sestgestellt, daß zwischen Rußland und Deutschland keinerlei gegensätzliche Auffassungen dieser Frage bestehen, und daß beiderseits aufrichtig die Fortsetzung und Befestigung der guten Beziehungen zwischen beiden Ländern gewünscht wird. Zugleich wurde anerkannt, daß die internationalen Abmachungen, an welchen Rußland und Deutschland beteiligt sind, diesen guten Beziehungen keineswegs entgegenstehen, und daß beide Seiten sich in dem Bestreben begegnen, zur friedlichen Lösung jeder etwa austauchenden politischen Frage beizutragen.
Ein eigenartiger Z w i s ch e n f a l l hat sich bei der Anfahrt deS russischen KaisergeschwaderS nach den Gewässern von Björkö abgespielt. Von dem Geschwader auS wurde daS ihm begegnende englische Lastschiff „Woodburn" beschossen, angeblich/ weil eS die ihm russischerseitS gegebenen Signale nicht beachtete. Die russischen Geschosse zerstörten den Dampfkessel des „Woodburn" und zerschmetterten einem Maschinisten ein Bein; der Echwervcrwundcte wurde in daS Wiborger Krankenhaus gebracht. DaS englische Schiff setzte nach notdürftiger Ausbesserung des erlittenen Schadens die Fahrt nach England fort. Es bleibt abzuwarten, inwiefern der Vorgang etwa diplomatische Auseinandersetzungen zwischen London und Petersburg nach sich ziehen wird.
toonWtiitr und LMmWft.
Ueber die Vorlage einer Erbanfallsteuer herischt noch in weiten, besonders bäuerlichen Kreisen eine erstaunliche Unkenntnis. Vielfach wird noch immer befürchtet, daß ein Gesetz überaus schwere Schädigungen, vielleicht sogar den Untergang für die Landwirtschaft im Gefolge haben könnte. Mit Recht hat der preußische Finanzminister Freiherr von Rheinbaben in seiner ReichStagSrede am Donnerstag auSge- führt, daß die Leute, die solche Behauptungen ausstellen, da» Gesetz gar nicht gelesen habea und vor allem die Schutzbestimmungen nicht kennen, die die Regierung im Interesse der Landwirtschast ausgenommen hat.
Aber auch die schädlichen Wirkungen, die eine KotierungS- steuer nicht etwa bloß aus die Börse, sondern auch auf den mittleren und kleinen Mann haben müßte, scheinen noch lange nicht in ihrem vollen Umfange bekannt zu sein. Die Regierung hat, wie Freiherr von Rheinbaben auSsühite, gegen diese Steuer zunächst daS prinzipielle Bedenken, daß eS sich bier um eine partielle ReichSvermögenSsteuer handelt. Die Steuer würde ungleichmäßig verteilt, denn die Besitzer von Hypotheken blieben frei. Vor allem aber würde die Steuer erhoben werden ohne Rücksicht aus die Leistungsfähigkeit, denn der Besitz von Wertpapieren, insbesondere auch von Aktien ist keineswegs lediglich in den Händen wohlhabender Leute. Die Verteilung von Wertpapieren, insbesondere von Aktien, geht weit in die Kreise unseres Mittelstandes hinein. Der Minister erörterte dann die Wirkung für die Belastung der Aktiengesellschaften. Deren Abgaben würden unter Umständen auf 25 bis 30 Prozent steigen können.
