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einer mit den gewohnten sozialdemokratischen Schlagworten gespickten und in einem Kampfrufe gegen die Agrarier au»- Ningendrn Rede. ^Regierungsseitig beantwortete der Staats­sekretär der Inneren, von Bethmann-Hollweg, seine Aurlassungen lassen sich in ihrem Kernpunkte dahin zusammenfassen, daß die in der Interpellation der Sozialdemokratin aufgeworfenen Fragen noch nicht genügend gereist seien, und daß daher die verbündeten Regierungen keinen Anlaß Hätten, von ihrer bir- hcrigen Wirtschaftspolitik abzuweichen. Bei der sich an­schließenden Erörterung der Interpellation sprachen sich im allgemeinen gegen dieselbe die Abgeordneten Pieper (Zentr.), Arendt (Reichsp.), Dr. Paasche (nat.-lib.), Graf Schwerin (konf.) und Dr. Heim (Zentr.) auS, während sich zugunsten der Interpellation die Abgeordneten Dr. Südekum (soz.) und Kulertki (Pole) äußerten. Die freisinnigen Abgeordneten Kaemps und Fetger plädierten für eine allmähliche Herabminderung der Getreidezölle. Am Donnerstag setzte der Reichstag die Verhandlung über die Finanzresorm mit der zweiten Lesung der Branntwein-, Brau- und Tabaksteuer fort.

Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg gab am Donnerstag im Reichstag folgende Erklärung ab: In den Preßäußerungen der letzten Tage wird verschiedentlich behauptet, daß sachliche Meinungsverschiedenheiten und persönliche Differenzen zwischen dem BundeSrat, seinen Mitgliedern und dem Herrn Reichs­kanzler bestünden. Ich kann im Namen des Herrn ReichS- kanzlers und des BundeSrat», der mich in feinet soeben ab­gehaltenen Sitzung hierzu einstimmig ermächtigt und ausdrücklich darum ersucht hat, diese Behauptung als jeder Unterlage ent- bchrend zurückweisen. Der BundeSrat ist mit der Haltung und dem Vorgehen deS Herrn Reichskanzlers in der Finanz­reform durchaus einverstanden. Er ist dem Herrn Reichs­kanzler dankbar, daß er dem Kaiser und dem Reich den Dienst erwiesen hat, so lange im Amte zu bleiben, alS die Finanz­resorm in einer für die verbündeten Regierungen annehmbaren Gestalt erledigt ist.

Nach dem Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg erklärte der bayerische Bundesrat-bevollmächtigte Gras Lerchenfeld: Ich habe auch meinerseits das Wort erbeten, um das zu bestätigen, was der Stellvertreter des Reichskanzlers soeben erklärt hat. Ganz besonders möchte ich die Gerüchte über den BundeSrat in daS Gebiet der Fabel verweisen. Ich kann es nach meiner vollsten Ueberzeugung aussprechen, daß der Reichskanzler, der seit 12 Jahren dem Bundesrat angehört, mit allen Mitgliedern des Bundesrat- die besten und vertrauensvollsten Beziehungen unterhalten hat, insbesondere weise ich auch das schon zum zweiten Mal aufgetauchte Gerücht von einer persönlichen Ver­stimmung zwischen mir und dem Herrn Reichskanzler ent- schieden zurück.

Hur 3n-jin(M<M$land.

Berlin, den 1. Juli 1909.

®e. Majestät der Kaiser ist gestern gegen 5 Uhr an Bord der Meteor nach Kiel zurückgekehrt. Zur Abend- tascl bei Ihren Kaiserlichen Majestäten an Bord der Hohenzollern waren u. a. geladen die MarineattachsS von England, Japan, Frankreich, Amerika und Rußland. Se. Majestät der Kaiser begab Sich heute mittag zum Start der Sonderklasse. Um 1 Uhr folgte der Kaiser einer Einladung deS Fürsten von Monaco zum Frühstück aus dessen Jacht Alice. In Be­gleitung des Kaisers besanden sich Generaloberst v. Plessen, Vizeadmiral v. Müller, Hosmarschall Gras v. Zedlitz und Trützschler und Kapitän zur See von Rebeur-Paschwitz.

