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mindestens 10 Schüler an der Fahrt teilnehmen. E» genügt vielmehr eine Beteiligung von im ganzen mindestens zehn Schülern.

):( Hersfeld, 24. Mai. DaS in der Klausstraße be- legene Wohn- und Geschäftshaus de- Herrn W e t t e r h a h n, in welchem sich zur Zeit dar Restaurant Neuhaus befindet, ging zum Preise von 44 000 Mark in den Besitz des Herrn KausmannS Peter Wolfs über.

§ Hersfeld, 24. Mai. DieLustigeWitw e", die bekanntlich Mittwoch den 26. d. MtS. in der neuen Turn­halle zur Aufführung gelangt, hat, nach dem bisherigen Vor­verkauf zu schließen, nichts an ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Sie ist nach wie vor die bedeutendste Operette seit den Tagen der Fledermaus und des Zigeunerbaron und keines dieser vor­bildlichen Werke reichte in materieller Beziehung auch nur annähernd an den Erfolg der lustigen Witwe. Wir wünschen der rührigen Direktion, die uns schon manchen vergnügten Abend verschaffte, ein volles Haus. Es dürste unsere Leser ebenfalls interessieren, daß sie in den nächsten Tagen Gelegenheit haben werden, die entzückende Operette,D i e F ö r st e r ch r i st l" die von Wien aus ihren Siegeszug durch ganz Deutschland genommen, auch hier zu bewundern. Das Berliner Operettenensemble will uns die Bekanntschaft nun­mehr auch dieses reizenden Werkes vermitteln, und wir freuen unS, bald selbst feststellen zu können, inwiesern der glänzende Erfolg, der die Försterchristl überall begleitet, gerechtfertigt ist. Jedenfalls ist dieFörsterchristl" nächst der Dollarprinzessin die erfolgreichste Operette in der letzten Zeit. (Näheres siehe Inserat und Tage-zettel).

§ Hersfeld, 24. Mai. An daS hiesige Fernsprechnetz neu angeschlossen sind unter Nr. 33 Kuranstalt St. Wigbertshöhe" und Nr. 276 Frhr. von Hagen, Direktor der Her-felder Brunnengesellschast.

):( Hersfeld, 24. Mai. Wie wir hören, wird am Sonntag den 6. und Sonntag den 13. Juni der Eisen- bahnverein Elm unserer Stadt einen Besuch abstatten, um die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und einige vergnügte Stunden zu verleben. Die Ankunft der Beamten erfolgt jedesmal gegen Mittag in Extrazügen.

);( Hersfeld, 24. Mai. Gegen den wegen des bekannten Uebersalles auf einen Reisenden in der Johannesstraße sestge- nommenen Metzger Manns ist nunmehr das Verfahren eingestellt worden, da eine Untersuchung desselben er­geben hat, daß er geistig nicht normal ist. Manns wurde der Landesheilanstalt Haina übcrwiesen.

V Heringen (Werra), 22. Mai. In Widdershausen fiel ein zweijähriges Kind, als eS einen Augenblick ohne Aus­sicht war, in eine Kalkgrube, und erlitt dadurch so schwere Brandwunden, daß es nach einigen Stunden verstarb.

