tungSmittel entschieden ablehnen müsse, weil er hierdurch eine schwere Schädigung beS gesamten Handwerks bezw. speziell derjenigen HandwerkSzweige befürchten müsse, bei denen die Installation von Lichtanlagen bezw. der Vertrieb von Beleuch- tungSkörpern einen großen Teil ihre« Gewerbebetriebe- auS- macht. Der geschäst-führende Ausschuß deS Deutschen Handwerks- und GewerbekammertageS hatte deswegen mit besonderer Freude begrüßt, daß die Finanzkommission den Regierung-» entwurf am 20. März dS. J-. ablehnte. Er bedauert jetzt auf da- Lebhafteste, daß in Gestalt der Glühkörpersteuer ein Teil der abgelehnten Entwurfes wieder ausgegriffen ist, ohne daß die schweren Bedenken, die Industrie und Handwerk gegen eine Besteuerung der BeleuchtungSmittel einmütig geltend gemacht haben, beachtet worden sind. Der AuSschuß spricht die bestimmte Erwartung aus, daß das Plenum der Reichstag- dem aus Einführung einer Glühkörpersteuer abzielenden Vorschlag der Finanzkommission die Zustimmung versagen wird."
Der Bericht über die Tätigkeit der Reich-kommission für da- Auswanderungswesen während des JahreS 1908 ist vor kurzem dem Reichstage zugegangen. Im Jahre 1908 wanderten aus über Bremen 74 626 Personen, darunter 10122 Deutsche. Gegen da- Vorjahr ist eine Abnahme von 169 387 Personen zu verzeichnen. Die überseeische Auswanderung über Hamburg bezifferte sich im ganzen 1908 auf 48 595 Personen, in welcher Zahl 28 056 KajütSreisende sowie 2227 Deutsche, die nach Kolonien gingen, nicht einbegriffen sind. Der „Norddeutsche Lloyd" beförderte die größte Anzahl der über Bremen Auswandernden. Die Auswanderer stammten meistens au- slawischen Ländern. Der Hauptstrom der Auswanderer hatte die Vereinigten Staaten von Nordamerika zum Ziele. Die Rückwanderung über Hamburg war 1908 gegen das Vorjahr eine sehr starke. Der im Sommer 1907 einsetzende Konjunkturrückgang und die wirtschaftliche schlechte Lage der überseeischen Länder hatte diese starke Rück- Wanderung gezeitigt.
An diesem Sonnabend tritt auch die F i n a n z k o m - mission des Reichstages wieder zusammen, um ihre Beratungen zum Abschluß zu bringen. Es verlautete, daß zu diesen nachpfingstlichen Kommission-verhandlungen auch die liberalen Mitglieder der Kommission, welche bekanntlich vor Pfingsten wegen geschäft-ordnung-widriger Behandlung der ReichSfinanzreform sciten- der konservativ-klerikalen Mehrheit au-geschiedkn waren, wieder erscheinen wollten. Der Bericht der Finanzkommission soll am 14. Juni zur Verteilung an die ReichStagSabgeordneten kommen, am 16. Juni beginnt dann die zweite Plenarlesung der ReichSfinanzreform, wobei man einer großen finanzpolitischen Programmrede deS Reichskanzler- entgegensieht.
Ueber die Entwickelung des am 1. Januar in Kraft getretenen PostüberweisungS- undEcheckverkehrS gibt der nunmehr vorliegende Abschluß über da- erste Vierteljahr Autkunst. An Gutschriften sind rund 508 Millionen, an Lastschriften rund 477,8 Millionen gebucht. Inzwischen hat der Gesamtumsatz bereits eine halbe Milliarde erheblich überschritten. Auf Au-zahlung durch die Postanstalten kamen rund 142 Millionen, auf Übertragung aus andere Postscheckkonten 196,6 Millionen. Gell Februar sind diese Auszahlungen nicht sämtlich Barzahlungen, da ein großer Teil durch (rote) EcheckS aus die Reichsbank ausgeglichen wird. Da» Gesamtguthaben der Konteninhaber betrug am 1. April 30166 360 Mk., der Zugang im März 4,2 Millionen. Die Zahl der Konteninhaber bei den Postämtern belies sich aus 23 768; die meisten Konten haben Berlin, Cöln, Leipzig mit je über 4000; die geringste Zahl, mit- 980, hat Danzig.
