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Kremser kein Geld erhalten konnte, ließ er schließlich die Zigarren verkaufen. Diese waren aber Kommissionsware der Firma Steffen u. Co. Die Letztere verklagte nun Kremser aus Herausgabe der Zigarren. In diesem Prozesse beschwor der Angekl., er habe dem Kremser Mitteilung davon gemacht, daß die Zigarren Kommissionsware seien. Aus diesen Eid hin gewann die Firma den Prozeß. Auch heute bekundet der Angekl. aus wiederholten Vorhalt, daß er dem alten Kremser in seinem Laden gesagt habe, die Zigarren seien Kommissions­ware. Hierauf wird in Zeugenvernehmung eingetreten. Der junge Otto Kremser ist in seinen Aussagen sehr unbestimmt und unsicher, verschiedentlich bringt ihn der Verteidiger deS Angekl. aus Grund von ihm an den Angekl. geschriebener Briefe in die Enge, deren Inhalt mit seinem heutigen Zeug- Nisse in direktem Widersprüche stehen. Der 74jährige Karl Kremser will mit dem Angekl. überhaupt nicht über geschäst- liche Sachen gesprochen haben, insbesondere habe er nicht ge- wußt, daß die als Pfand hinterlassenen Zigarren Kommissions­ware waren. Demgegenüber behauptet die Frau des Auge- klagten auf dar bestimmteste, daß hierüber in ihrer Gegenwart zwischen ihrem Manne und dem Zeugen gesprochen sei. Ein weiterer Zeuge bekundet, daß Otto Kremser wieder bei ihm erzählt, daß nicht er, sondern der Angekl. Fischer, ihm den Austrag gegeben habe, die als Pfand hinterlassenen Zigarren in die Wohnung des Kremser zu schaffen. Sowohl Otto Kremser wie auch dessen Vater weist die Verteidigung eine ganze Reihe von Widersprüchen nach. Der Herr Staats- onwalt sührte kurz au», daß aus Grund deS in der heutigen Hauptverhandlung vorgebrachten umfangreichen Materials die Anklage nicht mehr aufrecht erhalten werden könne. Er bitte die Schuldsragen zu verneinen. Herr Justizrat Dr. Weis schließt sich dann dem Anträge des Staatsanwaltes an. Nach­dem die Geschworenen nach kurzer Beratung die Schuldfragen verneinen, wird der Angeklagte sreigesprochen.

Heuthen, 19. Juni. Jnsolge eines Fehltrittes ist Mitt- woch nachmittag die 53jährige Frau Rosalie Diegmann aus einer Scheunenluke aus beträchtlicher Höhe herabgestürzt, als sie Stroh vom Speicher herunterwersen wollte. Die Unglück­liche erlitt einen Schädelbruch, sowie Rippen- und Beinbrüche und schwere innere Verletzungen, denen sie nach qualvollen Leiden erlag.

Niedervellmar, 21. Juni. Auf entsetzliche Weise hat sich heute der in einer Casteler Fabrik beschäftigte 60jährige Färber H. daS Leben genommen. Er hatte sich in seiner Fabrik Salzsäure zu verschaffen gewußt, die er in einen Schoppen Bier goß und mit einem Zuge Hinuntertrank. Nach einer halben Stunde schon gab er unter entsetzlichen Qualen seinen Geist auf. Vor der Tat äußerte er in der Wirtschaft, daS GlaS Bier werde fein letztes fein, man hatte aber feiner Aeußerung kein Gewicht beigelegt. Häusliche Zwistigkeiten sollen ihn zu der verzweifelten Tat getrieben haben.

