von seltener Kraft. Schon reift auf den Feldern die goldene Saat üppig heran, und im Garten gibt eS jetzt Gemüse und Obst in verschwenderischer Fülle, so daß man sich gütlich daran tun kann. Freilich hat alles in der Welt auch eine zweite Seite, und un- von der Sonne gequälten Geschöpfen wäre es ganz lieb, wenn eS die Sonne in den kommenden Hundstagen etwa- weniger feurig meinen wollte. Der Landmann jedoch braucht diese Glut; denn
Im Juli will der Bauer schwitzen, Anstatt hinter dem Ofen sitzen, weil
Des Juli warmer Sonnenschein Macht alle Früchte reis und sein.
So sagen die alten Bauernregeln. Darum aber ist es weise eingerichtet, daß die Zeit der Ferien gerade in den Juli gelegt wurde. Aus Reisen merkt man die Hitze längst nicht so sehr wie aus dem täglichen Wege durch die Stadtstraßen ins Geschäft oder zur Schule. Karl der Große gab dem Juli den Namen Heumonat denn in diesem Monat sällt die Heuernte, und kräftig und würzig duftet das frisch gemähte Heu. Die Kinder kennen kein größeres Vergnügen, als sich in den aus- geschichteten Hausen zu verstecken, und die Erwachsenen saugen den eigenartigen Wohlgeruch mit Wonne ein. Aus dem Höhepunkt der Entwickelung steht die ganze Vegetation, alles geht mit Riesenschritten der Reise entgegen.
):( Hersfeld, 30. Juni. Der heutige V i e h m a r k t war mit 258 Rindern und 290 Schweinen beschickt. Der Handel ging lebhaft und die Preise hielten sich hoch. — Der nächste Markt (Kram-, Vieh- und Fohlenmarkt) findet am 21. Juli statt.
Philippsthal, 27. Juui. Einen entsetzlichen Tod erlitt der Bergmann Blaurock aus Dietlaß auf der Kaligewerkschaft Heiligenrode am gestrigen Vormittage. Beim Schichtwechsel stürzte er aus dem Förderkorb und fiel aus einer Höhe von annähernd 200 Metern in den Schacht hinab, auf dessen Sohle er mit völlig zerschmetterten Gliedmaßen tot liegen blieb.
Altmorschen, 26. Juni. Ein bedauerlicher Unglücks- sall ereignete sich aus dem hiesigen Tonwerke. Der Arbeiter Bochammer aus Binsförth geriet beim Wagenschieben zwischen die Puffer, so daß ihm die rechte Seite gänzlich gequetscht wurde.
Tann (Rhön), 27. Juni. Ein lOVajähriges Mädchen, welches zur Festausschmückung Laubwerk aus dem hiesigen jüdischen Friedhofe holen wollte, erkletterte einen Leichenstein, welcher umfiel und das Kind sofort tötete. Am Nachmittag fand ein gerichtlicher Augenscheinstermin statt.
Neuenhain bei ZimmerSrode, 27. Juni. Als Seltenheit verdient es hervorgehoben zu werden, daß eine Kuh des Gastwirts Staab hierselbst 3 lebende Kälber zur Welt brächte, die sämtlich wohlgebildet und kräftig gebaut sind. Eins derselben wiegt 52, daS andere 46 und das letzte 40 Psund.
Frankfurt a. M., 28. Juni. Bei dem vom 23. bis 27. Juni stattgehabten 30. nordamerikanischen Turnerbundfest in Cincinnati errang Joses Lindner von der Frankfurter Turnergemeinde den ersten Sieg.
Frankfurt a. M., 27. Juni. Der F. G.-A. schreibt: Ein tragisches Geschick widersuhr einem Metzger in einem Taunusstädtchen. Er ging aus Freierssüßen und erkor sich eine Köchin, die 31 Lenze zählte, zur Braut. Hoffnungsvoll strebte er dem Standesamtc vor zwei Jahren zu und dachte die Braut heimsührcn zu können. Die Zeit des Ausgebots nahte mit Riesenschritten heran. Das Fräulein hatte aber gar keine Lust zu heiraten. ES fühlte sich in mannloser Einsamkeit viel wohler und grübelte darüber nach, wie man am besten den Freier wieder los werde. Sie verfiel da aus den Gedanken, ihre Geburtsurkunde abzuändern und sich um zehn Jahre älter zu machen. In der Aufregung machte sie die Geschichte aber verkehrt. Sie änderte nämlich die Jahreszahl derart ab, daß es den Anschein hatte, als sei sie zehn Jahre jünger. Ihren Zweck hat sie zwar erreicht, ob aber aus Grund dieser Umänderung, steht nicht fest. Tatsache ist, daß die Heirat nicht zu stande kam. Das Fräulein erhielt aber eine Anklage wegen Urkundenfälschung und hatte sich infolgedessen vor der Strafkammer zu verantworten. Das Reichsgericht hat in einer früheren Entscheidung die rechtswidrige Absicht verneint, durch Verfälschung des Tausscheins den Bräutigam über ihr Alter zu täuschen. Dieser Entscheidung schloß sich die Straskammer an und sprach die Angeklagte frei.
