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ein gemeinsamer Imbiß eingenommen. Aus der Höhe von Lindau findet der erste Personenwechsel der Passagiere des Luftschiffes statt. Dann erfolgt die Rückfahrt nach Friedrichs' Hasen. NPh der Ankunft dort begeben sich die Abgeordneten zum Werftplatz, wo ein zweiter Wechsel der Lustschiffgäste und gleichzeitig die Besichtigung der Anlagen, verbunden mit einem Ehrentrunk, vorgenommen wird. Nach einem dritten Passa- gierwechsel bringt der Dampfer die übrigen Gäste nach Man- zell, wo dann daS Luftschiff in die Halle einfährt. Die Be­teiligung der Abgeordneten an den Fahrten erfolgt in der Weise, daß einige Abgeordnete dafür ausgewählt werden, während 16 weitere Abgeordnete durch daS Los bestimmt werden. ES haben sich bis jetzt etwa 100 Reichstagsabge- ordnete angemeldet. Gestern ist mit der Füllung desZ. 11." begonnen worden. Schon morgen wird dieses Luftschiff seine erste Probefahrt auSführen, und zwar soll diese möglichst aus­gedehnt werden, um daS neue Luftschiff in allen seinen Teilen gründlich zu prüfen. Es verlautet sogar, daß die erste Fahrt eine 24-Etundensahrt werden soll.

Nach der Denkschrift über die Entwickelung der n e b e n- b a h n ä h nli ch e n Kleinbahnen in Preußen, die dem Abgeordnerenhause zugegangen ist, betrug die Strecken­länge der genehmigten Bahnen am 31. März 1908 8730,85 Km. (im Vorjahre 8351 Km.). Im Betrieb warem 8124,37 Km., davon entfielen auf Pommern 1405, aus Brandenburg 740, aus Posen 706, auf Ostpreußen 700, aus Schleswig- Holstein 738 Km. Die Einnahmen sämtlicher Bahnen betrugen 1907 32975527 Mk.

In derLüderitzbuchter Ztg." werden die schon seit einiger Zeit umlausenden Gerüchte über Vorkommen von Gold in Deutsch-SLdwestafrika, etwa 50 Kilometer südlich Seeheim, bestätigt. Dort hat in unmittelbarer Nähe der Kalksontein-Bahn die SchürfgesellschaftSecheim" vor etwa 3 Monaten begonnen, zu schürfen und zu sprengen. Proben auS den oberen Quarzschichten gingen nach Swakopmund zur Analyse. Diese ergab, daß die Tonne 2,8 Gramm Gold enthielt. Die Arbeiten sollen jetzt kräftig in die Hand ge­nommen worden, da die Ader sich über 150 Schürffelder er­streckt und die Annahme einer reicheren Ausbeute in die Tiefe äußerst wahrscheinlich ist. Die Gesellschaft besitzt 150 Schürf- selber und hat sich mit einem Kapital von 30 Mille gebildet.

Ueber die Prügelstrafe in England hat das englische Ministerium des Innern eine Statistik für daS Jahr 1908 veröffentlicht. Danach sind im Jahre 1908 22 Ange­klagte zu Prügelstrafen verurteilt worden, sämtlich wegen ge­waltsamen Raubes. Von den Verurteilten waren die meisten junge Leute; daS Alter der 22 Delinquenten schwankte zwischen 17 und 48 Jahren, und die Anzahl der ihnen ver- abreichten Stockschläge oder Peitschenhiebe zwischen sechs und achtzehn.

Im englischen Unterhanse stellte Sir John Barlow am Montag die Frage an die Regierung, was er mit der von Provinzblättern gebrachten Nachricht, es befänden sich 66000 ausgebildete deutsche Soldaten inEng- land, und in einem Keller unweit des Charing-Groß-Bahn- Hofes lagerten Mausergewchre, sowie 7V2 Millionen dazu ge­höriger Patronen, auf sich habe. Die nämliche Frage hatte Sir John bereits vorher in einem Briefe an den Kriegs­minister Haldane gestellt, worauf von letzterem in seiner schriftlichen Antwort die betreffende Nachricht als außerordent­lich töricht bezeichnet worden war. In seiner auf die münd­liche Anfrage der genannten Abgeordneten gegebenen Er­widerung erklärte Haldane **e erwähnte Sensationsmeldung als dirett lächerlich und bemerkte, derartige Gerüchte seien ge­eignet, den Ruf des gesunden Menschenverstandes des eng­lischen Volkes im Auslande zu schädigen.

