SsIftrhto.
Ein halbes Jahrhundert vollendet sich an diesem DonnerS- tag, den 24. Juni, seit bei dem Dörfchen Solserino in der heutigen italienischen Provinz Mantua jene blutige weltgeschichtliche Entscheidungsschlacht geschlagen wurde, durch welche die Habsburgische Monarchie ihrer historischen Stellung auf italienischem Boden für immer verlustig ging. Mit dieser letzten großen Niederlage der österreichischen Waffen im Feld- zuge von 1859 gegen die verbündeten Franzosen und Sardinier, der gleich von Anfang an trotz der glänzendsten Tapferkeit der braven österreichisch-ungarischen Truppen einen unglücklichen Verlauf für das Reich des DoppelaarS infolge der erstaunlichen Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit der österreichischen Heeresleitung wie der österreichischen Armeeverwaltung nahm, hatte Oesterreich seine einflußreiche jahrhundertelange Rolle aus der Apenninenhalbinsel ausgespielt. Zwar behielt eS nach dem Verluste der Lombardei einstweilen noch Venetien, Dank der Treulosigkeit des dritten Napoleon gegenüber den Italienern, der ihnen im FricdenSvertrage von Villafranca sein Versprechen, „Ein freie» Italien bis zur Adria" nicht hielt. Aber bereits sieben Jahre später brach auch diese letzte Säule der öfter- reichischen Herrschaft in Italien dank den Siegen der preu- ßischen Waffen auf den Schlachtfeldern von Böhmen zusammen und Venetien wurde dem neuen italienischen Einheitsstaate einverleibt.
Nunmehr sind fünfzig Jahre seit dem Tage von Solserino verflossen, und er mag wohl in patriotischen Kreisen Oesterreich- UngarnS ein peinlich-schmerzliches Erinnern im Bewußtsein besten wecken, daß er in seinen Folgen die habsburgische Monarchie zum Verzicht aus die Lombardei nötigte. Aber in diesen fünfzig Jahren hat sich auch die politische Konstellation in Europa gründlich geändert, und wahrlich nicht zu ungunsten deS DonaukaiserstaateS. Heute steht er geachteter denn je da, als ein anerkannter Machtsaktor im europäischen Völkerareopag, wie dies erst jüngst wieder der den österreichischen Interessen voll entsprechende Verlaus der Balkankrifls bewies. Und vielleicht die wunderbarste Wandlung in der politischen Geschichte diese- halben Säkulums ist die, daß Oesterreich-Ungarn und Italien, die erbitterten einstigen Gegner, heute seit nun fast fünfundzwanzig Jahren Verbündete sind, im Verein mit dem Deutschen Reiche, mit dem sie den noch immer mächtigen friedewahrenden Dreibund bilden. Das Kaiserreich der Napoleonidcn jedoch, dessen Heerscharen HabSburgS Doppelaar bei Solserino im wesentlichen erlag, ist längst von seiner glänzenden Stellung herabgestürzt und zertrümmert worden, damals, als durch die Sedanschlacht Napoleon und sein Heer in deutsche Gefangenschaft gerieten, hiermit war von den deutschen Waffen die Niederlage Oesterreichs auf den Schlacht- gcfilden der lombordischen Ebene glänzend gerächt. Neun Jahre darauf erfolgte der Abschluß des deutsch-österreichischen Bündnisses, der dann durch den Beitritt Italiens zur Triple- allianz erweitert wurde, die nach wie vor als das eigentliche Bollwerk des europäischen Friedens gelten darf. Zwar hat eS an öfteren „Unftimmigfeiten" im Dreibund nicht gefehlt, besonders find in den letzten Jahren wiederholt Verstimmungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien aufgetreten, aber sie sind glücklich beseitigt worden, und heute, angesichts deS Er- innerungStages von Solserino, kann die Harmonie zwischen Wien und Rom als wiederhergestellt betrachtet werden. Dies kommt vor allem auch dadurch zum Ausdruck, daß Oesterreich durch seine Vertreter an der Gedenkfeier mit teilnimmt, die am 24. Juni in Solserino stattfindet, und zu der auch die fran- zösische Armee Abordnungen entfenbet. Die Eolferinofeier wird sich zweifellos zu einem erhebenden und versöhnlichen Moment gestatten.