Die voraussichtlich in kommender Woche stattfindende neueste Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren Nikolau« in den russischen Ostseegewässern hat namentlich in der Londoner und Pariser Presse eine förmliche Hochflut von mehr oder minder gewagten Vermutungen über diese Kaiserentrevue auSgelöst. Nunmehr wendet sich die vom Berliner Auswärtigen Amte auS inspirierte „Eüdd. ReichS» korresp." gegen diese Mutmaßungen der ausländischen Presse, indem sie versichett, nach ihrer Kenntnis seien bei der Zusammenkunft der beiden Kaiser keinerlei politische Abmachungen geplant; zugleich weist die Korrespondenz gewisse Verdächtigungen der deutschen Politik feiten- der Pariser und Londoner Blätter als unbegründet zurück. Zuletzt wird versichett, daß die bestehenden internationalen Verbindlichkeiten Rußland nicht hindern könnten, mit dm beiden anderen Kaisermächten gute Nachbarschaft zu halten, in welcher Richtung von der Aussprache Kaiser Wilhelm- mit Kaiser Nikolaus klärende Wir- hingen zu erhoffen seien.
Nach einer Depesche deS GeneralgouverneurS von West- afrika wurde in Mauretanien in der Nähe von Mudjeria eine unter Führung eines HauptmannS stehende Truppenab- teilung von Mauren angegriffen. Aus feiten der Mauren fielen zehn, aus feiten der Franzosen drei Mann. Die An- greiser wurden in die Flucht geschlagen.
Der englische Staatssekretär des AuS- w ä r t i g e n, G r e y, hielt auf dem Pressekongreß eine Rede, in der er die Ausrechterhaltung der Flottmstandards alS die wichttgste Frage nicht nur für die Engländer in der Heimat, sondern auch für alle überseeischen Besitzungen mit Selbstverwaltung bezeichnete. Seine ganze Politik gehe dahin, daS Reich zu konsolidieren und zu entwickeln und Streitigkeiten mit anderm Nationen soviel wie möglich zu vermeiden. Die Preffe könne viel zur Förderung dieser Bestrebungen, das Reich zu stärken und ihm dm Frieden zu erhalten, beitragen. Er wollte auf den Ernst der kürzlich von Lord Rosebery gehaltenen Rede hinweisen, von der er jedes Wort unterschreibe.
Ueber die Reisepläne de- Kaiser- Nikolau» Bleibet die Petersburger Telegraphen-Agentur: In dem be- ginnenben Sommer steht eine ganze Reihe von Begegnungen des Kaiser- von Rußland mit fremden Monarchen bevor. In biefen Tagen findet die schon früher beabsichtigte Begeg- nung mit dem Deutschen Kaiser statt, der nun seine Bereitwilligkeit auSgedrückt hat, der Einladung deS Kaisers Nikolaus Folge zu leisten und ihn um die Mitte Juni während deS Aufenthaltes der Majestäten in den finnischen Schären zu besuchen. An da» Zusammentreffen mit Kaiser Wilhelm schließt sich die Erwiderung der Besuche- de» KönigS von Schweden. Ende Juli oder Anfang August steht die Erwiderung de» Besuche- des Präsidenten der Französischen Republik und der KönigS von England bevor. Etwa» später reist der Kaiser nach Italien zur Erwiderung deS Besuche« des KönigS Viktor Emanuel. Der genaue Zeitpunkt der letzten Begegnung ist endgültig noch nicht bestimmt.
