so lebhaft wie er nur konnte, klingelte. Dabei flog ihm die Glocke in weitem Bogen auS der Hand und der Klöppel brach ab. Unter stürmischer Heiterkeit deS Hause» wurde ihm die zerbrochene Glocke wiedergegeben. Der Präsident zeigte sie dem Hause.
Mr > und Ausland.
Berlin, den 4. Juli 1909.
Seine Majestät der Kaiser hielt heute vormittag den Gottesdienst auf der Hohenzollern ab und begab sich später an Bord der Segeljacht Hamburg. Um 11 Uhr 45 Min. begann bei frischer Brise und lebhafter Beteiligung dichtbesetzter Begleitdampfer die Wettfahrt deS Norddeutschen RegattavcreinS und deS Lübecker Jachtklubs in der Lübecker Bucht. In Klaffe A 1 starteten Meteor, Hamburg mit Seiner Majestät dem Kaiser an Bord und Germania. — Ihre Majestät die Kaiserin begab sich heute nachmittag mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise im Automobil nach Lübeck zur Besichtigung des Rathauses. Heute nachmittag etwa 3 Uhr 30 Min. ging die Meteor als erste der großen Jachten durch daS Ziel. Bald daraus kehrte die Jacht Hamburg mit Seiner Majestät dem Kaiser an Bord in den Hafen zurück. Gewaltige, auS Lübeck und der ganzen Umgegend herbeigeströmte Menschenmassen bereiteten dem Kaiser, der aus der Hamburg längere Zeit verweilte, andauernd Kundgebungen.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in ihrem jüngsten Rückblick : „Die infolge der Ablehnung der Erbschaftssteuer geschaffene politische Lage, insbesondere das infolge dieser Ab- lthnung eingereichte Abschiedsgesuch deS Reichskanzlers und die in der Presse daran anknüpfenden Erörterungen haben weitere Kundgebungen des Reichskanzlers wie deS BundeSrates notwendig gemacht. Durch diese, insbesondere durch die in der „Nordd. Allg. Ztg." am Montag erfolgte Veröffentlichung und durch die am Donnerstag im Reichstag abgegebenen Erklärungen des Staatssekretärs v. Bethmann-Hollweg und des bayerischen BundeSratsbevollmächtigten Grasen Lcrchcnfeld ist der Standpunkt der Regierungen zu den weiteren Verhandlungen über die Reichsfinanzreform klar gestellt. Ihr Zustandekommen wird nunmehr davon abhängen, ob es der Mehrheit des Reichstages gelingen wird, ihre mit der Ablehnung der Erbschaftssteuer übernommene Verpflichtung einzulösen und die Reichfinanzresorm in einer sachgemäßen, erschöpfenden und für die verbündeten Regierungen annehmbaren Weise zu Ende zu führen." Die Annahme der Brausteuer wird von der „Nordd. Allg. Ztg." begrüßt, es wird aber bedauert, daß bei der Tabaksteuer entgegen der progressiven Besteuerung der Zigarren nach ihrer PreiSbemeffung im Kleinhandel, welche von der Regierung beabsichtigt worden war, ein Wertzollzuschlag beschlossen wurde. Die sog. Banderolensteuer sei nach dem Urteil hervorragender Sachkenner in Theorie und Praxis die gerechteste Form einer Tabakbesteuerung. Die größten Schwierigkeiten, so fährt das offiziöse Organ fort, stehen dem Reichstag bevor, wenn er an die Beratung deS Ersatzes für die abgelehnten Besitzsteuer herantritt. Es ist an sich nicht ohne Bedenken, wenn der- amge eingreifende und wichtige Steuervorlagen in kurzer Zeit ohne vorherige genaue Erwägung aller etwaigen Folgen ver- abschiedet werden müssen und die Ansicht nimmt immer mehr überhand, daß die ursprünglichen Vorlagen der Regierung gegenüber allen aufgetauchten Projekten den Vorzug verdienten.
