Der Antrag gegen den Zarenempfang wurde natürlich vom Unterhause abgelehnt, erlangte aber doch immerhin 79 Stimmen. Sir Edward Grey hatte gegen ihn geltend gemacht, daß eS nicht Sache der englischen Regierung sei, Einfluß aus die inneren Angelegenheiten sremder Länder auSzuüben. Dieser Grundsatz bleibt richtig, auch wenn sich die englische Regierung selbst nicht immer danach gerichtet hat. Man braucht nur an die Einmischung der englischen Politik in die türkischen Angelegenheiten wegen der früheren armenischen Verfolgungen und der Bandenkämpse in Mazedonien zu denken.
Ebenso richtig ist der Grundsatz, auf den sich Sir Edward zur Rechtfertigung seiner Haltung während der letzten Balkan- wirren, insbesondere gegenüber der bosnischen Annexion, berief, daß nämlich internationale Verträge nicht ohne Zustimmung aller VertragSmächte geändert werden sollen. Aber es läßt sich auch nicht bestrciten, daß die englische Politik nicht immer danach gehandelt hat, z. B. bei dem englischen Abkommen mit Frankreich vom 8. April 1901, daS den Franzosen in Marokko wirtschaftliche Vorrechte einräumte, die mit der Madrider Konvention von 1880 nicht vereinbart waren. Man sieht eben, in der Politik entscheiden die moralischen Grundsätze nur in= soweit, alS es die Interessen und Machtverhältnisse zu- lasten.
Mit großem Nachdruck hob der englische Minister hervor, daß die Pflege eines innigen Einvernehmens mit Frankreich und Rußland die Pflege guter Beziehungen zu anderen Mächten nicht hindern dürfe. Es ist kein Zweifel, daß Sir Eduard Grey dies durchaus aufrichtig meint. In der Tat hat sich ja auch im Verlaufe der Balkankrisis dank dem kräftigen Ein- treten Deutschlands für seine österreichisch-ungarischen Bundesgenossen gezeigt, wie schwierig und gefährlich Jsolierungsbc- strebungen find, und wie wenig Vorteil es Rußland gebracht hat, sich dem deutschen Nachbar zu entfremden.
Schirm tollste der Sanier bei Melilla.
Die Nachrichten auS Nordmarokko lauten für die Spanier immer ernster. Infolge der strengen spanischen Depeschen- zensur ist man lediglich aus amtliche Mitteilungen angewiesen, und sch»n diese lauten recht bedrohlich. Wie gewaltige Ver- luste die Spanier in dem letzten Kampse vor Melilla erlitten haben, der so blutig war wie selten einer in Marokko während der letzten Jahre, geht aus folgender Meldung hervor:
San Sebastian, 24. Juli. Bei Melilla hat gestern abend eine furchtbare Schlacht stottgcfunden. Tausende von Kabylen stürmten aus die Proviantmagazine und die Vorposten der Spanier ein. Amtlich verlautet, ein Oberst und sechs weitere Offiziere seien tot, 13 verwundet. Zwei Offiziere sind verschwunden und vielleicht gefangen genommen worden. Von den Mannschaften find 200 Mann verwundet. Die Zahl der toten Soldaten wird verschwiegen. Der Eindruck dieser Hiobsbotschaft ist ungeheuer.
Nach einer weiteren Nachricht ist der in dem vorhergehenden Telegramm erwähnte spanische Oberst tot oder verwundet in der Gewalt des Feindes. Die Zahl der ver- wundeten Mannschaften soll sogar 260 betragen. Doch sollen die Verlustziffern nur annähernd wiedergegeben sein, wahrscheinlich sind sie noch höher.
Aus Jn« und Ausland.
Berlin, den 25. Juli 1909.
Aus Molde, 24. Juli wird gemeldet: Se.Majestät der Kaiser nahm heute vormittag die Vorträge des Vertreters des Auswärtigen Amts Gesandten v. Treutler, des Chefs des Generalstabs der Armee v. Moltke und des Chefs deS MarinekabinettS v. Müller entgegen und unternahm Nachmittags einen Epaziergang in die Umgebung von Molde mit einigen Herren deS Gefolges. Wetter sonnig und wärmer.
