7. Preis: Liederhalle-KarlSruhe;
8. PreiS: Barmer Sängerchor-B armen;
9. Preis: Dortmunder Männergesangverein-Dortmund;
10. Preis: Konkordia-Aachen;
11. Preis: Sängervereinigung Kreseld.
Frankfurt a. M., 22. Mai. Der Kaiserprei» und die anderen Ehrenpreise waren auf einer gedeckten Tafel ausgestellt, welche nach Schluß deS SängerwettbewerbS in den Kaiserpavillon vorgeschoben wurde. Während die Preisrichter berieten, empfing die Kaiserin im Empfangssaal hinter dem Kaiscrzelt eine Anzahl Damen der Franksurter Gesellschaft, und der Kaiser unterhielt sich auf daS liebenswürdigste mit einer Reihe von Ausschußmitgliedern. Die 2000 Frankfurter Sänger trugen den Chor aus Mozart- Zauberflöte „O weile, GeisteS- fnedc" vor. Unter Vortritt von gepanzerten Rittern und Fanfarenbläsern erschien ein Herold im Saal, der daS Ergebnis der Beratungen der Preisrichter verkündete. DaS Publikum begleitete die Nennung der einzelnen Vereine mit stürmischen Hurrarufen. Der Herold forderte zunächst den Vorsitzenden und den Dirigenten deS Kölner MännergesangvereinS auf, sich in die Kaiserloge zu begeben. Der Kaiser hängte dem Vorsitzenden selbst daS Kleinod um den Hals. Es folgten nach Aufruf deS Herolds die Vorsitzenden und Dirigenten der weiteren preisgekrönten Vereine in zwei Abteilungen. Jedem einzelnen reichte der Kaiser und die Kaiserin die Hand. Der Kaiser sprach freundliche Motte. Die Kaiserin überreichte die Ehrenpreise. Oberbürgermeister Adickes brächte ein dreifaches Hoch auf die Majestäten auS, das stürmischen Widerhall fand, und an daS sich daS Absingen der Nationalhymne anschloß. Hiernach entbot der Kaiser die Preisrichter, unterhielt sich auf das freundlichste mit den Herren und kündigte an, daß er in einer Order auS den Erfahrungen heraus, welche bei dem diesjährigen Wettstreit gemacht worden seien, Verbesserungen von Mängeln, Schwierigkeiten und Hätten sestzusetzen beabsichtige, welche in den jetzigen Bestimmungen über den Wett- streit etwa noch enthalten sind. Der Kaiser sprach auch dies- mal den Wunsch auS, nicht zu schwierige Kompositionen zum Vortrage zu wählen und gab seiner Teilnahme für den Berliner Lehrergesangverein Ausdruck, der ihm mitgeteilt habe, daß seine Mitglieder durch das jähe Ableben eines seiner Sänger unmittelbar vor ihrem Auftreten hart mitgenommen gewesen seien. Gegen 6 Uhr verließen die Majestäten die Festhalle unter stürmischem Jubel deS Publikums und fuhren im Automobil nach Wiesbaden zurück. Zur Abendtafel im Königlichen Schlöffe ist Oberstabsarzt Dr. Papenhausen geladen.
Frankfurt a. M., 22. Mai. AlS das Kaiserpaar heute morgen kurz vor 10 Uhr, im Automobil von Wiesbaden kommend, zum Sängerwettstreit fuhr, platzte aus der Mainzer Landstraße, Ecke Hellerhosstraße, an dem Auto, in dem sich dar Kaiserpaar, Prinz OSkar und Prinzessin Viktoria Luise be- fanden, ein Gummireifen unter starkem Knall. Es bildete sich rasch eine große Menschenansammlung. Schutzleute zu Fuß und zu Pferde sperrten sofort die Umgebung deS SchauplatzcS ab. DaS Automobil wurde in eine benachbarte Fabrik zur Reparatur gebracht. Der Kaiser, die Kaiserin, der Prinz und die Prinzessin bestiegen ein änderet Auto. Durch den Vorfall wurde die Ankunft des KaiserpaareS beim Sängerwettstreit um fünf Minuten verzögert. Nachdem das beschädigte Automobil zwei neue Hinterradreisen erhalten hatte, konnte et um I2V2 Uhr zur Fahrt deS KaiserpaareS nach dem PalaiS deS Punzen Friedrich Karl, wo daS Frühstück stattfand, wieder benutzt werden.
