— Göttingen, 8. Juni. Im laufenden Sommersemester wird die hiesige Universität von 2322 Studierenden und Hörern besucht, gegen 2094 im vergangenen Wintersemester.
— Liegnitz, 10. Juni. Dem hiesigen Tageblatt zu- solge begegnete gestern aus der Voraussahrt zur Prinz Heinrich- Fahrt dar Automobil deS Grasen Arnim-Blumberg dem Ge- sährt der StellenbesitzerS Püschel aus JngramSdors in der Nähe der Lübbener Stadtwalder. Die Pserde Püschelt scheuten, wobei Püschel unter den Wagen geriet und so schwere Verletzungen davontrug, daß er bald daraus starb.
— Ein tragischer Vorkommnis hat sich in Rudienen ereignet. Am zweiten Pfingstseiertag wollte der Besitzer Endrejautzki seine Hochzeit feiern. Am Vorabend beschäftigten sich der Bräutigam und andere junge Leute mit einem Revolver. Hierdurch beunruhigt, wollte die Braut die Waffe fortnehmen. Noch ehe sie daraus aufmerksam gemacht werden konnte, daß die Waffe geladen war, löste sich der gespannte Hahn. Der Schuß ging los und durchbohrte die Brust der Braut. Die Aermste starb nach wenigen Minuten.
— Eine originelleReklame wandte ein pfiffiger Tierbändiger in Düsseldorf an. Er setzte seinen Löwen in ein Automobil und fuhr dann mit der Bestie in den Straßen der Stadt spazieren. Dem Löwen soll die Fahrt viel Spaß gemacht haben, dem Publikum auch, dem Tierbändiger aber nicht, denn er erhielt ein gepfeffertes Strafmandat.
— Eine aufregende Szene hat sich nach einer Meldung der „Z. a. M." aus Buffalo dort am Montag in Gegenwart einer zahlreichen Menschenmenge abgespielt. Die Gattin eines gewissen LouiS Cohen stürzte sich in Gegenwart ihres ManneS und ihrer drei Kinder in den Niagarafluß, etwa eine Meile vor den Niagarasällen. Der Gatte sprang der Selbstmörderin nach und es gelang ihm, seine Frau zu ersassen. Eine Stunde lang hielt er sich über Wasser, indem er sich mit der einen Hand krampfhaft an einem schwimmenden Baumstamm klammerte und mit der anderen den Kops seiner Frau über Wasser hielt. Dann verließen ihn die Kräfte und eS gelang ihm nur noch, den ihm zugeworsenen Strick zu ergreifen, aber seine Frau mußte er loslassen. Er wurde halbtot anS Ufer gezogen. Eine halbe Stunde später warfen die Niagarasälle die Leiche der Ertrunkenen an- User.
— (Eine einträgliche Sinekure.) DaS Schatzamt der Vereinigten Staaten von Amerika zählt unter seinen Angestellten einen Beamten, über dessen Namen und Leben sich der Schleier des Geheimnisse- breitet. Nur das eine weiß man, daß der Mann ein JahreSgehalt von 184 000 Mark bezieht. Und zwar erhält er dieses fürstliche Honorar für eine Tätigkeit, die ihn im Jahre nur etwa vierzehn Tage in Anspruch nimmt, wobei überdies zu bemerken ist, daß die eigentliche Arbeit von einem Personal vertrauenswürdiger Hilfskräfte geleistet wird, das seiner Oberaussicht untersteht. Es handelt sich bei dem Inhaber der beneidenswerten Position um den glücklichen Besitzer des Geheimrezepts für die beim Druck der Banknoten verwendete Schwärze, das er von dem Erfinder geerbt hat. Er waltet seines Amtes hinter den verschlossenen Türen seines Laboratoriums, in dessen stiller Ab- geschiedenheit er die Farbmasse zusammenbraut, um nach getaner Arbeit sofort alle bei der Arbeit benutzten Tiegel und Gläser sorgsam zu vernichten. Die Entwertung seiner Schwarzkunst hat der Mann um so weniger zu fürchten, als es der chemischen Analyse bisher noch nicht gelungen ist, durch Feststellung der Bestandteile der Farbmasse daS Fabrikationsgeheimnis auszuklären.
