bei Echterdingen vom Sturm zerstörte von den Kommissaren deS ReichSamtS der Innern und der preußischen Kriegs- minifieriumS abgenommen werden, woraufhin die Restzahlung deS durch den NachtragSetat für 1907 zur Verfügung gestellten Betrags in Höhe von 500 000 Mk. an den Grasen Zeppelin erfolgen wird. Damit sind dann die Beziehungen deS Zeppelin-UnternehmenS zum Reich vorläufig abgeschlossen, und infolgedessen werden etatSmäßige Mittel zur Förderung seiner Bestrebungen nicht mehr zur Verfügung stehen. Wenn auS der Beteiligung deS Reich-kommissars für daS Luftschiffwesen GcheimratS Lewald an einer Besprechung zwischen dem Grasen Zeppelin und Prof. Hergesell über die geplanten Polarforschungen der Schluß gezogen worden ist, daß die ReichSregierung an diesem Plane beteiligt sei, so ist diese Auffassung unzutreffend. Der Anlaß zu der Teilnahme deS ReichSkommissars lag lediglich in rein persönlichen Beziehungen und in dem Umstand, daß Geheimrat Lewald als früherer Dezernent für die Südpolarforschung in Beziehungen zu derartigen wissenschaftlichen Unternehmungen steht."
Zum 1. Oktober dieses JahreS wird der Reichs- invalidenfondS völlig aufgelöst werden. Die bisher von der Verwaltung des Reichsinvalidenfonds in Anspruch genommenen Räumlichkeiten gehen in die Benutzung deS ReichS- justizamts über. Der Präsident des Reichsinvalidcnsonds Ge- beimrat Plath tritt in den Ruhestand. Die verbleibenden Beamten werden vom Reichsschatzamte übernommen, in dessen Verwaltung der Rest des ReichSinvalidensondS übergeht.
Der Führer des in Nomey stationierten französischen L e n k b a l l o n s „Ville de Nancy", Karpferer, besichtigte in Begleitung von zwei anderen französischen Aeronauten am Montag mit Erlaubnis der Metzer Militärbehörde die Zeppelin» Ballonhalle in Metz, worauf die Herren einem Ausstieg des Zeppelin-BallonS beiwohnten. Mr. Karpferer hat bekanntlich mit seinem Ballon soeben eine erfolgreiche Fernfahrt von Paris nach Nancy ausgeführt. Es ist ein gemeinsamer Ausstieg deS Zeppelin-Ballons und der „Ville de Nancy" an der deutsch» französischen Grenze geplant.
In Schweden, droht infolge von Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in verschiedenen industriellen Branchen eine Riesenaussperrung von Arbeitern ein- zutreten, zu welcher rigorosen Maßnahme der Geschästsausschuß der vereinigten schwedischen Arbeitgeber eventuell greifen will. Von der Aussperrung würden hauptsächlich die Arbeiter in der Papierindustrie, der Herrenkonfektion, der Holzfchleisereien und Sägewerke, der ganzen Textilbranche und der Eisenindustrie, zusammen mindestens 100 000 Arbeiter, betroffen werden.
Trotz des Sieges der Revolution in Persien und des hiermit zusammenhängenden Thronwechsels herrscht in diesem Lande noch keineswegs vollständige Ruhe. So wird aus Ardebill ein heftiger Artilleriekamps zwischen den dortigen Rebellen und den Regierungstruppen gemeldet. Die Revolutionäre wie die regulären Truppen durchziehen plündernd die Stadt. Dagegen ist in Teheran selbst nunmehr Ruhe ein» getreten. Das neue Ministerium unter dem Präsidium Nafir el MulkS, der eigens au§ der Schweiz heimberufen wurde, hat sich bereits gebildet. Zum Präsidenten des Medschlis, der persischen Nationalversammlung ist Daad Dauleh gewählt worden. Die auS Teheran abgezogenen Schahtruppen stehen noch bei Sultanabad, es ist ihnen aber von dem Führer der Revolutionsarmee bereits ein Ultimatum zugegangen, die Waffen niederzulegen.