Aus jn-jind Ausland.
Berlin, den 24. Juni 1909.
Die Kaiserjacht Hohenzollern mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord lies gestern nachmittag um 2V2 Uhr aus der Holtenauer Schleuse in den Kieler Hasen ein. Als die Kaiserstandarte sichtbar wurde, feuerten die anwesenden Kriegsschiffe, barunter auch der englische Kreuzer Cornwall den Kaisersalut. Gleichzeitig wurden aus allen Schiffen die Toppflaggen gehißt. — Auf der Fahrt durch den Kanal nahm Ee. Majestät an Bord der Hohenzollern die Vorttäge des Chefs des Zivilkabinetts, Exzellenz v. Valentini, des Chess des MarinekabinettS, Vizeadmirals v. Müller und deS Kriegsministers v. Einem entgegen. Im Laufe bei Nachmittags besuchte Se. Majestät der Kaiser daS englische Schulschiff Cornwall und machte dem Fürsten von Monaco, der gleich nach der Hohenzollern mit feiner Jacht Alice in Kiel angekommen ist, einen Besuch.
Aus der Hohen Acht, dem höchsten Punkte der Eisel, wurde am Mittwoch mittag in Anwesenheit bei Ober- Präsidenten der Rheinprovinz Frhrn. v. Echorlemer und bei Regierungspräsidenten von Koblenz Frhr. v. Hövel ein Kaiser- Wilhelm-Denkmal in Gestalt eines 15 Meter hohen AuS- fichtSturmes mit dem Reliesbild Kaiser Wilhelms I. feierlich enthüllt. Der AuSfichtSturm wurde aus Anlaß der Silbernen Hochzeit des Kaiserlichen PaareS im Jahre 1906 vom Kreise Adenau gestiftet. Landrat Scherer hielt die Weiherede.
Da beobachtet wurde, daß britische Offiziere in der letzten Zeit bei der Ausübung von Gastfreundschaft ausländischer Kameraden gegenüber nicht immer die nötige Vorsicht in der Wahrung militärischer Geheimnisse walten ließen, hat daS englische Armee-Coucil soeben in einer eigenen Verfügung besonders daraus Bezug genommen. Künftighin müssen englische Offiziere, wenn sie in ihren Garnisonen ausländische Offiziere empfangen wollen, vorerst die Erlaubnis deS KriegS- Ministers einholen. Aus keinen Fall aber dürfen sie den Gästen militärische Einrichtungen, Waffen, Bücher über mili- tärische Dinge usw. zeigen.
In Sachen derchinefischenEisenbahnanleihe wird der „TSgl. Rundschau" aus New-Iork gemeldet: Einer Depesche auS Peking zufolge hat die chinesische Regierung sich entschlossen, aus Grund de» Protestes, den die Gesandt- schüft der Vereinigten Staaten in der Frage der Kanton— Hankau-Bahn erhoben hat, da» Abkommen über die 100- Millionen-Anleihe mit den deutschen, englischen und fran- Mschen Kapitalisten nicht zu ratifizieren. Man erwartet, daß durch diese Weigerung eine Beteiligung bei amerikanischen Kapitals an der Anleihe zustande kommen wird. — Diese Nachricht klingt nicht recht glaubwürdig, da daS Abkommen bereit» in Peking rechtsgültig unterzeichnet ist.
AuS Fez wird gemeldet: M u l a y H a f i d ließ an alle umliegenden Stämme den Besehl ergehen, ihm Truppen zu senden' um gegen Roghi und die HaianaS zu ziehen. Diese Befehle erreichten ihren Bestimmungsort aber nicht, da der Roghi, durch den lebten Sieg über die Sultan-truppen ermutigt, immer weiter vorrückt, sich bereits einen starken Anhang geschaffen hat und so alle Befehle bei Sultan» abfangen kann.
