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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 80

Sonnabend, den 10. Juli

1909

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 5. Juli 1909.

Nach einer Mitteilung deS Königlichen KatasteramtS dahin empfiehlt eS sich, daß die Gemeinden die einfachsten Meß- gerätschaften anschaffen, da sie nicht nur bei der Aufführung von Bauten aller Art erforderlich sind, sondern sich auch bei Privatmrstungen PP. die Vermessung-kosten dadurch verbilligen, daß die Transportkosten der Meßgerätschasten fortfallen.

Zu den einfachsten Meßgeräten gehören: 6 Stück 2 m lange Fluchtstäbe zum Preife von ä Stck. 2 Mk. 12 Mk. und 2 Stck. 5 m lange ovale Meßlatten zum Preise von 12 Mk.

Die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, welche die Meßinstrumente beschaffen wollen, wollen mir dar mitteilen. Die bestellten Meßgeräte werden dann von hier auS zusammen beschafft werden.

I. A. 4278. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 6. Juli 1909.

Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Ver­fügung vom 15. April 1879 I. Nr. 4433 Kreisblatt Nr. 31 betreffend die Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagelschaden, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von längstens 8 Tagen erinnert. I. I. 7201. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

HerSfeld, den 6. Juli 1909.

Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 29. Juni 1880 I. 7650 KreiSblatt Nr. 52 betreffend Erreichung der Verzeichnisse über die von Privathengsten abstammcnden Füllen, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von längsten- 8 Tagen erinnert. Fehlanzeige ist erforderlich. I. I. 7191. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

HerSfeld, den 5. Juli 1909.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher deS Kreises, welche mit der Einreichung der Hundcsteuer-Z u - gangS liste oder der eventl. Fehlanzeige für die Zeit vom 1. April bis 30. Juni d. Js. noch im Rückstände sind, werden mit Frist von 10 Tagen hieran erinnert.

Der Vorsitzende des kreisausschusses

I. A. 4341. von GruneliuS.

HerSfeld, den 6. Juli 1909.

Die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher deS Kreises, welche meine Verfügung vom 15. März 1900, I. Nr. 1732 Kreisblatt Nr. 33 betreffend das Sollauskommen an Beiträgen zur Landwirtschaftskammer noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von längsten- 8 Tagen erinnert. I. I. 7196. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Herkseld, den 5. Juli 1909.

Der Landwirt Conrad Schmidt in Allendorf i/W. ist als Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt worden. Ich habe die Wahl bestätigt und den Gewählten am 3. d. Mtr. eidlich verpflichtet.

A. 4377. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

Her-feld, den 7. Juli 1909.

Die Eingesessenen deS Kreise- mache ich nochmals aus die vom 10. bis 12. d. MtS. in Fulda stattfindende landwirt- fchastliche Ausstellung aufmerksam.

Der Besuch der Ausstellung ist im Hinblick aus ihren großen Umfang und ihre Vielseitigkeit den Landwirten und Freunden der Landwirtschaft sehr zu empsehlen.

^17. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Das große Werk der R e i ch - s i n a n z r e f o r m scheint nun doch in Bälde zu einem gedeihlichen und befriedigenden Ende zu kommen. Nach den jetzt abgeschlossenen Kompromiß- verhandlungen dars man annehmen, daß die verbündeten Regie­rungen und die Mehrheit deS Reichstages sich aus der Basis einigen werden, daß an Besitzsteuern, und zwar aus Grund- vefttz, Umsatz- bezw. Wertzuwachssteuer, auS Quittungen über und Reich-bankguthaben, aus Kuxen- und Effekten- eriii hung und aus der Erhöhung der Matrikularbeiträge, ins­