Marburg, 22. Juni. Gestern, als am Tage der Sonnenwende, wurde von der Studentenschaft die BiSmarck- feier abgehalten. Infolge deS um 2 Uhr eintretenden heftigen Gewitterregens mußte man davon absehen, die üblichen Um­züge zu veranstalten und die Bismarcksaßpartie an der Wein- trautseiche abzuhalten. So zogen denn erst abends die einzelnen Verbindungen durch die Straßen der Stadt und be­wegten sich nach der Weintrautseiche, wo um Va9 Uhr zum Fackelzug Ausstellung genommen wurde. In schlangenartiger Form bewegte sich dieser zum Bismarckturm. Ein erneuter Regen konnte der Feier keinen Abbruch tun. Am Bismarck­turm, auf dem ein helles Feuer abgebrannt wurde, hielt der erste Chargierte des Akademischen Turnvereins die Bismarck-,

der zweite die Kaiserrede. Daraus setzte sich der Zug, der unendlich lang schien, durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Kämpsrasen in Bewegung, wo unter dem Absingen der LiedeS:Gaudeamus igitur" die Fackeln zusammengeworsen wurden. Ein zahlreiches Publikum hielt die Bürgersteige besetzt.

Ungedanken, 21. Juni. Die Bahnbediensteten fanden heute nacht in der Nähe unserer Ortet am Bahndamm die Leiche einer bir jetzt noch unbekannten Mannes. Der Kopf war fast vom Rumpfe getrennt und der Leichnam nach den am Bahndamm noch sichtlichen Spuren mehrere hundert Meter weit vom Zuge mitgeschleist worden. Heute war daS Amts­gericht Fritzlar zur Feststellung der Sache an Ort und Stelle. Wie man hört, sollen Anhaltspunkte für ein Verbrechen nicht vorliegen, entweder handelt er sich um Selbstmord eine» LebenS- überdrüstigen (der Arme hatte nur ein Stück Brot und ein leere- Portemonnaie bei sich, keinerlei Papiere) oder um einen Unglücksfall.

Weisungen, 22. Juni. Ein schrecklicher Unglücktsall ereignete sich am heutigen Vormittag gegen V2I2 Uhr in einer hiesigen Schneidemühle. Der Zimmermann Johann Lengemann aus Kirchhof war mit Lattenschneiden beschäftigt, als ihm bei dieser Gelegenheit ein starker spitzet Holzstück mit aller Wucht die Brust durchbohrte, sodaß der Unglückliche schwer verletzt wurde.

Göttingen, 21. Juni. (Eine Gastwirtin zu 23 Tagen Festung verurteilt.) Drei Mensuren mit schweren Säbeln wurden im vergangenen Jahre im Saale der Lüdeckcschen Gastwirtschaft in Gron auSgefochten, und zwar von den Studiosen Blanck, Nordmann und Mönnich. Sowohl diese drei, als auch die Besitzerin des Lokals saßen wegen Zweikampfes bezw. Beihilfe dazu auf der Anklagebank. Die Wirtin, die nicht gewußt haben will, daß eS sich um schwere Säbel" handelte, wurde zu 23 Tagen Festung verurteilt, von den drei Duellanten erhielt jeder drei Monate Festung.

Halle, 21. Juni. Eine EisersuchtStragödie spielte sich in vergangener Nacht hier ab. Dort drang der 24jährige Schmied Böttcher in die Stube zweier Dienstmädchen, die seine Anträge abgewiesen hatten, ein und verwundete ein» von ihnen durch einen Revolverschuß. Die beiden Mädchen sprangen in ihrer Angst au- dem Fenster ihrer im zweiten Stock gelegenen Zimmer in den Hos hinab, wo sie schwer- verletzt liegen blieben. Daraus tötete Böttcher sich durch mehrere Schüsse.

Uermiscbtes.

Iserl 0 hn, 22. Juni. In der vergangenen Nacht wurde im Hause des Schützenhoses ein Lustmord verübt. Der 21jährige Schriftsetzer Heinrich Obst hatte sich abends in das Schlafzimmer deS Dienstmädchens Ottilie SchikowSki ge­schlichen. Gegen Mitternacht hörte man im HauS mehrere Schüsse sollen. Man fand daS Mädchen im Blute schwimmend vor. Der Mörder hatte ihr den Hals durchschnitten, den Leib ausgeschnitten und 18 Messerstiche und einen Revolver­schuß beigebracht. Der Mörder brächte sich dann selbst einen Schuß in den Hinterkops bei. Die Leiche deS Mädchens wurde in die Leichenhalle übergeführt und der Mörder dem Krankenhaus überwiesen.