Auf der Insel H a y t i herrschen wieder einmal kriege­rische Wirren. AuS Puerto Plata wird gemeldet, daß der revolutionäre General Camacho die an der Grenze von Haytt und San Domingo gelegene Stadt Guayali erobert habe. Falls es den RegierungStruppen nicht gelingen sollte, in Stürje einen entscheidenden Sieg zu erringen, dürste sich die Lage immer schwieriger für die Regierung gestatten, da aus allen Teilen der Republik Unzufriedenheit mit dem gegen­wärtigen Regime gemeldet wird.

Eine blutige Stra ß enemeute hat es in Sinopoli, in der Provinz Reggio di Calabria, gegeben. Etwa 2500 Personen versammelten sich auf der Piazza, verlangten die Verteilung von Lebensmitteln seitens der Stadtbehörden und bewarsen drei Karabinieri, welche die Ruhe wieder her­stellen wollten, mit Steinen. Ein Karabinieri, der von einem Steinwurf getroffen wurde, gab Feuer. Daraus entwaffneten ihn die Manifestanten und feuerten ihrerseits aus die Kara- binierie. Nunmehr gaben sämtliche Karabinieri Feuer, töteten

unter den veränderten Umständen kann davon nicht die Rede sein!

Was ich einmal aus mich genommen habe, trete ich nicht wieder ab", erklärte er.Haben Sie das Vertrauen zu mir verloren, daß Sie mir die Sache auS der Hand nehmen wollen?"

Nein, 0 Gott, nein! Sie sind ja der treueste Freund, den ich habe, der einzige, dem ich mich anvertrauen kann!" Sie hatte die Worte mit einer gewissen Leidenschaft hervor­gestoßen, und Wols, berauscht von diesem Geständnis, beugte sich zu ihr nieder.

Wenn ich Ihnen auch nie mehr sein darf, Elisabeth, so lassen Sie mich wenigstens Ihren treueften Freund bleiben für immer."

Ihre Hände umfaßten feine Rechte, die er ihr entgegen­gestreckt hatte.

Für immer für immer", wiederholte sie leise. Dann gab sie seine Hand frei, lehnte sich zurück und fügte festen Tones hinzu:Diese Sache aber sönnen Sie nicht ordnen, das geht über Ihre Kraft. Ich werde es tun."

Flüchtig, wie ein verirrtet Sonnenstrahl, huschte ein Lächeln über Wolfs ernste Züge, bei Elisabeths Worten.

Die Macht der Schönheit und der Seelenstärke auf Ihrer Seite, dagegen kann ich nicht aufkommen", antwortete er,aber die tatkräftige Arbeit, das Ringen um Existenzfragen auf meiner Seite. Aus diesem Gebiete, glaube ich, bin ich doch leistungsfähiger."

Es hat alles seine Grenzen, auch die Opfer, die man annehmen kann. Ein Ausweg hat sich gesunden", sagte sie mit einem müden Lächeln.Hören Sie mich an! Bis vor kurzem habe ich wie eine Nachtwandlerin gelebt, die nicht sieht und hört, was um sie her vorgcht, und auch das Nächst- liegende nicht begreift. Es ist aber anders geworden, ich habe sehen gelernt!"

Sie hielt einen Augenblick inne, ihre Lippen zuckten, und daS liebe Gesicht nahm einen unendlich schmerzlichen Ausdruck an, als sie fortfuhr:Das Gut ist verschuldet, die schlechten Jahre bringen es immer mehr herunter. Meine Eltern wissen ost nicht aus noch ein die jüngeren Geschwister müssen er-

vier und verwundeten sechs Manifestanten. Später stellte das Militär die Ordnung wieder her.