Zwischen den s p a n i s ch c n T r u p p e n und den s e i n d - lichen Kabylen hat am Sonntag bei Melilla ein neuer heftiger Kampf stattgefunden, der am Montag früh fortgesetzt wurde. Ein amtlicher Bericht aus Melilla gibt die Verluste der Spanier in dem Kampfe am Sonntag auf 15 Tote — unter ihnen drei Offiziere — und 22 Verwundete an; die Kabylen, welche schwere Verluste infolge des spanischen Artilleric- feuerS erlitten, zogen sich schließlich zurück.
H«r Provinz u. nachbargebiet
* (Manöversendungen.) AuS Anlaß der bevor- stehenden militärischen Herbstübungen wird daraus hingewiesen, daß Sendungen an Soldaten mit richtigen und deutlichen Ausschriften versehen werden müssen. Zur genauen Ausschrift gehören: Familienname, möglichst auch Vorname (bei Sendungen an gleichnamige Empsänger derselben Truppenteils noch weitere unterscheidende Bezeichnung), Dienstgrad und Truppenteil, Regiment, Bataillon, Kompagnie, Eskadron, Batterie, Kolonne u. s. w. Da für unverzögette Nachsendung nach den Stand» und Marschquartieren entsprechende Einrichtungen getroffen find, so empfiehlt es sich, als Bestimmungsort nur den ständigen Garnisonort anzugeben. Ausnahmen sind nur bei Anwesenheit von Truppen aus Uebung-plätzen angebracht, wenn dem Absender der Truppenübungsplatz genau bekannt ist und die Truppen sich daselbst längere Zeit aushallen. Die Angabe eines Marschquartiers als Bestimmungsort ist wegen der dadurch häufig entstehenden Verzögerungen nicht zweckmäßig.
* (Abschassung der Frauenabteile.) Die preußische Sisenbahnverwaltung beabsichtigt, in den Eil- und Personenzügen die FrauencoupceS abzuschaffen. Maßgebend ist dabei die Erwägung, daß bei großem Andrange deS Publikums die Paffagiere in den Nichtraucher- und in den Raucherabteilen dicht gedrängt beieinander sitzen, während in den Frauenabteilen oft nur wenige Personen Platz genommen haben. Um diesem Mißstand zu steuern, liegt eS nahe, die Frauenabteile ganz abzuschaffen. Versuche in dieser Richtung sollen bis zum Ende deS Betrieb-jahreS angestellt werden • von ihrem Ergebnis wird eS abhängen, ob die Neuerung allgemein zur Einführung gelangt.
* (Schlechte Honig aussichten.) Die naßkalte Witterung dieses Frühjahrs und Sommer- wird feiten» der Bienenzüchter höchst nachteilig empsunden. Während der Zeit der reichen Obstblüte konnten die Bienen nur an wenigen Tagen ausfliegen und den reichlich vorhandenen Nektar sammeln, und auch in der letzten Zeit, von der man doch während der Lindenblüte die besten Honigerträge erwartete, versagte die Witterung.. Selbst an den wenigen sonnenhellen Tagen sonnten die fleißigen Bienen nur geringe Voräte ein» sammeln, da bei dem naßkalten Wetter die Blüten nicht honigen. Die Honigschleuder konnte bis jetzt noch nicht viel m Bewegung treten. Da die Blüten in Wiese, Wald und Feld recht gering sind, ist auch eine bessere Honigernte nicht mehr zu ermatten. Aus den Ständen haben sich die Völker naik vermehrt und viele junge Schwärme mußten gefüttert werden und zwar zu der Zeit, in der sonst Honig geerntet toU *deS Honigs läßt zu wünschen übrig, ß ik-)?^A"^.-verpflicht de- Vaters.) Nach 8.1^^ be» Bürgerlichen Gesetzbuchs ist der Vater verpflichtet, im Falle ihrer Verheiratung zur Einrichtung des Haushaltes eine angemessene Aussteuer zu gewähren, sofern er dazu imstande ist, und die Tochter nicht selbst ausreichendes Vermögen hat. Diese Aussteuer ist an sich nicht in Geld, sondern in Natur zu gewähren. Unter Umständen kann die