Brilon, 29. Juni. Ein Opser seines Berufes wurde der Wagnermeister Beck im Bahnhose Bestwig der Ruhrtalbahn. Als er während der Ausübung seines Amtes die Geleise überschritt, wurde er vom einlausenden Casseler Zuge überfahren und aus der Stelle getötet.
Hann. Münden, 27. Juni. (Der D es erte ur i n der „S ch a tz" - Ka mm er.) In einer der letzten Nächte bemerkte, wie die „Mündener Nachr." melden, ein Bäckermeister, wie ein junger Pionier in der Kammer des Dienstmädchens verschwand. Sobald der Fernsprecher benutzt werden konnte, meldete der Meister nach der Kaserne hinaus, daß sich ein Pionier in seinem Hause verborgen halte. Dort hatte man schon seit vier Tagen einen Mann vermißt, ohne eine Ahnung von dem plötzlichen Grunde seines Verschwindens zu haben. Sofort wurden zwei Mann abgesandt, um den Flüchtling abzuholen. Unangemeldet drangen diese in die Kammer des Mädchens ein und rissen unerbittlich die Liebenden auseinander. Während daS Mägdlein schleunigst die Stätte ihres Wirkens verlassen mußte, vertauschte der kühne Liebhaber seine freiwillige Gefangenschaft mit einer unfreiwilligen, in der für seine Verpflegung leider nicht so gut gesorgt werden wird.
Pößneck, 27. Juni. Die Witwe des Stifters des „Robert Schmidt-Krankenhauses" ist auf tragische Weise ums Leben gekommen. Vor einigen Wochen hatte sie Kalbfleisch eingekauft, welches sie in Milch eingelegt hatte; da dieses vermutlich durch das zu lange Liegen vergiftet war, ist sie an dessen Genuß gestorben.
Göttingen, 27. Juni. Eine blutige Eifersuchtstragödie hat sich zwischen hier und Harste abgespielt. Ein hiesiger Kellner hatte an einer Festlichkeit teilgenommeu und dort wahrscheinlich durch seine Erfolge bei der Damenwelt den Neid der jungen Burschen erregt. AlS er sich nachts aus den Heimweg begab, wurde er von einer Rotte junger Leute Überfällen und so entsetzlich zugerichtet, daß er bewußtlos zusammenbrach. Morgens fanden ihn Vorübergehende hilflos in seinem Blute liegend und veranlaßten seine Uebersührung in die Göttinger Klinik.
Duderstadt, 25. Juni. Ein tödlicher Unglückssall hat sich heute morgen hier ereignet. Der Schuhmachcrmeistcr Carl Zinke ging aus den Futterboden in der Scheune, um Futter für das Vieh aus die Scheunentenne hinab zu werfen. Beim Hinabsteigen aus der senkrechten Scheunen-Leiter rutschte Zinke aus und stürzte so unglücklich aus die Scheunentenne, daß er e nen Schädelbruch erlitt und tot aus dein Platze liegen blieb.
Eisenach, 27. Juni. Ein schwerer Unfall hat sich bei
den Vorbereitungen zum Empfange det Wiener Männer- gesangvercink zugetragen. In der Bahnhofstraße wurde eine Pyramide errichtet. Da aber der Bogen über die Fahrstraße zu eng war, fuhr ein Wagen der elektrischen Straßenbahn eine Leiter, auf der ein Maler stand, um. Der Maler stürzte aus beträchtlicher Höhe zur Erde und mußte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.
Aus dem Sauerlande, 27. Juni. Nicht geringes Aufsehen erregt in der ganzen Gegend der Selbstmord des Zahntechnikers Moors in Meinerzhagen. Der bejahrte, schon feit längerer Zeit dortselbst ansässige Mann, verheiratet und Vater eines Töchterchens von 12 Jahren, war unter der Be- schuldignng ein Sittlichkeitsvergehen aus Par. 175 des R.-St.-G.-B. begangen zu haben, vorgestern abend verhaftet und inS UntersuchungSgesängniS eingesperrt worden. Er hat es indessen verstanden, sich dem irdischen Richter zu entziehen und im Gesängnis in der gestrigen Nacht Selbstmord verübt, indem er sich vergiftete.