Die Stämme Uled Djemma el Hadj und Cherarga, dieser nur teilweise, haben sich dem Roghi unterworfen, der viele Duars, die sich nicht unterwerfen wollten, in Brand gesteckt hat. — Der Sultan hat seine auS 600 Negern bestehende Leibgarde ausgerüstet und ihr befohlen, ihm da» Haupt bei Roghi zu bringen. Diese kleine Mahalla lagert vor Fez. Mit Hülse deS Reste» der EultanStruppen, die auS dem Gebiet der Bcni-Mter anrücken, soll sie von neuem zum Angriff vorgehen. — Nachrichten au» Fez besagen, daß Mulay Kebir mit den Zemmurs die KaSbah Tulal besetzt halte. Der Ort liegt zwei Stunden von MekincS entfernt. Die Lage sei kritisch. Mulay Hafid habe in Fez eine Mahalla von 2000 Eingeborenen gebildet, deren Treue zweifelhaft erscheint. Man glaubt, sie werden zu dem Roghi übergchen. Die Europäer bereiten sich darauf vor, die Stadt zu verlassen, die sich für die Belagerung rüstet. Alle Stämme wenden sich dem Roghi zu.
Aus Provinz u. Nachbargeblel
):( Hersfeld, 24. Juni. Die gestern nachmittag 5 Uhr im Rathaussaal abgehaltene Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung war von 14 Stadtverordneten besucht. Vom Magistrat war Herr Beigeordneter A u e l anwesend. Um 5 Uhr eröffnete Herr Stadtverordneten-Vor- steher Becker die Sitzung. — Die Jahresrechnung der städtischen Armenkasse für die Zeit vom 1. April 1907 bis Ende März 1908 lag zur Feststellung vor. DaS Rechnungsamt hat die Rechnung vorgeprüst und zu besonderen Bemerkungen keine Veranlassung gefunden. Ebenso haben die Armen- vcrwaltung und der Magistrat von der Rechnung Kenntnis genommen. Herr Stadtverordneten-Vorsteher Becker berichtet, daß er die Rechnung durchgeschen und nicht» zu erinnern gesunden habe. Infolgedessen wurde die Rechnung festgestellt und dem RechnungSführer Entlastung erteilt. Von dem etats- mäßigen Zuschuß der Stadtkasse zur Armenkasse hat der Betrag von 1057 Mk. 28 Pf. nicht abgehoben zu werden brauchen. — Herr Stadtverordneter SanitätSrat Dr. Israel hielt eS sür wünschenswert, daß nicht nur die Rechnungen der größeren städtischen Kassen (Stadtkasse sowie GaS- und Wasserwerkskasse), sondern auch die JahreSrechnungen der kleineren städtischen Kassen durch eine besondere Kommission der Stadt- verordneten-Versammlung geprüft werden, ehe sie zur Feststellung gelangen. Die Stadtverordneten beschlossen jedoch, daß es bei der bisherigen Einrichtung fein Bewenden behalten soll, wonach die JahreSrechnungen der Armenkasse, der Holzmagazinskasse, der Forstkasse und der Sparkasse lediglich durch den Herrn Stadtverordneten-Vorsteher vorgeprüst werden. — Aus Antrag der Stadtverordneten-Versammlung, welche die Ve» einigung einiger Reste auS früheren städtischen Anleihen wünschte, hat der Magistrat beschlossen, daß die Bestände zweier Anleihereste mit zusammen 10075 Mk. 79 Ps. bei der Sparkasse abgehoben und zur Abstoßung der an die HcrSsclder Brunnengesellschaft für neue Aktien zu zahlenden Summe von 120 000 Mark mit verwendet werden sollen. Nach längerer Debatte erteilte die Versammlung mit großer Mehrheit hierzu die Genehmigung. — Die Stadtverordneten-Versammlung hatte in einer ihrer früheren Sitzungen die Erhöhung deS städtischen BeitragS zur Beamten-PensionSkasse der Stadt HerSscld von 4% auf 6% der jeweiligen Beamtenbesoldungen angeregt, um die Kasse möglichst bald leistungsfähig zu machen. Der Magistrat hat sich im Prinzip mit dieser Erhöhung einvcr- standen erklärt, er gibt jedoch zur Erwägung anheim, ob der gegenwärtige Zeitpunkt, in welchem die Stadt die Fleischabgabe einbüßt, und daneben andere schwere finanzielle Opfer zu bringen hat, hierzu besonders geeignet sei. Die Stadtverordneten beschlossen, die Angelegenheit bi» zur