§ Casfel, 20. Mai. In den Räumen des neuen Krankenhauses vom Roten Kreuz hier fand am Dienstag den 11. d. MtS. Nachmittags die diesjährige Hauptver­sammlung deS Verbandes der Vaterländischen Frauenvereine im Regierungsbezirk Cassel statt, an welcher 87 Damen und Herren von hier und auswärts teil- nahmen. 19 Vereine (die zu Cassel, Bebra, Eschwege, Fritzlar, Fulda, Heringen, H e r s s e l d, Hosgeismar, Homberg, Hünseld, Marburg, Melsungen, Rinteln, Schlüchtern, Sooden a/W., Wansried, Witzenhausen, Wolshagen und Ziegenhain) waren durch Delegierte vertreten. Auch der Herr Regierungs-Präsident Graf v. Bernstorff, sowie die Vorsitzende deS hiesigen großen VereinS, Frau Geheime Kommerzienrat Henschcl, wohnten der Versammlung bei. Die Vorsitzende des VerbandsvorstandeS, Etistsdame Gräfin Viktoria von Bernstorff hieß die Ver- sammlung willkommen, dankte insbesondere den von auswärts Erschienenen für ihre Beteiligung, und übertrug sodann die weitere Leitung der Versammlung dem Schriftsührer des Ver- bandsvorstandes, Herrn VerwaltungSgerichtsdirektor Dr. Piutti von hier. Nach dessen Geschäftsbericht war daS Jahr 1908 ein für die Entwickelung der Vaterländischen Frauenvereine des Regierungsbezirk- Cassel besonders günstiges. In Wanfricd habe sich ein neuer aussichtsvoller Verein gegründet. Die Zahl der dem Verbände angehörigen Vereine ist damit auf 44 gestiegen, von denen einer (der Zweigverein Orb) leider seit einigen Jahren seine Tätigkeit eingestellt hat. Die Mit- gliederzahl stieg im Berichtsjahre von 7698 aus 7956, also um 258 Mitglieder. Entsprechend der vermehrten Mitglieder­zahl ist auch die Summe der Beiträge von 18754 Mark aus 19 318 Mark gestiegen. Das im Jahre 1907 sich aus 772 441 Mark belaufende Kapitalvermögen ist haupt­sächlich infolge des Baues des Krankenhauses in Cassel im Berichtsjahre aus 708 884 Mark zurückgegangen, das Grund- vermögen von 1 156 972 Mark aus 1644 354 Mark (nach Abzug der Schulden), also um 487 383 Mark gestiegen. DaS größte ErUgniS im Berichtsjahre war die am 2. November 1908 stattgesundene Eröffnung und Einweihung der hiesigen KrankenpflegeanstaltRoteS Kreuz" nebst Schwesternhaus und staatlich anetlannter Krankenpflegeschule amLangen Felde". Der Ausgestaltung der Krankenpflege wurde besondere Auf­merksamkeit zugewendet. Die Zahl der in den Vereinen tätigen Krankenpflegerinnen stieg von 159 auf 171. Die LandeSversicherungSanstalt Hessen-Nassau und der Landes- aukschuß haben im Ganzen beinahe 4600 Mark Beihilscn be­willigt. Die Vereine Eschwege, Fritzlar, H e r s s e l d, Roten- burg und Witzenhausen konnten im Berichtsjahre auf ein 25jährigeS reich gesegnetes Bestehen zurückblicken. Nach dem sodann vom Herrn RegierungSrat Rötger in Vertretung deS verhinderten Schatzmeisters erstatteten Kassenbericht betrug der Vermögensbestand des Verbandes Ende 1908 15 834,92 Mk. Die Versammlung nahm hieraus die statutenmäßige Zumahl von 6 Vorstandsmitgliedern vor. Durch Akklamation wurden gewählt: Frau C. Engelhardt zu HerSfeld, Frau Gymnasialdirektor Heldmann zu Rinteln, Frau Anna Heine- mann zu Eschwege, Frau Wirkliche Geheime OberregierungS- rat Steinmetz zu Marburg, Frau Präsident Wirkliche Geheime Ober-Finanzrat VagedeS zu Caffel und Frau Landrat Valentiner zu Schlüchtern.

Bebra, 23. Mai. Im Distrikt Marktholz, Obersörsterei Rotenburg, ist ein großer Waldbrand auSgebrochen, welcher mehrere hundert Acker vernichtete.

Fulda, 22. Mai. Gestern traf beim Grafen Görtz vom kaiserlichen Hosmarschallamt die Nachricht ein, daß der Kaiser in diesem Jahre nicht nach Schlitz kommt. Alle anders lautenden Meldungen beruhen aus Vermutung.

Mieden, 19. Mai. Ein eigentümliches Nest hat sich hier ein Meisenpaar ausgesucht, nämlich ein Butterfaß, das die Tochter eineS Landwirtes zum Trocknen an einem Baume im Obstgarten ausgehängt hatte. Der Landwirt, den Nutzen der Meisen für den Obstgarten wohl erkennend, überließ ihnen gutmütig die annektierte Wohnung und schaffte sich ein der Neuzeit entsprechendes Buttersaß an.