In einem Telegramm aus Berlin, daS der „Kölnischen Zeitung" zugeht, heißt es: „Die Nachricht, daß bedeutende amerikanische Firmen eine amerikanische Kunst- und Industrieausstellung in Deutschland planen, kann hier nur mit Genugtuung ausgenommen werden. Für den Ernst der Ausstellung geben die beteiligten Namen volle Sicherheit. DaS geplante Unternehmen zeigt, daß nicht nur die deutsche Einfuhr, sondem auch die amerikanische Autsuhr nach Deutschland für Amerika von Bedeutung ist. Wenn diese Erkenntnis allgemein wäre, so könnte daS auf den Abschluß deS deutsch-amerikanischen Handelsvertrages nur günstig einwirken." Zum Schluß wird bemerkt: „Bei dem Interesse, daS man in Deutschland den Vereinigten Staaten und ihren industriellen Verhältnissen entgegenbringt, kann die Ausstellung ein voller Erfolg werden."
Die großen Herbstmanöver der österreichisch- ungarischen Armee sollten ursprünglich derartig ab- gehalten werden, daß Kaiser Franz Joses am Todestage der Kaiserin am 10. September in Wien sein konnte. Mit Rücksicht aber daraus, daß Kaiser Wilhelm an den Manövern teilnimmt und selbst am 13. September aus dem Manöverselde der deutschen Armee sein muß, hat Kaiser Franz Joses angeordnet,
schimmernde Glutlinicn aus, und der heiße Sonnenatem saugt unbarmherzig noch daS letzte Tröpfchen Lebensmark auS den Pflanzen. Auch die Laute der Natur ersterben, von den Sonnenpseilen getroffen.
Haffo hält mit feinen Leuten MittagSrast.
Ein unruhiger, fonnendurchquälter Schlummer umfängt ihn, bis die Zeit deS Aufbruchs gekommen ist.
Inzwischen hat sich im Nordosten, der Labung spendenden Wetterecke, der Horizont verändert. Weiße Wölkchen schieben sich verstohlen darauf, verdichten und verdunkeln sich. Ueber dm eben noch in fleckenloser Reinheit erstrahlenden Himmel hat sich eine schwarzdrohende Wand gespannt, die zuckende Blitze zerreißen. Auch die Sonne haben türmende Wolken begraben, mit ihrer strahlenden Herrlichkeit iff$ vorbei, bald ist der ganze Himmel nur eine einzige schwarze Masse.
Ein feuchter Wind setzt ein und jagt Haffo vereinzelte Siegen tropfen inS Gesicht. Thimotheus erscheint, dm Regenmantel über dem Arm. Prüsend blickt Haffo zum Himmel. DaS Kommando „LoS" ist noch nicht gegeben, noch schwebt die schwarze Wolkenlast, wie von unsichtbaren Ketten getragen, über ihm.
Er läßt Hall machen und da» Nachtlager bereiten. Ein paar wasserdichte Zelltücher darunter und darüber, und dann — nun dann muß man einen ordentlichen Regmguß schon au»hallm können.
Hmte gibt e» keine Sternennacht, kein phantastisches Träumen, heute schließen sich HaffoS Augen bald, nachdem er seine Abendkost verzehrt hat. Stunden hatte er geschlasen, da sollen die erstm Tropfen, leise, fast geräuschlos. Er atmet warmen Wafferdunst ein, aber daS stört nicht seinen Schlummer. Erst als das Klatschen der Tropfen ausdringlicher wird, und die Feuchtigkeit die schützenden Hüllm durchdringt, schreckt Hano au» festem Schlaf aus. E» ist Tag geworden, aber nur eine dämmerige Helle. Prasselnd strömt auS einer ein- nttder ^afferberstendm Wolke da, endlich entfesselte Naß her-
Sie verwandelt ist die Steppe! Hundette von Rinnsalen und Bächlem schießen durcheinander in quirlendem Lauf. Alle
daß die Hauptmanövertage auf den 9. und 10. September fallen. Die Nordarmee wird General der Kavallerie Klobucar kommandieren; die Südpartei führt der Kommandeur beS Wiener Armeekorps, General der Infanterie Freiherr Hadamar von Bertbach.
