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der wärmste Tag de- ganzen JahreS, aber Anno 1909 will er anscheinend genau ebenso kühl und unfreundlich bleiben wie fast die gesamte vorausgegangene Zeit der ersten Sommerhälfte. Möge nun die beginnende Hundstagszeit gut machen, was der Sommer bisher gesündigt hat. Mit anderen Worten: Mögen die Hundstage ihren Namen nicht deshalb mit Recht sühren, weil sie einHundewetter" bringen!

):( Hersfeld, 23. Juli. Der z. Zt. in Cassel befindliche große Zirkus Otto Mark wird am nächsten Dienstag per Extrazug hier eintreffen und abends aus dem Marktplatz- eine große Gala-Vorstellung geben. Der Ausenthalt ist hier nur aus 3 Tage berechnet. Dem Unternehmen geht ein sehr guter Ruf voraus. So lesen wir z. B. in derCass. Allg. Ztg.": Marks Zirkus hat sich seit seinem letzten hiesigen Auftreten sehr zu seinem Vorteil verändert, sowohl was den Umfang des ganzen Unternehmens betrifft als auch in Hin­sicht aus künstlerische Leistungen. Er ist jetzt in eine erst­klassige Stelle gerückt. Schon ein Blick in den geräumigen langgestreckten Marstall, in dem etwa 70 prächtige Tiere aller Gattungen untergebracht sind, beweist das. Die Vorführungen selbst, seien es solche zirzensischer Kunst oder den Spielplänen des Varitees entnommene Nummern, halten sich auf der Höhe. Aus dem reichhaltigen Programm wollen wir besonders die Freiheitsdressuren von Frl. Amanda Mark vorgesührt, den Doppel-Jockey-Akt der gleichen Dame und Herrn Bügler und die von Kavalier Rappa gerittene Hohe Schule aufGallus", einem stolzen Tier mit schachbrettartiger Zeichnung auf dem Rücken, hervorheben. Herr Rappe führte späterhin auch noch eine große Anzahl von Herrn Direktor Mark dressierter Pferde und einen recht gelehrigen Büffel vor, dessen Plumpheit man eigentlich die eleganten Sprünge und sonstigen Kunststücke gar nicht zutrauen sollte. Auch die übrigen Nummern des Programms, so dieFahrt im Höllenkesfel" des Radlerpaares Großmann, der Kraftsportakt der Fußkünst­lerin Julie Sandow, der Kombinationsakt (Akrobaten, Turner, Fuß- und Zahnkünstler, Jongleure usw.) der Forstelly-Com- pagnie, das BalletVeilchenwalzer" des aus 15 Damen bestehenden BalletkorpS, die Produktionen des Schlangenmenschen Bonjilli und der Kettenturner Gebrüder Raimond, daö von Damen und Herren gerittene farbenprächtigeAltdeutsche Manöver" usw. verdienen höchstes Lob. Für den Humor sorgen eine Anzahl dummer und kluger Auguste in aus­giebigster Weise. So ist jeder Geschmacksrichtung in weitestem Maße Rechnung getragen und ein Besuch des Markjchen Zirkus wird ohne Zweifel jeden befriedigen.

):( Hersfeld, 22. Juli. In der heute stattgehabten Schöffengerichtssitzung wurden 2 Burschen aus Kathus wegen Schlingenstellens zu einer Gesängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt. Weil er über die Ordensabzeichen eines Kriegers eine abfällige Bemerkung gemacht hatte, wurde ein Einwohner von Blankenheim zu einer Geldstrafe von 20 Mk., hilssweise 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Auch wurde dem Beleidigten die Publikationsbefugnis zugesprochen. Wegen Diebstahls erhielt ein Knecht von Bingartes eine Gesängnisstrafe von 2 Tagen. Wegen desselben Vergehens wurde ein hiesiger Arbeiter mit 5 Tagen Gesängnis bestraft. Wegen Körperverletzung wurde ein Arbeiter aus Allmers- Hausen zu einer Geldstrafe von 30 Mk., hilssweise 6 Tagen Gefängnis verurteilt. In 2 Privatklagesachen erfolgte Ver­urteilung wegen Beleidigung zu 30 Mk. und 6 Mk. Geld­strafe.

