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hersselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 75. Dienstag, den SS. Juni 1909.

Amtlicher Lei!

HerSfeld, den 25. Juni 1909.

Mit Einzahlung der für das Jahr 1/4. 1909/10 zu entrichtenden Betriebs st euer sowie K r e i s h u n be­st e u e r sind immer noch mehrere Gemeinden im Rückstände.

Ich veranlasse die Herren Bürgermeister dieser Gemeinden hierdurch nochmals, dasür Sorge zu tragen, daß die Zahlung der fraglichen Steuer-Rückstände nunmehr noch bis s p ä t e st e n s zum 1. Juli d. Js. erfolgt.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses von Grunelius.

HerSfeld, den 24. Juni 1909.

Ueber die innere Kolonisation, ihr Ziel und ihren gegen­wärtigen Stand ist in dem Verlag von Paul Parcy in Berlin S. W. Hedemannstraße 10 eine Schrift des Geheimen RegierungSrates Pagenkopf aus Frankfurt a. M. erschienen, die nach Erfahrungen der Praxis einige Hauptfragen der inneren Kolonisation in gedrängter Kürze behandelt. Bei dem allgemeinen Interesse für die innere Kolonisation verfehle ich nicht aus die Broschüre hierdurch aufmerksam zu machen.

I. 6865. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher Ceil.

Zur inneren kage.

Weder Rücktritt des Kanzler- noch Auflösung des Reichs­tags das bleibt auch nach der gestrigen Aussprache deS leitenden Staatsmannes mit dem Kaiser an Bord derHohen- zollern" die vorläufige Antwort der Regierung auf die letzten Beschlüsse des Reichstags. Bald nachdem Fürst von Bülow gestern abend aus Kiel wieder in Berlin eingetroffen war, wurde nachstehende halbamtliche Mitteilung auSgegeben:

Bei feinem Vertrag über die politische Lage hat der Reichskanzler den Kaiser um seine sofortige Ent­lassung gebeten. Der Kaiser hat es jedoch a b g e- lehnt, im gegenwärtigen Augenblick dem Wunsche des Fürsten von Bülow zu entsprechen. Er wieS daraus hin, daß nach der einmütigen Ueberzeugung der Verbündeten Regierungen das baldige Zustandekommender F i n a n z r e s o r m für die innere Wohlfahrt wie für die Stellung des Reiche- nach außen eine Lebensfrage sei. Er könne unter diesen Umständen der Erfüllung des Wunsches des Fürsten aus Entbindung von seinen Aemtern nicht eher nähertreten, als bis die Arbeiten für die ReichSfinanzreform

Der Pflicht getreu.

Von A. v. L i l iencr on.

(Fortsetzung.)

Auf Anni machte die Trostlosigkeit der Gegend einen niederdrückenden Eindruck; aber sie kämpste tapfer da­gegen an.

MartenS bemerkte eS.

Kleine Frau, hier bleiben wir nicht lange", tröstete er aufmunternd,wir suchen uns waS Besseres aus. Diese well- blech-hölzerne Nüchternheit kann auch nicht anmuten. Un- wirtlich wie die Küste ist auch das Meer hier, eS schäumt in seiner landungsfeindlichen Brandung unaufhörlich gegen Sand und Klippen an."

Die Augen der jungen Offiziers blickten über die Sand­öde fort und über daS Meer hinaus. ES war, als ob er ganz etwas anderes sähe als daS, was sich da vor seinen Augen aurdehnte.

,,Ja", sagte er langsam und gedankenvoll,die Natur ist hier unwirtlich, oft grausam die Sonne brennt un­barmherzig keine eßbare Pflanze gedeiht, wer von der Pad abirrt, verdurstet rettungslos, und doch und doch , .

Er hob den Kops höher, und seine Augen leuchteten, wie er fortfuhr:Hier gibt er Sonnenuntergänge von einer Farben­pracht, wie in Tausend und einer Nacht, Sternengesunkel und Mondscheinnächte, die sich gar nicht beschreiben lassen, so schön sind sie. Aber vor allem, man ist hier sein eigener Herr und kann mit einem guten Pferd und einem sicheren Gewehr ein­fach ganz lächerlich glücklich sein. Ich wenigstens ziehe mein freies Wirken hier und meine Welten erschließende Einsamkeit dem Rausch und Glänze der Heimat vor."

