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Herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 69. Dienstag, deV 15. Juni 1909.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 9. Juni 1909.

ES ist festgestellt worden, daß die durch meine Versügung vom 7. April d. Js. I. Nr. 3140 KreiSblatt Nr. 43 angeordnete Reinigung der Ueberfahrtskanäle und die an die Wegedurchlässe angrenzenden Vorflutgräben seitens der hierzu Verpflichteten nicht überall stattgesunden hat.

Die Herren Bürgermeister deS Kreise- ersuche ich wiederholt, dafür zu sorgen, daß die Arbeiten nunmehr bis spätestens zum 20. Juni d. JS. ausgeführt werden.

I. 5853. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

Hersseld, den 11. Juni 1909.

Die Ortsschulinspektion über die Schulen zu MengShausen und Niederjossa ist dem Pfarrer von Eiff zu Niederaula durch Verfügung der Königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen vom 5. Juni d. Js., B. n. 3164, übertragen worden.

I. 6450. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

Betr.: Die Abhaltung eines Zuchtviehmarktes in AlSfeld (Oberhessen).

Interessenten, insbesondere auch den Herren Gemeindevor­stehern die Mitteilung, daß der LandwirtschastSkammer-Aus- schuß für Oberhessen für die Zuchtvereine der Kreise Alsseld und Lautcrbach am 14. Juli d. I». in Alsseld wieder einen Zuchtviehmarkt für Simmentaler Rindvieh, Deutsche Edelschweine und Eaaner Ziegen abhalten wird. Ausgetrieben werden nur Tiere, welche in die Herdbücher der Landwirt- schaftSkammer eingetragen sind und von Original- bczw. rein­rassigen Tieren abstammen.

Gemeinden und Zuchtvereinen ist besonders Gelegenheit geboten, vorzügliche Zuchttiere zu erwerben. Der Auftrieb findet am 14. Juli d. Jt. vormittags 8 Uhr auf dem Linden- platz in AlSfeld statt. Marktordnung und Marktverzeichnis sind auf Wunsch vom 5. Juli ab durch den LandwirtschaftS- kammer-AuSschuß in Gießen erhältlich.

Hersseld, den 10. Juni 1909.

J. A. 3807. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Ln nchWBichc Abschnitt her Rtichstnzsstsßnn.

Der Reichstag nimmt an diesem DienStag seine durch die parlamentarische Pfingstpanje unterbrochen gewesenen Ver­

Der Pflicht getreu.

Von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

Wolf setzte sich an seinen Arbeitstisch, stützte den Kops in die Hand und starrte vor sich hin. Dann öffnete er langsam und zögernd einen verschlossenen Kasten, den er auS seinem Schreibtische hervorholte.

Elisabeth", murmelte er, während er die lieblichen Züge deS BildeS betrachtete, daS darin lag.Nun brauchst du es nicht zu erleben, daß sie an dem Schleier deines Geheim­nisse- zerren und ihn herunter reißen wollen! Fürchte nicht-, dein treuester Freund hält auch der Toten fein Wort!"

Die Augen auf da- Bild gerichtet, versank er wieder in tiefer Sinnen. Wie lange daS währte, wußte er selbst nicht.

Er fuhr erst auS seiner Versunkenheit empor, als er hörte, daß jemand in sein Zimmer hinein wollte, und an die ver­schlossene Tür geklopft wurde.

Langsam schloß er den Deckel deS Kastens, stand aus und öffnete die Tür. Anni stand aus der Schwelle, glühend im Eifer ihrer Kochfertigkeit, und glücklich in dem Ge­danken, dem geliebten Manne jetzt etwas Outet vorsetzen zu können.

Wolf, ich habe dir dein Liebling-essen selbst gekocht", berichtete sie lebhaft, aber daS Wort stockte in ihrem Munde, als sie ihre- Manne- Bläffe und den tiefernsten Ausdruck feiner Züge bemerkte.Hast du eine schlechte Nachricht be- kommen?" fragte sie besorgt.