Noch wichtige, indes sind zwei Gesichtspunkte allgemein wirtschaftlicher Bedeutung, die Verteuerung des Hypotheken- kredits und die Schädigungen, die darin für den ganzen Landbesitz und für den städtischen HauSbesitz liegen. Die preußische Zentral-Boden-Kreditgesellschaft, die jetzt 350 000 Mk. Steuern bezahlt, würde künftig 1 Million mehr bezahlen müssen. DaS wäre 30 v. H. deS Gewinner, als Steuer! Noch bedenklicher wäre die Rückwirkung der KotierungSsteuer auf den Kredit der Provinzen, Kreise und Gemeinden. Innerhalb 12 Jahren sind von diesen Verbänden nicht weniger wie 4,355 Milliarden Schulden kontrahiert worden. Bei einem Satz von 1 pro Mille würden sie in dieser Zeit eine Jahre-steuer von 4 355 000 Mk. zu zahlen gehabt haben. Auch die ProvinzialhilsSkassen nehmen Anleihen in größtem Stile aus. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften sind in ihrem Kredit größtenteils aus diese Kassen angewiesen. Wird also diesen ProvinzialhilsSkassen der Kredit verteuert, so sind wiederum die mittleren und kleineren Teile der produzierenden Bevölkerung in Stadt und Land und namentlich die landwirtschaftlichen Genossenschaften die Leidtragenden. Auch die Wirkungen auf die Börse selber, aus die der Minister nur kurz zu sprechen kam, sind höchst bedenkliche für unsere Wirt- schaftliche wie nationale Entwicklung, insbesondere wieS Freiherr v. Rheinbaben mit erhobener Stimme auf die Bedeutung hin, welche eine leistungsfähige Börse im Ernstfalle besitzt. So bestehen gegen die Kotierungssteuer seitens der verbündeten Regierungen schwere und nicht überwindbare Bedenken.
Hierauf wandte sich der Finanzminister der Erbansall- struer zu, indem er vor allem die Behauptung widerlegte, daß der Landwirtschast schwere Schäden auS der Erbansall-
„Wa» wünschen Sie von meinem Vater?" fragte er gedehnt.
„Ich habe verschiedene Auseinandersetzungen, mit denen mein Vater mich beauftragt hat, um sie Herrn von Eschenbron persönlich mitzuteilen."
„DaS könnte besser schriftlich geschehen."
Alex wußte, daß feinem Vater jeder Zusammentreffen mit der Familie jetzt peinlich war. Er kam also nur dessen Wünschen zuvor, wenn er diesen Besuch abschnitt, und zugleich brächte er diesen Störenfried sofort aus Ursula» Nähe. Man konnte bei ihrer Persönlichkeit nie daraus rechnen, zu welchem ungewöhnlichen Schritte sie sich noch hinreißen lassen würde durch ihre impulse Natur.
„Wäre daS möglich gewesen, so hätte mein Vater daS sicher getan", so lautete die rasche Erwiderung.
„Mein Vater ist zu beschäftigt, um Sie empsangen zu können, ich glaube auch kaum, daß er zu Hause ist."
„Also nicht vorgelassen soll ich werden", suhr eS durch HassoS Sinn.
Seine Augen blitzten, er sah Alex herauSsordernd an. Doch ehe er noch das rechte Wort gesunden hatte, mischte Ursula sich hinein.
„Aber ich weiß, daß der Onkel zu Hause ist, und kann Sie ja selbst zu ihm sühren, wenn der Vetter e» nicht tut."
Diesem stieg da< Blut zu Kopse. Ursula trieb den Widerspruch doch schließlich zu weit. Er mußte einlenken, wenn sie nicht etwa ganz selbständig die Sache in die Hand nehmen sollte.
„Versuchen wir, ob meine Cousine recht hat", sagte er und wie» aus daS Gittertor, „ich bitte, daß Sie mit un» kommen."