Kiglische Wechrsehmi.
Die Engländer find feit einiger Zeit von einer wahren Furcht vor einer drohenden Invasion der Deutschen in Eng- land befallen worden, welche Furcht sich in den törichtsten Phantastereien äußert. So machte ein Gerücht die Runde durch alle englischen Blätter, wonach deutsche Dampfer mit Truppen an Bord heimliche Versuchsfahrten nach englischen Flußmündungen hin unternommen haben sollten, welche Nach- ttcht trotz ihrer handgreiflichen Unwahrscheinlichkeit in weiten Volk-kreisen jenseits des Kanals Glauben fand, selbst in den Schichten der Gebildeten. Sie veranlaßte sogar eine Interpellation im Unterhause, wobei regierungsseitig diese ganze Geschichte allerdings mit dem gebührenden SkeptimiSmuS be- handell wurde. Dann wieder wollten viele Leute deutsche Luftschiffe gesehen haben, welche nächtlicherweile an verschiedenen Punkten Englands ausgetaucht fein sollten, natürlich zu Epionagezwecken. Und in der Tat, die Beobachter hatten wirklich etwas gesehen, aber eS waren keine Luftschiffe, sondern einfach Luftschiffmodelle deS bekannten Lustschiffsabri- kanten Spencer, die nachts mit einer SpirituSlampe versehen,
geknüpft und schickte sich jetzt an, mit seiner Frau, einer flotten Amerikanerin und einem schönen vierjährigen Knaben daS Erbe deS OnkelS anzutteten.
Mit etwas kritischen Augen sah die Umgegend diesem ausländischen Vogel entgegen, sühnte sich aber schnell mit seinem unerwarteten Erscheinen aus, besiegt durch die feinen weltmännischen Formen, die Bernd, wie seine Frau, völlig beherrschten, und gefangen genommen durch die heitere Liebenswürdigkeit, die dem Ehepaar eigen war.
Bei dem Feststellen des Vermögen- hatte eS sich gezeigt, daß zwar die genannten Papiere sich in dem Geldschranke befanden, die dreißigtausend Mark in bar aber nicht zu finden waren und auch nicht die geringste Angabe, wie diese angelegt wären. ES wurde gefragt, geforscht, gesucht, aber da fich keine Spur herausfinden ließ, meinte der neue Gutsherr in feiner lustigen, leichtsinnigen Weise: „Lassen wir den Krempel mhen! Der alte Onkel wird sich auch mal einen fidelen Abend gemacht haben! Hat vielleicht gejeut oder sonst Allotria getrieben? So waS kann auch mal über den Besten kommen!"
Damit war die Sache erledigt; denn wenn der, den die fehlende Summe allein anging, fich die Geschichte auf feine Weise erklärte, so konnten fich auch dir anderen dabei beruhigen. In die Gunst der Nachbarschaft hatte er sich dadurch fester gefetzt, benn man rechnete et ihm hoch an, wie wenig Wesens er davon machte, daß ihm diese Summe im letzten Augenblick noch verloren gegangen war.
Auch Wols Matten»' Verhallen wurde gewürdigt. Man sand et in hohem Grade anerkennenswert, daß er, der wohl allen Grund gehabt hätte, sich als Erbe von Rauschebach zu betrachten, kein Wort über die bittere Enttäuschung verlor, die
da» Testament bereiten mußte. Wie schwer ihn aber dieser Schlag getroffen hatte, davon wußte man in der Um» Legend auch zu erzählen, denn man hatte erfahren, daß er toten- blaß gewordm fei, all diefe letzte Willensäußerung bei Ver- storbenen vorgelesen wurde.