(Heitere Erlebnisse eine- pommerfchen Landarztes.) Ein 6jähriger Junge war, so berichtet die Jarmener Ztg., am Bein operiert worden. Als TagS daraus alles vorbereitet ist, den Verband zu erneuern, richtet der kleine Patient sich plötzlich aus und sagt drohend, mit bezeichnender

Handbewegung:Doktor, bat kann ick die seggen, fötst du mi noch eeS an, schloag ick di eent int Muul!" Einmal hat der Doktor in einem Dorfe zu tun, das er nur mit dem Boot erreichen kann. Eine schmerzhafte Operation bei einer Frau ist auSzusühren. Ein kleiner Töchterchen ist in Tränen au-gtbrochcn, alS e» die Mutter stöhnen hört. Im Begriff, zurückzusahren, ordnet der Arzt an, wann er wieder zu der Kranken geholt sein will. Da tritt die Kleine heimlich zum Vater und bittet diesen schluchzend:Vadder, versöp doch den ollen Kick!"

(Für 600,000 M. Radiu m.) Die beiden englischen Philanthropen Lord Jveagh und Sir Ernest Casiel habm aus ihre Kosten 7Va Gramm Radium zum Preise von 600,000 M. bestellt. Da» Radium ist für da» Institut be­stimmt, wo gegen Ende d. I. mit der Radiumbehandlung der Krebskranken begonnen werden soll.

Vier Bauernh öfe wurden in Groß-Jlsingen bei Rakel durch eine FeuerSbrunst zerstört. 16 Gebäude wurden eingeäschert, eine Frau erlitt schwere Brandwunden, sodaß sie starb. Da» Feuer war durch da» Spielen von Kindern mit Streichhölzern entstanden da» alte Leiden I

Bern, 22. Juni. In der letzten Nacht geriet in der Gemeinde Wattwil im Kanton St. Gallen ein von vielen Italienern bewohnter Hau» in Brand. Da» Feuer wurde erst sehr spät bemerkt, und e- kam infolgedessen zu einer schweren Katastrophe. Bei der Flucht au» dem brennenden Hause wurden sechs Italiener lebenkgesährlich verletzt. Heute morgen wurden au» den Trümmern 10 Tote geborgen, und man rechnet damit, daß noch mehr Personen um» Leben ge­kommen sind. Die Ursache deS Brandes ist noch nicht er­mittelt, wahrscheinlich ist daS Feuer durch Unvorsichtigkeit entstanden.

Standesamtsbezirk Schenklengsfeld.

Monate April und Mai 1909. Eheschließungen.

Am 10. April. Johann Georg Wilhelm Diebener, Vizewacht. meister zu Cassel mit Elise Pfromm dahier. Am 1. Mai. Heinrich Sippel, Maurer zu Landershausen mit Katharina Faulstich zu Dünkelrode. 5. Julius Steinberger, Handelsmann zu Angenrod und Hannchen Abraham dahier.

G e b u r t e n.

Am 4. April. Alfried, Sohn des Kaufmanns Emanuel Katz dahier. Gustav Heinrich, Sohn des Weißbinders Christian Stang dahier. 18. Anna Christina, Tochter des ZimmermannS Wilhelm Licht dahier. 28. Christina, Tochter deS Bergmanns Georg Kröpf zu Dünkelrode. Am 2. Mai. Emma Elisabeth, Tochter des Gutsbesitzers Martin Licht zu OberlengSfeld. 14. Anna Katharina, Tochter des Bergmanns Johann Georg Heußner zu Wüstfeld. 16. Elisabeth, Tochter deS Maurers Heinrich Viel zu OberlengSfeld, 21. Elisabeth, Tochter des Müllers Heinrich Raacke zu Schenksolz. 22. Martha, Tochter des Ackermanns Johannes Jäger zu Schenksolz. 27. Barbara Elisabeth, Tochter deS Ackermanns Johannes Noll zu Dünkelrode. Anna Susanna, Tochter deS Ackermanns Georg Sippel dahier.

Sterbe fälle.