Hasfo, den sein Auftrag und alle«, waS damit zusammen- völlig beschäftigte, hatte zuerst kaum auf daS schlanke Mädchen in tiefer Xtanerfleibung geachtet, jetzt aber, als sie so plötzlich emgriff, starrte er sie ganz verwundert an. Der große Schutzhut, der bisher ihr Gesicht verborgen, hatte sich bei der raschen Bewegung, mit der sie vortrat, in den Nacken
steiler erwachsen würden. In Preußen haben unter 1,3 Millionen selbständiger Landwirte nur 10 v. H. ein Ber- mögen von mehr als 30 000 Mk. Also fallen 90 v. H. der selbständigen Landwirte überhaupt nicht unter die Erbansall» steucr. Ferner ist zu konstatieren, daß von den ergänzung«- steuerpflichtigen Vermögen ebenfalls 65 v. H. vollständig frei- bleiben. Man kann also sagen, daß nicht nur die Landwirtschaft, sondern die mittleren und kleineren Existenzen bei der Erbanfallsteuer durchaus geschont werden. Für die Landwirt- schaff ist ferner durch Zugrundelegung deS zwanzigsachcn Er- tragSwerteS eine äußerst günstige Berechnung-Weise geschaffen. Der Finanzminister selber hat im BundeSrat einen Antrag eingebracht und befürwortet, auf Grund dessen die Schätzungen deS GrundstückSwerteS niemals die Taxe einer öffentlichen Behörde überschreiten dürfen. Unter vielen anderen Er- lcichterungen für die Landwirtschaft ist ferner besonder- wichtig die Bestimmung, daß bei land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken eine Entrichtung der Steuer in Kapital nicht gefordert werden darf, sondern daß der Erbe berechtigt fein soll, diese Erbschaftssteuer in einer zwanzigjährigen Rente abzuzahlen.
Schließlich wies der Minister an einer Reihe von . Beispielen nach, daß die wirkliche Belastung deS land- und forstwirtschaftlichen Besitzes sich in äußerst engen Grenzen hält. Diese Darlegungen beweisen schlagend, daß die Beunruhigung, die im Lande Platz gegriffen hat, unbegründet ist und zum größten Teil aus weitgehender Unkenntnis deS Gesetzes beruht. Man darf hoffen, daß auf Grund dieser Rede die Wahrheit über die Erbanfallsteuer, insbesondere, was ihre Wirkung aus die Landwirtschaft betrifft, zu ihrem Recht kommen und ihren Eindruck auf die noch abseits sich haltenden Parteien nicht verfehlen wird.
Hitt > und Ausland.
Berlin, den 20. Juni 1909.
S e. Majestät der Kaiser traf an Bord der Hohenzollern gestern um 7V2 Uhr in Neusahrwasser-Danzig ein und begab Sich um 7% im Automobil nebst Gefolge nach Langfuhr zur Abendtasel im Kasino der Leibhusaren. — Die Abreise von Langfuhr über Berlin nach Hamburg erfolgte um 10 Uhr 20 Min. abends. Die beiden Begleitkreuzer Hamburg und Gneisenau haben ohne Unterbrechung ihre Fahrt nach Kiel fortgesetzt. — Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen heute nachmittag 3 Uhr im Hoszuge aus dem Dammtorbahnhos in Hamburg ein, wo zum Empfange Prinz Joachim, Bürgermeister Dr. Burchard mit Gemahlin und der preußische Gesandte Gras v. Götzen mit Gemahlin erschienen waren. Vom Bahnhöfe fuhren die Majestäten nach dem Hörner Rennplätze.
Die „N. A. Ztg." schreibt: Die Presse gibt eine Bemerkung der Zeit am Montag vom 14. Juni d. I. wieder, der zufolge der Vorsitzende deS Gast» und Schankwirtever- bandes für Berlin und die Provinz Brandenburg, Strauß, mit Bezug aus die am 13. April in der Neuen Welt statt, gehabte Mittelstandskundgebung zu Gunsten der Reichrfinanz- rcsorm in einer Versammlung im Charlottenburger Theater, faule behauptet haben soll, der Vorsitzende der Deutschen Mittelstandsvereinigung. Landtagsabgeordneter Rohard, habe von der Regierung 30 000 Mark erhalten, um diese Kundgebung zu inszenieren. Im Anschluß an diese Bemerkung erhebt die Zeit am Montag dagegen Protest, daß die Regierung über das Geld der Steuerzahler zu so wenig lauteren Zwecken verfüge. Eine Verwendung von irgend welchen öffentlichen Mitteln für die Zwecke der MittelstandSkundgebung hat nicht stattgesunden. Die erhobenen Vorwürfe sind also gegenstandslos.