Tochter aber, ivie das Reichsgericht ausgesprochen hat, die Aussteuer in Geld verlangen. Das Reichsgericht führt in der in der Juristischen Wochenschrift mitgeteilten Entscheidung aus, daß es sich bei Gewährung einer Aussteuer um eine gewisse Fürsorge für die künftigen Eheleute handle. Ihre per» sönlichcn Bedürfnisse, unter Umständen auch ihre Wünsche und ihr Geschmack, erheischen hierbei eine gewisse verständnisvolle Berücksichtigung. Ohne gegenseitiges Vertrauen ist die ordnungsmäßige Erfüllung einer derartigen Pflicht nicht zu er- warten. In dem vom Reichsgericht entschiedenen Falle hatte sich nun der Vater, nachdem seine Ehe auS eigener Schuld geschieden worden war, der Unterhaltungspflicht gegenüber seinen aus der geschiedenen Ehe stammenden, von seiner geschiedenen Frau erzogenen und ihm völlig entfremdeten Töchtern fortgesetzt zu entziehen gesucht und langwierige, aussichtslose Prozesse nicht gescheut. Er hatte durch sein Verhalten gezeigt, daß er den gesetzlichen Verpflichtungen gegenüber seinen Töchtern nur widerwillig und trotz seiner günstigen Vermögenslage nur in der kärgsten Weise Nachkomme. Unter diesen Umständen konnten die Töchter, so meint daS Reichsgericht, kein Ver- trauen zu ihm hegen. Daher könnten sie an Stelle der Aussteuer in Natur eine Geldsumme verlangen, die sie in die Lage setzt, nach ihren persönlichen Bedürfnissen und Wünschen die zu ihrer Verheiratung erforderliche Aussteuer anzuschaffen.
* Der Gothaer Wetterkundige Habenicht schreibt: „Die Aussichten für die zweite Hälfte des Sommers in Mitteleuropa sind nicht eben günstig. Die kalten Schmelz- wasserstrcisen in dem warmen Golfstrom sind der Bildung zahlreicher, ostwärts wandernder Minima günstig. Die für unsere Zone durchaus normale Sommerregenperiode dürfte diesmal besonders ausgeprägt auftreten und im Spätsommer durch die normale Herbsttrockcnpcriode abgelöst werden. Die Siebenschläfersag dürste insofern einen berechtigten Kern haben, als die Periode der Sommerregen bei uns in der Regel gegen Ende Juni einsetzt und mit mehr ober weniger Unterbrechungen bis gegen Ende August anhält."
§ Hersfeld, 20. Juli. Seit Februar 1903 ist seitens der Stadtverwaltung das Material für die N e u - N u m m e - rierung der Häuser unserer Stadt in Arbeit.• Die Erkenntnis, daß die seitherige Art der Belegung von Häusern mit Hausnummern mit Rücksicht aus die Bedürfnisse des Verkehrs sernerhin nicht mehr anwendbar sei, hatte die Vorarbeiten veranlaßt. Bekanntlich laufen jetzt die Hausnummern der inner» halb der alten Stadtmauer belegenen Häuser ohne Rücksicht aus örtliche Lage und Straße bunt durcheinander. Das gleiche ist der Fall bei den außerhalb der Stadtmauer belegenen Häusern, welche nur im Hinblick aus die 4 alten Stadttore in 4 Quartiere (A, B, C, D) geschieden sind. Im Interesse der Erleichterung des öffentlichen Verkehrs sind nunmehr die Nummern fortlaufend innerhalb derselben Straße oder desselben Platzes und zwar ist man dabei von dem Grundsatz ausgegangen, daß diejenige Straßenseite die rechte oder linke ist, die bei dem nächsten Wege vom Marktplatz nach der betreffenden Straße rechts oder links liegt. Alle rechten Straßenseiten in biefem Sinne beginnen mit Nr. 1 und sühren nur ungerade Ziffern, während die linken Seiten mit Nr. 2 beginnen und nurgerade Zahlen ausweisen. In der polizeilichen Bekanntmachung unserer heutigen Nummer werden zunächst nur die neuen Hausnummern für die Bahnhofstraße, Im Vogelgesang und die Kaiserstraße ausgeführt. ES ist daraus zu ersehen, daß die Polizeiverwaltung schon seit Jahren bei Neubauten die neuen Nummern im Stillen verwendet hat, denn die neuen Hausnummern in der Kaiserstraße (Diebel, Hahn, Psorr, Vorschußverein, etc.) entsprechen bereits der neuen Anordnung. Wir glauben, die Neueinrichtung wird allerseits mit großer Freude begrüßt werden. Die Neu-Nummerierung der übrigen Straßen und Plätze wird demnächst veröffentlicht werden.
