unseres bekannten Maiglöckchen- erkennen muß. In den schattigen Wäldern Deutschlands, wohl seltener alS das Maiblümchen, aber mit Vorliebe in dessen Gesellschaft, in der es sich wie der ernste und bedächtige Schirmherr neben dem kindlichen Glöckchen auSnimmt, grünt und blüht eS in satter Pracht. Eine weitere Verwandte ist die vielblütige Weißwurz, die in Deutschland häufig zu finden ist. Sie wird bedeutend höher alS daS Salomonssiegel, hat geraden, ausrechten, zuweilen sonst im Bogen sich neigenden Stengel, an dem die Blätter bis zur Spitze emporwachsen und die Blüten in kleinen Büscheln von länglichen weißen und grün geränderten Glocken zu zwei bis acht an kurzen Stielchen bcisammenstchen. Freilich sehlt diesem größeren Verwandten unserer Maiglöckchens der süße Dust, den diese- so ausgiebig auShaucht. Eine weitere, mit dem Maiglöckchen zusammen blühende und nahe verwandte Pflanze ist dak kleine Maiglöckchen oder zweiblättrige Schatten- blümchen, dessen oft nur fingerhoher, zwei abwechselnd gestellte Blätter tragender Stengel in eine Traube kleiner, niedlicher weißer Blüten ausläust. Ohne Zweifel ist das Maiglöckchen die lieblichste Blütengabe deS vielbesungenen Mai.
§ Hersfeld, 10. Mai. (Die drei gestrengen Herren.) Die drei gestrengen Herren werden namentlich von Landwirten und Gärtnern die Tage deS 11., 12. und 13. Mai genannt, die den Kalendernamen MamertuS, PankratiuS und Servatius führen. Mamertus war ein gelehrter Presbyter in Vienna, der im Jahre 452 feierliche Buß- und Betandachten einrichtete. PankratiuS war ein christlicher Märtyrer, der während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian am 12. Mai 293 enthauptet wurde. ServatiuS endlich war der letzte Bischof von Tongern mit Athanasius ein Gegner der Arianer, und starb im hohen Alter um das Jahr 384 zu Maastricht. Aus sein Grab soll nie Schnee gefallen sein, weshalb der Volksglaube meint, daß nach seinem Gedenktage, dem 13. Mai, kein Frost mehr kommen werde. Sie sind auch unter dem Namen der drei „Eisheiligen" bekannt, und die Winzer nennen sie die „Weinmörder" oder „Weindiebe." Nun ist ei ja Tatsache, daß um diese Zeit Kälterücksälle eintreten können, aber daß diese an die Tage der „drei gestrengen Herren" gebunden seien, ist ein Märchen, das langjährige wissentschastliche Beobachtungen und auch die Erfahrung widerlegt haben. So hatten wir im Jahre 1907 an den gesürchteten drei Tagen die höchsten Temperaturen bei ganzen Sommers, und auch im vorigen Jahre wehten linde, sommerliche Lüfte. Wie die Wissenschaft crsorscht hat, stellen sich die gesürchteten Maisröste nach dem Vorübergang sehr tiefer und ausgedehnter Minima bei wieder steigendem Barometer und Nordwestwind zu jeder Zeit des Mai, oft sogar, wie vor drei Jahren, noch in der ersten Junihälfte ein. Wir wollen wünschen und hoffen, daß auch in diesem Jahre „die drei gestrengen Herren" ein gelindes Regiment führen.
Bebra, 8. Mai. Aus dem Bahnsteig 4 der hiesigen Station ist heute früh die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgcsunden worden. Die Nachforschungen nach der Mutter sind bisher ergebnislos gewesen.