Die Ueberführung deS „Z. 1" nach Metz wird bei einigermaßen günstiger Witterung schon Mitte nächster Woche stattfinden. DaS Wosserstoffgas zur Füllung ist bereits in die Zelthalle gebracht. Die Unterhandlung der Luftschiff» baugeselljchaft mit denjenigen Firmen, die sich am Wettbewerb zur Erbauung eines Luftschiffbahnhofes in Friedrichshasen aus dem Terrain der Gesellschaft beteiligen, haben begonnen. Ein Entwurf der „Guten Hoffnungshütte" in Oberhausen scheint den Ansprüchen der Zweckmäßigkeit am meisten gerecht zu werden. Es handelt sich um eine große runde Halle von 180 Meter Durchmesser und etwa 40 Meter Höhe mit acht verschiebbaren Türen. AlS Platz für die Halle ist der erst kürzlich von der Gesellschaft erworbene 45 Morgen große Riedeler Hos bestimmt.
Anläßlich der bevorstehenden großen Truppenübungen, Märsche und Manöver ist der l ä n d l i ch e n B e v ö l k e r u n g
geschoben, und nun blickte er aus flimmerndes Goldhaar und in ein Paar herzige Braunaugen.
Diese Begegnung stand keineswegs auf dem Programm, da- der Vater mit Hasso durchgesprochen hatte, sie machte ihn einen Augenblick ganz verwirrt, denn welcher Jüngling, der im achtzehnten Jahre steht, bleibt wohl unberührt, wenn ihm plötzlich ein so reizender Backfisch gegenübersteht, der noch dazu für ihn cintritt I
Er stammelte einige Worte de- Danke», die sreilich unge- schickt genug herauSkamen. Aber Ursula fiel da» nicht aus, sie war stolz daraus, den Sohn de- Verfemten unter ihren Schutz genommen zu haben und nickte befriedigt.
Alex hielt eS unter feiner Würde, ein Gespräch zu führen, und die beiden andern waren zu jung und nicht gewandt genug, um eine Unterhaltung anzuknüpfen, wenn sie eS auch beide gern gewollt hätten.
Der Sohn de» HauseS winkte einem Stallburschen, dem jungen MartenS daS Pferd abzunehmen und schritt zur Hau-- tür. Aus der Schwelle blieb er stehen.
»Er zieht hier gewaltig, Ursula, komme lieber mit herein!"
Sie lachte und schüttelte den Lockenkops, ohne sich um dm Vetter zu kümmern, der ärgerlich abziehen mußte.
Nun geschah eS aber, daß der Wind heute wirklich arge Possen trieb. Er zauste in Ursula» langem Lockenhaar und wickelte eine der Strähnen um einen naseweisen Dornenzweig.
Hasso griff zu.
„Ich dars helsen?" bat er ganz glücklich, aber auch ganz schüchtern, und da ihm keine Abwehr wurde, machte er sich gleich anS Werk.
Behutsam, ganz behutsam löste er die seinen Goldfäden au» den Dornen.
Die Arbeit mußte wohl sehr schwierig sein, sie ersorderte Zeit, und beiden war ganz heiß dabei geworden.
„Danke", sagte sie sehr leise, al» da« schwierige Werk vollendet war.
