Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für hersfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, vq

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Seile lOPfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Seile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.i«vv^^

herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-klnschlutz Nr. 8

Nr. 58. Dienstag, den 18. Mai 1909.

Amtlicher teil.

Polizeiverordnung, betreffend die Beförderung von Dampfpflügen auf haussierten öffentlichen Wegen sowie den Betrieb von Dampfpflügen in der Nähe dieser und anderer öffentlicher Wege.

Aus Grund der §§ 137 Absatz 1 und 139 deS Gesetzes über die allgemeine Landerverwaltung (G. ®. ®. 195) und der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Polizeiver­waltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (Ges. S. S. 1529) werden mit Zustimmung deS ProvinzialratS für den Umfang der Provinz Hessen-Nassau die nachfolgenden Bestimmungen erlassen:

§ 1. Für die Beförderung von Dampfpflügen aus haussierten öffentlichen Wegen (Landstraßen, Landwegen, Chausseen und chaussierten Verbindungsstraßen) ist die vor- gängige Erlaubnis deS für die betreffende Wegestrecke zuständigen LandratS (in Städten mit mehr als 5000 Einwohnern der Ortspolizeibehörde) erforderlich. Der Landrat (in Städten mit mehr als 5000 Einwohnern die Ortspolizeibehörde) kann bei oder nach Erteilung der Erlaubnis bestimmte Vorschriften erlassen für das Befahren einzelner Brücken, Durchlässe und anderer Bauwerke, bei denen besondere Vorsichtsmaßregeln er­forderlich sind, sowie auch sonstige Anordnungen im polizeilichen Interesse treffen.

Der Unternehmer hat dasür zu sorgen, daß von der Be­förderung eines DampspflugeS mindestens 24 Stunden vor ihrer Ausführung dem zuständigen Wegeunterbeamten (Straßen- meifter, Wcgcmeister) unter Vorlegung der erteilten Fahrerlaubnis Anzeige gemacht wird.

§ 2. Die Breite der Lokomotiven darf 3 Meter nicht überschreiten.

An jeder Lokomotive muß ihr Gewicht angegeben sein.

Diagonal geriefelte Radreifen der Lokomotiven sind nur zulässig, wenn die aufgenieteten Laschen höchsten- 20 Millimeter stark und so angebracht sind, daß sie in der Breite von mindestens 20 Zentimetern den als völlig eben und fest ge­dachten Boden gleichzeitig berühren.

§ 3. Zwei hintereinander fahrende Lokomotiven dürsen nicht Spur halten.

An die Lokomotiven dürfen nur solche Fahrzeuge oder Geräte angehängt werden, welche unmittelbar zum Betriebe der DampspflugeS gehören.

Das Anhängen von mehr als zwei Fahrzeugen oder Ge­räten ist verboten. Ausnahmsweise kann von der zur Erteilung der Fahrerlaubnis zuständigen Behörde (§ 1) für bestimmte Wegestrecken die Erlaubnis zum Anhängen von drei Fahrzeugen oder Geräten erteilt werden.

§ 4. Die Fahrgeschwindigkeit eines Dampspflugtransportes darf einen Kilometer in 10 Minuten nicht übersteigern

Der Transport muß für den übrigen Verkehr soviel Raum lassen, als möglich ist. Im Falle der Annäherung von

Die höhere macht

Novelle von F. ® u t a n.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Dieses Kunstwerk Heinz LehnertS zu sehen wurde daher auch bald ein Lieblingswunsch EmmyS und ihres Vater- und sie schrieb deshalb an Heinz nach der Residenz, wo er wieder in seinem Hause wohnte, ob sie nicht einmal sein neues Kunst­werk sehen könnten.

Nach acht Tagen traf die Antwort von Heinz an Emmy ein:

Liebe Emmy!