— Tischnowitz in Mähren, 8. Juni. Durch ein mit wolkenbruchartigem Regen verbundener Gewitter sind in der hiesigen Gegend die Saaten vollständig vernichtet. Der Schaden wird aus eine Million Kronen geschätzt.
— (Ein Drama im Schlachthaus.) Ueber da- bereits kurz erwähnte Drama wird aus New-Dork der näheren berichtet: Ein gräßlicher Vorgang hat sich am Sonnabend im Schlachthause von Chicago abgespielt. Es war kurz nach der Mittagspause. Der Schlächtergeselle John Murphy war an seiner gewohnten Arbeit, Schweine abzustechen, als er Plötzlich mit einem wilden Schrei von seinem Platze aufsprang, sich auf Dr. HayeS stürzte und ihn mit drei Stichen mit dem großen Schlachtmesser blutüberströmt zu Boden warf. Im ArbeitSsaal brach,eine Panik aus, man erkannte, daß Murphy plötzlich wahnsinnig geworden war, und alles stürzte zu den Ausgängen. Aber der geistesgestörte Schlächter war schneller. Er sprang in die Menge, und recht- und links tauchte er sein Messer in raschen Stößen in die Körper der Flüchtlinge. Jeder, den er traf, fiel sterbend zu Boden. Die Menge eilte die Treppe herab, gefolgt von dem Wahnsinnigen. Ein Arbeiter packte eine Eisenbarre und schlug sie Murphy aus den Kops; der Wahnsinnige stürzte nieder, sprang aber sofort wieder auf und streckte mit seinem spitzen scharfen Messer noch zwei Männer nieder, ehe es gelang, ihn zu überwältigen. Die wütenden Kameraden mißhandelten den Geistesgestörten anss grausamste, bis die Polizei endlich sein Leben schützte. Er wurde gefesselt und aus die Polizeiwache gebracht. Murphy war einer der stärksten und größten Männer im Schlachthause. Als er überwältigt wurde, lagen fünf Arbeiter tot in ihrem Blute, und vier andere wurden sterbend ins Krankenhaus gebracht. Wie durch ein Wunder entging ein Tierarzt dem gleichen Schicksal. Mit gezücktem Messer stürzte der Wahnsinnige auf ihn zu. Aber der Tierarzt, der sich eingehend mit Hypnose beschäftigt hatte, erhob mit gebieterischer Bewegung seine Hand und starrte dem Wahnsinnigen mit festem Blick in die Augen. Murphy blieb stehen, lüftete dann grüßend seine Mütze und rief freundlich lächelnd: „Hallo, Doktor!"
Dann wandte er sich um und stürzte sich mit dem Messer aus die anderen Flüchtlinge.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 11. Juni. Beim Einbringen des Militärlustschiffes Parseval 2 von der gestrigen einstündigen UcbungS- fahrt bei etwa sechs Meter Nordwind, ereignete sich ein Zwischenfall. Der Lustkreuzer wurde plötzlich durch einen scharfen Windstoß in die Höhe gehoben, weil ein Teil der Mannschaft ihn nicht fest genug hielt, sodaß 15 Mann 15—20 Meter hoch in der Lufi schwebten. Glücklicherweise ließ der Wind nach und daS Luftschiff konnte wieder herabgezogen werden.
Berlin, 11. Juni. Fürst Eulenburg wird nach seinem Eintreffen in Berlin heute früh wahrscheinlich in seiner Wohnung in der Kaiserin Augustastraße absteigen und sich zunächst zur Verfügung der Staatsanwaltschaft halten, von deren Ent- scheidung eS abhängt, ob der Fürst nach Schloß Liebenberg zurückkehrt, oder in Berlin seinem neuen Prozeß entgegensieht.
