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herzfelder Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. «8

Sonnabend, den 12 Juni

1909.

Amtlicher teil.

Bekanntmachung.

Die Zinsscheine Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuld­verschreibungen der 3W/oigen Deutschen ReichSanleihe von 1889 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Juli 1909 bis 30. Juni 1919 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werden vom 1. Juni d. Js. ab auSgereicht, und zwar

durch die Königlich Preußische Kontrolle der Staat-papiere in Berlin 8/ W. 68, Oranienstraße 92/94,

durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrasenstraße 46 a,

durch die Preußische Zentralgenostenschast-kasse in Berlin C 2, am Zeughause 2,

durch alle Reichsbankhaupt- und Reichsbankstellen und alle mit Kasseneinrichtung versehenen Reichsbanknebenstellen,

durch alle preußischen Regierungshauptkassen, Kreiskassen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwalteten Forst­kassen,

durch diejenigen Oberpostkassen, an deren Sitz sich keine

Reichsbankanstalt befindet,

ferner in Bayern durch die Königliche Hauptbank berg und ihre sämtlichen Filialen,

in Sachsen durch die Königlichen BezirkSsteuer- einnahmen,

in Württemberg durch die Königlichen Kameral- ämter,

in Baden durch die Mehrzahl der Grobherzog­lichen Finanz» und Hauptsteuerämter,

in Hessen durch die Großherzoglichen Bezirks- kafsen und Steuerämter,

in Sachsen-Weimar durch die Großherzoglichen Rechnungsämter,

in Elsaß-Lothringen durch die Kaiserlichen Steuerlasten, in den übrigen BundeSstaaten durch verschiedene von ihnen bekannt gegebene Kassen.

in Nürn-

an Orten ohne Reichst bank- an- stalt.

Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Ab­hebung der neuen ZinSscheinreihe berechtigenden ErneuerungS- schcine (Anweisungen, Talons) einzuliefern sind, werden von den vorbezeichneten AuSreichungsstellen unentgeltlich abgegeben.

Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen ZinSscheine nur dann, wenn die Er- neuerungSschcine abhanden gekommen sind. (II. 334.)

Berlin, den 11. Mai 1909.

ReichSschuldenverwaltung. gez. v. BischossShausen.

Wird veröffentlicht.

I. A. 6221.

HnSfeld, den 4. Juni 1909.

Der Königliche Landrat von GruneliuS.

HerSfeld, den 9. Juni 1909.

Oeffentliche Bekanntmachungen.

Nach § 7 des Gesetzes, betreffend die Bereitstellung von Mitteln zu DiensteinkommenSverbesserungen sind vom 1. April 19 0 9 ab von allen Einkommensteuerpflichtigen mit Einkommen von mehr alS 1200 Mk. und von allen Er- gänzungSsteuerpflichtigen Steuerzuschläge zu erheben, welche betragen:

1. Bei der Einkommensteuer:

a) für die physischen Personen, sowie diejenigen einge­tragenen Genossenschaften, deren Geschäftsbetrieb über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht, und die Vereine, einfchl. eingetragener Genossenschaften, zum gemeinsamen Einkäufe von Lebens- oder hautwirtschaftlichen Bedürfnissen im großen und Ablaß im kleinen, auch wenn ihr Geschäftsbetrieb nicht über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht in den

Einkommensteuerstusen von mehr als 1200 bis 3000 M. 5% * von mehr als 3000 bis 10500 M. 10% von mehr als 10500 bis 20500 M. 15% von mehr alS 20500 bis 30500 M. 20% * von mehr alS 30500 M. 25%.

b) für Gesellschaften mit beschränkter Haftung in den Einkommensteuerstusen von mehr als 1200 bis 3000 M. 7,5% von mehr alS 3000 bis 10500 M. 15% von mehr als 10500 bis 20500 M. 22,5% , von mehr als 20500 bis 30500 M. 30% von mehr als 30500 M. 40%.

c) für die Aktiengesellschaften, Kommanditgcfcllschasten auf Aktien und Bergwerkschasten in den

Einkommersteuerstusen von mehr als 1200 bis 3000 M. 10% von mehr als 3000 bis 10500 M. 20% von mehr als 20500 bis 30500 M. 40% * von mehr als 30500 M. 50%.

II. Bei der Ergäuzungssteuer: 25 Prozent der zu entrichtenden Steuer.

Bei Bemeffuug der nach dem Maßstabe der Einkommeu- steuer an kommunale oder andere öffentliche Verbände zn

entrichtenden Abgaben bleiben Steuerzufchläge außer Betracht.

Die Steuerpflichtigen werden hiervon mit dem Bemerken in Kenntnis gefetzt, daß die Erhebung der Steuerzuschläge gleichzeitig mit den veranlagten Einkommensteuer- und Er- gänzungSstcuerbeträgen erfolgen wird.

Der Vorsitzende der Deranlagungskommission: Nr. 1036. von GruneliuS.

HerSfeld, den 7. Juni 1909.

Der Landwirt Heinrich Hildebrand in Rohrbach ist als Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt worden.

