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überhaupt parlamentarisch nunmehr eine glatte Arbeit ermög­licht wird. An eine rasche und glatte ReichSfinanzresorm glaubt ja allerdings nach den bestehenden Steuerprojekten niemand, und wenn die ReichSfingnzreform überhaupt in diesem Sommer fertig werden soll, so ist dieS nur auf dem Wege einer entgegenkommenden Verständigung möglich, und zwar durch eine Verständigung, die mehr zwischen den Libe­ralen und Konservativen, als zwischen der Regierung und den Parteien stattzufinden hätte, denn der ganze Kamps um die ReichSfinanzresorm hat die politisch sehr wichtige Tatsache ge­zeitigt, daß die liberalen Parteien mehr das Finanzprogromm der Regierung unterstützen, al- die Konservativen, denn die liberalen Parteien wollen ja bis zu 400 Millionen Mark indirekte Steuern von dem Konsum bewilligen, wenn etwa 100 Millionen Mark Steuern auf den Besitz und besonder- aus die Erbschaften gelegt werden, die Konservativen erschweren aber durch ihre Ablehnung der Erbschaftssteuer die Durch- sührung deS Regierung-programmes und der ReichSfinanz­resorm überhaupt. Die Verständigung auf eine ermäßigte Erbschaftssteuer und deren Ergänzung durch eine andere an­nehmbare Befitzsteuer erscheint daher als die wichtigste Auf­gabe in der ReichSfinanzresorm, und zur Lösung derselben soll wohl auch die Konferenz der Finanzminister der BundeS- staaten beitragen.

Deutscher Saatenstand.

Ueber den Saatenstand im Deutschen Reiche am 1. Juni 1909 macht die PreisberichlSstelle deS Deutschen Landwirt- schast-rats folgende wenig tröstliche Mitteilungen:

Die außergewöhnlich trockene und kühle Witterung sowie die häufigen Nachtfröste im Monat Mai drohten bereits, die Frühjahr-hoffnungen vieler Landwirte in Deutschland zunichte zu machen, als endlich in den letzten Maitagen ergiebige und durchdringende Niederschläge die vielfach unter einer vierwöchent- lichcn Dürre lechzenden Fluren getränkt und die Hoffnungen neu belebt haben. Wenn damit auch die Befürchtung einer vielfachen Mißernte beim Wintergetreide vorläufig be­seitigt erscheint, so bleibt die Lage nach wie vor eine überaus kritische. Der Regen ist nicht überall in gleicher Stärke nieder- gegangen und in manchen Gegenden Norddeutschlands fast ganz auSgeblieben, außerdem befürchtet man vielfach, daß die Durch- feuchtung deS BodenS für die Wintersaat, besonders für Roggen, zu spät erfolgt ist, um die Maischäden noch wieder gut machen zu können. DieS gilt natürlich nur für die erst im Spätherbst in die Erde gekommene Wintersaat, soweit sie nicht im Frühjahr umgepflügt wurde. ES wird der PreiS» berichtstclle deS Deutschen Landwirtschaft-rateS mehrfach berichtet, daß noch in der zweiten Hälfte deS Mai Umpflügungen der Wintersaaten, sowohl Weizen wie Roggen, stattgesunden haben, und daß viele Landwirte die späten Wintersaaten im April umgeflügt hätten, wenn sie einen so schlechten Mai hätten vorauSsehen können. Die Strohernte bei Wintergetreide gilt in Norddeutschland fast allgemein alS weit unter Mittel, während für den Körnerertrag deS WintergetreideS bei günstiger Witterung noch eine knappe Mittelernte erwartet werden darf. Besonders häufig wird in Norddeutschland über schlechten Roggenstand mit Brandstellen aus den leichten Sandböden geklagt. In Süddeutschland ist auch jetzt noch der Stand der Wintersaaten im allgemeinen günstiger als in Norddeutsch- land.