nächsten Etatsberatung zu vertagen. — Aus Antrag bei Herrn Verlag-buchhändler- Zu- lauf dahin hat der Magistrat die Verlängerung des Haupt- rohrstrangS der Wasserleitung in der Eichhofstraße um circa 75 Meter genehmigt und die deShalbigen Kosten in Höhe bis zu 600 Mk. bewilligt unter der Voraussetzung, daß Herr Zulauf sich sür sich und seine Rechtsnachfolger reverSlich verpflichtet, diese Kosten auf die Dauer von 10 Jahren mit 8% durch Wasserentnahme bezw. baren Zuschuß, zu verzinsen. Die Stadtverordneten stimmten diesem Beschlusse zu. — Hin- auf kamen eine Anzahl Nachbewilligungen von Titelüber- schreitungen für das Rechnungsjahr 1908 zur Beschlußfassung und zwar wurden genehmigt: 2500 Mk. Zuschuß zum Titel „Zinsen von Anleihen", 843 Mk. 10 Ps. für vermehrten Gasverbrauch der Pumpstation deS Wasserwerk», 395 Mk. 99 Ps. zur Unterhaltung der Töchterschule, 222 Mk. 95 Ps. für Unterbringung und Verpflegung Obdachloser, 361 Mk. 92 Pf. sür Beschaffung einer neuen Schreibmaschine, 178 Mk. sür vermehrten Kohlenverbrauch in den städtischen Geschäftszimmern infolge deS anhaltenden strengen Winter», 610 Mk. 67 Pf. für vermehrten Kohlenverbrauch in der evangelischen Bürgerschule und 750 Mk. für vermehrte Aufwendungen zu Gunsten der Ortsormen. — In Gemäßheit der bestehenden ministeriellen Vorschriften muß für die städtische Töchterschule zu Beginn deS nächsten Schuljahres eine neue Stelle für einen akademisch gc- bildeten Oberlehrer gegründet werden. Der Magistrat hat die Anstellung eines solchen Oberlehrer» zum 1. April 1910 beschlossen und die tarifmäßige Besoldung desselben bewilligt, womit die Stadtverordneten sich einverstanden erklärten. — Bei Beratung bei städtischen Hau»halt»etatr für daS Jahr 1909 war vom Magistrat und den Stadtverordneten beschlossen worden, daß zur Deckung des städtischen FinanzbedarsS die staatlich veranlagten Einkommensteuern und Realsteuern gleichmäßig mit 142% alS Gemeindeumlage herangezogen werden sollen. Dieser Beschluß bedarf der Genehmigung der staat» lichen Aufsichtsbehörde und diese wurde nachgesucht. Der Herr Oberpräfident hat daraus mitgeteilt, daß er hierzu die Genehmigung nicht erteilen könne, da nach den Vorschriften deS KommunalabgabengejetzeS die Realsteuern stärker herangezogen werden sollen, als die Einkommensteuern. Er erklärt sich außer Stande, eine höhere Belastung der Einkommensteuer als mit 135% zu bewilligen. Dementsprechend hat der Magistrat beschlossen, daß die staatlich veranlagten Steuern für das Rechnungsjahr 1909 zur Gemeindeumlage wie folgt Herange- zogen werden sollen: die Einkommensteuer mit 135% und die Realsteuern mit 155%. Diesem Beschlusse erteilte die Stadtverordneten-Versammlung ihre Zustimmung. — Da zur Erledigung nichts weiter vorlag, schloß der Vorsitzende gegen 7 Uhr die Sitzung.
) :( Hersfeld, 24. Juni. (Schössengericht.) In der Strafsache gegen den srüheren Bürgermeister Jckler und den Landwirt Konrad Wagner zu Allendorf i. W. ist gestern da» Urteil durch daS hiesige Schöffengericht gefällt worden. Beide wurden wegen Jagdvergehens bestraft, und zwar Jckler mit 4 Monaten Gefängnis und Wagner mit 1 Monat Gefängnis. — Ein hier früher beschäftigt gewesener Knecht erhielt wegen DirbstahlS 2 Wochen Gefängnis. — Dann wurde ein Bettler mit 2 Wochen Haft, und ein anderer mit 1 Woche Hast bestraft. — Ein hiesiger Arbeiter wurde wegen Schulversäumni»
seine» Kinde» mit 1 Mark rv. 1 Tag Hast bestraft. — Ein Einwohner von Friedlo» erhielt wegen Holzdiebstahl eine Geld- strase von 8 Mark eventl. 2 Tage Haft. — Ein Fabrikarbeiter von hier wurde wegen Beleidigung mit 15 Mark eventl. 3 Tagen Hast bestraft. — In vier anderen Sachen erfolgte Freisprechung.