Zu der neuausgerollten Kretasrage wird gemeldet, daß zwischen dm vier Schutzmächten Krtta» Verhandlungen behufs Vertagung der Entscheidung über die weitere Zukunft nWte Jahr schweben. Trotzdem trifft man türkljcherseuS gewisse Vorsichtsmaßregeln, um sich von dm Er- eigniffen nicht überraschen zu lassen. Hierzu gehört die schleu- nige Zurückberusung der au« der europäischen Türkei nach Kleinasien gesandten Truppen, sowie die angeorbnete Instand
setzung aller von der inneren Türkei nach der griechischen Grenze hinführenden MilitSrstraßcn. Zugleich erklärt man in den leitenden jungtürkischen Kreisen, daß die Türkei niemals in eine Abtrennung KretaS vom O-manenreiche einwilligen, sondern ihren kretischen Besitz eventuell mit Waffengewalt verteidigen würde. — Im Vilajet Adana sollten infolge deS scharfen Bor- gehen« der Behörden gegen die Rädelsführer bei der jüngsten christenfeindlichen Bewegung neue Massakers unter der armenischen Bevölkerung ftattgefunben haben. Diese Gerüchte werden jetzt in einer Meldung auS Konstantinopel alt unbegründet oder doch als mindesten« stark übertrieben bezeichnet. — Das neue jungtürkische Regime stößt noch überall aus Schwierigkeiten. Hierzu scheint auch der Untergang bei TruppentranSportdampferS „Mueschten" an der arabischen Küste, wobei mehrere hundert tückische Soldaten den Wellentod fanden, gerechnet werden zu müssen. Denn es verlautet, daß diese Schiffskatastrophe auf den Fanatismus eines an Bord deS „Mueschten" befindlichen arabischen Scheik zurückzuführen sei, welcher die Verstärkung der türkischen Gamison in Arabien verhindern wollte.
Mt Provinz u. Dachbargebiet
§ Hersfeld, 11. Juni. (Warnung vordemBe - zuge Mehltau kranker Stachelbeersträucher.) Der erst vor wenigen Jahren in Deutschland eingeschleppte amerikanische Stachelbeermehltau (Sphaerotheca mors uvae) breitet sich im Reichsgebiet von Osten her mit großer Schnelligkeit weiter aus. DaS gesamte Gebiet östlich der Elbe ist bereits mehr oder weniger stark verseucht und auch auS den übrigen Teilen deS Reiches bi» zur West- und Südgrenze ist eine größere Anzahl von Fundorten deS amerikanischen StachelbeermehltaucS bekannt geworden. Eine genauere Beschreibung der Krankheit gibt daS von der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft in Dahlem bei Steglitz herausgegebene und dort kostenlos erhältliche, Flugblatt Nr. 35. Sie befällt nicht nur die Stachelbeere sondern auch andere Arten der Gattung Ribes, die Johannir- beere und die als Ziersträucher gezogenen Arten. Die Krank- heit wird namentlich durch den Versand und Bezug befallener Pflanzen verschleppt. Deshalb wird allen Gartenbesitzern und Obstzüchtern beim Bezug von Stachel- und Johannisbeer- sowie anderen RibeS-Pflanzen in ihrem eigenen und im öffentlichen Interesse äußerste Vorsicht empfohlen. Man kauft nicht, ohne vom Lieferanten Gewähr dafür zu verlangen, daß feine Anlagen frei von der Krankheit sind. Die Verkäufer seien nachdrücklich auf daS Unrecht hingewiesen, daS sie be- gehen, und auf die Gefahr, die sie laufen, wenn sie verseuchte Sträucher verkaufen.