Die Sommersaaten lassen sich noch schwer beurteilen, da sie zur Zeit der Berichterstattung vielfach eben erst aufge­gangen und in manchen Gegenden, wie im Norden und Osten überhaupt noch nicht anS Tageslicht getreten waren. Im all­gemeinen ist der Stand der Sommersaaten ein befriedigender, zumal nach den letzten Niederschlägen, doch wird noch mehr Regen herbeigesehnt. Dasselbe gilt von den Hackfrüchten. Immerhin sind Klagen über Unkraut, Disteln, Hederich, fowie über daS Auftreten der Frittfliege und deS Drahtwurms nicht selten. Auch wird mehrfach über Berwehungen von Rüben und Futterpflanzen aus leichten Böden geklagt. Am schlimmsten steht eS allgemein, auch in Süddeutschland, um die Futter- ernte. Die Berichte hierüber lauten vielfach verzweifelt. Be­sonder- Kleefelder und Wiesen find vielfach bei der Dürre autgebrannt, und nur die Luzerne scheint noch etwaS Ertrag zu liefern. Die letzten Niederschläge find für den ersten Schnitt vielfach zu spät gekommen, so daß eine Futternot für den nächsten Herbst und Winter befürchtet wird. In Elsaß-Loth» ringen wird der Futtermangel bereit- so bedrohlich, wie im Jahre 1893 beurteilt, wo diese- Produktion-gebiet 17 Prozent seines RindviehbestandeS in wenigen Monaten verlor. Auch in anderen Gegenden hegt man die Besorgnis, daß besonder» die

BreSlau, wohin seine Geschäfte ihn wiederholt führten, verleidet wurde.

Dieser Sache mußte ein Ende gemacht werden, sollte ihm da- auch ein größere- pekuniäre- Opfer kosten. Der Freiherr unterhandelte mit Willy, und daS Schlußresultat der Unter- redung war, daß der junge Wartha seine Bankierkarriere auf- gab und, mit Empsehlung-bricsen sowie mit Barmitteln aus­gerüstet, nach Amerika reifte, um dort eine eigene Existenz zu gründen.

Spärlich genug langten seine Briefe von drüben an und blieben endlich völlig au». Und da auf wiederholte Anfrage der Angehörigen nur immer au» Amerika die Antwort kam: Gilt als verschollen so mußte die Familie wohl seinen Tod annehmen. Freiherr von Hagenow hielt an dieser Aus- sassung fest und suchte sie den andern auszudrängen.

Zu Elisabeth sagte er:Wo die leichtsinnigen Anlagen so vorherrschend find, wie sie bei Eurem Willy waren, steht man immer auf einem Pulverfaß, solange der Betreffende lebt. Jetzt, da wir nicht» mehr dergleichen zu fürchten haben, kann ich dir eS ja offen sagen: der Gedanke, daß Willy einmal irgend einen kompromittierenden Streich au»sühren könnte, hat mich sörmlich gequäll. Einen Flecken auf dem Namen, so etwas verttage ich eben nicht, weder für meine Person, noch im Gedankm an meine Kinder."

Elisabeth wandte sich stumm zur Seite. Ihr tat daS Herz weh.

Noch an demselben Abend schrieb sie an Märten»:

»Dem treueften Freunde lege ich noch einmal eine Bitte an daS Herz, die jetzt von neuem die sorgende Frau und Mutter quält. Wir müssen den Tod meiner Bruder» in Amerika als sicher annehmen. Bei dieser Veranlassung >pr°ch wein Mann, der von Willy» Charakterschwäche aller befürchtete, unverhohlen au», wie er eS nie würde haben ertragen sönnen, wenn sein Schwager ihm Schande gemacht Da» reizbare Ehrgefühl meines Mannes würde auch die Mutter seiner Kinder in den Staub gerissen sehen, so» bald er eine Ahnung von Willy- Schuld gewänne. Ich brauche -'gnen nicht näher au»einanderzusetzen, wie unsere ganze Familie darunter leiben würde. Sie verstehen mich

kleinen Betriebe den Futtermangel nicht überwinden und in­folgedessen einen Teil ihres Viehbestände- verschleudern werden. Ob diese schlimmsten Befürchtungen sich in größerem Umfange verwirklichen lassen, bleibt nach dem letzten Regen noch abzu- warten. Die Frühjahrsbestellung und Vegetation sind in diesem Jahre um etwa 10 bit 20 Tage zurück. Auch die Getreideernte sowie die erste Futterernte wird sich in Nord­deutschland voraussichtlich um 10 bit 15 Tage verspäten, so­weit nicht bei weiterer Dürre eine Notreise eintreten wird. Jedenfalls hängen von der Witterung der nächsten 23 Wochen viele Millionenwerte der deutschen Land­wirtschaft ab. Weißkohl ist im bisherigen Umfange angebaut und im allgemeinen gut aufgegangen, doch wird mehrfach über Schäden durch Erdflöhe geklagt.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 6. Juni 1909.

Se. Majestät der Kaiser nahm heute vormittag im Neuen Palais bei PotSdam die Vorträge des Ehest beS Admiralstabes der Marine, Admirals Grafen v. Baudiffin, und deS Chefs de» MarinekabinettS, Vizeadmiral» v. Müller, entgegen.