gesamt 135 Millionen und an neuen indirekten Steuern, die ja zum größten Teile bereits so gut wie endgültig bewilligt sind, insgesamt 310 Millionen ausgebracht werden. Hierzu kommen die bereit- bestehende Fahrkarten- und Zuckeisteuer, deren Forterhaltung geplant ist, mit 55 Millionen, so daß die von der Regierung nach genauer BedarsSberechnung ge- sorderten 500 Millionen demnach aufgebracht werden. Die Mehrheit deS Reichstage- verzichtet auf die Kotierung-steuer, den KohlenauSfuhrzoll und die Mühlenumsatzsteuer. An Stelle der KotierungSsteuer soll eine Besteuerung auf Gewinnanteile und ZinSbogen treten, der die verbündeten Regierungen ihre Zustimmung gegeben haben. Daß es dem Reichstage gelingen möge, daS große Reformwerk in Regierung und Volk be» sriedigender Weise zustande zu bringen, ist sicher der Wunsch eine- jeden, der es mit seinem deutschen Vaterlande gut meint.

Recht betrübend sind die Nachrichten von L S r m und Zank, der in der vergangenen Woche unter denen, die daS Reich vertreten sollen und über seine Geschicke zu beschließen haben, wahre Orgien feierte. Das deutsche Parlament, einst das ersehnte Ziel aller deutschen Patrioten, untergräbt so selbst feine Autorität, und die Folge ist eine weitgehende Interesse­losigkeit im Volke, gerade auch im gebildeten, daS von dem vielen Reden nicht- mehr hören will. Hüben und drüben erkennt man wohl in den Parteien daS Unwürdige diese- Zu­standes und bei den Lärmszenen der vergangenen Woche er­tönten herüber und hinüber Zwischenrufe wieKinderstube". Der Reichstagspräsident hat, fast außerstande, dender Würde deS Hauses nicht entsprechenden Lärm" zu dämpfen, im Aerger die den Dienst versagende Glocke unter den Tifch geworfen, und ähnlicher wegwerfender Aerger saßt manchen im Volke über solch unwürdiges Treiben im deutschen Reichstage.

Weisen wir einen Blick aus daS Ausland, so ist eine nicht unbedenkliche Zuspitzung der türkisch» griechischenBe- ziehungen zu bemerken. Die scharfe Note, welche die Türkei infolge griechischer Rüstungen nach Athen gerichtet hat, hat die Besorgnis von neuem rege werden lassen, daß die Kretafrage, dieses heikle Problem der neuesten Orientgeschichte, doch noch zu einem Waffengange zwischen dem sich seit Jahr­hunderten feindselig gegenüberstehenden Helenen- und OSmanen- tum führen könne. Gerüstet wird jedenfalls aus beiden Seiten. Freilich kann ein Zusammenstoß den Griechen keinen Gewinn bringen, die Türkei aber hat vollauf zu tun, um innerhalb ihrer Grenzen die neue Ordnung zu tatsächlicher Anerkennung zu bringen. Wir denken dabei zumeist an die arabischen An­gelegenheiten, die infolge der von auswärts geschirrten Auf­stände der Nomadenstämme ein immer bedenklicheres Aussehen gewinnen. Auch in Acgypten gärt es, wenngleich an einen Ausstand nicht zu denken ist, wohl aber macht sich dort immer leidenschaftlicher das Verlangen nach einer Selbstverwaltung geltend, die England heute weniger als je gewähren will und im Hinblick aus die Verlegenheiten, mit denen eS überall zu rechnen hat, auch nicht glaubt, gewähren zu können.