Berlin, 11. Juni. Die Beratung der Finanzminister der Bundesstaaten dauerte gestern mit einer Z^stündigen Mittagspause von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Den Entwürsen einer Erbansallsteuer sowie einer Aenderung des StempelsteuergesetzeS wurde zugestimmt, dagegen die Reichswertzuwachssteuer und die Kotierungssteuer abgelehnt. Ueber die Einzelheiten wird Stillschweigen beobachtet. Die Borlagen gehen am Montag dem Reichstag zu.
Berlin, 11. Juni. Ueber die unbedingte Notwendig- feit der Entlastung deS Kultusministerium- ist maßgebender- seit« wiederholt beraten worden. Die Mehrheit der Stimmen hat sich in dem Sinne ausgesprochen, daß ein neuer Unter* staatSsekretärposten geschaffen werden soll unter gleichzeitiger Uebertragung eine- Teils der Entscheidungen, die gegenwärtig dem Kultusminister als der letzten Instanz obliegen, an die Ober- und Regierungspräsidenten.
P o r t S m o u t h, 10. Juni. Beim Absuchen des Unterseebootes „A 4" nach einem Leck ereignete sich eine Explosion, durch die ein Offizier und drei Mann verletzt wurden. ___
Messina, 10. Juni. Heute nachmittag bald nach 5 Uhr ereigneten sich mehrere wellenförmige Erdstöße, durch die einige schon rissige Mauern zum Einsturz gebracht wurden. Die Bevölkerung verließ in großer Unruhe die Baracken.
I e k a t e r i n o d a r, 10. Juni. In vergangener Nacht gegen 1 Uhr wurde in der Stadt Maikop (Kaukasien) und Umgegend ein 15 Sekunden anhaltendes Erdbeben verspürt.
Montreal, 10. Juni. Ein Großfeuer wütet in der Stadt Quebec. Der Schaden beträgt eine halbe Million Dollars. Viele Soldaten und Feuerwehrleute wurden verletzt.
Saloniki, 10. Juni. Das Gerücht von einem Versuch, Abdul Hamid zu entführen, wird vom KorpSkommandanten und allen anderen maßgebenden Stellen als unbegründet bezeichnet. ______________
Konstantinopel, 10. Juni. Der persische Botschafter hat heute bei der Psorte einen Schritt wegen Zurückziehung der türkischen Truppen unternommen. Der Großwesir erklärte, die türkischen Truppen würden aus Urmia sich zurückzichen, sobald die Lage sich gebessert habe. Die Pforte habe nicht die Absicht, persische« Territorium zu besetzen.
Standesamtsbezirk Hersseld.
Monat Mai 1909.
Eheschließungen.
Am 8. Ernst Schmid, Monteur mit Amanda Charlotte Luise Siering. Karl Konrad Bauer, Landbriesträger mit Katharina Schütrumpf. — 15. Johannes Wilhelm Winter, Stadtkassengehülfe mit Marie Helene Auguste Bätz. — 22. Christian Heinrich Balsam, Kanzleigehülfe bei dem Königlichen Polizeipräsidium zu Frankfurt a/M., mit Anna Katharina Elisabeth Sunkel von hier. — 23. August Wilhelm Valentin Otto Lettow, Metzgermeister mit Elisabeth Mathilde Leister. — 26. Valentin Heinrich Karl Seelig, Klempnermeister mit Justine Wilhelmine Apel. — 29. Augustinus Koempel, Fabrikarbeiter mit der Fabrikarbeiterin Georgine Hetz.
Geburten.