Eine furchtbare anarchistische B l u t t a t ist in der spanischen Stadt Navia verübt worden. Der Echloßbesitzer Morgador saß eben mit seinen Gästen an der Tasel, als durch das offene Fenster eine Bombe hereingeworfen wurde, die mitten auf den Tisch fiel und unter schrecklichem Krachen krepierte. Herr Morgador, feine Frau, seine Tochter und drei Gäste wurden getötet, vier Gäste schwer verwundet.
In London ist eine aufsehenerregende politische Mordtat begangen worden. Bei dem Galaempsang der „National Jndian Association" wurde Oberst Sir William Wyllie, der in der indischen Verwaltung früher eine hervorragende Stellung einnahm, von einem jungen Jndier mit mehreren Revolverschüssen getötet, woraus der Mörder sich auf den Begleiter seines Opfers, den parsischen Arzt Dr. Gawa-lalcasa, stürzte und ihn durch Dolchstiche ebenfalls tötete. Der sofort verhaftete Attentäter gab bei feiner ersten Vernehmung an, daß er sich durch seine Mordtat für daS an den Engländern in Indien betriebene Ausbeutung-system habe rächen wollen. Ueber die Persönlichkeit deS Mörders liegen noch keine näheren Mitteilungen vor.
AuS Teheran, 4. Juli, wird gemeldet: Zwischen den Kosaken deS Schahs und den Revolutionären unter Führung des Gouverneurs von Gila, Sipahdor, hat heute srüh in Echahabad bei Teheran ein Gefecht stattgesunden, in denen die Kosaken einige Tote hatten. Einzelheiten fehlen. — Wie der Dragoman der russischen Gesandtschaft Baranow-ki und der Militärattache der englischen Gesandtschaft Major Stokes aus Echahabad berichten, wurden die Revolutionäre von den Kosaken deS Schahs geschlagen und hatten zwölf Tote; auf Seite der Kosaken sind ein Offizier und drei Mann gefallen, zwei Mann verwundet.
Die Stockholmer Attentatkassäre, die Er- mordung der schwedischen Artilleriegenerals Beckmann durch den Anarchisten Bang, hängt nach neueren Meldungen mit einem Komplott zusammen, das von anarchistischer Seite gegen den Zaren während beS Aufenthalte- desselben am Stockholmer Hose geplant war. Bang gehörte mit zu den Verschworenen, seine Komplizen wurden indes sämtlich von der Stockholmer Polizei noch rechtzeitig vor Ankunft beS Zaren verhaftet. Bang allein entging der Verhaftung und er erschoß nun General Beckmann, dem er die Schuld an der Verhaftung seiner Mitverschworenen beimaß. Dem bevor- stehenden Prozeß gegen dieselben sieht man in Stockholm mit Interesse entgegen.
Weitnftjri des „3. 1" nach Metz.
Seit Dienstag morgen liegt baS Reich-luftschiff bei Biberach vor Anker, wo widrige Winde, die zeitweise zu schweren Stürmen anwuchsen, eS festhielten, und Wolken- brüche seine Hüllen immer wieder durchnäßten. Wohl wäre es dem Führer des Luftschiffes möglich gewesen, auch mit dem durch die aufgesogenen Wasiermossen belasteten Luft- kreuzer die Weiterfahrt zu forcieren und so aus» neue zu erweisen. daß man mit einem Schiffe Zeppelinscher Konstruktion auch unter den ungünstigsten Bedingungen nicht an den Boden gebunden ist, aber Major Sperling brauchte diesen Beweis, der bereits von dem Grafen Zeppelin selbst mehrfach auf seinen langen Reisen erbracht ist, nicht noch einmal zu geben. Für ihn mußte es die Hauptaufgabe sein, mit möglichster Sicherheit die Streife Friedrich-Hafen—Metz zurückzulegen und dabei Mannschaft und Schiff so wenig wie möglich zu ge- sährden. Es wäre also aus jeden Fall ganz falsch, aus dem langen Verweilen deS „Z. I" bei Biberach den Schluß ziehen zu wollen, daß das ReichSluftschiff in einem Ernstsalle den hohen Erwartungen, die man in die Leistungsfähigkeit des Kreuzers gesetzt hat, nicht voll entsprechen würde.