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— (Der Löw' ist l o S !) Wie aus Dresden gemeldet wird, ist aus einer Menagerie, die zurzeit in dem böhmischen Orte Weilpert weilt, eine Löwin entsprungen. Es ist dem Tiere gelungen, in die Wälder zu entkommen. Der Bevölkerung hat sich begreiflicherweise eine große Aufregung bemächtigt. Die Behörde verbot den Besuch der Wälder.
— (Orkan auf den T o n g ai ns e l n.) AuS Sydney sind Nachrichten eingetroffen, daß die zur Tonga- Gruppe gehörige Insel Niua-Oou von einem Orkan heimgesucht wurde. Im ganzen wurden neun Kirchen und mehr als 300 Häuser zerstört. Eine sechsköpfige Familie wurde unter den Trümmern ihres Hauses begraben.
— Einen seltenen Fang haben, der Lit. Ztg. zu- folge, zwei Fischer von der Kurischen Nehrung am vorigen Mittwoch im Haff, unweit von Memel, gemacht. Mit dem sogenannten „Kleinen Zugnetz" fischend, erbeuteten sie u. a. einen Stör von der Länge von 3 Meter und einem Gewicht von 260 Pfund. Der Rogen der Fischriesen wog allein 45 Psd., woraus 14 Pfd. Kaviar gewonnen werden konnten. DaS Fleisch des FischeS wurde von einer Fischräucherei genießbar gemacht.
— Peitz, 29. Juni. Die 60jährige Witwe Loschper, der in den nächsten Tagen eine größere Summe auSgezahlt werden sollte, wurde gestern früh in ihrer Wohnung ermordet ausgesunden. Alle Behälter in der Wohnung waren durchwühlt. Von dem Täter fehlt jede Spur. Man vermutet ihn in einer mit den Verhältnissen der Frau vertrauten Person.
— Gommersheim, 28. Juni. Bei dem gestrigen Gewitter ist ein 16jähriger junger Mann namenS Becker, der am offenen Fenster saß, vom Blitz erschlagen worden.
— Ein schweres Automobilunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, hat sich in der Nähe von Moskau ereignet. Der bekannte Petersburger Millionär und Sportsmann Wetschirin sauste kurz vor Beginn am Start vorüber. Auf regendurchweichter Chaussee beim Flüßchcn Schuscha wurde falsch gesteuert. Während das Auto über die Holzbrücke fuhr, brach daS Geländer durch, und das Auto fauste 4Va Meter lies in den Fluß. Wetschirin und sein Chauffeur Goetz wurden getötet. Der französische Sports- mann Halle sprang sofort rettend nach und zog Wetschirin mit zerschmettertem Schädel aus den Fluten. Dem Chauffeur war durch das Steuer der Brustkasten eingedrückt worden. Beide Leichen wurden mit schwarzen Flaggen bedeckt im Auto nach Moskau geschafft. Wetscherin, der 30 Jahre alt ist, hinterläßt eine junge Frau, eine geborene Fürstin Galitzin, und drei kleine Kinder. Das Rennen wurde fortgesetzt, wobei die 100-Kilometer-Distanz in 1 Stunde 15 Min. von dem Fiatbesitzer Prochorow genommen wurde.
— Das Luftschiff „Parseval 3", das für die Franksurter Luftschiffahrt-Ausstellung bestimmt ist, und dessen Kapazität in den Riedingerschen Ballonwerken in Augsburg durch Einschieben von Stoffbahnen von 5600 auf 6700 Raummeter erhöht wurde, machte heute nach seiner Ueber- führung die erste Probefahrt von Bitterfeld aus. DaS Luftschiff erhob sich, wie gemeldet wird, um 10 Uhr unter Führung deS Oberleutnants Stelling und deS OberingenieurS Kiefer bei einem Südwind von vier bis fünf Meter auf dem Terrain der Luftfahrzeuggesellschaft, um in einer Peripherie von 40 Kilometer Länge und in einer Höhe von 200 Meter Bitter- selb zu umkreisen. Bei dem Fluge bewährten sich die Höhen- und die Seitensteuer vollkommen, ebenso zeugten die Uebungen mit der Reversier-Einrichtung, die auch einen rückläufigen Gang der Luftschrauben gestattet, die Manövrierfähigkeit des Ballons. Die Vergrößerung des Ballonkörpers war dadurch bedingt, daß während der Ausstellung eine größere Anzahl von Passagieren ausgenommen werden soll.
