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Herrfel-er Urekblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. «3. Sonnabend, den SS. Mai 1909.
Amtlicher Teil.
HerSseld, den 24. Mai 1909.
Nachstehend veröffentliche ich das Ergebnis zweier für die
Der Bullenhalter
Alter
Der Bullen
Befund
Abstammung
Bemerkungen.
Wohnort
Namen
Rasse
Farbe u. Abzeichen
1
2
Widdershausen
Gemeinde
16 Mon. i
15 Mon. 1
Simmenth.
gelbrot stichelhaarig weißgelb
brauchbar
brauchbar ।
ZG.Oberhess?
HerSseld, den 25. Mai 1909.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des hiesigen KreiseS erinnere ich an Erledigung meiner Verfügung vom 2. April d. Jr., I. A. Nr. 2069, im Kreisblatt Nr. 41, An- zeige über die erfolgte Ausstellung und Vorlage der Gemeinderechnung für daS Jahr 1. 4.1908/09 betreffend, mitFrist bis zum 1. Juni d. I.
Der Vorsitzende des Areisausschusses:
I. A. 3428. von GruneliuS.
Hersseld, den 25. Mai 1909.
Mit Einreichung der Kreishundesteuerhebeliste für das Rechnungsjahr 1./4. 1909/10 ist trotz meiner Verfügung vom 4. d. Mts. A. Nr. 2878 im Kreisblatt Nr. 54 immer noch eine Anzahl der Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher deS KreiseS im Rückstände.
Ich ersuche deshalb diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die es angeht, mir die fragliche Liste nunmehr noch bis spätestens zum 31. dS. Mts. einzu- reichen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
J. A. 2878. von Grün eliuS.
HerSfeld, den 26. Mai 1909.
Sonntag den 6. Juni d. Js. — nachmittags 3 Uhr — findet zu HilmeS im Saale des Gastwirts Landsicdel daselbst die diesjährige Abgeordneten-Versammlung deS Feuerwehr- KreisvereinS statt.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister des Kreises alsbald dafür zu sorgen, daß von jeder Feuerwehr mindestens ein Abgeordneter in Uniform an dieser Versammlung teilnimmt.
Die dem Abgeordneten durch die Reise entstehenden Kosten sind auS der Gemeindekasse zu ersetzen.
I. 5765. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
Gefundene Gegenstände.
Eine wertvolle Brosche. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu RanSbach.
nichtamtlicher teil.
Pfingsten.
Der Tag der Pfingsten ist da. AuS Lerchensang und lauen Lüften, auS der Maiblumen Dust und des Pfingst- vogelk Schlag vernimmt daS fröhliche Herz, daß deS Frühling- Hochsaison genaht, und mit tausend Armen winkt unS die lachende Natur, daß wir ausjauchzen und mitjubeln sollen: Pfingsten, da- liebliche Fest, ist gekommen! Wie Schöpsungs- odem zittern melodische Klänge durch die Luft und erfüllen die Brust mit tausend seligen Gefühlen. Auch in den Herzen der Mühseligen und Beladenen erwacht die Lebenslust auss neue; dringt doch der leuchtende Sonnenstrahl selbst in die dunkelste Kammer und weckt dem Kranken und Weltmüden die Hoffnung, daß auch seine Rosen wieder blühen werden. Nach alter Sitte schmückt auch der Aermste sein Heim mit dem Baume bei FriedenS und der Freude, der grünenden Maie, und es gibt wohl kaum ein HauS, wo nicht und wenn auch nur ein Zweig dieses alten deutschen PfingstbaumeS prangt. Frohe Hoffnung bezeugen seine grünen Blätter, und auch in unsere Herzen zieht am Pfingstfeste beim Anblick der grünen Maien ein neuer Frühling ein:
ES blüht das fernste, tiefste Tal;
Nun, arme- Herz, vergiß der Qual, Nun muß sich alle-, alle- wenden!