§ Fulda, 10. Mai. (Landwirtschaftliche Ausstellung des KreiSvereins Fulda.) Die einzelnen Vereine, welche Zweige der Landwirtschaft vertreten, sowie der Zentral-ArbeitSausschuß entwickeln bereits eine emsige Tätigkeit und lassen ein Gelingen der Ausstellung mit Bestimmtheit erwarten. In der letzten Sitzung des Zentral- arbeitSausschusses am Samstag den 1. Mai, berichteten die Vertreter der einzelnen Vereine über die Art und Weise und den Umfang ihrer SondcrauSstclliingen. Sie lassen erkennen, daß daS Unternehmen ein ganz riesiges werden wird. Es wird eine Ausstellung zustande kommen, wie sie weit und breit noch nicht gesehen worden ist. Die Ausstellung wird so reich und vielgestaltig sein, daß jeder Besucher seine Rechnung findet. Für heute möchten wir verraten, daß die Kaninchenzuchtausstellung ganz besonders für die Damen, die hauptsächlichsten Pelzträgerinnen, interessant werden wird. Es werden nämlich nicht nur in lebenden Exemplaren die verschiedensten Rassen ausgestellt, sondern es werden auch die Produkte der Kaninchenzucht vorgesührt werden An den rohen und bearbeiteten Kaninchenfellen werden dann unsere Damen mit Staunen erkennen, daß so manches teure Pelzwerk mit ganz exotisch klingendem Namen einst ein Kaninchen geziert hat. Jed nfalls können sie ihre Kenntnisse aus diesem Gebiete ganz bedeutend erweitern und bereichern, was ihnen beim Einkäufe ihres Pelzwerkes von nicht zu unterschätzendem Vorteile sein wird. Sollte das Wetter es erlauben, werden auch noch Fleisch- und Wurstwaren aus Kaninchenfleisch ausgestellt werden. Die Kaninchenausstellung wird in einer besonderen Halle von über 300 Quadratmeter Bodenfläche im Irrgarten untergcbracht werden.
Frankfurt, 8. Mai. Die Frau des Eisenbahnunter- nehmers Hermann in Frankfurt ist gestern das Opfer eines Elfenbahuräubers geworden. Sie war gestern morgen nach Wiesbaden gereift und kehrte abends mit dem Eilzuge zurück. Sie befand sich allein in einem Abteil dritter Klasse für Frauen. Nachdem der Zug die Station Castel bei Mainz verlassen hatte, drang plötzlich vom Trittbrett auS ein Mann in das Abteil, der sich durch das Vorbinden eines schwarzen TucheS über daS Gesicht, nur die Augen waren sichtbar, unkenntlich gemacht hatte. Den Rock trug er verkehrt. Er hielt der Frau einen Revolver vor und forderte sie auf, sich ruhig zu verhallen, es werde nichts geschehen. Sie solle ihm ihr Geld geben, er könne sich nicht anders helfen. Er tue den Schritt in größter Verzweiflung. Ziehe sie aber die Notbremse, oder mache sie die geringste Bewegung, um den Zug zum Stehen zu bringen, so werde er sie sofort erschießen. In der rechten Hand trug er einen Revolver, in der linken einen Strick mit dem er die Frau fesseln wollte. Die Frau erwiderte, sie werde sich ruhig verhalten, und bat von einer Fesselung abzusehen. Sie reichte ihm dann sofort ihr Handtäschchen, dem der Räuber etwa 170 Mk. entnahm. Vor dem Einlausen in die Station Höchst verließ der Mann das Abteil. Die Frau blieb fassungslos sitzen und erstattete in Höchst, wo der Zug kurzen Aufenthalt hatte, Anzeige. Man durchsuchte sofort den Zug, fand aber nichts Verdächtiges. Zwei Schaffner wurden der Frau beigegeben, die aber auch nicht bemerkten, daß zwischen Höchst und Frankfurt a. M. irgendeiner absprang. Man nimmt an, daß der Räuber in Wiesbaden oder Castel sich in einem BremShäuSchen versteckt und dort die Verkleidung vorgenommen habe. Als man in Franksurt noch einmal genaue Revision hielt, entdeckte man in einem BremShäuSchen ein Fläschchen mit Branntwein, daS keinem der Angestellten gehörte. Der Zugführer gab an, er habe die merkwürdige Beobachtung gemacht, daß bei dem Einlaufen in Frankfurt a. M. daS Manometer plötzlich von 5 aus 2 Atmosphären zurückgegangen sei. Da dieS nicht von der Lokomotive auS bewirkt wurde, ist es vermutlich von einem BremShäuSchen auS geschehen, waS von dort aus durch einen Druck auf den Hahn leicht möglich ist. Der Räuber wird als ein kleiner untersetzter Mensch geschildert. Die Frau hat die Beobachtung gemacht, daß seine Hände berußt waren
und eine Hand Blutflecke zeigte. Von dem Attentäter fehlt bis jetzt jede Spur.