— (Das große Los als Störer einet Theatervorstellung.) Aus einem eigenartigen Grunde wurde dieser Tage die Aufführung am Stadttheater in Marienbad plötzlich unterbrochen. Der Bühnenarbeiter K. erhielt während der Aufführung beS Stückes „Die geschiedene Frau" von seinem Kollekteur die Nachricht, daß ihm ein Hauptgewinn der österreichischen StaatSlotterie in der Höhe von 40,000 Kronen zugefallen sei. Der glückliche Gewinner war beim Empfang der Freudenbotschaft derart fassungslos, daß er mitten im ersten Akt den Bühnenvorhang plötzlich niederließ. Als der Regisseur dem Publikum über die Ursache dieses ZwischensallS Ausklärung gab, ersüllte das Theater stürmische Heiterkeit.
— (Bon einer Dogge zerfleischt.) Ein gräßliches Unglück hat sich im Wiener Volksprater zugetragen. Eine sonst im Etablissement „zum goldenen Kreuz" an der Kette liegende große Dogge war mittags frei und ohne Maulkorb. AlS nun der zehnjährige Kohlenarbeiterssohn Eduard Bronetz vorbeilies, stürzte sich daS mächtige Tier aus ihn, packte ihn mit den scharfen Zähnen an der Brust, schüttelte ihn und warf ihn zur Erde. Die Dogge riß Fleisch auS dem Leibe deS Knaben. Ehe herzhafte Leute kamen und das Tier wegjagte», hatte er entsetzliche Wunden, die sein Leben ernstlich gefährden, erlitten. Durch den Sturz hatte er mehrfache Rippenbrüche davongetragen. Gräßliche Bißwunden bedecken den Rücken und die Brust, die Lunge ist verletzt. Ohne das Einschreiten der Leute hätte die Dogge den Knaben ganz zerrissen.
— Ein Kamps in den Lüsten, spielte sich gestern morgen in dem Wolkenkratzerdistrikt BrooklynS ab. Ein Einbrecher war von einem Detektiv entdeckt worden und flüchtete auf den SimS des zehnstöckigen HauseS. Der Detektiv folgte ihm dorthin, und es gelang ihm, den Verbrecher zu ergreifen. Ein furchtbarer Ringkamps entspann sich nunmehr auf dem schmalen Sims. Jeder der beiden versuchte, den Gegner in die gähnende Tiefe zu stürzen. Plötzlich gelang eS jedoch dem Detektiv, seine Hand frei zu machen und
den Einbrecher durch einen Revolverschuß niederzustrecken. Schwer verwundet sank der Verbrecher in die Arme deS Detektivs, der ihn fesselte und sicher nach dem Polizeigr- wahrfam brächte.
— (Der ver lorene Posten.) Ratio- stehen die Behörden dem Unglück von Meffina gegenüber, niemand weiß, waS werden soll. Die Erdstöße halten an und lassen die verängstigte Bevölkerung nicht zur Ruhe kommen. In einer der letzten Nächte wurden nicht weniger al- 15 heftige Erdstöße verspürt, die von gewaltigem unterirdischem Rollen begleitet waren. ES scheint, alS ob die Erdkruste in jener Katastrophe, die daS Ende der Stadt brächte, eine Verminderung ihrer Dichtigkeit erfahren hat, sodaß die Gegend um Messina noch für lange Zeit, wenn nicht gar für immer, ein Erdbebenherd bleiben wird.
— M a d r i d, 26. Juni. Durch eine Explosion schlagender Wetter wurden auf der Elisa-Mine bei Belmez in der Provinz Cordova 10 Arbeiter getötet und sechs schwer verletzt.
Cttztt Nachrichten.
Mittel-Biberach, 29. Juni. 11 Uhr 10 Min. abends. Nachdem zwischen 7 und 8 Uhr die Gassüllung beendet und der reparierte Motor und die Propeller aur- probiert waren, ging über die hiesige Gegend ein wolken- bruchartiger Regen nieder, wodurch die Hülle des Zeppelin 1 vollständig durchnäßt und das Fahrzeug start herabgedrückt wurde. Major Sperling und seine Offiziere haben bis jetzt das Luftschiff nicht verlassen. Die Pioniermannschaften sind noch immer an der LandungSstelle. ES ist noch nicht daran zu denken, daß daS Luftschiff vorderhand aujsteigt.