Der Bundesrat wird sich diesmal, einer Berliner Korrespondenz zufolge, keine eigentlichen Sommerferien leisten. Er beabsichtigt, den ganzen August hindurch in Berlin zu bleiben, um die AuSführungsbestimmungen zu dem am 1. September und 1. Oktober in Kraft tretenden neuen ReichS- steuergesetzen zu treffen; die AuSführungsbestimmungen betreffs der am 1. August und 15. August Gesetzeskraft erlangenden Steuergesetze find natürlich schon fertiggestellt. Erst Anfang September wird der BundeSrat in die Ferien gehen, aber schon in der ersten Oktoberwoche tritt er zu seiner neuen Wintertagung wieder zusammen.
Die Herbstmanöver der deutschen Flotte werden in diesem Jahre ihren Anfang in der zweiten Hälfte deS Monats August nehmen. Sie haben dadurch besondere Bedeutung, daß mit ihrer Beendigung Prinz Heinrich den Oberbefehl über die Flotte niederlegen und in die Stelle des Generalinspekteurs der Marine einrücken wird. Neu ist auch gegen früher die Vereinigung von drei Geschwadern zu den Manövern. Allerdings wird daS dritte Geschwader als vollwertige Schlachtflotte nicht gelten können, da es aus den alten Küstenpanzern der „Siegfried-Klasse" zusammengesetzt ist. Das Manöver wird gleichseitig das letzte sein, daS im Rahmen der bisherigen GrößenvnhSltniste unserer Schlachtschiffe statt- findet, denn im Herbst werden die ersten beiden „DreadnoughtS" der deutschen Flotte, die Linienschiffe „Nassau" und „Westfalen" in Dienst gestellt werden.
Von dem Gedanken ausgehend, daß die Grenzfestung Metz in Anbetracht ihrer Bedeutung mit dem besten ReichSlustschiss auSzustatten sei, daS jeweils zur Verfügung steht, bemüht sich die dortige Militärbehörde bei der in Berlin zuständigen Stelle, daß der in Friedrichshasen zur Abnahme bereitliegende „Z. 2* nicht nach Köln, sondern sofort nach Metz übergeführt wird. Die Nähe der Grenze und die Unvollkommenheit deS „Z. 1“, die in erster Linie in den zu schwachen Motoren zu suchen ist, lassen eS wünschenswert erscheinen, daS vollkommenste Luftschiff in Metz stationiert zu sehen. „Z. 1" soll dasür die Reise nach Köln antreten. ES ist also nicht ausgeschlossen, daß in letzter Stunde eine Verschiebung im Uebersührungsprogramm des „Z. 2." eintritt. Hauptmann George wurde vom ReichSkommissar mit der Abnahme deS „Z. 2" beauftragt. Er wird sich zu diesem Zwecke in dm nächsten Tagen nach Friedrichshasen begeben, wartet jedoch noch weitere Besehle ab. Jedensalls nehmen Hauptmann George und Ingenieur Müller vom „Z. 1" an der Ueberführung teil. In den Fahrten des „Z. 1" findet augenblicklich eine Unterbrechung statt, da die nur einmal vorgenommene Hauptnachsüllung nahezu verbraucht ist. Von einer Entleerung der Ballons wurde jedoch noch Abstand gmommm, da man den Berliner Bescheid abwarten will, ob
1" die Reise nach Köln anzutreten hat.
Der RegierungSdampfer Seestern, der dem Kaiserlichen Gouvernement von Deutsch-Neu-Guinea gehört, ist am 3. Juli von BriSbane über Samarai nach Adolshafen
in See gegangen. Die Fahrt dahin nimmt etwa zwei Wochen in Anspruch, der Dampfer ist aber bis heute noch nicht an feinem Bestimmungshafen angelangt, so daß über sein Schicksal ernste Besorgnisse gehegt werden. Der zweite Dampfer des GouverementS von Neu-Guinea Delphin, ferner der Lloyd- dampfer Waldemar sind auf verschiedenen Kursen in See gegangen, um Nachforschungen nach dem Verbleib deS Seestern anzustellen. DaS australische Marinedepartement hat den Regierungsdampser Merrie England auSgesandt. Der Dampfer Seestern wird vom Norddeutschen Lloyd gefahren; von diesem ist auch die gesamte Schiff-besatzung gestellt.