Darum schmücket da- Fest mit Maien! Die Maie, die in frischer Frühling-zier prangende Jungbirke, ist der Christbaum der Pfingsten; sie entspricht in ihrer keuschen reinen, schlichten Schöne dem Wesen bei Festes, sie versinnbildlicht mit ihrem weißen Stamme, an dem der märchenhafte Mondschein hangen geblieben zu sein scheint, mit ihren zitternden, lichtgrünen Blättern, die un- anmuten, al- seien sie vom Himmel gefallen, den himmlischen überirdischen Pfingstsegen. Deshalb hat sie auch mit vollem Recht wieder ihren Platz in den Kirchen ge» sunben. Wir schmücken wieder daS Fest mit Maien „bi- an die Hörner des AltarS". Ihr herber und doch linder, ihr füßer und doch starker Duft durchzieht die hohen, ernsten
Gemeinde Widdershausen von der Körungskommission angc- körten Zuchtbullen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
I. A. 3349. von GruneliuS.
Hallen des Gotteshauses und lindert die heiligen Schauer, die es durchziehen; die spielenden Schatten ihrer nimmermüden Blätter fallen im Sonnenflimmer aus die Decke deS heiligen Tisches, ein finniges Sinnbild der Pfingstgabe. Durch die rechte Festpredigt aber geht ein Hauch sonnigen, leuchtenden Lenzes, der Odem. weltumfassender, weltdurchdringender, weit- rettender Liebe, und durch unsere alten köstlichen Pfingstlieder klingt es wie das Jauchzen der sreigewordenen Kreatur.
Geistesfreiheit, das war daS suchende, nimmer stille Sehnen der Völker, und daS ist der sieghafte Segen des Pfingstfestes. Der in deS Ostermorgens Frühe dem Felsengrabe triumphierend entstieg, der am sonncnfrohen Himmelfahrtstag glorreich heimwärts schwebte, begrüßt von der Harmonie der Sphären, die ihm das Wanderlied sang, und dem jauchzenden Willkommen der Engelschöre. der hat mit seinem Geiste den Seinen die Pfingstgabe der Freiheit gesandt und damit den ewigen Scelen- frühling. Und wie mächtig hat sich diese völkerbefreiende Kraft des PfingstgeisteS erwiesen feil, jm-m ersten Pfingstfeste in Jerusalem, wo die zaghaften Apostel plötzlich zu kühnen Held«, wurden, die mit dem Schwerte des Geistes und der Wahrheit den Riesenkampf aufnahmen gegen die Mächte der Finsternis! Zwar gibt es auch heute noch in der Welt viel geistige Blindheit, viel Selbstsucht und Bosheit und in ihrem Gefolge Neid und Streit und Zank und Hader auf kirchlichem, wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und politischem Gebiete, aber es ist doch ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Damals und dem Jetzt, und dieser Unterschied sällt nicht zum Nachteil des letzteren aus. Das berechtigt uns zu der Hoffnung, daß der göttliche Geist der Wahrheit, des Lichtes, der Gottes- und Menschenliebe unaushaltsam vorwärts führen wird zu immer höherer sittlichen Vollkommenheit und Glückseligkeit.
Mögen sich nur alle Herzen dem Pfingstgeiste öffnen, dann wird in unserer Brust, in unsern Häusern und in unserm geliebten Vaterlande das Wort des alten Pfingstliedes mehr und mehr zur Wahrheit werden:
Kein Neid, kein Streit
Dich betrübe!
Fried' und Liebe Müssen schweben, Fried' und Freude wirst du geben.
Politischer Wochenbericht.
