Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
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herchlder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Hlnschlutz Nr. 8
Nr. 79.
Donnerstag, den 8. Juli
1909.
Bestellungen
auf das
Rersfelder Kreisblatt
werden für das
3. Quartal 1909
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Herrfeld, den 5. Juli 1909.
Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. die landratsamtliche Versügung vom 9. März 1878 Nr. 24443, im Kreisblatt Nr. 20), wonach die Abhaltung von Hauskollekten wegen Beschädigungen durch Hagelschlag nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, die Landwirte in ihren Gemeindebezirken hierauf speziell aufmerksam zu machen, und dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegenheit auf die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Versicherung ihrer Feldfrüchte gegen Hagelschaden hinzuweisen.
I. 7202. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Nachrichten für diejenigen jungen Leute, welche in die Unteroffizieroorschulen einzutreten wünschen.
1. Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unteroffizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das wehrpflichtige Alter kostenfrei derart auSzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden. Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse so weit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Beamtenstande wünschenswert ist. — Daneben wird der körperlichen Entwicklung und Ausbildung, unter vor- zugsweiser Berücksichtigung der Anforderungen des Militärdienstes, besondere Aufmerksamkeit zugewendet.
2. Der Aufenthalt in der Unteroffiziervorschule dauert im allgemeinen zwei Jahre.
3. Die Aufnahme in eine Unteroffiziervorschule ist von folgenden Bedingungen abhängig:
Die Aufzunehmenden dürfen nicht unter 15, aber nicht über 17 Jahre alt sein und sollen eine Körpergröße von mindestens 151 cm und einen Brustumfang von 70 bis 76 cm haben.
Sie müssen sich tadellos geführt haben, vollkommen gesund, im Verhältnis zu ihrem Alter kräftig gebaut, sowie frei von körperlichen Gebrechen und wahrnehmbaren Anlagen zu chroni
Der Pflicht getreu.
Von A. v. Liliencron.
(Fortsetzung.)
Timotheus, naß wie eine gehabene Katze, stellt sich dienstfertig ein und hilft seinem Herrn, sich der nassen Hüllen zu entledigen. Noch erscheint alles ringsumher wie eine rote Schlammfläche, in der die Sträucher die Reste des erquickenden Sturzbades abschütteln, aber bald sammelt sich das Wasser aus dem morastigen undurchlässigen Grunde des Weges, und wo vor wenig Stunden der Boden noch barst unter der Glut der Sonne, haben sich wie durch Zauberhand Teiche mit anmutig gekräuselter Oberfläche gebildet, und die kleinen Reviere wälzen eine trübe Flut zu Tal, die spurlos im Sande der Hauptreviere verläust.
Hasso reckt in Wohlbehagen die Glieder und atmet tief die erquickende Lust ein. Das ist ein neuer LebcnSodem, der die Natur durchweht! Und welch ein wohltuender, Leben bekundender Anblick ringsumher nach der Totenstarre des Sonnenbrandes I
„Timotheus, trefflichster aller Bambusen, rasch eine Kopje Kaffee her und dann ausgepackt und vorwärts l" ruft er seelcn- vergnügt.
Und weiter geht'- von Station zu Station, von Wasserstelle zu Wasserstelle, bis daS Ziel, Windhuk, erreicht wird.
Tags darauf ritt Hasso nach Farm Dornfried.
Lange und eingehend beriet er mit dem Vater, und lange und eingehend sprach er mit der Mutter. Das Resultat davon war der Beschluß, daß Hasso mit dem nächsten Schiffe von Swakopmund nach Deutschland fahren und dort Leutnant von £ aussuchen, zugleich aber auch verschiedene Punkte, Auszahlungen betreffend, mit dem Besitzer von Rausche- bach, vereinbaren sollte. Wolf begleitete den Sohn, der diesmal nicht lange bleiben konnte, noch eine Strecke Wegs zu Pferde.