M i t t e l b i b e r a ch, 3 Juli. Da» Lustschiff „Z. I" hat kurz vor 11 Uhr bei sternenklarem Himmel die Weiter- sahrt nach Metz angetreten. Major Sperling steuert auf die nach Ulm sührende Bahnlinie zu.
Stuttgart, 4. Juli. DaS ReichSluftschiff „Z. I" passierte in der Zeit zwischen 1 Uhr 50 und 1 Uhr 55 Min. srüh von Göppingen kommend in einer Höhe von 200 bis 300 Metern in rascher, sicherer Fahrt von Südosten nach Nordwesten die Stadt unter brausenden Zurufen einer großen Menschenmenge, die die Straßen und die Dächer besetzt hielt. Aus den umliegenden Höhen wurden bengalische Feuer abge- brannt. Schon von weitem kündigte daS Surren der Pro-
Senkungen sind angesüllt, sprudeln über und bilden eine plätschernde Flut.
Die nasse Decke fest um sich ziehend, richtet sich Haffo aus. Der Hunger meldet sich bei ihm, und er spät umher, ob er nichts Eßbarer in nächster Nähe entdecken könne. Aus dem Tischchen neben ihm schwimmen die Reste der Abendbrote» aus den Tellern umher, aufgeweicht und unappetitlich. Aber man ist nicht wählerisch, wenn man weiß, daß uns nichts anderes geboten wird; so streckt denn auch Haffo vorsichtig seine Hand auS und langt zu. In dem bereitstehenden Glase kredenzt der Himmel selbst ihm von seinem köstlichsten Naß.
Um ihn rauscht eS wie baS Getöse eines GießbachS. Der ganze Körper ist ihm steif geworden. Er steht auf und ver- sucht, durch Bewegung wieder geschmeidig zu werden. Naß bis auf die Haut wird man ja doch so oder so. Nach drei Stunben, die ihm außergewöhnlich lang erscheinen, läßt der Regen nach. Die Büchlein mäßigen ihren Laus und beginnen zu versickern. Am Horizont lichtet eS sich, ein trockener Wind setzt stoßweise ein. (Fortsetzung folgt.)
— (Bon einem ru ssischen Grenzsoldaten erschossen.) Al» der Arbeiter Medwig nach einer Kahnfahrt nach dem österreichischen Grenzorte Mielnice sein Fahrzeug am Ufer befestigte, fiel plötzlich von russischer Seite ein Schuß, der ihn tot niederstreckte. Der Erschossene hinterläßt eine Witwe und vier unmündige Kinder. Dem Oberschlesischen Anzeiger zusolge ist eS erwiesen, daß der Schuß von einem russischen Grenzsoldaten abgegeben worden ist.
— Hörde, 2. Juli. In der Nähe der Seekante und deS EchlachthauSwegeS platzte heute abend ein große« Ga». röhr deS Hörder Werke». Die Zahl der Toten und Verwundeten wurde anfangs auf 50 bis 60 geschätzt. Die Nachrichten über daS Unglück stellten sich aber al» stark übertrieben herau». Da» Unglück hat sich solgendermaßen abgespielt: Ein Sicherheitsventil an der 2 km langen Rohrleitung, welche Hochosenga» enthält, funktionierte nicht ordnungsgemäß und ließ bal GaS ausströmen. Das Ga», daS aus Kohlenoxyd, Kohlensäure, Stickstoff und Wasserstoff besteht,
peller da» Nahen deS Luftkreuzer«, dessen Gondeln hell erleuchtet waren. Auf der Weiterfahrt wurde da» Fahrzeug von zahlreichen Automobilen verfolgt.
