such gemacht werden soll, von PariS nach London in einem Luftschiffe zu sahren, da» das größte und stärkste aller bisher gebauten Luftschiffe sein werde. Es werde ein Fassungsvermögen von 227 500 Kubiksuß, ferner zwei Motoren von je 220 Pferdestärken haben, 25 Passagiere ausnehmen können, eine Etundengeschwindigkeit von 25 bis 40 englischen Meilen entwickeln und einen Benzinvorrat für eine Fahrt von 700 englischen Meilen mitführen können. DaS Komitee habe sich für England daS Vorkaufsrecht gesichert. DaS Luftschiff müsse infolge deS Fehlens einer passenden Landungshalle in England sofort nach PariS zurückkehren. — Kriegsminister Holdane hat der Morning Post mitgeteilt, daß ihre Luftschiffspende vom Kriegsministerium mit Dank angenommen worden sei. Die Sammlungen zum Ankauf des Luftschiffes haben bereits 2693 Lstr. ergeben.
Zum e n g l i s ch - r u s s i s ch e n Z w i s ch e n s a l l, den die Beschießung deS englischen HandelSdampferS „Woodburn" in den finnischen Gewässern durch das russische Kaisergeschwader darstellt, ist jetzt der offizielle Bericht des russischen General- stabeS der Marine veröffentlicht worden. Dem Bericht zufolge trägt der Kapitän deS „Woodburn" die Verantwortung für den Zwischenfall, denn er wird beschuldigt, trotz aller ihm gegebenen Warnungssignale den KurS auf die kaiserliche Jacht „Standart" beinhalten zu haben, infolgedessen von dem russischen Geschwader zunächst erst mehrere blinde Schüsse und dann scharfe Schüsse gegen den „Woodburn" abgcseuert wurden. Der Kapitän seinerseits schiebt die Verantwortung aus den Lotsen, der den „Woodburn" begleitete. Ueber eine Entschädigung, welche die russische Regierung wegen der Beschießung des „Woodburn" etwa zahlen will, verlautet noch nichts.
Die Schwierigkeiten in der Kretafrage dauern fort. Zwischen den vier Schutzmächtcn KretaS herrschen Differenzen betreffs der Zurückziehung oder des Verbleibens der internationalen Truppen aus der Insel. Während Eng- land und Rußland entschlossen sind, ihre Truppen zurückzu- ziehen, erwägen Frankreich und Italien, ob die augenblickliche Lage der Türkei die Ausführung dieses Beschlusses ratsam er- scheinen läßt. Jedenfalls sind sich die vier Schutzmächte darüber einig, daß die Souveränität der Türkei respektiert werden muß. Ferner wird hierzu aus Paris depeschiert: Offiziös verlautet, daß Muktar Pascha, der während seines Aufenthaltes in einer Unterredung mit Clemenceau und Pichon auch die Kretasrage erörterte, darauf hingewiesen habe, daß die Türkei zum Einschreiten aus Kreta gezwungen werden könnte, falls daselbst ein Ausstand ausbräche und das Leben der Muselmanen bedroht werde.
AuS Marokko wird berichtet: Am 15. d. M. ist die von Abd el Kerim beschligte und durch einen Teil der bei den Beni Mter lagernden Truppen vergrößerte Mahalla von Anhängern deS Roghi mit Hülfe der HainaS angegriffen und in die Flucht geschlagen worden. Diese neuen Anhänger bestehen aus den Berberstämmen Riatah und Beni Narrhan. Ein Teil der Truppen des Sultans wurde von den Siegern verfolgt und flüchtete bis Fez. Die Rebellen plünderten auch die Dörfer der Uled Djeina und El Hadj und zogen sich in ihr Lager bei Sedina zurück. Auch die nach MekineS entsandten Truppen sollen von den Rebellen geschlagen und zurückgeworsen sein. Wie vom 17. d. M. aus Fez gemeldet wird, setzt der Roghi die Verwüstungen in der Umgegend der Hauptstadt fort. Ould Mohammed Chergui ist in Fez eingetroffen, sofort vom Sultan empfangen worden und gleich wieder abgegangen, um den Roghi mit einem Tabor (Bataillon) Reger und vier TaborS der von den Beni Mter gestellten Mahalla zu bekämpfen.