DaS Kunstwerk ist sertig und ich kann Dir zu meiner Freude gestehen, daß ich meine kranke Seele an demselben wieder gesund gearbeitet habe. Das höchste Gefühl, welches das Verhältnis vom Menschen zum Menschen veredelt und von allen Schlacken reinigt, ist da- echte große Mitleid mit dem Unglück und der körperlichen und seelischen Not un­serer Nebenmenschen. Dieses göttliche Mitleid ist tatsächlich das einzige Band, welcher selbstlos alle Menschenkinder ver­binden kann, und dieses Mitleid ist auch die Stufe zum Himmel und zur Erlösung, denn alle Menschen, die dieses erhabene Mitleid sühlen und üben, erheben sich über den Alltag und finden den Weg zu Gott, der auch ihnen ein mitleidiger Vater sein wird. In diesem Geiste habe ich mein Werk geschaffen und ich fühle, daß es gelungen ist, denn bittere Tränen und tiefe seelische Ersahrungen haben mir den Weg zu meiner Statue des Mitleides gezeigt und ich bin dabei einen Weg der Buße und inneren Einkehr ge­gangen und ein anderer, ein ganz anderer geworden. Komme nun bald mit dem lieben Vater und Deinem Bräutigam und seht Euch daS Werk in feiner Vollendung an, ehe et mein Atelier verläßt und feiner Bestimmung ent- gegengeht.

Dein getreuer Schwager

Heinz Lehnert."

Truppen, von größeren Auszügen oder von Viehherden muß er angehalten werden. Ebenso wenn die Bedienungsmann­schaft bemerkt oder durch Zurufe oder Zeichen daraus aus- merksam gemacht wird, daß durch den Transport die Gefahr des ScheuwerdenS von Tieren herbeigeführt wird.

Von der TranSportmannschaft ist unter allen Umständen jede notwendige Hilfe zu leisten,

§ 5. Zur Bedienung eines Transports müssen bei einer Lokomotive vier, bei zwei Lokomotiven fünf Personen vor­handen sein, von denen je eine der Lokomotive vorausgehen und nötigenfalls den mit Pferden den Transport Passierenden Beistand leisten muß.

§ 6. Während der Beförderung einer DampspflugeS ist die Benutzung , der Lokomotivpfeife verboten.

Der Dampfdruck darf nicht so hoch gespannt werden, daß die Sicherheitsventile abblasen.

Angesichts von Personen, welche Pferde reiten, fahren oder führen, dürfen die Zylinderhähne nicht geöffnet werden.

Die Aschkasten der Lokomotiven müssen gegen daS HerauS- faUen von Brennstoffen genügend gesichert fein und dürfen während der Fahrt in der Nähe von Gebäuden und Waldungen nicht entleert werden.

§ 7. Der Verkehr von Dampfpflügen ist in der Zeit von einer Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang untersagt.

Ausnahmsweise kann der Nachtverkehr von der zur Er­teilung der Fahrerlaubnis zuständigen Behörde (§ 1) für bestimmte Fälle und unter der Bedingung gestattet werden, daß sowohl die Lokomotiven wie die zugehörigen Fahrzeuge mit hcllbrenncnden roten Laternen versehen find, welche an der Lokomotive vorn und amletzten Gefährt des Zuges hinten angebracht werden.

§ 8. Der Betrieb von Dampfpflügen in unmittelbarer Nähe von haussierten und anderen öffentlichen Wegen ist innerhalb einer Entfernung von 25 Metern nur unter folgenden Bedingungen gestattet:

1) a uf dem Wege ist ein Mann aufzustellen zur Hilfe­leistung bei dem Passieren mit Pferden oder Vieh;

2) a uf Zuruf oder Zeichen dieser Männer oder einet Passanten, welcher Pferde führt, fährt oder reitet, oder Vieh treibt, ist der Betrieb anzuhalten und namentlich der Gebrauch der Dampfpfeife zu vermeiden.

§ 9. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Be­stimmungen werden, sofern nicht nach allgemeinen Lande-gesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zum Betrage von 60 M. bestraft.