Bacha, 21. Mai. Ein bedauerlicher Unglückssall er­eignete sich heute früh V^S Uhr beim Neubau deS Kesselhauses auf der Gewerkschaft Hattorf bei Philipp-thal. AlS Herr Bauunternehmer Hermann-Heimbold-hausrn sich mit den

Maurern Bellinger auS Buttlar und Hill aus Großentast auf dem mit Mauersteinen schwer beladenen Gerüst befand, brach plötzlich ein ca. 12 cm starker anscheinend stockiger Hebel und das Gerüst stürzte zusammen, die drei unter sich begrabend. Herr Hermann hat sich außer Brust- und Beinquetschungen einen Rippenbruch und starke Kopsverletzungen zugezogen und wurde mit seinem Wagen nach Hause gesahren, während der Maurer Bellinger, der einen rechtsseitigen Rippenbruch davontrug, in daS Krankenhaus nach Vacha geschafft wurde. Der dritte Maurer kam außer einigen leichten Hautabschürsungen mit dem Schrecken davon.

Bom Eichsfelde, 20. Mai. Aus dem Gemeindefried­hose in Zella fand man gestern im Sande die Leiche eines größeren Kindes verscharr». Wer die Leiche vergraben hat, konnte noch nicht sestgcstellt werden. Die Staatsanwaltschaft hat den Fund einstweilen beschlagnahmt.

Aus dem Kreise Rotenburg, 19. Mai. Der srühere Müller Z. in Niederellenbach, der als 81jähriger Witwer vor einigen Monaten ein junges Mädchen als Gattin heimführte, hat zu seinemjungen" Glücke jetzt noch einen zweiten Glücks- fall zu verzeichnen. Sein Bruder in Amerika ist nämlich als Junggeselle gestorben und hat ihm ein Vermögen von % Mill. Mk. und 100 Acker Land hinterlassen.

Wrexen (Waldcck), 21. Mai. Der Nachtpersonenzug Hagen-Warburg-Casicl Überfuhr gestern zwischen hier und West­heim einen unbekannten Mann. Die Leiche ist bis zur Un­kenntlichkeit verstümmelt.

Darmstadt, 20. Mai. Gestern nachmittag ertrank beim Baden im großen Woog der die hiesige Mittelschule besuchende achtjährige Sohn des Bahnassistenten Hoffmann. Er ging, obwohl er des Schwimmens ganz unkundig war, an einer 4 Meter tiefen Stelle inS Wasser und sank sofort unter.

Ems, 19. Mai. Wie man derFranks. Ztg." mitteilt, kam in einer Versammlung des hiesigen BürgervereinS ein ganz merkwürdiges Ergebnis einer Trinkwasseruntersuchung zur Sprache: Ein Einwohner hatte die Aufforderung erhalten, daS Wasser seines Brunnens untersuchen zu lassen. Der PfiffikuS tat, wie ihm geheißen, nur entnahm er die für das Unter- suchungsamt in Wiesbaden bestimmte Probe nicht seinem Brunnen, sondern der städtischen Wasserleitung. Und richtig traf auch der Untersuchungsbefund bald ein: Das Wasser ist ungesund, der Brunnen muß zugeschüttet werden!

Marburg, 21. Mai. In Laasphe verletzte sich ein Kellner beim Fleischschneiden die Pulsadern, sodaß das Blut in Strömen emporschoß. Herbeigcrusene Studenten der Medizin legten einen Notverband an und sorgten für das Weitere.