Aus Provinz u. Nachbargebiel.
* (Der Eisenbahnminister gegen das Handgepäck.) Der Eisenbahnminister hat, wie die „Ins." erfährt, neuerdings daS Personal der Eisenbahnverwaltung streng angewiesen allen Versuchen der Reisenden, zu viel und zu umfangreiches Reisegepäck in den Wagenabteilen unterzubringen, entgegenzutteten und mit Entschiedenheit dafür zu sorgen, daß eine Ueberfüllung der Abteile mit Handgepäck nicht stattfinden kann. Die Beamten sollen, wie weiter ein- geschärft wird, in jedem Einzelfalle dafür Sorge tragen, daß daS Handgepäck, sobald es die zulässige Grenze überschreitet und einen größeren Raum auSfüllt, wie er über den Platz deS Reisenden vorgesehen ist, ordnungsgemäß alS Gepäck ausgegeben wird.
* (Aenderung von Amtsbezeichnungen bei der Eisenbahn.) Nach einem Ministerialerlaß sollen Eisenbahnsekretäre, die im Wege der Beförderung in ihre
MartenS fühlte sich in diesem Augenblick außer stande, ihr zu antworten, und Ursula drängte: „Nicht wahr, so ist eS doch? Die andern sagen immer, ich wäre noch zu jung, um mitteden zu können, aber ei ist doch richtig, wie ich eS verstanden habe?"
„Ja, ganz richtig", antwortete er gedankenverloren. „Mag kommen, was da will, waS man gelobt hat, muß man halten."
Da leuchteten die Braunaugm.
„Das ist e» ja, was ich so gerne leiden mochte, da» Treuehalten."
Wolf, der ohne «» zu wissen, daß er eS tat, ihre Hand in die feine genommen hatte, gab sie jetzt frei und lächelte wehmütig. „Er ist, als ob ich Ihre Mutter sprechen hörte. Aus die Treue legte sie dm größten Wert."
Des Mädchens Augen wurden seucht. „Von meiner Mutter habe ich das auch gelernt. Wie oft hat sie unS da» gesagt, Es war ihr letztes Wort an unS: Kinder, hattet Treue, immer, immer l"
„Ursula", rief die Stimme der Erzieherin, die im Wagen geblieben war, mahnend heraus.
Das Mädchen achtete nicht daraus, sie fuhr mit der Hand über die Augen und fragte leise: „Haben Sie meine Mutter gekannt?«
„Ja, und sehr geliebt, sehr verehrt."
Sie streckte ihm ihre beiden Hände hin. „Wie mich da» freut!"
„Ursula, ich warte!"
Der Ton de» alten Fräuleins klang gereizt und vorwursS- voll, sank aber nur ein Achselzucken ihre» Zögling» zur Ant- toort.
MartenS lai in dem jungen Gesicht daS Ausbäumen gegen den unbequemen Rus.
wissen Sie auch, mein lieber junger Fräulein, wie daS Wort lautet, dar Ihre Mutter sich zur Devise wählte, nicht bloß, weil es m ihrem Wappen stand, sondern weil es ihrem Handeln die Richtschnur gab?"
Langsam war ein heiße» Rot inUrfulai «Bangen gestiegen.
jetzige Stellung gelangt sind, sogleich und die unmittelbar als Eisenbahnsekretär augefteCten Beamten, nach Ablauf von fünf Jahren seit der Anstellung die Amtsbezeichnung Eisenbahn- Obersekretär erhalten. Ferner haben fortan zu führen: die im Bureaudienst beschäftigten Vorsteher die Amtsbezeichnung komm. Eisenbahnsekretär, die Materialienverwalter erster Klasse die Amtsbezeichnung Obermaterialienvorsteher und die mit der Verwaltung eines Magazins betrauten Vorsteher die Amtsbezeichnung Materialienvorsteher. An die Stelle der Amtsbezeichnung „Weichensteller 1. Klasse" tritt künftig die Bezeichnung „Eisenbahn-Unterassistent".