Ueber die Zukunft des K a li s y n d ik a ts ist in der Versammlung am Sonnabend beschlossen worden: Für den Fall, daß bis zum 4. August 1909 eine Verständigung über die Behandlung der von Westeregeln und Genossen und den Kaliwerken Ascherslcbcn A. G. und der Gewerkschast Sollstedt abgeschlossenen außersyndikatlichen Verträge ein- stimmig genehmigt wird, tritt der Gesellschaftsvertrag vom 1. Juli mit den Abänderungen vom 8. Juli in Krast. Wenn bis zum 4. August eine Verständigung nicht eintritt, erstreckt sich die Dauer der Gesellschaft bis zum 31. Dezember 1910. Wird bis zum 1. Oktober 1910 die erwähnte Verständigung erzielt, so verlängert sich die Dauer des Syndikats bis zum 31. Dezember 1914 und Sitz der Gesellschaft wird Berlin. Ist die Verlängerung des Gesellschaftsvertrages mangels obiger Einigung bis 1. Oktober 1910 nicht erfolgt, erhält am 10. Oktober 1910 nachmittags 5 Uhr jeder Gesellschafter das Recht freien Verkaufs seiner Erzeugnisse für Lieferung nach dem 31. Dezember 1910. Vom 2. Januar 1910 ab soll jedem Gesellschafter, so lange eine Verständigung über die Behandlung der erwähnten außersyndikatlichen Verkäuse nicht erfolgt ist, daS Recht der Kündigung des Gesellschasts- vertrages mit sechswöchiger Frist zustehen.
Der preußische Kultusminister hat an die Provinzialschul- kollegien und Regierungen eine beachtenswerte Verfügung gerichtet, nach welcher der körperlichen Erziehung und Ausbildung der Jugend bei Besetzung der Stellen der Schulleiter und Kreisschulinspektoren besondereSe- achtung geschenkt werden soll. Die Beobachtungen der Kommissare des Kultusministers bei der Besichtigung von Schulen aller Art haben immer wieder die Erfahrung bestätigt, daß die Erfolge in der körperlichen Ausbildung und Kräftigung der Jugend wesentlich davon abhängen, in welchem Maße der Anstaltsleiter die Arbeit der Turnlehrer unterstützt. Namentlich kommt auch die persönliche Teilnahme, dir der Schulleiter für erfrischende und kräftigende Leibesübungen seiner Schüler und Schülerinnen erkennen läßt, hier in Betracht. Der Minister hat deshalb angeordnet, daß bei der Besetzung von Stellen von Schulleitern auch die Frage erörtert wird, ob bei den in Betracht kommenden Persönlichkeiten auch Verständnis und Interesse für die körperliche Erziehung der Jugend vorhanden ist. Vorschläge für die Stellenbesetzung sollen in Zukunst daraus Rücksicht nehmen.
Die altehrwürdige Universität Leipzig begeht in den Tagen vom 28. bis 30. Juli das selten, schöne Fest ihres 500jährigen Bestehens. Die Jubeluniversität wurde bekanntlich vom Markgrafen Friedrich den Streitbaren von Meißen gegründet, der die aus Prag abgezogenen deutschen Professoren und Studenten mit offenen Armen empfing. Gar manche Stürme sind in diesem halben Jahrtausend über die Leipziger Universität dahingebraust, aber sie hat sich in allen Widerwärtigkeiten glänzend behauptet und sich schließlich zu einer der angesehensten und am meisten frequentierten deutschen Hochschulen entwickelt. An den Leipziger Jubelsesttagen nehmen sicherlich alle gebildeten Kreise des deutschen Volkes im Geiste herzlichen Anteil, und überaus zahlreiche Gäste werden sich zur Feier des Universitätsjubiläums in der alten Meß- und Musenstadt am Pleißenstrand einfinben. König Friedrich August, der erlauchte Rektor Magnifizentissimus der Leipziger Universität, und viele andere Fürstlichkeiten werden bei dieser Jubelfeier ebenfalls anwesend sein. An einem der drei Festtage erfolgt auch die feierliche Immatrikulation der beiden ältesten Söhne des sächsischen Herrschers an der Universität Leipzig.