Die Nordlandreise desKaiser-, die nach bereits widerrufenen Meldungen wegen der innerpolitischen Lage auf­gegeben sein sollte, wird am 5. Juli von Travemünde auS angetreten und sührt zunächst nach Saßnitz, wo die neue Fähre Saßnitz-Trelleborg am 7. Juli eröffnet wird. Als Begleitschiff derHohenzollern" wird der kleine Turbinenkreuzer Stettin" dienen, da der ursprünglich dasür in Aussicht ge­nommene TurbinenkreuzerDresden" daS Probefahrt-kommando sowie den größten Teil der Besatzung Anfang Juli bereits an den kleinen KreuzerEmden" abgeben soll.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Um die VolkS- s ch u l l e h r e r und Lehrerinnen in den Genuß der ihnen nach dem neuen Lehrerbesoldungsgesetz zukommenden Er­höhung der Bezüge zu setzen, sind dem Vernehmen nach die Regierungen von dem Kultusminister im Einver­ständnis mit dem Finanzminister ermächtigt worden, in allen Fällen, in denen nach den bisherigen Verhältnissen es keinem Zweisel unterliegt, daß die Lehrer (Lehrerinnen) sich den Be­stimmungen des neuen Gesetzes unterwerfen werden, schon jetzt die Erhöhung der Alterszulagen und Alterszulageklassen zunächst für das Rechnungsjahr 1908 nachzuzahlen.

Bei der Ausübung deS Forst- und Jagd­schutzes find nach den amtlichen Mitteilungen der Abteilung sür Forsten der preußischen Landwirtschaftsministeriums in dem Jahrzent von 1898 bis 1907 in den preußischen Staats- sorsten 10 Forstbeamte getötet und 16 verwundet worden. Wilddiebe und Forstfrevler sind 13 getötet und 16 ver­wundet. Im ganzen sind 85 Zusammenstöße vorgekommen, bei denen von der Waffe Gebrauch gemacht wurde. Unter den Verwundungen der Forstbeamten waren 8 schwer, unter denen der Wilddiebe und Forstfrevler 22. Von diesen letzteren hatten sämtliche 3 Fälle deS Jahres 1900 einen tödlichen AuSgang. Alle Tötungen und Verwundungen von Wild­dieben und Forstfrevlern find durch Forstbeamte herbeigeführt, welche zum Gebrauch der Waffe berechtigt waren. Durch nicht zum Waffengebrauch befugtes Aufsicht-personal in den Kgl. Waldungen wurde niemand getötet oder verletzt.

Die Zahl der ausländischen Arbeiter im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, ins­besondere beim Kohlenbergbau, ist in der ersten Hälfte des Jahres ganz erheblich zurückgegangen. Auf den Bergwerken der Reviere Hamm, Dortmund, Mitten, Bochum, Hattingen, Verben und Essen werden zurzeit überhaupt keine Ausländer mehr beschäftigt; von den übrigen Revieren weisen die Reviere Oberhausen und Duisburg noch die meisten au-ländifchen Grubenarbeiter auf. Für die abgewendeten Ausländer sind, soweit ein Ersatz für sie notwendig war, durchweg einheimische Arbeiter eingestellt worden. Man sieht also, daß eS auch so geht, und er wäre wünschenswert, wenn man aus diesem Wege sortfahren wollte. Die Anhäufung der noch dazu sehr minderwertigen Arbeiterschaft im rheinisch-westfälischen Kohlen- gebiet bedeutet einen Krebsschaden für die einheimische Be­völkerung.

Ein D e u t f ch er B a u e r n b u n d ist in Berlin von Ver- ttetern der Bauernstandes aus dem ganzen Reiche unter Teilnahme von mehreren nationalliberalen und freikonservativen Reichstags- und Landtag-abgeordneten gegründet worden, dessen Ziel el ist, die Interessen des Bauernstandes in der energisch len JSeife zu fördern. Besonders zahlreich beteiligten M die Ansiedler auSden Provinzen Posen und Westpreußen. Die erste große Bundesversammlung findet am 6. Juli in

Gnestn statt. JnS Präsidium wurden gewählt der Reichs­tag-abgeordnete Wachhorst de Wente al- erster Vorsitzender, ferner der preußische LandtagSabgeordnete Wamhoff, Reichs. tagSabgeordneter Löscher (ReichSpartei) und Landwirt Harte- Posen.