* (Wichtig für Inserenten.) Eine Haftpflicht für Fehler in Inseraten, die durch unleserliche Manuskripte entstanden sind, hat da» Reichsgericht verneint. Der „Allgemeine Anzeiger für Druckereien" berichtet darüber, daß sich das Reichsgericht in dieser Frage aus den Standpunkt gestellt hat, daß für solche Fehler, die aus unleserliche» Manuskript zu- rückzuführen sind, durch die Zeitung kein Ersatz zu leisten ist, denn Jnseratenmanuskripte müssen ganz besonders deutlich geschrieben sein.
):( Hersfeld, 23. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König haben mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 5. d. MtS. den Pfarrer Gustav Feyerabend zum Superintendenten der Diözese HerSseld-Rotenburg und zum Metropolitan der Pfarreiklasse HerSseld zu ernennen geruht.
):( Hersfeld, 23. Juni. Am nächsten Freitag, den 25. Juni, abends 8V2 Uhr, findet im Saale deS Hotels Hohen- zollern ein V 0 r t r a g S - A b e n d des Schriftstellers und ehemaligen Kgl. HosschauspielerS A. Oeser-Otbert statt. Wir verfehlen nicht, auf diese sehr interessante Veranstaltung ganz besonders hinzuweisen.
):( Hersfeld, 23. Juni. Als ein unehrlicher Gehilfe zeigte sich ein hier beschäftigter junger Mann. Der- selbe hatte seinen Meister eine Zeit lang schwer bcstohlen, biS er heute überführt werden konnte. Der Mann wurde verhaftet und dem Amtsgericht-gefängnis zugeführt.
p. Hersfeld, 23. Juni. (Johannistag.) Der 24. Juni ist der Johannistag. Unsern heidnischen Vorfahren war die Sommersonnenwende eine hohe, heilige Zeit, und durch den Einfluß des Christentums ist der Johannistag daraus geworden. WaS ursprünglich vom leuchtenden TageS- gestirne galt, daS hat sich sinnig mit dem Schicksal des Vorläufers Christi, Johannes, verwoben, daS allmähliche Zurücktreten und Kleinerwerden. Am Johannistage klingt das entsagungsvolle Wort des Täufers so ganz besonders bedeutsam: „Christus muß wachsen, ich aber muß abnehmen." Im allgemeinen wird her Johannistag nicht mehr wie früher als kirchlicher ge58 gefeiert, indes werden in manchen Gegenden Deutsch- lands/ so besonders in Sachsen, noch besondere JohanniS- gottelbienffe abgchalten. In Sachsen ist der Johannistag auch zu einer Art Totenfest geworden. In großen Scharen ziehen namentlich in Leipzig die Leute hinaus zu den Friedhöfen, und eine Fülle von Blumen werden den lieben Entschlafenen aufs Grab gelegt. Im übrigen gehört der Johannistag, wenigstens in mitteldeutschen und süddeutschen Gegenden, immer noch zu den volkstümlichen Festen. Daß sich hierbei Heidnische- und Christliches oft eigenartig mischt, macht die Sache vor allem kulturgeschichtlich reizvoll. Neben Johanniskraut, Johannisblume, JohanniSwasser usw. sind eS die JohanniSfeuer, die sich einer weitgehenden Beliebtheit erfreuen. ES dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß sie in alten Zeiten als Notfeuer gegen Krankheiten und böse Geister angezündet wurden. Am Johannistag entzückt die sommerliche Blüten- Pracht gleichsam aus ihrer stolzesten Höhe. In üppiger Fülle hat die freigebige Natur ihre Reize entfaltet, überall prangt, leuchtet, blüht und duftet das vollkräftige, reife Leben.