Mariens nickte ihm beistimmend zu.

Und für mich wird diese Einsamkeit noch sreundlich be­lebt, denn ich nehme ein lieber Weib, eine treue Gehilfin mit hinein."

Der nächste Tag bracht« die Trennung-stunde der beiden

ein positiver und für die Verbündeten Regierungen annehm­bare- Ergebnis gezeitigt haben würden.

Die beiden Beschlüsse deS Reichstag-, durch welche die Kotierung-steuer angenommen und die Erbschaftssteuer abge» lehnt wurden, werden in der halbamtlichen Wochenrundschau der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung als Entscheidungen von folgenschwerer Bedeutung gekennzeichnet, die für da- Ge­lingen des Werkes verhängnisvoll werden könnten. Die Ver­werflichkeit der einen, die Vorzüge der andern Steuer werden noch einmal in knappen Sätzen zusammengesaßt; eS heißt in dem Artikel:Die Reichstag-mehrheit hat die Erbanfall- steuer, die von den verbündeten Regierungen als Ersatz für die Nachlaßsteuer eingebracht war, in allen Punkten abgc- lehnt und damit den wichtigsten Teil aus der Finanzreform herausgebrochen. Sie hat dieS getan, obwohl seitens der Verbündeten Regierungen mit allem Nachdruck dargelegt war, daß die Erbschaftssteuer von allen Abgaben auf den Besitz die gerechteste ist, weil sie die Leistungsfähigkeit am meisten berücksichtigt, daß sie die einzige allgemeine Besitzsteuer ist, die sich einführen läßt, ohne in die Finanzverhältnisse der Einzel- staaten unerträglich einzugreisen, daß sie in der Ausgestaltung, die sie erhalten hat, die erwerbenden Kreise in keiner Weise schädigt, und daß sie endlich allein von allen Besitzabgaben, auch ohne Erhöhung der Sätze, dauernd steigende Erträge abzuwerfen vermag, somit in erster Linie berufen ist, die be­stehende Finanznot zu beseitigen. Durch die beiden Beschlüsse hat die ReichStagSmehrheit nicht nur die politische Grup­pierung der Parteien auseinandergesprengt, die seit den Wahlen des Januars 1907 bestand und sich für die Führung der Reichsgeschäfte als durchaus erfolgreich und nützlich er* wiesen hatte, sie hat durch diese Sprengung nicht nur den damals erzielten Erfolg deS geschlossenen Auftreten- der bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie illusorisch gemacht, sondern sie hat auch das große Werk der Reichs- finanzreform nach langen, schwierigen und mühsamen Ver­handlungen kurz vor deren Abschließung in Frage gestellt. Die Regierung muß von der neuen Mehrheit den Beweis erwarten, daß sie nach Ablehnung der Erbschaftssteuer, Reform- vorlagen^zu bieten vermag, die mit den Grundsätzen der Ge­rechtigkeit vereinbart sind und nicht an die Quellen deS Wohl­standes deS Landes rühren. Die Reichstagsmehrheit wird sich dabei keinem Zweifel darüber hingeben dürfen, daß die Verbündeten Regierungen niemals Steuern annehmen können und werden, welche insbesondere Industrie und Handel in ihrem Lebensnerv treffen. Die Verbündeten Regierungen werden vielmehr jeden einzelnen der Steuervorschläge aus seine sachliche Berechtigung prüfen und werden, falls der Versuch gemacht werden sollte, ihnen durch ein Mantelgesetz oder in anderer Form Steuern auszuzwingen, die sie für unannchm- bar erklärt haben, eher das gesamte Reformwerk ablchnen, al- daß sie Vorschlägen ihre Zustimmung gäben, die der deutschen Volkswirtschaft dauernden Schaden bringen müssen.

