p tst ausgetreten. Besonders böSartig wütet die gefährliche Seuche in der Nähe Amoy, jeden Tag sollen dort etwa 50 Personen der Beulenpest zum Opfer. Nachdrückliche Maßnahmen der Behörden zur Bekämpfung der unheimlichen Krankheit sind biS jetzt noch nicht gemeldet worden.
In Peru ist ein Ausstand ausgebrochen. Ein Trupp Aufständischer unter Führung Pierolas griff das Regierungs- gebäude in Lima an und bemächtigte sich der Person des Präsidenten der Republick Leguia, um ihn zur Abdankung zu zwingen. Die der Regierung ergebenen Truppen befreiten Leguia und feuerten auf die Aufständischen, von denen über 40 getötet wurden. Nach neueren Nachrichten ist indessen der Ausstand wieder niedergeworsen worden.
Präsident Gomez von Venezuela erließ eine Botschaft an den Kongreß in Caracas. In ihr zählt er verschiedene Reformen auf, welche für das Land wohltätig gewirkt hätten und verbreitet sich dann weiter über die auswärtigen Beziehungen Venezuelas. Hierbei erklärt er, daß das srennd- schaftliche Verhältnis zwischen Venezuela und dem Deutschen Reiche beständig wachse.
Himmels-Erscheinungen im Juni.
Der Junni ist in diesem Jahre astronomisch besonders interessant, da in ihm, wie wir nachher im einzelnen berichten werden, eine Finsternis der Sonne und eine des Mondes statt- findet. Die Sonne erreicht am 22. Juni morgens 3 Uhr 6 Minuten ihren höchsten Stand über dem Himmelsäquator, es findet also mit anderen Worten in der Nacht vom 21. zum 22. Juni die berühmte „Sonnenwende" statt. Die Aenderung der Abweichung der Sonne vom Aequator ist so gering, daß man ihrer mit bloßem Auge kaum gewahr wird; denn zu Anfang deS Monats steht die Sonne nur noch IV2 Bollmonds- breiten von ihrer höchsten Stellung entfernt. Die erwähnte Sonnenfinsternis ist bet uns leider unsichtbar, da die Sonne zu der Zeit für uns unter dem Horizonte steht. Sie dauert nämlich für die Erde überhaupt vom 17. Juni abends 10 Uhr bis zum 18. Juni morgens 2V2 Uhr. Sie wird mit Ausnahme der Zeiten nahe Anfang und Ende total sein. Das Sichtbarkeitsgebiet erstreckt sich über Nordostasien, die nördlichen Polarländer und Nordamerika.
Der Mond erreicht am 4. Juni früh die Vollmondsstellung und steht dabei der Ekliptik so nahe, daß er in den Kernschatten der Erde eintaucht, der in jener Entfernung noch beiläufig 22/3mal so groß ist als der Mond. Wir sagen dann, es tritt eine Mondfinsternis ein. Die näheren Daten für diese Finsternis sind folgende: Gegen 11% Uhr abends am 3. Juni wird man einer matten Trübung am linken Mondrande gewahr werden; sie rührt vom Halbschatten der Erde her, in den der Mond 11 Uhr 36 Minuten eingetreten ist. (Alle Angaben in mitteleuropäischer Zeit.) Der Beginn der eigentlichen Finsternis findet um 12 Uhr 43 Minuten statt. Von 1 Uhr 58 Minuten bis 3 Uhr 0 Minuten ist dann der Mond völlig beifinftejt. Es ist sehr wichtig, dabei auf die Färbung zu achten, da diese große Unterschiede von einer Finsternis zur andern aufweist. Merkwürdigerweise verschwindet er nie vollständig, sondern bleibt noch in einem matten, tupfenden bis schmutzig-grau-braunen Lichte sichtbar, da durch die Strahlenbrechung in der Erdatmosphäre noch etwas Licht zu ihm gelangt. Um 4 Uhr 14 Minuten verläßt er dann den Kernschatten der Erde. Leider geht er aber für uns schon vor dem Ende der Finsternis unter. Die übrigen Phasen finden dann an folgenden Tagen statt: das letzte Viertel am 11. Juni, Neumond am 18. Juni und erstes Viertel am 25. Juni.