Wolf MartenS entzog sich übrigen» so bald all möglich allen Beobachtungen, die man über feine Perfon und feine
zu Experimenten in die Höhe gelaffen wurden! DaS Tollste in der Gespensterseheiei der Engländer hat jedoch ein Ingenieur geleistet, welcher behauptet, an einem bestimmten Punkte Englands eigentümliche Töne vernommen zu haben, die von Bohrungen in der Tiefe herzustammen schienen, und daS konnten doch nur die hinterlistigen Deutschen gewesen sein, die dem unglücklichen Albion nun gar durch Bohrungen von unten beikommen wollen! Selbstverständlich spukt auch in England die Behauptung von der fortwährenden Verstärkung der deutschen Flotte weiter, so daß man in breiten Schichten der britischen Nation eine entsprechende Verstärkung der britischen Flotte fordert. Die englische Regierung ist denn auch daran, ihr ursprüngliches Flottenbauprogramm ab- jtiänbern; anstatt vier DreadnoughtS modernsten Typs, deren Bau für die nächsten Jahre geplant war, sollen nunmehr gleich acht solcher erstklassigen Schlachtschiffe auf Stapel ge- legt werden.
ES bedars keiner besonderen Versicherung, daß dieses sich in so sonderbaren, ja lächerlichen Formen zeigende Zittern der Engländer, vor einem Ucberfall ihres Landes von deutscher Seite aus zu Wasser, wie von der Lust auS, jeder tatsächlichen Begründung entbehrt. Es sind weder deutsche Dampfer mit Truppen an Bord zur AuSprobierung künftiger Landungs- versuche heimlich nach der Humber- oder der Severn-Mündung geschickt worden, noch haben sich deutsche Luftschiffe daS immerhin gefährliche Vergnügen gemacht, den Kanal zu über- fliegen, und nächtliche Spionage zu treiben. Bon dem Hirngespinst deS englischen Ingenieurs, welcher verdächtige Bohr- versuche gehört haben wollte, soll besser ganz geschwiegen werden! Bis zum Ueberdrusse endlich ist erklärt worden, daß Deutschland gar nicht daran denkt, sich eine der englischen ebenbürtige Flotte anzuschaffen, sondern daß eben nur seine Seestreitkräfte streng programmgemäß jene Vergrößerung erfährt, wie sie den wachsenden deutschen Interessen zur See und der Weltmachtstellung de» Deutschen Reiches entspricht. Aber alle diese Versicherungen scheinen bei der breiten Masse deS englischen Volke» nicht zu verfangen, welches sich immer und immer wieder von Deutschland ernstlich bedroht wähnt, und die britische Regierung, die eS doch besser wissen müßte, trägt der Gespensterfeherei im Lande dabei noch Rechnung, wie gerade auch der Beschluß deS BaueS von acht DreadnoughtS anstatt von nur vier beweist. Im Interesse eines aufrichtigen Einvernehmens zwischen England und Deutschland kann diese fortgesetzte grundlose Furcht der Engländer vor einem deutschen Ueberfall per Wasser oder aus der Lust nur höchlichst bedauert werden, und eS ist daher dringend zu wünschen, daß in England endlich einflußreiche Männer austreten, welche ihre Landsleute auf daS Unsinnige und dabei doch so Gefährliche ihrer Gespensterfeherei energisch aufmerksam machen.
Bus In- und Busland.
Berlin, den 23. Mai 1909.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen mit der Prinzessin Viktoria Luise und Gefolge heute früh 8 Uhr 39 Minuten auf Station Wildpark ein. Der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, Prinz und Prinzessin August Wilhelm erwarteten die Majestäten auf dem Bahnsteig, wo eine überaus herzliche Begrüßung stattfand. Mit den zum Empfang erschienenen Damen und Herren deS Gefolge- und deS Hauptquartier- unterhielten sich die Majestäten längere Zeit, besonders zeichnete der Kaiser den Polizeipräsidenten von PotSdam, von Starck, durch eine längere Unterredung auS. Die Majestäten begaben sich sodann im Automobil nach dem Neuen Palais.