Weimar, 8. Mai. Eine Ehrtragödie hat sich hier er eignet. Der Uhrmacher Weise hat feine Gattin und darauf sich selbst erschossen. Beide Eheleute waren einige sechzig Jahre alt. DaS Motiv dürste in geschäftlichen Schwierigkeiten zu suchen sein.
Koburg, 8. Mai. Der Kassensührer der gemeinsamen OrtSkrankenkasse, Henne, ist nach Unterschlagungen und Bücher- sälschungen, die biS 1903 zurückreichen, geflüchtet.
Elgershausen, 8. Mai. AlS ein hiesiger Kuhschweizer einen im Stalle stehenden Ochsen loSkoppeln wollte, wurde er von dem Tier derart gegen die Brust gestoßen, daß er blutüberströmt zusammenbrach. Der Verunglückte wurde nach Cassel ins Krankenhaus gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.
Arolsen, 6. Mai. Im Diemeltal und im angrenzenden Sauerlande ist da- Thermometer in der gestrigen Nacht aus 2—3 Grad Celsius unter Null gesunken. Auf den BergeS- Höhen liegt der neugefallene Schnee fußhoch.
Marburg, 6. Mai. Den Tod fand gestern der Rangierer Otto von hier bei Ausübung seines Berufe». Beim Rangieren einer Abteilung Wagen blieb er mit einem Fuße in einer Weiche hängen und vermochte sich trotz aller Anstrengungen nicht aus der gefahrvollen Lage zu befreien. Ob- wohl er mit der Mundpseise fortwährend Notsignale gab, gelang es dem Lokomotivführer nicht, die Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Otto wurde zu Boden gerissen und ihm ein Bein völlig vom Körper abgetrennt, während das andere Bein zersplittert wurde. Der Schwerverletzte wurde nach Anlegung eines NotverbandeS sofort in daS hiesige Krankenhaus transportiert, wo er jedoch schon nach wenigen Stunden seinen Geist aufgab.
Flieden, 6. Mai. Ein schwere- Schicksal hat den Bauern Gustav Schäfer betroffen. Seine Ehefrau lag aus dem Totenbett, das in der Küche beschäftigte Töchterchen erlitt schwere Brandwunden und der herbeieilende Vater verbrannte sich beim Löschen der Kleider an Händen und Armen schwer. AI» die Frau beerdigt wurde, lag daS Töchterchen im Krankenhause zu Fulda und der Mann in seinem Hause darnieder.
Vermischtes.
— Altenburg, 8. Mai. Im hiesigen Kammersorst wütet seit heute mittag ein Waldbland, dem bereit- große Flächen wertvollen BaummaterialS zum Opfer gefallen sind. Die fünfte Kompagnie des Altenburger Infanterieregiments ist am Spätnachmittage zur Hülseleistung autgerückt. Der Herzog hat sich im Automobil zur Brandstätte begeben.
— Ein traurige- Schicksal hat in Bamberg die 23jährige Tochter Christine deS KunstmühlenbesitzerS Winkler ereilt. Sie wollte dem Kanarienvogel Futter reichen, fiel dabei vom Stuhl herunter und verletzte sich derart, daß sie am dritten Tage starb. Das Mädchen stand vor der Hochzeit.
— Berlin, 7. Mai. Im Hause Alte Jakobstraße 118 stürzte sich heute um 3 Uhr nachmittag- da- hochbejahrte, alleinstehende Fräulein Gierot auS dem Fenster ihrer Dachwohnung in die Tiefe hinab und war auf der Stelle tot. Die Unglückliche soll die Tat in einem Anfall von Krämpsen begangen haben,
— Berlin, 8. Mai. Vor dem KriminalgerichSgebäude in Moabit gab heute mittag der Maurer Kieselbach, der kurz vorher wegen Beleidigung und Mißhandlung von Eisenbahn- beamten zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, auf die Eisenbahnbeamten, die alS Belastungszeugen gegen ihn aufgetreten waren, vier Schüsse ab, durch die zwei Beamte schwer und drei leicht verletzt wurden. Von den ersteren ist einer bereit- verstorben. Der Täter wurde verhaftet.