AuS Schanghai wird gemeldet, daß die chinesische Regierung Admirals Sahs Plan angenommen hat, nach dem mit einem Kostenaufwand von 50 Millionen Mark drei Kreuzer mit je dreitausend Tonnen Gehalt, einer von zwei­tausend Tonnen und acht Zerstörer gebaut werden sollen. Santenwan in Chekiang soll der Kriegshasen werden. Dort sollen Werften, Eisenbahnen, Arsenal, Leuchtturm, Kohlendepot, Telegraph und drahtlose Station erbaut werden. Es ist nur noch die Zustimmung des Prinzregenten nötig.

Mr Provinz u. Naebdargebiet.

* (P 0 st p e r s 0 n a l i e n.) Die Prüfung als Postassistenten bestanden in Casfcl: Steinmetz, Vollgraf, A. Knoth, Fischer, Daun, Bräutigam und H. Weber.

* (Erleichterung des SonntagsverkehrS.) Vom 1. Mai ab sind alle Personenzüge im Verwaltungs­bezirk der Eisenbahndirektion Cassel für den Verkehr auf SonntagSkarten freigegeben von den übrigen auf SonntagS- karten bezüglichen Bestimmungen ist von Interesse: Der Uebergang in eine höhere Wagenklasse ist gegen Zulösung von Zusatzkarten zum normalen Preise gestattet. Die Fahrt kann aus der Hin- und Rückreise je einmal unterbrochen werden; die Rückreise ist auch von einer Zwischenstation ab zulässig. Die Rückfahrt muß aber auf der Zielstation der Fahrkarte ober auf der Zwischenstation spätestens bis 12 Uhr Mitter­nacht einschl. angetreten werden und ist alsdann ohne Aufent­halt, und bei nötig werdendem Zugwechsel mit den unmittelbar anschließenden Personenzügen zurückzulcgcn. Die Eil- und Schnellzüge sind von der Benutzung mit SonntagSkarten gänzlich ausgeschlossen. Sie dürfen selbst dann nicht benutzt werden, wenn etwa die Zulösung einer den Preis ausgleichenden Zusatzkarte beabsichtigt sein sollte.

* (K r ü p p e l f ü r s 0 r g e.) In einer vom Regierungs­präsidenten Grasen Bernstorff auf Sonnabend einberufenen Versammlung wurde ein Komitee für Krüppclsürsorge im Regierungsbezirk Cassel gebildet, dem alle Anwesenden beitraten. Das Komitee fetzte einen Arbeitsausschuß ein, bestehend aus den Herren Geh. Med.-Rat Professor Dr. Tuczek-Marburg, Pfarrer D. Sardemann-Cassel, Pfarrer Schuchard-Hephata, Reg.- und Medizinalrat Dr. Rockwitz-Cassel, Dr. P. Möhring- Cassel und Dr. Adolf Alsberg-Cassel, und überließ diesem Arbeitsausschuß zunächst die weiteren Schritte zur praktischen Durchführung der Beschlüsse.

* (Das neue Fünsundzwanzigpfennigstück). Der Bundesrat hat vor kurzem die Vorlage des Reichsschatz­amtes verabschiedet, die sich auf die neue Gestaltung und Aus­prägung des zukünftigen 25-Pfennigstückes bezieht. Ueber die Jnkurssctzung dieser Münze wird derIns." mitgeteilt, daß voraussichtlich nicht vor Juli die erste» Geldstücke in den Ver­kehr gelangen werden. Die Herstellung der Stempel und andere technische Maßnahmen erfordern so viel Zeit, daß an eine frühere Ausgabe nicht gedacht werden kann.

) :( Hersfeld, 26. Mai. Der in der hiesigen Gasanstalt beschäftigte Lehrling Hans Wolfs bestand vor der hiesigen Prüfungskommission feine Gesellenprüfung als In­stallateur.

