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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. verSezugspreis beträgt für Hersseld vierteljährlich

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herchlüer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 78.

Dienstag, den 6. Juli

1909»

Bestellungen aus das

Bersfelder Kreisblatt

werden für das

3. Omartal 1909 von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher teil.

Her-feld, den 30. Juni 1909.

Der Herr Ober-Präsident hat dem Vorstände des Ver­bandes der Geflügelzuchtvereine im Regierungi-Bezirk Saffel zu der am 8. November d. Js. beabsichtigten Verlosung von lebendem Geflügel zum Besten der Verbreitung von bestem Wirtschastsgeflügel aus dem Lande die Genehmigung erteilt.

Der Vertrieb der Lose findet in den Kreisen Witzenhausen und Eschwege und bei den Verband-mitgliedern statt.

Die OrtSpolizeibehörden des KreiseS ersuche ich, dafür zu sorgen, daß dem Vertriebe der Lose bei den Verbandsmitgliedern in hiesigem Kreise keine Hindernisse bereitet werden.

I. 7054. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 2. Juli 1909.

Die Herren Bürgermeister des KreiseS, welche meine Ver- sügung vom 8. v. MtS. I. Nr. 6313 Kreisblatt Nr. 68 betr. die Einsendung der Anbauerhebungskarten noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von längstens 5 Tagen erinnert.

I. 6313. Der Königliche Landrat. I. $.:

Thamer.

Hersseld, den 30. Juni 1909.

Unter dem Schweinebestande des Georg Eckhardt zu Leim- bach ist die Rotlausscuche auSgebrochen.

I. 7074. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen

Der Pflicht getreu.

Von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

An anderer Stelle sind Aloen mit fächerartigen Blatt- krönen zu gestrüppartigem Dickicht verwachsen und mit steifen rotblühenden Kandelaber-Kakteen vermischt, die sich bis zu xben Hängen der Berge hinauf verlieren. Dazwischen ist schotter- artiges Klippcngeröll verstreut, sind glatte Felsplatten hinge- streckt und sandige Flächen ausgebreitet. Ueber dem Ganzen eine dörrende, flimmernde Sonne!

Bei der nächsten Biegung steigt der Weg einen lichteren Hang hinan. Rechts und links ragen mächtige Termiten- hausen wie altmodische Meilensteine empor. Röttichbraun lugen sie durch daS grüne Geäst deS DornenbaumeS hindurch. Oben auf der Höhe öffnet sich eine weite Aussicht.

Hasso hält sein Pferd an, lüftet den breitkrempigen Hut und tut einen tiefen Atemzug. Er blickt um sich. Die Wasser» stelle kann nicht mehr weit sein, vor ihm liegt die Herero- Werft, die er hatte erreichen wollen, von Dornbüschen um» kraalt, zwischen die sich Baumstümpfe schieben und hier und da ein knorrig vcrästetcr Kameeldorn.

Im unregelmäßigen Durcheinander sind im Kraal die Pontoks ausgerichtet, diese kugelförmigen, bienenkorbartige» Behausungen der Herero, die von ihren Frauen als ein in die Srbe gesteckter Weidenkorb sauber geflochten und dann mit einer Mischung von Lehm und Kuhdünger glatt verputzt werden.

Einer dieser Pontoks zeigt alS Türaussatz einen ovalen Bogen, der aus Lehm an die Wand geknetet ist. Da nun aber jeder Eingang zum Pontok nichts anderes ist, als ein Mauseloch zu ebener Erde, so wirkt hier dieser Anflug primi­tiver Architektonik höchst eigenartig. Es ist daS jedenfalls der Pontok eines WerftkapitänS. Er selbst sitzt davor auf einem Stuhle inmitten seines kleinen Reiches. Etliche jüngere Leute hocken im Halbkreise um ihn herum. Die Tabakspfeife zwischen die Zähne geklemmt, schauen sie herab­

Lehranstalt 1. ein ObstverwertungSkursus für Frauen in der Zeit vom 2.7. August, 2. ein ObstverwertungSkursus für Männer in der Zeit vom 9.19. August abgehalten wird. Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vorm. 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Ver­wertungsmethoden einzuüben. Der Unterricht umfaßt: Obst- weinbercitung und Behandlung desselben im Keller, sowie Be- Handlung kranker Weine; Bereitung von Essig, Branntwein, Schaumwein und alkoholfreier Getränke; Untersuchung von Keimhefen, Kahmhesen, Schimmelpilzen, ferner des Mostes aus Zucker und Säure. Bereitung von Mus, Gelee, Marmelade und Pasten. Herstellung und Ausbewahrung von Konserven und Obstsästen, Dörren des Kern- und Steinobstes und des Gemüses. Obsternte, Sortierung, Aufbewahrung und Ver­packung des frischen Obstes, Gurken-, Kraut- und Bohnen- säuerung usw.