Cassel, 22. Juli. Anläßlich der heutigen Vermählungs- feier des Kommerzienrats Karl Hentschel, des Inhabers der bekannten Lokomotivensabrik Hentschel und Sohn, mit der Tochter deS kommandierenden Generals deS elften Armeekorps Freiherrn von Scheffer-Boyadel stiftete Kommcrzienrat Hentschel 10,000 Mk. für den Vaterländischen Frauenverein, 10,000 Mk. für das Kinderheim in Cassel und 5000 Mk. für den Verein zur Bekämpfung der SchwindsuchtSgefahr in Hessen- Nassau. Die Beamten, Arbeiter und Werkmeister der Lokomotivensabrik und des Hüttenwerkes Hattingen an der Ruhr wurden mit reichen Gratifikationen bedacht. Die Wartezeit zu der Alters-, Invaliden-, Witwen- und Waisen- kasse wurde von 10 auf 5 Jahre herabgesetzt, ohne daß die Beiträge erhöht werden.

Cassel, 21. Juli. Drei Fälle von fahrlässiger Brand­stiftung als Folge der ausgedehnten Waldbrände in diesem Frühjahr beschäftigten gestern die hiesige Straskammer. Der

Kaufmann W. von hier hatte mit einigen Freunden einen Ausflug nach Wolshogen gemacht und in der Nähe von Fürstenwald aus Spaß ein Büschel dürren Grases angesteckt. Der starke Wind sachte das Feuer an und im Nu brannte eine Fläche von mehreren hundert Meter Wiesengclände. Ehe die jungen Leute an Löschen denken konnten, hatten die Flammen den Wald erreicht und hier dreißigjährigen Fichten- bestand in Flammen gesetzt; mehrere Hektar dieses Wald­bestandes wurden total vernichtet, so daß ein Schaden von 8567 Mark 40 Psg. dem Forstfiskus entstand. W. war in vollem Umfange geständig; daS Gericht verurteilte ihn zu 200 Mark Geldbuße. Der Landwirt Bl. aus Quenteln im Kreise Witzenhausen hatte ein Bündel alter Ginstern angestcckt, um die Frühjahrsarbeiten aus seiner Wiese besser vornehmen zu können. Auch hier griff das Feuer weiter und vernichtete 0,4 Hektar Waldbestand, wodurch ein Schaden von 154 Mark dem Forstfiskus entstand; weiter brannten mehrere Hektar Wiesen aus. Den Schaden hat Bl. voll und ganz ersetzt; er hat zu diesem Zweck eine Wiese und eine Kuh nebst Kalb verlausen müssen. Die Straskammer verurteilte ihn zu 20 Mk. Geldbuße. Der Schasmeister Sch. aus Esrbach hatte einen brennenden Zigarrenstummel sortgeworsen. Bei dem lebhaften Winde setzte dieser glimmende Stummel trockenes Gras in Branv, das Feuer pflanzte sich fort und ergriff einen auf der Wiese stehenden Strohdiemen, der total niederbrannte. Da man zunächst vorsätzliche Brandstistung annahm, wurde Sch. in Untersuchungshaft genommen und erst nach 14 Tagen auf freien Fuß gesetzt. Die Straskammer verurteilte ihn zu 30 Mk. Geldstrafe, die indes auf die Untersuchungshaft verrechnet wurden.

Biedenkopf, 21. Juli. Ein Kamps aus Leben und Tod hat im Waldrevier bei Kirchhunden, im angrenzenden Sauerland, zwischen Förster und Wilderer stattgesunden. Beim Pirschgange im Waldrevier Oberhunden stieß plötzlich der Kgl. Förster aus Kirchhunden aus einen gesürchteten Wilderer, den Waldarbeiter Dörrenbach als er beim Ausweiden eines Rehbockes beschäftigt war. Als der Förster an Dörren­bach heranzuschleichen versuchte, drehte sich der Wilddieb um und lag im selben Moment auch schon im Anschlag aus den Förster. Dieser hatte das aber vorausgesehen und um dem Wilderer zuvor zu kommen, schoß er diesen nieder. Nachdem er noch vor Zeugen, die auf den Schuß herbeieilten, bestätigt hatte, daß er auf den Förster im Anschlag lag, wosür ja auch das schußbereit seiner Hand entfallene Gewehr sprach, starb Dörrenbach. Der Förster stellte sich selbst dem Gericht.