§ 10. Durch die Erteilung der Erlaubnis zur Beförderung eines Dampfpfluges wird die Verpflichtung deS Unternehmer-, für allen Schaden aufzukommen, welcher durch den Transport dem WegeunterhaltungSpflichtigen oder einen anderen ver­ursacht wird, und daS Recht deS UntcrhaltungSpflichtigen, zur Sicherung seiner etwaigen Schadenersatzansprüche die Bestellung einer angemessenen Sicherheit zu erlangen, nicht berührt.

Betroffen und mit wachsendem Interesse hatte Emmy diesen Brief gelesen und dann las sie ihn zum zweiten Male und leuchtenden Auges zeigte sie den Bries dann Gabrielen, die noch im Forsthause weilte.

Dieser Bries ist ein ergreifendes Selbstbekenntnis", flüsterte Gabriele erregt der Freundin zu,Heinz scheint wirklich die rechte seelische Vertiefung und hohe Reinheit der künstlerischen Empfindens gefunden zu haben. Wenn ich nicht gewisse Bedenken hätte, so möchte ich mich Euch anschließen, und dieses erhabene Kunstwerk LehnertS auch sehen, ehe eS daS Atelier verläßt und vielleicht nach einem fernen Museum gebracht oder gar von dem AuSlande angekaust wird."

Aber Gabriele, daS ist doch ganz selbstverständlich, daß Du Dich uns anschlicßt, wenn wir in die Residenz fahren, um das neue Kunstwerk zu fehen", rief Emmy begeistert. Du hast ja mehr Recht als alle anderen, da- Kunstwerk zu- erst zu sehen, da Du ja vor vier Jahren erst Heinz zur wahren Kunst begeistert hast, und er wird sich sicher freuen, wenn er sieht, daß Du kommst."

Gabriele nickte mit wehmütigem Blicke und zog sich dann aus ihr Zimmer zurück.

Drei Tage später standen der Obersörster, Emmy, Eberhard und etwas abseits von diesen drei Personen Gabriele in Heinz LehnertS Atelier vor der noch verhüllten Statue bei Mitleids.

Bald trat Heinz ein, begrüßte in freundlicher gewinnender Weise den Obersörster, dann Emmy und Eberhard, während wie scheu und erschrocken vor ihm sich Gabriele in einer Nische des Ateliers verbarg.

Jetzt ließ Heinz, ohne ein Wort zu sagen, die Hülle von der Statue fallen.

ES ist Gabriele, Gabriele als Statue deS Mitleides", rief da bei dem Anblick der Statue Emmy aus vollem Herzen, Gabriele mit ihrer Milde und Güte am Tage deS Duells, wo sie Frieden und Versöhnung stiftete, Gabriele alS Madonna der Liebe und des Mitleides und dort kniet vor ihr ein Armer, Unglücklicher, Elender, den sie trösten und glücklich machen

§ 11. Sämtliche dieser Verordnung widersprechenden geltenden Bestimmungen, insbesondere die Polizeiverordnung für den Regierungsbezirk Cassel, betreffend den Transport von Dampfpflügen auf den öffentlichen Wegen, sowie den Betrieb in der Nähe der letzteren, vom 14. Juli 1887 (Amtsblatt Seite 179) werden aufgehoben.

§ 12. Diese Vorschriften treten 14 Tage nach ihrer Veröffentlichung in den Amtsblättern in Kraft. £ (Nr. 3439/A H. 3456/09.)

Cassel, am 8. April 1909.

Der Oberpräfident. I. V.: M a u v e. * *

HerSfeld, den 8. Mai 1909.

Wird veröffentlicht.

I. 4963. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

HerSfeld, den 12. Mai 1909.