§ Hersfeld, 23. Juni. (Die Blitzgefahr für Menschen.) Jetzt, da wir in die Periode der Gewitter eintreten, mögen einige Worte über die Blitzgesahr für den Menschen wohl am Platze sein. Im allgemeinen ist sie sehr gering, weit geringer natürlich in den Städten, all auf dem flachen Lande. Nach der Hellmanschen Statistik tötete der Blitz in einem sünszigjährigen Zeitraume durchschnittlich in Preußen 4,4, in Baden 3,8, in Frankreich 3, in den Nieder- landen ebensall» 3, in Schweden 3,1, in England nur 1, in Ungarn dagegen 16 von einer Million Menschen. Im Jnnem eines Hause», besonder» in den größeren Städten, steht die Angst, von der sich wohl viele bei einem heftigen Gewitter beherrschen lassen, in keinem Verhältnis zu der kaum nennenltoerten Gefahr. Anders verhält er sich auf freiem Felde, wo, allen Warnungen zum Trotz, vom Gewitter überraschte Personen immer wieder Schutz unter Bäumen suchen. Wer auf einem Pferde oder Wagen sitzt, ist dadurch, daß er über seine Umgebung hinwegragt, in höherem Grade
Sie hatte Matten» verstanden. „Der Pflicht getreu"' murmelte sie und senkte die dunklen Wimpern.
MartenS dünkte da» junge Geschöpf in diesem Augenblicke noch liebenswerter als vorher.
„Wollen Sie unS beiden erlauben, Sie zu Ihrem Wagen zu begleiten?" fragte er freundlich.
Ursula nickte stumm. Sie waren, während MartenS sprach, zum Wagen heruntergegangen. Eine kurze Vor- stellung fand statt, und ein paar flüchtige Worte wurden mit dem alten Fräulein gewechselt, dann Hals Hasso dem jungen Mädchen beim Aufsteigen und legte die Staubdecke um sie.
Er hatte sich bei dieser ganzen Begegnung schweigend verhütten. Jetzt drängte er ihn aber doch, ein Wort zu sagen. Während er die Zügel zurecht schob, die sie etwas hastig au» der Hand deS Kutscher» genommen hatte, meinte er: „Vielleicht kommen Sie bald einmal wieder nach Klenkendorf, und dann dars ich Sie Wiedersehen."
Sie lächelte ihn an. „O gewiß I Da» wäre schön! Ich freue mich drauf."
Ursula sagte daS in ihrer harmlosen Offenheit so warm, daß Hasso sich hochbeglückt fühlte. Es war aber doch gut, daß daS alte Fräulein nicht- davon hörte. Der Gutsherr von Rauschebach hatte sie etwa- gegen ihren Willen in ein kurzes Gespräch gezogen.
Jetzt verabschiedete er sich und trat an Ursula- Seite.
Er drückte ihre Hand.
„Sie haben mir wohlgetan, sehr wohl. Nehmen Sie meinen Dank."
Ursula strahlte ihn mit ihren sonnigen Augen an. „Auf Wiedersehen, wenn ich wieder nach klenkendorf komme", sagte sie, ohne die mißbilligenden Winke bei alten Fräulein» zu beachten, „und jetzt heißt'« fort!"
Aus ihren beweglichen Zügen schwand daS Lächeln, ein wehmütiger Ernst glitt darüber hin, all sie hinzusetzte: „Der Pflicht getreu."
Die Schecken zogen an, legten sich in die Zügel und jagten davon. Bald sahen die beiden Herren nur noch die wirbelnde Staubwolke, die dem Wagen nachzog.
gefährdet als diese. Ansammlungen von Menschen und marschierende Truppen scheinen den Blitzschlägen weit mehr auSgesetzt zu fein alS einzelne Personen. Die warme, feuchte Luftsäule, die sich infolge deS Atmungsprozesses über größeren Menschenansammlungen bildet, soll alS verhältnismäßig guter Leiter den Blitz gewissermaßen anziehen. Aeußere Verletzungen schwerer Art gehören bei den vom Blitz Getroffenen zu den Seltenheiten, in den weitaus meisten Fällen wird der Tod wohl durch eine Lähmung des Nervensystems sofort herbeigeführt. Die Bewußtlosigkeit tritt sofort ein. Wie wir Professor Dr. A. Gockels Buch über das Gewitter entnehmen, vermochten von den vielen durch den Blitz betäubten Personen, die später wieder zu sich kamen, nur ganz wenige sich über ihre Empfindungen in dem verhängnisvollen Augenblick Rechen- schast zu geben, weitaus die meisten nahmen weder Blitz noch Donner wahr, nur einige wußten von Feuerkugeln zu er- zählen, die auf sie loSsprangen.