Hanau, 21. Juli. Die 29jährige Ehefrau deS Fabrik­arbeiters Fix versuchte in einem Anfälle von Geistesgestörtheit ihr Kind zu töten, sowie den Tisch in Brand zu setzen. Die bedauernswerte Frau wurde in daS LandkrankenhauS gebracht.

Hanau, 20. Juli. Im benachbarten Klein-Steinheim legte sich der 30jährige Backsteinarbeiter Georg Müller auf einen brennenden Backsteinosen. Heute srüh wurde er tot ausgefunden, er war durch die ausströmenden Kohlengase erstickt. L

Frankfurt a. M., 20. Juli. Der Bau der Zeppeliu- Halle aus dem Fluggelände der Ausstellung wird so beschleunigt, daß die Halle schon Mitte August ausnahmebereit steht. Den letzten Nachrichten aus Friedrichshafen zusolge wirdZ. 3" schon Mitte August flugbereit fein;Z. 3" soll bei seinen Ausstiegen aus der Ausstellung keine Passagiere mitnehwen, während der Parsevalballon solche für 200 Mark Entschädigung mitnehmen soll. Heute mittag verfing sich das Schleppseil des von Dr. Linke geführten FreiballonsClouth 3" an dem Lichtmast der Ausstellung. Trotz Ballastausgabe blieb der Ballon gefesselt, biS er von der Feuerwehr auS der gefähr­lichen Lage befreit wurde, dann schoß er pfeilgeschwind in die Höhe. Im Korbe befand sich außer Dr. Linke die Tochter deS Oberbürgermeisters AdickeS.

Aus Thüringen, 20. Juli. Der Landwirt August Günther in Krölpa bei Ranis hat beim Essen den Tod ge­funden. Der 67jährige Mann faß in einer Wirtschaft und ließ sich einen Rollmops geben, den er ungeteilt zu verschlucken suchte. Da auch der Holzpflock vorher nicht entfernt worden war, blieb der Rollmops im Halse stecken und Günther erstickte.

Erfurt, 21. Juli. Gestern abend sprang in der Blumen­straße die 12jährige Tochter deS Arbeiters Kohlmann aus Furcht vor elterlicher Züchtigung aus dem Fenster deS 3. Stockwerkes. Das Mädchen erlitt durch den Sturz auf den

Hof lebensgefährliche Verletzungen. ES erfolgte die Ueber- führung inS Krankenhaus.

Weimar, 20. Juli. Zwei hiesige, erst kürzlich vom Militär entlassene junge Leute gerieten wegen eines jungen Mädchens in Streit, wobei auch daS Messer eine Rolle spielte. Dabei erhielt der eine, namens Härtung, von seinem Rivalen einen Messerstich, an dem der junge Mann gestorben ist.

Eisenach, 20. Juli. Aus Bitterseld kommt folgende Meldung: Die Verzögerung der Abfahrt deS Parseval3" nach Frankfurt a. M. von seiner Ballonhalle bei Bitterseld ist auf ungünstige Lustströmung zurückzuführen. Wie die Messungen ergeben haben, weht in den höheren Luftschichten der Wind mit einer Stärke von 20 Metern. An der Fahrt werden, wenn es dazu überhaupt Lmmt, wie schon gemeldet, Major von Parseval, Hauptmann von Kehler und Ober- ingcnieur Kieser teilnehmen.

Letzte Nachrichten.

Halle, 22. Juli. Die Mitglieder deS BundeS der Landwirte in OlShaufen bei Querfurt beschlossen, wegen der Haltung deS BundeS in der Finanzreform aus dem Bund auSzutreten.

Brüssel, 22. Juli. Von den gestern ausgestiegenen 30 Ballons sind bis jetzt 17 glatt gelandet, davon vier in Deutschland.