Von den Planeten sind zu Anfang des Monats drei am Abendhimmel zu beobachten: Merkur bis 9 Uhr, Venus bis 8% Uhr und Jupiter, der schon um 6 Uhr hoch im Süden steht. Merkur nähert sich dann bald der Sonne, am 7. Juni kommt er der Venus, die sich allmählich von der Sonne ent- jcrnt, bis aus 4V2 Vollmondsbreiten nahe. Den 15. Juni ist er in unterer Konjunktion mit der Sonne und deshalb um die Mitte des MonatS unsichtbar. Gegen Ende des Monats kann man ihn dann von 3V2 Uhr morgens ab wieder sehen. Venus vergrößert die Zeit ihrer Sichtbarkeit schon bis gegen 9 Uhr abends am Ende des Monats. Jupiter bewegt sich rechtläufig im großen Löwen und ist gegen Ende des Monats noch bis IOV2 Uhr abends zu beobachten. Dagegen werden die Bedingungen zur Untersuchung des Mars immer günstigere. Wer sich die Beobachtung der Mondfinsternis nicht entgehen läßt, wird dann auch Gelegenheit haben, diesen rötlich schimmernden Stern von IV2 Uhr morgens ab zu sehen. Er steht im Stcrnbilde des Wassermanns. Auch Saturn wird man ungesähr von 2% Uhr ab im Osten finden können. Er steht in den Fischen und wird gegen Ende des MonatS schon um 12% Uhr sichtbar.
Aus der Welt der K 0 m e t e n haben wir einen interessanten Fall zu berichten, der den Ruf der Himmelsphotographie, der ein wenig durch die Ueberschätzung ihrer Leistungsfähigkeit bei der erhofften Auffindung des Halleyschen Kometen gelitten hatte, wieder neu befestigt. Der Komet Daniel, der im Sommer 1907 am Morgenhimmel zu sehen war, hatte allmählich durch seine große Entfernung von der Sonne soweit an Helligkeit abgenommen, daß feit dem 27. Juni 1908 selbst mit dem großen Refraktor der Nizzaer Sternwarte keine Beobachtung mehr möglich war. Da jedoch seine Bahn auS früheren Beobachtungen von Kritzinger bestimmt war, konnte man auch weiterhin feinen Ort am Himmel Voraussagen. Nun ist es jetzt, wo der Komet in die Gegenüberstellung zur Sonne gelangt ist, nach einer VorauSberechnung des genannten Astronomen Herrn Professor Wolf in Heidelberg in der Tat geglückt, den Kometen nahe dem angegebenen Orte auf zwei Platten zu photogrophieren. Dadurch wird die Zeit, welche die Beobachtungen umspannen, um zehn Monate vergrößert, was für die' definitive Bahnbestimmung ein großer Gewinn ist.
Wenn wir wieder, wie es auch früher geschah, die Sternbilder genauer betrachten, die um die Mitte des MonatS von 9 biS 11 Uhr den vom Pol nach Süden zu liegenden Teil des Meridians passieren, so finden wir tief unten am Horizonte einen sehr auffallenden roten Stern, Antares im Skorpion. Rechts von diesem stehen drei helle Sterne, deren oberster ein schöner Doppelstern ist. Darüber haben wir dann noch nach Osten zu Teile deS Schlaugeuträgers oder OphiuchuS und nach Westen zu Teile der Wage. Darüber steht der Kops der Schlange, der schon im Opernglase wegen des Reichtums an Sternen einen reizenden Anblick gewährt. Weiter nach Norden zu liegt das schöne Sternbild der nördlichen Krone.
Hut Provinz u. Nachbargebiel
* Am Donnerstag, den 3. Juni, finden internationale wissenschaftliche B n l l 0 n a u f st il; g c statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas aus. Der Finder eines jeden
unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet.
p. Hersfeld, 2. Juni. (3 u n i.) Der Juni verdient eS, gleich dem Mai von Dichtermund gefeiert zu werden, zeigt sich in ihm doch die Natur in ihrer herrlichsten Fülle, aus der Höhe ihrer Entwickelung. Und in der Tat hat er auch seinen Dichter gefunden, und zwar ist es Emanuel Geibel, der einen Band feiner Gedichte „Juniuslieder" benannt und diesem ein altes Lied mit aus den Weg gegeben hat, welches lautet:
Jede Jahreszeit
Hat ihr' Freud und Leid;
Mai ist schön, doch hat er falschen Sinn, Darum, Juni mein, Sollst willkommen fein, Nun die weißen Blüten sind dahin.
Wenn die Strahlen glühn,
Ruht sich's gut im Grün,
Wo der Vogel pfeift im Walde frei;
Unterm Schattendach
Denkt die Seele nach,
Wird auch fröhlich und gesund dabei.