Das Herrenhaus nahm gestern sowohl die sämtlichen Besoldungsvorlagen wie alle mit ihnen im Zusammenhang stehenden Gesetze en bloc und einstimmig in der Fassung des Abgeordnetenhauses an. Damit haben nun» mehr endlich die schwer umstrittenen Borlagen Gesetzeskraft «langt, und die Beamten und Lehrer können in den Genuß der ihnen gewährten Gehaltserhöhungen und der anderen pekuniären Vergünstigungen treten.
Ueber die finanziellen Erfolge derWertzuwachs- st e u e r in den deutschen Städten liegt eine amtliche Aufstellung vor. 63 handelt sich hierbei um 31 Städte, welche die Erträge mindesten- eine! Jahre- zu verzeichnen haben, die zwischen 1105 Mk. und 487 791 Mk. schwanken. Köln erzielte im letzten Jahre 385 000 Mk., BreSlau 57 946 Mk., Essen 172 467 Mk., Kiel 76 000 Mk., Pankow 147 000 Mk., Reinickendors 124 228 Mk., Tegel 120113 Mk., Tempelhof 11 650 Mk., Weisensee 187 882 Mk., Zehlcndors 167 670 Mk. Von wesentlichem Einfluß aus die Ergebnisse ist naturgemäß
Verhältnisse anstellen konnte, indem er am Tage nach der Testamentteröffnung abreiste.
Wie hart ihn dieser Umschwung in den Gesinnungen seines Onkel» getroffen hatte, welch ein namenlose» Weh ihm dadurch bereitet wurde, daS ahnte freilich niemand; denn Wolf war eine viel zu verschlossene Natur, um einem anderen Auge den Einblick in sein innerste» Seelenleben zu gestatten.
Selbst wenn er einen Freund besessen hätte, so wäre el doch für ihn unmöglich gewesen, sich biefern anzuverttauen; denn die Verhältnisse erforderten von ihm ein unverbrüchliche» Schweigen.
Zugleich aber stürzte für ihn sein Hoffnungttraum zusammen. Elisabeth von Wartha, die Heißgeliebte, war für ihn unerreichbar geworden.
Wohl genügten die ihm vom Onkel überwiesenen Mittel dazu, ihn vor jeder Not zu schützen. Er konnte auch zuver- sichtlich hoffen, daß e» ihm bei eisernem Fleiße möglich sein würde, sich weiter herauSzuarbeiten. Aber immerhin war die Möglichkeit für ihn aufgeschlossen, einen Hausstand zu gründen, sobald nicht wenigstens etwa» Vermögen, mochte da- auch noch so bescheiden sein, auf feiten der Frau war. Wenn er auch alle Arbeit, alle Sorge und Mühe auf sich genommen hatte in diesem Kampf um» Dasein, er mußte sich sagen, eine Elisabeth von Wartha konnte ihm unter solchen Umständen nicht die Lebensgefährtin sein. Diesem zarten verwöhnten Geschöpfe, das in einem vornehmen Hause groß geworden war und keine Ahnung davon hatte, waS eS hieß, arbeiten und wieder arbeiten, um gleichsam jedem Tag den spärlichen Erfolg bei DurchkommenS abzuringen, durfte er einen solchen Platz nicht zumuten. ES wäre geradezu gewissenlos gewesen. Noch dazu war er sich selbst nicht darüber klar, ob die Gesühle bei angebetenen Mädchens für ihn etwa» andere- waren all schrankenloses Vertrauen, aufrichtige Hochachtung, ohne den heißen Herzschlag einer Liebe, die ihn durchglühte von dem Augenblick an, wo er dieser verführerischen Erscheinung zum ersten Male gegenübergetreten war. AlS Besitzer von Rausche- bach, mit dem Bodm unter den Füßen, hätte er siegeSfreudig einen Sturmangriff auf Elisabeths Herz gewagt, aber jetzt —
der Zeitpunkt deS Rückgriffe- bezüglich bei früheren Erwerb», preise- gewesen. So greift Essen bei der Berechnung bei Wert- zuwachse» aus da» Jahr 1871, Dortmund sogar auf 1860 zurück, während andere die Jahre 1895 und 1905, die Vor- orte Berlin» gar keinen Zeitpunkt zu Grunde legen.