* (Pers 0 nal - Chr 0 nik.) Ernannt: der bisherige Pfarrer Meiß zu Waßmuthshausen, Klasse Homberg, zum Pfarrer in Germerode, Klasse Waldkappel, die Amtsrichter Hasse auS Hofgeismar, z. Z. HilsSrichter beim Oberlandesgericht in Cassel, und Rübsam in Eschwege zu AmtSgerichtsräten, der GerichtSassessor JSrael zum Amtsrichter in Gröningen, die Rechtskandidaten HanS Müller und Schlue zu Referendaren. — Uebertragen: dem Förster 0. R. Seidel zu Nothfeldeu, Oberförsterei Naumburg, vom 1. Juli d. J. ab die Försterstelle Wallenstein gl. Obersörsterei.
* Um den vielfachen Klagen darüber, daß nicht genügend Dreimarkstücke im Verkehr sind, abzuhelsen, werden gegenwärtig allwöchentlich für 4 bis 500,000 Mark neue Dreimarkstücke in der ReichSmünze geprägt und in Umlauf gebracht. Die Prägung der neuen Dreimarkstücke begann bekanntlich im September des Vorjahre-; bis April deS Jahres waren für 30 Millionen Mark Dreimarkstücke im Umlauf. Es ist nun einem Beschlusse des Bundesrats gemäß beabsichtigt, im Laufe deS Jahres 1909 für weitere 36 Millionen Mark Dreimarkstücke in den Verkehr zu bringen, sodaß am Ende dS. JS. 66 Millionen Dreimarkstücke im Verkehr sein werden. Auch im nächsten Jahre dürste eine Summe von 30 biS 40 Millionen Mark zur Ausprägung gelangen. Es scheint übrigens die Absicht zu bestehen, bis auf weiteres keine neuen Fünsmarkstücke prägen zu lassen. Die letzten Fünsmark- stücke wurden im Jahre 1908 in der Höhe von acht Millionen Mark in den Verkehr gebracht. Seither haben keine weiteren Neuprägungen stattgefunden. Insgesamt befinden sich gegenwärtig für 230 Millionen Mark Fünsmarkstücke im Umlauf.
sV Heringen a. W., 23. Juni. Vor einigen Tagen stürzte der Sohn deS Handelsmannes Justus Heinz hier beim Abladen von Holz so unglücklich, daß er einen doppelten Beinbruch erlitt. — In Widdershausen mußte die Schule geschlossen werden, weil unter den Kindern Diphteritis, Masern, Scharlach und Keuchhusten herrschen. Die tückischen Krankheiten haben schon mehrere Opfer gefordert.
Großenritte, 22. Juni. Gestern nachmittag wurde hier der Landwirt Adam Wicke von seinem eigenen, mit Laub beladenen Wagen übersahren und an beiden Füßen schwer verletzt.
Borken, 22. Juni. Ein bei Herrn Dachdeckermeister Bräutigam dahier beschäftigter Gehilfe, der heule früh aus einem Dache in KleinengliS arbeitete, stürzte — wie der Arzt annimmt, infolge Hitzschlags — ab und starb nach kurzer Zeit. Der Verunglückte war aus Ermetheis gebürtig und stand im Alter von 24 Jahren. Allgemein ist die Teilnahme für die verwitwete Mutter.
Bebra, 22. Juni. Aus dem hiesigen Rangierbahnhof verunglückte heute nachmittag der Hilssheizer Höbig aus Weite- rode. Beim Besteigen der in Bewegung befindlichen Lokomotive kam derselbe zu Fall und es wurde ihm der linke Fuß am Knöchel abgefahren. Der Verunglückte wurde in das Landkrankenhaus in HerSfeld gebracht.