Gewiß hat der Mai seine einzigartigen Reize; das Erwachen der jungfräulichen Natur nach ihrem Winterschlaf dünkt uns doppelt erfreulich und wonnevoll, und diesem Gegensatz zu den trüben Tagen des hinter uns liegenden Winters hat es der Mai wohl zu verdanken, daß er als Wonnemonat besungen wird. Dieser Gegensatz fehlt dem Juni. Wir sind es da schon gewöhnt, daß uns die gütige Mutter Natur aus ihrem unerschöpflichen Füllhorn reiche Gaben spendet. Darum würdigen wir ihn nicht nach seinem ganzen Werte, den Juni, den schönsten Monat des Jahres, der die Entfaltung des BlühenS und Glühens in Feld und Flur, in Wald und Garten mit der Rose krönt, der Königin der Blumen. Auch für den Landmann ist der Juni von besonderer Bedeutung; denn nun klingen die Sensen aus den Wiesen, es geht zur Heuernte. Ein wunderbarer Dust lagert über den Wiesen, so zart und würzig, daß wir ihn auf unseren Spaziergängen mit Wonne einsaugen. Aengstlich blicken die Mäher zum Himmel empor, ob nicht etwa eine Wolke heranzieht, die den ganzen Erntesegen womöglich noch in letzter Stunde in Frage stellt, und dankbar erhellen sich ihre Züge, wenn ihre Augen allüberall nur einem lichten Blau der Himmels begegnen. Mit Recht singt darum ein Dichter:
Regen mag ich gerne sehen Auf das grüne Land, Aber nach der Halme Mähen Heißen Sonnenbrand.
Auch sonst ist der Juni für den Landmann ein Arbeitsmonat allerersten Ranges. Er hat Kohl und Rüben auf den Feldern zu pflanzen, er muß die übrigen Feldfrüchte jäten und hacken und in Weingegenden die Weinreben anbinden. Darum sagt auch ein alter Bauernspruch:
Juni kalt und naß Bringt keinem was.
Für Landpartien ist der Juni der schönste Monat. Er ist nicht zu heiß, um durch feine Glut zu belästigen, er bietet Schönheiten in Fülle, er hat die herrlichen langen Tage, die gar kein Ende nehmen wollen. In der Regel ist er auch im Wetter beständig, kurz, er vereinigt die Freuden des Frühlings und des Sommers, ohne daß ihm die Mängel dieser Jahreszeiten anhasten.
):( Hersfeld, 2. Juni. Herr Regierungs-Reserendar von C 0 s s e l wurde dem hiesigen Königlichen Landratsamt auf ein Jahr zur weiteren Ausbildung überwiesen.
):( Hersfeld, 2. Juni. Ein hier als Schreiberlehrling belästigter 16jähriger junger Mann aus Friedlos ist gestern nachmittag beim Baden in der Fulda dortselbst e r - trunken. Die Leiche konnte sofort geborgen werden.
):( Hersfeld, 2. Juni. Am 2. Pfingstseiertag nachmittag brach in dem städt. Forstdistrikt Haichgrund in der Nähe von Heencs ein Waldbrand auS. Glücklicherweise konnte derselbe durch Einwohner von HeeneS gelöscht werden, ehe er einen größeren Umfang annahm.
):( Hersfeld, 2. Juni. Dem heutigen V i e h m a r k t waren 105 Rinder und 288 Schweine ausgebracht. Der Handel ging im allgemeinen nicht besonders lebhaft und die Preise blieben in ihren bisherigen Grenzen. — Der nächste Viehmarkt findet am 30. Juni statt.
):( Hersfeld, 2. Juni. Herr Gerichtsassessor Brett- Hauer beim Landgericht Cassel wurde in die Liste der Rechtsanwälte mit dem Wohnsitze in Hersseld eingetragen.
):( Hersfeld, 2. Juni. In den heutigen Mittagsstunden zeigte das Thermometer 31° Celsius im Schatten.
Hanau, 28. Mai. Im Ostbahnhof entgleisten heute früh von einem Güterzuge Gießen-Hanau neun Wagen, die teilweise stark beschädigt wurden. Ein Hauptgleis Hanau- Friedberg war etwa fünf Stunden gesperrt. Verletzt wurde niemand. Der Materialschaden soll 8000 bis 9000 Mark betragen.