) :( Hersfeld, 25. Mai. Gestern wurde ein hiesiger ver­heirateter Arbeiter auf eine bei dem Königlichen Amtsgericht erfolgte Anzeige hin wegen Sittlichkeitsvergehens verhaftet. Der Mann soll sich an seiner eigenen erst 13 Jahre alten Tochter vergangen haben.

§ Hersfeld, 26. Mai. Künftig ist der Sprechver- k e h r mit den nachbezeichneten Orten zugelassen: Sellnrod, Beerwalde, Großcnstein b. L., Raitzdors, Posterstcin, Raitzhain, Ronneburg, Rückersdorf. Die Sprechgebühr beträgt bei dem ersten Ort 50 Pfg., bei allen übrigen 1 Mk.

§ Hersfeld, 26. Mai. Ueber dieF ö r st e r ch r i st l", die bekanntlich Donnerstag, den 27. ds. in der Neuen Turn­halle von dem hier bestens eingeführten Berliner Operetten- ensemble zur Aufführung gelangt, lesen wir in auswärtigen Blättern: Einen neuen, durchschlagenden Erfolg hat die bereits von den meisten deutschen und österreichischen Bühnen auf- geführte OperetteFörsterchristl" auch in Berlin erzielt. DaS Ganze ist von dem Librettisten Buchbinder sehr geschickt gemacht. Das Publikum unterhält sich vortrefflich und wird stets bei fröhlicher Laune erhalten. Die vorkommenden Tänze erfreuen da Auge und Georg Jarno's Musik schmeichelt sich ins Ohr. Er findet Gelegenheit, die wilden Weisen der Zigeuner nachzuahmen, ungarische Pußtamusik wechselt mit süßen Wiener Walzer-Rytmen und das Publikum wiegt sich im Takte der Musik. Insbesondere macht die Stelle in

zogen werden, mein ältester Bruder wird auch noch immer von den Eltern unterstützt. Wie soll, wie kann daS alles durch- gesührt werden?"

Sie hatte sich ganz heiß gesprochen und machte jetzt wieder eine kurze Pause, während der er ratlos vor sich hinstarrte und verzweifelt dachte: warum wurde eS mit nicht vergönnt, die Geliebte aus diesen Sorgen herauszureißen und sie als mein ein und alle«, mein Glück und meine Krone in Raufchebach als Herrin einzuführen?

Elisabeth hatte einen Zweig deS roten Weinlaube» abge- brochen und pflückte zerstreut ein Blatt nach dem anderen davon ab. Es wurde ihr offenbar sehr schwer, davon weiter zu sprechen.

Er wollte ihr helfen, aber als er die ersten Worte ge­sprochen, winkte sie ihm hastig ab.Wir haben nicht viel Zeit, ich muß Ihnen alles sagen. Freiherr von Hagenow hat um mich angehalten. Seine Güter liegen im Süden von Schlesien er kennt die mißliche Lage der Eltern er kann für sie eintreten für die Erziehung der Kleinen sorgen. Er kann'-, denn er ist reich, und er will- auch er hat's zugesagt, sobald ich die seine bin. Morgen kommt er her zur Verlobung."

Bleich, mit weitgeöffneten Augen hatte Wols sie ange- starrt. Er wollte nicht glauben, was sie ihm da sagte. Jetzt aber unterbrach er sie heftig mit dem kurzen Worte:Ueber- redet! Verkauft!"

Hart war der Ton feiner Stimme dabei und hart der Ausdruck seiner finsteren Züge.

Sie sah ihn an, Schmerz und Vorwurs im Blicke. DaS bändigte sofort seinen aufbrausenden Zorn. Er legte die Hand über die Augen, um wieder Herr seiner selbst zu werden.

Nicht überredet, nicht verkauft", hörte er sie sagen.ES ist mein freier Entschluß, mein Jawort zu geben. Ich werde die Treue halten, die ich verspreche."