§ Hersfeld, 23. Juni. (Gistpslanzen) In den kommenden Tagen wiederholen sich, wie jährlich, die Fälle, daß Kinder mit giftigen Pflanzen spielen, Teile davon zerkauen und verschlucken. Da ein schnelles Eingrcisen jederzeit geboten ist, so seien für die einzelnen heimischen Giftpflanzen die am leichtesten zu erreichenden Gegenmittel mitgeteilt. Da eS am besten ist, daß der Giftstoff möglichst schnell aus dem Körper entfernt wird, so empfiehlt eS sich, immer Brechen her- vorzurusen. Man bewirkt eS einfach dadurch, daß man den Kindern den Finger weit in den Mund steckt. AlS Gegenmittel gegen die zurückbleibenden Pflanzengiststoffe gelten für Bilsenkraut Essig und Zitronensäure mit Wasser verdünnt; für Tollkirsche schwarzer Kaffee oder Seisenwasser, wobei außerdem kalte Umschläge aus den Kopf zu legen sind; für Stechapfel Essig und Zitronensäure; für Nachtschatten kohlensaures Natron; für blauen Eijenhut Kaffee, Wein und Essig; für schwarze Nießwurz außer schwarzem Kaffee setteS Oel. Ein Gegenmittel gegen den roten Fingerhut bilden Kaffee, Essig, Wein und Aether. Dazu können kalte Uebergießungen des Kopses zur Anregung vorgenommen werden. Dieselben Mittel sind bei Vergistungen durch den gefleckten Schierling anzuwenden. DaS große, gelbblühende Schöllkraut ersordert Kampser, während bei Wolfsmilch laue Milch oder auch Essig gute Dienste leistet. Bei Gistlattich sind Kaffee und Pflanzensäuren angebracht, und bei der Herbstzeitlose ist neben Essig auch Honig zweckdienlich. Natürlich ist bei irgendwie bedrohlichen Erscheinungen außerdem unbedingt sofort zum Arzt zu schicken, da eS sich bei allen den empfohlenen Mitteln nur um ein einstweiliges Mittel gegen die einzelnen Giftstoffe handeln kann.
x/ Buchen««, 21. Juni. Bei dem am gestrigen Tage von dem Rad- und Spottklub „Germania" zu Buchenau ab« gehaltenen Radrennen und Langsamfahren erhielten Nachstehende Preise: 1. Dauerfahren (30 km) Heer-Untergei» 1. Pr., Reich-Oberhaun 2. Pr., Ries-Erdmannrode 3. Pr. — 2. EröffnungSrennen (4 km) ClauS-Sorga 1. Pr., Baum- gard-Buchcnau 2, Pr., Wagner-Buchenau 3. Pr. — 3. Lang- samfahren. Goßmonn-FriedloS 1. Pr., KulS-Hünseld 2. Pr., Hucke-Burghaun 3. Pr. Zu jedem Preise fiel noch ein Ehrenzeichen. Das Fest fand bei dem schönen Wetter einen guten Verlaus.
Cassel, 22. Juni. Die Ankunft der Kaiserin aus Wilhelmshöhe wird sich entgegen den ursprünglichen Absichten um vierzehn Tage verzögern, sie erfolgt also erst am 26. Juli.