p Hersfeld, 11. Juni. (Fußschweiß.) Eine der lästigsten Erscheinungen, die besonders an wärmeren Tagen ganz wesentlich die Freude an Spaziergängen und größeren Touren, welche beide eine so unbedingte Notwendigkeit für die Gesunderhaltung sind, stören können, ist daS übermäßige Schwitzen der Füße. Es handelt sich hierbei im allgemeinen um eine Schwäche der Haut, welche durch verständiges Verhalten mindestens verringert, häufig sogar gänzlich beseitigt werden kann, und zwar ist keine Jahreszeit dafür so günstig, wie die warme; denn in erster Linie kommt e« bei Bekämpsung deS Fußschweißes daraus an, die Haut wieder an die Außen- luft zu gewöhnen und den Fuß möglichst unbeengt durch über den Knöchel abschließendes Schuhwerk zu lassen. Daher empfiehlt eS sich sowohl für Persönlichkeiten, die an schweißigen Füßen leiden, alS auch für äst anderen, zur Kräftigung ihrer Fußhaut möglichst häufig die Füße bloß zu tragen und zum Gehen höchstens arabische Sandalen zu benutzen, welche eine Fußplatte zum Schutze der Fußsohle gegen scharfe Gegenstände haben, sonst aber Zehen und Fußrücken mit Ausnahme des ledernen Befestigung-streifens vollkommen unbedeckt lassen. Auch außerhalb deS Hauses oder heimischen Garten» solcher Fußbekleidung sich zu bedienen, ist keineSweg- notwendig, und eS genügt vollkommen, wenn der Fuß täglich 3—4 Stunden im Hause der Luft direkt wieder zugänglich gemacht wird. Freilich, in der Zwischenzeit soll nicht ein Schuh getragen werben, der die Blutzirkulation der Haut unterbricht, sondern dieselbe muß Sommer und Winter frei und ungehindert gelassen werben, und ebenso soll auch nicht ein dicker, brühender Strumpf, sondern allein ein dünner, weicher, der Jahreszeit entsprechender gewählt sein. Wenn man sich im Sommer an das Gehen mit bloßen Füßen gewöhnt hat, soll man e« im Winter bei genügender Zimmertemperatur fortsetzen, und diese Luftbäder in Verbindung mit täglichen Fußbädern, die warm sein sollen, aber mit einer kalten Uebergießung der Füße schließen müssen, werden zweifellos bei genügender Konsequenz den gewünschten Erfolg haben und die übermäßige Schweiß- absonderung der Füße beschränken.
):( Hersfeld, 11. Juni. Ein stellenloser Dienstknecht von Niederaula, welcher bei einem hiesigen Landwirt um Ar- beit anfragte, entwendete daselbst eine im Stalle hängende Taschenuhr, und versetzte dieselbe in der Stadt. Den Polizei- lichcn Ermittlungen gelang eS noch gestern den Namen beS Diebes sestzustellen und die Uhr wieder herbeizuschaffen. Der Dienstknecht konnte heute morgen kurz vor Unterhaun fefi- genommen werden, nachdem er die Nacht in einer Feldscheune zugebracht hatte.
Rotenburg, 10. Juni. Ein hiesiger Briefträger ließ vorgestern abend sein junges Pferd im Garten weiden, während er selbst auf einem Ackerstück nebenan arbeitete. DaS junge Tier fing aus Mutwillen plötzlich an auSzuschlagen und traf da» 4jährige Kind deS Briefträgers an Stirn und Leib. Dabei hat das arme Kind so schwere innere Verletzungen erhalten, daß für sein Leben gefürchtet wird. ES wurde in da« Rote Kreuz nach Cafsel überführt.
Cafsel, 9. Juni. Die Spitzen der Militär- und Zivil- behördcn, Magistrat und Stadtverordnete, Gelehrte, Künstler, Ehrengäste und Abgeordnete hessischer Städte, im ganzen gegen 400 Personen, wohnten heute hier der Einweihung beS Rat- Hause- bei. Oberbürgermeister Müller hielt die Festrede. Er gab sodann einen geschichtlichen Rückblick über die Entwickelung der Stadt, dankte allen, die zur Vollendung de- Baue» beigetragen haben, und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Oberpräsident v. Trott zu Solz nahm als Vertreter der Staat-regierung an dem feierlichen Akt teil. Da- Rathauist nach dem Entwurf bei Architekten Karl Roth (Darmstadt) mit einem Kostenaufwande von drei Millionm Mk. erbaut.
Aus dem Kreise Marburg, 8. Juni. Wie im vorigen Jahre, so richtet auch in diesem Jahre der Eichen- spinnn obst Eichenwickler in den Eichenwaldungen Zerstörungen an. Die Bäume stehen völlig kahl und entlaubt, wie mitten im Winter, da.