Sie wartete aus seine Antwort, aber alt er noch immer schwieg, beugte sie sich seitwärts ihm näher zu und sagte flüsternd:Unser Wappenspruch lautet: Der Pflicht getreu lassen Sie mich unbeirrt meinen Weg gehen

Christl's Liede: Herr Kaiser, Herr Kaiser, du liebe Majestät einen tiefen, zu Herzen gehenden Eindruck. Diese Operette ist ein reich mit Musik auSgestatteteS Volksstück, in dem keine Platt­heiten und keine Frivolitäten vorkommen und in dem man trotzdem oft genug lachen kann. Soweit die ZeitungSstimme. DaS Ensemble ist hier durch seine vortreffliche Darstellung bet Dollarprinzessin bereits bekannt und dem Publikum steht auch diesmal wieder ein außerordentlicher Genuß bevor. (Näheres siehe Inserat und Tageszettel).

Biedenkopf, 24. Mai. Zwei Bergleute aus dem Hessischen sind auf dem BergwerkGlanzenberg" bei Welschen- neft im angrenzenden Sauerlande durch vorzeitiges Explodieren von Sprengkörpern während der Arbeit schwer verunglückt. Der eine wurde aus der Stelle getötet, der andere wurde tödlich verletzt inS Krankenhaus übergeführt. Sein Zustand ist hoff­nungslos. Beide Unglückliche sind Familienväter.

Grotzenlüders, 23. Mai. Am Freitag wollte in Uff- Hausen ein 12jähriger Knabe daS Herdfeuer mit der Petro- leumkanne anfachen. Hierbei geriet der Inhalt der Kanne in Brand und der Junge erlitt so arge Wunden, daß er noch in der Nacht starb.

Fulda, 24. Mai. Von einer Kreuzotter wurde gestern morgen ein hiesiger Buchhalter, der sich mit zwei seiner Kinder in der nahenGaiShecke" aus einer Frühtour besand, in einen Finger der linken Hand gebissen. Der Gebissene nahm sofort ärztliche Hilfe in Anspruch, Die Verletzung scheint nicht lebens- gesährlich zu sein.

Fulda, 24. Mai. Zur Besichtigung deS hiesigen Re­giments sind hier imHotel Kurfürst" abgeftiegen: bet kommandierende General deS 11. Armeekorps, Freiherr von Scheffer-Boyadel, der Divisionskommandeur v. Plettenberg und der Brigadekommandeur Oberst Kluge. DaS hiesige Re­giment wird am 1. Juni auf der Eisenbahn zum Schießplatz an der Senne befördert und kehrt erst anfangs Juli wieder zurück.

Vom Eichsfelde, 24. Mai. Durch einen Mord ist daS Dorf Kleinberndten in große Aufregung versetzt worden. Der 52jährige, allgemein gesürchtete, und wegen Messerstecherei, Wilddieberei usw. vielfach vorbestrafte Totengräber und Stell­macher Karl Demme hat den 56jährigen Kleinhändler und Hausschlachter Eduard Jllert durch einen Messerstich inS Herz getötet. Demme war mit dem AuSschauseln eine» GrabeS be- schästigt, wobei feine Frau ihm half. Er ließ dann die Arbeit liegen und ging in die Gastwirtschaft, wo er dem Alkohol fleißig zusprach. Die Frau suchte ihren Mann dann in der Wirtschaft auf und bat ihn, doch feine Arbeit zu vollenden D. sprang erbost vom Stuhle auf und lief hinter der vor ihrem wütenden Manne flüchtenden Frau her. Jllert, der mit in der Wirtschaft saß, redete freundlich aus Demme ein, doch zur Arbeit zu gehen. Ohne daß irgend ein Wortwechsel statt- gefunben hätte, zog Demme das Messer und versetzte dem Jllert einen furchtbaren Stich, der sofort tödlich wirkte. Nach der Tat flüchtete der Mörder in seine Wohnung und drohte vom Fenster auS, jeden zu erschießen, der sich ihm nähere. Erst als ein Gendarm eintraf, konnte der Wüterich fest­genommen werden. Während der Nacht wurde er in der Gastwirtschaft gefesselt gehalten; er mußte dort die ganze Nacht bei der Leiche seines OpferS zubringcn. Es kostete Mühe, den Mörder vor einer Lynchjustiz zu schützen. Am folgenden Morgen wurde er dem Gerichtsgesängnis in Bleiche­rode und später dem Landgerichtsgesängnis in Nordhausen zugeführt. Heute fand die gerichtliche Leichenschau statt. Auch der Mörder Demme wurde hierzu nach dem Tatorte trans­portiert. Er zeigte keine Spur von Reue.