Cassel, 21. Juni. (Schwurgericht.) Den Vorsitz führt Herr Landgerichtsdirektor Dr. Waege, die Anklage vertritt Herr StaatSanwalt Claaßen, die Verteidigung sührt Herr Justizrat Dr. Karl WciS. Wegen Meineid- hatte sich heute der Geschäftsreisende Karl Fischer aus Rotenburg a. Fulda vor den Geschworenen zu verantworten. Der Angeklagte ist am 12. September 1871 zu ErSrode geboren, verheiratet und Vater von drei Kindern im Alter von 4—8 Jahren. Vor- bestraft ist der Angekl. noch nicht. ES wird ihm heute zur Last gelegt, vor dem Amtsgerichte zu Rotenburg am 30. April 1908 in einem Zivilprozeß der Zigarrenfirma Steffen u. Co. gegen Kremser die Eidespflicht verletzt zu haben. Aus Beilagen erklärt der Angeklagte, nicht schuldig zu fein. Der Angekl. betrieb im Sommer 1906 in dem Hause bei Zeugen OttoKremser zu HerSseld eine Zigarren- und Weinhandlung. Die im Geschäft befindlichen Zigarren waren zum Teil von Otto Kremser übernommen, zum Teil Kommissionsware der Firma Steffen u. Co. Das Geschäft ging jedoch nicht und so wurde dann im Herbst 1906 der Mietkontrakt gelöst. Kremser hatte an den Angekl. nun eine Forderung für Miete und in Kommission genommene Waren in Höhe von 242 Mk. 10 Pfg. Da der Angeklagte nicht zahlen konnte, einigte er sich mit dem Vater seiner Gläubiger« dahin, daß er eine größere Partie Zigarren all Pfand hinterließ. Da
10. Kapitel.
Wie zu erwarten stand, hatte die Aussage der Zeugen gegen den Gutsherrn von Rauschebach keine weiteren Folgen für diesen. Nachdem da» Gericht sestgestellt hatte, daß jene fraglichen dreißigtausend Mark überhaupt nicht fehlten, ließ er die Sache als bedeutungslos fallen.
In der Nachbarschaft sprach man noch eine Weile darüber hin und her, bis andere Dinge die MartenSschen Angelegenheiten zurücktreten ließen. Wenn sich auch ein jeder die Vorkommnisse nach dem Tode bei alten Horntal auf seine eigene Art gedeutet hatte, so stimmten sie doch darin überein, daß eS schade war, diese tüchtige Arbeit-krast im Kreise verloren zu haben. „Freilich, freilich", so hieß ei dann weiter, „wenn solche gewisse dunkle, unaufgeklärte Punkte bleiben, dann . .", und ein vielsagende« Achselzucken vollendete Unausgesprochenes. Für Wols MartenS in seinem scheuen Stolz und tiesgekränkten Ehrgefühl wurde daS Leben in Rauschebach aus die Dauer unerträglich. So geschah ei, daß er immer ernstlicher daran dachte, Rauschebach zu verkaufen und sich fern von der alten Heimat ein neue- Heim zu gründen.
Noch eine lange, eingehende Unterhaltung hatten Vater und Sohn, diesen Punkt betreffend, bevor Hasso im Oktober nach Posen reiste, um dort bei den zweiten Leibhusaren seiner Militärzeit zu genügen. Dann vertiefte sich MartenS um so eifriger in seine Berechnungen und in Briefe eine- Freunde-, die ein frühere- und auch ein neuere» Datum trugen. (Fortsetzung folgt.)
— (Der Lehrer« Rache.) DaS Schweizer Evan- gelische Schulblatt erzäht solgende» Hübsche Geschichtchen: Die Gemeinde Unterkulm hat mit 100 gegen 97 Stimmen eine Besoldungserhöhung der Primarlehrer von 1600 aus 1700 Franken abgelehnt. Ein kinderreicher Vater hatte in der Gemeindeversammlung gegen die BesoldungSerhöhung deS im Dienst ergrauten Lehrer« gepoltert und sprach ihm nachher die Befürchtung au», er werde sich nun wohl an seinen Kindern dasür rächen. „Nei, mi guete Ma," erwiderte der Lehrer, „mi Nach isch bi: ich mache, daß bini Chinder gschyder wärdr all du bisch!"