Stuttgart, 4. Juli. DaS Luftschiff „Z. I" überflog Pforzheim 2 Uhr 40 Min., KarlSruhe 3 Uhr 10 Min. in der Nacht.
M e 6/4. Juli, 8Va Uhr vormittag«. „Zeppelin I" ist kurz vor 8 Uhr glatt gelandet.
Metz, 4. Juli, 9 Uhr vormittags. Die Landung beS ReichSluftschiffc» „Z. I" vollzog sich bei herrlichem Sommer- Wetter und fast völliger Windstille sehr glatt und ruhig. DaS Luftschiff wurde vom Exerzierplatz Frescaty, wo sich die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden zum Empfang eingefunden hatten, um 7 Uhr 10 Min. gesichtet und näherte sich dann schnell. Es machte zunächst in ruhiger Fahrt eine Reihe von Evolutionen über Metz und den Vororten, bevor ek sich der Halle näherte; dann umkreiste eS die Halle mehrere Male in weiten, dann immer enger werdenden Bogen. Gegen 8 Uhr stand eS in mäßiger Höhe vor der Halle still und wurde an den herabgeworfenen Tauen von Soldaten vollends zu Boden gezogen. In den Gondeln befanden sich sieben Personen. Major Sperling und Hauptmann George meldeten sich bei dem Kommandierenden General beS 16. Armeekorps, Gen. d. Jnf. von Prittwitz und Gaffron, und dem Gouver- neur der Festung Metz, General der Infanterie von Arnim; sie wurden von beiden in herzlicher Weise beglückwünscht; ebenso vom Bezirk-präsidenten Grafen von Zeppelin-Asch- hausen sowie dem Bürgermeister, RegierungSrat Dr. Böhmer, der dem Major Sperling im Namen der Stadt dasür dankte, daß er seine Bitte erfüllt und den Metzern, die in der Stadt geblieben waren, baS Schauspiel beS manövrierenden Luftschiffe- geboten habe. Major Sperling und Hauptmann George wurden vom Kommandierenden General zur Tafel geloben und begaben sich unter den stürmischen Hochrufen der inzwischen stark angewachsenen Menge im Automobil zur Stadt. Da- Luftschiff, da- eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 45 Kilometer in der Stunde erreichte, kam in Folge der günstigen Witterung-» und Windverhältnisse bedeutend früher, als man erwartet hatte. Bei der Landung deS Luftschiffes durchbrach die Zuschauermenge den militärischen Kordon und konnte nur mit größter Mühe davon abgehalten werden, sich in die allernächste Nähe des Luftschiffes zu begeben. DaS Luftschiff wurde von der bereitstehenden Lustschiffer-Abteilung leicht und sicher, fast mühelo-, in die Halle geleitet, wo es in geringer Höhe über dem Erdboden verankert wurde, alle Fahrt» teilnehmer sahen infolge bet Strapazen recht übermüdet und abgespannt auS, waren jedoch über den jubelnden Empfang sichtlich erfreut. Um 8 Uhr 30 Min. begannen die mächtigen Tore der Halle sich langsam zu schließen.