— Hannover, 8. Mai. Im Militär-Reitinstitut kam Leutnant v. Thcrmann zu Fall, wobei ihm eine Lanze in den Unterleib drang. Nach der Operation trat durch den starken Blutverlust Herzschwäche ein, die gestern den Tod herbeiführte.
— Dortmund, 7. Mai. In der Dortmunder Union sind heute zwei Arbeiter durch Einatmen giftiger Gase getötet worden.
— Amberg, 7. Mai. In Freihung brach heute morgen ein Großscuer aus, dem acht Wohnhäuser und zwanzig Nebengebäude, sowie viel Vieh zum Opfer fielen. Mehrere Kinder konnten im letzten Augenblick mit versengten Haaren und Kleidern noch gerettet werden. Es wird Brandstiftung vermutet.
— Wien, 8. Mai. Heute morgen 9 Uhr wurde in einem Zimmer der PalasthotelS in der Mariahilser Straße em junges Paar entkleidet und leblos in den blutgetränkten Betten ausgefunden. Der junge Mann hatte seine Begleiterin im Laufe der Nacht erschossen und sich dann eine Kugel in die Schläfe gejagt. DaS Mädchen ist tot, der Mann lebent- gcsährlich verletzt. Nach den Auszeichnungen, die man fand, soll er Alfred Davidsohn heißen und auS Charlottenburg bei Berlin stammen. Seine Begleiterin heißt Charlotte Meschke aus Pankow bei Berlin.
— Wien, 8. Mai. Im Orte LaviS bei Bvzen Überfuhr heute ein Automobil, in dem sich der bekannte Millionär Kommerzienrat Küstermann mit seiner Familie befand, eine Frau und tötete sie. Der Chauffeur wurde verhaftet.
— In Weigelsdorf, Kreis Reichenbach i. Schl., brannte dieser Tage die Güthersche Stelle ab, und auf der Brandstelle fand man den Forstarbeiter Friedrich verbrannt aus. Der kurz zuvor auS dem Zuchthause entlassene Gelegenheitsarbeiter Glatzcr auk Tannenberg hatte unmittelbar vor AuSbruch deS FeuerS bei Friedrich geweilt und war mit diesem in Streit geraten. In dessen Verlauf hat er seinen Gegner getötet und dann da- Gebäude in Brand gesteckt, um eine Entdeckung der Bluttat zu verhüten. Glatzer legte bald nach seiner Verhaftung ein Geständnis ab. Er gab zu, Friedrich so lange gewürgt zu haben, bis dieser tot umfiel. Er behauptet jedoch, daß da- Feuer nach Verübung dek Mordes durch Fahrlässigkeit entstanden sei. Der Mörder wurde dem GerichtSgesängniS in Reichenbach eingeliefert.
— (Ehetragödie im Gericht-saal.) Ein Ehe- scheidungsprozeß endete in Darmstadt mit einem Akt brutaler Leidenschaft. Der MöbeltranSporteur Karl Ritsert hatte vor dem Amtsgericht in Darmstadt einen Sühnetermin in seinem Ehescheidungsprozeß. Plötzlich zog der als gewalttätig be- kannte 33jährige Mann ein Messer hervor und verletzte seine Frau durch einen Stich lebensgefährlich. Die Aermste mußte in daS Krankenhaus geschafft werden. Ritsert wurde sofort in Zwangshaft genommen. Er stammt auS guter Familie, war aber finanziell und moralisch heruntergekommen, so daß seine Frau die Hölle aus Erden hatte.
— Ein seltene- H erzenSb ün dniS wurde in K u n e r S d o r f bei Kamenz geschloffen. Dort trat der 90 Jahre alte Schäfer Wünsche vor den Traualtar und vermählte sich mit seiner 60jährigen Wirtschafterin.