Oberkaufungen, 21. Mai. Ein bedauernswertes Miß­geschick traf die Tochter eines hiesigen Einwohners. Dem Kinde wurde beim Spielen von einem anderen Spielkameraden ein Reiserholz in das Auge gestoßen, sodaß dasselbe schwer ver­letzt wurde.

Thema», 25. Mai. Unsägliches Leid stiftete heute früh ein hiesiger Kaufmannslehrling dadurch, daß er nach einem 15jährigen Sattlerlehrling mit einem scharsen Messer stach und dabei so unglücklich war, diesen in die Herzschlagader zu treffen. Nach einigen Stunden trat der Tod ein. Durch diese Tat erschüttert, führte der bedauernswerte junge Kaufmannslehrling das Messer gegen sich selbst. Doch dürste er am Leben er­halten bleiben.

Gießen, 24. Mai. In der Lahn ertrank beim Baden der Bäckergeselle Boensel auS Lauterbach. In der Damps- ziegelei von Goil geriet der Arbeiter Paul Thoma zwischen einen fahrenden Eisenbahnwagen und die Rampe und wurde tot gedrückt.

Münden, 21. Mai. Auf dem Heimwege von einem HimmelfahrtSausfluge geriet ein Brautpaar miteinander in

Sich opfern", stieß er hervor, ohne sie anzuschen.

Sanft legte sie die Hand auf seinen Arm.Für meine Eltern, denen ich jede Stunde des Glückes danke, ist mir nichts zu schwer. Von meiner Heirat hängt ab, ob die Meinen eine Stütze erhalten im Ringen um die Existenz oder ob sie darin unterliegen. Ich habe gewählt, der Pflicht getreu. Gott wird helfen. Ich kann den Weg gehen, denn ich bringe dem Manne aufrichtige Hochachtung entgegen, dem ich mich morgen angeloben will, um fein treues Weib zu werden."

Wolf hatte die Hand von den Augen genommen. Nicht Leidenschaft, nur anbetende Bewunderung sprach jetzt aus seinen Zügen.

Engel!" murmelte er halblaut und nahm ihre Hand in die feine.

Sie ließ es still geschehen.

Wolf" zum ersten Male nannte sie ihn bei feinem TausnamenSie werden für mich bleiben, waS Sie mir gewesen sind, der treueste Freund?"

Bis in den Tod!" gelobte er bebend.

(Fortsetzung folgt.)

Eine feine Partie hat der italienische Prinz Giovanni bei Drago, bet Sproß einer der ältesten römischen Adelsfamilien, gemacht, indem er sich mit Frau Josephine Schmid, der Witwe eines deutsch-amerikanischen Brauers, ver. mählte. Die Braut ist 50 Jahre alt, besitzt aber ein Vermögen von 40 Millionen.

Neustadt (Oberschlesien), 25. Mai. Bei einem gestern abend in Moschau niedergegangenen Gewitter traf ein Blitzstrahl drei auf dem Felde arbeitende Frauen, von denen eine getötet und die beiden anderen betäubt wurden.

Ein blutiges Stiergesecht fand in Sevilla statt. Der Matador Reverte bohrte während eines Stierge- sechls einem Stier seinen Degen in den Nacken. Der Stier spießte daraus feinen Gegner mit den Hörnern aus und schleuderte ihn in weitem Bogen in den Sand. Reverte starb an einer Brustwunde. Seine Frau wohnte dem unglückliche» Aus­gang des Stiergesechts bei.