DieN. A. Ztg." schreibt in ihrer Wochen-Rundschau: Die Tatsache, daß Kaiser Nikolaus von Rußland in herzlicher Weise unseren Kaiser zu einer Begegnung eingeladen hat, kommt den Gegnern Deutschlands in der aus­ländischen Presse ungelegen, sie sind bereits eifrig am Werke, die Zusammenkunft in ihren Gründen und Folgen zu miß. deuten, wobei sie fälschlicherweise daS Wiedersehen zwischen den beiden Monarchen auf eine von deutscher Seite auSge» gangene Anregung zurücksühren und finstere Anschläge der deutschen Politik gegen die Triple-Entente damit in Ver­bindung bringen. Bei einigem guten Willen aber sollte eS überall verstanden werden, daß Rußland sich unbeschadet der Aufrechterhaltung seiner Bündnisses mit Frankreich und seiner Einvernehmen- mit England die Freiheit wahren will, sein Verhältnis zum Deutschen Reich wie überhaupt zu der mittel­europäischen Machtgruppe so zu gestalten, wie eS seinen eigenen Interessen entspricht. Eine Enttäuschung hierüber kann eS nur dort geben, wo man etwa erwartet hat, die russische Politik werde sich in dauernden prinzipiellen Gegen- satz zu den beiden benachbarten Kaiserstaaten bringen lassen. Da» ist nicht gelungen und wird aller Vorau-sicht nach nicht gelingen. Für uns bedeutet daS Zusammentreffen Kaiser Wilhelms mit Kaiser Nikolaus zu freundschaftlicher Aussprache keine Veränderung in den Grundlinien der europäischen Poli­tik, eS bedeutet aber, daß beide Monarchen ihre persönlichen Beziehungen wie ein gute- Einvernehmen zwischen ihren Reichen nach wie vor pflegen und fördern wollen.

Nach der jetzt erschienenen Rangliste und der DienstalterS- liste zählt daS deutsche Heer 25 559 Offiziere und 2282 Sanitätsoffiziere. E- gibt 19 903 preußische, 1837 sächsische, 2850 bayerische, 961 württembergische sowie 8 Offiziere beim Reichsmilitärgericht. Von den 2282 Sanitätsoffizieren sind 1756 preußisch, 269 bayerisch, 168 sächsisch und 89 württem- bergisch.

Aus der neunten Hauptversammlung des Deutschen F l o t t e n v e r e i n », die unter dem Vorsitze beS Groß­admirals von Küster in Kiel stattsand, wurde solgende Kund­gebung beschlossen:Der Deutsche Flottenverein hat seit seinem Bestehen sich die Ausgabe gestellt, da» Verständnis für die Bedeutung einer starken deutschen Flotte im Volke zu wecken und zu befestigen, und glaubt sich der Ueberzeugung hingeben zu dürfen, daß seine Tätigkeit in Wort und Schrift wesentlich zum Zustandekommen der den Ausbau der Flotte betreffenden Gesetze beigetragen hat, deren Au-sührung unserem Volke große finanzielle Opfer auferlegt. Im Hinblick darauf, daß die gegenwärtige Finanzlage nicht dazu angetan erscheint, die Durchsührung einer den gesteigerten Anforderungen unserer Zeit entsprechenden Krieg-rüstung zur See zu schaffen und zu erhalten, wird die Frage der von den deutschen Regierungen geplanten Reich-finanzresorm zu einer Leben-frage der Nation.

Aus Grund dieser Tatsache erwartet der Deutsche Flotten­verein, seinen bisherigen Bestrebungen getreu, von den gesetz- müßigen Vertretern der Nation eine schleunige, durchgreisende, die zukünftige Sicherheit de» Reiche- verbürgende Reform der Reichsfinanzen im Sinne der verbündeten Regierungen."

Ueber die Anstellung verabschiedeter Offi­ziere im Kommunaldienst bemerkt ein Runderlaß der Minister- deS Innern an die Regierungspräsidenten: Nach § 8 Ziffer 2 der Grundsätze für die Besetzung der

auch ohne Worte. Darum, treuer lieber Freund, unver­brüchliches Schweigen auch jetzt, wo der Tod den Schul­digen entrückt hat. Trotzdem sich dadurch die Verhältnisse geändert haben, wir müssen an dem Schweigen sesthalten, wenn wir nicht finstere Schatten herausbeschwören wollen. Stehen Sie darin auch seiner zur Seite

Ihrer

dankbaren Elisabeth."

Marien- Antwort in seiner festen charaktervollen Hand­schrift war kurz.

Sie lautete:

Nicht-, sei eS, war e» sei, wird mich je bewegen können, ein Wort über diese Angelegenheit zu verraten. Wie ich eS bamalS gelobte, so wiederhole ich eS Ihnen heute von neuem Schweigen wie baS Grab, komme, war da wolle. Getreu bis zuletzt

Ihr treuester Freund

Wolf Märten-."