Bei der englischen Marine haben sich gestern zwei Unfälle ereignet. AuS Sheerneß wird gemeldet: Ein englischer Kreuzer kam heute früh beim Einlaufen in den Hasen fest und ist bisher noch nicht wieder flott geworden. Seine Lage ist nicht gefährlich. Man hofft, ihn heute nacht loszubekommen. Mehrere Schleppdampfer sind zum Beistand eingetroffen. Ueber die Kollision der Torpedoboote „19" und „13" am Eingang des Solent werden folgende Einzelheiten gemeldet: Die Torpedobootflotille führte heute nacht einen Scheinangriff auf die äußeren Besestigungswerke von Ports- mouth aus. Sie dampften mit abgeblendeten Lichtern, als das Torpedoboot Nr. 19 direkt in die Steuerbordseite des Bootes Nr. 13 hincinsuhr und eS in der Mitte fast durchschnitt. Wasterströme ergossen sich in den Maschinenraum, und es schien, als ob das Boot sofort untergeben müßte. Die Mannschaft bewahrte jedoch vorzügliche Disziplin. Ruhig, wie bei der Parade, wurden die Feuer herausgezogen und die Kollisionsluken verschlossen. Das Schiff blieb infolge- dessen über Wasser und konnte nach PortSmouth geschleppt werden. Von der Mannschaft wurde niemand verletzt.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
Einige dankenswerte Neuerungen im Eisenbahnverkehr plant die preußische Eisenbahnverwaltung. Sie beabsichtigt, in den höheren Wagenklassen versuchsweise Klappsitze einzusühren, um den Reisenden in den Fällen, wo die Wagen nicht vollbesetzt sind, größere Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Ferner wird die Anbringung von Uhren in einzelnen Zügen erwogen, die von dem Zugpersonal täglich nach der Zeit der Berliner Sternwarte reguliert werden sollen.
* In Schloß Herzberg im Kreise Ziegenhain ist eine Telegraphenanstalt mit Unsallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.
):( Hersfeld, 26. Juli. In der schön geschmückten Stadtkirche fand gestern die feierliche EinführungdesHerrn SuperintendentenFeyerabendindaSAmtalserster Pfarrer der hiesigen Gemeinde statt. Nach der Antrittspredigt des neuen Pfarrers, der das Schriftwort 1. Cor. 2, 1—5 zu Grunde lag, fang der hiesige Kirchenchor die herrliche Motette „Der Herr ist mein Hirte", woraus die eigentliche Einführung durch den Herrn Generalsuperintendent Möller auS Cassel unter Assistenz der Herren Pfarrer Ackermann-Mecklar und Hebel- Kerspenhausen folgte. Anknüpfend an das Wort 2. Tim. 4,2 wies der Einführende hin aus die Notwendigkeit deS Zusammen- haltenS von Pfarrer und Gemeindeglieder, welches zustande komme und gefestigt werde durch die reine Predigt deS Wortes Gottes und durch die Empfänglichkeit der Menschenherzen — das Wort Gottes der Same, die Menschenherzen der Acker, woraus der Same ausgestreut werde. Heute Mittag 12 Uhr findet die Einführung als Superintendent der Diöcese HerSseld-Roten- burg statt, zu der sämtliche Geistliche der Diöcese geladen sind.