DaS Honorar beträgt 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark. Anmeldungen sind an die Direktion zu richten.

Geisenheim, den 21. Mai 1909. Die Direktion.

HerSseld, den 30. Juni 1909.

Unter dem Schweinebestande des Landwirts Conrad Mohr in Ausbach ist die Rotlausseuche auSgebrochen.

I. 7093. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 5. Juli 1909.

Die diesjährige Schau der Stuten im Kreise mit Prämien- Verteilung und Eintragung in das Stammbuch findet am

Mittwoch, den 7. d. Mts.

Bormittags 10 Uhr auf dem Viehmarktpla^ hier, statt.

Es werden nur bedeckte Stuten prämiiert. Die Prämien bestehen darin, daß den Besitzern der ausgewählten Stuten das in diesem Jahre von ihnen |ür die Bedeckung dieser Stuten gezahlte Deckgeld zurückerstattet wird, und daß für die von diesen Stuten 1909 eventl. geborenen Füllen ein Füllengeld nicht zu entrichten ist.

Der Nachweis für die Bedeckung der auSgewählten Stuten ist durch Vorzeigen des DeckscheineS zu sühren. Wer den letz­teren nicht vorzeigen kann, ist von der Prämiierung ausge- schloffen. Die Deckscheine der prämierten Stuten werden ab­genommen und den Besitzern nach einigen Tagen wieder zu- gestellt.

Nur Stuten, welche in daS Stutbuch eingetragen sind, werden prämiiert; diejenigen werden bevorzugt, deren unter Vorweis des Füllenscheines vorzuführende Nachzucht ihren Zucht- wert bestätigt. Stuten, welche 2 Jahre lang nicht trächtig geworden sind, und solche, welche nachweislich schlechte Fohlen gebracht haben, erhalten keine Freideckscheine. Die Zahl der an den einzelnen Schauorten zu prämiierenden Stuten bestimmt die Schaukommission.

lassend und wohlgefällig aus daS Treiben im Kraal, in dem es unter Blöken und Brüllen lebendig zugeht.

Die Weiber hatten die Kühe gemolken und kamen nun, daS Gefäß aus dem Kopse tragend, mit schwerfälligem Schlürfen zum Pontok zurück.

Der junge Martens lenkt fein Pferd nach der Werft, lang­sam folgt der Karren. Am Eingang hängt an Lederriemen an einem Aste des Kameeldorns die große, birnensörmige Kalebasse mit frischer Milch gefüllt. Ein altes Weib sitzt da- vor und schüttelt maschinenmäßig, ruckweise die Kalebasse. Die Omeire", die säuerliche Dickmilch, die Volk-nahrung der Herero, wird so bereitet.

Neben ihr kauert eine andere runzliche Frau und näht an einercaross", dem Fellmantel der Hererosrau, der ihr, reich mit Eisenperlen besetzt, von der Schulter fällt, wenn sie die helmartige Frauenhaube aufsetzt, über die drei lanzettförmige Lederblätter ragen.

Hasso blickt nur flüchtig über die alten und jungen Frauen, die bei häuslichen Verrichtungen vor ihren fenster­losen Pontoks Hocken oder auf sclbstgescrtigten Klappstühlchen sitzen.

Er reitet zum Kapitän heran. Den kannte er gut und hatte sich noch kürzlich daran ergötzt, wie dieser ihm versichert hatte,Nichtstun und Omcire trinken sei besser als Orlog (Krieg) machen."

Den der Herero respektiert, grüßt er tief oder durch eine Handbewegung. So macht eS auch hier der Kapitän und er­hebt sich dabei, während er vor der Begrüßung seinen Stecken zu Boden gleiten läßt.Ki-morro", sagt er und reicht ver- bindlich die Rechte.

Hasso tut ein gleiches und grüßt freundlich, aber doch mit einer gewissen stolzen Herablassung, die dem Herero gegenüber angebracht ist, weil der Schwarze Macht sehen ivid, wenn er Achtung haben soll.

WaS gibt's Neues?" forscht der Kapitän mit der dring­lichen Neugier eines KindeS.

Der junge Mariens kannte diese Frage ganz genau. Jeder Farmer, jeder Bastard, jeder Herero oder Hottentotte legte sie

Für jede Stute, welche neu in das Stutbuch ausgenommen wird, erhält der Besitzer 5 Mk.

Außerdem müssen die seit der letzten Stutenschau mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer getauften Stutsohlen vorgeführt werden.

Den Interessenten des KreiseS gebe ich mit dem Ersuchen hiervon Nachricht, ihre Stuten an dem genannten Termine vorführen zu wollen.

I. 7232. Der Königliche Landrat.

von GruneliuS.

nichtamtlicher Ceil.

Reichstag.