— Beim TenniSspiel wurde in Eto lp der Regie- rungSrat Knoevenagel von einem Balle derart unglücklich in!
Auge getroffen, daß er sofort bewußtlos zu Boden stürzte und nach etwa einer Stunde starb, ohne daS Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Knoevenagel stand im 40. Lebensjahre.
— St. Amarin (Vogesen), 8. Mai. Im benachbarten GeiShausen wurden gestern nachmittag durch eine Feuertbrunst vier Wohnhäuser mit Nebengebäuden eingeäschert. Bei den Rettung-arbeiten wurden drei Männer durch zusammenstürzendeS Mauerwerk erschlagen. Die drei Getöteten find Familienväter und hinterlassen insgesamt 20 Kinder.
— (W ie sich ein Millionär begraben läßt.) Der Pariser Multimillionär M. Chauchard, der jetzt schwer erkrankt ist, ist in den Kreisen der Kunstliebhaber eine bekannte Persönlichkeit, denn durch Ausdauer und Geschmack hat er eine einzigartige Sammlung kostbarer Kunstwerke und Raritäten zusammengebracht. Aber die Sorge bei reichen Sammlers galt keineswegs nur seinen Sammlungen: seit Jahren arbeitet er mit gebührender Sorgsalt an dem Programm — seiner Beerdigung. Sein Leichenbegängnis soll ein prunkvolles Schauspiel fein, das dem Tode so im Glänze der Farben da- Grauen nehmen wird. Sein Totendenkmal ist bereit- fertig, und schon vor zwei Jahren hat der sonderliche Philanthrop sich seinen Sarg schaffen lassen. Dieser Sarg ist ein Kunstwerk an sich, aus kostbarstem Holze gefertigt und mit prachtvollen Bronzebeschlägen geschmückt, die Den Werkstätten bekannter Künstler entstammen. 20 000 Fr. hat M. Chauchard für seinen Sarg angelegt und 80 000 für sein Grabmal, aber dabei blieb er nicht stehen. In feinem Testamente hat er weitere 200 000 Fr. für Bestattungskosten au-gesetzt und ihre Verwendung genau vorgeschrieben. Wenn dereinst die Stunde det Millionärs geschlagen hat, werden seine irdischen Reste zwei Tage lang in seinem entzückenden Hause ausgebahrt. Dann sährt ein besonders prunkvoller Leichenwagen vor, und das Leichenbegängnis beginnt. Vor dem Leichenwagen marschieren 4000 in Trauerkleider gehüllte Angestellte eines großen PrivatunternehmenS. An der Spitze bei Zuges reitet ein Pikör, dem 200 Leichendiener in großer Livree folgen. Zur Bestattung ergehen besondere Einladungen, und ei ist Vorsorge getroffen, daß die Leichengäste nicht etwa zu Fuße dem Sarge folgen. Prächtige Trauerkarossen im Louis XV. Stil werden bereit gehalten. Der Kutscher in höchster Gala; aus den Hinteren Trittbrettern stehen zwei Diener in alter Tracht mit großen Perücken. Selbst die Sargträger erhalten eine besondere künstlerisch abgetönte Gewandung. Alle die Tausende aber, die bei der Feier tätig sind, tragen weiße Handschuhe. Der TrauergotteSdiest wird in der Madeleine-Kirche abgehalten. Eine Anzahl berühmter Sänger ist bereit- engagiert, und mit einem der ersten Pariser Orchester ein Abkommen über die Mitwirkung abgeschloffen. Von der Kirche bewegt sich der Zug dann zum Pere-Lachaise, dessen Portal schwarz behängen ist. Vierzehn Träger bringen den Sarg zum Grabe. Wenn dann alle „Leidtragenden" am Grabe vorbeidefiliert sind, beginnen auf einer befondert aufgeschlagenen schönen Tribüne die Gedächtnisreden, in denen eine ganze Reche von Rednern deS Verstorbenen gedenken werden. Einstweilen freilich wird Pari- diese jchöne Leichenfeier nicht genießen, denn dem Kranken geht ei wieder besser, und wie liebevoll er auch den Plan seiner Bestattung aus- gearbeitet hat, er wird wohl kaum den Wunsch habm, die Abhaltung dieses Totenfestes zu beschleunigen.
