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und die Telegraphen- und Telephondrähte durchschnitten, Gen­darmerie machte später den Weg frei, so daß der Zug abgehen konnte. Bald jedoch mußte er umkehreu, da auch weiterhin die Schienen ausgerissen waren. Zu derselben Zeit wurde in Barcelona der allgemeine Ausstand begonnen. Ueber die Provinz Barcelona ist, wie über die Hauptstadt, der Belage­rungszustand verhängt worden.

Mr K- und Ausland.

Berlin, den 27. Juli 1909.

Bon der Nordlandreise Sr. Majestät des KaiserS wird gemeldet: Molde, 26. Juli. Se. Majestät der Kaiser besahl Vormittags das Wettrudern der Mannschaften der Hohenzollern und der Hamburg und begab Sich alsdann mit den Herren der Begleitung auf die Höhe von Molde, woselbst bei sonnigem Wetter daS Frühstück eingenommen wurde. Nachmittags Wetter wieder trübe und regnerisch.

Die Steuerfreiheit der für 1908 nachge- zahlten Beamtengehälter wird in einer Verfügung des preußischen FinanzministerS ausgesprochen, die den Vor- sitzenden der Einkommensteuer-Berusungskommisfion zugegangen ist. Sie lautet: Die den Beamten, Schullehrern und Geist­lichen aus Grund der neuen Besoldungsvorschriften für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1908 nachgezahlten Be­träge sind Vergütungen für die von den Empfängern im Kalenderjahre 1908 geleistete Tätigkeit. Wiewohl die Beträge erst im Kalenderjahre 1909 zur Auszahlung gelangt sind, können sie daher gemäß Z 9 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes für das Steuerjahr 1910 nicht für einkommensteuerpflichtig erachtet werden.

Die Auswanderung über Hamburg und Bremen hat im abgelaufenen Halbjahre zwar die deS Halb­jahres 1908 um nahezu daS Dreifache überstiegen, da die Gesamtzahl für die beiden Häsen 155 449 gegen 55 736 be­trägt, allein ein Vergleich mit den drei vorangegangenen Jahren 19051907 zeigt, daß der Ausschwung sich noch etwa- zögernd vollzieht und den Nachdruck der srühercn Jahre doch noch nicht erreicht hat. So stehen den 155 449 Auswanderern dieses Halbjahres gegenüber 1907 242 383, 1906 200 677, 1905 201 975. Der Monat Juni schneidet stets gegen den Mai schlecht ab; denn die Auswandererzahl pflegt in diesem Monat regelmäßig um mehrere Tausend zurückzugehen.

Die Bekundungen deS Mißfallens auf Seiten der Anhänger der konservativen Partei und deS Bundes der Landwirte wegen der oppositionellen Haltung ihrer parlamentarischen Vertreter im Reichstage in der Frage der Erbschaftssteuer dauern fort. So war der bekannte konservattve Abgeordnete v. Heydebrand und Lasa in einer zu Mielitzsch in Schlesien ab­gehaltenen Versammlung konservativer Wähler, der Herr v. Heydebrand seinen Rechenschaftsbericht erstattete, Gegenstand heftiger Angriffe seitens mehrerer Redner. Die übliche Ver- trauensresolution für Herrn v. Heydebrand unterblieb.

DerMilitäretat für 1910 wird lautBerl. N. N." selbstverständlich nur daS bringen, waS unbedingt notwendig ist. Man hat aber schon im Etat 1909 einen erheblichen Teil der Forderungen aus Eparsamkeitsrücksichten zurückgestellt und nunmehr erheischt die Schlagfertigkeit des HeereS die Bewilligung einer Reihe weiterer Maßnahmen, die unauf­schiebbar find. Die einmaligen Ausgaben werden sich in dm Grenzen von 1909 haften, die gegenüber dem Vorjahre erheblich herabgesetzt find. Eine Militärvorlage wird nicht kommen. DaS gegenwärtige Friedenspräsenzgesetz läuft erst 1911 ab.