An dem Hamburger Kolonialinstitute sind für daS laufende Sommerhalbjahr 62 Hörer und 90 Hospitanten eingeschrieben. 106 von ihnen stammen aus Ham­burg selber. Vom ReichSkolonialamte sind dem Institute 23 Beamte zur Ausbildung überwiesen, die namentlich für Südwest, Ostafrika, Kamerun und Togo bestimmt sind. Auch zwei Assessoren vom Auswärtigen Amte sind alS Hörer ein- geschrieben. In der zweiten Julihälfte findet die Diplom­prüfung statt.

Wie verlautet, steht die preußische Regierung wegen An» kauses von zwei weiteren Höfen in der Nordmark mit den Besitzern in Verhandlung. Die Höfe sollen nach dem Ankäufe als Domänen an geeignete Pächter vergeben werden. In den letzten zwölf Jahren sind 36 Höfe von der Rc^ gierung in Nordschleswig erworben worden. Landankauf zur Auslegung kleinerer Siedlerstellen wird die Regierung nach wie vor nicht vornehmen, da nach ihrer Ansicht kein Bedürfnis dazu vorliegt.

Das FlottenrüstungSfieber in England grassiert weiter. DaS neueste in dieser Hinsicht ist eine Rede des vielgenannten Admirals BereSford, in welcher er eine um- saftende Erweiterung deS bis März 1911 geltenden englischen Flottenbauprogramms verlangt. Im ganzen würden diese ver­größerten Flottenrüstungen nach der eigenen Schätzung Lord BeressordS einen Mehrkostenaufwand von etwa 60 Millionen Pfd. Eterl. verursachen. Lord BereSford weist hierbei offen aus die deutsche Politik der letzten Zeit hin, welche ernstliche Besorgnisse erweckt habe.

Die Bemühungen der Schutzmächte, den AuSbruch kriegerischer Verwicklungen zwischen Griechen- l and und der Türkei wegen der Kretasrage zu verhüten, scheinen an dem Temperament und den Wünschen der Haupt- beteiligten Nationen Hindernisse zu finden. Beide Teile ver­vollständigen, um gegen alle Möglichkeiten gewappnet zu sein, ihre militärische Bereitschaft, und, wie immer in solchen Fällen, werden Fragen nach dem Zwecke dieser Maßnahmen gestellt, deren Form sich allmählich verschärft. Der Minister des Aeußeren hat, wie der OSmanische Lloyd meldet, die türkischen Vertreter im Auslande angewiesen, die Regierungen wissen zu lassen, daß die Pforte von militärischen Vorbereitungen Griechenlands unterrichtet fei. Wenn Griechenland in seiner kriegerischen Haltung beharre, werde die Türkei gezwungen sein, ihm den Fehdehandschuh hinzuwersen. Die Note klingt recht scharf. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sie den Un- beteiligten bedrohlicher erscheint, als sie gemeint fein mag, oder daß der knappe Auszug gefährlicher aussieht, alS der volle Wortlaut, der der Oeffentlichkeit vermutlich vorenthalten werden wird.

JWtlin I" «ch nur Aller.

Biberach, 1. Juli, 4 Uhr früh. Eine merkliche Besserung des Wetters war bis zum Tagesgrauen nicht zu konstatieren, obgleich daS Barometer langsam zu steigen be­gann. Der Wind blies auS fortwährender wechselnder Richtung und zuweilen mit starken Stößen, so daß die zweite Verankerung der Luftschiffes mehrere Male gewechselt werden mußte und die Mannschaften an den Tauen einen schweren Sienft hatten. An einen Aufstieg ist vorläufig immer noch nicht zu denken.