Eisenach, 23. Mai. Am Sonnabend wurde imTivoli" eine Konferenz abgehalten, die sich mit der Schiffbarmachung der Werra beschäftigte. Als Vertreter deS Bezirksverbandes für den Regierungsbezirk Cassel wohnte Landes- und Geheimer Baurat Stiehl den Verhandlungen bei. Als Vertreter der großherzoglichen StaatSregierung war Geheimer StaatSrat Paulsset erschienen, ferner waren anwesend Vertreter der Handelskammer zu Cassel, sowie anderer Korporationen und Behörden, zahlreiche Landräte, Bürgermeister und viele In­dustrielle nahmen an der Konferenz teil. AuS dem Vortrag des Baudirektors RegicrungsbaumeisterS Link ist für Cassel von besonderem Interesse, daß die Edertalsperre nach dem neuesten wegen der Rücksicht auf die Fuldaregulierung und die Wasserspeisung des Weserstromes geänderten Projekt nicht 170 Millionen, sondern 202 Millionen Kubikmeter Wasser fassen wird. Die Sperre wird nunmehr eine Fläche von rund 12 Hektar mit Wasser bedecken. Die Diemeltalsperre ist durch diese Vergrößerung der Edertalsperre um 30 Millionen Kubik­meter in Frage gestellt. AuS dem Vortrag des Diplom­ingenieurs Wols-Hildburghausen ist zu erwähnen, daß im Interesse der Beseitigung der Hochwassergefahr der Werra 7 Talsperren aus thüringischem Gebiete mit einem Kostenaus­wand von 4 600 000 Mark errichtet werden sollen. Die Rentabilisierung und Verzinsung erscheint wahrscheinlich. Es wurde ausgesprochen, daß es angebracht sei, dies Projekt in Verbindung mit dem Projekt der Schiffbarmachung der Werra bis zur Weser gemeinsam zu behandeln.

Wabern, 21. Mai. Ein bedauernswerter Unglücksfall ereignete sich vorgestern in dem nahen Niedermöllrich. Bei dem Heben eines Neubaues 'fiel der 18jährige Sohn des Zimmermeisters Momberg aus Halle aus dem 3. Stockwerk herunter und zog sich dadurch schwere innere Verletzungen zu, während Knochenbrüche nicht vorgekommen sind. Ob der Verletzte mit dem Leben davon kommen wird, läßt sich zur Zeit noch nicht sestellen.

Bericht über die Lage -es Arbeitsmarktes in Hessen, Hessen-Nassau, Waldeck und angrenzende Gebietsteile.

Im Berichtsmonat ist eine allgemeine Besserung der Arbeits­marktlage eingetreten. Besonders war es das Baugewerbe, in dem eine sichtbare Aufwärtsbewegung zu verzeichnen war. Diese Belebung erstreckte sich nicht allein auf die Großstädte, wie Wiesbaden, Darmstadt, Mainz, Frankfurt und Cassel, sondern auch aus das platte Land, insonderheit verschiedene Kreise des GroßherzogtumS Hessen (Kreis Heppcnheim mit Birkenau, Kreis Büdingen mit Büdingen) nahmen an dieser Aufwärtsbewegung im Baugewerbe teil. Auch die Lage im Holzarbeitergewerbe hat sich zusehends gebessert, besonders sind es hier Frankfurt, Darmstadt und Fulda, die eine wesentliche Hebung der Arbeitsmarktlage in der Wagnerei und in der Möbelbranche rc. konstatieren konnten. Gut war auch durch- gehends die Beschäftigung im Maler-, Weißbücher- und Tape-- zierer-Gewerbe. Im Bekleidungsgewerbe war das Angebot offener Stellen nicht nur in Franksurt, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Caffel, sondern auch in den Mittelstädten, wie Worms, Offenbach, Kreuznach und selbst in den kleineren Ge­meinden, wie Fulda, Marburg und aus dem platten Lande so groß, daß nicht genügend Arbeitskräfte beschafft werden konnten. Besonders fehlte eS an Schneidern und Schuh- machern. Die Arbeitsgelegenheit für Metallarbeiter war sehr knapp. In Franksurt hatten besonders die HeizungSmonteure und die in der Metallgießerei tätigen Arbeiter sehr unter Ar­beitslosigkeit zu klagen. Auch in Mainz, Darmstadt und Offen­bach war die Nachfrage nach Arbeitskräfte» in der Maschinen- industrie und dem Metallgewerbe sehr schwach. Schlosser, Schmiede, Spengler, Installateure, Dreher, Gürtler und Former waren in Ucberfluß vorhanden. Arbeitsverkürzungen bezw. geringe Entlassungen kamen in der Frankfurter ElektrizitätS- industrie vor. Die Offenbacher Portescuilleindustrie war in der Lage neue Arbeitskräfte einstellen zu können, wenngleich, wie die Arbeitsnachweise zu Offenbach und Fechenheim be­richten, noch immer ein großes Ueberangebot von männlichen und weiblichen Kräften vorhanden ist. Der Geschäftsgang im Buchdruckereigewerbe war in Mainz, Darmstadt, und Wies­baden zufriedenstellend, in Frankfurt sogar zu Ansang des MonatS sehr gut, flaute indessen gegen Ende deS Monatt