AuS Deutsch-Südwestafrika wird gemeldet: Im ganzen Schutzgebiet hat eine rege Schürfe eingesetzt. Die South Westasrica-Company hat eine Expedition unter Führung deS Bergingenieurs Aßmore ins Kaokofeld entsandt, die vor- nehmlich Kohle und Edelmetalle yussuchen soll. Von den Er- gebniffen dieses Zuge- wird es abhängen, ob die Gesellschaft ihre Eisenbahnprojekte im Norden weiter verfolgen soll. Im Otawitare sind an verschiedenen Stellen Goldsunde gemacht worden, die aber vorläufig wenig AuSsicht auf einen lohnenden Abbau haben. Auch die bis jetzt gemachten Kohlensunde sind ohne Bedeutung, da die Kohle nur einen äußerst geringen Heizwert besitzt und stark verunreinigt vorkommt. Dagegen erscheinen die kürzlich erschlossenen Diamantfelder an der Tpencerbucht, etwa 140 Klm. nördlich von Lüderitzbucht, also außerhalb des eigentlchen Sperrgebiets, von erheblicher Be° deutung zu sein. Am 23. Juni ging eine auS 20 Weißen und 16 Eingeborenen bestehende Gruppe mit dem Woermann- dampser Arnold Amsinck nach der Spencerbucht in See. Diese Bai ist eine flache Bucht, vor der die englische Merkur-Insel

.Unteroffizier Martens, 5. Kompanie, 1. FeldregimentS", hieß es da.

Stet!"

Die Antwort kam in überstürzter Hast. ES war der Brief, der ersehnte Brief, davon hatte ihn ein Blick über­zeugt ! Er nahm ihn freudetrunken an sich und eilte davon. Allein, ganz allein wollte er mit feinem Glücke sein; sich in den Gruß der Geliebten zu vertiefen, daS sollte eine Weihe- stunde werden, die niemand ihm stören durfte. Die Tropen- dämmerung war schnell geschwunden, die FelSgipfel, in Schatten gehüllt, zeigten nur dunkel ihre verschwommenen Um­risse. Der flimmernde brennende Tag räumte der wunder- milden Tropennacht den Platz.

Haffo war noch im Besitz eines LichtstumpfeS, für ihn in diesem Augenblick ein wertvoller Artikel.

Er suchte Deckung hinter einer FelSklippe, zündete fein Licht an und öffnete pochenden Herzens den Brief. ES war, wir er «wartet hatte, ein Schreiben von Bruno und darin eingeschossen die sehnsüchtig erwarteten Zeilen, Ursulas Gruß. Er las dm Brief wieder und wieder in heißem Glücks- gefühle. Jedes Wort prägte sich tief in feine Seele ein, und in stürmischem Jubel preßte er die Zeilen an die Lippen.

Noch ganz unter dem Eindrücke von Ursula» Worten riß er ein Blatt aus seinem Notizbuch, um sofort die Antwort zu schreiben. Wer weiß, was die nächsten Stunden bringen sonnten, und ob er noch dazu kommen würde. Im Feldlager ist man nicht wählerisch mit seinem Briesmaterial, man nimmt, war man hat, und mag das noch so afrikanisch urwüchsig fein, man ist doch sicher, daß ei daheim Freude bringt und in Liebe empfangen wird.

So fchrieb dmn auch Haffo, da er nichts anderes zur Hand hatte, mit Bleistift auf daS Blatt seines Notiz- bucheS:

Ein Gruß von meinem ein und allem! Nun gehe ich voll Jubel allen Gefahren entgegen, mit diesem Talisman an meinem Herzen und mit dem heiligen Gelübde Treu bis in den Tod!"