Am 6. April. Valentin Zill, AuSzüger dahier, 80 Jahre alt. 15. Witwe Martha Elisabeth Hetzel dahier, 73 Jahre alt. Am 23. Mai. Witwe Katharina Elisabeth Rüger zu Unter­weisenborn, 64 Jahre alt. 26. Valentin Jäger zu Schenksolz, 9 Jahre alt.

Oeffentticher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (Landwirtschast-schule).

Wetterausfichte« für Donnerstag, den 23. Juni:

Wechselnde Bewölkung, Regensälle an Stücke abnehmend, etwa- wärmer.

Dom Hersfelder Reiterverein.

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Ueber den Zweck und Wert der Rennen an sich soll an dieser Stelle nicht gesprochen werden. Die große Opser- sreudigkcit der vielen, namentlich der nicht aktiv mitwirkenden Mitglieder, beweist hinlänglich, wie weit man von der Er­kenntnis der Notwendigkeit Körper und Nerven stärkenden Sport» durchdrungen ist, und daß man die Bedeutung des hiesigen ReitervereinS nicht verkennt. Der Verein soll insbe- sondere den Reitergeist in der Bevölkerung und in erster Linie in unserer wehrpflichtigen Jugend wachhalten und er soll die Pferdezucht und die Liebe zum Pferde fördern und großzichen. Daß die aufstrebende Stadt den Wert deS VereinS nicht verkennt, das ersieht man auS der von Städtischer Seite wieder gewährten großen pekuniären Unterstützung. Auch der Kreis und der Landwirtschaftliche KreiSverein haben durch eine Gcldbeihülse ihr Interesse zu erkennen gegeben. ES muß snner dankbar erwähnt werden, daß sich jetzt schon ver­schiedene private, uneigennützige, freigebige Spender gesunden ijobtn, die den Verein mit Geld oder Preisen unterstützen.

Was nun in stiller Arbeit von den berufenen Stellen der Verein» in den letzten Monaten geleistet worden ist, daraus soll in diesen Zeilen noch hingewiesen werden. Es galt vor allen Dingen, die Mängel abzustellen, die sich voriges Jahr beim Rennen gezeigt haben. Das Publikum muß in der Lage sein, die Rennen zu versolgen. DieS unbedingt möglich zu machen, ist die erste Sorge deS Verein- gewesen. ES ist dies durch Umlegen der Rennbahn und durch Freigeben des nach der Fulda bis zum Damm hin ansteigenden Geländes, da- früher zur Bahn gehörte, erreicht wo, den. Wer da» Gelände kennt, der wird auS der beigefügten Skizze sofort den großen Vorteil ersehen, den die jetzige Anordnung bietet. Auch, daß vorige» Jahr da- Ziel zu weit vom Publikum entfernt war und dieses sich kein genaues Bild über den End- kampf bilden konnte, auch diesem Fehler ist abgeholfen. Wie die Bahn führt und wo das Finish geritten werden soll, ergibt die Zeichnung. Bei der großen Beliebtheit, die sich die Rennen in Her»seld und Umgegend erfreuen, glaubt eS

die Rennleitung wohl mit ihren Ausgaben vereinbaren zu können, wenn sie sowohl auf den 1. wie 2. Platz eine Tribüne ausstellt. Die Tafeln mit den Nummern der lassenden Pferde sollen vermehrt, die Restauration erweitert werden, kurz eS wird in jeder Weise das Interesse der Zuschauer wuhrgenommen werden. Wir sind in der Lage, in der nächsten Zeit eine genaue Besprechung der Rennen bringen zu können. Schon jetzt wollen wir nicht unenvähnt lassen, daß eine wesentliche Aenderung der landwirtschaftlichen Rennen statt- gefunben hat; eS wird ferner für alle Beteiligten eine Freude fein zu hören, daß Se. Exzellenz der kommandierende General deS XI. Armeekorps von Echeffer-Boyadel die Absicht ge­äußert hat, die Leistungen beS jungen Verein» persönlich in Augenschein zu nehmen und, daß mit Sicherheit Land­stallmeister Herr von der Diarwitz ein berufener Ver­treter der Pferdezucht den Rennen beiwohnen wird. Er dürste sich empfehlen die vorstehende Skizze auSzuschneiden und aufzubewahren.