Ueber eine indische Masseneinwanderung nach Deutsch- Ostafrika berichtet die „Deutsch-Ostafrikanische Zeitung": Al» Folge der Boykottversuche der ostafrikanischen Inder gegenüber der Deutschen Ostasrika-Linie sei ein Frachtenkampf zwischen der Linie und indischen Dampfern entstanden, infolgedessen die Uebcisahrt von Bombay nach Dare-salam für Inder von 45 Rupien aus 18 Rupien ermäßigt wurde. Der kürzlich in Dare-salam eingetroffene Dampfer „Somali" brächte sogar Inder mit, die nicht mehr alS IV2 Rupien für die Ueberfahrt bezahlt hatten. Infolge dieser beispiellosen Fahrpreisermäßigung strömten die auSwanderungSlustigen Inder in Hellen Scharen nach Deutsch-Ostafrika.
Nach einer offiziellen Meldung besagt die soeben verkündete Entscheidung deS Haager Schiedsgericht- in der Casablanca-Angelegenheit: Zu Unrecht sowie mittels eine» schweren und offensichtlichen Versehen- hat der Sekretär bei Kaiserlich Deutschen Konsulat- in Casablanca den Versuch gemacht, Deserteure der französischen Fremden- legion, die nicht die deutsche ReichSangehörigkeit besaßen, auf einem deutschen Dampfer einzuschiffen. Der deutsche Konsul und die anderen Angestellten bei Konsulat- sind hierfür nicht verantwortlich; doch hat der Konsul durch Unterzeichnung bei ihm vorgelegten GeleitscheineS ein nicht beabsichtigte- Versehen begangen. DaS deutsche Konsulat hatte unter den vorliegenden Umständen nicht daS Recht, den Deserteuren deutscher Reich», angehörigkeit seinen Schutz zu gewähren; doch kann der in dieser Hinsicht von den deutschen Konsularbeamten begangene Recht-irrtum ihnen weder alS beabsichtigte» noch als unbe- absichtigteS Versehen zugerechnet werden. Zu Unrecht haben die französischen Militärbehörden den im Namen bei deutschen KonsulatS über die Deserteure auSgeübten tatsächlichen Schutz nicht soweit irgend möglich respektiert. Selbst abgesehen von der Verpflichtung, den konsularischen Schutz zu respektieren, berechtigten die Umstände französische Militärpersonen weder zur Bedrohung mit einem Revolver noch zur Fortsetzung der dem marokkanischen Konsulat-soldaten zugesügten Schläge. Den weiteren in den Anträgen der beiden Parteien erhobenen Ansprüchen kann nicht stattgegeben werden.
Der verwichene Freitag war ein ruhmvoller Gedenk- tag für Oesterreich- Fahnen. Denn an diesem Tage waren hundert Jahre verflossen, daß da- tapfere österreichische Heer unter Erzherzog Karl das von Napoleon be» sehligte sieggewohnte französische Heer bei dem Dorse Aspern schlug und zum Rückzüge nötigte; eS war die erste Niederlage, welche der korsische Eroberer erlitt. Am 21. Mai sand anläßlich der hundertjährigen Wiederkehr bei Tages dieser österreichischen Waffentat eine Gedenkfeier auf der historischen Schlachtstätte von Aspern statt, wobei Kaiser Franz Joses, umgeben von sämtlichen Erzherzögen und Ministern, zugegen war. Am Denkmale des Löwen von Aspern richtete der Wiener Bürgermeister Dr. Lucger eine Ansprache an den Kaiser, in ihr das erst jüngst wieder bewährte deutsch-österreichische Bündnis feiernd. Der greife Monarch gab in seiner Erwiderung der Hoffnung Ausdruck, daß der Allmächtige mit seinem Segen Oesterreich in friedlichen wie ernsten Zeiten geleiten möge. Hierauf begab sich der Kaiser aus den Festplatz, woselbst die feierliche Grundsteinlegung bei großen Denkmal» von Aspern stattsand. In feiner Erwiderung auf eine Ansprache deS Erz. Herzog» Franz Ferdinand prieS der Kaiser die Opsersreudigkeit und den TodeSmut der Helden unter Erzherzog Karl. Schließlich kehrte er nach Wien zurück.