Der Reichstag hat sich bis zum 15. Juni vertagt, während seine Finanzkommission noch weiterarbeitet. War von der deutschen Volksvertretung während der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten geleistet worden ist, war gesetzgeberische Kleinarbeit, die, wie die Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker und die Mühlenumsatzsteuer, zwar vielfach tief in daS wirtschaftliche Leben einzelner Erwerbsstände eingreist, aber doch keine allgemeinpolitische Bedeutung besitzt. Ueber dem Schicksal des hochbedeutsamen Werkes der Reichsfinanz» reform liegt leider noch immer tiefeS Dunkel. Als Mindestmaß des Mehrbedarfs für eine durchgreifende Finanzreform sind 500 Millionen allgemein anerkannt aber nur etwa 240 Millionen sind bisher in der Kommission bewilligt. Von den indirekten Steuern sind die Steuern aus Elektrizität und GaS sowie aus Anzeigen vollständig gestrichen worden. Bei dem Branntwein wurden solche Abstriche vorgenommen, daß die Erträge nicht 100, sondern nur rund 85 Millionen betragen werden, beim Tabak statt 77 nur einige 30 Millionen, und anstelle der Weinsteuer wurde nur eine Schaumweinsteuer angenommen, die vielleicht 5 Millionen bringen kann. Lediglich die Biersteuer kann nach den Beschlüssen der Kommission annähernd das bringen, was die Regierungsvorlage vorschlägt. Noch unbefriedigender waren die Beschlüsse hinsichtlich der Bcsitzabgaben. Dir rund 100 Millionen, die aus der Erbschaftssteuer einschließlich der Wehrsteuer und der Vorlage über das Erbrecht des StaateS dem Reiche zufließen sollten, wurden bis aus letztere von der Kommission abgelehnt, so daß der gesamte Fehlbetrag nicht weniger al- 240 Millionen Mark beträgt. Unter diesen Umständen kann es nicht Wunder nehmen, wenn in weiten Kreisen des deutschen Volkes Beunruhigung Platz greift, und wenn je, so muß diesmal der Wunsch zum Ausdruck kommen, daß der Pfingstgeist die Reichsboten erleuchten möge, damit nach den Pfingstserien die Sanierung der deutschen Reichrfinanznot doch noch zu einem gedeihlichen Ende geführt wird.
Erfreulicher ist die vom preußischenLandtage geleistete Arbeit. Das sozial und politisch hochbedeutsame Werk
einer allgemeinen Neuregelung der Gehälter der Staatsbeamten, VolkSschullehrer und Geistlichen ist glücklich unter Dach und Fach gebracht, nachdem das Herrenhaus die Vor- loge durch einstimmige en bloc-Annahme erledigt hat. Es steht nunmehr nichts im Wege, daß die preußischen Beamten- und Lehrerschaft sowie die Geistlichkeit bereit- am 1. Juli in den Genuß der erhöhten Bezüge treten können. ES wird eine Ausbesserung für viele Tausende von Staatsbürgern in einem Umfange und mit Auswendung so bedeutender Staatsmittel in die Wege geleitet, wie es bisher wohl noch nie in Preußen und wohl überhaupt noch nicht in einem StaatS- wescn der Fall gewesen ist. An der Beamten- und Lehrerschaft Preußens wird es nun sein, sich in Dankbarkeit, Ruhe und Zufriedenheit den Wohltaten der BesoldungSreform zu erfreuen, und man darf wohl die Hoffnung hegen, daß von einer „Beamtenbewegung" wie sie von unzufriedenen Elementen in letzter Zeit versucht wurde, in Preußen nicht wieder die Rede sein werden.