):( Hersfeld, 21. Juli. Dem heutigen Vieh markt waren 277 Rinder und 474 Schweine aufgebracht. Fohlen waren dem Markte keine zugetrieben. — Der Handel ging im allgemeinen ziemlich lebhaft und die Preise hielten sich hoch. — Der Krammarkt war wieder unbedeutend. — Der nächste Viehmarkt findet am 11. August statt.
Gaffel, 21. Juli. Die Ankunft der Kaiserin aus Schloß Wilhelmshöhe ist nunmehr definitiv auf den 27. Juli festgesetzt. Ihre Majestät wird am Dienstag, dem 27. er., mit der Prinzessin Viktoria Luise vormittags 7 Uhr 56 Minuten im Hofzug aus Bahnhof Wilhelmshöhe eintreffen und von den Spitzen der Behörden empfangen werden. Der Mar- stall der Kaiserin und mehrere Automobile treffen schon am 25. Juli hier ein.
Zimmersrode, 19. Juli. Fürst Philipp von Hanau entging heute hier einer großen Lebensgefahr. Der Fürst be- and sich, von Bahnhof Zimmersrode kommend auf der Rück- ahrt nach seinem Gute in Oberurff, als die vor den Jagdwagen gespannten Pferde plötzlich scheuten und durchgingen, o daß der Wagen schließlich gegen einen Baum anprallte. Die Insassen des Wagens wurden durch den plötzlichen Stoß aus die Straße geschleudert. Der Fürst erlitt jedoch nur ganz geringfügige Verletzungen, so daß er, nachdem der Wagen wieder hergestellt und die Pferde sich beruhigt hatten, die Fahrt fortsetzen konnte.
Marburg, 19. Juli. Beim Bachsest geriet ein Husar mit einem Festteilnehmer in Streit. Der letztere zog den kür- jeren, denn er erhielt einen Säbelhieb über den Kopf, sodaß die Sanität-wache einen Verband anlegen mußte.
Breitenbach, 19. Juli. Ein schwere- Schicksal ereilte ben Arbeiter Philipp Lei. Derselbe war mit seiner Frau und 2 Kindern spazieren gegangen. Aus dem Heimwege stürzte )ie Frau, welche ihrer baldigen Niederkunft entgegensah, neben ihm tot zu Boden. Sie wurde als Leiche nach Breitenbach gefahren.
Veckerhagen, 19. Juli. Ein schweres Unglück ereignete sich heute gegen Mittag in der Gemeinde Lehmkuh'en bei Hemen. Die Weißbinderlehrlinge Hagemann und Albert Sauerland wollten aus einer Lehmgrube einen Korb Lehm holen. Durch den niebergegangenen Regen der letzten Tage war ein überhängendes Stück Lehmboden arg mit Feuchtigkeit durchtränkt; bei dem Losbrechen deS LehmS wurde nun dieser überhängende Block stark erschüttert, er löste sich Ls und begrub den 16jährigen Albert Sauerland. Ehe der andere Lehrling, der mit knapper Mühe und Not dem gleichen Schicksal, verschüttet zu werden, entging, Hilfe herbeigcholt hatte, war Sauerland bereit- erstickt.
Mainz, 20. Juli. Bei dem gestrigen Scharfschießen des 87. Jnsanterie-RegimentS in Messen wurde der Musketier Siebenstein aus Olpe, der über eine Ackerfurche stolperte und in die Schußlinie der neben ihm liegenden Abteilung fiel, durch einen Schuß getötet.
Gern, 17. Juli. Der verstorbene Fabrikant Lorenz Schneider hat ein Kapital von 100 000 Mark hinterlassen für eine Stiftung zur „Veredelung der Menschheit". Durch diese Stiftung enterbte er seine sämtlichen Verwandten. Die Regierung lehnte die Stiftung ab, weil man der Ansicht sein mußte, daß der Verstorbene nicht klar bei Verstand war. Die
in dürftigen Verhältnissen lebenden Verwandten haben nun die Erbschaft ausbezahlt erhalten.
