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HerrMer Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 67. Donnerstag, den 10. Juni 1909.

Amtlicher teil

Her-feld, den 7. Juni 1909.

Den Ort-vorständen sind in diesen Tagen die Gemeinde- steuerliflen zugegangen.

Die Uebersendung bei Staatssteuer-Material- wird aber erst etwa 8 Tage nach Veröffentlichung deS GefetzeS betreffend die Abänderung bei Einkommen- und ErgSnzungssteuergesctze- zu erwarten sein, weil die Steuerzuschläge erst bis dahin sest- gesetzt werden können.

Durch diese Steuerzuschläge ändern sich die Einkommen- steuer- und ErgänzungSsteuer-Tarise und damit auch die Tabellen zur Berechnung der Zu- und Abgänge. Die Berechnung der Zu- und Abgänge wird in Zukunft bedeutend schwieriger werden.

Ich werde der Gleichmäßigkeit und Billigkeit halber d i e neuen Tabellen für die sämtlichen Landge- meinben bei Kreise» vom Büro der VeranlagungS- Kommission gesammelt bestellen lassen.

Die Herren Bürgermeister, die bereit- in dem Besitz neuer Tabellen sind oder deren Beschaffung nicht wünschen, haben die» bis zum 15. d. MtS. dem Büro mitzuteilen.

Die Kosten werden nach Uebersendung der Tabellen erhoben werden.

Wegen der Zuschläge und der Aenderungen der Steuer- Gesetze ergehen noch besondere Verfügungen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-

Veranlagungs-Kommission

I. 1126. von Gruneliuk.

Hersfeld, den 7. Juni 1909.

Der Domänenpächter Rabe von Pappenheim zu Wilhelms- Hof ist all stellvertretender Gut-vorsteher für den GutSbezirk Oberrode bestellt und bestätigt worden.

A. 3686. Der Königliche Landrat

von Gruneliu».

Hersfeld, den 5. Juni 1909.

In der Zeit vom 16. bi» 30. August b. Js. wird in Cassel ein staatlicher Kursus für Heizer und Maschinisten ab- gehalten werden.

Anmeldungen behusS Teilnahme an diesem KursuS sind bis zum 19. Juni d. Js. entweder an den Herrn Gewerberat Wedel in Cassel, oder an den Vorstand deS Dampfkessel- Ueberwachungs-VereinS daselbst zu richten, von wo aus in beiden Fällen weitere Auskunft über die Bedingungen für die Teilnahme, den Ort, an dem der Kursus stattfindet und die genaue Zeit seines Beginne» erteilt werden wird.

I. I. 6264. Der Königliche Landrat

von Gruneliu».

Heriseld, den 6. Juni 1909.

Da» in Gemäßheit bei Gesetzes zur Verhütung von Hoch-

Der Pflicht getreu.

Von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

Elisabeths beide Söhne, die das siebzehnte und fünfzehute Lebensjahr erreicht hatten, waren in BreSlau in Pension und jetzt nur noch zu den Ferien im Elternhause. Klenkendorf lag ja nur eine Meile von Rauschebach entfernt und daS Mar- tcnSsche Ehepaar verkehrte mit den Verwandten. Jetzt mußte sich alle» harmonisch gestalten, und der lang ersehnte Augen­blick winkte, wo die Freundschaft zu ihrem Rechte kommen sollte.

Ueber Wolf Marien- Scheitel waren die Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Hier und da mischten sich ein paar Silbersädcn in fein voller Haar, und ein paar Falten auf der Stirn zeugten davon, daß angestrengte- Denken und rast­lose Arbeit diesen Mann durch sein Leben begleitet hatten. Der Gang aber war elastisch und seine Augen hell geblieben. Er machte den Eindruck eine» Menschen, der dankbar im Rahmen eine» arbeitsamen Leben- sein stille» Glück genießt. Anni, seine Frau, lebte nur für da- Wohlbehagen von Mann und Sohn. Ihr HauS und ihre Wirtschaft war ihre Welt, die den Inhalt ihre- Leben» ausmachte.

Von der Geselligkeit, die in den Nachbarkreisen herrschte, hielt sich da- Ehepaar mehr zurück. Die nötigen Geldmittel und die Zeit zu lebhaftem Verkehr, fehlten ihnen, auch war ein Stillleben mehr nach ihrem Geschmack. In den verschiedenen Verwaltung-sachen, Ehrenämtern und dergleichen mehr war aber dem Kreise in Wolf Märten- eine brauchbare Kraft er» foadjfen und seine Arbeit-tüchtigkeit wurde nun auch nach allen Seiten hin gründlich ausgenutzt.

Wie er jetzt am offenen Fenster seine- Arbeit-zimmer» stand, lag ein heller Schimmer aus feinen Zügen. Er blicrte aus Frau und Sohn, die eben durch den Garten gingen.

Hasso, der schlanke Siebzehnjährige, war eben au- Görlitz angekommen, wo er in Pension war.