DaS Ober-Ersatz-Geschäft im Kreise Herzseld findet am:

Mittwoch den 9. Juni d. 3s. und

Donnerstag den 10. Juni d. 3s. jedesmal von Morgens 8 Uhr ab im Saale des Gastwirts Herrn B. Bolender hierselbst statt.

Die Herren Ort-vorstände deS hiesigen Kreises haben die ihnen demnächst zugehenden Vorladungen den betreffenben Militärpflichtigen alSbald auSzuhändigen.

Gleichzeitig erhalten sie den Auftrag, mit den Militär­pflichtigen in den genannten Terminen pünktlich zu erscheinen und ihnen zu eröffn;«, daß diejenigen, welche beim Aufruf ihrer Namen im MufterungSraum nicht anwesend sind, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu drei Tagen die im § 26 bezw. 66 der Wehrordnung bezeichneten Nachteile sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als un­sichere HeereSpflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäst werden sämtliche in Betracht kommenden Reklamationen der Ober-Ersatz-Kommission zur Entscheidung vorgelegt. HUe Familienglieder, auf deren Hrbeite- oder Ptichtarbeitsfähigkeit es bei der Be­urteilung der Reklamation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Rekla­mierten) haben deshalb im Cermin mit zu erscheinen, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamation nicht ftattfinden kann.

Wer an Epilepsie zu leiden behauptet, hat den Nachweis hierfür durch drei glaubhafte, persönlich anwesende Zeugen zu sichren oder ein Zeugnis eine- beamteten Arztes beizubringen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise ge­führt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden An­gaben müssen sich aus die in letzter Zeit vorgekommenen Hn: fälle beziehen; ebenso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Atteste sich vorzugsweise über neuere

will. So tue eS nun auch wirklich, Gabriele, ein seelisch Schmachtender fleht um Dein Mitleid."

Betroffen blickten alle auf Emmy, die eben so seltsame Worte geredet hatte. Diese ließ sich aber durch nichts ver­blüffen, sondern sprach im seelischem Dränge weiter:Wo steckst Du denn eigentlich, Gabriele? Komm doch hier her, wo Du als Glück-spenderin und SegenSstiftcrin wirken kannst."

Und dann entdeckte Emmy Gabrielen in der Nische und zog sie auS derselben hervor.

Gabriele stand jetzt vor der Statue und musterte sie mit ernsten, umflorten Augen, dann reichte sie Heinz die Hand und sagte mit leiser zitternder Stimme:

DaS Werk zeugt von einer großen Läuterung ihres seelischen und künstlerischen Gesühle-, Herr Professor, ich mache Ihnen mein Kompliment. Aber daß Sie dieser herrlichen Statue deS Mitleides auch meine GesichtSzüge und noch dazu in idealisierter Weise gegeben, das verdiene ich wahrhaftig nicht, denn ich bin nicht immer so groß und edel mitleidig, wie eS dieser schöne Kunstwerk darstellt."

Aber Sie sind und bleiben doch meine Muse, ob Sie mir nun nah oder fern, ab- oder zugeneigt sind", erklärte Heinz mit fliegendem Atem.Es fragt sich jetzt nur, ob Sie, meine unendlich geliebte Gabriele, jetzt auch Mit­leid, Liebe und Mitleid für den haben, dem Sie immer fehlen werden, und den nur Sie ganz glücklich machen können."

Gabriele schien noch mit der Antwort zu zögern und angst- voll blickte ihr Heinz in die Augen und dann wieder schaute er umher, ob niemand in dieser kritischen Minute ihm zu Hilse kommen werde.

Aber Emmy und Eberhard und auch der Oberförster hatten sich während der Begegnung der beiden taktvoll in ein Seitengemach zurückgezogen und flehend kniete jetzt Heinz vor Gabrielen.

Und plötzlich sank sie auch neben ihm nieder und seine Hände erfassend flüsterte sie mit Tränen:

»Mein Herz jubelt nun auch Ihnen entgegen, Heinz, seit­dem sie den Weg der Läuterung gegangen ?'