Außerordentliche General-Versammlung des Hersselder Vorschuß-Vereins e. G. m. b. H.
h Hersfeld, 20. Juli.
Die für gestern Nachmittag in den Saal deS Hotels zum Stern einberufene außerordentliche Generalversammlung der Mitglieder des Hersfelder Vorschußvereins war, wie wir der Hersf. Ztg. entnehmen, nicht beschlußfähig, es waren von 2085 stimmberechtigten Mitgliedern etwa 250 erschienen, so daß daS zur Beschlußfähigkeit erforderliche Viertel nicht erreicht wurde. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Aufsichts- ratS, Herrn Jakob S e e l i g, mit begrüßenden Worten eröffnet. Herr Seelig führte zu Punkt 1 der Tagesordnung: Genehmigung der Vertrages wegen Uebernahme der Geschäfte des Vorschußvereins Hersfeld, e. G. m. b. H. zu HerSseld, mit allen Aktiven und Passiven durch die Magdeburger Privatbank in Magdeburg, etwa folgendes aus: Schon vor drei Jahren habe die Absicht bestanden, den Vorschußvercin an ein größeres Bankinstitut anzuschließen, um den stetig steigenden Ansprüchen der Kundschaft gerecht zu werden, Ansprüche, die es mit sich gebracht hatten, daß der Vorschußverein im Lause der Zeit den Rahmen der Genossenschaft überschritten habe. Damals fei die Angliederung an ein größeres Bankinstitut nicht zustande gekommen. Heute sei diese Angliederung nicht mehr zu umgehen, wenn der Vorschußverein weiter konkurrenz- und leistungsfähig bleiben wolle.
Herr Seelig erteilte nunmehr dem Direktor deS Vorschuß- vereinS, Herrn H e t t l e r, daS Wort, der sich eingehend über die Veranlassung zu den Verhandlungen mit der Magdeburger Privatbank äußerte. Wohl kaum habe eine so wichtige Generalversammlung stattgefunden wie die heutige. Ueberall mache sich im Bankfach das Bestreben nach Zusammenschluß bemerkbar, um konkurrenzfähig zu sein. In unserer Nachbarstadt Fulda seien erst kürzlich Niederlassungen dreier Großbanken errichtet worden, der Vorschußvercin werde nicht umhin können, dem in Fulda und vielen anderen Plätzen gegebenen Beispiel zu folgen, wenn er weiter als erstes Institut am Platze dastehcn und wenn er verhindern wolle, daß in Hersfeld eben wie in Fulda die Niederlassung von Zweiggeschäften größerer Banken erfolge. Da habe man gelegentlich des Anerbietens der Magdeburger Privatbank Verhandlungen mit dieser angeknüpft, hauptsächlich bewogen durch die Erkenntnis, daß die Geschäfte des Vorschußvereins den Rahmen der Genossenschaft immer weiter überschritten, deren gesetzliche Vorschriften vielfach hemmend auf Geschäftsführung und Leistungsfähigkeit eingewirkt hätten. So sei eS nachteilig gewesen, daß nach den erwähnten Vor- schristen jeder Kreditnehmer Mitglied der Genossenschaft werden muß, daß der Generalversammlung die Festsetzung des Höchst- kreditS abgelegen habe und daß die Gewährung von Blanko- kredit, wie ihn Privatinstitute einrichten können, ausgeschlossen gewesen sei. Von besonderem Nachteil sei auch der Umstand gewesen, daß das Akzept deS Vorschußvereins nicht wie das der großen Banken als Prima-Akzept gegolten habe, demzufolge auch nicht zum Privatsatz habe diskontiert werden können. Oft sei eS nicht möglich gewesen, die Ansprüche der Kreditnehmer zu besriedigen, weil die zu Gebote stehenden Mittel hierzu nicht ausreichten. Alle diese Schwierigkeiten würden behoben, wenn der Vorschußverein an eine große leistungsfähige Bank, wie es die Magdeburger Privatbank sei, angegliedert würde. Die Magdeburger Privatbank habe in den letzen