Wasungen, 21. Juni. Ein bedauernswerter Unfall ereignete sich in der G.'schen Schneidemühle. Ein 14jähriger Junge, der den Arbeiten zusah, kam in dem Moment, als er die Vertiefung, in welcher die mit dem Motorschwungrad in direkter Verbindung stehende Riemenscheibe läuft, überschreiten wollte, infolge eines Fehltrittes zu Fall, kam auf den Riemen zu liegen und wurde von diesem über das Schwungrad weggeschleudert. Wahrscheinlich ist er dabei mit dem Kopse gegen die Wand gestoßen, denn er hat eine Gehirnerschütterung davongetragen. Der Unfall erfolgte gerade in dem Augenblick, als der Besitzer den Motor abstellte und insolgedesfen keine Obacht auf den Jungen hatte.
Hanau, 23. Juni. DaS vierjährige Söhnchen des in der Ulanenkaserne wohnenden Wachtmeisters Daube von der 5. Eskadron fand im Hofe hinter einem Strauch eine Flasche Lysol. DaS Kind nahm einen gehörigen Schluck, erkrankte sofort schwer und starb trotz ärztlichen Beistands.
Corbach, 21. Juni. Heute zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags stand ein Gewitter am Himmel. In der „Marke" wurden einem Landwirt namenS Thie auS dem Dorfe Strothe 2 Pferde erschlagen. Der Landwirt selbst blieb unversehrt, sein Sohn dagegen war eine Stunde lang besinnungslos und wäre beinahe erstickt durch daS Blut, welches sich im Munde gestaut hatte.
Corbach, 23. Juni. Anstatt doppelkohlensaureS Natron hatte der Fabrikarbeiter Fischer zu B. Kleesalz, das er mit jenem zusammen ausbewahrte, unglücklicher Weise zum Gurgeln gebraucht. Er mußte nach wenigen Tagen diese Gleich- giltigkeit mit dem Leben büßen.
Göttingen, 23. Juni. Am Sonnabend abend veran- staltete der akademische Turnverein einen Wettlaus mit der Gartetalbahn aus der Strecke Steinsmühle-Eichenkrug, die ca. 1200 Meter lang ist. Der Wettlaus wurde als Stasettenlaus au-gesührt, indem 12 Läufer auf der Strecke verteilt wurden, so baß also jeder 100 Meter zu laufen hatte. Mit 45 Sekunden Vorsprung kam der letzte Läufer vor dem Eichen- kruge an, obwohl der Lokomotivführer, der von dem bevor- stehenden Rennen in Kenntnis gesetzt war, feinen Kohlenvorrat nicht schonte und alles daran fetzte, dem Bähnle den Sieg zu verschaffen.
Langensalza, 22. Juni. Ein Offizier der hiesigen Jäger zu Pserde unternahm am vergangenen Sonntag mit einer Dame einen Ausflug mit Automobil nach Arnstadt. Aus der Rückfahrt holte er vor Gotha zwei Musketiere vom Gothaer Regiment ein, die im Laufschritt ihrer Garnison zueilten. Der Offizier, der in Zivil war, hielt fein Gefährt an und fragte die beiden nach der Ursache des DauerlausS. „Wir haben den Zug versäumt und haben nur biS 12 Urlaub," war die Antwort. Der Offizier sieht nach der Uhr. „Sie können unmöglich noch bis 12 Uhr Gotha erreichen, loS, schnell herein, und die Mütze sestgchaltcn!" Schnell wie der Blitz haben beide neben der Dame im Auto Platz genommen und wenige Minuten vor 12 Uhr hält dieses am Eingang der Kaserne. Mit herzlichen Dankesworten verabschieden sich die beiden Baterlandsverteidiger von dem freundlichen Auto- mobilbesitzer und erfahren vermutlich nun erst durch die Zeitung, daß eS ein Offizier der Nachbargarnison Langensalza war, der sie durch seine Gefälligkeit vor „3 Tagen Mittel" wegen Ausbleibens über Urlaub bewahrt hatte.
Gotha, 23. Juni. In einer Unterklasse einer Gothaer Schule besprach der Lehrer die verschiedenen AnwendungS- formen der Wörtchen „ihr" und „Ihr", bei welch letzterem die Person bei Lehrer» vielsach als Eatzmuster dienen inußte. Im Verlauf mehrere Sätze kommt u. a. auch der Satz „Ihr Fell ist grau und weich". Lehrer: „Warum ist hier „Ihr"