Wassergefahren vom 16. August 1905 (Gesetzsammlung Seite 342) für die Fulda im hiesigen Kreise aufgestellte Verzeichnis mit den dazu gehörigen Plänen liegt vom 11. d. MtS. ab während 6 Wochen für alle beteiligten Gemeinden des hiesigen KreiseS in meinen Geschäftsräumen während der Bürostunden aus. Etwaige Einwendungen oder Anträge sind innerhalb der AuSlagefrist schriftlich bei mir anzubringen.

Die Herren Bürgermeister der beteiligten Gemeinden er­suche ich, Vorstehendes auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

I. 5704. Der Königliche Landrat

von Gruneliu».

HerSseld, den 6. Juni 1909.

Infolge der heißen Witterung machen sich in diesem Jahre besonders viel Raupen und andere Obstbaum-Schädlinge be­merkbar.

Unter Bezugnahme aus meine Bekanntmachung vom 17. März d. Js. I. Nr. 2794 Kreisblatt Nr. 36 ersuche ich die Herren Bürgermeister bei Kreises, dafür zu sorgen, daß ein gründliches Abraupen an den Obstbäumcn erfolgt.

I. 6242. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Irr Srtiliiiiiii uni) Sie SriDktnknk.

Die für die dritte Juniwoche angekündigte Begegnung deS deutschen Kaisers mit dem Kaiser von Rußland regt die politische Welt noch fortwährend aus, und führt von allen Seiten zu einer Kritik deS Dreibundes und der Tripleentente. Besonders erregt sind die meisten englischen Zeitungen über diese unerwartete Kaiserbegegnung und die englischen Hetz­blätter vom Schlage derTimeS" und de»Standard" er­blicken in dieser Monarchenbegegnung sogar den Versuch Deutschlands, die Tripleentente zu zersprengen und vor den Augen aller Welt darzutun, daß da» sogenannte Bündnis Rußlands, Frankreichs und Englands für die praktische Poli­tik ohne jeden Wert sei. Wenn die Engländer und Franzosen selbst die Erkenntnis bekommen, wie wenig Wert die Triple­entente hat, so haben die Anhänger deS Dreibundes in Deutsch­land, Oesterreich und Italien es ja gar nicht nötig zu be­weisen, daß die Tripleentente zwischen England, Rußland und Frankreich ein politische» Unding ist, denn ein Bündnis mit England hat seit 300 Jahren noch niemali einer festländischen Großmacht etwas eingebracht, und daS Bündnis zwischen Rußland und Frankreich ist zur AuSsührung großer politischer Pläne auch durchau» ungeeignet, da sich diese beiden Mächte in militärischer Hinsicht zu wenig unterstützen können. Da ist für tiefer denkende Politiker die Erklärung für die Ursache

Der Sonnabend brächte ihn dann meist auf da- väter­liche Gut, und daS war immer ein Freudentag für die Eltern.

Wolf beobachtete lächelnd, wie seine kleine Frau, ganz Mutterglück und Mutterstolz, sich zu ihrem Jungen emporreckle und eine Liebkosung versuchte.

Hasso, in seiner etwa» gemessenen, abgeschlossenen Art, ließ diese Zärtlichkeit über sich ergehen, ohne sie anders zu erwidern als durch einen warmen Blick.

Jetzt entdeckte er den Vater und war in ein paar Sprüngen bei ihm.

Wie ist der deutsche Aussatz ausgefallen?* erkundigte sich dieser und schüttelte ihm die Hand.

Gut, aber bei dem Griechischen hapert'- noch. Das wird mir nun einmal barbarisch sauer."

Hilft nicht-. Was gemacht werden soll, muß gemacht werden."

Hasso nickte.

Werd mich schon ordentlich in- Zeug legen. Man muß doch schließlich können, war man soll und waS man will!"

DaS war so recht aus deS Vater- Seele gesprochen. Ja, fein Hasjo sollte, wills Gott, einmal ein tüchtiger Mensch werden, zufassen, wo es not tat und können, waS er sollte.

Er klopfte ihm aus die Schulter.

Brav, Junge! Na, mach nun, daß du sortkommst. Der Förster wartet auf dich. Er ist einem famosen Rehbock auf der Spur."

Hasso- Augen leuchteten. Viel Worte machte er nicht, aber der Vater wußte, daß er ihm so leicht keine größere Freude hätte machen können.

Er sah ihm nach, wie er in» Hau» eilte, um sein Ge» wehr zu holen. Dann blieb er noch am geöffneten Fenster stehen.

Nachdenklich sah er in den Frühlingsabend hinaus, und unmerklich, fast wider seinen Willen, führte ihn die Erinnerung um Jahre zurück hin zu dem Abend, wo Elisabeth zu ihm ge­treten war.