Weiter kam er nicht. Da, Lichtstümpjchen war nieder­

gelagert ist. Die Dünung ist dort so stark, daß nur mit kleinen BrandungSbooten die Landung vollzogen werden kann. Von der LandungSstelle geht eS etwa 60 Klm. nordöstlich zu den von den Deutschen Wolter und Hubrich entdeckten Diamant- feldern. Ob große oder kleine Steine dort lagern, weiß man noch nicht. Jedenfalls wird die Ausbeutung in der völlig wasserlosen Wüste, besonders mit Rücksicht auf die schwierigen LandungSverhältnisse, recht mühsam sein. Dennoch gehen von Lüderitzbucht jetzt schon täglich Expeditionen mit Kamelen, Pferden, Eseln und Karren in die gelobten Gefilde. Wie im vergangenen Winter schießen die Syndikate wie Unkraut aus dem Boden, und der Handel mit neuen Anteilen hat die wildeste Spekulationswut erweckt. Man ist natürlich äußerst gespannt, wie sich das Kolonialamt zu der Sache stellen wird, ob eS diese Felder sperren und somit viele Hoffnungen ver­nichten, oder ob es durch bestimmte Zollmaßnahmen die Re- gieverordnungen aus daS neue Gebiet anwenden wird.

Wie die Luftschiffbaugesellschaft Zeppelin mitteilt, wird, falls keine unvorhergesehenen Ereignisse eintrcten, das Luft­schiff Zeppelin 2 in der Nacht vom Freitag zum Sonn­abend dieser Woche die Fahrt von Friedrichshafen nach Frank­furt a. M. antreten. Sie ist über Ulm, Stuttgart, Heidelberg und Darmstadt geplant. Das Luftschiff dürste im Lause bei Nachmittags aus dem Gelände der Internationalen Lustschiff. auSstellung landen und in der Nacht vom Sonntag zum Montag die Fahrt nach Köln sortsetzen. Gras Zeppelin be­absichtigt, das Luftschiff selber zu führen.

Wie derB. L.-A." erfährt, soll im November dem Reichs­tag sofort eine Novelle zum ReichS st empelgesetz vor- gclegt werden, die Bestimmungen dahin treffen wird, daß alle Gewinnanteil- und Zinsbogen, die vor dem 1. August 1909 trotz noch nicht abgelaufener GiltigkeitSdauer gegen neue lang- befristete umgetauscht worden sind, vom Tage der Ausgabe ab der Talonsteuer unterliegen.

Kaiser Nikolaus von Rußland traf mit der Kaiserin gelegentlich seiner Reise nach Cherbourg und Cowes am DienStag vormittag in Hemmelmark bei Eckernförde zu eintägigem Aufenthalte ein. Hemmelmark ist die an der Eckern- förder Bucht reizend gelegene Besitzung deS Prinzen Heinrich von Preußen, die der Prinz als Sommersitz für sich und seine Gemahlin erwarb. Da Prinz Heinrich zurzeit als Chef der Hochseeflotte in den spanischen Gewässern weilt, so empfing in seiner Vertretung die Prinzessin Heinrich die hohen russischen Gäste und Verwandten in Hemmelmark, wo auch das hessische Großherzogspaar weilt. Während des Aufenthaltes der rus­sischen Majestäten in Hemmelmark waren zu ihrer Sicherheit umfassende militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen worden, was denn auch bei der Weiterreise des Zarenpaares durch den Kaiser Wilhelm Kanal der Fall war.

Die Tschechen merken am Geldbeutel, was sie mit ihrer Deutschenh etze in Böhmen, speziell in Prag, an­gerichtet haben. Wie die Ausweise des VereinS zur Hebung des Fremdenverkehrs beweisen, betrug die Zahl der im Juni in Prag angekommenen Fremden 9142, gegen 15 485 im Vorjahre.

Die Italiener können ihres Kolonialb esitzes an der Ostküste Afrikas nicht froh werden. An der unter italienischer Oberhoheit stehenden Benadirküste sind neue Ein- geborenen-Unruhcn ausgebrochen. Es fand ein Gefecht italie- irischer Askaris mit dem rebellischen Stamme der Mohallion JSmail statt, das ziemlich blutig war. Auf Seite der Rebellen gab eS 45 Tote und 20 Verwundete, die italienischen Kolonial- truppen hatten einen Verlust von 5 Toten und mehreren Ver­wundeten. Außerdem wurden einige Rebellen gefangen ge­nommen. Der Feind zerstreute sich schließlich.