Elisabeth atmete aus. Sie wußte, von Wolf MartenS konnte man mit Recht sagen, ein Wort, ein Mann.

Sie hatte ihn bisher nie wiedergesehen, denn alS sie mit ihren vier Kindern,ihrem Glück-kleeblatt", wie sie eS nannte, auf längere Zeit zum Besuch zu ihren Eltern gekommen war, hatte MartenS mit seiner Frau die Gegend bereit» verlassen und war dahin gezogen, wo sein Herz besonder» feste Wurzel geschlagen hatte, nach Rauschebach.

Der Vetter Horntal, zu sehr an die freien amerikanischen Zustände gewöhnt, hatte sich in den deutschen Verhältnissen beengt gefühlt und war froh gewesen, daß MartenS sich bereit erklärt hatte, ihm da» Gut abzukaufen. So war Marten-, wenn auch später, doch noch Herr von Rauschebach ge­worden.

Jetzt, wo Elisabeth» häu»licheS Glück gefestigt war, und sie sich sagen konnte, daß sie nur zu danken hatte für ihr schöne- Familienleben, wagte sie auch, sich in Gedanken mit dem Freunde zu beschäftigen. Sie hatte sich gefragt, ob wohl je ihre Lebenswege sich je wieder berühren würden, und ob sie später, wenn sie beide älter geworden wären, diesen treuen Freund, den sie in der Stunde der Not

mittleren Kanzlei- und Unterbeamtenstellen bei den Kommunal- behörden usw. mit Militäranwärtern und Inhabern deS AnstellungSscheine» vom 20. Juni 1907 ist die Berücksichtigung der Bewerbungen verabschiedeter Offiziere um die den Militär- anwärtern vorbehaltenen Stellen nur eine fakultative. Indessen haben sich vor allem größere Kommunen vielsach bereit gezeigt, Offizieren verschiedene, und zwar auch den Militäranwärtern nicht vorbehaltene Stellen, z. A die Stellen der Etande-be- amten, zu übertragen. E» würde nun zur Förderung de» Unterkommens verabschiedeter Offiziere im Zivildienst erwünscht sein, wen» sich die Kommunen, und zwar in erster Linie die größeren Stadtgemeinden, zur Bezeichnung einzelner Stellen verständen, die sie für geeignet zur Besetzung mit verabschiedeten Offizieren halten, unddie sie mit solchen zu besetzen im all­gemeinen bereit wären. ES würde sich hierbei in keinem Falle um eine Bindung der betreffenden Gemeinden handeln, vielmehr soll auf diese Weise nur der Erfolg an gestrebt werden, daß Offiziere mehr als bisher zu Bewerbungen um derartige Stellen ermutigt werden. Ueber die Berücksichtigung der Bewerbungen würden die Gemeindebehörden die freie Ent­schließung behalten."

Wie Londoner Blätter aus Schanghai melden, hat da» Provinzialeisenbahnamt bekannt gemacht, daß bezüglich der öffentlichen Ausschreibung zur Lieferung von Lokomotiven für die SchanghaiHankauNingpo-Bahn der Wettbewerb auf deutsche Fabrikanten beschränkt sei.

Gewaltige Streitkräste werden an den diesjährigen großen englischen Flottenmanövern teilnehmen. Laut einer Meldung desDaily Telegraph" werden sich ca. 300 Kriegsschiffe an diesen Manövern beteiligen, die Oberleitung der Manöver liegt in den Händen deS Admirale» May. Ein Teil der britischen Flotte ist bereits nach Logo- an der portu­giesischen Küste abgegangen, woraus man schließt, daß die Manöver die-mal im Atlantischen Ozean stattfinden. Sie beginnen am 17. Juni und dauern drei Wochen. Der Lordmajor von London hat nach einer Londoner Depesche an den Vorsitzenden des Festkomitee- für den Besuch der Berliner Stadtvertreter einen Dankbries gerichtet, in dem e» zum Schlüsse heißt: Ich bin voll Hoffnung, daß der Besuch der Stadt­verwaltung eine Vermehrung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zeitigen wird.