Friedrichshafen, 1. Juli. Die ganze Nacht und heute früh regnet eS ununterbrochen. Das Luftschiff ist all» mählich so schwer geworden, daß e- aus dem Boden aufliegt. Gestern abend 11 Uhr mußten die kurz vorher abgelösten 50 Mann des Ulmer GrenadierregimentS ebensallS noch auf den Landungsplatz zurückkehren und sich am Festhalten des Lust- chiffs beteiligen. Major Sperling äußerte sich dahin, daß er aus keinen Fall nach FriedrichShasen zurückkehren, daß viel eher die Fahrt nach Metz stattfinden würde, sobald daS Wetter eS irgend gestatte. Das Luftschiff werde bis zum Antritt )er Fahrt auf der Landung-stelle verbleiben, selbst wenn der Ausstieg noch einige Tage hinauSgeschoben werden müßte. Um 10 Uhr vormittags ließ der Regen vorübergehend nach. Das Luftschiff steht augenblicklich mit dem Hinteren Teil etwa 10 Meter über dem Boden. Vorne ist e- fest verankert. Von rer Stärke deS Winde- in der vergangenen Nacht kann man einen Begriff machen, wenn man hört, daß 150 Mann den Tauen hingen, um daS Luftschiff sestzuhalten. Heute früh hat der Wind etwa- nachgelassen. Wie groß die Regen- mengen find, die in den letzten Tagen in Mittelbiberach Nieder­ungen, mag folgende amtliche Aufstellung beweisen. E- relen in 24 Stunden, gerechnet von morgens um 7 Uhr, vom 28. dir 29. Juni 3,8; vom 29. bi- 30. Juni 8,8 und vom 30. Juni aus den 1. Juli 23 Liter auf den Quadrat­meter. Gegenüber der Nachricht, daß Gras Zeppelin sich nach der Landung-stelle bei Mittelbiberach begeben habe, ist zu bemerken, der Gras allerdings gestern im Laufe des TageS von Stuttgart abgereist ist. Er hat zwar die Etation Biberach berührt, ist aber dort nicht auSgestirgen, sondern ist nach ZrirdrichShasen weitergefahren. Gleich am Tage der Lan- dung bei Biberach hat auch die Luftschiffbau-Gesellschaft Zeppelin in FriedrichShafen Major Sperling ihre Hilfe ange­boren, diese ist aber ebenso wie da» Angebot de- Grasen Zeppelin telegraphisch abgelehnt worden.

Aus Provinz u. Dachbargebiet.

r. Hersfeld, 2. Juli. (Vom HerSselder Reiter- verein.) Die landwirtschaftlichen Rennen. Wenn i* dem letzten Artikel, der sich mit dem Rennen beschäftigte, daraus hingewiesen wurde, daß daS Interesse deS zuschauenden Pub­likums nach jeder Richtung hin wahrgenommen werden soll, so gilt das in gleicher Weise für diejenigen, die selbst mit- reiten oder Pferde laufen lassen. Dieser Gedanke trat auch gelegentlich der am Montag Abend abgehaltencn Vorstands­sitzung bei Besprechung der landwirtschaftlichen Rennen in den Vordergrund. Auf welche Weise ist es möglich, allen Wünschen gerecht zu werden, wie sind Ungerechtigkeiten zu vermeiden und wie können möglichst viel Preise zur Verteilung gelangen? Wer die folgenden Festsetzungen für die landwirtschaftlichen Rennen durchlieft, wird sehen, daß den oben au-gesprochenen Gedanken in weitgehendstem Maße Rechnung getragen ist. a) Preis der Stadt Her-feld: 100 Mk. gegeben vom KreiS Her-feld und 50 Mk. gegeben vom Landwirtschaft- lichen KreiSverein zu Her-feld. Die Pferde müssen feit min- bestens 3 Monaten im landwirtschaftlichen Betriebe ihreS Be­sitzers Verwendung gesunden haben und sind zu reiten von Landwirten oder in der Landwirtschaft angestellten Leuten. Pferde von Landwirten, die mehr als 200 Morgen bewirt­schaften, sind ausgeschlossen. Entfernung 700 m, kein Einsatz.