Aus Provinz u. Varbbargebiet
* Die „Deutsche Kranken» Unterstützung s» kasse" in Cassel, die unter dem 4. Februar 1907 als „eingeschriebene HilsSkasse" zugelassen wurde und deren Tätigkeit sich über daS Deutsche Reich erstreckt, bezweckt nach ihrem Statut die gegenseitige Unterstützung ihrer Mitglieder und deren Angehörigen für Krankheit-- und Todesfälle. Nach den Rechnungsabschlüssen, die die Kasse dem Königlichen Polizeipräsidenten zu Cassel als der zuständigen AussichtSbehörde eingereicht hat, hat sie im Jahre 1907 bei einer reinen JahreSeinnahme von 33868 Mk. an VerwaltungSkosten 25636 Mk. 16 Pfg. und im Jahre 1908 bei einer reinen JahreSeinnahme von 182679 Mk. 82 Pfg. an Verwaltung-- kosten 112865 Mk. 76 Pfg. ausgewendet. Die VerwaltungSkosten stellen sich demnach im Jahre 1907 auf rund 76 Prozent und im Jahre 1908 auf rund 62 Prozent der reinen JahreSeinnahme. Sie bestehen vorwiegend in Au»- gaben für die Bezüge der Vorstandsmitglieder, der Leiter der örtlichen Verwaltungsstellen und der übrigen Kaffenvertreter. Mithin finden die Beiträge der Mitglieder nur zum kleineren Teil zur Ersüllung deS KasienzweckS Verwendung. Die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen bieten keine Handhabe, gegen die Kasse wegen der unverhältnismäßig hohen Ver- waltungskosten einzuschreiten. ES erscheint aber geboten, daS Publikum auf die angeführten Tatfachen hinzuweisen und vor dem Beitritt zu einer Versicherung-kasie, die die Beiträge ihrer Mitglieder zu 8/s zu den VerwaltungSkosten verwendet, öffentlich zu warnen.
* (Bauernregeln für Juli.) Die Sonne im Juli hat noch keinen Bauern aus dem Land geschienen. — Juli- regen nimmt den Erntesegen. — Wer im Heumonat nicht gabelt, im Kornschnitt nicht zabelt (sich nicht anftrengt), im Herbste nicht früh aufsteht, mag sehn, wie's ihm im Winter
und beinahe geruchlos ist, drang in die Häuser der Straßen an der Seetante ein und betäubte etwa 40 Personen. Die Betäubten wurden sofort inS Hüttenhospital und in die beiden Hörder Krankenhäuser geschafft und mit Sauerstoffapparaten behandelt. Gestorben ist bisher niemand, vielmehr hoffen die Aerzte, daß sämtliche Betäubte mit dem Leben davon- kommen werden.
— Eine lustige Polizeigeschichte berichten Münchener Blätter. Er handelt sich dabei um eine Unterschlagung gleichsam unter Aufsicht der Polizei. Am 26. Februar erschien nämlich der erste Vorstand des 5. Dicnst- mannSinftitutS, der frühere Kaufmann Selch, der auch die Kasse führte, bei der Polizeidirektion und erklärte dreist, er habe vom Ausschuß den Auftrag, die bei der Polizeidirektion in Wertpapieren hinterlegte Kaution von 2000 Mark mit Nutzen von einigen 100 Mark gegen andere Papiere umzu- tauschen. Er erhielt wirklich die Wertpapiere au-gehändigt. Selch ging und kam nicht wieder; er wurde von der Polizei zwar mehrmals ausgesordert, das Geld wiederzubringen, aber erfolglos. Schließlich schrieb die Polizei, bis zum 26. Juni müsse die Summe wieder hinterlegt sein. Selch hatte aber da» Geld längst für sich verbraucht, ja er war in der Zwischenzeit schon wieder in Geldnöten und operierte mit den ein* laufenden Geldern beS Instituts. Den Ausschuß suchte er bei der Revision durch unrichtige Buchung zu täuschen, doch konnte immerhin ein kleinerer Fehlbetrag sestgestellt werden. Der Au-schuß wurde daher stutzig und begab sich zur Poli- zeidirektion, um sich RotS zu erholen und eine amtliche Revision der Bücher zu veranlassen. Die Ausschußmitglieder fielen aber aus allen Himmeln, als sie aus der Polizeidirektion ersuhren, daß Selch die 2000 Mark Kaution abgehoben und nicht wiedergebracht habe. Selch ist nun zwar verhaftet worden, aber baS Geld ist für immer verschwunden.
— (Unfall einer Tierbändigerin.) Im Pariser Lunapark produzierte sich die 30jährige Tierbändigerin Prinzessin Siwa mit sechs Krokodilen. Von einem der acht Fuß langen Reptile in den rechten Arm gebissen, feuerte die Siwa mit der Linken drei Revolverschüsse auf baS Tier ab, baS sofort verendete.