):( Hersfeld, 26. Juli. In einem Garten an der Simon Haunestraße wurden gestern einige Stach elbeer- Hochstämme frevelhasterweise abgebrochen. Auch wurde daselbst ein Wirsing- und ein Zwiebelbeet vernichtet. Ueber- Haupt mehren sich in letzter Zeit die Klagen der Anlieger der Simon Haunestraße und der Meisebacherstraße sehr über begangene Gartendiebstähle. Kartoffeln, Himbeeren, Stachelbeeren usw. werden nachts oder am frühen Morgen entwendet. Hoffentlich gelingt es bald einmal die Burschen auf frischer Tat zu erwischen.
):( Hersfeld, 26. Juli. Der hier wohnhafte cand. geod. R. wurde heute als unsicherer H eereSPflichtiger außerterminlich ausgcmustert und zum Jnf.-Regt. Nr. 32 in Meiningen übersührt.
Frankfurt a. M., 24. Juli. Der vergebens erwartete Flug des „Parseval 3" zur „Jla" hat in Franksurt a. M. große Enttäuschung hervorgerusen. Major Parseval wollte ganz bestimmt noch den Flug unternehmen, gab ihn aber schweren Herzens aus Mitteilung der Leitung der „Jla" hin aus, die daraus hinwies, daß das Frankfurter Publikum ernstlich den Parsevalballon sehen wolle. Er wird Montag abend nach Frankfurt verladen, die erste Fahrt soll Ende der nächsten Woche stattfinden. Auch der Clouthsche Motorballon wird heute in Cöln verladen und kommt per Bahn nach Franksurt, wo er Anfang nächster Woche gefüllt wird. Heute vormittag besuchten etwa 300 Studenten der Marburg« und Gießen« Universität die Ausstellung, heute nachmittag werden 300 Mitglieder des Wiener VolksbildungSvereins erwartet, die aus einer Reise durch Deutschland und Holland begriffen sind.
Frankfurt, 24. Juli. Beim Baden im Main ertrunken ist gestern nachmittag gegen 2 Uhr der aus der Wanderschaft befindliche 19jährige Schlosser Paul Schubert aus Treuen, Kreis Zwickau. Die Leiche ist noch nicht geländet. — Gestern nachmittag gegen 5 Uhr wurde an der Obermainbrücke die Leiche des 27jährigen Tagelöhners Johann Susann geländet. Ob Selbstmord oder Unglücksfall vorliegt, konnte nicht festgestellt werden.
Über, 24. Juli. Beim Neubau unserer Kirche hat sich am gestrigen Vormittag ein schwerer Unglücksfall zugetragen. Dem Maurer Willi Albrecht von hier, aus Rengelrode stammend, fiel ein Backstein auf den Kopf und brächte ihm schwere Verletzungen der Schädeldecke bei. Der Verunglückte wurde ins Krankenhaus der barmherzigen Schwestern nach Heiligenstadt übergeführt und dort operiert. Es ist Aussicht vorhanden, daß A. mit dem Leben davon kommt.
Darmftadt, 25. Juli. Der Main-Neckar-Bahnhos zu Darmstadt steht seit 4 Uhr Nachmittags in Flammen. Die gesamte Feuerwehr ist ausgerückt. Das Feuer ist im Uhren- raum entstanden, in welchem die Uhr bei eintretender Dunkelheit elektrisch erleuchtet wird. Das Feuer ist vermutlich durch Kurzschluß entstanden und wurde bemerkt, als der Dachstuhl in Flammen stand. Eine Abteilung Militär wurde zum Absperren kommandiert. Der Verkehr wird durch Umsteigen und teilweises Umleiten der Züge ausrechterhalten. Verschiedene Züge dürsten erhebliche Verspätungen erleiden. Der Mittelbau in dem sich die Wartesäle und Bureauräume befinden, gilt für verloren. — Eine weitere Meldung besagt: Es war den angestrengten Bemühungen der Feuerwehr, die auch einige Lokomotiven als Dampsspritzen verwandte, um 5Va Uhr gelungen, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Das Feuer hat den Uhrtum und die beiden obersten Stockwerke des Treppenhauses deS Mittelbaues vernichtet. Der Warten saal erster und zweiter Klasse ist nur wenig beschädigt, ebenso sind die Schalterräume erhalten geblieben. Der Zugverkehr ist um 5V2 Uhr wieder in vollem Umfange ausgenommen worden.