Statt aller Antwort reichte er ihr die Todesanzeige von Elisabeth, Freifrau von Hagenow.

Anni» Augen standen voll Tränen, als sie da- Blatt ge­lesen und nun zu ihrem Manne aussah. Sie wußte nicht recht, war sie sagen sollte.

Wie wie ist bat nur so schnell gekommen?" mur­melte sie.

handlungen nochmals auf, um nun die bereits am 4. November begonnene Tagung ihrem AuSgang zuzuführen. Dieser nachpfingstliche Abschnitt der ReichStagSsession wird selbstverständlich fast völlig im Zeichen der Beratung der Reichsfinanzresorm stehen, denn nachdem die Finanzkommission deS Reichstages ihre viclmonatigen Arbeiten mit der Redi- gicrung ihrer gefaßten Beschlüsse zum vorläufigen Abschlüsse gebracht hat, wird nunmehr daS Plenum Stellung zu den­selben zu nehmen haben. Es naht somit endlich die Ent­scheidung in der ebenso schwierigen und verwickelten wie hoch­bedeutsamen Frage der Neugestaltung der Finanzverhältnisse der Reiches heran, nachdem sie lange Monate hindurch die heftigsten parlamentarischen Kämpfe im Schooße der Finanz­kommission gezeitigt und die seltsamsten Wandlungen durch- gemacht hat. Wie diese Entscheidung ausfallen wird, daS ist sreilich zur Stunde noch immer völlig ungewiß, erst im Ver­laufe der zweiten Plenarlesung der Reichsfinanzresorm wird eS sich zeigen, inwieweit die verbündeten Regierungen für ihre Steuerpläne auf eine Mehrheit im Reichstage zu rechnen haben oder nicht, bis dahin bleibt also die bestehende Krisis in der Schwebe.

Immerhin konnte gerade noch kurz vor dem Wiederbeginne der ReichStagSverhandlungen wenigstens insofern eine Klärung der verzwickten finanzpolitischen Lage verzeichnet werden, als die vergangene Woche in Berlin abgehaltene Finanzministerkonfe- renz bis zu einem gewissen Grade Aufschluß über die steuer- politischen Entschließungen der verbündeten Regierungen gebracht hat. In der erwäbnten Konferenz wurden die vom ReichSfchatzamte auSgearbeiteten neuen Entwürfe betreffs der Erbansallsteuer und der Aenderung deS StempelsteuergefetzeS (Börsensteuer) genehmigt, dagegen die Beschlüsse der konservativ- klerikalen Mehrheit der Finanzkommission hinsichtlich der Besteuerung der Wertpapiere (Kotierungtsteuer) und der ReichSwertzuwachSsteuer auf Immobilien abgelehnt. WaS die sonstigen KommissionSbcschlüsse-Steucrn aus Parfümerien, Zündhölzer, Glübkörper usw. anbelangt, so will da die Regierung die Ansicht deS Reichstag-plenum- abwarten, sie soll aber für alle Fälle auch in dieser Richtung neue Ent­würfe ausgearbeitet haben. Der Reichstag hat sich also in feiner nachpfingstlichen Tagung nicht nur mit der ReichS- finanzreformvorlage in der Fassung der Kommission, sondern auch mit den ganz neuen Steuervorlagen der verbündeten Regierungen zu beschäftigen, womit er auf Wochen hinaus noch überreich mit Arbeit versorgt ist.

Neben der wichtigen Reichsfinanzresorm harren indessen selbst jetzt noch eine ganze Reihe anderer gesetzgeberischer Be- ratung-stoffe ihrer Erledigung seitens der deutschen Volksver­tretung, wie die BeamtenbesoldungSvorlagen, der Gesetzentwurf über die Arbeit-kammern, die hauptsächlich von der Regelung der Rechtsverhältnisse der Werkmeister, Maschinenmeister und Techniker handelnde Novelle zur Gewerbeordnung, die Vorlage über die Hilsskaffen, der Gesetzentwurs zur Abänderung deS MaischbottichsteuergesetzcS, die auS dem Hause beantragten Ge­

Wolf, der aus Fenster getreten war und gedanken­los hinaus geblickt hatte, antwortete, ohne sich umzu- wenden.