Mittel-Biberach, 30. Juni. 4 Uhr morgen-. Er hat jetzt aufgehört zu regnen. Entgegen einem Gerücht, das wissen wollte, das Luftschiff würde wieder nach FriedrichS- Hasen zurückkehren, scheint Major Sperling entschlossen zu sein, Zeppelin 1 nach Metz weiter zu führen, doch wird dazu wirklich gutes Wetter abgewartct. ES ist daher unbestimmt, ob die Weiterfahrt schon heute früh erfolgt.
Berlin, 30. Juni. Den Morgenblättern zufolge wird ein Kompromiß bezüglich der ReichSfinanzresorm dahin an gestrebt, alS Erfatzsteuern für die von der Regierung abgelehnte Kotierungs- und Mühlenumsatzsteuer und den KohlenauS- suhrzoll nur solche Steuern zuzulassen, die die Börse belasten, darunter eine Dividendensteuer, Effektensteuer und Jmmobilien- umsatzsteuer.
Berlin, 30. Juni. Der Vorstand deS konservativen Verein- von Groß-Lichterselde bei Berlin hat sich von der konservativen Parteileitung losgesagt wegen ihrer Haltung in der Frage der Erbansallsteuer.
Kiel, 29. Juni. Heute Nacht ist ein großer VorratS- schuppen der städtischen Straßcnreinigungsanstalt vollständig niedergebrannt. Heute vormittag fand man bei den Aus- räumungSarbeiten die verkohlte Leiche eines ManneS. Da den arbeitswilligen der Straßenreinigung-anstalt in letzter Zeit Drohbriefe zugegangen sind, nimmt man an, daß Brandstiftung vorliegt.
London, 29. Juni. Der Versuch der Suffragette-, in das Parlament einzudringen, um den Premierminister Akquith zu sprechen, der sich geweigert hatte, sie zu empfangen, führte zu wilden Szenen auf dem Hose und in der Umgebung beS Parlamentsgebäudes. Die Polizei sah sich schließlich genötigt, die Tore zu schließen. Viele Frauen wurden verhaftet, unter ihnen MrS. Pankhurst, die Führerin der Suffragette-, die einem Polizeiinspektor wiederholt Schläge in daS Gesicht versetzt hatte.
London, 29. Juni. Um 10 Uhr abend- dauerten die Ruhestörungen vor dem Parlament noch fort Bis dahin waren 108 SuffragetteS verhaftet. In dem Admiralität-gebäude wurden durch die SuffragetteS zahlreiche Fensterscheiben eingeworfen. Zur Ausrechterhaltung bet Ordnung waren 1500 Polizisten aufgeboten worden.
Peter-burg, 29. Juni. In Hoskreisen verlautet, daß wahrscheinlich die Kaiserin den Kaiser aus der Reise nach Frankreich und England nicht begleiten werde. Dagegen gilt eS als sicher, daß JSwolkki im Gefolge deS Kaisers sich befinden wird.
Petersburg, 29. Juni. Die Gegner beS SchahS sind angeblich gegen Teheran von vier Seiten im Anmarsch. Sie erhallen aus allen Teilen PersienS Verstärkungen. Nach einer Meldung aus KaSwin hat die Belagerung von Teheran, bereits begonnen. Der aus Persien abberufene Teil der russischen Truppen in Stärke von vier Bataillonen erhielt Besehl, dahin zurückzukehren.
Leipzig, 29. Juni. Gegen 6s/4 Uhr abend- kam bet gegen 6 Uhr in Bitterfeld ausgestiegene Parsevalballon in Sicht. Nach einigen Manövern schlug das Luftschiff die Richtung nach dem Meßplatz ein, über dem eS gleichfalls manöverierte. Gegen 7V< Uhr trat der Ballon nach einigen Streifflügen über der Stadt die Rückfahrt nach Bitterfeld an
Petersburg, 29. Juni. Seit gestern hat die Zahl der Cholcrakranken um 78 zugcnommen. 20 sind gestorben. Die Gesamtzahl der Erkrankten beträgt 555.
A mo Y, 29. Juni. Nach amtlicher Meldung sind in den letzten 14 Tagen 117 Todesfälle an Bubonen-Pest zu verzeichnen.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaft-schule).
Wetteraussichten für Donnerstag, den 1. Juli:
Vorwiegend trübe, kühl, Regenfälle, an Stärke nachlassend.