Stadtlengsfeld, 7. Juni. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich hier ereignet. Der Werkmeister der hiesigen Porzellansabrik hatte sein geladene- Gewehr ungesichert an einen leicht erreichbaren Platz gestellt. Die Kinder spielten mit dem Gewehr und ein kleiner Junge schoß seinem
älteren Brüderchen eine Kugel in den Unterleib. Der Knabe liegt schwer verletzt darnieder. Die Kugel konnte noch nicht entfernt werden.
Frankfurt a. M., 9. Juni. Auf dem „Jla"-Gelände ist wieder ein schwerer Unfall passiert. Der Bau bei Luft- schiffpanorama- war soweit gefördert, daß gestern die Dachbinder angebracht werden sollten. Die überaus schwierige Montage war beinahe vollendet, als Plötzlich da« Bündcgerüst mit der eisernen Dachkrone zusammenstürzte. Der Zimmermann Hessel aus GrieSheim wurde mit in die Tiefe gerissen, wobei er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt.
Homburg, 5. Juni. Da- hiesige Schöffengericht verurteilte in seiner letzten Sitzung einen 15jährigen Jungen auS Mühlbach zu einer Geldstrafe von 60 Mark eventuell 20 Tagen Gefängnir. Derselbe hatte am Charfreitag durch An- zünden dürren Grajek, welche- am Walde-rand stand, einen bedeutenden Waldbrand zwischen Mühlbach und EllingShausen verursacht, wodurch ein großer Schaden entstand. DaS Gericht hielt im Hinblick auf die Unsitte deS leichtsinnigen Feuer- anzünden- im Freien eine exemplarische Strafe für geboten.
Gifhorn, 9. Juni. Dem großen Waldbrand, der Anfang diese- Monat- in den Kreisen Gifhorn und Jsenhagen wütete, sind 8000 Morgen zum Teil fitkalischen Walde» zum Opfer gefallen. Der Schaden wird auf zwei Millionen Mark ge» schätzt. Für die geschädigten Gemeinden und kleinen Besitzer wird Staatshilfe verlangt werden.
Battenberg, 9. Juni. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern auf der Kreisstraße in der Richtung nach Schwarzenau. Da» auf der Straße spielende 5 Jahre alte Söhnchen des Landwirt- Jmhos wurde von einem Lastfuhrwerk überfahren und auf der Stelle getötet.
Caffel, 10. Juni. In der Frankfurter Straße in Nieder- zwehren wurde Mittwoch abend gegen 7 Uhr ein etwa dreijährige» Mädchen von einem belabenen zweispännigen Mehl- Wagen überfahren. Die Räder gingen dem Kind, da» neben dem Wagen einhergeschritten, aber auSgeglitten war, über den Kopf. Der Tod trat de»halb auf der Stelle ein.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
In der am 9. Juni beendeten BerichtSwoche haben die Getreidepreise eine weitere Besserung, wenn auch nicht erheblichen Umfangs, erfahren. Die nahezu völlige Entblößung Deutschlands von inländischem Weizen, die starke Verringerung der nordamerikanischen Weizenbestände, die Verschlechterung der Ernteaussichten Rußlands und die für die Einsaat ungünstige Witterung Argentinien- haben neben den Besorgnissen bezüglich der heimischen Ernte den Berliner Markt in fester Stimmung gehalten und die Weizenpreise noch etwa- in die Höhe gehen lassen. Eine große Aufmerksamkeit widmet man den au- Rußland kommenden SaatenstandSmeldungen, weil Deutschland bis zur eigenen Ernte wegen des knapperen argentinischen Angebotes namentlich auf diese- Land für seinen Bedarf an Brotfrucht angewiesen sein bürste. Am letzten Tage der Bericht-woche haben denn auch Nachrichten über Regensälle in Südrußland einigermaßen abschwächend auf die Stimmung am Berliner Markte gewirkt. An Roggen hat Deutschland in diesem Jahre nach den jetzigen Schätzungen einen weit geringeren eigenen Ertrag zu erwarten, als die letzte Ernte ergeben hat. Auch für diese Brotfrucht werden wir also wesentlich auf unser östliche- Nachbarland angewiesen sein. Immerhin kann die Witterung der nächsten Wochen den Au-sall der Ernte noch bedeutend beeinflussen, und die Ankündigung von Regen hat schließlich den Preisstand etwa- erschüttert. Hafer bleibt bei andauerndem Knappwerden des Materials und wenig bc- friedigenden ErnteauSsichten sehr fest. In Mai- war daS Geschäft bei behaupteten Preisen still. Am letzten Tage der BerichtSwoche stellten sich die Preise für Julilieserung wie folgt: Weizen 258,00 Mark, Roggen 198,28 Mark, Hafer 187,50 Mark, Mai- 157,50 Mark.