Aus Sumatra hat wieder einmal ein K a m p s zwischen den holländischen Kolonialtruppcn und feindlichen Eingeborenen stattgefunden. Ein Truppendetachement wurde in der Nähe des heiligen Grabes bei Oelaktadang von einer Bande eingeborener Fanatiker angegriffen. Der Feind mußte aber schließlich fliehen, nachdem er 45 Mann an Toten und Verwundeten verloren hatte; die Truppen hatten nur zwei Verwundete, außerdem fiel ein aus ihrer Seite sechtender Eingeborenenhäuptling.
Bus Provinz u. Naebbargebirt
*(FahrpreiSermäßigungsürSchulsahrte n.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat genehmigt, daß bei gemeinschaftlichen Reisen von Schülern mehrerer Schulen, sofern die Anträge von den Schulen selbst oder ihren Auffichts» behörden gestellt werden, die tarifmäßigen Fahrpreisermäßigungen auch dann zu gewähren sind, wenn nicht von jeder Schule
hinweg jeder Gedanke an solch eine hirnverbrannte Aussichtslosigkeit I
Waren eS nun die hohen seelischen Erregungen, die Wols MartenS in Rauschebach erlebt hatte, waren die sich daran- schließenden Kämpse, die er durchringen mußte, oder hatte er sich den Keim der Krankheit in der Kreisstadt geholt, wo er von Rauschebach au» einen jüngeren Schulfreund besucht hatte, kurz, der junge MartenS erkrankte sehr bald nach seiner Heimkehr.
ES war ein ernster Typhutsall, der dadurch erschwert wurde, daß die stark mitgenommenen Nerven und die niedergedrückte Stimmung die Genesung verzögerte.
Doch die gesunde Natur Wolf MartenS trug den Sieg davon. An einem Augusttage war er so weit, daß er, auf einem Stuhle sitzend, au» dem Fenster aus daS Treiben seines WirtschastShoseS hinauSblicken konnte.
(Fortsetzung folgt.)
— Berlin, 21. Mai. In dem märkischen Dorf Eelchow bei Teltow vergiftete der Arbeiter Raurock, um den Vorwürfen seiner Frau zu entgehen, seine drei Kinder und steckte da« Wohnhaus in Brand. Darauf flüchtete er.
— Plauen, 21. Mai. Der Bürgerschullehrer Hoera hat heute auf Frau und Schwiegermutter mehrere Revolver- schüsfe abgegeben. Hieraus richtete er die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich schwer. Frau Hoera ist ebensallS schwer verletzt, die Schwiegermutter tot. Als Grund der Tat wird nervöse Ueberreizung angegeben.
— (AuS Furcht vor geistiger Umnachtung.) In GüterSloh (Westsalen) erschoß sich ein Unterprimaner bei dortigen Gymnasiums. Die Furcht vor geistiger Umnachtung — sein Bruder befindet sich im Irrenhause — hat den jungen Menschen in den Tod getrieben. Vorher hatte er feinen Mitschülern den Selbstmord angezeigt.
— PariS, 21. Mai. Wie „Petit Parisien" auS Lissabon meldet, stürzte gestern in Del Gil in der Kirche während bei Gottesdienstes eine Galerie ein, auf der sich 200 Sänger befanden. ES heißt, daß sieben Personen getötet und über 90 verwundet worden seien.