„Abschied nehmen wir noch nicht, mein Sohn", sagte er.
schen Krankheiten sein, ein scharfes Auge, gutes Gehör, und fehler- freie (nicht stotternde) Sprache haben.
Sie müssen leserlich und im allgemeinen richtig schreiben, gedruckter (in deutscher und lateinischer Druckschrift) ohne Anstoß lesen können und in den vier Grundrechnungsarten bewandert sein.
4. Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14^2 Jahre alt ge- worden ist, begleitet von seinem gesetzlichen Vertreter bei dem für seinen Aufenthaltsort zuständigen Bezirkskommando oder bei einer Unteroffizierschule (in Biebrich, Ettlingen, Marienwerder, Potsdam, Treptow a. R. und Weißenfels) oder Unteroffizieroor- schule (in Annaburg), Bartenstein, Greifenberg i. Pomm., Jülich, Neubreifach, Weilburg und Wohlau vorzustellen und hierbei folgende Schriftstücke vorzulegen:
a) ein Geburtzeugnis (A. V. Bl. 1892 S. 182 Nr. 212),
b) den Konfirmationsschein oder einen AuSweiS über den Empfang der ersten Kommunion,
c) ein UnbefcholtenheitszeugniS der Polizeiobrigkeit,
d) etwa vorhandene Schulzeugniffe,
e) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Be- schäftigunSweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
5. Insoweit Stellen frei sind, erfolgt die Einberufung durch Vermittlung der BezirkskommandoS, nachdem der Anwärter das 15. Lebensjahr vollendet hat. Haupteinstellungstage sind der 15. April und der 15. Oktober.
Die Einziehung geschieht unentgeltlich. Die ausführlichen Bestimmungen können bei den BezirkSfeldwebeln eingesehen werden.
Nachrichten für diejenigen Freiwilligen, welche in die Unteroffizierschulen eingestellt zu werden wünschen.
1. Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmung, junge Leute, die das wehrpflichtige Alter erreicht haben, und die sich dem Militärstande widmen wollen, lastenfrei zu Unteroffizieren heranzubilden.
2. der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert im allgemeinen drei Jahre. In dieser Zeit erhalten die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und Unterricht, der sie befähigt, bei sonstiger Tüchtigkeit auch ^^bevorzugten Stellen deS Unteroffizierstandes (Feldwebel usw.) uno des BeamtensiandeS (Zahlmeister usw.) zu erlangen.
Der Unterricht umfaßt: Lesen, Schreiben und Rechnen, deutsche Sprache, Anfertigung aller Arten von Dienstschreiben, Geschichte, Erdkunde, Naturlehre, Stenographie, Hand- und Planzeichnen, sowie Gesang.
Die gymnastischen Uebungen bestehen in Turnen, Bajonettfechten und Schwimmen.
3. Die Unteroffizierschüler gehören zu den Militärpersonen des Friedensstandes, stehen daher wie jeder andere Soldat unter den militärischen Gesetzen und haben beim Eintritt den Fahneneid zu leisten.
4. Der in die Unteroffizierschule einzustellende muß das wehrpflichtige Alter erreicht haben, also mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.
Er muß mindestens 154 cm groß, vollkommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen sowie wahrnehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauchbarkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.
5. Der Einzustellende muß sich tadellos geführt haben, lateinische und deutsche Schrift mit einiger Sicherheit lesen und schreiben können und in den vier Grundrechnungsarten bewandert sein.
6. Die Einberufenen müssen für die Reise zu der Unteroffizierschule ausreichend mit Schuhzeug, Kleidung und Wäsche und mit 9 Mark zur Beschaffung deS erforderlichen Putzzeuges versehen sein.