vermischter.
— Kaum glaublich, aber wahr ist eS, wa- der „Franks. Z." auS Höchst mitgeteilt wird. Dort ist ein „Verein verlassener Ehemänner und Ehefrauen" gegründet worden. Die Mitglieder wollen gegenseitige Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig helfen, daß bei den einzelnen der häusliche Frieden wieder hergestellt wird. Die Ehescheidung soll be- kämpst werden I
— (Die Störche von Colmar.) Die alte Reichsstadt im Oberelsaß war früher berühmt als Storchenkolonie. Noch 1870 zählte man dort zweiunddreißig Storchennester, heute sind es ihrer nur noch vier, darunter daS größte und als Sehenswürdigkeit bekannte auf dem unvollendeten der beiden Münstertürme. Dieses hatte im Lause vieler Jahre derartige Dimensionen angenommen, daß man befürchten mußte, er werde eines TageS herabstürzcn, und eS deshalb vor einiger Zeit, ehe die Störche wiederkehrten, abnehmen ließ. DaS Nest, daS so viele Generationen der Familie Langbein beherbergt hatte, wie- einen Durchmesser von 1,80 Meter und eine Höhe von lVa Metern auf. Das Gewicht betrug 800 Kilo und die Masse war derart fest, daß sie mit Axthieben zerschlagen werden mußte. Im Innern fand man u. a. folgende Gegenstände: siebzehn Frauenstrümpfe, fünf Pelzmützen, einen seidenen Blusenärmel, drei alte Stiefel, ein großes Stück Leder und vier Metallknöpse. DaS alte Nest wurde durch ein künstliche« neue» auS fünf großen Reisigbündeln und einem Sack Sägespäne ersetzt, und die in diesem Frühjahr heimgekehrten Störche nahmen ohne weitere- von ihrer neuen Villa Besitz, die sie sich seither einigermaßen nach ihrem Privatgeschmack ein- gerichtet haben.
— Ein» Liebe-tragödie hat sich in Altrohlau (Böhmen) abgespielt. Dort hat der 25jährige Braugehilfe Konrad seine 20jährige Geliebte durch zwei Revolverschüsse tödlich verletzt, dann sein vier Monate alte« Kind durch einen Schuß in die Schläfe getötet und schließlich sich selbst erschossen. Wie Konrad in einem hinterlassenen Schreiben angibt, hat er die Bluttaten unter dem Druck harter Notlage vollbracht.
— B r a u n s ch w e i g, 10. Juni. Einer Meldung der Braunschweiger Neuesten Nachrichten zufolge ist der Mörder des Direktor« Friedrich aus Steglitz in Friedrichtbrunn bei Suderode am Harz verhaftet. Man fand die geraubte Summe in Bankscheinen noch vollzählig vor. Der Verhaftete wurde in da- Gericht-gefängni- in Quedlinburg eingeliesert.
— (Rätselhafter vierfacher Mord.) In dem Zimmer eines Hauses zu Barzelvna wurden die Leichen zweier Männer und einer Frau gefunden, die mit einem Beil erschlagen worden waren. In einem Kleiderschrank derselben Zimmer« fand man noch ein Kind erdrosselt vor. DaS Mordinstrument wurde nicht gesunden, und auch von dem Täter fehlt noch jede Spur. Da« Merkwürdige an dieser Bluttat ist jedoch, daß da« Zimmer, in dem sich die Opfer befanden, von innen verschlossen war.