Preise: I. Pferd 50 Mk., II. Pferd 30 Mk., III. Pferd 25 Mk., IV. Pferd 20 Mk., V. Pferd 15 Mk., VI. Pferd 10 Mk. Außerdem ein Andenken dem Reiter der Siegers. Anzug de» Reiter- beliebig, b) HeffenpreiS: Garantierte Geldpreise 200 Mk., davon 50 Mk. gegeben von der HerSselder Zeitung. Landwirtschaftliche- Rennen für 4jährige und ältere Pserde, welche Landwirten in der Provinz Hessen-Nassau gehören, nicht in Trainerhand gewesen sind, sowie nachweitlich stets zu land­wirtschaftlichen Zwecken verwendet werden. Zu reiten von be­liebigen Personen. Kein Besitzer darf mehr als zwei Pferde laufen lassen. Anzug deS Reiter- beliebig. Kein Einsatz. Preise: I. Pferd 70 Mk., II. Pferd 40 Mk., III. Pferd 30 Mk., IV. Pferd 25 Mk., V. Pferd 20 Mk., VI. Pferd 15 Mk. 800 m Entfernung. Dem Reiter des Sieger- ein Andenken. Eine Kommission von 4 Landwirten und dem stellvertretenden Vorsitzenden begutachtet die Qualifikation dieser Pserde. Stimmenmehrheit entscheidet endgültig. Als Neuerung ist demnach beim Rennen b ein geführt worden, daß die mit­laufenden Pferde einer Kommission von 5 Herren vorgestellt werden, die sich freundlicher Weise bereit erklärt haben, dieses Amt zu übernehmen. Es soll dabei festgestellt werden, ob die Pferde sich zum landwirtschaftlichen Betrieb eignen und auch stets in einem solchen Verwendung gefunden haben. Eine wesentliche Aenderung gegen daS vorige Jahr ist darin zu sehen, daß kein Besitzer mehr wie zwei Pserde zugleich lausen lassen darf. Die Geldpreise sind, um mehr Landwirten Ge­legenheiten zu geben, eine Geldentschädigung zu erhalten, be­deutend vermehrt worden. Auch die Gesamtsumme der Preise ist beträchtlich erhöht worden. Bei jedem Rennen erhält ferner der Reiter deS zuerst ankommenden PferdeS ein Andenken. Möchte eS gelungen fein, auf diese Weise allen Wünschen ge­recht zu werden. ES ist zu erwarten und zu hoffen, daß unter den gegebenen Verhältnissen die Landwirte nicht ver­säumen werden, einmal die Gelegenheit wahr zu nehmen, einen Preis zu erhalten und zum anderen zu zeigen, mit welchem guten und leistungsfähigen Pferde sie ihren Acker be­stellen. ES soll zum Schluß noch daraus hingewiesen werden, daß die Rennen am 8. August stattfinden. Ein Einsatz braucht nicht gezahlt werden, genaue Zeitangaben wegen der Anmel­dung werden noch bekannt gegeben. Es folgt in den nächsten Tagen eine Besprechung der diesjährigen Herren­reiten.

):( Hersfeld, 2. Juli. Am Mittwoch begannen die auS Anlaß der Einweihung deS neuen Gymnasial- g e b ä u d e s vorgesehenen Festlichkeiten. Am Nachmittage wurde der langjährige frühere Direktor des hiesigen Gymnasiums, Herr Geheimrat Dr. Duden, in feierlicher Weise am Bahn­höfe abgeholt. Zum Empfang waren die Schüler der oberen Klassen mit"ihrem Musik- und TrommlerkorpS, sowie der Fahne, erschienen. Am Abend fand in der Turnhalle deS HerSselder Turnvereins ein Begrüßung-abend statt, an dem auch eine große Anzahl ehemaliger Schüler deS Gymnasium- teilnahmen. Der Abend verlief unter GesangSvotträgen und turnerischen Vorführungen aus daS schönste. Am gestrigen Vormittage fand die eigentliche Einweihung deS neuen Gebäudes statt. Zu diesem Festakte hatten sich in dem Schulsaale des Gym­nasiums Vertreter der staatlichen Zivil» und Militärbehörden, der städtischen Behörden, Eltern der Schüler, Bewohner unserer Stadt usw. in großer Zahl eingesunden. Die Feier gestaltete sich in ihrem Verlause zu einer ganz erhebenden, wobei Gesänge, Gebet und Ansprachen wechselten. Nachmittags hatten sich im Saale der GesellschaftVerein" über 100 Personen zu einem Festessen eingesunden, wobei Herr Provinzialschul'rat Dr. Kaiser auS Cassel die Festrede hielt und das Kaiserhoch ausbrachte. Am Abend fand in der Turnhalle deS HerSselder Turnvereins unter großem Andrange der Publikums eine musikalisch-theatralische Abendunterhaltung statt, wobei u. a. von den Schülern der AnstaltWallenstein- Lager" in besten- gelungener Weise zur Aufführung gelangte. Der heutige dritte Festtag wurde früh 6 Uhr durch einen Weckruf der Gymnasialkapelle eingeleitet. Leider hatte daS heutige Programm unter der Ungunst der Witterung zu leiden, sodaß der beabsichtigte Turngang mit anschließenden Spielen und Turnübungen im Kurparke wegen deS RegenwetterS nicht ganz ausgesührt werden konnte. Den Schluß der Festlich­keiten bildet heute abend die Wiederholung der gestrigen Abendunterhaltung.