Wrexen, 29. Mai. Von dem Cassel-Warburger Personenzuge wurde im Elleringhauser Tunnel der Bahn- beamte Schreckenberg übersatten und auf der Stelle getötet
Fulda, 29. Mai Im Dombrandprozeß hat das Landgericht zu Hanau heute dahin entschieden, daß die Beklagten, August Müller und Genossen, schuldig sind, 232 Mark für Reparaturen am südlichen Domturm zu bezahlen, daß aber der Fiskus mit feiner Klage auf Erstattung von 4200 Mark für Reparaturen am Kirchendach, das der einstürzende brennende nördliche Turm beschädigt hatte, abzuweisen sei.
Fritzlar, 27. Mai. Ein großes Aussehen erregte gestern hier die Verhaftung eines hier wohnhaften jungen Kaufmanns, der sich, wie man hört, großer Betrügereien schuldig gemacht haben soll. Angeblich ist er aus guter Familie in Berlin, hat aber dort, in Cassel und auch an anderen Orten Schwindeleien begangen, sodaß ihn seine Familie ausgesteuert hat. Er spielte fein die Rolle eines vermögenden Mannes und hat hiesige Familien schwer geschädigt.
Dermbach (Rhön), 29. Mai. Das LVajährige Kind deS Wagners Fuß in Oberalba wurde von einem Holzwagen aus Unteralba überfahren und verschied sofort. — Zwei Eisenbahnarbeiter aus Föria stürzten bei einem Ausflug in der Nähe von Ticsenvrt so unglücklich mit ihren Rädern, daß sie lebensgefährliche Verletzungen davontrugen.
Göttingen, 28. Mai. Von einem schrecklichen Unglück wurde die Familie eines hiesigen Geschäftsmannes betroffen. Der kleine fünfjährige Sohn trank auS einer Flasche die eine Säure enthielt. Obwohl daS arme Kind sofort zur Klinik gebracht wurde, starb es dort gestern nach furchtbaren Qualen.
Göttingen, 28. Mai. Unter großem Geleit der Studentenschaft mürbe gestern die Leiche eines Studenten nach dem Bahnhof übergeführt. Der Tod deS Studenten ist die Folge einer Säbelmensur. Der Student, der nicht
weniger als 49 Mensuren auSgesochten haben soll, erhielt letzthin einen Säbelhieb, der ihm den Schädel spaltete und nach kurzer Zeit seinen Tod herbeiführte.
Vom Oechsenberg, 1. Juni. Ein grausiger Unglücks» fall hat sich gestern vormittag bei dem Bismarck-Aussichtsturm ereignet. Während der Tischler Gebauer aus Oechsen sich unten im Turm aushielt, stieg sein achtjähriges Söhnchen mit einigen Altersgenossen hinaus auf die Plattsorm, balgte sich mit den Jungens und stürzte dabei außen an dem Turme hinab in die Ticse. Die Höhe dürste etwa 14 Meter betragen. Der Bruch beider Oberschenkel war die Folge deL Sturzes.
Mainz, 31. Mai. Oberhalb Geisenheim kenterte am Sonntag ein mit drei Personen besetztes Boot des Casteller Rudervereins. Ein Rettungsboot des Dampsers Wilhelmine der Niederländischen Gesellschaft rettete zwei Personen, die dritte ertrank.
Gieselwerder a. Weser, 1. Juni. Der Holzhändler Joh. Bachmann von hier, ein 65 Jahre alter Mann, wollte Sonnabend mittag an der Weserbrücke von einem Wagen springen. Dabei glitt er aus und wurde übersahren. Er war sofort tot.
vermischter.
— (Die Gefahren der Elektrizität.) In der Landgemeinde Rhkindors (Reg-Bez. Rheindors) schlugen abends an den elektrischen Leitungen in den Häusern allerorten Flammen empor, so daß zahlreiche Brände verursacht wurden, welche die Feuerwehr mit Ausbietung ihrer gesamten Mann- schasten schließlich löschen konnte. Der Zicgeleibcsitzer Neukirch wollte, als sein Haus durch die Flammen gesährdet wurde, den Leitung-draht herunterholen. Hierbei kam er in Berührung mit dem Draht und blieb hängen. Fünfzehn Personen, die Neukirch zu Hilft eilten, fielen wie vom Blitz getroffen zu Boden. Man konnte sie schließlich ohne ernstliche Verletzungen in Sicherheit bringen. Neukirch aber mußte etwa 10 Minuten in seiner verzweisclten Lage verbleiben; er hatte surchtbare Wunden erlitten und wurde ins Krankenhaus geschafft. Die Ursache der Unheils ist noch nicht sestgestellt.