Am 1. Heinrich, S. deS Tuchwebers August Nordmann. — 2. Kaspar Peter, S. des Ziegeleiarbeiters Johannes Friedrich Bickel. — 3. Minna Toni, T. des Polizeisergeanten KarlFriedrich Wilhelm Bürkle. — 5. Johann Friedrich Emanuel, S. des Fabrikarbeiters Konrad Jckler zu Allmershausen. — 6. Johannes Adam, S. des Gastwirts Friedrich Adam Emil Wolfs. — 10. Johann Heinrich, S des Schuhmachermeisters Johannes Friedrich Schmidt. — 11. Johanna Anna Dorothea, T. des Fabrikarbeiters Julius Wil. Helm Gustav Hampe. Anna Martha Katharina, T. des Güter
bodenarbeiters Johannes Schäfer. — 12. Heinrich, S. des Zimmermanns Otto Schütrumpf. — 14. Friedrich Ludwig, S. des Landwirts Peter Krause zu KalkobeS. — 15. Gustav Albert, S. des Händlers Andreas Rüster. — 16. Margarets, T. des Fabrikarbeiters Heinrich Wilhelm Schott. Christoph, S. des Fabrik- arbeiters Johann Philipp Roßbach. — 18. Johann Martin, S. Fabrikarbeiters Georg Kromm. — 19. Johann Heinrich, S. deS Fabrikarbeiters Heinrich Wilhelm Bickel zu Heenes. Anna Martha, T. des Arbeiters Martin Mönch. — 22. Ein Sohn des Bezirksfeldwebels Karl Wilhelm Ernst Schmidt. — 23. Heinz, S. des Telegraphensekretärs Karl August Zimmermann. — 26. Franz Karl Konrad, S. deS Fabrikarbeiters Konrad Zien. — 27. Jda Luise Ilse, T. des Fabrikanten August Wilhelm Richard Wever. Else, T. deS Eisenbahn-Hülfsschaffners Heinrich Marquardt.
Sterbefälle
Am 6. Heinrich ClausiuS, Maurer aus Asbach, 20 Jahre alt. Konrad Jakob Viktor Hüter Landwirt, 51 Jahre alt. Heinrich Wetzel aus Tann, 1 Jahr alt. — 7. Friedrich Ludwig Sunrheim, Königlicher Notar und Rechtsanwalt, 47 Jahre alt. — 11. JustuS Pfafs, 2 Monate alt. — 12. Elisabeth Resch, 6 Jahre alt. — 13. Heinrich Schmidt aus KerSpenhausen, 8 Jahre alt. — 14. Heinrich Ludwig Anton Kemmler, 5 Jahre alt. Hermann Sekundus Reinhart, Königlicher Landmesser, 53 Jahre alt. Ein .Knabe totgeboren. — 15. Anna Margareta Biel, Witwe geborene Schneider, 79 Jahre alt. — 16. Felrr Richard Wagner aus Buchenau, 6 Jahre alt. — 17. Marie Elise Heller ledig, 86 Jahre alt. Anna Jda Brandau, 5 Jahre alt. — 21. Heinrich Wetzel aus Tann, 13 Jahre alt. — 23. Ein Sohn des Bezirksfeldwebels Karl Wilhelm Ernst Schmidt, ohne Vorname, 4 Stunden alt. — 24. Maria Hedwig Kemmler, 1 Jahr alt. — 26. Karl Drude Spediteur, 62 Jahre alt. — 27. Christian Fuchs, Invalide aus Kirchheim, 67 Jahre alt.
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 13. Juni.
Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Schröder.
Vormittags V2II Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.) Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Feyerabend.
Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst zu Petersberg.
O öffentlicher Wetterdienst.
Dienststelle Weilburg (Landwirtfchastsfchule).
Wetterausfichten für Sonnabend, den 12. Juni:
Vorwiegend trübe, kühl, Regenfälle.
Hier;» eine Beilage, sowie Nr. 22 des „Illustrierten Sonntagsblattes" und Nr. 11 der „Illustrierten Landwirt schaftichen Beilage."
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