine Hand umschloß fest die ihre und ehrfurchtsvoll führte er sie an seine Lippen.

Ein Gespräch wollte an dem Abend nicht recht in Gang kommen, immer wieder traten Pausen ein und besonders Ursula war schweigsamer noch als sonst.

Ein Wunsch lag ihr am Herzen, eine Bitte, die Leutnant Eduard ihr erfüllen sollte. Sie hatte eS noch nicht über sich vermocht, mit einem Fremden über den Geliebten zu sprechen. Sie fürchtete die eigene Schwäche, die Tränen, die sie nicht zurückhalten konnte, und die wollte sie keinem zeigen, der ihr nicht nahe stand.

Diese Wochen aber hatten ein Band auch zwischen ihr und dem Offizier geknüpft, dieafrikanische Freimaurerei", wie dieser es einmal scherzend und doch leuchtenden Auges genannt, hatte sie zusammengeführt. Jetzt stand er ihr nahe, das fühlte sie, er wußte auch durch Bruno Bescheid, daß sie ein Recht hatte, um den Toten zu weinen, auch wenn sie sich nicht seine Braut nannte. Mochte er denn immerhin ihre Tränen sehen, sie brauchte sie ihm nicht zu verbergen.

So sagte sie denn jetzt mit bewegter Stimme:Mein Bruder hat mir erzählt, daß Sie in BreSlau mit Herrn Mariens noch die letzte Stunde zusammen waren. Wollen Sie

in die Wohnung des GeheimratS GanS. DaS Luftschiff liegt wieder sest verankert aus dem Gebiete derJla".

Mit großem Jubel war Graf Zeppelin am Morgen entlassen worden, mit größerem wurde er am Abend wieder empfangen. ES war ein gewisses Mitleid dabei, daß dem Mann, der so Großes vollbracht hatte, sein Wunsch, heute nach Köln zu kommen, nicht erfüllt worden war. Die AuSstellungSleitung erhielt gegen 7 Uhr die erste Mitteilung, daß Gras Zeppelin sich aus der Rückreise befinde. Sofort telephonierte man an die Militärbehörde, daß zwei Bataillone bereit gehalten werden sollten. Von der AuSstellungSleitung wurde angegeben, dem Schiff sei unterwegs ein Unfall zugestoßen, glücklicherweise hat sich daS nicht bewahrheitet. Kurz nach 8 Uhr begann der Run vom AuSstellungSplatze nach dem Flugfeld. DaS Publikum, dem man die Ankunft zu verheimlichen suchte, hatte doch rechtzeitig davon gehört. In Scharen stürzte alles hinaus zum Ankerplatz, dorthin, wo das Luftschiff Sonnabend, Sonntag und Montag gerastet hatte. Gegen 8V2 Uhr sah man in weiter Ferne einen Streifen, der zunächst noch daS Aussehen einer Wolke hatte, aber bald klärte sich die Situation. Das Luftschiff kam mit Schnellzugsgeschwindigkeit näher und näher; als es in den Landungsplatz einbiegen wollte, wurde eS von dem immer noch starken Winde abgetrieben. Mächtig arbeiteten die Motoren, und die Propeller surrten. Auf dem Landungs­plätze hatte inzwischen Major von Tschudi seine Leute in zwei Reihen aufgestellt. Das Militär war noch nicht eingetroffen und kam erst, als das Schiff bereits gelandet war. Nur eine Militärkapelle, die rasch ihre Instrumente beiseite legte, war zur Stelle. DaS Luftschiff landete schließlich ohne wesentliche Mithilfe ziemlich dicht an der Verankerung-stelle von heute morgen. Als das Luftschiff den Boden erreicht hatte, brach ein ohrenbetäubender Jubel auS. Zeppelin bat schließlich um Ruhe, bami; e. sich verständlich machen könne. Er sagte:Ich bin leider noch einmal hierher zurückgekehrt und muß noch einmal Ihre Gastfreundschaft in Anspruch nehmen." Schnell wurde daS Luftschiff verankert, und Graf Zeppelin stieg auS. Ein Auto sollte jetzt den Grasen, der ziemlich ermüdet auSsah, in die Stadt bringen. DaS Publi­kum umdrängte den Grasen, so daß er kaum in den Wagen steigen konnte. Dann stellte sich eine neue Schwierigkeit ein; der Boden war von dem wolkenbruchartigen Gewitterregen des Nachmittags so grundlos geworden, daß dar Auto nicht vorwärts kam. Da griff das Publikum ein und schob das Automobil mit kräftigen Armen und unter immer neuem Jubel hinaus auf den Weg.

Direktor Colsman erzählte einem Vertreter der Frankfurter Zeitung, daß das Luftschiff vollständig intatt sei und keinerlei schwereren Defekt erlitten habe. Lediglich deS furchtbaren Unwetter- halber sei man umgekehrt. Ein Kapitän des Luft­schiffs berichtete über die Fahrt:Wir hatten zwei schwere Gewitter zu überstehen, das stärkste gegen 2 Uhr 50 Minuten. Ein furchtbarer Sturm brach loS mit Hagelschlofsen und Regen. DaS Luftschiff war ganz in Wolken gehüllt. Lange

mir, bitte, davon erzählen, alles dessen Sie sich noch erinnern. Hasso Mariens stand mir ja nahe, sehr nahe.«

Sie brach ab, die Stimme versagte ihr.

Im vollen Verständnis ihrer Gefühle erzählte der Offizier auch die kleinsten Nebenumstände dieses letzten Zusammenseins. Er sah, wie dabei Träne aus Träne in ihren Schoß fiel und wußte, daß er den Toten beneidete, dem dieser Schmerz galt!

Als er geendet hatte, wandte sich das liebliche schmerzer- füllte Gesicht ihm zu.

Für jedes Wort, das Sie mir von ihm gesagt haben, danke ich Ihnen. ES ist so bitter schwer, da- Liebste zu ver­lieren."

Ueber daS Gesicht des Offizier- zuckte eine tiefe Bewegung. Erst nach einer Pause sagte er, und seine Stimme klang dabei umschleiert:AlS ich in Afrika war, kam mir ein kleiner VerS in die Hände, den einer unserer Reiter am Vorabend deS Gefechts gedichtet hatte. Er fiel den Tag darauf. Seine Sachen wurden mit eingehändigt, nnd ich fand die Zeilen in seinem Taschenbuche. Sie waren wohl an die Liebste daheim gerichtet. Ich habe sie den Seinigen geschickt, aber sie auch sogleich für mich notiert in ihrer ganzen Ursprünglichkeit. Darf ich sie sagen?«

Er sah, daß sie die Lippen bewegte, verstehen konnte er ihre Antwort nicht, aber er wußte ihren Blick zu deuten. Er rückte seinen Feldstuhl zurück. Nein, ansehen durste er sie nicht länger, das brächte ihn um jegliche Fassung. So blickten seine Augen nur in weite unbestimmte Fernen, während er die schlichten Verse sprach:

Nach der Heimat zieht mein Sinn,

Zieht mich zu der Liebsten hin,

War so schwer, von ihr zu gehn.

Werd ich dich auch wiederschn?

In Gefahren, Kamps und Not

Denk ich dein bis in den Tod.

Morgen heißt es vorwärts gehn.

Werd ich dich auch wiedersehn?

Falle ich auf blutgem Feld,