— Stettin, 1. Juni. Im benachbarten Podejuch kenterte gestern in der Nähe der Badeanstalt ein mit 9 Personen besetztes Boot. Sämtliche Insassen stürzten in das Wasser. Füns Personen konnten gerettet werden, während eine Frau und drei Kinder ertranken.
— Trier, 31. Mai. Auf dem Truppenübungsplatz stürzte Major Schulz vom 29. Infanterieregiment vom Pferde und bohrte sich beim Fallen den Degen in die Seite, sodaß er bald darauf starb.
— (Schreckenstaten eines Wahnsinnigen.) Bei Guernica in der spanischen Provinz Vizcaya, spielte sich ein surchtbares Drama ab. Ein Bauer wurde dort plötzlich von Tobsucht befallen. Er zündete sein Haus an, griff Vorbcikommeudc mit dem Beil an und erschlug damit fünf Personen. Schließlich wurde der Wahnsinnige von der hcrbei- eilenden Gendarmerie in Ketten gelegt. Das Verbrechen verursachte die größte Bestürzung in der ganzen Gegend.
— (Nicht zu verblüssen.) Die deutsche Wochen- zeitung für die Niederlande erzählt ein lustiges Geschichtchen, das für manchen vielleicht noch neu ist: Ein lustiger Bruder Studio in Amsterdam ließ ein Skelett photographieren und schickte daS Bild seinem Vater mit einem Schreiben, in dem er schilderte, wie er durch übermäßiges Studieren in diesen Zustand der Abmagerung geraten sei. Er bedürse längerer Ruhe, besserer Speisen und neuer Kleidung, wofür viel Geld nötig sei. Umgehend traf eine Depesche des Vaters ein: „Prächtige Gelegenheit für Dich, um Dich fürs Varietce engagieren zu lassen!"
— (6 000 000 Postsachenvon einer Firma zu gleicher Zeit ausgeliesert.) In große Verlegenheit setzte eine Chicagoer Firma die Zentral-Poststation von Chicago durch die Aufgabe von 6 000 000 Postsachen, die mit insgesamt Freimarken im Werte von 240 000 Mark versehen waren. Das Gewicht dieser Sendung betrug 125 Tonnen. Zur Beförderung mit der Bahn waren 60 Waggons notwendig.
— Essen (Ruhr), 31. Mai. Amtliche Meldung. Am 29. d. Mts. gegen 9 Uhr 30 Minuten nachm. wurden zwei Damen in einem Abteil 1. Klasse des Eilzuges 19 Köln — Berlin zwischen den Stationen Kamen und Nordbögge von einem Mann überfallen, der während der Fahrt daS Abteil bestiegen hatte. Der Täter sprang, nachdem der Zug infolge Ziehens der Notbremse im Bahnhof Nordbögge zum Halten gekommen war, vom Zuge und entfloh in der Richtung aus Pclkum. Aus die Ermittlung des TäterS ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
— Oklahoma City, 30. Mai. Durch einen Tornado wurden in verschiedenen Teilen des Staates 22 Personen getötet und 50 verletzt.
— Magdeburg, 1. Juni. In der Pionier-Kaserne brach abends ein großer Brand aus. Mit ungeheurer Schnelligkeit hatten die Flammen das ganze Dachgeschoß ergriffen. Gegen Mitternacht gelang es, daS Feuer zu bewältigen. Viele Geräte und Akten sind verbrannt. Die Ursache des BrandeS ist noch nicht ermittelt.
Letzte Nachrichten.
Vergicrs, 1. Juni. Zu Ehren der auf dem hiesigen Friedhos ruhenden deutschen Kämpfer von 1870/71 wurde heute ein Denkmal des deutschen Vetcranenvereins errichtet.
NovoscherkaSk, 1. Juni. Die Station Rovenkjkie der Jekatcriuenbahn wurde von bewaffneten Räubern Überfällen. Der Stationschef wurde getötet und seine Frau ver- mundet. Die Räuber raubten aus der Stationskasse 1000 Rubel und entflohen.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Dienststelle Weilburg (Landwirtschastsschule).
Wetteraussichten für Donnerstag den 3. Juni:
Noch vereinzelt Regenschauer, kühl, später wieder Aufheiterung.