merklich ab. Im Wirtschafttgewerbe in Wiesbaden, sowie in den angrenzenden Taunusbädern war die Arbeitsmarktlage günstig. Relativ am ungünstigsten gestaltete sich in den Groß- städten die Arbeitsgelegenheit für ungelernte Arbeiter. Die landwirtschaftliche Arbeitsvermittlung war in Stadt und Land zufriedenstellend, in Worms, WieSbaden und Offenbach wesentlich besser wie im Vormonat. Aus dem weiblichen Dienstboten­markt herrscht nach wie vor Mangel, nur in Darmstadt waren zahlreichere weibliche Dienstboten vorhanden.

Yemiscdttr.

(Wenn in der Weltstadt der Verkehr st o ck t.) Dr. JacqueS Bertillon gibt, anknüpsend an den Streik der französischen Postbeamten, in Je sais tont ein interessanter Bild der Möglichkeiten, die entstehen würden, wenn in einer Weltstadt wie Paris alle Staatsbeamten und Arbeiter gemeinsam in den Generalstreik träten und damit eine Menschen- anhäufung von fast 4 Millionen mit einem Schlage vom NahrungsmittelauStausch mit dem Lande abschnitten. Der Streik der Eisenbahner würde die Schlachthöfe veröden lassen. Pari- verzehrt alljährlich 275 000 Ochsen und Kühe, 45 000 Pferde, 290 000 Kälber, 2 125 000 Hammel und 415 000 Schweine, täglich nicht weniger als rund 8600 Tiere, die alle aus der Provinz mit der Bahn nach Paris befördert werden. Dazu kommt noch das geschlachtete Fleisch und die 50 Mil­lionen Psund Geflügel und 92 Millionen Psund Fisch, die alljährlich nach PariS versandt werden. Aber nicht an Fleisch allein würde eS mangeln. PariS empfängt im Jahre rund 3 Millionen Ztr. Mehl und Getreide, 1 512 000 Ztr. Spezerei- waren, 1 708 000 Ztr. Zucker, 305 Millionen Liter Milch. Eine der größten Gefahren aber wäre der eintretende Wasser­mangel. Der Wasserverbrauch von PariS beträgt zurzeit für den Kops der Bevölkerung rund 260 Liter Wasser am Tage. Die gewaltigen Aquädukte mit ihrer riesigen Leitung-länge von 2650 Kilometer würden bei dem Streik der Wasserarbeiter bald verödet liegen und die Einwohner wären genötigt, ihren Wasserbedarf in Wagen oder mit Eimern auS der Seine zu holen. Die Beleuchtungen, die Jndustrieen, ja selbst die Heizungen in Privatwohnungen wären unmöglich, wenn durch das Stillliegen der Verkehrsmittel die 3 Millionen Tonnen Kohle ausblieben, deren Paris jetzt bedarf. Der Streik der Postbeamten würde in einer Woche soviel Bries- und Tele» grammmaterial in den Postämtern zusammcnströmen lassen, daß man den Obelisk deS Konkordienplatzes ohne Mühe in einem gewaltigen Papierberg begraben könnte. Denn ein ein» wöchiger Poststreik bedeutet 300 000 unbestellte Depeschen, 100 000 unbestellte Rohrpostbriese, 600 000 ausgehaltene Durch- gangsdcpeschen und 26 Millionen Papierbogen aller Art, Briese, Drucksachen, Zeitungen: insgesamt mehr als 1300 Kubikmeter enggepreßten Papiers. Die Straßen würden in kurzer Zeit kaum mehr passierbar sein, denn im Jahre produziert Paris rund 1 325 000 Kubikmeter Straßenschlamm und Schutt; dazu käme der HauSmüll, der im Jahre 220 Mil­lionen Kubikmeter erreicht. Durch das Brachliegen deS Armen- wescns würden 53 332 Kinder und junge Leute dem Hunger überliefert, die 12 000 Kranken, die täglich in den Pariser Krankenhäusern gepflegt werden, wären ihrem Schicksal über­lassen und 57 991 erwachsene Arme ohne Nahrung und Unter­kunft. Ein Streik der Totengräber würde die Einwohnerschaft vor die Ausgabe stellen, 52 500 Tote im Jahre selbst zu be­erdigen, für 60 000 Neugeborene würde Milch und Impfung fehlen, kurz:die Hungersnot, Krankheit, Armut und Tod wären die Folgen eines Generalstreikes aller öffentlichen An­gestellten."