Hasso hätte viel darum gegeben, wenn ihm irgend etwa» Lirbr» oder Gescheite» eingefallen wäre, war er ihr hätte
von der Heererverwaltung insofern ein große- Entgegenkommen bewiesen worden, al« ihnen zum erstenmal in diesem Jahre zum Teil schon jetzt, zum Teil in der nächsten Zeit durch die Zivilbehörden über die Termine unterrichtet werden, an denen die Uebungen stattfinden werden und an welchen Orten sie abgehalten werden sollen. Die Bevölkerung ist dadurch in die angenehme Lage gesetzt, ihre Maßnahmen rechtzeitig zu treffen. Manche kleine Landwirte rechnen mit der Hilfe der im Manöver dienstfreien Leute, die ihre ländlichen Quartierwirte bei der Ernte unterstützen, und, da sie selbst Bauernsöhne sind, auch wirklich eine große Hilfe für den Bauern bedeuten. In Anbetracht der großen Wichtigkeit, welche die Ernte für die Landbevölkerung hat, ist eS für sie sehr wesentlich, schon einige Wochen vorher zu wissen, wann sie aus die Hilfe de» Militärs zu rechnen haben. In diesem Jahre wird die Verteilung der für die Erntearbeiten durch die obersten Militärbehörden be- willigten Mannschaften aus Ansuchen mehrerer Landwirtschast-- kammern nicht mehr direkt an die einzelnen Landwirte ersolgen, sondern durch die LandwirtschastSkammern, die jeden Landwirt nach dem Verhältnis der verfügbaren Kräfte bedenken wird. Die Gesuche sind demgemäß auch an die Landwirtschaftskammern zu richten.
Die großen englischen Manöver sind in vollem Gange, nur erfährt die Oeffentlichkeit vorerst nicht viel hierüber, da die gesamten Operationen in den Schleier des Geheimnisse- gehüllt sind. Die gesamte Manöverflotte zählt 347 Krieg-schiffe und Fahrzeuge, darunter 40 Linienschiffe, 27 Panzerkreuzer und 26 geschützte Kreuzer; die Mannschaft ist ca. 80 000 Köpfe stark. Eingeteilt ist diese Riesenflotte in ein „blaue-", ein „weißeS" und ein „roteS" Geschwader.
Deramerikanische-japanischeZwischensall aus Hawai harrt noch seiner Beilegung. ES sind in Honolulu weitere 19 Japaner unter der Anklage, eine Verschwörung gegen die amerikanische Herrschaft geplant zu haben, vor Ge» richt gestellt worden. Der dortige japanische Arbeiterbund droht mit einem Generalstreik.
Aus Provinz u. Nackbargebiel
* Saatenstand in Preußen Mitte Juni, wenn 2 gut, 3 mittel bedeutet. Winterweizen 3,2 (Mitte Juni 1908: 2,3), Sommerweizen 2,8 (2,6), Winterspelz 2,4 (2,2), Winterroggen 2,9 (2,4), Sommerroggen 3,0 (2,7), Sommer- gerste 2,7 (2,6), Hafer 2,7 (2,5), Erbsen 2,8 (2,7), Acker- bohnen 2,8 (2,6), Wicken 2,9 (2,6), Kartoffeln 2,8 (2,8), Zuckerrüben 2,8 (2,7), Winterraps und -Rübsen 3,5 (2,6), Flachs 2,9 (2,6), Klee 3,5 (2,1), Luzerne 3,3 (2,2), Riesel- wiesen 3,3 (2,1), andere Wiesen 3,7 (2,4). In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz heißt eS: Die auf eine gute Entwicklung der Saaten gesetzte Hoffnung ist im Berichtsmonat nur teilweise in Erfüllung gegangen. Dir allgemeine Witterung war viel zu kühl und die Niederschläge waren nicht überall eindringlich genug. Wegen der widrigen Witterung-verhältnisse des Frühjahrs wurden noch nachträglich Ümpflügungen infolge von Winterschäden notwendig. Ziemlich oft wird über starke Verunkrautung der Sommerung geklagt. Ebenso sollen tierische Schädlinge in Massen Vorkommen. Mäuse sollen im allgemeinen kaum zu