Auch die L a g e i n M a r o k k o ist nichts weniger als beruhigend, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, scheint ein allgemeiner Aufstand gegen den Sultan und den Machjen unmittelbar bevorzustchen. DaS Scherifenreich, daS vor kaum hundert Jahren noch so groß war, daß eS der großbritannischen Regierung Bedingungen für die Freigabe englischer Gefangener stellen konnte, ist am Rande deS Zusammcnbruchcs. Mulay HafidS frühere Popularität schwindet rasch dahin. Von allen Seiten tauchen neue Prätendenten auf. Die kürzlich mit Mühe und Not zu Ende gebrachten Differenzen zwischen dem Sultan und den mächtigen Häuptlingen, namentlich dem Groß- wesir El Glaui, drohen von neuem mit aller Schärfe auk- zubrechen und zu einer Rebellion zu führen, gleich derjenigen, durch welche Abdul Asis vom Throne gestürzt wurde. Dazu kommt, daß die Haltung deS Sultans gegenüber Frankreich und Spanien diese Mächte gezwungen hat, eine gleichzeitige Aktion zum Schutze ihrer Interessen in die Wege zu leiten. Spanien verstärkt seine Garnisonen in Ceuta und Melilla durch mehrere tausend Mann, Frankreich hat abermals Kreuzer an die westlichen Häfen MarokkoS entsandt. Wie lange unter diesen Umständen die an Marokko interessierten Mächte noch Zeit haben werden, sich aus eine neuerliche Konferenz zur noch­maligen Regelung der marokkanischen Angelegenheiten vo» zubereiten, wird schon die nächste Zukunft zeigen.

Schließlich scheint sich auch in P e r f i e n die Situation bedenklich zuzuspitzen. Die bisherigen Bemühungen Rußlands und Englands, Sardar Assad, der an der Spitze der Revolutio­näre steht, durch Vorstellungen zur Umkehr zu bewegen, sind gescheitert, und die Truppen der Revolutionäre stehen nicht weit von der Hauptstadt Teheran, wo e- ebenfalls nicht an auf. rührerischen Elementen fehlt, die bereit sind, sich ihnen anzu- schließen. Angesichts dieser bedrohlichen Gestaltung der Dinge kann eS nicht Wunder nehmen, wenn die russische Regierung, trotzdem sie fest am Prinzip der Nichteinmischung in die innere Angelegenheit Persiens festhält, sich zum Schutz ihrer dortigen eigenen Untertanen und Interessen entschlossen hat. Ganz mit Recht nimmt sie an, daß im Falle eines EinrückenS der Bachtiaren und Revolutionäre in Teheran die russische und die anderen europäischen Gesandschasten, Institutionen und Untertanen sowie die russische Entseli-Teheran-Straße in eine

äußerst gefährliche Lage geraten können, denn die Truppen, die dem Schah zur Verfügung stehen, befinden sich in einer Verfassung, daß sie schwerlich imstande sein würden, die Ord­nung aufrecht zu erhalten.

Reichstag.

Am Donner-tag erledigte der Reich-tag die zweite Lesung der Finanzresorm, am nächsten Montag beginnt die dritte Lesung, dir am Dienstag, den 13. Juli, beendigt sein dürste. Dann soll noch die Besoldungsvorlage verabschiedet werden, woraus vermutlich Vertagung deS Hauses bi- zum Spätherbst erfolgt. In der Sitzung vom 7. Juli genehmigte der Reichs­tag in erster und zweiter Lesung das Muster- und Modell- schutz-vbkommen zwischen Deutschland und Dänemark, sowie den Handels- und Schiffahrt-Vertrag zwischen Deutschland und Venezuela und setzte dann die zweite Lesung der Finanzresorm fort. ES wurde zunächst die von der Finanzkommission beschlossene Mühlenumsatzsteuer in längerer Debatte erörtert, woraus daS Hau- den § 1 des Art. 7 in namentlicher Abstimmung mit 188 gegen 170 Stimmen bei drei Stimmenenthaltungen ablehnte; auch alle übrigen Bestimmungen dieses Steuervorschlages fielen. Weiter wurde auch der von der Finanzkommission angenommene Kohlcnou-suhrzoll abgelehnt. Am Donnerstag wurde die zweite Beratung der Finanzresorm mit der Dirkufsion der Talonsteuer, dem neuesten Vorschläge der neuen Mehrheit sortgesetzt. Der Gang der Verhandlungen zeigte, daß die gestrigen allgemein alS überflüssig betrachteten Debatten über Mühlenumsatzsteuer und KohlenauSsuhr doch zu etwas gut gewesen sind. Ohne sie wäre die Talonsteuer schon gestern an die Reihe gekommen, und dann hätte eS sicherlich wieder stürmische Auseinandersetzungen zur Geschäftsordnung gegeben. Inzwischen ist soviel ßeit rnflvsien, daß die Opposition nicht wohl den Vorwurf erheben konnte, eS werde ihr die Zu- mutung gestellt, ein Gesetz zu beraten, zu besten Studium sie keine Möglichkeit gehabt hätte. Daher bewegten sich die Er- örterungen in ruhigen Bahnen. Die Mehrheit verteidigte die neuen Steuern, die Minderheit bekämpfte sie, die Regierung stellte sich theoretisch auf den Boden der Linken, und praktisch auf den Boden der Rechten. Sie teilt manche der von der Opposition ausgesprochenen Bedenken, aber sie überwindet diese, weil sie bedenkensreie Steuern nicht bekommen, neue Einnahmequellen für das Reich aber nicht entbehren kann.