Die Tür ging aus.

der Zusammenkunft zwischen dem deutschen Kaiser und dem Kaiser von Rußland nicht schwer. Die russischen Staat»- Männer haben jedenfalls erkannt, daß Rußland aus die Dauer seine Politik in keinem Gegensatze zu Deutschland und Oesterreich führen kann, denn ein solcher dauernder Gegensatz müßte zu einem Kriege zwischen Rußland aus der einen und Deutschland und Oesterreich aus der anderen Seite führen, und der Erfolg dieses Kriege» dürste für Rußland eine neue Niederlage bedeuten. In der Erkenntnis dieser Sachlage hat die russische Diplomatie wohl den einzig richtigen Schritt getan und eine Wiederannäherung an Deutschland gesucht. Seit den Tagen von Reval, wo der König von England und der Präsident von Frankreich dem Kaiser von Rußland einen Besuch abgcstattet haben, schien ja die Tripleentente Englands, Rußland- und Frankreich» mit Erfolg den Drei­bund zu bedrängen und zumal Deutschland an die Wand zu drücken, aber der AuSgang der bo»nischen Frage im letzten Frühjahre hat der Welt gezeigt, daß der Dreibund kein poli- tischeS Phantom ist, und daß er bereit ist, sech» Millionen Soldaten für die Erhaltung und Ruhe Europa- marschieren zu lassen, wenn die Gegner de- Dreibünde» ihre Drohungen und Ansprüche zu weit treiben. Schon da- feste Zusammen­halten Deutschland» und Oesterreich» in der letzten Krisi», in der sich Europa befand, hat der Welt gezeigt, wo die größte politische und militärische Macht sich befindet, und die Triple­entente hat nicht gewagt, den Frieden zu stören. Dir Wahr­heit ist daher, daß sich Rußland in der sogenannten Triple­entente weder wohl noch sicher jühlt, und de-halb eine Annäherung an Deutschland sucht. Da Deutschlands Politik nur auf die Erhaltung des Frieden- und die Förderung der allgemeinen Wohlfahrt gerichtet ist, so haben wir gegen eine gewisse freundschaftliche Annäherung an da» offizielle Rußland natürlich gar nichts einzuwenden. Wir sind unS aber auch dabei bewußt, daß die Besserung der Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland noch lange nicht die Errichtung eine- intimen Freundschaft-bunde- bedeutet. Tun doch auch eine Anzahl russische Zeitungen so, al» wenn die Begegnung deS Zaren Nikolaus mit dem deutschen Kaiser den wahren Interessen Rußland- zuwider wäre. UnS fehlen in Deutsch­land für solche Demonstrationen einer Anzahl russischer Zeitungen die parlamentarischen Ausdrücke, aber wir haben in Deutschland für Handlungen und Wünsche, die wir nicht innerhalb der Vernunft zu platzieren vermögen, eine sehr hübsche Beurteilung, in dem famosen LiedeDu bist verrückt, mein Kind!" Mit diesen Worten werden wir überhaupt künftig alle unsinnigen Beurteilungen Deutschland» und seiner Politik noch öfter bezeichnen müssen, denn wir bekommen e» allmählich in Deutschland satt, un» immer und immer wieder gegen lügenhafte und unsinnige Unterstellungen zu verteidigen.

Hast du noch immer kein Licht?" frug Anni, wie sie eintrat.

Wolf wandte sich hastig um.

Nein, Kind, wir wollen heute mal ein bißchen länger faulenzen. Komm, setze dich zu mir an» Fenster."

Sie gehorchte, und er nahm ihre kleine etwa» arbeit»» harte Hand in die seine. Ihre Leben-wärme sollte die traum­haften Bilder verscheuchen, die der Frühling-zauber und eine Nachricht, die er eben in Klenkendorf erfahren, geweckt hatten.

Wir sind nun achtzehn Jahre verheiratet, Anni, und ich meine, wir sind recht glücklich miteinander geworden", hob er an.Oder hast du etwas gegen deinen Alten cinzu- wenden?"

Sie lachte:Wie du nur so fragen kannst! Ich wüßte wirklich nicht, daß ich mit je etwas anderes gewünscht hätte!"

Vor Jahren hast du mir einmal erklärt, da» einzige, wa» du nicht ertragen könntest, wäre, mich mit der Freifrau von Hagenow zusammen zu sehen."

Ja, Wolf, ich weiß, da» habe ich gesagt, und und . . ."

Sie rückte unruhig hin und her.

Und jetzt hast du die kleinliche Eifersucht begraben", vollendete Wolf ihren Satz.Jetzt würdest du dich selbst freuen, jene Elisabeth kennen zu lernen, die deinen Mann ihren treuesten Freund nannte."

Aber die kleine Frau Marien», die sonst keinen Wider­spruch kannte, murmelte ein sehr entschiedenesNein", senkte aber dabei doch schuldbewußt den Kopf.

Wolf zog die Stirn in Falten.Das ist Torheit, Anni, du wirst anders denken, wenn du Elisabeth von Hagenow kennen lernst. Sie kommt diesen Sommer mit ihren Kindern zu ihren Verwandten. Ich hörte e» diesen Nachmittag in Klenkendorf."

Er wartete aus eine Antwort, aber erst al» er fragte: Hast du mir daraus gar nicht- zu sagen?" murmelte sie:

Nun wirst du sie Wiedersehen, die wunderschöne Elisabeth,