In S e r b i e n soll sich eine Bewegung geltend machen, welche auf den Sturz der Dynastie Karageorgewitsch hinzielt. Die alt-radikale Partei ist Träger dieser Bewegung, sie soll Kundgebungen an das Volk und an die Skupschtina vorbe- reiten, welche sich auf die Notwendigkeit der Enttrohnung der jetzigen serbischen Dynastie beziehen. Es heißt, dem König Peter soll bei seiner Abdankung eine Abfindungssumme in Höhe von 5 Millionen Franken gezahlt werden. Der König leidet seit Bekanntwerden dieser antidynastischen Umtriebe an Ohnmachtkanfällen.

Aus Provinz u. Naebbargebiel

):( Hersfeld, 28. Juli. Am gestrigen Abend fand die EröffnungS-Vorstellung deS Zirkus Otto Mark statt. Das Riesenzelt aus dem Marktplatz war vollständig besetzt. Ein reichhaltiges Programm füllte den Abend auS und zeigte, daß der Zirkus über erstklassige Künstler sowie ein ganz vorzügliches Pferdematerial verfügt, wie wir seit langem hier

gebrannt und damit fein Reichtum auf diesem Gebiete zu Ende gegangen. Nun morgen in aller Frühe konnte er ja den an- gefangenen Bries beendigen und dann mit der nächsten Feld­post abgehen lassen.

Er stand auf, um zu seinem Zelte zurückzugehen. Stern- durchsunkrlte Finsternis überdachte die Erde. Hinter der Berg- kuppe brach ausqucllendes Leuchten sich Bahn. Der Vollmond, eine altgoldene Glutscheibe in riesenhafter Größe, begann lang­sam seine Bahn zu ziehen. Ein magisches Lichtmeer um« webt den Berg und breitet sich über daS Lager aus, wo, in den Woilach gewickelt, den Kopf auf dem Sattel, einzelne Reiter sich schon zum Schlaft niedergestreckt haben.

Andere sitzen und lagern im Kreise und sprechen vom Krieg und von der Heimat.

Ein Lagerfeuer darf nicht angezündet werben, man erwartet den Feind in nächster Nähe uud soll sich nicht ver­raten.

Ab und zu daS schmetternde Ausschrillen einer Eidechse oder das aufdringliche Geschnatter eines EavannenhuhnS, daS sich einen Dornbusch zum schützenden Nachtlager auSgewählt hat, und auS der Ferne daS Bellen des Schakals, das klagende Heulen der Hyäne. DaS ist afrikanisches Nacht- konzert.

Haffo streckte sich unter seinem Zelt zur Ruhe nieder, blickte in daS Eternengesunkel und träumte träumte.

Am anderen Tage marschierte die Kompanie in zeitiger Morgenfrühe weiter. 30 Reiter unter Oberleutnant Ritter, eine Artillerieabteilung, die zwei Kompanien deS Seebataillons und die Landung-abteilung Habicht gehörten noch weiter zu der hier vorrückenden Abteilung.

Jeden Augenblick erwartete man den Ueberfall deS Feindes, und als sich dunkle Gestalten seitwärts über dem Klippen- rande zeigten, sollte ihnen eben eine feurige Salve ausgebrannt werden, als die vermeintlichen Herero sich alS eine Herde von Pavianen entpuppten. Große Heiterkeit herrschte ob dieser Verwechslung.