In Mazedonien gestaltet sich die Lage neuerdings wieder kritischer, weil dort die alten Gegensätze zwischen dem bulgarischen und dem griechischen Element wieder aufleben. Von griechischen Banden sind neue Mordtaten an Bulgaren begangen worden, insolgedessen unter den mazedonischen Bul­garen große Erbitterung gegen die Griechen herrscht. In Kleinasien und Syrien ist die Lage ebensall- eine gespannte, eS drohen neue Christenmassacert seitens der alttürkischen Reaktionäre. ES sollen darum zehn Bataillone Truppen vor allem nach Damaskus, wo sich die Verhältnisse besonders scharf zugespitzt haben, abgehen. In der arabischen Provinz Armen geht der Ausstand gegen die türkische Herrschaft weiter. In BaSrah brach ein Militärausstand auS.

Der Weltrekord deSZ. II." läßt die Engländer nicht ruhig schlafen. Ihr Ehrgeiz geht dahin, nun auch einen Zeppelin" anzuschaffen. Gestern nachmittag sand die erste Versammlung deS englischen Lustflotten-VereinS statt. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Vorstand beschlossen habe, 50,000 Pfund durch eine Sammlung auszubringen, um mit diesem Gelde ein ZeppelinscheS Luftschiff zu kaufen. Mit einem solchen Modell vor Augen dürfe eS den englischen Ingenieuren vielleicht gelingen, noch einen besseren Typ zu konstruieren. Oberst Massey berichtete, daß er dem KriegS- und Marineministerium einen Vorschlag zur Verteidigung der Küsten durch Luftschiffe gemacht habe, der in Verbindung mit der Territorial-Armee au-gesührt werden könne. Die Antwort der Ministerien werde stündlich erwartet. Admiral Scott teilte mit, daß er von dem Herausgeber von Fighting ShipS um einen Artikel darüber angegangen worden fei, wie man Luft­schiffe zerstöre. Der Admiral meine jedoch, wenn man daS wisse, behalte man eS besser für sich, anstatt eS in alle Welt auSzuposaunen. Aus der Neuwahl der Beamten ging Lord Roberts alS Präsident der Liga hervor.

Aus Provinz u. Nachbargebiet

* (Bauernregeln sürIuni.) WaS bis September soll geraten, baS muß schon im Juni braten. Auf den Juni kommt eS an, ob die Ernte gut bestahn. Wenn kalt und naß der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr. Juni trocken mehr alS naß, füllt mit gutem Wein daS Faß. Bläst der Juni inS Donnerhorn, so bläst er inS Land baS liebe Korn. Vor dem Johanni-tag keine Gerst man loben

erprobt hatte, einmal ihren Kindern würde zuführen können

Weiter und weiter hatten dabei ihre Gedanken gesponnen und ein friedvolle- Freundschaftsverhältnis aufgebaut ohne Stürme, ohne Eifersucht, voll Friede und Freude. Er sollte ja glücklich fein mit seiner jungen Frau, daS erzählte man sich und auch für sie war dasDer Pflicht getreu" nicht mit Dornen, sondern mit Rosen geschmückt gewesen. Warum könnte er da nicht möglich sein, daß sie dermaleinst alS gute Freunde miteinander verkehrten?

Aber nicht jetzt nicht jetzt I" flüsterte eine bebende Stimme in ihrem Herzen,vielleicht später später."

Und eS sollte nach Jahren eine Zeit kommen, wo diese später in greifbare Nähe gerückt wurde.

Der Freiherr war in die Provinzialsynode gewählt, und während dieser Wochen, wo er in Bretlau weilte, sollte Elisabeth mit den beiden Töchtern und deren Erzieherin nach Klenkendors in der Oberlausitz gehen aus das Gut ihrer Ver­wandten, der Familie Eschenbron.

(Fortsetzung folgt.)

In Südhannover tritt in den Waldungen der Eichenspinner in großen Massen auf. Die Forstbehörde traf energische Maßnahmen zur Bekämpfung deS Ungezieser».

Berlin, 6. Juni. Gestern erkrankten in deriNonnen- dammer Gasanstalt infolge Platzen- einer Gummiblase 8 Arbeiter an Gasvergiftung. Einer starb, zwei wurden inS Kranken- hau- geschafft, die übrigen erholten sich nach kurzer Zeit fo- weit, daß sie sich nach Hause begeben konnten.

Wien, 5. Juni. Nach Meldungen au- Krakau flog heute abend der bei Podgorzr befindliche Pulverturm in die Lust. Die Explosion ist durch Blitzschlag hervorgerufen worden. Ein Soldat wurde getötet, ein anderer verletzt. In der ganzen Umgebung wurde großer Schaden angerichtet. Viele Bauernhäuser wurden zerstört, wobei 13 Personen ver­letzt wurden. Der Bahnhof in Podgorze sowie mehrere Eisenbahnzüge wurden beschädigt. Etwa 60 Personen werden dort von Aerzten behandelt. In Krakau sind tausende von Fensterscheiben zerbrochen.