Männer, die sich trotz des Altersunterschiedes so schnell gesunden hatten. Mariens trat mit Anni die Weiterreise an, der junge Offizier blieb noch in Swakopmund, den Befehl erwartend, wohin er sich zu begeben habe.

Herzlich und nicht ohne Bewegung nahm man voneinander Abschied.

Wann, wo und unter welchen Verhältnissen würde man sich Wiedersehen? Das war die Frage, die sich den dreien aufdrängte, al- sie sich zum letzten Male die Hände schüttelten.

Sie sind der Farmer, ich der Schutztrnppler, Sie gehen nach Windhuk, ich nach dem Süden, und doch behalten wir daS Gefühl fester Zusammengehörigkeit, das alle trennenden Umstände überbrückt", sagte der junge Offizier.Das Be- wußtsein des einzelnen, aus sich selbst gestellt zu sein und die- selben Entsagungen und Gefahren zu durchleben wie der andere, mit ihm in dem Neulande Pionierarbeit zu ver- richten, daS erzeugt solch ein gewisses asrikanischeS Freimaurer- tum."

MartenS lächelte:Ganz recht, ich verstehe daS und füge noch hinzu, eS ist dasselbe ernste Wort, daS den deutschen Mann begleitet, wenn er'S ehrlich meint mit seinem Berufe, mag er den Kordanzug tragen oder den Farmerrock, immer soll'S heißen: Der Pflicht getreu!--Dazu helfe uns Gott!"

11. Kapitel.

Etwa ein halbe- Jahr ist vergangen, seitdem Wolf MartenS mit seiner Frau Europa verlassen hat, und jetzt zählt er die Wochen bis zu dem Tage, wo er seinen Sohn auf Farm Dornsried im neuen Heim begrüßen kann.

Hasso hat ein Jahr bei den zweiten Leib-Husaren in Posen gedient und somit seiner Militärpflicht genügt. Frisch und freudig ist er durch die Zeit gegangen, hat mit wahrem Ver­gnügen seinen Dienst getan und wenn nicht die Eltern und Farm Dornsried gewesen wären, er würde am liebsten ganz beim Regiment geblieben fein. So aber, wie die Verhältnisse lagen, konnte hiervon nicht die Rede sein. Nicht nur Pflicht­gefühl, sondern vor allem daS Verlangen, wieder mit dm

Reichstag.

Im Reichstage gehen die Verhandlungen über die Finanz- reform fort, als ob weiter gar nichts geschehen wäre. Am Freitag beriet er zunächst die weitere Ersatzsteuer-Vorlage, betr. den Umsatzstempel bei Grundstücksübertragungen, welcher Stempelabgabe seitens der Kommission von Vs aus V2 erhöht worden ist; auch betreffs dieser Bestimmungen über den fidei- kommiffarischen Besitz hat die Kommission mehrfache Aenderungen vorgenommen. In der Debatte erklärten der Nationalliberale Wassermann und der Freisinnige Wiemer, daß ihre Parteien zwar noch weiter an der Finanzreform mit- arbeiten wollten, aber in der Endabstimmung doch gegen die Steuervorschläge der konservativ-klerikalen Mehrheft stimmen würden. Nach kurzen Bemerkungen der Abgeordneten Spähn (Ztr.), Raab (Wirtsch. Vereinig.) und Dr. David (Soz.) er- folgte die Abstimmung ; sie ergab die Annahme der Umsatz- stcmpelstcucr-Vorlage in der Kommission-fassung gegen die Stimmen der liberal-sozialdemokratischen Minderheit. ES folgte die zweite Lesung der neuen Wcchselstcmpelsteuer-Vor- lage, die nach den Kommissionsbeschlüssen die Stempeler­höhung auf die länger als sechs Monate laufenden Wechsel beschränkt. Die Vorlage gelangte in dieser Fassung zur An­nahme. Dann beriet das Haus den von der Rumpsfinanz- kommission vorgeschlagenen erhöhten Kaffee- und Teczoll und genehmigte ihn mit den Stimmen der bisherigen Mehrheit ebenfalls. Schließlich kam die von der Rumpskommission vor­geschlagene Glühkörpersteuer an die Reihe, sie wurde gleich­falls gegen die Stimmen der liberal-sozialdemokratischen Minderheit gutgeheißen. Dann vertagte sich der Reich-tag bit 30. Juni (fozialdemokratische Interpellation über die Lebensmittelverteuerung).