Ich habe diese Wahl bestätigt und den Gewählten am 5. d. MtS. vereidigt.

A. 3758. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 8. Juni 1909.

Den Herren OrtS- und Gutsvorständen deS Kreises werden in den nächsten Tagen die ErhebungSkarten zur Ermittelung deS diesjährigen Anbaues zugehen.

Die Karten sind unter genauer Beachtung der beigefügten Anleitung auSzufüllen und mir alsdann bis zum 1. Juli d. Jr. in einem Exemplare einzureichen.

I. 6313. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau.

Wir bringen hiermit zur Ke^niS, daß an der hiesigen Lehranstalt 1. ein ObstverwertungSkursuS für Frauen in der Zeit vom 2.7. August, 2. ein Obstverwertungskurfus für Männer in der Zeit vom 9.19. August abgehalten werden. Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vorm. 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodoß die Teilnehmer Gelegenheit haben, tue ver­schiedenen Berwertungtmethoden einzuüben. Der Unterricht umfaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, sowie Behandlung kranker Weine; Bereitung von Essig, Branntwein, Beerenwein, Schaumwein und alkohol­freier Getränkt; Untersuchung von Keimhefen, Kahmhefen, Schimmelpilzen, ferner deS Mustes auf Zucker und Säure. Bereitung von MuS, Gelee, Marmelade und Pasten. Her­stellung und Aufbewahrung von Konserven und Obstsästen, Dörren deS Kern- und Steinobstes und des Gemüses. Obst­ernte, Sortierung, Ausbewahrung und Verpackung deS frischen ObsteS, Gurken-, Kraut- und Bohnensäurung usw.

DaS Honorar beträgt 6 Mk., für Nichtpreußen 9 Mk. Anmeldungen sind an die Direktion zu richten.

Geisenheim, den 21. Mai 1909. Die Direktion.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Mit aufrichtigem Bedauern hat jeder Patriot zweifelsohne von den Zwistigkeiten Kenntnis genommen, die seinerzeit in unserm größten nationalen Verein, dem trefflich organisierten und aufS erfolgreichste für die Hebung deS vaterländischen Bewußtseins wirkenden Deutschen Flottenverein, eingerissen waren. Umso größer wird daher auch die Be- friedigung über den Verlauf der diesjährigen in Kiel abge­haltenen Hauptversammlung des genannten Vereins sein. Der Geist deS Frieden- und vollster Einmütigkeit be­herrschte von Anbeginn bis Ende die Verhandlungen, und man muß dem neuen Präsidium das Zeugnis ausstellen, daß c$ ihm in der kurzen Zeit seiner Amtsführung bereits gelungen ist, die Reihen im Flottenverein wieder fest zu schließen und jegliche Zwietracht aus seiner Mitte zu bannen. Unter den auf der Tagung gehaltenen Reden war wohl die bemerkens­werteste diejenige deS geschäftSführenden Vorsitzenden des VereinS, Konteradmirals Weber. Seine von klarer Bestimmtheit und ruhiger Sachlichkeit getragenen Aussührungen hoben sich vorteilhaft ab von den aus säbelrasselndem Chauvinismus und nervöser Gespenstersurcht seltsam gemischten Kundgebungen, die wir leider während der letzten Zeit jenseits deS Kanals mehrfach zu hören bekommen haben. Es wäre wohl zu wünschen, daß die englischen Flottcnenthusiastcn sich hieran ein Beispiel nehmen, vor allem aber wünschen wir, daß unser Flottenverein für alle Zeit in dem Geiste eines Küster und Weber geleitet werden möge.

Die Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Zaren wirft bereits in der Diskussion der öffentlichen Meinung starke Schatten voraus. Durch dieselbe werden alle jene Unkenrufe, wonach Deutschlands Verhalten in der ser- bischen Frage und sein treue- bundeSbrüderlicheS Zufammen- stehen mit Oesterreich-Ungarn in Petersburg arge Verstimmung hervorgerufen haben sollte, aufS schlagendste widerlegt. Der Zar hat unfern Kaiser auS eigenstem Antriebe mit sehr Herz, lichen Worten zu dieser Begegnung eingeladcn, und alle Preß-

gerüchte, daß die Initiative hieM von Kaiser Wilhelm auS» gegangen fei, beruhen entweder auf gutgläubigem Irrtum oder böswilliger Irreführung. Mit der Unhaltbarkeit dieser Ge­rüchte fällt natürlich auch die weitergehende Unterstellung, daß die deutsche Politik mit der Monarchenbegegnung auf den finnischen Schären finstere Pläne gegen die zwischen Rußland, England und Frankreich bestehende Triple-Entente verfolge. DaS Zusammentreffen der beiden Monarchen bedeutet keine Aenderung in den politischen Konstellationen und bestehenden Mächtegruppierungen, sondern ist vielmehr all der Ausdruck des höchst natürlichen und durchaus verständlichen beider­seitigen Bestrebens anzusehcn, ihre persönlichen Beziehungen sowie daS gute Einvernehmen zwischen ihren Reichen nach wie vor pflegen und sördern zu wollen.