bemerken sein. Von Pflanzenkrankheiten werden nur KleekrebS, Meltau und Wurzelbrand angegeben. Der Stand deS Winterweizens wird vorläufig nur in Ost- und Westpreußen sowie in den Regierungsbezirken Straljund, Posen, Schleswig, Lüneburg, Osnabrück, Minden, Trier, Aachen und Sigmaringen alS befriedigend angesehen. Winterspelz hat sich in Sigmaringen, wo er am meisten gebaut wird, gut entwickelt. Der Stand der Winterroggens wird vielsach als dünn bezeichnet, auch soll daS Stroh fast allgemein zu kurz geblieben fein. Hier und da ist der Roggen vor der Blüte zum Lagern gekommen. WinterrapS und -Rübsen sollen derart gelitten haben, daß auf eine allgemeine Besserung jetzt nicht mehr zu rechnen ist. Recht ungünstig lauten die Nachrichten über die Futterpflanzen, deren Ertrag oftmals nicht die Arbeit lohnen soll. . Die Wiesen sehen hier und da wieder wie im April rot und grau aus. Sommerhalm und -Hülsensrüchte haben, ausgenommen Roggen, einen ziemlich zufriedenstellenden Stand, ebenso Flachs. Hackfrüchte sind nicht überall gleichmäßig ausgegangen, Kartoffeln hier und da erfroren und Zuckerrüben durch Aarkäser vrr- nichtet, sodaß Neupflanzungen stattfinden mußten.
* (Herbst-Manöver im Bezirke d eS XI. Armeekorps.) Nach den nunmehr endgiltig sestgefetzten Bestimmungen werden die diesjährigen Herbstübungen der Truppenteile des XI. Armeekorps in solgendem Zeitrahmen abgehalten werden: Das Regiments- und Brigade-Exerzieren der 43. Jnsanterie-Brigade, zu welcher das Hesslfche Infanterie
sagen können, aber eS sehlte ihm noch jede Redegewandheit. Irgend etwas — daS fühlte er — mußte er aber sagen, und so verfiel er denn daraus, die roten Rosen zu bewundern, deren Dornen seine junge Gesährtin gefangen gehalten hatten.
Ursula hörte scheinbar andächtig zu, heimlich aber dachte sie, er ist gewiß sehr, sehr traurig und mag sich'S nicht merken lassen, darum will ich furchtbar gut mit ihm sein. Plötzlich blickte sie seitwärts.
„Da ist der Onkel", rief sie und flog wie ein Pfeil dem Gutsherrn entgegen.
Hasso sah, wie sie sich an seinen Arm hängte und eifrig auf ihn einsprach.
Die beiden kamen jetzt heran. Hasso grüßte stumm und Eschenbron erwiderte leicht den Gruß.
„Sie kommen im Austrage Ihrer Vater«?"
„Ja. ES handelt sich um die Angelegenheit bei Müllers au« Friedental. Ich sollte diesen Papieren die nötigen münb- lichen Erklärungen zufügen."
Eschenbron öffnete die Gla«tür zur Veranda. „So bitte ich, mir in daS Gartenzimmer zu folgen."
(Fortsetzung folgt.)
— Leipzig, 18. Juni. Heute früh wurde wiederum ein Raubanfall verübt. In einem Posamenten- und Schnitt- Warengeschäft versetzte ein Unbekannter, der eine Bluse taufen wollte, der 64jährigen Geschäftrinhaberin plötzlich mit einem Instrument einen Schlag auf den Hinterkopf, sodaß sie be- wußtlo» zu Boden stürzte. Bevor die Frau sich wieder erholt hattte, raubte der Täter die Ladenkasse und entfloh.
— Münster (Wests.), 18. Juni. Heute vormittag 6 Uhr wurde von dem Zug 28 Berlin—Vlifsingen am südlichen Wegübergang bei Bahnhofes Dülmen i. W. ein Fuhrwerk mit 3 Personen, ein Mann und zwei Frauen, infolge offener Wegeschranke übersahren. Die drei Personen sowie da» Pserd wurden getötet, da» Fuhrwerk zertrünimert. Die Namen der Verunglückten konnten noch nicht festgrstellt werden.