„Du kommst noch einmal zu uns heraus. Aber mit meinen Bestellungen für Deutschland kann ich heute schon beginnen. Vor allen Dingen mußt du meinem lieben Leutnant sagen, ich hätte sein Afrika lieb, schr lieb gewonnen, und wenn er wissen wollte, was ich über unsere Kolonie sagte, so wäre eS dies: „Südwestafrika ist kein Geschäft, sondern eine nationale Ehrensache, denn die Bedeutung unserer Kolonien liegt nicht auf materiellem, sondern auf nationalem und idealem Gebiet. Reichtümer erwirbt man sich hier nicht, aber man kann sich durchschlagen und führt in Ungebundenheit ein arbeitsvolles, aber tatkräftiges Leben, das ich mit keinem anderen vertauschen möchte."
2. Kapitel.
Leutnant Eduard von £ hatte ein Kommando nach Brcslau erhalten und war nicht wenig überrascht gewesen, als Hasso Mariens sich an einem kalten Dezembertage bei ihm anmelden ließ. Der Offizier war vor zwei Jahren, als ein dienstlicher Auftrag ihn nach Windhuk geführt hatte, einen Tag in Farm Dornsried gewesen, und dieser Besuch in einer echt deutschen Heimstätte unter Afrikas Glutsonne hatte ihm außerordentlich wohl getan und war deutlich in feiner Erinnerung hasten geblieben. Er empfing daher auch den jungen Mariens mit offenbarer Freude.
In dem einfachen, aber behaglichen Wohnzimmer des Offiziers saßen die beiden Herren nun beisammen, und was sie einander zu sagen und zu fragen hatten, bot so reichhaltigen Stoff, daß die Zeit wie im Fluge schwand. Immer unerschöpflicher gestaltete sich das Gesprächsthema — Südwest, afrita —, immer wärmer wurden die beiden, und immer leb- haster flog Rede und Gegenrede hin und her.
Die Augen deS Offiziers hatten einen leuchtenden Glanz bekommen. Er legte die Hand auf HaffoS Arm.
„Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie gut einem das tut, so frei von der Leber weg von einer Sache reden zu können, die einem Tag und Nacht in Gedanken liegt und die hier doch niemand so richtig versteht!"
Hasso nickte. „Wenigstens nicht so wie einer, der wie ich
7. Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich beim Bezirkskommando seines Aufenthaltsortes oder bei einer Unteroffizierschule (in Biebrich, Ettlingen, Jülich, Marienwerder, Potsdam, Treptow a. R. und WeißenfelS) oder Unteroffiziervorschule (in Annaburg, Bartenstein, Greifenberg i. Pomm., Neubreifach, Weilburg und Wohlau) persönlich zu melden und hierbei folgende Schriftstücke vorzulegen:
a) einen von dem Zivilvorsitzenden derErsatzkommission seines AuSH ebungsbezirkS ausgestellten Meldeschein,
b) den KonfirmationSschein oder einen AuSweiS über den Empfang der ersten Kommunion,
c) etwa vorhandene Schulzeugniffe,
d) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Be- schästigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
Eine Einstellung findet nur bei den. Unteroffizierschulen in Biebrich, Ettlingen und Marienwerder statt und nicht bei den Unteroffizierschulen in Jülich, PotSdam, Treptow a. R. und Weißenfels, da diese sich aus Unteroffiziervorschülern ergänzen.
8. Wünsche der Freiwilligen um Zuteilung an eine der Unteroffizierschulen in Biebrich, Ettlingen und Marienwerder werden, soweit angängig, berücksichtigt.
9. Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder findet im Monat Oktober, in die Unteroffizierschule in Ettlingen im Monar April statt.
10. Unteroffizierschüler, die sich durch mangelhafte Führung oder durch zu geringe Leistungen als nicht geeignet für den Unteroffizierberuf erweisen, werden auS den Unteroffizierschulen entlassen.