Ich sprach unterwegs den Freiherr» von Eschenbron, er erzählte mir, daß seine Nichte sich bei der Pflege ihrer jüngsten Tochter, die am Scharlach erkrankt war, angesteckt habe und nach wenigen Tagen schon der Krankheit erlegen wäre."

Ruhig, fast geschäftsmäßig hatte er das berichtet und fügte kein Wort über seine eigenen Gefühle hinzu.

Aber Anni wußte doch, was er dachte und empfand. Leise war sie an ihn herangetreten und flüsterte:Nun kannst du sie nicht mehr Wiedersehen. Armer, lieber Wolf, wie wirst du traurig sein!"

Er strich mit der Hand über ihr Haar.Kind, jetzt brauchst du dich nicht mehr mit eifersüchtigen Sorgen zu quälen. Da- ist alles vorbei."

Anni schlang die Arme um seinen Hals.Wolf, Wolf", rief sie ungestüm,deine Freude ist meine Freude und dein Kummer, mein Kummer." Da zog er sie fest an sich und küßte sie.

Liebling!"

Mehr sagte er nicht, aber da- Wort klang so warm und innig, daß Frau Anni aus feuchten Augen mit einem strah- lenden Blick zu ihm aussah.--

Das Alltagsleben nahm seinen gewöhnlichen Verlaus in den darauffolgenden Wochen. Daß Wolf jetzt ernster und einsilbiger war als sonst, fand Frau Anni ganz begreiflich und suchte durch allerhand Aufmerksamkeiten ihn zu zer­streuen.

DaS tat ihm wohl. Er dankte eS ihr innig, und mehr als früher trat er jetzt ihr gegenüber in einzelnen Stunden aus seiner meist so verschlossenen Haltung heraus. Doch über die Sorge, die ihn seit jenem Abend im Walde drückte, verlor er kein Wort, trotzdem sich der Fall zuspitzte, als das Verhör von Heller seinen Anfang nahm und dieser feine Drohung wahr machte.

Wenn alte, fast vergessene Geschichten plötzlich autgegraben und von einem ganz eigentümlichen Lichte beleuchtet werden,

setzentwürfe über Ministerverantwortlichkeit und noch andere verschiedene Sachen. Wollte der Reichstag außer der ReichS- finanzreform auch noch über alle diese restierenden Vorlagen definitiv beschließen, so müßte er wohl noch den ganzen Sommer hindurch tagen, was jedoch völlig ausgeschlossen er­scheint. ES dürsten also von den erwähnten weiteren Be- ratungSstoffen nur noch die wichtigsten verabschiedet werden, waS in erster Linie zweifellos von den allerdings sehr dring­lichen BeamtenbesoldungSvorlagen gilt. Die alles andere weit überragende Hauptfrage bleibt indessen natürlich die, wann und wie das Reich-parlament mit der Reichsfinanzresorm fertig werden und ob cS hierbei den Etcuerplänen der Regierung oder aber den Beschlüssen der konservativ-klerikalen Kommission-mehrheit zustimmen wird. Ob vielleicht noch ein Kompromiß zwischen beiden Richtungen zustande kommt, wie optimistische Stimmen andeuten, das muß noch durchaus dahingestellt bleiben. Jedenfalls birgt die nachpfingstliche TagungSperiode deS Reichstages mit der definitiven Beschluß­fassung in Sachen der Reich-finanzreform eine ernste und unter Umständen folgenschwere Entscheidung in sich möge sie zum Heile deS deutschen Volke- und der deutschen Vater­landes auSschlagen!

Das Erdbeben in Südfrankreich.