(Die Hun defeind in.) Ein seltsamer Testament hat eine kürzlich in New-Haven verstorbene Amerikanerin ge­macht : sie hat ein Kapital von 200 000 Mark ausgesetzt, dessen Zinsen allen Familien deS Ortes zufließen sollen, die zwei Jahre lang keine Hunde gehalten haben. Die Folge des Testaments ist jetzt in New-Haven ein Massenmord un­schuldiger Hunde.

In München ereignete sich heute srüh aus dem Paulanerplatz ein EisersuchtSdrama. Die Frau deS Laboratorium- arbeiter- Schneider verletzte während eine- Streites ihre beiden vier- und sechsjährigen Kinder und daraus ihren Mann durch Messerstiche schwer. Daraus tötete Schneider seine Ehefrau durch einen Stich in da- Herz.

(Von einem Automaten erschlagen.) Auf tragische Weise büßte die sünsjährige Tochter deS Fabrikarbeiters Groll in Hcrscheid bei Lüdenscheid ihr Leben ein. DaS Kind machte sich an einem vor einer Konditorei ausgestellten Auto­maten zu schaffen, als dieser plötzlich umstürzte und die Kleine unter sich begrub. Dem Kinde wurde der Schädel eingedrückt, so daß aus der Stelle der Tod eintrat.

Wien, 22. Mai. Heute abend fuhr ein Motorwagen der städtischen Straßenbahn in einen andern Straßenbahn­wagen hinein, wodurch siebzehn Personen teilt schwer, teils leicht verletzt wurden.

Grenoble, 22. Mai. Bei Sappey wurden in einem Steinbruch durch eine Pulverexplosion vier Personen getötet und vier verwundet.

Letzte Nachrichten.

Trier, 23. Mai. Unter dem Vorsitz deS Präsidenten des deutschen FlottenvereinS Admirals Köster hat ein hier abgehaltener Verbandstag deS FlottenvereinS der Rheinprovinz nach einer längeren Rede Kösters eine Resolution angenommen, worin es heißt, die Nächstliegende Ausgabe deS FlottenvereinS sei der dafür einzutreten, daß die ReichSfinanzreform als nationale Sache durchgeführt werde, damit die erforderlichen Mittel beschafft werden können, um unsere Wehrkraft aus die Höhe zu bringen, die unsere Machtstellung in der Welt er­fordert.

Berlin, 23. Mai. Wie das Tageblatt erfährt, wird am Montag im ReichSschatzamt eine Konferenz über die ReichSfinanz- resorm stattfinden, zu der mehrere Bankdirektoren, Mitglieder von Handelsfirmen, Vertreter der Großindustrie und andere eingeladen feien.

PariS, 23. Mai. Auch die Abendblätter erörtern ein­gehend den Haager Schiedsspruch und legen denselben mit Nachdruck dahin aus, daß die französische Auffassung inbetreff der grundsätzlichen Seite der Angelegenheit Recht bekommen habe. Der Temps sagt, daS SchiedSgerichtSerkennriiiS sei für beide Völker annehmbar und ehrenvoll.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (LandwirtschastSschule).

Wetteraussichten.für Dienstag, den SS. Mai: Heiter und trocken, tagsüber sehr heiß.