11. Während ihrer Dienstzeit in der Unteroffizierschule erhalten bei guter Führung Unteroffizierfchüler, die in die Heimat beurlaubt werden, eine einmalige Reiseentschädigung; auch haben die Unteroffizierschüler bei Beurlaubungen auf die den Kapitulanten zustehenden Vergünstigungen Anspruch.
nichtamtlicher CeiL
©es aainjlers Rücktritt
Nur zwei Staatsmänner haben in Preußen länger an der Spitze der Geschäfte gestanden als Fürst Bülow: der eine war BiSmarck, der andere Hardenberg. Mit der zwölfjährigen Dauer seiner Amtsführung übertrifft er noch erheblich den Freiherrn v. Manteuffel, der 8 Jahre lang preußischer Ministerpräsident war. BiSmarck hat einmal gesagt, wenn ein Minister sich lange auf seinem Posten halte, so sei dies ein Beweis dafür, daß er nicht der erste beste sei. DieseS Bismarcksche Wort trifft doppelt aus einen Staatsmann zu, der in einer so schwierigen Zeit die Geschäfte im Reich und in Preußen geleitet hat wie in den letzten zwölf Jahren. Fürst Bülow begann als Staatssekretär mit der auSwärtigeu Politik in einer Epoche, die erheblich weitere Ausgaben stellte als zu BiSmarckS Zeit. Es war die Epoche der Weltpolitik, an der Deutschland teilnehmcn mußte, wollte eS sich nicht zu einem Staate minderen Ranges herabdrücken lassen. Fürst Bülow hat das Reich in allen großen Aktionen mit einer außerordentlichen Gcschicklichkeit geführt und noch zuletzt in der OrientkrisiS der deutschen Politik einen Triumph verschafft, der unser Ansehen in der Welt für lange hinaus gestärkt hat.
fünf Jahr drüben gewesen ist und eS lieb gewonnen hat, das klippige Dornenland mit seinem wilden Zauber."
„Das ist's, das ist's! Darauf kommt'- an. Wer nichts übrig hat für unsere Kolonie wird sich nicht mit den Verhältnissen vertraut machen und urteilt dann darüber wie der Blinde von der Farbe."
Er war aufgestanden, sein Gesicht hatte sich verfinstert und er ging unruhig hin und her.
„Es ist geradezu lächerlich, wie mich daS quälen kann, wenn ich hier so wenig Sympathie finde für unsere Arbeit drüben. Ich gebe eS ja zu, bei einem so stiefmütterlich bedachten Lande wie Südwestafrika stellt der Zweifel an einen gedeihlichen Ausgang nur zu häufig die Nützlichkeit deS eigenen Tuns in Frage, aber man darf nicht vergessen, daß im schwarzen Erdteile mit Gut und Blut ein deutsches Neuland geschaffen worden ist, das aus seine Weise nach Lebensfähigkeit und Daseinsberechtigung ringt."
Wie gut Hasso dieses heftig hervorbrechende Gefühl bei Unwillens begriff.
Leutnant Eduard hatte seine Wanderung eingestellt und seinen Platz wieder eingenommen. Auch nach der Zigarre griff er von neuem, aber er vergaß, sie in Brand zu stecken, und streifte nur gedankenlos die Asche ab.
„Wenn meine Nerven nicht kaput gegangen wären durch den Typhus, den ich im vorigen Jahre durchwachen muffte, dann hätte mich nicht- von meinem Posten in Asrika megbe- kommen. So mußte ich — der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe — zurückkommen. Wer aber die grenzenlose Ungebundenheit des afrikanischen Lebens jahrelang gewohnt war, der findet sich in den hiesigen Verhältnissen schlecht mieber zurccht. ES fehlt ihm der Ellenbogenraum, und außerdem bringt man noch in das Kulturland als lästige afrikanische Erbschaft einen gesellschaftseindlichen Hang zur Einsamkeit mit hinüber."
Er schwieg und sah nachdenklich in die Ferne, dann wandle er sich an Hasso.
„Begreisen Sie dar, Mariens?"
„Jedes Wort kann ich nachsühlen, und ich spreche mit Ihnen, solche afrikanische Nacht unter dem Eterngesunkel, an