Hie $»rwt in Marokko.

Tanger, 25. Juni. Au- Fez lauten die Nachrichten sehr verworren. Die Truppen de- Roghi verbreiten Schrecken und richten vielen Schaden an. Der Sultan sammelt alle Truppen um sich. Fez wird verproviantiert.

Paris, 25. Juni. Wie aus Fez vom 22. Juni ge­meldet wird, bestätigt eS sich, daß der Roghi zurückgegangm ist. Die schcrififche Mahalla befindet sich gegenwärtig in Hodschra Kabyla. Sie hat sehr ernste Verluste erlitten. Ein neueS Gefecht wird erwartet. Der Eindruck in der Stadt ist ein schlechter. Man befürchtet Unruhen.

Tanger, 25. Juni. Der Tod Mulay Mohammed- soll nach Entdeckung seiner von Großwesiren geplanten Wefreiung aus dem Gefängnis kein freiwilliger gewesm sein. Er soll vielmehr auf einen Befehl Mulay HafidS zurückzuführen sein

Madrid, 26. Juni. Wie die Correspondencia Efpana aus Tanger erfährt, soll die auf Befehl Mulay Hafid- erfolgte Vergiftung seiner BruderS Mulay Mohammed damit motiviert worden sein, daß Mulay Mohammed beabsichtigt habe, Abdul

Eltern zusammen zu sein, und der Reiz bei Neuen, das ihm durch die Briefe des Vaters lebendig entgegentrat, weckten immer entschiedener daS Verlangen in ihm, bald die Reise an­treten zu sönnen.

Gestern hatte er von dem jetzigen Besitzer von Rauschc- bach einen Brief erhallen, der ihm durch den Kopf ging, weil er störend in seine Reisepläne eingriff. Der Gutsherr schrieb in liebenswürdigster Weise an den jungen Avantageur und bat ihn ebenso dringend wie herzlich, Europa nicht zu ver­lassen, bevor er ihm nicht noch wenigstens ein oder zwei Tage geschenkt hätte. Sein Vater habe ihm damals gejagt, daß sein junger Sohn recht genau über die Behandlung der ein­zelnen Schläge Bescheid wisse und ebensogut orientiert sei über die Arbeiterfamilien, so daß er sich immer an diesen wenden könne, wenn er über frühere Einrichtungen oder Er­fahrungen Nähere- wissen wolle. Der Fall sei nun nach ver­schiedenen Richtungen hin eingetreten, und so hoffe er, daß der Sohn des Vaters Zusicherung in ausgedehnter Weife er­füllen würde, indem er vor der Abreise nach Rauschebach käme, um an Ort und Stelle die gewünschten Punkte zu be­sprechen.

Hasso hatte sich vorgenommen gehabt, die paar Tage, die ihm, wenn er abgeliefert hatte, bis zur Abfahrt des Schiffe- blieben, in Berlin zu verleben, um die Eindrücke der Großstadt mit allem, waS sie Interessantes bot, al- eine anregende Er­innerung mit hinauSzunehmen.

Durch eine Reise nach Rauschebach kürzte er seine knappe Zeit, und da- war ihm im höchsten Grade störend. Zu­gleich aber berührte ihn der Gedanke aus daS peinlichste, in der alten Heimat möglicherweise mit den Menschen zusammen» zutreffen, die feinen Vater so tief gekränkt hatten.

Ueberlegend schritt er im Zimmer aus und ab, alS ihm der Postbote einen Brief seiner Eltem brächte.

Freudig ergriff er ihn und vertteste sich sofort in die beiden Schreiben.

Sanft, al- streichle er die rundliche Hand seiner kleinen, treuen Mutter, glitt HassoS Rechte über das Blatt, da- Anni- zierliche Schristzüge trug.

Sie erzählte dem Sohne von ihrem Leben dort, ihrem