London, 22. Juli. DaS Unterhaus hat den von der Arbeiterpartei eingebrachten Antrag auf Kürzung deS Budget- als Protest gegen den Besuch deS Kaiser- von Rußland mit 187 gegen 78 Stimmen abgelehnt.

Konstantinopel, 22. Juli. Au- Anlaß bei morgigen Nationalfestes hat der Sultan eine Amnestie er­lassen für alle an den Ereignissen vom 13. April beteiligten und bisher kriegsgerichtlich nicht verfolgten Personen. Ferner wurden fünf zum Tode Verurteilte, darunter ein Armenier, begnadigt. Die Kriegsgerichte bleiben bestehen.

PariS, 22. Juli. DaS Zuchtpolizeigericht in Bordeaux verurteilte den neuen Erzbifchof von Bordeaux Kardinal Andrieux wegen feinet Antritt-predigt, in der er zum Unge­horsam gegen die Schulgesetze aufgefordert hatte, zu 600 Franks Geldbuße.

Dulut (Minnesota), 22. Juli. Durch einen Wolkenbruch wurden hier gestern zwanzig Häuser sortgeschwemmt. Drei Personen kamen dabei um- Leben.

Z e r m a t t, 22. Juli. Auf einem Spaziergang nach der Riffelalp ist heute Edmond Armentier au- Brüffel in dm reißenden, in einem tiefen engen Felsenbett zum Gorner- Gletscher hinabstürzenden Tristbach gestürzt. Die Bergung der Leiche wird kaum möglich sein.

Kirchliche Nachrichten. Sonntag den 25. Juli.

Vormittag- 9 Uhr: Herr Superintendent Feyerab end (Antrittspredigt). Einführung desselben in daS Amt als 1. Pfarrer.

Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Weitzmann.

Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst zu Peter-berg.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).

Wetterausfichten für Sonnabend, den 24 Juli:

Veränderliche Bewölkung, zeitweise windig, nur strichweise leichte Regenfälle.

ihr 3 Sott! Der graste allbeliebte Nur 3 Tage!

Streits Otto Mark

in Decsfeld auf dem Marktplatz

Dienstag den 27. Juli abends 8V< Uhr

Grch GMMssWMHrßclW.

Mittwoch, nachmittags 4 Uhr

Extra Kinder- und Familien-Vorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen.

IM§ 8 Uhr Elite-Sport-Vorstellung.

Imerftag, aheahs 8 Uhr, Hank- und Adschiehs-Vorstellaai.

Kein Reklameunternehmen, sondern reelle Darbietungen circensischer Künste in höchster Vollendung. Das ganze große Unternehmen kommt hierher.

Enorm billige Eintrittspreise: Logensitz Mk. 2., numeriert. Sperrsitz Mk. 1.50, 1. Platz Mk. 1., 2. Platz 60 Psg., Gallerte 40 Pfg. Kinder zahlen auf allen Plätzen die Hälfte. Der Billetvorverkaus außer an der Tageskasse schon jetzt im Cigarrengeschäft Oskar Hills (D. Steinhauer), Kaiserstraße 3.

Das Hauptzelt saßt 4000 Personen und schützt vor allen Wetterunbilden.

Der Extrazug trifft Dienstag vormittag 6 Uhr von Cassel hier ein.________

Täglich neues hochinteressantes Großstadtprogramm. IMM Nach Schluß der Vorstellung: Bahnverkehr nach allen Richtungen.

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Kulmbacher Petzbräu

besitzt einen außerordentlich hohen Nährwert, dagegen ist Alkohol nur in ganz geringen Mengen vertreten. Diest vorzüglichen Eigen­schaften classifizieren dasselbe zu einem Sauitätsbier ersten Ranges, das namentlich Wöchnerinnen, Blutarmen, Recon- valeszenten als Stärkungsmittel seit Jahren ärztlich empfohlen wird. Kulmbacher Petzbräu ist ein unübertroffener Labetrunk (an­gewärmt) bei Magen- und Darmerkrankung. Ausschank bei Herrn Aug. Rose, Hotel Hohenzollern.

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