Jahren in nahezu 50 Plätzen, vorwiegend in der Provinz Sachsen und in Thüringen, Filialen errichtet, sie besitze ein voll eingezahltes Aktienkapital von 36 Millionen, einen Reservefonds von 10 Prozent dieser Summe, also nahezu 40 Millionen Mark Vermögen. Nach den peinlichsten und sorgfältigsten Erkundigungen genieße die Magdeburger Privatbank den Ruf einer soliden, durchaus zuverlässigen Bank; an ihrer Spitze ständen hervorragende Direktoren. Zwei derselben, die Herren Direktoren Schulze und H o m m e l, sind in der Generalversammlung anwesend. Nach dem mit der Magdeburger Privatbank abgeschlossenen Vertrag werden die Geschäste des Vorschußvereins auch in Zukunft in derselben Weise wie bisher weitergesührt und ganz besonders die Geld-Bedürfnisse auch des kleinen Mannes gewahrt werden. Bei Uebernahme des Vorschußvereins durch die genannte Bank falle das Erfordernis der Mitgliedschaft fort, ebenso wie jede Haftung für etwaige Verbindlichkeiten ausgeschlossen sei. Das Interesse der Mitglieder sei in weitgehendster Weise gewahrt worden. Die Geschäftsanteile der Mitglieder werden nach erfolgtet gerichtlicher Eintragung deS Liquidationsvermerks in das Handelsregister von der Magdeburger Bank entweder mit einem Aufgeld von 20 Proz. und 3 Proz. Zinsen für das erste Semester 1909, also die Tausend Mark mit 1230 Mark, ausbezahlt, oder den Mitgliedern stehe es frei, für ihr Mitgliederguthaben eine Aktie der Magdeburger Privatbank zum Nennwert mit einjähriger Sperrverpflichtung zu übernehmen. Die Aktien der Bank notierten an der Börse einen Kurs von ca. 123V2 Mark und ergaben in den letzten drei Jahren eine Dividende von 7 Proz. Die Guthaben unter 1000 Mark werden in demselben Verhältnis ausgezahlt oder beim Bezug einer Aktie verrechnet. Als Gegenleistung für dieses Agio geht der Reservesond gewissermaßen als Risikoprämie für etwa fünf Millionen ausgelichener Gelder in den Besitz der Magdeburger Privatbank über. Die Mitglieder des Vorstands, sowie alle Beamte des Vorschußvereins bleiben in ihren Aemtern, der Aussichtsrat wirkt weiterhin als Ortsausschuß begutachtend bei bet Geschäftsführung mit. Herr Hettler verliest nun den Vorvertrag, den wir im Wortlaut hier folgen lassen.
8 1- Der Vorschuß-Verein zu Hersseld e. G. m. b. H. in HerSseld veräußert unter Vorbehalt der Genehmigung seiner Generalversammlung sein Gesamtvermögen an die Magdeburger Privat-Bank in Magdeburg zu dem weiter unten zu bestimmenden UebernahmepreiS.
8 2. Der Vorschuß-Verein zu HerSseld verpflichtet sich, sobald wie möglich, jedensalls noch im Laufe des Monats Juli 1909 eine Generalversammlung einzuberusen, in welcher bie Genehmigung zu dem Uebergang seines GesamtvermögenS auf die Magdeburger Privat-Bank und im Anschluß daran die Auflösung der Genossenschaft zu beschließen ist.
8 3. Die Uebernahme des GesamtvermögenS des Vorschuß- vereinS zu Hersseld durch die Magdeburger Privat-Bank vollzieht sich in folgender Weise: Die Magdeburger Privat-Bank errichtet in Hersseld eine Abteilung unter dem Namen „HerS- felder Bankverein, Filiale der Magdeburger Privat-Bank in HerSfeld", welche die Geschäfte des Vorschuß-Vereins Hersseld c. G. m. b. H. in Hersseld weiter sührt. Die Uebernahme der Geschäfte erfolgt zur Gewinnung einer sofort brauchbaren klaren Abschlußunterlage mit Wirkung vom 1. Januar 1909 ab derart, daß die Magdeburger Privat-Bank in Magdeburg ihren Uebernahmeakt buchmäßig an den Abschlußakt deS