Zu einem befriedigenden Ende ist auch die leidige Caj a b l a nc a-A ngelegenheit geführt worden, nachdem daS im Haag zusammengetretene Schiedsgericht die Ent- scheidung gefällt hat. Der Schiedsspruch bewegt sich auf einer mittleren Linie zwischen der deutschen und der französischen Auffassung, so daß beide Teile zu ihrem Rechte kommen. Er nimmt an, daß, solange die Angehörigen eines OkkupationS- korps da- von der Truppe unmittelbar, dauernd und tatsächlich wirksam okkupierte Gebiet nicht verlaffen haben, der Militärgerichtsbarkeit der Vorzug zukommt, und daß demgemäß die deutschen Deserteure von der Fremdenlegion innerhalb der befestigten und von französischen Streitkräften besetzten und bewachten Gt".dt Casablanca unter ausschließlich französischer Militärjurisdiktion verblieben seien. Bei der zweifelhaften Rechtslage sei es nicht zu tadeln, wenn die deutsche Konsularbehörde gleichwohl den deutschen Deserteuren den von ihnen nachgesuchten Schutz gewährt habe. Da dieser Schutz nicht offenbar unrechtmäßig war, hätte die französische Militärbehörde sich daraus beschränken müssen, die deutschen Deserteure an der Flucht zu verhindern und bis zur Lösung der Frage im Gewahrsam des deutschen Konsuls zu belassen, statt sich ihrer mit Gewalt zu bemächtigen. So ist der leidige Zwischenfall endgültig aus der Welt geschafft. Wenn wir den Wunsch daran knüpfen, daß das unsittliche Institut der Fremdenlegion aufgehoben werden möge, wissen wir wohl, daß er nicht in Erfüllung gehen wird, aber wir glauben, daß dieser Wunsch von allen Franzosen geteilt wird, denen die unbefleckte Ehre ihrer Fahnen am Herzen liegt.
Wie der zweite Poststreik, so ist auch der geplante Generalstreik inFrankreich mißglückt, und die Streikregisseure haben eine klägliche Niederlage erlitten. Eine Schar Führer, wohl alle- Streber, die nur ihren eigenen Vorteil verfolgen, faßte mit einem Häuflein revolutionärer „Arbeiter", die nichts zu verlieren haben, aber viel zu gewinnen hofften, hochtrabende Beschlüsse, die an allen Straßen- ecken angeheftet wurden, die jeder las, aber niemand befolgte. Die Arbeiter hatten keine Lust, mitzumachen, aber nicht nur die Arbeiter lehnten die Solidarität mit den Beamten ab, sondern auch die Postbeamten wollten mit den revolutionären Syndikalisten nichts zu tun haben und setzten ihnen den Stuhl vor die Tür. So blieb der Solidaritätsstreik nicht- als eine revolutionäre Phrase und kam über die Ansangsstadien nicht hinaus. Wie soll auch Solidarität, d. h. opserwillige Hingabe für fremde Interessen zu finden sein in einer Bewegung, deren treibendes Motiv der krasseste EgoiSmu- ist?
Die englische Furcht vor einer deutschen Invasion zu Wasser und durch die Lust wirkt nachgerade lächerlich. Es sehlt nur noch, daß die Herren Engländer erklären ihre eigene Flotte sei alte- Eisen, und die Deutschen seien im Besitz eines Mittels, durch das man .iUe Welt zunächst um den Verstand und dann um ihre nationale und staatliche Selbständigkeit bringen kann. Daß Deutschland seine Flotte nicht zu Angriffszwecken, sondern zum Schutze feine» Handels und seiner Kolonien auSbaut, ist bereits zum Ueber« druß unsern englischen Vettern erklärt worden, und diesen Zweck hat auch Italien, dessen Regierung von der Deputierten» kammer 440 Millionen zum Ausbau der italienischen Flotte fordert, im Auge. Alle Besuche und Gegenbesuche, die dem Zwecke dienen sollen, zwischen dem englischen und dem deutschen Volke ein bessere- gegenseitiges Verständnis anzubahnen, sind nutzlos, wenn ein gewisser Teil der englischen Presse fortfährt, ihren Lesern solche Märchen wie daS von einem nächtlicher- weile über England dahinbrausenden deutschen Luftschiffe oder der ganz im stillen betriebenen Anlage eines Tunnels unter der Nordsee auszubinden.
Abgeordnetenhaus.
Am Mittwoch wurde bei Beratung der Stempelsteuer- Novelle ein neuer Kompromißantrag der Rechten und deS Zentrums über die Fahrradsteuer, nach dem Fabrradscheine mit 1,50 Mk. versteuert werden sollen und nur bei Rädern, die zu gewerblichen Zwecken benutzt werden, die Steuer auf 50 Pfg. ermäßigt werden soll, gegen die Stimmen der Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokratin angenommen; ein Antrag