p Hersfeld, 2. Juli. (Erdbeeren.) Die Erdbeer- zeit ist wieder da, und jeder begrüßt die rotröckigen Herolde deS Sommers mit Freuden; denn die Erdbeeren sind durch ihre köstliche Lieblichkeit ihres Duftes und durch die würzige Frische deS Geschmackes zu allgemeinen Lieblingen geworden. Sie sind auch überaus gesund, und die gesundheitliche Wirkung deS Genusses frischer Erdbeeren ist ganz bedeutend. Sie sind leicht verdaulich, reinigen daS Blut und sollten, da sie viel natürliche- Eisen enthalten, weit eher in großer Menge ge­nossen werden, al- die Eisenpräparate, die nur den Magen verderben. Im Sommer und bei innerer Hitze leisten Erdbeeren Gesunden und Kranken die besten Dienste; sie sind dann ein kühlende- Labsal für den nach Labung Lechzenden. Auch bei GrieS-, Stein- und Leberleidenden werden vielsach täglich gleichmäßige Portionen von Erdbeeren empfohlen. Kneipp verordnete täglich zu verschiedenen Malen bis zu einem Liter ErdbeerbreieS. Auch für solche, die mit au- unreinem Blute herrührenden AuSschlägen behajtet sind, soll ein halber Liter Erdbeeren, morgen- und abends genossen, eine vorzügliche Wirkung üben. Ebenso leisten sie bei Gicht und Podagra vorzügliche Dienste. Von Linns, dem großen Naturforscher, wird erzählt, daß er in seinem 43. Leben-jahre stark an Podagra erkrankte. Die Krankheit griff ihn sehr an; er konnte weder schlasen noch die Füße ruhig halten. Die Schmerzen zogen von einem Fuß in den andern, in die Hände und alle Glieder, so daß man ernstlich um da- Leben deS Patienten besorgt war. Nicht- wollte ihm mehr schmecken. Da genoß er Erdbeeren, die man ihm zur Ersrischung reichte und er konnte schlafen. Er ließ sich auch ferner welche geben, und siehe da, er konnte am zweiten Tage daraus gesund das Bett verlassen. Im folgenden Sommer kehrte die Krankheit wieder, alS sich der berühmte Naturforscher in Drottingholm befand. Mit bleicher Miene kam er inS Schloß zur Königin, die ihn fragte, waS ihm fehle.Eine Schüssel Erdbeeren!" war die Antwort. Man brächte sie ihm, er sie und war am Tage darauf gesund und munter bei der Arbeit. Nach drei Jahren kam da» Podagra abermal- wieder, aber schwächer als vorher, und wurde wiederum mit Erdbeeren besiegt. Linns nun alle Sommer Erdbeeren, sein Blut wurde dadurch gereinigt, sein Aussehen blühend. DaS Podagra kehrte nicht wieder, obgleich Linnü ein Alter von 71 Jahren erreichte. Die Krone der Verwendbarkeit der Erdbeeren erreichen sie in der goldenen Weinflut einer Bowle, und wohl keiner vermag sich dem Zauber, den dieser Wonnetrank aus Gaumen und Herz auSübt, zu entziehen. Hierzu eignet sich ganz besonder» die Walderd­beere, die nachbarlich neben mächtigen Farnkräutern, wie hinein­gestickt in den MooSteppich, wächst, und die an Wohlgeschmack