Mit der Erledigung der ReichSfinanzresorm im Reichstage durch den neuen konservativ-klerikalen Block geht es jetzt im Sturmschritt vorwärts. Am Donnerstag war die neue Bier- steuer-Vorlage in zweiter Lesung im wesentlichen nach den Be­schlüssen der Finanzkommission angenommen worden, und am Freitag wurde in zweiter Lesung die neue Tabaksteuer-Vorlage ebenfalls durchgängig in der Kommission-fassung nur hie und da mit aus dem Hause beantragten Abänderungen, genehmigt. Demnach soll statt der Banderolensteuer des RegierungSent- Wurfes der von der Kommission beschlossene Wertzuschlag zum Tabakzoll in Höhe von 40 Prozent vom Wert Gesetz werden. In dieser Fassung gelangte der grundlegende § 1a dr- Tabak- steuergesetzcntwurseS mit 191 gegen 155 Stimmen bei 10 Stimmenthaltungen zur Annahme. Vorher war der Antrag des Zentrumsabgeordneten GieSbertS betreffs der Entschädigung beschäftigungslos werdi..drr Tabakarbeit, r gegen die Stimmen der Sozialdemokratin und einiger Freisinnigen angenommen und dagegen ein denselben Zweck verfolgender sozialdemo- kratischer Antrag abgelehnt worden. Nach dem Antrag GieS» bertS sollen auS den Einnahmen deS neuen TabaksteuergesetzeS den Landesregierungen bestimmte Beträge zur Unterstützung entlassener Tabakarbeiter überwiesen werden. Der Rest der Vorlage fand ohne wesentliche Diskussion Erledigung. Am Sonnabend beschäftigte sich das HauS mit der Spezialberatung der Branntweinsteuer-Vorlage.

Die Sonnabendsitzung der Reichstages war außerordentlich bewegt. ES kam zu Szenen, wie sie kaum jemals dagewesen sind. Von freisinnigen Abgeordneten wurde dem Staatssekretär Eydow zugerusen, er lasse die Regierungsvorlagen stürzen, ohne auch nur einmal daS Wort zu ergreifen. Als sich dann der Staatssekretär erhob, um zu beginnen:Die verbündeten Re­gierungen stehen auf dem Standpunkt", wurde er sofort durch laute Zwischenrufe unterbrochen:Haben denn die verbündeten Regierungen überhaupt einen Standpunkt? Haben wir denn überhaupt eine Regierung? Haben wir einen Reichskanzler?" Im ganzen Hause herrschte ein ganz bedeutender Lärm. Der Präsident suchte ihn zu übertönen, indem er mit der Glocke

einem neuen Anköinmling vor und lauschte dann wißbegierig was dieser ihm erzählen würde.

Hasso kramt aus seinem Gedächtnis eine veraltete und wieder neu aufgefrischte Geschichte von BiSmarck hervor und befriebigt so die Neugierde deS Häuptlings.

Omewa ipi ?" (Wo ist da- Wasser?) erkundigt er sich dann.

Ein junger Herero erhält vom Kapitän die Weisung, zur Wasserstelle zu sühren, und bequemt sich zum Vortritt. Die Reifekarre folgt, und nach wenigen Minuten stehen sie alle am Wasfer, dem EehnsuchtSziele für den ausgedörrten Gaumen von Mensch und Tier.

Ein überragendes Gewölbe mit einer versteckten Wasser­spalte liegt vor ihnen. Die Ticse fchützt hier vor Moder, Ochsenjauche und Vogelschmutzerei, die andere Wasserstellen, die Menschen und Getier leicht zugänglich sind, zu einem Schmutz­loche machen.

Die Maulesel werden abgeschirrt und die Pferde abge- fattelt. AlleS wälzt und schüttelt sich und wühlt dabei einen unglaublichen Staub auf. Unterdessen hat TimotheuS feine Schuhe ausgezogen und sich vorsichtig in den düsteren Schlund hinabgleiten lassen.

Es patscht unten, er steht mitten im Wasser, sonst findet er keinen Halt. Die anderen suchen gemfenartig aus ben^Sor- sprüngen deS Abrutsches festen Fuß zu fassen. Der lose Sand rieselt unablässig herab und träufelt mit Hellem Klingen aus dir unsichtbare Wasserfläche.

Aber auch aus Timotheus' Wollkopf hat sich eine Sand­ladung ergossen, ein bumpfgrollenber Protest steigt aus der Höhlung empor.

Schnatternd und lachend geben die übrigen Glieder bei lebenden Lifts die Schmeichelausdrücke in tonleiterartiger Ab­stufung wieder.

DaS Wasser ist für afrikanische Zustände gut zu nennen, und bald ist der Durst von Menschen und Vieh gestillt. Da- wirkt neu belebend bei dieser glutatmenben Lust. Dunstig blau spannt das Himmelsgewölbe sein Zelt aus. Kein stören­der Kniff, kein Fältchen ist sichtbar. Lichte Reinheft liegt über der Steppe auSgebreitet. Die Grate der Berge sprühen weiß-