«t Elfjährige Utilftitr Der Schlacht bei Pallawa.

(8. Juli 1909.)

Von A. Jandyk.

200 Jahre sind verstrichen feit der denkwürdigen Ent­scheidungsschlacht in der Ukraine. Der AuSgang deS Kampfe- bei Poltawa bildete einen wichtigen Wendepunkt in der Ge­schichte des nördlichen Europa-, ja, in der Geschichte diese- ganzen Weltteils. Karl XII., der, fast ein Knabe noch, aus den Wasathron gelangt war, begann gar bald, nach kriege­rischen Lorbeeren zu streben, und blieb zeitlebens mehr ein rühm- und erfolgreicher Feldherr, alS ein tüchtiger Regent. Mit dem AuSbruch des nordischen KriegeS, in dem er sich zugleich dreien feindlichen Mächten gegenübersah, sprang sein anfänglicher Siegeslauf von Dänemark nach Rußland hinüber. Nach dem gegen die fünffache russische Uebermacht glänzend erfochtenen Sieg bei Narwa wandte er sich seinem dritten Gegner, Polen, zu und versäumte es, sich weiter genügend um die Russen zu bekümmern. Trotz alledem ging erst bei Poltawa daS geflügelte Wort Peters des Großen,daß Karl XH. ihn so lange besiegen werde, bis dieser ihn daS Siegen gelehrt habe", furchtbar in Erfüllung. Die Schweden behaupteten die Herrschaft an den Küsten, und Rußland bei seiner unter der Regierung Zar Peter- aufstrebenden kulturellen Ent­wickelung brauchte die Seeals Fenster nach Europa". Peter, sehr wohl die Gefahr erkennend, die für Rußland in dem weiteren Kampfe mit solch einem Gegner lag, machteseinem Bruder Karl" Frieden-vorschläge, letzterer jedoch, die Stärke deS Feinde- untcrschätzend, in der Zuversicht, nach völliger Vernichtung der Rüsten ihnen al- Sieger Bedingungen vor. schreiben zu können, war hartnäckig für den Krieg. Anstatt, wie es klüglich gehandelt gewesen wäre, in die Ostseeprovinzen zurückzukehren, sich dort weiter sestzusetzen und die Verbindung mit Schweden nicht zu unterbrechen, stürmte dieser rastlose Krieg-Held vorwärts in die Steppen Südrußlands feinem Verhängnis, das sich bei Poltawa erfüllte, entgegen. Bei feinem Durchmarsch durch Polen sand er bereits alles Land von den Russen verwüstet, und seine Krieger gaben den nach- gebliebenen Städten und Dörfern den Rest. Der Zug ging, anfangs vom Siege begleitet, über den Dnjepr, die russischen Heerführer freuten sich über jede weitere Meile, die der Feind in da- Innere der Lande- zurücklegte. Karl achtete nicht der Warnungen deS Grasen Piper, der riet, Löwenhaupt, welcher mit seiner Streitmacht zu ihm stoßen sollte, abzuwarten. Doch