— (RooseveltSJagdabenteuer inAfrika.) Die ersten Berichte, welche von dem Beginn der Jagden Roofe- veltS im Innern Asrikat in Amerika eingelaufen sind, lauten recht abenteuerlich, und wahrscheinlich hat dabei die amerikanische Phantasie bisher die größten Ersolge gehabt. Die gestrigen amerikanischen Blätter waren voll von enthusiastischen Schilderungen der Taten RooseveltS in Asrika. Schon hat Teddy drei Löwen und zwei Löwinnen zur Strecke gebracht. Auch sein Sohn Kermit hat einen Löwen geschossen. Dem New-Dork American wird aut Asrika telegraphiert: RooseveltS Geistesgegenwart habe zwei Mitgliedern seiner Karawane d^ik Leben gerettet. Diese, ein Weißer und ein Schwarzer, waren fast ahnungslos über einen riesigen, zum Sprunge bereiten Löwen mit ihren Pferden hinweggeritten. Aber im letzten Moment gelang eS noch, zu wenden. Schon aber hatte bai gewaltige Tier den Sprung getan, da krachte RooseveltS Büchse, und der Löwe stürzte, durch den Schädel getroffen, tot zu Boden. Gestern sind die schwarzen Treiber, die mit Herz und Seele bei der Sache sind, au-gezogen, um Giraffen RooseveltS Gesellschaft entgegenzujagen. Die Häuptlinge der Kikuyu habm dem „großen weißen Mann von Amerika" einen weißen Strauß geschenkt und von vierhundert Kriegern einen Tanz ihm zu Ehren aufführen lassen.
Letzte Nachrichten.
Friedrichshasen, 9. Mai. Die seit mehreren Tagen geplante, aber wegen deS scharfen OstwindeS immer wieder verschobene Ucberführung bei ReichSluftschiffeS „Z. 1" aus der schwimmenden Ballonhalle in Manzell in die neue Zelt- Halle auf dem Gelände der Lustschiffbau-Gesellschast in Fried- richShasen ist heute bei günstigem Wetter erfolgt. Um 7 Uhr wurde daS Luftschiff aus der schwimmenden Halle autgeschifft, um 7 Uhr 15 Minuten schwebte ei bereits über Friedrichr- Hafen. Um 7 Uhr 45 Minuten erfolgte rasch und sicher die Landung auf dem Terrain, wo schon vorher Mannschaften bei Grafen Zeppelin eingetroffen waren, um die nötigen Vorkehrungen zu treffen, während die Urberführung selbst durch Militär erfolgte. Um 8 Uhr war daS Luftschiff in der Zelthalle geborgen.
Wien, 9. Mai. Nach einer Belgrader Meldung beabsichtigt der Sohn deS ExsultanS Burrhaneddin einen Ausstand in Bulgarien zu organisieren und an der Spitze der Albanesen nach Saloniki zu marschieren, um den Vater zu befreien.
Prag, 9. Mai. Zwei Versammlungen der tschechisch- nationalen Jugendorganisation wurden von der Polizei ge- wurden wegen antimilitaristischer
sprengt. Fünf ------ Propaganda verhaftet.
London, 9. Mai. Wie dem Reuterschen Bureau auS Allahabad gemeldet wird, wurde eine 40 Mann starke Abteilung eingeborener Kavallerie, die von einem englischen Leutnant besehligt wurde, in der Nähe von Miralikhel (Belud- schiftan) von etwa 70 Eingeborenen angegriffen und hatte einen Verlust von drei To:en und Verwundeten. Auf Seiten der Angreiser wurden zwei Mann verwundet.
Oeffentttcher Wetterdienst.
Dienststelle Weilburg (LandwirtschastSschule).
Wetteraussichten für Dienstag den 11. Mai:
Wechselnde Bewölkung; vereinzelt geringe Nieder- schläge, kühl.