Die Erschütterungen, von denen am Sonnabend die süd- sranzösische Meeresküste, besonder- Marseille sowie die Rivicra heimgcfucht wurden, stellten sich nach den letzten Meldungen in ihren Folgen leider all bedeutend schwerer heraus, als an- fangS angenommen wurde, Abgeichen von dem gewaltigen materiellen Verlust, der durch das Erdbeben verursacht wurde, ist eine große Anzahl Menschenleben dem Naturereignis zum Opfer gefallen.

Paris, 12. Juni. Heute nachmittag trafen erschütternde Nachrichten über das Erdbeben aus den kleineren Ortschaften im weiteren Umkreise von Aix ein. Die durch ihre Olivenöl- sabrikation bekannte Ortschaft Lambesc hat besonders schwer gelitten. Unter den zwanzig Toten sind Greife und Kinder. Abends vernahmen die nach Rogues gesandten Infanteristen das Lechzen einer Frau, die unter den Trümmern lag. Die Aermste schien schon gerettet, da sperrten abstürzende Schutt- Massen den schmalen Zugang, und die Stimme der Verun­glückten wurde nicht mehr gehött. Fünfzehn Einwohner von Rogues gelten als verloren. Der Unterpräsekt von Aix be­gleitete die Proviantwagen nach den am meisten heimgesuchten Ortschaften. Völlig auf eigene Hilfe angewiesen war da- zehn Kilometer von Aix gelegene Dorf Eguilles, bis gegen 2 Uhr morgens sechs Touristen mit Verbandzeug und stärkenden Ge­tränken erschienen. Die Gesamtzahl der Toten wird nach einer dem Deputierten Baron zugegangenen Depesche auf siebzig beziffert. AuS Avignon wurden Genictrupppen abgesandt,

dann bemächtigen sich ihrer sofort eifrige Zungen, schmücken auS, verschärfen die Schatten und brechen rücksichtSl»- den Stab über Menschen, denen sie sonst bereit waren Achtung und An­sehen zu zollen.

Diese bittere Lebenserfahrung sollte jetzt der Gutsherr von Raufchebach machen.

Bei einer Kreistag-sitzung fiel ihm die teils verlegene, teils kühle Haltung der Nachbarn ihm gegenüber aus. Mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, hatte er nicht gleich da­raus geachtet, aber als er e- ersaßte, war sein scheuer Stolz geweckt, und er sagte sich, daß diese Zurückhaltung wohl nicht einem Zufälle zuzuschreiben fei, fondern vielleicht Ge­rüchten, die durch die Gerichtsverhandlungen in Umlauf gesetzt waren.

Herr Gott, es war doch nicht möglich, daß auch nur einer dieser Herren den geringsten Zweifel an der Lauterkeit feiner Handlungen auskommen ließ I

Das Blut stieg ihm glühend heiß in die Schläfen, und er war kaum noch imstande, den weiteren Verhandlungen der Sitzung aufmerksam zu folgen.

Die Herren pflegten an solchem Kreistage nachher gemein­sam in dem Gasthause zur Krone daS Mittagessen einzu- nehmen. Mariens war einer der letzten, der in dem Speise- saal erschien, wo die übrigen Herren sich bereit- versammelt hatten.

Schon vom Flur auS hörte er, daß eine äußerst lebhafte Unterhaltung im Gange war, die aber bei seinem Eintritt wie auf Verabredung Verstummte. Jeder der Anwesenden war aus einmal nur damit beschäftigt, sich einen Platz an der Mittag-- tasel zu sichern.

Es scheint, daß meine Gegenwart störend auf Ihr Ge­spräch wirkt", klang Märten- Stimme scharf in die augenblick­liche Stille hinein.

Einer der jüngeren Herren, der erst kurze Zeit in der Gegend ansässig war und gern daS Wort führte, antwortete in nachlässigem Tone:Allerdings war die Unterhaltung sehr privater Natur und nur für unseren engsten KreiS be­rechnet."

Von dem Sie mich auSzuschließen wünschen", ergänzte Wolf