Aber daS fröhliche Lachen der frischen Reiter wurde jäh abgebrochen. Sie bekamen plötzlich Feuer, ohne den Gegner entdecken zu können. Gleich daraus aber wurden

nicht gesehen haben. Aus den zahlreichen Vorführungen möchten wir ganz besonders die Kettenturner Gebr. Raimond erwähnen, die mit ihren außerordentlich schweren Leistungen Aussehen erregten. Ferner den Kraft-Sport-Akt von Miß Julie Sandow, welche aus dem Rücken liegend mit ihren Beinen ganz enorme Leistungen ausführt. Mit einem großen Tisch spielt sie, wie mit einem leichten Balle, ein Schiffskarussel mit 2 Personen besetzt, balanziert sie auf den Füßen in schnellster Fahrt, ein Brett mit 7 Personen besetzt, trägt sie auf den Fußsohlen und anderes mehr. Einen Nervenkitzel verursacht die Fahrt des Herrn Großmann mit seiner Frau imHöllenkessel". In sausender Fahrt führen diese ihre Räder an den Wänden deS in der Manege ausgeschlagenenHöllenkessels", eine ganze Bravourleistung. Staunenerregend waren auch die Leistungen des Herrn Bongjilli, desMannes ohne Knochen". Selten wohl bekommt man einen Schlangenmenschen von solcher Vollkommenheit zu sehen wie diesen, und man muß un­willkürlich denken, daß dieser Mensch wirklich keine Knochen hat. Einige heitere Nummern zeigten auch, daß die KlownS aus der Höhe sind. Sie entfesselten mit ihren Darbietungen zeitweise wahre Lachstürme. Auch die Pausen werden von drei dummen Auguste" bestens ausgesüllt. Ueberhaupt waren sämtliche Nummern des Programms sehenswert, so daß ein Besuch dieses Zirkus, der nicht zu den alltäglichen gehört, nur empfohlen werden kann.

Lengers, 25. Juli. In der am Freitag hier stattge- fundenen Schulvorstandssitzung betreffs Zuschlagserteilung der Arbeiten zu dem neuen Schulgehöst wurde folgenden Herren einstimmig der Zuschlag erteilt: Los I Maurermeister Herrmann-Heimboldhausen (15 080,63 Mk.); LoS II Zimmer- meister Kirschner-Heimboldshausen (5346,45 Mk.); Los III Schreinermeister Georg Lotz-LengerS (6200 Mk.).

Witzenhausen, 24. Juli. Der unerbittliche Tod hat heute früh dem hoffnungsvollen Leben eines hiesigen jungen Mannes I. Feuring, ein Ziel gesetzt. Der Verstorbene hat vielleicht aus seinen häufigen Ausflügen irgend etwas Giftiges gegessen, denn nach nur kurzem leichten Unwohlsein sand man ihn als Leiche heute morgen in seinem Bett. Die nähere Todesursache wird die Sezierung ergeben.

Frankenberg, 25. Juli. Der auf der Posthalterei Hallenberg beschäftigte Postillon Petercken stürzte auf der Fahrt nach Medenbach vom Bock und war sofort tot.

Marburg, 26. Juli. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend brach in dem Vereinslokal der Studentenver­bindungRhenania" ein Brand aus, durch den das gesamte Inventar einschließlich der Fahne vernichtet wurde. Der Schaden beläust sich aus etwa 2500 Mk.

Biedenkopf, 25. Juli. In Niederfischbach starben zwei Kinder nach dem Genusse unreifer Stachelbeeren.

Naumburg, 26. Juli. In der Saale ertrank beim Baden ein Dachdeckerlehrling. Zwei Zimmerlehrlinge, die ihn zu retten versuchten, ertranken ebenfalls.

Schlüchtern, 25. Juli. In dem nahegelegenen Dorfe Kreffenbach erkrankte plötzlich eine Familie unter schweren Vergiftungserscheinungen, mutmaßlich infolge Genusses ver­dorbener Speisen. Die Untersuchung ist bereits im Gange.