Darmftadt, 24. Juli. Abends 8 brach in der Schreinerwerkstätte der Darmstädter Möbelsabrik Großseuer auS, das die Werkstätte, sowie den darunter liegenden Maschinenraum vollständig vernichtete. Erhebliche Vorräte an Möbeln und Polsterwaren verbrannten.
Altenbeken, 23. Juli. Einen gräßlichen Tod erlitt der Bierkutscher Demmer beim Transport eines mit leeren Bierfässern beladenen Wagens aus dem stark ablausenden Wege von Schnellenberg her. ' Ein Faß rollte vom Wagen und den Pferden zwischen die Beine, worüber dieselben scheuten und davonjagten. Der bedauernswerte Mann, Familienvater von 5 unmündigen Kindern, wurde rücklings vom Wagen an eine Mauer geschleudert und erlitt einen schweren Schädelbruch.
Vom Eichsfelde, 24. Juli. Eine reiche russische Erbschaft ist einigen Familien in Birkungen zugefallen. Im Herbst 1907 starb in St. Petersburg eine ältere, aus Birkungen stammende Frau, geb. Steinmetz, mit Hinterlassung eines größeren Kapitals. Man hatte die Frau tot in ihrer Wohnung aufgesunden. Direkte Leibeserben waren nicht vorhanden. Die Verstorbene trieb anfangs der sechzig« Jahre mit eichs- fethischen Hausierern Handel nach Rußland und nahm später in Petersburg dauernden Wohnsitz, ohne aber bis zu ihrem Tode mit ihren Verwandten in Birkungen in Verkehr getreten zu sein. Die Erbschaft in Höhe von 88 000 Mark ist den glücklichen Erben dieser Tage bar ausgezahlt worden. Haupterben sind der Landwirt Georg Steinmetz und der HilsSbahn- wärter Stöbet in Birkungen.
Vom Eichsfelde, 24. Juli. Aus Anordnung der Staatsanwaltschaft in Nordhausen wurde die Beerdigung der Leiche der Witwe Zornhagen in Ecklingerode (Kreis Worbis) inhibiert, weil der Verdacht besteht, daß die Frau infolge körperlicher Mißhandlung gestorben ist. Heute sand durch den Kreisarzt aus Worbis im Beisein einer Gericht-kommission die Leichenschau statt.
Ebergötzen bei Göttingen, 23. Juli. Der Landwirt W. Jungbehr bekam nach heftigem Wortwechsel mit dem früheren Gastwirt Frccatz Streit und schlug seinem Gegner mit einem dicken Stock ein Auge aus. Ein sofort herbei- gerufener Arzt ordnete noch in der Nacht die schleunige Ueberführung des Verletzten in die Universitätsklinik nach Göttingen an.
Offenbart), 23. Juli. Der Tabakfabrikant Strafft über- wieS anläßlich seiner Silberhochzeit 200 000 M. zu Wohl- sahrtszwecken für Beamte und Arbeiter.
Mainz, 23. Juli. Aus dem GrieSheimer UebungSplatz bei Darmstadt fanden Schießversuche auf einen 1200 Meter hohen Fesselballon statt. Das einsache Gewehr- und das Maschinengewehrfeuer hatten so gut wie keine Wirkung. Dagegen wurde der Ballon durch den zweiten Schuß au# einer Haubitze, indem die Granate über ihm platzte, vollständig zerstört.
Sondershansen, 23. Juli. Erschossen ausgesunden wurde heute in feiner Paradeuniform auf seinem Zimmer der 20 Jahre alte Leutnant Franke vom hiesigen ersten Bataillon des Jnsanterieregiments Nr. 71. Der junge Leutnant hatte gestern noch an der Parade vor dem Fürsten Günther und an dem sich daran anschließenden Beisammensein der Offiziere