Mit der im Juli dieser Jahres bevorstehenden Zurück­ziehung der internationalen Garnisonen von Kreta wird auch die kretische Frage, eine wahre Eceschlange der euro­päischen Politik, wieder lebendig. In den Spalten der jung­türkischen Presse werden die SouveritätSrechte der Pforte mit Leidenschaftlichkeit verfochten, und man spricht auch bereits von militärischen Maßnahmen der Türkei, um etwaige Ver­suche zur Landung von griechischen Truppen oder Freiwilligen auf Kreta zu hindern, beziehungsweise derartige Pläne im Keime zu ersticken. Demgegenüber beabsichtigen, wie verlautet, die vier Echutzmächte, die gegenwärtig noch Truppenkontingente auf Kreta unterhalten, ihre Kontingente künftig durch EtationS- fchiffe zu ersetzen. Die Aufrechterhaltung deS Status quo würde damit markiert. Von der Maßnahme erwartet man die Verhinderung unbedachter Schritte der Kreter und Griechen sowie das Fallenlasten der in Konstantinopel populären Idee einer Wiederbesetznua K^:^ * rch türkische Truppen. Hoffent- lich täuscht diese Erwartung nicht; denn neue kretische Un­ruhen wären in der Tat ein höchst bedauernswertes Ereig­nis, zumal sich an ihnen leicht ein weiter greifender KriegS- brand entzünden könnte.

In Oesterreich hat während der Bericht-woche ein im Deutschenhaffe wurzelnder parlamentarischer Ansturm deS Elaventums gegen daS Ministerium Bienerth statt» gefunden, dem rühmend nachgesagt werden muß, daß eS seit längerer Zeit wieder daS erste österreichische Kabinett ist, das die Interessen des Deutschtum- mit Kraft und Geschick zu vertreten weiß. Der Ansturm hatte auch, weil die regierungs­freundliche Majorität sich allzu saumselig erwies, einen Augen­blickserfolg. Im übrigen ist eS bezeichnend, daß sowohl die deutsche Sozialdemokratie alS auch der Wiener Freisinn sich an diesem parlamentarischen Vorstoßk des ElaventumS eifrig beteiligen, also gegen die eigenen Volksgenossen Stellung nahmen. Diese beiden politischen Parteien haben damit aufs neue bewiesen, daß c- ihnen keinerlei Gewisfenskämpse bereitet, an der eigenen Nationalität Totengräberdienste zu verrichten, sofern sie damit nur ihren internationalen Pattei- und Klassen- interesten dienen zu können vermeinen.

Aus 3n- und Ausland.

Berlin, den 10. Juni 1909.

Ee. Majestät der Kaiser unternahm gestern nach­mittag, wie aus Kiel gemeldet wird, eine Segelfahrt an Bord des neuen Meteor. Um 11 Uhr Abends ist Sc. Majestät von Kiel nach Dallgow-Döberitz abgereift. Zur Verabschiedung in Kiel hatten sich eingefunden; Prinz Adalbert, der Chef der Marinestation der Ostsee Admiral v. Prittwitz und Gaffron, Stadtkommandant v. Bodungen und Polizeipräsident v. Schröter. Heute früh 7 Uhr 48 Min. traf Se. Majestät der Kaiser im Sonderzug auf Station Dallgow-Döberitz ein; zum Empfang war Ihre Majestät die Kaiserin kurz vorher im Automobil vom Neuen Palais aus angekommen. Beide Maje­stäten begaben Sich im Automobil nach dem Truppenübungs­platz und stiegen zu Pscrde. Se. Majestät der Kaiser besichtigte von 8 Uhr ab das Regiment Gardes du CorpS und das Leib-Garde-Husarenregimeut und fuhr nach einem Frühstück im Kasino deS TruppenlagerS nach dem Neuen Palais, wohin Ihre Majestät die Kaiserin nach Schluß der Uebung zurück- gekehrt war.

Dem Plenum deS Reichstags wird bei seinem Wieder- zusammentrittdienachsolgendcR e s ol nti v n deS D e u tsch e n Handwerks- und Gewerbekammertages vor- gelegt werden:Die Finanzkommiffion deS Reichstags hat in ihrer Sitzung vom 29. Mai dS. Jr. beschlossen, unter anderen Ersatzsteuern für verschiedene von ihr abgelehnte Regierungs­vorlagen dem Plenum deS Reichstags die Annahme einer Glühkörperstcuer vorzuschlagen. Diese Glühkörper- steuer soll entsprechend dem § 26 der ursprünglichen, von der Finanzkommiffion bereits abgelehnten Regierungsvorlage eine! GaS- und ElektiizitätSsteuergesetzes ausgebracht werden. Der gcschästSsührende Ausschuß deS Deutschen Handwerks- und GewerbekammertageS hat sich bereits in seiner Eingabe an Reichstag und Bundesregierungen vom 10. Januar dS. Jr. mit aller Entschiedenheit dahin ausgesprochen, daß er nicht nur eine Besteuerung von GaS und Elektrizität zu Kraft, und Lichtzwecken, sondern auch eine Besteuerung der Beleuch-