Cassel, 26. Juli. Trotzdem der Kunstverein den Ein­trittspreis für die französische Kunstausstellung infolge ihrer großen Kosten von den sonst üblichen 50 Pfg. auf 1 Mk. erhöhen mußte, erfreut sich die Ausstellung eines sehr lebhaften und ständig zunehmenden BefuchS. Insbesondere sällt dabei aus, daß im Gegensatz zu den früheren Ausstellungen, die fast ausschließlich von unseren Mitbürgern besucht waren, ein großer Prozentsatz der jetzigen Besucher von Fremden gebildet wird. Nicht nur zahlreiche Bewohner der umliegenden Landesteile suchen die Ausstellung auf, sondern auch Holländer, Engländer und Franzosen sind fast immer dort zu treffen, welche die seltene Gelegenheit ein gedrängtes Bild modernen französischen Kunstschaffens in hübschem Rahmen gewinnen zu können, an- zieht. Wie sehr die jetzige Veranstaltung des Kunstvereins Interesse weit über Cassel hinaus weckt, dafür waren ein deut­liches Zeichen auch die zahlreichen zunächst allerdings nur kurzen Hinweise auf sie in unseren führenden Zeitungen. Selbst die ersten französischen Journale bringen Berichte. So hebt der Figaro in einem am Freitag letzter Woche erschienenen Artikel die dankenswerte VermittlungStätigkeit Arnold Rech- bergs und die vorzügliche Auswahl der ausgestellten Gemälde und Skulpturen durch ihn hervor und gedenkt auch der um- sangreichen Arbeit, welche Museumsdirektor Dr. Boehlau, Professor Knackfuß, der Maler Meyer-Cassel und die Herren Otto Ehrenberg und L. Pfeiffer geleistet haben. Der Artikel schließt mit den Worten:Nichts kann in der Tat besser in Deutschland zur Erkenntnis des Wesens und der Entwickelung unserer Kunst beitragen als diese einem so hervorragenden

Schwarze sichtbar, die in deutsche Uniformen gekleidet waren.

Der Artillerie, die sofort auffuhr, gelang eS zwar, die Herero aus ihrer ersten Stellung herauszutreiben, aber sie hatten dahinter eine zweite vorzüglich vorbereitete Felsenver- Ichanzung, hinter die sie sich zurückzogen.

Leutnant v. Rosenberg, der die 5. Kompanie sührte, mußte mit den Reitern eine Frontschwenkung machen, da sie vom Feind überflügelt wurden. Bei dieser Bewegung geschah es, daß ein Streifschuß Haffo an der linken Brustseite traf. Die Kugel hatte den Rock zerrissen, Blut sickerte aus der Wunde, und einen Augenblick wurde es ihm schwarz vor den Augen. Er biß die Zähne zusammen. Nur jetzt kein Unterliegen, jetzt, wo jeder Mann gebraucht wurde.

Ihm war es klar, daß er mit der blutenden Wunde in diesem Zustande nicht lange mehr kampffähig bleiben werde. Aber er war Selbsthilfe gewohnt, und Verbandszeug war in fein Rocksutter eingenäht. Ein Kamerad lieh ihm Hüls- reiche Hand, und rasch war der Notverband angelegt, das Bluten gestillt. Haffo konnte seinen Platz wieder voll aus» süllen.

(Fortsetzung folgt.)

(Entfernung einer Chassepotkugel nach 39 Jahre n.) Ein Andenken an die Schlacht bei MarS-la- Tour in Gestalt einer Chassepotkugel trug seit dem Tage der Schlacht der in Aurich lebende Major z. D. Kämpse in der Nähe des Hüftgelenks fast 39 Jahre mit sich, ohne daß ihn die Kugel behindert hätte. Der Major hatte als junger Leutnant im Infanterieregiment Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig lOstsriesischeS) Nr. 78 an der Schlacht teilge- nommen. Bar einiger Zeit begann aber die Kugel sich zu senken und verursachte durch den Druck dem Veteranen sehr empfindliche Nervenschmerzen, so daß er gezwungen war, sie entfernen zu lassen. Vor einigen Tagen wurde, wie auS Hannover geschrieben wird, im dortigen Klementinenhauje die Operation auSgesührt.

Görlitz, 27. Juli. Im Neissebade sind am Sonn­tag zwei Männer ertrunken. Man nimmt an, daß sie das Opfer kalter Strömungen geworden sind.